{"id":10429,"date":"2019-12-16T21:35:43","date_gmt":"2019-12-16T21:35:43","guid":{"rendered":"https:\/\/www.medienberatungev.org\/?p=10429"},"modified":"2025-09-04T06:22:32","modified_gmt":"2025-09-04T06:22:32","slug":"aus-dem-kursbuch-aus-der-filmkritik-alfred-sohn-rethel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.medienberatungev.org\/?p=10429","title":{"rendered":"Aus dem Kursbuch Alfred Sohn-Rethel"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Abgeschrieben im Kursbuch Nr. 21 (September 1970)<\/strong> <strong>Alfred Sohn-Rethel<\/strong><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Kurt_Schwitters_Alfred_Sohn-Rethel_1940.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"250\" height=\"195\" src=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Kurt_Schwitters_Alfred_Sohn-Rethel_1940.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-30828\" style=\"width:177px;height:auto\"\/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Alfred Sohn-Rethel gemalt von Kurt Schwitters 1940<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Die\nsoziale Rekonsolidierung des Kapitalismus<strong><br>\n<\/strong>(September\n1932)<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-file\"><a href=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/PDFAlfred-Sohn-RethelKursbuchabgeschrieben.pdf\">PDFAlfred-Sohn-RethelKursbuchabgeschrieben<\/a><a href=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/PDFAlfred-Sohn-RethelKursbuchabgeschrieben.pdf\" class=\"wp-block-file__button wp-element-button\" download>Herunterladen<\/a><\/div>\n\n\n\n<p>1.\nVon\nder Sozialdemokratie zum Nationalsozialismus<\/p>\n\n\n\n<p>Die Aufgabe, um die es seit den letzten Monaten und auch \u00fcber die augenblickliche Zuspitzung hinaus geht, ist die <em>Rekonsolidierung des b\u00fcrgerlichen Regimes<\/em> in Deutschland. Die jetzige Regierung von Papen bedeutet diese Rekonsolidierung noch nicht, obwohl sie selbst es behauptet und obwohl diese Behauptung taktisch richtig und die unerl\u00e4\u00dfliche Fiktion ist, um eine vollg\u00fcltige Regierungst\u00e4tigkeit aufrechtzuerhalten. Br\u00e4chte und enthielte die jetzige Regierung wirklich schon die geforderte Rekonsolidierung, so m\u00fc\u00dfte sie statt zur Neuwahl vielmehr zur <em>v\u00f6lligen Suspension<\/em> des Reichstags gen\u00fcgend m\u00e4chtig sein und d\u00fcrfte nicht bef\u00fcrchten m\u00fcssen, mit einem solchen Gewaltcoup den Bogen zum Brechen zu bringen. Folglich ist die Regierung abh\u00e4ngig von noch nicht geb\u00e4ndigten, noch nicht in sie einbezogenen Kr\u00e4ften, und die Rekonsolidierung steht mithin in Deutschland zur Zeit noch aus. <br> <br> <br> <\/p>\n\n\n\n<p>Es\nist aber nicht die erste, die im Nachkriegsdeutschland geleistet\nw\u00fcrde. Es ist gar kein Zweifel, da\u00df nach den alles in Frage\nstellenden Einbr\u00fcchen der Revolutions- und Inflationsjahre die\n<em>Weimarer Koalition<\/em> mit der erfolgreichen Durchf\u00fchrung ihres\n&gt;gro\u00dfen Wirtschaftsprogramms&lt;, der Stabilisierung von 1923\/24,\nund gemessen an der Lagerung der Kr\u00e4fte, die damals geb\u00e4ndigt\nwerden mu\u00dften, durchaus eine Rekonsolidierung des b\u00fcrgerlichen\nRegimes darstellte. Sie hat, politisch gesehen, gehalten bis zum\nneuerlichen Kriseneinbruch von 1930. Der allerdings erwies sie als\nblo\u00df scheinbare und fehlerhafte Rekonsolidierung und bewirkte im\nweiteren Verlauf ihre Aufl\u00f6sung und Sprengung, wie aber auch der\nKriseneinbruch 1918\/19, schon das kaiserliche System der Kriegszeit\neingerissen und aufgel\u00f6st hatte. Die Geschichte der deutschen\nNachkriegszeit enth\u00e4lt also Vorg\u00e4nge, die der heutigen Problemlage\n<em>dynamisch verwandt<\/em> sind und aus deren aufmerksamer\nVergleichung sich f\u00fcr die Gegenwartsaufgaben Schl\u00fcsse ziehen\nlassen. Die Parallelit\u00e4t geht in der Tat erstaunlich weit.<\/p>\n\n\n\n<p>Die\ndamalige Sozialdemokratie und der heutige Nationalsozialismus sind\nsich darin <em>funktionell<\/em> gleich, da\u00df sie beide die Totengr\u00e4ber\ndes (Seite 18) vorhergegangenen Systems waren und alsdann die von\nihnen gef\u00fchrten  Massen statt zu der proklamierten Revolution zur\nNeuformung der b\u00fcrgerlichen Herrschaft lenkten. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Der\noft gezogene Vergleich zwischen Hitler und Ebert hat in dieser\nHinsicht G\u00fcltigkeit. Zwischen den Str\u00f6men, die sie &gt;wach&lt;\nriefen, besteht die weitere <em>strukturelle <\/em>Verwandtschaft,\nda\u00df beides Volksbewegungen waren \u2014 man\nhat dies von der Sozialdemokratischen Hochflut von 1918\/19 nur\nvergessen \u2014, da\u00df beide mit dem Appell\nan antikapitalistische Befreiungssehns\u00fcchte die Verwirklichung einer\nneuen \u2014 &gt;sozialen&lt; bzw.\n&gt;nationalen&lt; \u2014 Volksgemeinschaft\nversprachen, da\u00df weiter die soziale Zusammensetzung ihrer\nAnh\u00e4ngerschaft sich in den Massen des Kleinb\u00fcrgertums, ja sogar\nvielfach dar\u00fcber hinaus, v\u00f6llig deckt, und da\u00df endlich ihr\ngeistiger Charakter sich durch eine durchaus verwandte Verworrenheit\nund ebenso schw\u00e4rmerisch-gl\u00e4ubige wie kurzfristige Gefolgstreue\nauszeichnet. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Die\nFeststellung dieses Parallelismus ist <em>keine<\/em> <em>Diffamierung<\/em>\nder nationalsozialistischen Idee, sie betrifft \u00fcberhaupt nicht\nIdeen, sondern gilt der rein analytischen Erkenntnis von Funktion und\nBedeutung zweier Massenbewegungen, die im gleichen sozialen Raum in\nzwei geschichtlich homologen (*) Augenblicken eine analoge politische\nRolle gespielt haben bzw. noch spielen. Der Parallelismus selbst\nbesagt, da\u00df der Nationalsozialismus die Sozialdemokratie in der\nAufgabe abzul\u00f6sen h\u00e4tte, den <em>Massenst\u00fctzpunkt<\/em> f\u00fcr die\nHerrschaft des <em>B\u00fcrgertums<\/em> in Deutschland darzubieten. Dies\nenth\u00e4lt zugleich, zu seinem Teil, die genauere Problemstellung zur\ngegenw\u00e4rtig gebotenen Rekonsolidierung dieser Herrschaft. Ist der\nNationalsozialismus f\u00e4hig, diese Funktion der St\u00fctze anstelle der\nSozialdemokratie zu \u00fcbernehmen, und auf welche Weise k\u00f6nnte dies\ngeschehen? \n<\/p>\n\n\n\n<p>Das\nProblem der Konsoliderung des b\u00fcrgerlichen Regimes im\nNachkriegsdeutschland ist allgemein durch die Tatsache bestimmt, da\u00df\ndas f\u00fchrende, n\u00e4mlich \u00fcber die Wirtschaft verf\u00fcgende B\u00fcrgertum\nzu <em>schmal<\/em> geworden ist, um seine Herrschaft <em>allein<\/em> zu\ntragen. Es bedarf f\u00fcr diese Herrschaft, falls es sich nicht der\nh\u00f6chst gef\u00e4hrlichen Waffe der rein milit\u00e4rischen Gewaltaus\u00fcbung\nanvertrauen will, der Bindung von Schichten an sich, die sozial nicht\nzu ihm geh\u00f6ren, die ihm aber den unentbehrlichen Dienst leisten,\nseine Herrschaft im Volk zu verankern und dadurch deren eigentlicher\noder letzter Tr\u00e4ger zu sein. Dieser letzte oder &gt;Grenztr\u00e4ger&lt;\nder b\u00fcrgerlichen Herrschaft war in der ersten Periode der\nNachkriegskonsolidierung die Sozialdemokratie. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Sie\nbrachte zu dieser Aufgabe eine Eigenschaft mit, die dem\nNationalsozialismus fehlt, wenigstens bisher noch fehlt. Wohl war\nauch der Novembersozialismus eine ideologische Massenflut und eine\nBewegung, aber (Seite 19) \n<\/p>\n\n\n\n<p>er\nwar nicht nur das, denn hinter ihm stand die Macht der <em>organisierten\nArbeiterschaft<\/em>, die soziale Macht der Gewerkschaften. Jene Flut\nkonnte sich verlaufen, der ideologische Ansturm zerbrechen, die\nBewegung verebben, die Gewerkschaften aber blieben und mit ihnen oder\nrichtiger kraft ihrer auch die sozialdemokratische Partei. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Der\nNationalsozialismus aber ist vorerst noch immer nur die Bewegung,\nblo\u00dfer Ansturm, Vormarsch und Ideologie. Bricht diese Wand zusammen,\nso st\u00f6\u00dft man dahinter ins Leere. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Denn\nindem er alle Schichten und Gruppen umfa\u00dft, ist er mit keiner\nidentisch, ist er in keinem dauernden Glied des Gesellschaftsbaus\nsoziologisch verk\u00f6rpert. In diesem bedeutsamen Umstand liegt neben\nder oben festgestellten Parallelit\u00e4t beider Massenparteien ihr\n<em>fundamentaler Unterschied<\/em> hinsichtlich ihrer Bedeutung f\u00fcr\ndie Rekonsolidierung der b\u00fcrgerlichen Herrschaft. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Verm\u00f6ge\nihres sozialen Charakters als origin\u00e4re Arbeiterpartei brachte die\nSozialdemokratie in das System der damaligen Konsolidierung \u00fcber all\nihre rein politische Sto\u00dfkraft hinaus das viel wertvollere und\ndauerhaftere Gut der organisierten Arbeiterschaft ein und verkettete\ndiese unter Paralysierung ihrer revolution\u00e4ren Energie fest mit dem\nb\u00fcrgerlichen Staat. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Auf\ndieser Basis konnte die Sozialdemokratie sich mit einer blo\u00dfen\nTeilhaberschaft an der b\u00fcrgerlichen Herrschaft begn\u00fcgen, ja konnte\nsie sogar niemals mehr und wesensm\u00e4\u00dfig nichts anderes als blo\u00df der\neine <em>Teilpartner<\/em> derselben sein. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Sie\nh\u00e4tte als Sozialdemokratie zu existieren aufgeh\u00f6rt, wenn etwa der\nZufall ihr die ganze Macht \u00fcber Staat, Wirtschaft und Gesellschaft\nhingeworfen h\u00e4tte, so sehr, da\u00df sich von ihr nach einem bekannten\nWorte sagen lie\u00dfe, die Sozialdemokratie w\u00fcrde die b\u00fcrgerliche\nGesellschaft, wenn es sie nicht g\u00e4be, erfinden m\u00fcssen, um zu\nbestehen. \n<\/p>\n\n\n\n<p>In\nkontr\u00e4rem Gegensatz dazu bedingt der <em>Mangel an sozialer Hausmacht<\/em>\nden faschistischen Charakter des Nationalsozialismus. Weil er keinen\nspezifischen sozialen Grundstock hat, der auch ohne Hitler aus sich\nheraus den Nationalsozialismus tr\u00fcge, kann er nur entweder die\n<em>gesamte Macht<\/em> erobern, um sich durch den Besitz des\nStaatsapparats zu schaffen, was ihm aus sozialer Wurzel fehlt, oder\nseine Kraft zerbricht an dem Sozialgef\u00fcge, das ihm politisch\nwidersteht und in das er keinen Eingang findet. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Weil\ner prim\u00e4r kein Glied dieses Gef\u00fcges ist, kann er nicht ohne\ngrundlegende Verwandlung ein Teilpartner der b\u00fcrgerlichen Herrschaft\nsein, welche auf gesellschaftlicher Macht fu\u00dft und der politischen\nSt\u00fctze einer &gt;Massenbasis&lt; nur aus der Wurzel sozialer\nGliedschaft und Verankerung bedarf. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Hier\nliegt die wahre Crux der gegenw\u00e4rtigen Lage. Die faschistische\nM\u00f6glichkeit des Nationalsozialismus ist vor\u00fcber, seine soziale\nM\u00f6glichkeit noch nicht gefunden. Davon aber, da\u00df sie gefunden wird,\nh\u00e4ngt ab, ob wir (Seite 20) \n<\/p>\n\n\n\n<p>wirklich\njetzt zu einer neuen und produktiven Rekonsolidierung gelangen oder\nob wir in der Sackgasse der Alternative einer Milit\u00e4rdiktatur oder\neiner R\u00fcckkehr zur Sozialdemokratie stehen. Die Frage, auf die sich\nalles zusammendr\u00e4ngt, ist daher, ob es f\u00fcr den Nationalsozialismus\neine <em>spezifische soziale M\u00f6glichkeit<\/em> gibt, durch die er aus\neiner faschistischen Bewegung in ein Teilorgan der b\u00fcrgerlichen\nHerrschaft verwandelt werden kann, so da\u00df er f\u00fcr das B\u00fcrgertum die\nbisherige Rolle der Sozialdemokratie ersetzen kann. Ihrer Er\u00f6rterung\nsoll ein zweiter Aufsatz dienen.<\/p>\n\n\n\n<p>2.\nDie Eingliederung des Nationalsozialismus<\/p>\n\n\n\n<p>Man\nwird in einer Zeit, der als Lebensfrage die Rekonsolidierung der\nb\u00fcrgerlichen Herrschaft vorgeschrieben ist, dem Faschismus der\nnationalsozialistischen Bewegung, wenn n\u00f6tig, mit Gewalt ein Ende\nmachen m\u00fcssen, aber nur, um den Nationalsozialismus selbst\ngleichzeitig in ein <em>gesellschaftliches Organ<\/em> umzuwandeln, das\ndieser Herrschaft zur St\u00fctze dienen und in ihre staatliche\nAusgestaltung positiv eingegliedert werden kann. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Die\nM\u00f6glichkeiten, die sich daf\u00fcr bieten, k\u00f6nnen hier nur in\ngr\u00f6\u00dftm\u00f6glicher K\u00fcrze angedeutet werden. Die <em>notwendige\nBedingung<\/em> jeder sozialen Rekonsolidierung der b\u00fcrgerlichen\nHerrschaft, die in Deutschland seit dem Kriege m\u00f6glich ist, ist die\n<em>Spaltung der Arbeiterschaft.<\/em> Jede geschlossene, von unten\nhervorwachsende Arbeiterbewegung m\u00fc\u00dfte revolution\u00e4r sein, und\ngegen sie w\u00e4re diese Herrschaft dauernd nicht zu halten, auch nicht\nmit den Mitteln der milit\u00e4rischen Gewalt. Auf der gemeinsamen Basis\ndieser notwendigen Bedingung unterscheiden sich die verschiedenen\nSysteme der b\u00fcrgerlichen Konsolidierung nach den <em>zureichenden<\/em>\nBedingungen, die hinzukommen m\u00fcssen, um den Staat und das B\u00fcrgertum\nbis in breite Schichten der gespaltenen Arbeiterschaft hinein zu\nverankern. \n<\/p>\n\n\n\n<p>In\nder ersten Rekonsolidierungs\u00e4ra des b\u00fcrgerlichen Nachkriegsregimes,\nin der \u00c4ra von 1923\/24 bis 1929\/30, war die Spaltung der\nArbeiterschaft fundiert durch die <em>lohn- und sozialpolitischen<\/em>\nErrungenschaften, in die die Sozialdemokratie den revolution\u00e4ren\nAnsturm umgem\u00fcnzt hatte. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Diese\nn\u00e4mlich funktionierten als eine Art Schleusenmechanismus, durch den\nder besch\u00e4ftigte und fest organisierte Teil der Arbeiterschaft im\nArbeitsmarktgef\u00e4lle einen zwar abgestuften, aber dennoch in sich\ngeschlossenen erheblichen Niveauvorteil gegen\u00fcber der arbeitslosen\nund fluktuierenden Masse der unteren Kategorien geno\u00df und gegen die\nvolle Auswirkung der Arbeitslosigkeit und der allgemeinen Krisenlage\nder Wirtschaft auf seine Lebenshaltung relativ gesch\u00fctzt war. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Die politische Grenze zwischen (Seite 21) Sozialdemokratie und Kommunismus verl\u00e4uft fast genau auf der sozialen und wirtschaftlichen Linie dieses Schleusendamms, und die gesamten, jedoch bis jetzt vergeblich gebliebenen Anstrengungen des Kommunismus gelten dem Einbruch in dies gesch\u00fctzte Gebiet der Gewerkschaften. Da zudem aber die sozialdemokratische Umm\u00fcnzung der Revolution in Sozialpolitik zusammenfiel mit der Verlegung des Kampfes aus den Betrieben und von der Stra\u00dfe in das Parlament, die Ministerien und die Kanzleien, d. h. mit der Verwandlung des Kampfes &gt;von unten&lt; in die Sicherung &gt;von oben&lt;, waren fortan Sozialdemokratie und Gewerkschaftsb\u00fcrokratie, mithin aber auch der gesamte von ihnen gef\u00fchrte Teil der Arbeiterschaft mit Haut und Haaren an den b\u00fcrgerlichen Staat und ihre Machtbeteiligung an ihm (n?) gekettet, und zwar so lange, als erstens auch nur noch das Geringste von jenen Errungenschaften auf diesem Wege zu verteidigen \u00fcbrigbleibt und als zweitens die Arbeiterschaft ihrer F\u00fchrung folgt.  <\/p>\n\n\n\n<p>Vier\nFolgerungen aus dieser Analyse sind wichtig: 1. Die Politik des\n&gt;kleineren \u00dcbels&lt; ist nicht eine Taktik, sie ist die\npolitische <em>Substanz<\/em> der Sozialdemokratie. \n<\/p>\n\n\n\n<p>2.\nDie Bindung der Gewerkschaftsb\u00fcrokratie an den <em>staatlichen Weg<\/em>\n&gt;von oben&lt; ist zwingender als ihre Bindung an den Marxismus,\nalso an die Sozialdemokratie, und gilt gegen\u00fcber jedem b\u00fcrgerlichen\nStaat, der sie einbeziehen will. 3. Die Bindung der\nGewerkschaftsb\u00fcrokratie an die Sozialdemokratie steht und f\u00e4llt\npolitisch mit dem <em>Parlamentarismus.<\/em> 4. Die M\u00f6glichkeit einer\nliberalen Sozialverfassung des Monopolkapitalismus ist bedingt durch\ndas Vorhandensein eines <em>automatischen Spaltungsmechanismus<\/em> der\nArbeiterschaft. Ein b\u00fcrgerliches Regime, dem an einer liberalen\nSozialverfassung gelegen ist, mu\u00df nicht nur \u00fcberhaupt\nparlamentarisch sein, es mu\u00df sich auf die Sozialdemokratie st\u00fctzen\nund der Sozialdemokratie ausreichende Errungenschaften lassen; ein\nb\u00fcrgerliches Regime, das diese Errungenschaften vernichtet, mu\u00df\nSozialdemokratie <em>und<\/em> Parlamentarismus opfern, mu\u00df sich f\u00fcr\ndie Sozialdemokratie einen Ersatz verschaffen und zu einer gebundenen\nSozialverfassung \u00fcbergehen. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Der\nProze\u00df dieses \u00dcbergangs, in dem wir uns augenblicklich befinden,\nweil die Wirtschaftskrise jene Errungenschaften zwangsl\u00e4ufig\nzermalmt hat, durchl\u00e4uft das akute <em>Gefahrenstadium<\/em>, da\u00df mit\ndem Fortfall jener Errungenschaften auch der auf ihnen beruhende\nSpaltungsmechanismus der Arbeiterschaft zu wirken aufh\u00f6rt, mithin\ndie Arbeiterschaft in der Richtung auf den Kommunismus ins Gleiten\nger\u00e4t und die b\u00fcrgerliche Herrschaft sich der Grenze des Notstands\neiner Milit\u00e4rdiktatur n\u00e4hert. Der Eintritt in diesen Notstand aber\nw\u00e4re der Eintritt aus einer Phase notleidender (Seite 22)\nKonsolidierung in die Unheilbarkeit der b\u00fcrgerlichen Herrschaft. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Die\nRettung vor diesem Abgrund ist nur m\u00f6glich, wenn die Spaltung und\nBindung der Arbeiterschaft, da jener Schleusenmechanismus in\nausreichendem Ma\u00dfe nicht wieder aufzurichten geht, auf<em> andere<\/em>,\nund zwar <em>direkte<\/em> Weise gelingt. Hier liegen die positiven\nM\u00f6glichkeiten und Aufgaben des <em>Nationalsozialismus<\/em>. Das\nProblem selbst weist f\u00fcr sie eindeutig nach zwei Richtungen.\nEntweder man gliedert den in der freien Wirtschaft besch\u00e4ftigten\nTeil der Arbeiterschaft, d. h. die Gewerkschaften, durch eine\nneuartige politische Verklammerung in eine <em>berufsst\u00e4ndische\nVerfassung<\/em> ein, oder man versucht sich umgekehrt auf den\narbeitslosen Teil zu st\u00fctzen, indem man f\u00fcr ihn unter dem Regiment\neiner Arbeitsdienstpflicht einen <em>k\u00fcnstlichen Sektor <\/em>der\nWirtschaft organisiert. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Durch\nihre Losl\u00f6sung von der Sozialdemokratie entf\u00e4llt f\u00fcr die\nGewerkschaften ihre bisherige politische Repr\u00e4sentation, an deren\nStelle sie in einem nicht oder nur sehr bedingt parlamentarischen\nStaat eine neue und neuartige politische F\u00fchrung brauchen. Wenn es\ndem Nationalsozialismus gel\u00e4nge, diese F\u00fchrung zu \u00fcbernehmen und\ndie Gewerkschaften in eine <em>gebundene Sozialverfassung<\/em>\neinzubringen, so wie die Sozialdemokratie sie fr\u00fcher in die liberale\neingebracht hat, so w\u00fcrde der Nationalsozialismus damit zum Tr\u00e4ger\neiner f\u00fcr die k\u00fcnftige b\u00fcrgerliche Herrschaft unentbehrlichen\nFunktion und m\u00fc\u00dfte in dem Sozial- und Staatssystem dieser\nHerrschaft notwendig seinen organischen Platz finden. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Die\nGefahr einer <em>staatskapitalistischen<\/em> oder gar\n<em>staatssozialistischen<\/em> Entwicklung, die oft gegen eine solche\nberufsst\u00e4ndische Eingliederung der Gewerkschaften unter\nnationalsozialistischer F\u00fchrung eingewandt wird, wird in Wahrheit\ndurch sie gerade gebannt. Die vom Tatkreis propagierte &gt;Dritte\nFront&lt; ist der Typus einer Fehlkonstruktion, wie sie in Zeiten des\nsozialen Vakuums auftaucht; sie ist das Trugbild eines\n\u00dcbergangszustands, in welchem die Gewerkschaften, weil aus der\nbisherigen Bindung freigesetzt und noch in keine neue eingefangen,\nden Schein einer Eigenexistenz vorspiegeln, die sie wesensm\u00e4\u00dfig gar\nnicht haben k\u00f6nnen. Zwischen den beiden M\u00f6glichkeiten einer\nRekonsolidierung der b\u00fcrgerlichen Herrschaft und der kommunistischen\nRevolution gibt es keine dritte. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Wohl\naber gibt es, theoretisch wenigstens, neben der st\u00e4ndischen\nEingliederung der Gewerkschaften f\u00fcr die b\u00fcrgerliche\nRekonsolidierung den zweiten Weg, das arbeitslose Volk durch\n<em>Arbeitsdienstpflicht<\/em> und <em>Siedlung<\/em> zu organisieren und\nan den Staat zu binden. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Dem\ninneren, selbst aus keiner organischen Wurzel entwachsenen Wesen des\nNationalsozialismus scheint diese Aufgabe besonders nahe zu liegen,\nwie sie dann auch von ihm am weitesten durchdacht worden ist. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Man mu\u00df sich aber klar sein, da\u00df die (Kursbuch Seite 23)  <\/p>\n\n\n\n<p>beiden\ngenannten Wege zwei sehr verschiedene Entwicklungsrichtungen der\n<em>Gesamtwirtschaft<\/em> involvieren. Eine nennenswerte Einordnung der\narbeitslosen Massen in die soziale Volksgemeinschaft im Wege der\nArbeitsdienstpflicht ist nur durch weitreichende staats- und\nplanwirtschaftliche Methoden m\u00f6glich, die aus \u00f6konomischen wie\nfinanziellen Gr\u00fcnden den freien Wirtschaftssektor <em>schw\u00e4chen<\/em>\nm\u00fcssen. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Weil\ndieser Weg nur zu Lasten der frei besch\u00e4ftigten Arbeiterschaft\ngegangen werden kann, m\u00fc\u00dfte ein solches Regime sein soziales\nSchwergewicht unvermeidlich auf den agrarischen Sektor verlegen,\nw\u00fcrde also durch eine extreme <em>Autarkie<\/em>politik die\nExportindustrie und die mit ihr verkn\u00fcpften Interessen um jede\nChance bringen, einen Anschlu\u00df an eine sich bessernde Weltkonjunktur\nunm\u00f6glich machen, mithin den arbeitslosen Teil des Volkes wachsend\nvermehren und schlie\u00dflich einen \u00fcberwiegenden Teil der gesamten\nWirtschaft in dem Zwangssystem einer staatlichen Elendswirtschaft\nfestlegen. Ob man dies noch als Rekonsolidierung bezeichnen k\u00f6nnte,\nmu\u00df fraglich erscheinen. Nur partiell daher und in blo\u00df subsidi\u00e4rer\nBedeutung kann dieser Weg, so etwa, wie er im Wirtschaftsprogramm der\nRegierung mit herangezogen ist, den \u00dcbergang zu einem System\nwirklicher Rekonsolidierung der b\u00fcrgerlichen Herrschaft erleichtern,\ndas sich nach wie vor auf den Kernbestand der Arbeiterschaft, die\nGewerkschaften unter neuer F\u00fchrung, wird st\u00fctzen m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p>Alfred\nSohn-Rethel<\/p>\n\n\n\n<p>Quelle:\nKursbuch 21, September 1970, Seite 17 &#8211; 23 \n<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Wort, das mit unbekannt war habe ich im Fremdw\u00f6rterbuch nachgeschlagen<\/p>\n\n\n\n<p><strong> (*) homolog<\/strong>  = (gr) gleich liegend, gleich lautend<\/p>\n\n\n\n<p>Alfred Sohn-Rethel  <\/p>\n\n\n\n<p>EIN KOMMENTAR NACH 38 JAHREN  <strong>(1932\/1970)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der hier zum Wiederabdruck gelangte Artikel aus den <em>Deutschen F\u00fchrerbriefen<\/em> hat zur Zeit seines Erscheinens (16. und 20. September 1932) eine eigenartige Sensation ausgel\u00f6st. Er ist seither immer wieder zitiert und er\u00f6rtert worden, und bis heute hat ihm der Charakter eines ungekl\u00e4rten R\u00e4tsels angehangen. Der Grund daf\u00fcr liegt nicht in seinem Inhalt. Marxistische Analysen der damaligen Klassenverh\u00e4ltnisse und Machtverlagerungen in Deutschland waren an der Tagesordnung, ohne da\u00df eine be-stimmte Version vor der anderen einen klaren Vorrang h\u00e4tte gewinnen k\u00f6nnen. Das Sensationelle dieser besonderen Analyse hing an ihrem Erscheinungsort und an der Tatsache, da\u00df sie vom Interessenstandpunkt des Klassenfeindes, des Gro\u00dfkapitals, aus vorgenommen war. Stand hier ein abtr\u00fcnniger Marxist im Begriff, die Rolle des deutsche Mussolini anzutreten?  (Seite 24). Den Mitgliedern des Parteivorstandes der KPD erschien es beinahe so. Das fehlte gerade noch, da\u00df dem diktaturl\u00fcsternen deutschen Gro\u00dfkapital ein Marxist erw\u00fcchse, der ihm mit seinen R\u00f6ntgenaugen den politischen Weg durchs Dunkel der Geschichte erleuchten k\u00f6nnte. Das R\u00e4tselraten nahm in der Parteileitung nahezu panische Proportionen an.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber als Propagandamaterial f\u00fcr die die kommunistische  Wahlkampagne zum 6. November (1932), die gerade begonnen hatte, h\u00e4tte ihr nichts gelegener kommen k\u00f6nnen als dieser anonyme Artikel. In allen Tageszeitungen der Partei \u2014 und es gab damals mehrere \u2014 wurden lange Ausz\u00fcge daraus abgedruckt und Satz f\u00fcr Satz kommentiert. Schlie\u00dflich widmete Willy M\u00fcnzenberg, Leiter der Propaganda Abteilung der Partei, am Vorabend der Wahl die letzte Nummer des <em>Roten Aufbaus <\/em>dem ungek\u00fcrzten Text des Artikels zur nochmaligen Einsch\u00e4rfung:<\/p>\n\n\n\n<p>&gt;Die &gt;Deutschen F\u00fchrerbriefe&lt;, eine Privatkorrespondenz des Finanzkapitals, mitfinanziert vom Reichsverband der Deutschen Industrie, streng geheim und nur zu Information gro\u00dfkapitalistischer Leser bestimmt, sprechen offen aus, was die \u00f6ffentlichen Zeitungen und Zeitschriften nie aussprechen k\u00f6nnen.  In den Nummern 72 und 73 dieser &gt;Deutschen F\u00fchrerbriefe&lt; wird  . . . mit seltener Offenherzigkeit dar\u00fcber gesprochen, wie das Finanzkapital zu Rekonsolidierung seiner Herrschaft nach neuen St\u00fctzen sucht. Die Rolle der SPD und NSDAP als St\u00fctzen der finanzkapitalistischen Herrschaft wird in b\u00fcrgerlicher Ausdrucksweise, aber dennoch so klar geschildert, das gegenw\u00e4rtige Hauptproblem der Bourgeoisie, die Rekonsolidierung des Kapitalismus, so klar umrissen, wie es nicht besser getan werden kann.  . . .  Die Alternative ist klar: Rekonsolidierung der finanzkapitalistischen Herrschaft mit Hilfe der SPD und NSDAP oder kommunistische Revolution, so wird es da formuliert. Den Kommentar kann sich jeder Leser leicht dazu machen.&lt;  <\/p>\n\n\n\n<p>&gt;Der Name<em> &gt;Deutsche F\u00fchrerbriefe&lt; e<\/em>rweckt nat\u00fcrlich Ankl\u00e4nge an Hitler. Zu unrecht. Die Privatkorrespondenz war von Dr. Franz Reuter und Dr. Otto Meynen Ende 1928 in K\u00f6ln gegr\u00fcndet worden, zu einer Zeit also, als nahezu niemand \u2014 niemand mehr und noch niemand \u2014 bei dem Wort &gt;F\u00fchrer&lt; an Hitler dachte.  [ . . . ] (Seite 24, Kursbuch) &gt;Ich war weit davon entfernt, dem diktaturl\u00fcsternen Finanzkapital als sein marxistischer Mephistopheles ein Licht \u00fcber die geeignete Klassenbasis aufstecken zu wollen. Vielmehr hat mir selbst erst die Bet\u00e4tigung in jenem Rahmen das n\u00f6tige Licht verschafft. Und zwar nicht so sehr die journalistische Bet\u00e4tigung und Informationsweise bei den <em>&gt;F\u00fchrerbriefen&lt;, <\/em>sondern sehr viel mehr die ganz anders geartete Erfahrung, die die Arbeit beim MWT mit sich brachte (MWT=Mitteleurop\u00e4ische Wirtschaftstag),  Sch\u00f6neberger Ufer (25) [ . . . ] <\/p>\n\n\n\n<p>(Seite 32 Kursbuch) So kommen wir noch einmal auf die Frage zur\u00fcck, die damals und seither so viel Erstaunen erweckt hat: Wie kam ein Artikel von so eindeutig marxistischem Inhalt zu jenem kritischen Augenblick ausgerechnet in die <em>Deutschen F\u00fchrerbriefe? <\/em>Ein Artikel, dem zu diesem Zeitpunkt gar nichts anderes zuteil werden konnte, als von Ende September bis zum 6. November der kommunistischen Partei als Hauptpropagandamaterial zu dienen? Die L\u00f6sung des R\u00e4tsels ist denkbar einfach: Der Artikel war von mir einzig zum Zweck dieses Wahlkampfes f\u00fcr die Kommunisten verfa\u00dft worden. Nicht da\u00df die Kommunistische Partei ihn etwa bestellt h\u00e4tte. Die Partei wu\u00dfte weder von der Abfassung noch von dem Verfasser des Artikels etwas. Ich schrieb ihn aus eigener Initiative und schickte, nachdem er in den F\u00fchrerbriefen erschienen war, ein Exemplar an die <em>Rote Fahne. <\/em>Mehr bedurfte es zur Z\u00fcndung der Bombe nicht. Aus didaktischen Gr\u00fcnden nahm ich in dem Artikel den Standpunkt des Gro\u00dfkapitals als Blickwinkel ein, um den Arbeitern klar zu machen, da\u00df sowohl die Sozialdemokraten wie die Nazis blo\u00df der Kapitalherrschaft zur St\u00fctze, zum &gt;Grenztr\u00e4ger&lt;, dienten.  <\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich war der Arbeiterschaft und den massenhaften antikapitalistischen W\u00e4hlern, die es damals gab, dasselbe viele Male vorher erkl\u00e4rt worden, aber noch niemals aus dem Sprachrohr des Gro\u00dfkapitals selbst und mit dem Anschein unumst\u00f6\u00dflicher Beweiskraft. <\/p>\n\n\n\n<p>[ . . . ]<\/p>\n\n\n\n<p>(Kursbuch Seite 33)&gt;Freilich bleibt noch der zweite Teil der Frage zu beantworten, wie es n\u00e4mlich gelingen konnte, die politisch doch keineswegs bl\u00f6de Schriftleitung der<em> F\u00fchrerbriefe <\/em>zu einer ihr so extrem widersprechenden Funktion zu benutzen. Nun, ich kann nur sagen, da\u00df das auch wirklich unbegreiflich w\u00e4re, wenn die schlauen F\u00fcchse des Kapitals nicht eben doch sehr dumm w\u00e4ren, wo Erkenntnis und nicht  blo\u00df Manipulation zu Frage steht. Es mu\u00df auch betont werden, da\u00df am Sch\u00f6neberger Ufer (25) keine Seele etwas davon wu\u00dfte, da\u00df ich Marxist war, und da\u00df zweitens auch niemand dort wu\u00dfte, was Marxismus ist und wie er aussieht. Als &gt;Marxismus&lt; war nur die fratzenhafte Entstellung bekannt, die als  Schimpfname umging. Auch wird man beim Lesen des Artikels gemerkt haben, da\u00df ich f\u00fcr ein gewisses Oberfl\u00e4chenvokabular gesorgt hatte, das M\u00fcnzenberg richtig mit &gt;b\u00fcrgerlicher Ausdrucksweise&lt; betitelt hat und das mir in den Augen der Redaktion wenigstens ein notd\u00fcrftiges Alibi verschaffen konnte.&lt; [ . . . ]<\/p>\n\n\n\n<p>&gt;Jedenfalls war es fast ein r\u00fchrender Anblick, die Schriftleiter der &gt;<em>F\u00fchrerbriefe<\/em>&lt; am Tage nach der kommunistischen Explosion meines Artikels \u00fcber Exemplare der <em>Roten Fahne <\/em>gebeugt zu finden, angestrengt bem\u00fcht, aus den in den Text eingesprengten Kommentaren zu verstehen, was in dem Artikel eigentlich steckte. Freilich mu\u00df ich gestehen, da\u00df mir dieses Studium eher omin\u00f6s als r\u00fchrend erschienen ist. Ich war begreiflicherweise auf das Schlimmste gefa\u00dft, zumal die ausgel\u00f6ste Wirkung alle meine Erwartungen \u00fcberstieg. Es ging aber alles erstaunlich gut. Zwar f\u00fchlte ich mich von forschenden Blicken verfolgt, wenn ich durchs Zimmer ging, und Redensarten wie die vom Wolf im Schafspelz trafen mein Ohr. Aber was mir die Vergebung der Redaktion und den weiteren Verbleib in ihren Sitzungen eintrug, war mehr als alles andere die Tatsache, da\u00df ich den <em>F\u00fchrerbriefen <\/em>zu einer Ber\u00fchmtheit und einer Reklame verholfen hatte wie noch nie etwas zuvor. Der Kern der gro\u00dfkapitalistischen Macht sieht eben doch anders aus, als viele Zaung\u00e4ste ihn sich vorstellen. In diesem Kern herrscht bei aller Gerissenheit vollkommene Wirrnis, und nichts kann ihm fremder sein als sein eigener Begriff.&lt; Alfred Sohn-Rethel (1970).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Abgeschrieben im Kursbuch Nr. 21 (September 1970) Alfred Sohn-Rethel Die soziale Rekonsolidierung des Kapitalismus (September 1932) 1. Von der Sozialdemokratie zum Nationalsozialismus Die Aufgabe, um die es seit den letzten Monaten und auch \u00fcber die augenblickliche Zuspitzung hinaus geht, ist die Rekonsolidierung des b\u00fcrgerlichen Regimes in Deutschland. 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