{"id":10203,"date":"2019-11-07T13:07:29","date_gmt":"2019-11-07T13:07:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.medienberatungev.org\/?p=10203"},"modified":"2019-11-07T21:49:30","modified_gmt":"2019-11-07T21:49:30","slug":"aus-meinem-buecherregal","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.medienberatungev.org\/?p=10203","title":{"rendered":"Aus meinem B\u00fccherregal:"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Eike\nChristian Hirsch: Exemplarische Beispiele <\/strong>\n<strong>Aus meinem B\u00fccherregal:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/BuchumschlagDeutschf\u00fcrBesserwisser-665x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-10204\" width=\"233\" height=\"356\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Mein\nAntiquit\u00e4tenh\u00e4ndler an der Ecke hat offenbar in seiner Jugend\nLatein gelernt und es wie alle seine Mitsch\u00fcler wieder vergessen.\nEine Vorliebe f\u00fcr lateinische W\u00f6rter hat er behalten, pflegt sie\naber mit einem zus\u00e4tzlichen Wort zu verdeutlichen, was genaugenommen\n\u00fcberfl\u00fcssig w\u00e4re. Das ist eine besondere Spezialit\u00e4t von ihm. \nHat\nunser Antiquit\u00e4tenh\u00e4ndler ein kostbares St\u00fcck anzubieten, so raunt\ner: &gt;Eine seltene Rarit\u00e4t.&lt; Denn, so meint er, Rarit\u00e4ten gibt\nes ja schon genug. Erkl\u00e4rt er uns eine Rokoko-Kommode, so verweist\ner auf die eingelegten Intarsien, die den \u00fcberaus dekorativen\nSchmuck bilden, wenn man noch genauer hinsieht, sogar als die\nAnfangsinitialen des ersten Besitzers erkennbar sind. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Das Spielerische des Rokoko sei hier, so erfahren wir, zum \u00e4u\u00dfersten Extrem gebracht. Es scheint ihm auch nicht zu viel, das gute St\u00fcck als ein exemplarisches Beispiel des norddeutschen Rokoko anzupreisen, das schon rein optisch gesehen von einzigartiger Individualit\u00e4t sei. Solche Anpreisungen geh\u00f6ren f\u00fcr ihn zu den vorausgehenden Pr\u00e4liminarien des eigentlichen Verkaufs.  Wagt man an der Echtheit der Kommode zu zweifeln, so beteuert der H\u00e4ndler, es sei f\u00fcr ihn ein grundlegendes Prinzip, dem er erste Priorit\u00e4t einr\u00e4ume, da\u00df alle St\u00fccke, die er anbiete, echt seien.  <\/p>\n\n\n\n<p>Und \u00fcberhaupt habe er f\u00fcr Echtheit eine ganz empfindliche Sensibilit\u00e4t, geh\u00f6re er doch gerade f\u00fcr diesen Abschnitt der Kunstgeschichte zu den versierten Experten und k\u00f6nne da noch manchem Geschichtshistoriker was erz\u00e4hlen.  Sieht unser Antiquit\u00e4tenh\u00e4ndler immer noch in ungl\u00e4ubige Gesichter, so f\u00fchlt er sich von dritter Seite verleumdet und warnt uns vor falschen Legenden \u00fcber seine Firma. Sein Konkurrent sei ein bekannter notorischer L\u00fcgner.  Aber der solle sich nur keine falschen Illusionen machen; er selbst sei f\u00fcr alle m\u00f6glichen Eventualit\u00e4ten ger\u00fcstet und werde notfalls die Eigeninitiative ergreifen, um den Ger\u00fcchten entgegenzutreten.  <\/p>\n\n\n\n<p>Sind wir nun doch in Versuchung geraten, die Kommode zu kaufen, und fragen nach dem Preis, so klagt der Experte, alles werde leider teurer, das sei ja ein chronischer Dauerzustand.  Obwohl die Preissteigerungsrate sicherlich noch nicht ihr gr\u00f6\u00dftes Maximum erreicht habe, bleibe ihm bei seinen Gesch\u00e4ften im Endresultat kaum ein Gewinn, wenn er mal die Unkosten zusammenaddiere.  Wir m\u00fcssen ihm wirklich glauben, da\u00df er sich, wie er klagt, bei der Preisgestaltung keine Versuchsexperimente mehr leisten k\u00f6nne, ohne seinen Ruf aufs Spiel zu setzen, gerade f\u00fcr die Sparte Kommoden der zentrale Mittelpunkt des norddeutschen Antiquit\u00e4tenmarktes zu sein. <\/p>\n\n\n\n<p>Dann l\u00e4\u00dft er aber doch durchblicken, da\u00df man \u00fcber den Preis noch reden k\u00f6nne.  Ein gegenseitiger Kompromi\u00df sei m\u00f6glich. Aber wir k\u00f6nnen uns nicht entschlie\u00dfen, und auch die Aufforderung, zu einem gemeinsamen Konsens zu kommen, verf\u00e4ngt bei diesen Preisen nicht.  Beim Hinausgehen lassen wir uns noch sagen, da\u00df sich kein Antiquit\u00e4tenfreund eine solche k\u00f6stliche Delikatesse h\u00e4tte entgehen lassen. Gewi\u00df, gewi\u00df.  Unser H\u00e4ndler jedenfalls hat sich kaum ein exemplarisches Beispiel f\u00fcr deutsch-lateinische Koproduktionen entgehen lassen.  Eike Christian Hirsch: Deutsch f\u00fcr Besserwisser, Hoffmann und Campe  4. Auflage  31 &#8211; 40. Tsd. 1979 (Seite 179 &#8211; 180)  <\/p>\n\n\n\n<p>Kleine Anmerkung von mir: Nach dem  ich diesen Text aus meinem Buch (mit dem Jugendbild des Autors) abgeschrieben habe, kam mir die Idee,  mich mal selber zu fragen, warum ich diese beiden B\u00fccher von Eike Christian Hirsch  (Deutsch f\u00fcr Besserwisser+ Folgeband) so gut gefallen, seit sie mir so um 1985 im Antiquariat begegnet sind. Warum haben gerade diese beiden B\u00fccher alle Umz\u00fcge \u00fcberstanden? Vermutlich ist es mein Bildungsneid gegen\u00fcber Menschen, die aufgrund langer Schulzeiten,  ein hochn\u00e4siges Verhalten an den Tag legen, wenn man ihnen begegnet.  \u00dcber diese Art Menschen hat sich der Autor immer lustig gemacht und das finde ich in der Tat lustig. Da rufen die Enkelkinder: Wir essen jetzt, Opa. Jens <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/nilpferd_einauge1-1024x686.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-10182\" width=\"87\" height=\"57\"\/><\/figure>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-file\"><a href=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/pdfEikeChristianHirsch-Exemplarische-Beispiele.pdf\">pdfEikeChristianHirsch-Exemplarische-Beispiele<\/a><a href=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/pdfEikeChristianHirsch-Exemplarische-Beispiele.pdf\" class=\"wp-block-file__button\" download>Herunterladen<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eike Christian Hirsch: Exemplarische Beispiele Aus meinem B\u00fccherregal: Mein Antiquit\u00e4tenh\u00e4ndler an der Ecke hat offenbar in seiner Jugend Latein gelernt und es wie alle seine Mitsch\u00fcler wieder vergessen. 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