{"id":10714,"date":"2020-02-08T17:34:03","date_gmt":"2020-02-08T17:34:03","guid":{"rendered":"https:\/\/www.medienberatungev.org\/?p=10714"},"modified":"2020-03-13T09:29:01","modified_gmt":"2020-03-13T09:29:01","slug":"da-es-grade-krieg-war","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.medienberatungev.org\/?p=10714","title":{"rendered":"&#8222;Da es grade Krieg war . . ."},"content":{"rendered":"\n<p>forderte er zum Durchhalten auf.&#8220;  Ein Text aus  der LBB (LichtBildB\u00fchne) Berlin vom 16. August 1930 von David Melamerson: Abschrift aus der LichtBildB\u00fchne (LBB) vom 16. August 1930,   Verlag Karl Wolffsohn Berlin.   2. Beilage<\/p>\n\n\n\n<p> HUMMEL! HUMMEL!  <\/p>\n\n\n\n<p> Von D. Melamerson. (ist: David Melamerson, Deulig\/Ufa). &#8222;Der bekannte Verleihfachmann, der bekanntlich aus Hamburg stammt, plaudert auf unsere Aufforderung aus seinen Hamburger Erinnerungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Hamburg, der Film und ich sind drei Begriffe, die f\u00fcr mich wenigstens nicht zu trennen sind. In Hamburg bin ich n\u00e4mlich aufgewachsen und habe auch die Anf\u00e4nge des Films mitgemacht. Ich wei\u00df noch genau wie es war :<\/p>\n\n\n\n<p> Ich besuchte die Vorschule. Hatte gerade gelernt, Anschlags\u00e4ulen und \u00e4hnliches zu studie- ren, als ich eines Tages las, da\u00df in einer Automaten Ausstellung in der Kaiser-Wilhelm-Strasse der \u201eerste Film\u201c gezeigt wird. Meine Eltern gingen mit mir hin. Es war ein herrlicher Film. Ein Schiff kam an, landete, fuhr ab und damit war der Bildstreifen zu Ende. Es war mir unbegreiflich, da\u00df sich Menschen auf der Leinwand bewegen k\u00f6nnen &#8211; und das obendrein in einer Stadt, dessen Bewohner als \u201esteif\u201c verschrien sind. Und bereits damals sollte ich sp\u00fcren, da\u00df die Hauptrolle im Film \u2013 und das hat sich bis heute nicht ge\u00e4ndert &#8211; der Zufall spielt, denn, wie sich allerdings erst 20 Jahre sp\u00e4ter herausstellte, in der gleichen Automaten-Ausstellung war auch ein Apotheker, der eigentlich in Hamburg nichts zu suchen hatte, da er aus dem Rheinland stammte und dieser Apotheker wurde sp\u00e4ter mein Kollege bei der Ufa und ist es jetzt bei der Terra: Eugen E. Schlesinger.   Diese erste Begegnung mit dem Film war f\u00fcr mich entscheidend. Ich konnte tagelang vor Aufregung nicht schlafen. Mein Verlangen, weitere Filme zu sehen, war brennend! Es dauerte zwar einige Jahre, bis ich endlich den zweiten Film zu sehen bekam, aber da man damals um die Jugend nicht so besorgt war wie heute und man nicht die  omin\u00f6se Aufschrift kannte \u201eF\u00fcr Jugendliche unter 18 Jahren verboten\u201c, stand dem nichts im Wege, da\u00df ich als kleiner Gymnasiast Messters ersten Film mir ansah. Kinos gab es noch nicht und so ging man in das Hansa-Theater, zu jener Zeit das f\u00fchrende Variet\u00e9 Europas, wo es am Schlu\u00df den ersten Film \u2013 und zwar sogar Tonfilm \u2013 gab.  <\/p>\n\n\n\n<p> (Hier ist ein Bild vom Knopfs Lichtspielhaus eingef\u00fcgt.) (Allerdings duldete man es, da\u00df <strong>die Musik hinter der Leinewand von einem Grammophon gemacht <\/strong>wurde.  Sie werden begreifen, da\u00df diese Art Tonfilm bald ihr Ende fand). Der Star war Robert Steidl, dessen Couplet: \u201eWenn Kalkulators in die Boombl\u00fcte ziehn\u201c seinerzeit nicht weniger Beifall fanden, als etwa heute:  \u201eIn bin von Kopf bis Fu\u00df\u201c. Die Leute waren begeistert und ich klatschte wie wild. Und Messter erschien nachher  pers\u00f6nlich auf der B\u00fchne. Wenn es nach mir gegangen w\u00e4re, h\u00e4tte ich das Kino nie wieder verlassen, aber die Schule nahm mich zu sehr in Anspruch und so konnte ich \u201enur\u201c drei- bis viermal w\u00f6chentlich in das bald begr\u00fcndete einzige Kino \u201eKnopfs Lichtspiele\u201c auf dem Spielbudenplatz gehen. Die Kinobesitzer mu\u00dften damals ihre Filme k\u00e4uflich erwerben. Es war daher ein \u201eRepertoire-Theater\u201c. Den \u201eGallischen Hahn\u201c, die Schutzmarke Path\u00e9s, bekam man immer wieder zu sehen, denn die Filme waren nur kurz.  Dazu spielte ein Orchestrion mit drei St\u00fccken ohne R\u00fccksicht darauf, was auf der Leinewand vorging, und die Ouvert\u00fcre von \u201eDichter und Bauer\u201c mu\u00dfte lange dazu herhalten,  jeden Film,  gleichg\u00fcltig welcher Art, zu begleiten.   Noch heute kann ich \u201eDichter und Bauer\u201c nicht h\u00f6ren, ohne die untrennbare Vision des kleinen \u201eKintopps\u201c auf der Reeperbahn, vor dem ein Ausrufer \u201erekommandierte\u201c und wo es alle halbe Stunde hie\u00df: \u201eBillet A-E ist abgelaufen\u201c zu haben. Der Abschlu\u00df des Kinobesuches war auch stets der gleiche: Am B\u00fcfett ein Glas Limonade f\u00fcr 10 Pfennig. Der Film nahm einen schnellen Aufschwung. <strong>Die Zahl der Kinos vermehrte sich um 200 % und so gab es bald Hamburg  d r e i  Lichtspiel-Theater<\/strong> eines hie\u00df das \u201eBelle-Alliance-Theater\u201c, das andere \u201eAtlantik\u201c, in der N\u00e4he des Hauptbahnhofs gelegen, und geh\u00f6rte damals dem sp\u00e4teren Ufa-Direktor Pulch. An der weiteren Entwicklung des Films hatte ich keinen Anteil, denn Schule und Studium waren mir doch wichtiger. Wie es beim Film \u00fcblich ist, kommen doch schlie\u00dflich die im mittleren Akt Getrennten am Schlu\u00df wieder zusammen und so ist es nur eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit, da\u00df ich mich dem Film verband. &#8211; Da mir noch immer die Leinwandfiguren aus der Automaten-Ausstellung vor Augen standen, wandte ich mich der Produktion zu. Selbstverst\u00e4ndlich hie\u00df mein erster Film und spielte \u201eAn der Waterkant\u201c und zeigte Bilder aus Hamburg. Da es grade Krieg war, forderte er zum Durchhalten auf. Die Hauptrollen verk\u00f6rperten die Gebr\u00fcder Wolff (Snuten und Poten!) und der Film ging sogar durch ganz Deutschland. Bei den Aufnahmen dazu entstanden auch etliche Beiprogrammfilme f\u00fcr die Deutsche Lichtbild-Gesellschaft, die den Hamburger Hafen und das Alster Viertel zeigten. Zwischendurch machte ich auch die pers\u00f6nliche Bekanntschaft eines Kino-Direktors \u2013  nicht etwa im Kino oder im B\u00fcro der Produktion, sondern bei einem Fu\u00dfball-Club, dessen Mitglieder wird beide waren. Es war ein wagemutiger S\u00fcddeutscher, der auf \u201eHoheluft\u201c ein Kino besa\u00df \u201eDie Blumenburg\u201c.  Steigerwalds Wagemut wurde belohnt. Und noch heute spielt er eine f\u00fchrende Rolle  unter den Theaterbesitzern nicht nur seiner Adoptiv-Heimat und des Norddeutschen Bezirkes, sondern des ganzen Reiches. Wer h\u00e4tte das von dem \u201eSchaddedirektor\u201c, so wurde er urspr\u00fcnglich ironisch genannt, weil man im Film nichts anderes als ein Schattenspiel sah, gedacht? <strong> In Hamburg entstand dann das erste wirklich gro\u00dfe und moderne Lichspielhaus Deutschlands,  <\/strong>das  \u201eLessing-Theater\u201c.  Die Erbauer und ersten Besitzer eilten ihrer Zeit weit voraus und gingen daran sp\u00e4ter kaputt, zumal sie &#8211; wiederum<\/p>\n\n\n\n<p>\n(Hier ist\nein Foto von Hugo Steigerwald in den Artikel eingef\u00fcgt)<\/p>\n\n\n\n<p> ihrer Zeit weit vorauseilend \u2013 die jetzigen Kammer-Lichtspiele in Berlin errichteten. An ihre Stelle trat sp\u00e4ter der alte Herr Henschel, der mehr als ein Dezennium dem Kinoleben  Hamburgs seinen Stempel aufdr\u00fcckte. Sein Werk wird, nachdem sein einziger Sohn ihm durch den Krieg entrissen wurde, fortgesetzt von seinen Schwiegers\u00f6hnen Streit und Sa\u00df. Und heute noch ist der \u201eHenschel \u2013 Konzern\u201c der Ring der gro\u00dfen Schauburgen, das gr\u00f6\u00dfte Kinounternehmen Hamburgs. \u201eKnopfs  Lichtspielhaus\u201c aber geh\u00f6rt der Emelka und immer, wenn ich in Hamburg bin und \u201eAuf der Reeperbahn nachts um \u00bd 1\u201c die St\u00e4tte unseres harmlosen Jungen-Vergn\u00fcgens  passiere, gedenke ich der gewaltigen Entwicklung des deutschen Filmes in dieser kurzen Spanne Zeit und bin stolz darauf, als Hamburger zu meinem bescheidenen Teile an diesem geradezu senkrechten Aufstieg habe teilnehmen d\u00fcrfen.\u201c   (Der Artikel von David  Melamerson ist erschienen in der LBB am Sonnabend, d. 16. August 1930. Die Statistik sagt: Hamburg hat im Jahr 14 Millionen Zuschauer im Kino. Das kleinste Kino hat 154 Sitzpl\u00e4tze, das gr\u00f6sste 2600 Sitzpl\u00e4tze). Abgeschrieben von Jens Meyer. <\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>forderte er zum Durchhalten auf.&#8220; Ein Text aus der LBB (LichtBildB\u00fchne) Berlin vom 16. August 1930 von David Melamerson: Abschrift aus der LichtBildB\u00fchne (LBB) vom 16. August 1930, Verlag Karl Wolffsohn Berlin. 2. Beilage HUMMEL! HUMMEL! Von D. Melamerson. 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