{"id":12940,"date":"2020-10-24T17:18:43","date_gmt":"2020-10-24T17:18:43","guid":{"rendered":"https:\/\/www.medienberatungev.org\/?p=12940"},"modified":"2020-12-07T15:15:39","modified_gmt":"2020-12-07T15:15:39","slug":"wilfried-berghahn-filmkritik-maerz-1962-zwiespaeltiges-hollywood-der-general-von-buster-keaton","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.medienberatungev.org\/?p=12940","title":{"rendered":"In Erinnerung an: Wilfried Berghahn (XI)  in Filmkritik vom M\u00e4rz 1962. Zwiesp\u00e4ltiges Hollywood \/ Der General von Buster Keaton"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/FilmkritikUmschlagM\u00e4rz1962klein.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-13072\" width=\"194\" height=\"276\" srcset=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/FilmkritikUmschlagM\u00e4rz1962klein.png 300w, https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/FilmkritikUmschlagM\u00e4rz1962klein-211x300.png 211w\" sizes=\"auto, (max-width: 194px) 85vw, 194px\" \/><figcaption>Umschlag filmkritik 3\/62<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-file\"><a href=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/pdfZwiesp\u00e4ltigesHollywoodM\u00e4rz1962.pdf\">pdfZwiesp\u00e4ltigesHollywoodM\u00e4rz1962<\/a><a href=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/pdfZwiesp\u00e4ltigesHollywoodM\u00e4rz1962.pdf\" class=\"wp-block-file__button\" download>Herunterladen<\/a><\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\"> Das Kino dient der modernen Gesellschaft als einer der Orte, an dem das Publikum seine W\u00fcnsche und \u00c4ngste abladen darf, damit die Filmproduzenten ihm daraus eine plausible Geschichte machen. Das ist nirgends mit gr\u00f6\u00dferer Perfektion geschehen als in den Vereinigten Staaten. In keinem anderen Land der westlichen Hemisph\u00e4re bieten sich die kollektiven Phantasien so klar umrissen und bis in alle Einzelheiten durchkalkuliert ihrem Publikum dar, wie in Amerika. Wo industrielle Produktion den Alltag perfekt rationalisiert hat, ist es offenbar unausbleiblich, da\u00df auch die seelischen Spiegelungen der Nation \u00fcbersichtlich konsumierbar auftreten m\u00fcssen. Das amerikanische Kino ist ein Supermarkt f\u00fcr Gesellschaftskost\u00fcme und Charaktermasken. Es herrscht wie in den gro\u00dfen Kaufhallen der gleiche \u00dcberflu\u00df an Angeboten, aber ebenso wie dort auch eine raffinierte Lenkung, die am Ende die Auswahl pr\u00e4zise vorschreibt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Die anschliessende Filmkritik zu dem Film von Buster Keaton &#8222;Der General&#8220; hat (ktl), das ist das K\u00fcrzel f\u00fcr Theodor Kotulla, geschrieben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong> Abschrift:<\/strong> <strong>Zwiesp\u00e4ltiges Hollywood <\/strong> <\/p>\n\n\n\n<p>Wilfried Berghahn in Filmkritik 3\/62 (M\u00e4rz 1962)<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das\nGesellschaftsbild des amerikanischen Films<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\"> Das ist, wenn man vom Standpunkt der Produktion aus betrachtet, zun\u00e4chst nur ein Reflex der Herstellungsbedingungen. Eine rationelle Industrieproduktion kann sich keine v\u00f6llige Freiheit der Erfindung erlauben. Sie mu\u00df mit Modellen und standardisierten Einzelteilen arbeiten. Man hat das in Amerika sehr fr\u00fch erkannt. Schon in den ersten Jahren des Stummfilms begriff man, da\u00df es rentabler ist, eine Serie aufzulegen, in der die Hauptdarsteller dieselben sind und nur die Kulissen ein wenig umgestellt werden, als immer neue Geschichten zu erfinden. Auf diese Weise entstanden sowohl Groteskfilme \u2013 das gr\u00f6\u00dfte Beispiel ist Chaplin \u2013 wie die Wildwestserien oder Tarzans Abenteuer.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\"> Wenn wir heute von Standardisierung des Hollywoodfilmes sprechen, meinen wir jedoch in der regel etwas anderes. Wir meinen nicht mehr immer die gleichen Stars oder Schaupl\u00e4tze, nicht die sichtbare Identit\u00e4t, sondern ge-rade die verborgene, die uns scheinbar ganz neue, nie gesehene Gesichter und Probleme auf eine Weise vorf\u00fchrt, da\u00df wir nicht umhin k\u00f6nnen, uns st\u00e4ndig an ganz andere Filme erinnert zu f\u00fchlen, die anscheinend doch nichts mit diesem hier und jetzt zu tun haben und ihn eben dennoch \u2013 auf eine zun\u00e4chst undurchschaubare Weise \u2013 zum Sekund\u00e4rprodukt stempeln. Das ist ein Seriencharakter, der \u2013 au\u00dfer durch gewisse technische \u00dcbereinstimmungen \u2013 durch eine immer gleiche Dramaturgie hervorgebracht wird. Nat\u00fcrlich kann man auch diese dramaturgische Standardisierung aufs Konto der Produktionserfordernisse schreiben. Man \u00fcbersieht dann aber, da\u00df kein Industrieprodukt, das nach festen Konstruktionspl\u00e4nen angefertigt wird, sich ohne Einbu\u00dfe auf dem Markt behaupten kann, wenn es nicht auch gleichbleibenden Bed\u00fcrfnissen entspricht. Wir meinen deshalb: der immer gleiche Zuschnitt des amerikanischen Films ist nicht nur eine industrielle sondern eine gesellschaftliche Rationalisierung.  <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\"> Sehen wir uns zun\u00e4chst einige typisch amerikanische Filmmodelle an. Am besten beginnen wir von der Peripherie her, mit den beiden erfolgreichsten Sch\u00f6pfungen der Hollywood-Produktion, mit dem Gangster und dem Westerner. Das sind, worauf Robert Warshow mit recht hingewiesen hat, beides M\u00e4nner mit Pistolen. \u201eDie Pistole als greifbares Objekt und die Haltung, die mit ihrem Gebrauch verbunden ist, stehen optisch und emotional im Mittelpunkt beider Filmtypen\u201c, sagt er. Das klingt gef\u00e4hrlich und sieht nach einem tief verwurzelten Hang zur Gewaltt\u00e4tigkeit aus. Beim genauerem Zusehen zeigt sich jedoch, da\u00df die Pistole in diesen Filmen weniger ein Instrument des Angriffs als der Selbstbehauptung darstellt. Im typischen Gangsterfilm, der als rein amerikanische Sch\u00f6pfung angesehen werden mu\u00df und nicht verwechselt werden sollte mit dem Kriminalfilm, liegt sie in der Hand eines Mannes, der durch einen verh\u00e4ngnisvollen Makel vom normalen Leben ausgeschlossen ist und nun allein gelassen mit einer Pistole seine Haut verteidigen mu\u00df. Er ist der ber\u00fcchtigte und ber\u00fchmte Einzelg\u00e4nger im Gro\u00dfstadtdschungel \u2013 gezeichnet oft durch eine Verunstaltung seines \u00c4u\u00dferen, ein Narbengesicht etwa! &#8211; der jedermann den Kampf angesagt hat, weil er selbst von allen gejagt und schlie\u00dflich auch zur Strecke gebracht wird.  <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\"> \u00c4hnlich, aber mit einem anderen Vorzeichen versehen, erz\u00e4hlt auch der Wildwestfilm die Geschichte vom Au\u00dfenseiter. Im Mittelpunkt aller jener Filme, die sich in Vorstadtkinos der westlichen Welt eine festen Platz erobert haben, steht jedesmal ein Mann, der seine imponierende Haltung der Tatsache verdankt, da\u00df er allein ist: von niemand abh\u00e4ngig als von sich selbst, niemand untertan. Nat\u00fcrlich kann sein Lebensraum nicht die zivilisatorisch durchforstete Gro\u00dfstadt sein mit ihren vielf\u00e4ltigen Beanspruchungen, sondern ist die weite, noch unverstellte Pr\u00e4rie der Vorv\u00e4terzeit, in der man zum Leben nichts zu ben\u00f6tigen schien als ein Pferd und eine Pistole. Diese imagin\u00e4re Szenerie durchstreift der Westerner als ein einsamer Reiter. Zwar kann er Genossen haben, aber sie gehen ihn im grunde nichts an. Seine vitalen Entscheidungen mu\u00df er ohne sie treffen. Die anderen, namentlich Frauen und Leute aus den verb\u00fcrgerlichten Oststaaten, verstehen ihn nicht. Oft ist sogar das formale Recht gegen ihn, niemals jedoch die Gerechtigkeit, greift er doch immer eine Sekunde sp\u00e4ter zur Pistole als sein r\u00e4uberischer Gegner. Trotzdem siegt er nat\u00fcrlich im echten Western-Film jedesmal. Dies und die Ruhe, die er allezeit ausstrahlt, unterscheidet ihn markant von dem gehetzten Narbengesicht im Dickicht der St\u00e4dte.  <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\"> Beide Leitbilder sind von Mi\u00dftrauen gegen das Leben in der Gemeinschaft erf\u00fcllt. F\u00fcr den Gangster ist die Gesellschaft eine Falle, der er entrinnen m\u00f6chte, aber nicht kann. F\u00fcr den Helden des Wildwestfilmes haben kooperative Zusammenschl\u00fcsse, wie sie ihm in Gestalt der kleinen Pr\u00e4riest\u00e4dte entgegentreten, einen bedenklichen Geruch nach Gesch\u00e4ftemacherei, Korruption und bourgeoiser Langeweile. Beide rebellieren dagegen, festgelegt zu werden, soziale Funktionen aus\u00fcben zu m\u00fcssen, sich in die Fron des Berufs begeben zu m\u00fcssen. Beide bestehen darauf, da\u00df man frei nur ohne R\u00fccksicht auf andere leben kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\"> Die Zuschauer dieser Filme sind jedoch B\u00fcrger, sie sind Gro\u00dfst\u00e4dter, sie haben Berufe und Familien. Sie sind eingespannt in tausend Abh\u00e4ngigkeiten. Und sie f\u00fchlen sich darin unbehaglich. Dieses Unbehagen ist die Begr\u00fcndung beider Filmgattungen. Als zwei Seiten derselben Medaille spiegeln sie ein ideologisches Dilemma, in dem die amerikanische Gesellschaft sich befindet. Auf der einen Seite ist da die Freiheitsphilosophie, auf die die Vereinigten Staaten gegr\u00fcndet wurden, das Versprechen, da\u00df in Amerika jeder nach seiner eigenen Facon leben d\u00fcrfe, souver\u00e4n und selbstst\u00e4ndig. Diese Philosophie kann man nicht aufgeben, ohne sich selbst aufzugeben. Auf der anderen Seite aber steht der Zwang zu immer gr\u00f6\u00dferer Anpassung und Nivellierung der Anspr\u00fcche im Konsumzeitalter, steht die Notwendigkeit, sich zu organisieren, keinen Ansto\u00df zu erregen und bei den Mitmenschen beliebt zu sein. Auf diesen Widerspruch antwortet der Westerner mit einem eskapistischen Traum. Er verdr\u00e4ngt die Wirklichkeit durch das Ideal von einst. In der Weite der Pr\u00e4rie findet er die offene Welt ohne soziale Probleme und Anpassungsschwierigkeiten. Der \u201egoldene Westen\u201c ist das Gegenbild zum Dasein in der Gesellschaft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\"> Der Gangster dagegen, der nach langer Jagd durch die Ordnungsm\u00e4chte der Gemeinschaft irgendwo in einem Mauerwinkel, umstellt von seinen Verfolgern, zusammengeschossen wird, erf\u00fcllt seine Funktion auf die umge-kehrte Weise. Er nimmt auch alle die halbbewu\u00dften Unwillensregungen seiner Zuschauer \u00fcber ihr reglementiertes Leben auf, aber er f\u00fchrt sie nicht ins Freie, sondern l\u00e4\u00dft sie mit seiner Person unbarmherzig vernichten. Wenn er sich zuletzt geschlagen geben mu\u00df, kapitulieren mit ihm alle Aggressionsgel\u00fcste des Publikums gegen die Gesellschaft, die er vorher angezogen hat. In ihm verk\u00f6rpert sich der Angsttraum vom Ausgesto\u00dfenen, den jede konformistische Gesellschaft f\u00fcr ihre Mitglieder bereithalten mu\u00df. Sein Tod ist ein Opfer Ritus.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\"> In seiner reinen archetypischen Form geh\u00f6rt der Gangsterfilm allerdings der Vergangenheit an. Seine besten Beispiele stammen aus den Zwanziger- und den fr\u00fchen Dreissigerjahren. Heute hat die totale Negation der Gesellschaft und die darauf folgende drastische Bestrafung des Au\u00dfenseiters keine p\u00e4dagogischen Chancen mher. Aber der Gangsterfilm hat der Hollywoodindustrie ein Thema hinterlassen, das sich nach wie vor gr\u00f6\u00dfter Aufmerksamkeit erfreut. Es ist die Erfahrung, da\u00df man pl\u00f6tzlich einsam sein kann. Sie war es, die dem Gangster die Symphatien des Publikums gesichert hatte. Die Zuschauer waren auf der Leinwand mit einem Menschen konfrontiert worden, der allein und ausgesto\u00dfen in einer feindlichen Welt stand und durch seine Existenz nachdr\u00fccklich den offiziellen amerikanischen Optimismus dementierte, alle Menschen k\u00f6nnten gut Freund miteinander sein. Wahrscheinlich war diese Erfahrung, da\u00df man hoffnungslos alleingelassen sein kann in unserer Welt, mehr als die Rebellion dagegen, die eigentliche Begr\u00fcndung f\u00fcr den Erfolg des Gangsterfilmes. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Er lud zum Selbstmitleid ein. In den Vierzigerjahren, vor allem nach dem Kriege, verschwanden denn auch die aggressiven Elemente immer mehr aus dieser Filmgattung und machten Situationen Platz, in denen der Held eindeutig als unschuldiges Opfer ungl\u00fccklicher Umst\u00e4nde oder vors\u00e4tzlicher Intrigen erschien. Das Generalthema dieser neuen Variation des alten emotionalen Schemas hei\u00dft: Unter falschem Verdacht! Die meisten Hitchcockfilme huldigen dieser Dramaturgie. Da wird zum Beispiel ein Mann verd\u00e4chtigt, seine Frau ermordet zu haben. Alle Indizien sprechen gegen ihn. Seine Freunde ziehen sich von ihm zur\u00fcck. Seine Nachbarn kennen ihn nicht mehr. Die Polizei terrorisiert ihn, um das Gest\u00e4ndnis zu er-pressen. Alle Versuche, Entlastungsmaterial zu finden, schlagen fehl. Das geht solange, bis sein Widerstandswillen v\u00f6llig gebrochen ist. Erst in diesem Augenblick, wenn der Mann am Ende scheint, kommt eine wunderbare Rettung durch einen Eingriff von au\u00dfen in gestalt eines unbekannten Zeugen vielleicht, oder einer Frau, die ger\u00fchrt durch den j\u00e4mmerlichen Zustand des Helden beschlie\u00dft, von sich aus Nachforschungen anzustellen. Das Happy-End ist in den Verdachtfilmen gesichert, aber was vorausgeht, ist ein Alptraum.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\"> In einer sozialpsychologischen Untersuchung, die Martha Wolfenstein und Nathan Leites kurz nach dem Kriege anstellten, kamen sie zu dem Ergebnis, da\u00df dieses Motiv der falschen Beschuldigung offenbar eine Projektion von Selbstvorw\u00fcrfen ist, die sich die nur mangelhaft angepa\u00dften Mitglieder einer auf perfekten Konformismus bedachten Gesellschaft machen. Viele Amerikaner scheinen das Gef\u00fchl zu haben, da\u00df sie der Norm, die ihre Umwelt ihnen setzt, nicht gen\u00fcgend entsprechen. Sie beargw\u00f6hnen sich deswegen selbst. Sie bef\u00fcrchten, irgendetwas sei mit ihnen nicht in Ord-nung. Jedenfalls sehen sie, da\u00df es ihnen nicht gelingt, sich ihren Nachbarn und deren Standards so vollkommen anzugleichen, da\u00df sie als die gro\u00dfe Familie erscheinen k\u00f6nnen, als die die amerikanische Nation sich verstanden wissen m\u00f6chte. Man entdeckt, da\u00df man nicht bei jedermann beliebt sein kann, da\u00df man nicht die ganze Welt zu Freunden haben kann und sucht f\u00fcr die Unsicherheit, die aus dieser Erfahrung entsteht, auf der Leinwand ein Modell, das einen tr\u00f6stet. Die Geschichte vom falschen Verdacht der anderen gibt diesen Zuschauern die M\u00f6glichkeit, sich unverstanden zu f\u00fchlen und die Schuld daran den \u201eNachbarn\u201c aufzub\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\"> Es ist in diesem Zusammenhang recht aufschlu\u00dfreich, da\u00df in amerikanischen Filmen die Exekutivorgane der Gesellschaft, etwa die Polizei oder die Beh\u00f6rden, wenig Symphatie genie\u00dfen. Zwar werden sie nicht so eindeutig wie in franz\u00f6sischen Filmen zu Handlangern der Unterdr\u00fcckung, zu Feinden des Individuums erkl\u00e4rt, aber sie genie\u00dfen bei weitem nicht die untert\u00e4nige Verehrung, die der deutsche Film ihnen zollt. Wenn in einem ameri-kanischen Film die Polizei auftritt, erweisen sich ihre Anstrengungen in der regel als der Sache, um die es geht, nicht angemessen. Entweder verfolgt sie zu lange falsche Spuren, oder es gelingt ihr nicht, ihren Machtapparat richtig einzusetzen. Die meisten Beamten sind r\u00fcde und bedenklich verst\u00e4ndnislos \u2013 besonders am Anfang der Untersuchungen. Manchmal sind sie selbst gegen Korruption nicht gefeit. In Lustspielen wirken sie begriffsstutzig. Jedenfalls tut der Einzelne gut daran, sich nicht auf sie zu verlassen. Wer seine Haut verteidigen mu\u00df, wer einen Angreifer unsch\u00e4dlich machen mu\u00df, arbeitet besser auf eigene Faust. Am Schlu\u00df werden die Beh\u00f6rden und Gerichte zwar immer auf einer Seite sein, sie werden ihre Irrt\u00fcmer einsehen und dem Guten zu Siege verhelfen, aber ohne Privatinitiative \u2013 das steht fest \u2013 w\u00fcrden sie es nicht weit gebracht haben.  <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\"> Typisch zum Beispiel ist, da\u00df in der \u201eFaust im Nacken\u201c, wo die Verbrechen einer korrupten Gewerkschaft angeklagt werden, am Ende, wenn die Tatbest\u00e4nde gerichtsnotorisch geworden sind, nicht \u2013 wie in jedem Rechtsstaat selbstverst\u00e4ndlich w\u00e4re \u2013 die Justiz eingreift und den Gangstern den Proze\u00df macht, sondern Marlon Brando seine Feinde im Faustkampf vernichten mu\u00df. Das ist filmwirksamer und entspricht mehr der amerikanischen Ideologie des \u201ehilf dir selbst\u201c! Im grunde glaubt der amerikanische Film nicht an die Verl\u00e4\u00dflichkeit der staatlichen Ordnung. In entscheidenden Krisensituationen erscheint ihm selbst die Demokratie als haltlos.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\"> Man erinnere sich an \u201eHigh Noon\u201c, an jene Szenen, in denen Gary Cooper die B\u00fcrger einer Stadt zum Widerstand gegen die Gangster aufruft und nur ab-weisende Mienen und verschlossene T\u00fcren findet. Wenn nicht er sich aufge-rufen f\u00fchlte \u2013 ganz allein gelassen nur mit einer Pistole in der Hand \u2013 dem Unheil entgegenzutreten, w\u00fcrde sich niemand finden, die Freiheit, von der man so gerne profitiert, auch zu verteidigen. \u201eHigh Noon\u201c entstand w\u00e4hrend des Koreakrieges.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\"> Der amerikanische Film treibt mit der Tat des Einzelnen seinen gr\u00f6\u00dften Kult. Das ist von der liberalistischen Gesellschaftstheorie her gut verst\u00e4ndlich. Die bildhaften Modelle daf\u00fcr, die der Film braucht, sind jedoch vor-industriell. Sie stammen aus der Zeit der Kolonisation. Hollywoods Drehbuchautoren und ihr Publikum leben mit einem beachtlichen Teil ihrer Leitbilder immer noch in der Zeit, da die Wagen der Siedler von den atlantischen Neu-Englandstaaten aus nach Westen rollten, um einen unabsehbaren Kontinent in Besitz zu nehmen. Damals, als es keine Grenzen zu geben schien, vor denen man h\u00e4tte halt machen m\u00fcsen, entstand das Lebensgef\u00fchl, das der amerikanische Film auch heute noch, in einer ganz an-deren Situation reproduziert. Die gro\u00dfe Landnahme selbst dient immer wieder als Filmthema. Ihre Dramaturgie besteht aus der H\u00e4ufung von Situationen, die dem Zuschauer das erregende Gef\u00fchl permanenter  Grenz\u00fcberschreitung vermitteln. Da ist zum Beispiel ein Flu\u00df, der den Vordringenden den Weg versperrt, bis sie ihn in einem grandiosen \u00dcbersetzman\u00f6ver bezwingen. Da ist immer wieder ein Berg, den die Reiter m\u00fchsam erklimmen m\u00fcssen, bis sie dann oben stehen und eine neue Ebene sich vor ihnen ausbreitet. Aber da ist auch heute der D\u00fcsenj\u00e4gerpilot, der die Schallmauer durchbricht, der Weltraumflieger, der zu anderen Planeten startet und \u00fcberhaupt der Held der Technik, der der Erfahrung neue Welten erschlie\u00dft. In solchen Bildern und Figuren best\u00e4tigt der Film seinen Besuchern jedesmal aufs neue, da\u00df nichts sie einengt und alle Hindernisse \u00fcberwunden werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\"> Solange es nur um die einsamen Helden der Pr\u00e4rie oder die technischen \u00dcbermenschen der Science fiction geht, solange nur im wilden Westen Verhandlungen verachtet und und einsame Beschl\u00fcsse gefeiert werden, mag man die gesellschaftlichen Konsequenzen dieses Leitbildes noch f\u00fcr relativ unbedeutend halten. Die Hollywoodproduktion mu\u00df ihren Zuschauern je-doch den Glauben vermitteln, da\u00df die omnipotenten Idealfiguren der Ver-gangenheit und der Utopie auch in der Wirklichkeit Lebensberechtigung haben. Davon lebt das amerikanische Selbstbewu\u00dftsein. Das Leitbild vom harten K\u00e4mpfer \u201eon the frontier\u201c findet sich deshalb im sozialkritischen Rei\u00dfer wieder und wird vor allem gerne auf Kriegsfilme \u00fcbertragen. Das f\u00fchrt dazu, da\u00df ein gro\u00dfer Teil der Filme \u00fcber den zweiten Weltkrieg oder Korea offen Partei ergreift f\u00fcr radikale Milit\u00e4rs, die die gem\u00e4\u00dfigten Wei-sungen ihrer Kommandostellen in Washington oder \u00fcberhaupt im Hinterland, wo nach Meinung dieser Filme allzu viele Leute sitzen, die von der rauhen Wirklichkeit \u201eDrau\u00dfen\u201c keine Ahnung haben, mit Erfolg zu \u00fcber-spielen versuchen. Zur Zeit des Koreakrieges, als Pr\u00e4sident Truman den General Mc Arthur absetzte, weil er China mit Atombomben in die Knie zwingen wollte, waren fast alle Kriegsfilme aus Hollywood auf Seiten des Generals. Das ist heute bei Themen des kalten Krieges gegen die Sowjetunion nicht anders. Selbst Filme, die sich kritisch mit der amerikanischen Armee auseinandersetzen \u2013 typische Beispiele daf\u00fcr: \u201eVerdammt in alle Ewigkeit\u201c oder \u201eDie Meuterei auf der Caine\u201c &#8211; erweisen sich am Ende als Loblieder auf die harten K\u00e4mpfer. Gewisse Bedenken der Zivilisten und der Intellektuellen m\u00f6gen berechtigt sein, sagen diese Filme, aber letzten Endes sind sie bedeutungslos. Der Mann an der Front, mag er nun Sheriff in einem kleinen Pr\u00e4rienest sein oder D\u00fcsenj\u00e4gerpilot in Korea, hat immer mehr recht als der Kritiker. Leute mit Bedenken sind unzuverl\u00e4ssig.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\"> Intellektuelle sind \u00fcberhaupt unbeliebt in den meisten amerikanischen Filmen. Sie k\u00f6nnen nur n\u00fctzlich sein, wenn sie brav im Hintergrund bleiben und sich in die wichtigen Fragen nicht einmischen. Man sieht sie als Manager eines gro\u00dfen Boxers, als Presseagent eines Volkshelden oder Unternehmers, als Anwalt eines unschuldig Angeklagten, als Ordonanz oder Pfarrer. Auf solchen Posten sind sie f\u00fcr manche Arbeiten brauchbar. Die moderne Gesellschaft ist leider so kompliziert, da\u00df die Helden sich nicht mehr allein zurechtfinden. Aber gut ist das nicht. Besser w\u00e4re, man brauchte die Schriftgelehrten nicht. Sie machen bestimmt Fehler. An den empfindsamen H\u00f6hepunkten der Filme begreifen sie ihren Helden (und Arbeitgeber) nicht. Besch\u00e4mt stehen sie dann sp\u00e4ter da, wenn sich herausstellt \u2013 was mit Sicherheit geschieht! &#8211; da\u00df sie zu kleingl\u00e4ubig waren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\"> Nur in Lustspielen d\u00fcrfen Intellektuelle rundweg symphatisch sein \u2013 freilich ein bi\u00dfchen so wie Kinder! Man kann sie ja nicht ganz ernst nehmen. Doch man findet sie nett. Sie sind so weltfremd; ganz das rechte Objekt daf\u00fcr, da\u00df eine Frau kommt und sie um den Finger wickelt! Intellektuelle (und nat\u00fcrlich auch K\u00fcnstler) sind in diesen Filmen ein Sonderfall der allgemeinen Spezies \u201eMann\u201c. Und die wirkt, wenn sie keine heroischen Kost\u00fcme tr\u00e4gt, leicht l\u00e4cherlich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">\nIn\namerikanischen Unterhaltungsfilmen herrscht das Matriachat. Die Welt\ndes Mannes ist die Pr\u00e4rie und der Krieg, die Unterwelt und das\nAbenteuer au\u00dferhalb der Grenzen des Alltags. Aber wenn er nach Hause\nkommt, regiert die Frau. Nur beim ersten Kennenlernen des M\u00e4dchens,\ndas er sp\u00e4ter heiraten wird, erlaubt der amerikanische Film dem\nManne noch eine gewisse Initiative \u2013 obwohl es auch eine ganze\nReihe Filme gibt, in denen die Frau den Kontakt herstellt. Sobald\njedoch die ersten Blicke getauscht sind und die erste Verabredung\nhergestellt worden ist, diktiert behutsam aber nachdr\u00fccklich die\nFrau die weiteren Spielregeln. Sie gibt die Stichworte, auf die der\nMann einen Reim zu finden versucht. Dabei tut er sich am Anfang\nmeistens schwer. Er sch\u00e4tzt die Situation falsch ein. Daraus ergeben\nsich die Verwicklungen, die das Spiel reizvoll machen. Dann kommt der\nAugenblick, in dem die Frau einen Moment lang die \u00dcbersicht verliert\nund ihrerseits Fehler macht. Aber inzwischen hat der Mann etwas\ngelernt \u2013 die M\u00e4nner im amerikanischen Film lernen sehr gut!  &#8211;\nund am Ende f\u00fchlt er sich als Sieger, doch der Zuschauer am\u00fcsiert\nsich, weil er wei\u00df, wer in Wahrheit die F\u00e4den gezogen hat. Der Mann\nerscheint im amerikanischen Unterhaltungsfilmen als ein in Sachen\nLiebe und Ehe unselbstst\u00e4ndiges Wesen, das der Anleitung bedarf. In\nExtremf\u00e4llen mu\u00df sogar der Psychoanalytiker nachhelfen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\"> Einige Beobachter haben nach dem Kriege gemeint, dieses Schema sei eigentlich \u00fcberholt; es werde sich wahrscheinlich unter dem Einflu\u00df europ\u00e4ischer Leitbilder, die zu studieren die amerikanischen Soldaten Gelegenheit hatten, aufl\u00f6sen. Doch das Gegenteil ist eingetreten. In neueren Filmen l\u00e4\u00dft sich sogar eine Ausweitung des Herrschaftsbereiches der Frau feststellen. W\u00e4hrend der Zwanziger- und Drei\u00dfigerjahren wenigstens der berufliche Bereich eine Dom\u00e4ne des Mannes blieb, in der er beweisen konnte, da\u00df er tatkr\u00e4ftig und erfolgreich war, h\u00e4ufen sich in den letzten Jahren Filme, in denen der Mann vor erheblichen Schwierigkeiten im B\u00fcro und in der \u00d6ffentlichkeit steht, die er nur durch entschlossene Eingriffe seiner Frau zu \u00fcberwinden vermag. Ein bekanntes Beispiel daf\u00fcr ist \u201eDer Mann im grauen Flanell\u201c.  <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\"> Nat\u00fcrlich ruft die Initiative der Frauen, die zum Chef gehen, um ihm die Qualit\u00e4ten ihrer M\u00e4nner klarzumachen, oder die selbst in die Branche ein-steigen und ihren Mann aus der Patsche ziehen, m\u00e4nnlichen Widerstand hervor. Es kommt zu famili\u00e4ren Szenen, die M\u00e4nner f\u00fchlen sich gedem\u00fctigt. Am Ende zeigt sich jedesmal, da\u00df die Frauen es ja gut gemeint haben und das ihr Eingreifen die einzige M\u00f6glichkeit war, den Mann zu neuen Taten zu provozieren. Das Berufsleben, sagen diese Filme, ist komplizierter geworden. Die Anpassungsschwierigkeiten nehmen zu. Ein Mann allein verrennt sich da sehr leicht. Oder er wird tr\u00e4ge und l\u00e4\u00dft sich gehen. Da ist es gut, wenn er eine Frau hat, die ihm auch au\u00dferhalb des Hauses zur Seite steht. Sie soll ja nur seine m\u00e4nnliche Halsstarrigkeit ein bi\u00dfchen korrigieren oder ihm wieder auf die Spr\u00fcnge helfen.  <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\"> Das Gesellschaftsbild des amerikanischen Films wird von einem Zwiespalt zerrissen. Hollywoods Drehbuchautoren stehen vor der Aufgabe, ihrem Publikum einerseits den Glauben zu erhalten, die Welt sei offen und die Menschen ehrlich, f\u00fcr einen richtigen Mann gebe es keine ernsthaften Hindernisse, jeder seines eigenen Gl\u00fcckes Schmied. Andrerseits jedoch m\u00fcssen sie Erkl\u00e4rungen f\u00fcr die Mi\u00dferfolge ihrer Kunden finden. Sie m\u00fcssen mit der Tatsache fertig werden, da\u00df ihre Zuschauer Entt\u00e4uschungen erleben, da\u00df sie, wenn sie aus dem Kino kommen, keine Pferde besteigen und in die Weite reiten k\u00f6nnen, sondern sich in den Stra\u00dfenverkehr eingliedern, nett zu ihren Nachbarn sein und sich h\u00fcten m\u00fcssen, ihre Vorgesetzten zu br\u00fcskieren. Einerseits mu\u00df der Film zeigen, da\u00df der <strong>american way of life<\/strong> unwiderstehlich ist, andrerseits kann er nicht dar\u00fcber hinwegt\u00e4uschen, da\u00df viele Leute in der Welt das nicht einsehen wollen und in allem ernst meinen, sie h\u00e4tten bessere Vorstellungen vom richtigen Leben. Die Leitbilder des amerikanischen Films spiegeln dieses Dilemma. Sie tendieren immer mehr auf die Formel zu: den Kuchen essen und ihn gleichzeitig behalten. Das ist ihre L\u00f6sung! Martha Wolfenstein und Nathan Leites haben diesen Trend bereits an erotischen Wunschvorstellungen des amerikanischen Kinos im einzelnen analysiert. Sie stellten fest, da\u00df die weiblichen Hauptfiguren in beinahe allen Hollywoodfilmen nach dem Schema \u201eGut und B\u00f6se in einer Person\u201c konstruiert sind. Der Hollywoodstar soll erotisch attraktiv sein. Das kann er nur, wenn seine Weiblichkeit zu Schau gestellt werden darf, wenn gezeigt wird, da\u00df er Erfolg bei M\u00e4nnern hat, wenn er in zweideutigen Situationen erscheint. Gleichzeitig soll die Frau im Film jedoch unber\u00fchrt und treu sein, nur einen, den Helden, wahrhaft lieben. Damit diese Rechnung aufgeht, m\u00fcssen alle Kniffe der Dramaturgie angewandt werden. Die wichtigste Leistung des Drehbuchautors besteht darin, zun\u00e4chst den Anschein der Unmoral zu erwecken und dann doch einen Weg zu finden, damit strahlend sich die Reinheit der Heldin enth\u00fcllen kann.  <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\"> Nach dem selben Modell wird im Hollywoodfilm die Gesellschaft portr\u00e4tiert. Es werden zun\u00e4chst anscheinend unl\u00f6sbare Konflike, Verbrechen sogar, Korruption und fragw\u00fcrdige politische Machenschaften vor dem erschreckten Publikum ausgebreitet, das seine schlimmsten Bef\u00fcrchtungen best\u00e4tigt meint. Dann aber kommt die Wendung. Es zeigt sich, da\u00df alles halb so schlimm ist. Unter denen, die B\u00f6ses tun, ist bestimmt immer einer, der gar nicht wei\u00df, was geschieht. Ihm fallen pl\u00f6tzlich die Schuppen von den Augen, worauf er mit ungebrochener Energie, wie sie nur dem wahren Helden eigen ist, die Ordnung wiederherstellt. An dieses Schema glaubt der amerikanische Film. Es ist ein Mechanismus h\u00f6herer Art, gleichsam eine nur noch theologisch zu erkl\u00e4rende Verhei\u00dfung. Ohne diesen Glauben, da\u00df das \u00dcbel nie ein endg\u00fcltiges \u00dcbel sein kann, ist ein Film kein amerikanischer Film.  <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\"> Wilfried Berghahn im M\u00e4rz 1962.  Abgedruckt in der Filmkritik.<\/p>\n\n\n\n<p>Hans\nHelmut Prinzler schrieb am : 03. Mai 2017 \u00fcber das Buch von Michael\nWedel Wilfried Berghahn Filmkritiker erschien: \n<\/p>\n\n\n\n<p>Als\ner starb, im September 1964, war er 34 Jahre alt. Wilfried Berghahn\ngalt damals als ein Hoffnungstr\u00e4ger f\u00fcr die Zukunft der Filmkritik.\nEr gab, zusammen mit Enno Patalas, die Zeitschrift <em>Filmkritik<\/em>\nheraus, hatte 1956 mit einer Dissertation \u00fcber Robert Musil\npromoviert, war von 1957 bis 1960 Redakteur beim Fernsehen des\nS\u00fcdwestfunks, plante dann interessante Buchprojekte und besuchte,\nmeist im Zusammenhang mit Fernseh-sendungen, die gro\u00dfen Regisseure\njener Zeit: Aleksandr Ford und Andrzej Wajda, Michelangelo Antonioni,\nFederico Fellini, Vittorio De Sica, Francesco Rosi und Luchino\nVisconti, Satyajit Ray, Kon Ichikawa und Susumi Hani, Luis Bu\u00f1uel\nund Leopoldo Torre Nilsson. Die Nachrufe auf Wilfried Berghahn im\nNovemberheft 1964 der <em>Filmkritik<\/em>\nlesen sich noch heute bewegend. Der Band 20 der Reihe \u201eFilm &amp;\nSchrift\u201c, herausgegeben von Rolf Aurich und Wolfgang Jacobsen,\nerinnert an ihn. Der Essay von Michael Wedel \u00fcber Berghahn ist eine\nbeeindruckende W\u00fcrdigung der Person und des Pub-lizisten, der ja\nnicht nur im Bereich des Films, sondern auch der Literatur und des\nTheaters t\u00e4tig war. In Wedels Text gibt es eine interessante&nbsp;Passage\n\u00fcber Berghahns Kritik in den <em>Frankfurter\nHeften<\/em>\nan dem Buch \u201eDer Film. Wesen und Gestalt\u201c von Walter Hagemann,\nder damals Publizistik-Professor in M\u00fcnster war; zu seinen Studenten\ngeh\u00f6rten Enno Patalas und Theodor Kotulla. Die Kontroverse verr\u00e4t\nviel \u00fcber die damalige Situation der Publizistik- und\nFilmwissenschaft und die souver\u00e4ne Position von Berghahn. Der Band\ndokumentiert 79 Texte von Wilfried Berghahn: 15 Essays, f\u00fcnf\nPortr\u00e4ts und Gespr\u00e4che, acht Berichte und Kommentare, 51 Kritiken.\nDie Lekt\u00fcre macht noch einmal klar, was f\u00fcr einen gro\u00dfen Autoren\nwir damals verloren haben. \n<\/p>\n\n\n\n<p>\n&#8222;Einer\nder Besten &#8230;&#8220; Mit diesen Worten war eine Sammlung von Ausz\u00fcgen\naus Nachrufen auf Wilfried Berghahn (1930-1964) \u00fcberschrieben, die\nim November 1964 in der &#8222;Filmkritik&#8220; erschien. Der\npromovierte Literaturwissenschaftler und anerkannte Musil-Spezialist\ngalt zum Zeitpunkt seines fr\u00fchen Todes als das intellektuelle\nGravitationszentrum der fortschrittlichen deutschsprachigen\nFilmkritik, deren wichtigstes publizistisches Forum &#8211; die Zeitschrift\n&#8222;Filmkritik&#8220; &#8211; er als Chefredakteur gemeinsam mit Enno\nPatalas leitete. Dort erschienen auch die meisten seiner Texte \u00fcber\nFilm, andere wurden in Kulturzeitschriften wie den &#8222;Frankfurter\nHeften&#8220; oder dem &#8222;Merkur&#8220; ver\u00f6ffentlicht. Kollegen\nverglichen die Qualit\u00e4t seines filmpublizistischen Wirkens mit der\ndes ebenfalls fr\u00fch verstorbenen Andr\u00e9 Bazin in Frankreich. Im\nGegensatz zu dessen breit rezipierten Schriften bleiben Berghahns\nEssays, Kritiken und Portr\u00e4ts in der vorliegenden Edition noch zu\nentdecken. \n<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/2017.Wilfried-Berghahn-300x425spiegel.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-13443\" width=\"270\" height=\"383\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/2017.Wilfried-Berghahn-300x425-1.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-13444\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Kino dient der modernen Gesellschaft als einer der Orte, an dem das Publikum seine W\u00fcnsche und \u00c4ngste abladen darf, damit die Filmproduzenten ihm daraus eine plausible Geschichte machen. 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