{"id":14553,"date":"2021-03-29T17:29:25","date_gmt":"2021-03-29T17:29:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.medienberatungev.org\/?p=14553"},"modified":"2021-04-06T16:43:08","modified_gmt":"2021-04-06T16:43:08","slug":"kurt-tucholsky-die-deutsche-pest","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.medienberatungev.org\/?p=14553","title":{"rendered":"Kurt Tucholsky. Die deutsche Pest"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-file\"><a href=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/pdfTucholsky-Die-deutsche-Pest3.pdf\">pdfTucholsky-Die-deutsche-Pest3<\/a><a href=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/pdfTucholsky-Die-deutsche-Pest3.pdf\" class=\"wp-block-file__button\" download>Herunterladen<\/a><\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">K<strong>urt Tucholsky Die deutsche Pest<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u00abEs ist aber merkw\u00fcrdig, wie leicht und glatt dieselben &lt;korrekten&gt; Historiker und Publizisten, welche das ganze Zeter-Alphabet und Fl\u00fcchew\u00f6rterbuch ersch\u00f6pfen, um den rot-republikanischen Schrecken zu verdonnern, \u00fcber die Abscheulichkeiten und Gr\u00e4\u00dflichkeiten hinwegschl\u00fcpfen, welche der wei\u00df-royalistische Schrecken von 1794\u201395 in Szene gesetzt hat. Nat\u00fcrlich \u00fcbrigens! F\u00fcr Thron und Altar ist ja alles erlaubt. Mag jedoch der Grundsatz mit so schamloser Offenheit gepredigt und ge\u00fcbt werden, wie in unsrer niedertr\u00e4chtigen Zeit geschieht, immerhin gibt es noch einen \u00fcber die tr\u00fcbe Sph\u00e4re der Knechtseligkeit, \u00fcber die w\u00fcste Region z\u00fcgelloser Parteileidenschaft hocherhabenen Standpunkt der Sittlichkeit, von welchem herab die echte und rechte Seherin Historia den Wahrspruch tut \u2013: Die roten Schreckensm\u00e4nner handelten sittlicher als die wei\u00dfen, denn jene standen in Bann und Zwang einer gro\u00dfen Idee, w\u00e4hrend diese nur von der gemeinsten Selbstsucht getrieben wurden.\u00bb Johannes Scherr: <em>&lt;Menschliche Tragikom\u00f6die&gt;<\/em> <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Die Schande des neuen Republikschutz-Gesetzes, das noch den kleinsten Schreiber, wenn er nur pensionsberechtigt ist, zu einer Rechtsperson h\u00f6heren Grades erhebt und die unbequemen Links-Oppositionellen rechtlos l\u00e4\u00dft, wird Wahrheit werden. Die Stagnation der \u00f6ffentlichen Moral ist vollkommen; kaum ein Windhauch geht \u00fcber diese scheinbar so bewegte Fl\u00e4che. Deutschland ist ein lautes Land \u2013 aber die Massen treten an Ort. Was das neue Gesetz uns bieten wird, geht aus der jetzigen Lage klar hervor. So instinktlos diese Republik ist, die sich noch niemals gegen ihre wirklichen und gef\u00e4hrlichen Gegner zu sch\u00fctzen gewu\u00dft hat, weil sie gar nicht gesch\u00fctzt sein will \u2013 in einer Beziehung haben Verwaltung und Rechtsprechung den richtigen Instinkt. Das zeigt sich in der Behandlung der Nationalsozialisten.Die behaupten, &lt;revolution\u00e4r&gt; zu sein, wie sie denn \u00fcberhaupt der Linken ein ganzes Vokabular abgelauscht haben: &lt;Volkspartei&gt; und &lt;Arbeiterpartei&gt; und &lt;revolution\u00e4r&gt;; es ist wie ein Konkurrenzman\u00f6ver. Da\u00df bei der herrschenden Arbeitslosigkeit des Landes und der Direktionslosigkeit der b\u00fcrokratisierten Sozialdemokratie die Arbeiter scharenweise zu den Nazis laufen, darf uns nicht wundern. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Revolution\u00e4r sind die nie gewesen. Die Geldgeber dieser Bewegung sind erzkapitalistisch, der Groll, der sich in den Provinzzeitungen der Partei, in diesen uns\u00e4glichen &lt;Beobachtern&gt; ausspricht, ist durchaus der von kleinen Leuten: Erfolg und Grundton dieser Papiere beruhen auf Lokalklatsch und \u00fcbler Nachrede.   \u00abWir fragen Herrn Stadtrat Normauke, ob er die Lieferungen an die Stadt nicht durch F\u00fcrsprache seines Schwagers erhalten hat, der seinerseits dem Oberb\u00fcrgermeister . . . \u00bb  Das freut die einfachen Leute; es zeigt ihnen, dass sich die Partei ihrer Interessen annimmt, es befriedigt ihre tiefsten Instinkte \u2013 denn der Kleinb\u00fcrger hat drei echte Leidenschaften: Bier, Klatsch und Antisemitismus. Das wird ihm hier alles reichlich geboten: Bier in den Versammlungen, Klatsch in den Bl\u00e4ttern und Radau-Antisemitismus in den gro\u00dfm\u00e4uligen Parolen der Partei. Was ist nun an diesem Getriebe revolution\u00e4r? Junge Leute, die tagaus, tagein im B\u00fcro sitzen; Studenten, die mit ihren paar Groschen kaum das Brotstudium bezahlen k\u00f6nnen, von echtem Studium ist schon lange nicht mehr die Rede; Arbeitslose, denen jede Abwechslung recht ist . . . aus solchen Menschen setzen sich die &lt;Sturm-Abteilungen&gt; zusammen, die vor Gericht nicht einmal soviel Mut haben, auch nur den Namen aufrechtzuerhalten. \u00abWir SA-Leute sind Sportabteilungen  . . . was dachten Sie?\u00bb Die Deutschen sind stets ein Gruppenvolk gewesen; wer an diesen ihren tiefsten Instinkt appelliert, siegt immer. Uniformen; Kommandos; Antreten; Bewegung in Kolonnen . . . da sind sie ganz. Der Zulauf zu diesen sehr risikolosen und romantisch scheinenden Unternehmungen ist gro\u00df; das moderne Leben mechanisiert die Menschen, das Kino allein kann das Bed\u00fcrfnis nach Abwechslung nicht befriedigen. Also rauf auf die Lastwagen! <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Wenn diese nationalsozialistische Bewegung eine echte Volksbewegung, eine revolution\u00e4re Bewegung w\u00e4re, wenn eine rechte Revolution alte Rechtsbegriffe hinwegschwemmte und zur Durchsetzung ihres Systems eine Diktatur errichtete \u2013 so k\u00f6nnte man das sauber bek\u00e4mpfen. Wer f\u00fcr den Klassenkampf eintritt, kann sich nicht grunds\u00e4tzlich gegen Diktaturen wenden, h\u00f6chstens gegen die Ziele, f\u00fcr die sie eingesetzt werden. Ein Belagerungszustand kann unter Umst\u00e4nden politisch zu bejahen sein \u2013 es kommt auf die Idee an, die ihn geboren hat. Von einer revolution\u00e4ren Idee ist jedoch bei den Nazis nicht das Leiseste zu bemerken. Ich nehme hier ausdr\u00fccklich die ihnen nicht unmittelbar angeschlossenen und noch sehr einflu\u00dflosen Gruppen aus, die zun\u00e4chst im geistigen Kampf stehen: die Handvoll Leute um J\u00fcnger, Schauwecker und die andern. Ich kann zwar nicht sehen, was damit gewonnen ist, dass man mit Ausdr\u00fccken wie &lt;magisch&gt; und &lt;mitteleurop\u00e4ischer Raum&gt; um sich wirft . . . auch die Vokabel &lt;Fronterlebnis&gt; wird ja wohl nicht \u00fcber die wahnwitzige G\u00fcterverteilung der kapitalistischen Gesellschaftsunordnung hinweghelfen \u2013 Romantiker glauben immer, wenn sie bewegt seien, bewegten sie auch schon dadurch die Welt. Selbst echte seelische Ersch\u00fctterung ist noch kein Beweis f\u00fcr die N\u00fctzlichkeit und den Wert einer Idee. Die Stra\u00dfennazis lassen von dieser Geistigkeit auch nicht einen Hauch versp\u00fcren. Politische Kinder . . . \u00abPolitische Kinder\u00bb, hei\u00dft es einmal bei Scherr, \u00abwelchen man ja, vorab in Deutschland, bis zur Stunde einbilden, einpredigen, einschwindeln konnte und kann, Revolutionen w\u00fcrden willk\u00fcrlich gemacht, von Sprudel- und Strudelk\u00f6pfen, von Habenichtsen und Taugenichtsen, von einer Handvoll &lt;Literaten, Advokaten und Juden&gt;, willk\u00fcrlich gemacht und aus purem Mutwillen.\u00bb <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Und nun tobt das gegen einen &lt;Bolschewismus&gt; der nicht einmal da ist; denn die Arbeiter sind gespalten, und die typische Angestelltengesinnung haben die Kommunisten, von Moskau leider sehr falsch belehrt, in Deutschland niemals zu erfassen vermocht. Dergleichen ist wohl auch unvorstellbar f\u00fcr ein russisches Gehirn, aber nicht minder real. Die kommunistischen Parolen holen vielleicht die Arbeiter aus den Betrieben, niemals aber die Angestellten aus den B\u00fcros. Und ohne die kann man keine Revolution machen. Die Nazis terrorisieren viele kleine und manche Mittelst\u00e4dte, und zwar tun sie das mit der Miene von Leuten, die ungeheuer viel riskieren; sie machen immer ein Gesicht, als seien sie und ihre Umz\u00fcge wer wei\u00df wie illegal. Sie sind aber durchaus legal, geduldet, offizi\u00f6s. Und hier beginnt die Schuld der Republik: eine Blutschuld. Polizei und Richter dulden diese Burschen, und sie dulden sie in der durchaus richtigen Anschauung: \u00abMitunter ist es ja etwas reichlich, was hier getrieben wird. Keinen Totschlag! Nicht immer gleich schie\u00dfen  . . .  Aber, trotz allem: Diese da sind Blut von unserm Blut, sie sind nicht gegen, sondern f\u00fcr die Autorit\u00e4t \u2013 sie sind, im allertiefsten Grunde, f\u00fcr uns, und sie sind nur deshalb nicht ganz und gar f\u00fcr uns, weil wir ihnen nicht stramm genug sind und zu sehr republikanisch. Wir m\u00f6chten ja auch gerne . . . aber wir d\u00fcrfen nicht . . . Diese l\u00e4cherlichen republikanischen Minister . . . die Geheimr\u00e4te da oben am gr\u00fcnen Tisch . . . wir m\u00f6chten ja ganz gerne. Und tun unser M\u00f6glichstes. Zur\u00fccktreten! Nicht stehen bleiben! Na ja . . . aber es sind unsre, unsre, unsre Leute.\u00bb <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Es sind ihre Leute. Es sind so sehr ihre Leute, dass die verschiedenartige Behandlung, die Kommunisten und Nationalsozialisten durch Polizei und Rechtsprechung erfahren, gradezu grotesk ist. Man stelle sich einmal vor, was gesch\u00e4he, wenn in der &lt;<em>Weltb\u00fchne&gt; <\/em>st\u00e4nde, man m\u00fcsse den F\u00fchrer der Zentrumspartei zum &lt;Schweigen bringen  . . . Nie davon sprechen \u2013 immer daran denken&gt; \u2013: zw\u00f6lf Juristen erster Klasse zerbr\u00e4chen sich die Dialektik, um aus diesen S\u00e4tzen herauszulesen, was sie f\u00fcr eine Verurteilung brauchten, und die Urteilsbegr\u00fcndung w\u00e4re eine reine Freude f\u00fcr jeden Kandidaten der gro\u00dfen Staatspr\u00fcfung. Man stelle sich vor, was gesch\u00e4he, wenn \u2013 wie es umgekehrt in Schweidnitz geschehen ist \u2013 ein j\u00fcdischer Angeklagter in einem Strafproze\u00df die Geschmacklosigkeit bes\u00e4\u00dfe zu sagen: \u00abDer Regierungsvertreter l\u00e4chelt mich dauernd so h\u00e4misch an, wie das nur Gojims zu tun pflegen\u00bb \u2013 mit Recht lie\u00dfe der Vorsitzende den Sprecher abf\u00fchren, und der Proze\u00df ginge, was ja zul\u00e4ssig ist, ohne den Angeklagten zu Ende. Und man stelle sich vor, was gesch\u00e4he, wenn der Vorsitzende dies zu tun unterlie\u00dfe. Aufforderung zur Berichterstattung an den Aufsichtf\u00fchrenden, Bericht ans Justizministerium, &lt;anderweitige Verwendung&gt; des Richters und wahrscheinlich unter Anwendung der \u00fcblichen Mittel: Pensionierung. Linksleute sind vogelfrei. F\u00fchren die Arbeiter einen der ihren zu Grabe, den \u00fcble Gef\u00e4ngnis\u00e4rzte zu Tode gequ\u00e4lt haben, dann st\u00fcrzen sich hundert Polizisten dazwischen, \u00abunter Anwendung des Gummikn\u00fcppels\u00bb, wie es in den polizeiseligen Bl\u00e4ttern der Mitte hei\u00dft. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Die scheuen sich, die Wahrheit zu sagen: es wird gepr\u00fcgelt, wie die Kosaken nicht saftiger gepr\u00fcgelt haben. Br\u00fcllen die Nationalsozialisten die Stra\u00dfen entlang, so wird zwar von den Polizeibeamten nicht grade salutiert, aber sie lassen den Zug l\u00e4chelnd passieren. Jugend mu\u00df sich austoben  . .- . Hiervon gibt es nur sehr wenige Ausnahmen. Auf den Stra\u00dfen flie\u00dft Blut, und die Republik unternimmt nichts, um dem Einhalt zu tun. Von Mordandrohungen schon gar nicht zu sprechen. Nach dem neuen Schutzgesetz, das diese Republik n\u00f6tig hat, kann jeder satirische Vers gegen den Portier des Reichskanzlerpalais einem Staatsanwalt die Karriere verbessern; auf der andern Seite k\u00f6nnen die Nazis gegen &lt;nichtbeamtete&gt; Publizisten Drohungen aussto\u00dfen, die selbst unter dem Seligen klar und eindeutig unter den \u00a7 111 des Strafgesetzbuches gefallen w\u00e4ren (Aufforderung zur Begehung strafbarer Handlungen). Heute geht das als Redebl\u00fcmchen und W\u00fcrze der Propaganda glatt durch. Und kommt es selbst einmal zu einem Proze\u00df: wie besch\u00e4mend sehen diese Prozesse aus! Die Zeugen sind, wenn sie vom Reichsbanner oder gar aus Arbeiterkreisen kommen, die wahren Angeklagten, die Anw\u00e4lte der Nazis treten wie die Staatsanw\u00e4lte auf, und die Staatsanw\u00e4lte sind klein und h\u00e4\u00dflich und kaum zu sehen. Die Richterspr\u00fcche entsprechend. Das gro\u00dfe Wort vom &lt;Landfriedensbruch&gt; hat hier keine Geltung; und wenn eine ganze Stadt von den Hitlerbanden auf den Kopf gestellt wird, so erscheint das in den Begr\u00fcndungen der Freispr\u00fcche als harmlose Bierhauspr\u00fcgelei. Kein Wunder, wenn diesen Knaben der Kamm schwillt: sie riskieren ja nichts. Um so mehr riskiert der Arbeiter. Eifrige Polizeipr\u00e4sidenten verh\u00e4ngen \u00fcber ihren Machtbereich jedesmal einen kleinen privaten Belagerungszustand, wenn es bei einem Fabrikstreit Randal gibt, und wie da gehauen, gepr\u00fcgelt, verhaftet wird, daran \u00e4ndert auch das Vokabular nichts, das dann von &lt;zwangsgestellt&gt; spricht. Der Z\u00f6rgiebels gibt es viele im Reich, und alle, alle sehen nur nach links. Von rechts her scheint keine Gefahr zu drohen. Die Redakteure der &lt;<em>Roten Fahne&gt; <\/em>verf\u00fcgen \u00fcber ein reiches Schimpfw\u00f6rterbuch, die Hitlergarden verf\u00fcgen \u00fcber Waffen, Autos und Geld . . . das ist der Unterschied. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Der Landfrieden aber wird bei uns nur von links her gebrochen. Es ist eine Schande. Solange solche M\u00e4nner wie Klausener in den preu\u00dfischen Ministerien, wo es noch am liberalsten zugeht, die Personalpolitik machen, kann das nicht besser werden. Einen deutschen Landfrieden gibt es nicht mehr. St\u00e4nde heute ein Erzberger oder ein Maximilian Harden auf und spr\u00e4chen sie in den Mittelst\u00e4dten der Provinz und nun gar in Sachsen und Bayern: sie w\u00fcrden abermals niedergeschlagen werden. Vielleicht machte die Ortspolizei schwache Versuche, sie zu sch\u00fctzen; vor den Richtern k\u00e4men die M\u00f6rder mit einer vergn\u00fcgten Verhandlung davon. Kein Wunder. Man h\u00f6re sich die Vorlesungen der Universit\u00e4ten an, man sehe die dort von den Beh\u00f6rden geduldeten Umtriebe, und man wird sich nicht wundem, dass eine so vorgebildete Richterschaft die Verbrechen der Nationalsozialisten im Herzen und im Grunde bejaht.   Diese Unabsetzbaren halten derartige Morde f\u00fcr den Ausflu\u00df des Volkswillens. Strafen? Die sind f\u00fcr die Arbeiter. Was die \u00f6ffentliche Meinung anlangt, so geht sie mit den V\u00f6lkischen zu milde um. Es liegt das zun\u00e4chst an dem berliner Aberglauben, der Kurf\u00fcrstendamm sei die Welt, und solange eine Reinhardt-Premiere nicht gest\u00f6rt w\u00fcrde, k\u00f6nne das Ganze doch unm\u00f6glich so schlimm sein.   Die sehen die Gefahr immer erst, wenn ihnen die Gegner auf den Teppich des E\u00dfzimmers spucken. Siegfried Jacobsohn hat mir einmal von Konrad Haenisch erz\u00e4hlt, wie er den in der Nacht vor dem Kapp-Putsch im Theater traf: der Gute l\u00e4chelte und winkte auf alle Fragen beschwichtigend ab . . . Am n\u00e4chsten Tage sa\u00dfen die Herren im Auto, und Berlin wehrte sich allein. An dem v\u00f6lkischen Teil der deutschen Industrie h\u00e4ngt der Vorwurf, dass sie M\u00f6rder finanziert; sie wird diesen Vorwurf l\u00e4chelnd einstecken wie ihre Tantiemen. Denn noch nie haben sich diese Menschen ein Gesch\u00e4ft durch die &lt;Moral&gt; verderben lassen. So wird unsre Luft verpestet. Und wenn wir uns diese einseitig gesch\u00fctzte Republik ansehen, diese Polizeibeamten und diese Richter, dann entringt sich unsern Herzen ein Wunsch: <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Gebt uns unsern Kaiser wieder! <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Erstver\u00f6ffentlichung unter dem Namen Ignaz Wrobel, Die Weltb\u00fchne vom 13. Mai.1930, Nr. 20, S. 718. Zitiert nach: Kurt Tucholsky, Gesammelte Werke, Dreib\u00e4ndige Ausgabe (D\u00fcnndruckpapier), Deutscher B\u00fccherbund, Band III (1929 &#8211; 1932), Seite 439 &#8211; 443. <\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"300\" height=\"508\" src=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/TucholskyParis1928-e1573067251705.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6930\"\/><figcaption>Kurt Tucholsky 1928 in Paris<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/HansHillmannMaskeinFilmNr8klein3-739x1024.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-14516\" width=\"252\" height=\"349\"\/><figcaption>Grafik Hans Hillmann<\/figcaption><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kurt Tucholsky Die deutsche Pest \u00abEs ist aber merkw\u00fcrdig, wie leicht und glatt dieselben &lt;korrekten&gt; Historiker und Publizisten, welche das ganze Zeter-Alphabet und Fl\u00fcchew\u00f6rterbuch ersch\u00f6pfen, um den rot-republikanischen Schrecken zu verdonnern, \u00fcber die Abscheulichkeiten und Gr\u00e4\u00dflichkeiten hinwegschl\u00fcpfen, welche der wei\u00df-royalistische Schrecken von 1794\u201395 in Szene gesetzt hat. 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