{"id":12143,"date":"2020-07-27T14:56:57","date_gmt":"2020-07-27T14:56:57","guid":{"rendered":"https:\/\/www.medienberatungev.org\/?p=12143"},"modified":"2024-06-17T12:34:42","modified_gmt":"2024-06-17T12:34:42","slug":"apropos-kleidergroesse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.medienberatungev.org\/?p=12143","title":{"rendered":"Apropos Kleidergr\u00f6sse"},"content":{"rendered":"\n<p style=\"font-size:26px\"><strong>\u00bb<\/strong><strong>Ja,\nder Innenminister hat meine Kleidergr\u00f6sse!<\/strong><strong>\u00ab<\/strong>\n\n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Diesen Satz hat der Drehbuchautor <strong>Holger Karsten Schmidt<\/strong>, der Schauspielerin <strong>Katja Danowski<\/strong>, die die stellvertretende Staatsanw\u00e4ltin <strong>Agnes Sonntag<\/strong> in dem Film<strong> \u00bbM\u00f6rderische Jagd\u00ab <\/strong>von <strong>Markus Imboden<\/strong> spielt, in das Drehbuch geschrieben. Wer den Satz sucht, findet ihn in der 82 Minute, kurz vor Ende des Filmes.  Wunderbar. Es gibt nicht viele, die in Deutschland solche Drehb\u00fccher verfassen k\u00f6nnen. Obwohl Herr Schmidt hat auch schon mal danebengehauen, wie wir uns erinnern.<\/p>\n\n\n\n<p> <strong>Daneben gehauen<\/strong>: <strong>Nebel im August<\/strong>, Pressevorf\u00fchrung im Abaton, 23. August (2016) 10.00 Uhr. Regie: Kai Wessel, Drehbuch: Holger Karsten Schmidt; Produzent: Ulrich Limmer, Start am 29. September 2016. Ein Presseheft ohne Starttermin, das ist selten. Das Heft ist aufwendig gestaltet.   Vier- Farb -Druck, 31 Seiten, viele Fotos.   In den Texten wimmelt es von deutscher Betroffenheitsl\u00fcrick, so will ich das mal nennen:   \u201cBewegendes Drama\u201d, \u201cTatsachenroman\u201d (was ist das?), \u201ctief beeindruckend\u201d und anderen sprachlichen Lapsen. (ist das wirklich die Mehrzahl von Lapsus?) Nur ein Beispiel: <em><strong>\u201dDas Drehbuch legte Ulrich Limmer in die H\u00e4nde des erfahrenen Holger Karsten Schmidt\u201d.<\/strong><\/em> Das kann man sich richtig vorstellen. Aber warum? Ersch\u00fcttert und ber\u00fchrt sollen wir sein. Leider stellt sich das Gegenteil ein. Sogar eine Zeittafel ist auf einer Seite abgedruckt. Sie beginnt mit dem 30. Januar 1933 und endet mit dem 8. 5. 1945, das Datum ist bekanntlich das offizielle Datum f\u00fcr die \u201cKapitulation des Deutschen Reiches\u201d, wie das Presseheft noch mal in Erinnerung bringt.   Kurz, das Presseheft sieht so aus, als wenn die Bundeszentrale f\u00fcr politische Bildung dieses selbst hergestellt h\u00e4tte. Und der ist es  bekanntlich egal, wann so ein Film in die Kinos kommt, also gestartet wird und ob er dort Erfolg haben kann oder eben nicht.     Schlie\u00dflich haben es die Besucher, die die Hefte der Bundeszentrale f\u00fcr politische Bildung in der Hand haben, nicht in der Hand, wenn sie das Kino verlassen wollen. Kino ist in diesem Zusammenhang keine unterrichtsfreie Zeit. Und wenn man vorzeitig geht, wirkt sich das auf die Fehlzeiten im Zeugnis aus. Nun ist das Presseheft das eine und der Film das andere.   Am Anfang des Filmes wird dem Hauptdarsteller der Kopf rasiert. (Vermutlich, wegen der L\u00e4use, die sich auf seinem Kopf befinden), was durch eine Sequenz vorher signalisiert wird. (Stellt sich die Frage: Gab es damals noch keinen Goldgeist?).   Aber w\u00e4hrend der Dreharbeiten wachsen die Haare auch nicht nach und am Ende, als der Junge umgebracht wird, ist er noch genauso kahl geschoren, wie am Anfang. Aber es fehlt die  Szene einer erneuten Rasur, aus der man erkennen w\u00fcrde, um welche Art Ma\u00dfnahme es sich bei der Kopfrasur handelt.  Nebens\u00e4chlichkeiten. Die M\u00f6rder, die hier gezeigt werden, sind eindeutige Sympathietr\u00e4ger, obwohl sie doch eigentlich M\u00f6rder und M\u00f6rderinnen sind. Eine bildh\u00fcbsche Krankenschwester vermischt das Gift mit Himbeersaft, damit die Kinder das nicht wieder ausspucken. Die gute Krankenschwester ist nicht halb so h\u00fcbsch. Der Oberm\u00f6rder ist eben auch ein guter Mensch, der liebevoll mit den Kindern spielt, bevor er sie umbringen l\u00e4sst. Und er ist der etwas weniger h\u00fcbschen Krankenschwester auch gedanklich weit \u00fcberlegen.   Weist er sie doch auf den Widerspruch hin, dass es nicht besonders konsequent sei, sich gegen den Abtransport mit dem LKW in die Gaskammern nicht zu wehren, aber dann, wenn der Mord im Haus selbst vorgenommen wird, pl\u00f6tzlich dagegen zu opponieren.   Ja, gar die Sache hintertreiben und m\u00f6gliche Todeskandidaten auch noch zu verstecken. Da kommt die Krankenschwester ins Gr\u00fcbeln und der Zuschauer auch. Nein, dieser hier ist ein moderner Nazi. Einer mit \u201cinnovativen Methoden\u201d, wie man das heute nennen w\u00fcrde. So ist er der Erfinder der Suppe, der durch langst\u00fcndiges Kochen s\u00e4mtliche N\u00e4hrstoffe und Vitamine entzogen werden, so dass, wie er stolz verk\u00fcndet, \u201cder Patient gef\u00fcttert wird und dabei verhungert\u201d.   Das spart teure Medikamente, die sonst  f\u00fcr die Ermordung eingesetzt werden m\u00fcssten. Die deutsche B\u00fcrokratie, an einem gro\u00dfen Tisch versammelt, ist begeistert. Ich finde, der Film ist in eine Falle gelaufen, die er sich selbst gestellt hat. Und warum die Haare des Hauptdarstellers, der den Ernst Lossau spielt, nicht w\u00e4hrend der Dreharbeiten nachwachsen, bleibt leider in der Dunkelheit des Drehbuchs verborgen.   Ergebnis: die NSDAP war eben doch eine fortschrittliche Partei, die schon damals Sachen gedacht und gemacht hat, die erst heute wieder bei uns salonf\u00e4hig werden. Und diese Wirkung haben die Produzenten des Filmes mit Sicherheit nicht beabsichtigt, aber erreicht. Nur das mit dem Nebel im August, das wird uns nicht klar.   Sollte es sich eventuell um den Nebel handeln, den Ulrich Limmer mit diesem Film unbeabsichtigt, vermute ich mal, erzeugt. Wie war das noch? <\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Er hat das Drehbuch in die H\u00e4nde des erfahrenen Holger Carsten  Schmidt gelegt.   Was zu zwei Fragen ermuntert: War es da schon fertig? Und wenn, sei die Frage gestattet, ob die Arbeit Drehb\u00fccher zu schreiben wirklich nur Handarbeit ist?  Manchmal geh\u00f6rt sicher auch ein wenig Kopfarbeit dazu, die wir hier leider vermissen. Jens Meyer, 23. August 2016 (Da ist mir doch noch eingefallen wo Holger Karsten Schmidt daneben gehauen hat. Aber vermutlich ist er daran gar nicht schuld. Man muss ja auch f\u00fcr die Br\u00f6tchen arbeiten. (Jedenfalls hat er andrerseits bewiesen, dass er kann, wenn er will und gelassen wird, Herr Limmer!)<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Fensterkittklein.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Fensterkittklein.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-26643\"\/><\/a><figcaption>In Norwegen  gesehen<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright size-full is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/By-nc-sa_color.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/By-nc-sa_color.png\" alt=\"Creative commons.org\" class=\"wp-image-1755\" width=\"123\" height=\"83\" srcset=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/By-nc-sa_color.png 720w, https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/By-nc-sa_color-300x202.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 123px) 85vw, 123px\" \/><\/a><figcaption>cc<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright size-full is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/NilpferdAugenoffen.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/NilpferdAugenoffen.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-17278\" width=\"149\" height=\"117\"\/><\/a><figcaption>Zeichnung Helga Bachmann<\/figcaption><\/figure><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00bbJa, der Innenminister hat meine Kleidergr\u00f6sse!\u00ab Diesen Satz hat der Drehbuchautor Holger Karsten Schmidt, der Schauspielerin Katja Danowski, die die stellvertretende Staatsanw\u00e4ltin Agnes Sonntag in dem Film \u00bbM\u00f6rderische Jagd\u00ab von Markus Imboden spielt, in das Drehbuch geschrieben. 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