{"id":1367,"date":"2016-06-06T20:21:27","date_gmt":"2016-06-06T20:21:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.medienberatungev.org\/?p=1367"},"modified":"2022-06-10T11:30:40","modified_gmt":"2022-06-10T11:30:40","slug":"1367","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.medienberatungev.org\/?p=1367","title":{"rendered":"Streits Haus Hamburg"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/PDF-Streits-Repplinger.pdf\">PDF Streits Repplinger<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/013.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright  wp-image-4145\" src=\"http:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/013-1024x686.jpg\" alt=\"013\" width=\"556\" height=\"372\" \/><\/a><a href=\"http:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/015.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright  wp-image-4149\" src=\"http:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/015-1024x686.jpg\" alt=\"015\" width=\"579\" height=\"388\" \/><\/a><a href=\"http:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/016.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright  wp-image-4150\" src=\"http:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/016-1024x686.jpg\" alt=\"016\" width=\"569\" height=\"381\" \/><\/a><a href=\"http:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/IMG_4013.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-1369\" src=\"http:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/IMG_4013-1024x768.jpg\" alt=\"IMG_4013\" width=\"566\" height=\"425\" \/><\/a>Fotos Jens Meyer<a href=\"http:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/By-nc-sa_color.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright  wp-image-1755\" src=\"http:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/By-nc-sa_color.png\" alt=\"By-nc-sa_color\" width=\"262\" height=\"177\" srcset=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/By-nc-sa_color.png 720w, https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/By-nc-sa_color-300x202.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 262px) 85vw, 262px\" \/><\/a><\/p>\n<h3>Schlechte Vorstellung<\/h3>\n<p>KINO Bei der Streit&#8217;s-Schlie\u00dfung scheinen die Rollen klar: B\u00f6ser Vermieter k\u00fcndigt armem Betreiber. Aber die Sache liegt anders<\/p>\n<p align=\"center\">VON <b>ROGER REPPLINGER<\/b><\/p>\n<p>In dieser Geschichte geht es um Tradition, um Verpflichtung und um Verteilung. Die Verteilung von Geld und Moral. F\u00fcr die Verteilung von Letzterem f\u00fchlen sich Journalisten verantwortlich, oft, um die weiter ungest\u00f6rte Verteilung des Geldes, auch an den Verlag, f\u00fcr den sie schreiben, zu gew\u00e4hrleisten. Im Kern geht es um das Kino Streit&#8217;s am Jungfernstieg, das im M\u00e4rz 2013 schlie\u00dfen wird &#8211; zumindest schreibt das das <i>Abendblatt <\/i>und es ist nicht gesagt, dass das <i>Abendblatt<\/i> damit richtig liegt.<\/p>\n<p align=\"center\"><b>Kino mit Tradition<\/b><\/p>\n<p>Das Kino hat Tradition, das Haus, in dem das Kino sitzt, hat mehr Tradition als das meiste in dieser Stadt. Dass der Jungfernstieg wurde, was er ist, hat mit dem Streit&#8217;s und der Familie Streit zu tun. Im Mai 1837 er\u00f6ffnete Christian Streit &#8222;Streit&#8217;s Hotel&#8220;, und machte es, so w\u00fcrde man heute sagen, zu einer &#8222;Topadresse&#8220;.<\/p>\n<p>1842, als Hamburg in Flammen aufging, wurde das Haus gesprengt, um zu verhindern, dass sich der Brand weiter ausbreitete. Im Jahr 1843 wurde es wieder aufgebaut. Im Jahr 1925 kauften Bertha und Ludwig Vogt &#8222;Streit&#8217;s Hotel&#8220;. Die Herren Christoph, 78, und Peter Reimers, 44 Jahre alt, Vater und Sohn, heute Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Streit&#8217;s Grundst\u00fccksgesellschaft, sind Nachfahren der Familie Vogt.<\/p>\n<p>Mitte der 1950er-Jahre wurde aus dem Hotel ein B\u00fcrogeb\u00e4ude, und in den Speisesaal ins Parterre, kam ein Kino, das Streit&#8217;s. Er\u00f6ffnung war im Dezember 1956. Das Streit&#8217;s war ein Premierenkino: Hardy Kr\u00fcger, Romy Schneider, Barbara Streisand, Liza Minelli und Hans Albers waren hier, Clint Eastwood bekam hier 1995 den Douglas-Sirk-Preis des Hamburger Filmfestes. Das Streit&#8217;s betrieben internationale Filmverleiher wie J. Arthur Rank und ab 1975 der 20th Century Fox. Der Laden brummte.<\/p>\n<p>Brummen ist endlich. &#8222;Wir haben zwei Insolvenzen erlebt&#8220;, sagt Peter Reimers. Die erste legte Heinz Riech hin, dessen Ufa ab 1980 auch das Streit&#8217;s betrieb. Vom insolventen Riech wanderte das Kino 2002 zur L\u00fcbecker Kieft-Gruppe. Die hielten auch nicht lange durch. &#8222;Das war dann die zweite Insolvenz&#8220;, sagt Peter Reimers, und man h\u00f6rt seiner Stimme an, dass das Kino was anderes ist als die vielen anderen Mieter, die er hat, &#8222;und zwar zum Teil seit 30, 40 Jahren &#8211; ganz ohne Probleme&#8220;.<\/p>\n<p>Im Jahr 2004 stieg die australische Kino-Holding Greater Union Cinemas, zu der auch die Cinestar Germany geh\u00f6rt, bei Kieft &amp; Kieft ein, und \u00fcbernahm das Streit&#8217;s, &#8222;unter der Bedingung, dass wir die Miete senken&#8220;, sagt Christoph Reimers. Die Greater Union Cinemas geh\u00f6rt einem Konzern namens Amalgamated Holdings Limited (AHL), ein Name wie aus einem Bond-Film. Weil sich die Reimers dem Kino verpflichtet f\u00fchlen, senkten sie die Miete.<\/p>\n<p>Das <i>Abendblatt<\/i> erz\u00e4hlt in seinem Text, dass am Jungfernstieg &#8222;Vermieter gewerbliche Mieten von 200 Euro und mehr f\u00fcr den Quadratmeter verlangen&#8220;, ohne die Reimers zu nennen, die dann im n\u00e4chsten Satz als &#8222;kaufm\u00e4nnisch denkende Eigent\u00fcmerfamilie&#8220; vorkommen, deren Entscheidung, den Mietvertrag auslaufen zu lassen, &#8222;verst\u00e4ndlich und nachvollziehbar&#8220; sei.<\/p>\n<p align=\"center\"><b>Gereizter Tonfall<\/b><\/p>\n<p>Der Artikel f\u00fchrt dazu, dass die Reimers mit Journalisten nicht gerne reden, und ihre Stimmen einen gereizten Ton bekommen. &#8222;Wir haben dem Kino 60.000 Mark zur Verf\u00fcgung gestellt&#8220;, sagt Peter Reimers, und &#8222;wir haben&#8220;, sagt Christoph Reimers, &#8222;die Miete um 54 Prozent reduziert&#8220;. Es gab, so Christoph Reimers, &#8222;keine Mieterh\u00f6hung in den vergangen Jahren. Seit wann genau, Peter?&#8220; Kurze Pause. &#8222;Seit 14 Jahren&#8220;, sagt Peter Reimers.<\/p>\n<p>F\u00fcr rund 100.000 Euro ist im vergangenen Jahr eine digitale 3-D-Anlage eingebaut worden, steht da. Cinestar hatte bei der Filmf\u00f6rderung Hamburg Schleswig-Holstein GmbH einen Antrag auf F\u00f6rderung gestellt, im November 2010 wurden 13.300 Euro bewilligt, aber nie abgerufen, denn es gibt eine &#8222;Zweckbindung der gef\u00f6rderten technischen Ausstattung f\u00fcr f\u00fcnf Jahre&#8220;, sagt Helen Peetzen, die Sprecherin der Filmf\u00f6rderung. Und damit w\u00e4re nicht gegangen, was das <i>Abendblatt<\/i> \u00fcber die Pl\u00e4ne von Cinestar schreibt: &#8222;Die moderne Kinotechnik soll jetzt &#8211; neben dem Mobiliar &#8211; in anderen Cinestar-Filmtheatern Verwendung finden.&#8220; Vielleicht wussten die vorausschauenden Cinestar-Verantwortlichen schon 2010, dass es in f\u00fcnf Jahren das Streit&#8217;s nicht mehr gehen wird.<\/p>\n<p>Verschwindet das Mobiliar, ist es darum nicht schade. Denn Cinestar hat nichts in dasselbe investiert. In den 17 Jahren seit der \u00dcbernahme haben andere Kinos vier Mal ihre Bestuhlung gewechselt. Nicht das Streit&#8217;s.<\/p>\n<p align=\"center\"><b>Keine Investitionen<\/b><\/p>\n<p>Auf der Herrentoilette im Untergeschoss ist mal an der Eingangst\u00fcr der Griff abgegangen &#8211; vom engagierten Personal wurde ein Behelfsgriff angebracht. Und einen schwarzen Fleck, in der Mitte der Leinwand gibt&#8217;s seit ein paar Monaten auch. &#8222;Das wussten wir nicht&#8220;, sagen die Reimers. \u00dcber die Investitionen von Cinestar sagt Peter Reimers: &#8222;Die haben nur einen Teppich ausgewechselt und die Beschriftung.&#8220;<\/p>\n<p>Die Reimers sind mit Cinestar &#8222;unzufrieden&#8220;, und das hei\u00dft, in nicht-hanseatisches Deutsch \u00fcbersetzt: Sie sind sauer. Nicht zuletzt darauf, wie Cinestar-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Oliver Fock das Auslaufen des Vertrags kommentierte: &#8222;Wir, die Cinestar-Gruppe&#8220;, so zitieren ihn die Kollegen des <i>Abendblatts<\/i>, &#8222;sind sehr traurig dar\u00fcber, dass sich der Vermieter daf\u00fcr entschieden hat, unseren Mietvertrag nicht zu verl\u00e4ngern.&#8220; So hat das <i>Abendblatt<\/i> die Rollen verteilt: Die b\u00f6sen Vermieter, die hohe Mieten erzielen wollen, und die traurigen Kinobetreiber, die sich nicht entmutigen lassen.<\/p>\n<p>Ist nun wirklich im M\u00e4rz 2013 Schluss, wie es im <i>Abendblatt<\/i> steht? Die Reimers widersprechen nicht. Gleichzeitig sagen sie, &#8222;dass sie interessante Konzepte verfolgen&#8220; und &#8222;interessante Gespr\u00e4che f\u00fchren&#8220;. Und dass es ihnen um die Konzepte geht, und nicht &#8222;um jede Mark&#8220;. Cinestar ist nicht der einzige Kinobetreiber, den es gibt: Heinz Lochmann zeigt im Passage-Kino, von dem die Betreiber einer anderen Kino-Kette behauptet hatten, an diesem Standort sei ein Lichtspielhaus nicht rentabel, dass es geht.<\/p>\n<p><strong>28.12.2012 taz Nord Hamburg Aktuell 200 Zeilen, ROGER REPPLINGER<\/strong> S. 24 nur in taz-Teilauflage<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/IMG_3013.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1170 alignleft\" src=\"http:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/IMG_3013-1024x681.jpg\" alt=\"IMG_3013\" width=\"371\" height=\"247\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>PDF Streits Repplinger Fotos Jens Meyer Schlechte Vorstellung KINO Bei der Streit&#8217;s-Schlie\u00dfung scheinen die Rollen klar: B\u00f6ser Vermieter k\u00fcndigt armem Betreiber. 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