{"id":16469,"date":"2021-10-08T09:01:18","date_gmt":"2021-10-08T09:01:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.medienberatungev.org\/?p=16469"},"modified":"2022-09-08T21:45:24","modified_gmt":"2022-09-08T21:45:24","slug":"fuer-manni","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.medienberatungev.org\/?p=16469","title":{"rendered":"F\u00fcr Manni (Manfred Stelzer)"},"content":{"rendered":"\n<p> Lieber Manni, <\/p>\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/pdfNachruf-fuer-Manni-von-Gert.pdf\">pdfNachruf fuer Manni von Gert<\/a><\/p>\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">ich hoffe, dass du gut da oben angekommen bist \u2013 wie sieht es denn da auf deiner Wolke so aus? Bist du ein wenig gl\u00fccklich, diesem hier unten waltenden Irrsinn endlich entkommen zu sein? Deine Bea, deine Schauspieler und ich m\u00fcssen hier noch etwas ausharren. Na gut, wir k\u00f6nnen hier Sekt, Bier und Wein trinken, um unsere Trauer seit deinem Verschwinden von diesem Kampfplaneten durchzustehen.  <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\"> Du wei\u00dft ja, ich habe viele Jahre nicht weit von Berchtesgaden gelebt. Wenn ich da mal so einen wie dich getroffen h\u00e4tte, w\u00e4re ich nicht auf den Gedanken gekommen, dass du ein echter Bayer bist. Denn der wirklich echte Bayer ist klein, ja gedrungen, dunkelhaarig und zuweilen dick, na gut, weil er viel Schweinefleisch isst und viel gutes Bier zu trinken vermag. Du warst rothaarig. Und die Rothaarigen sind ja immer etwas den schwarz-, blond-, braunhaarigen und Glatzen stets ein paar Schritte voraus.  <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Auch\nDu! So lange ich noch nicht ganz dement bin, versuche ich mal ein\npaar Geschichten aus unserer gemeinsamen Vergangenheit zu erz\u00e4hlen.\nKannst du mich h\u00f6ren und verstehen? Wenn nicht, bringe ich dir\ndiesen Brief mal sp\u00e4ter da nach oben mit. Also, kennen gelernt haben\nwir uns um 1971. Du kamst, wenn ich nicht irre, mit Rainer M\u00e4rz in\nmeine WG in der Sch\u00f6neberger B\u00fclowstr. 29. Rainer kannte ich aus\nder Kreuzberger Stadtteilgruppe, und wir wohnten ein halbes Jahr etwa\nin einer WG von einem Psychiater in der Kreuzberger G\u00f6rlitzer\nStra\u00dfe. Egal. \n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">\nJedenfalls\nhast du dich bei uns mit meinen Mitbewohnern Wanda, Cornelius,\nRainer, Ilse, Konrad und dem Luxemburger Ren\u00e9 schnell eingelebt. Und\nnoch bis vor ein paar Wochen hast du mir immer wieder, sobald das\nWort B\u00fclowstra\u00dfe erklang, von deinem selbstlosen Arbeitseinsatz bei\nmir erz\u00e4hlt. Du hattest auf meine Bitte hin, Fotos aus\nSpiegelheften, Konkret\u2019s, Stern\u2019s usw. ausgeschnitten und in\neinen Leitzordner fein s\u00e4uberlich eingeordnet. Diese Akten habe ich\nnoch immer. Es handelte sich da meist um politische Motive,\nVietnamkrieg usw. Diese Bilder brauchten wir zuweilen f\u00fcr unsere\nKreuzberger Stadtteilzeitung. \n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">\nUnd da\nf\u00e4llt mir noch etwas sehr Lustiges ein. In diesen linken\nKonkret-Heften, die damals in den siebziger Jahren ein Klaus Rainer\nR\u00f6hl, der damalige Ehemann von Ulrike Meinhof, herausbrachte, wurden\nneben politischen Themen immer h\u00e4ufiger auch Nacktfotos\nver\u00f6ffentlicht. Und beim Ausschneiden kam dir eines Nachts, wann\nauch sonst, der Gedanke ein gutes Gesch\u00e4ft mit der Produktion von\nPornopuzzles zu machen. Du hast dann einfach diese Sexbilder nebenher\nauch ausgeschnitten, dann auf Pappe geklebt und mit der Schere\nwahllos zerschnitten. \n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">\nDann hast\ndu, ich wei\u00df nicht mehr in welchem Presseorgan, eine Anzeige mit dem\nText: \u201ePornopuzzles zu verkaufen, DM 9,99\u201c aufgegeben, dann\nfolgte Adresse und Postscheckkontonummer. Und du hast dich \u00fcber die\nersten Bestellungen sehr gefreut, ja was macht man nicht alles, um in\neiner Gro\u00dfstadt wie Berlin zu \u00fcberleben. Du hast es immer wieder\ngeschafft. Dann verschwandest du pl\u00f6tzlich mit Rainer nach England.\nClemens Kuby hatte da wohl eine Connection zu einer\nbritisch-revolution\u00e4ren Filmcrew mit dem Namen \u201ecinema action\u201c. \n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">\nDort in\nLondon sollst du dich nach Aussage von Rainer M\u00e4rz in eine h\u00fcbsche\nBrasilianerin verknallt haben. Okay, warum auch nicht, aber du kamst\nwieder in die Frontstadt zur\u00fcck und bewarbst dich an der Film-und\nFernsehakademie am Theodor-Heuss-Platz. Und sie haben dich ohne\nAbitur und Studium dort aufgenommen. Diese Akademie stand unter\nstarken Druck der linken Studenten, und diese bevorzugten Menschen\naus proletarischen Verh\u00e4ltnissen. \n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Deine\nEltern waren ja, nach deinen Schilderungen, nicht unbedingt Proleten.\nBeide Elternteile arbeiteten in der Gastronomie und in der Verwaltung\nvon Altersheimen. Warum Dein Vater mit dir nicht klarkam, habe ich\nerst verstanden als ich von dir h\u00f6rte, dass du in Berchtesgaden mit\nverr\u00fcckten Kumpels \u00fcber Autod\u00e4chern gelaufen bist. Und dann\nirgendwann seid ihr betrunken nach dem Besuch in einer Disko gegen\neinen Baum gefahren. Du warst der Einzige von vier Mitfahrern, der\ndieses Ungl\u00fcck \u00fcberlebte. Dieses Erlebnis hat lange Jahre bei dir\nin der Weise nachgewirkt, dass du eigentlich keine richtige Angst\nmehr vor dem Tod hattest. Aber auch vergessen konntest du nie, dass\ndein Vater als Strafma\u00dfnahme oft ein Jahr nicht mehr mit dir\ngesprochen hat oder er dich oftmals zwang, gemeinsam mit eurem Berner\nSennenhund zu speisen. \n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">\nOkay,\nvergessen wir diese Psychoerziehung deiner Eltern. Nach einer Lehre\nals Physiklaborant zog es dich aus der Enge Berchtesgadens nach\nBerlin. Dort angekommen musstest du erst einmal deine Br\u00f6tchen als\nTagel\u00f6hner verdienen, hast in zehn Meter H\u00f6he mit einer verrosteten\nMotors\u00e4ge B\u00e4ume von Reichen in Zehlendorf beschnitten und vieles\nandere mehr, aber das Medium Film hat dich irgendwie immer\nfasziniert. Ich habe um diese Zeit herum in Kreuzberg auf dem\nBethaniengel\u00e4nde mein Medienzentrum aufgebaut, und so hatten wir\nauch beruflich eine freundschaftliche N\u00e4he. \n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">\nWei\u00dft du\nnoch, 1971 wurde damals ein Schwesternwohnheim, das Martha Maria\nHaus, auf diesem Gel\u00e4nde von Trebern und Jugendlichen aus dem\nKreuzberger Kiez besetzt. Es wurde in Georg-von-Rauch-Haus umbenannt,\nund bis heute seit 1870 steht auf seinem Eingang der Spruch \u201eEins\ntut not \u201c. Du hast auf der Film-und Fernsehakademie eine Suzanne\nBeyeler kennen gelernt, eine Schweizerin, und mit ihr und deinen\nalten Kumpel Rainer M\u00e4rz, der es ein Jahr sp\u00e4ter mit deiner Hilfe\nauch auf dieser Filmschule geschafft hat, starteten ihr Drei einen\nDokufilm \u00fcber genau dieses besetzte Haus. \n<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAllein\nmachen sie dich ein\u201c, nach einem Rio Reiser Text, habt ihr euren\nersten Schwarz-Wei\u00df-16mm-Film benannt. Ein\npaar Jahre sp\u00e4ter hast du mit einen deiner Mitstudenten, Johannes\nFl\u00fctsch, einen sehr witzigen Film \u00fcber einen Automatenspieler\ngedreht. Dieser Spieler mit Namen Diethard Wendtland konnte mit\nseiner speziellen Begabung Spielautomaten der Marke \u201eMonarch\u201c in\nkurzer Zeit total leerfegen. F\u00fcr diesen Film, produziert von Regina\nZiegler, hast du mit Johannes einen Bundesfilmpreis erhalten. \n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">\nWaren\neigentlich bei dieser Preisverleihung deine Eltern nach Berlin\ngekommen? Ich glaube eher nicht. Dabei war es doch f\u00fcr dich ganz\nwichtig, deinen Eltern in Bad Aibling zu zeigen, dass du kein Looser\nmehr bist. Du hast mir erst vor ein paar Wochen erz\u00e4hlt, dass du\nrichtig Geld erst nach deinem 40. Geburtstag verdient hast. Du\nwurdest am 22. September 1944 im Bombenhagel von Augsburg geboren,\nund demnach hast du erst in den Jahren 1984\/85 so viel verdient, dass\ndu auch mal in den Urlaub fahren konntest. \n<\/p>\n\n\n\n<p>1985\nhaben wir zwei an zwei Projekten gearbeitet, einmal ein Film \u00fcber\nehemalige Rauchhausbewohner mit Rolf Zacher als Karl Marx und\nMarianne Enzensberger als seine Jenny, Musik Rio Reiser, und einen\nzweiten Dokufilm \u00fcber eine Miss Germany, die mit einem Polizisten\nverheiratet war. Dieses Eheverh\u00e4ltnis hat dich sehr interessiert,\nund Harun Farocki hat das Expos\u00e9 verfasst. Es war eine\nZDF-Produktion. Und bei diesen Dreharbeiten, du Regie, Kamera David\nSlama und Ton ich, haben wir im Grunde jeden Abend nach Drehschluss\nnur noch gelacht, wei\u00dft du noch, als in Luxemburg dieser\nMiss-Germany-Preis verliehen wurde und ein Gunter Sachs im Hotel\nerschien und total \u00fcberschminkt die Kandidatinnen abzut\u00e4tscheln\nversuchte, und die haben sich das auch noch gefallen lassen. \n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">\nDiese\nPreisverleihung wurde vom RTL aufgezeichnet, und wir durften deshalb\nf\u00fcr das ZDF nur ganz wenige Bilder nach Deutschland mitnehmen.\nLustig war auch, dass du vor Drehbeginn einen alten Ford f\u00fcr unsere\nDreharbeiten erworben hast. Mit diesem klapprigen Gef\u00e4hrt sind wir\nbis Paris gefahren, um eine alternde Miss Germany zu interviewen. Auf\nden Weg dahin blieb unser Oldtimer st\u00e4ndig stehen, und unsere\nAltmiss hatte im Hinterhof ein kleine Werkstatt, die spezielle\nSpionageger\u00e4te herstellte und in Paris an diverse Agenten verkaufte,\nabschlie\u00dfend lud sie uns zum Essen ein, sie im Porsche und wir\nst\u00e4ndig anschiebend in unserem Freakford als Abgesandte des ZDF\u2019s,\nund in dem teuren Restaurant winkte sie st\u00e4ndig dort speisenden\nAgenten zu. \n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">\nDenn das\nhier war ihr Vertriebsnetz, wir wollten dann auch nicht mehr wissen,\nwie so ehemalige Miss heute ihr Leben finanzieren. Mein\nWaterloo-Erlebnis mit dir hatte ich Ende 1989, wei\u00dft du noch, ich\nwohnte mal f\u00fcr zwei Jahre in Oldenburg. Und irgendwie hatte die\nBerliner Delta-Filmproduktion die Idee, einen Kinofilm zum Thema Stau\nin Fahrt zu bringen. Du solltest mit mir das Drehbuch entwickeln und\nkamst nach Ostfriesland, und wir mieteten dort auf so einem komischen\nFreizeitgel\u00e4nde ein kleines H\u00e4uschen an und begannen sofort mit der\nArbeit. \n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Kurz und gut, ich hatte unter anderem die Idee, dass unter anderen Urlaubern auch ein Finne mit einem Holzauto in diesen Superstau in Bayern f\u00e4hrt. Du fandest diese Idee auch sehr charmant und lustig. Aber dann kam der Produzent Richard Claus nach Oldenburg, und als er das mit dem finnischen Holzauto las, fuhr er schnurstracks wieder nach Berlin zur\u00fcck. Keine Diskussion, Thema verfehlt \u2013 setzen, M\u00f6bius!  <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">\nDu hast ja\ndann sp\u00e4ter noch mal sehr kom\u00f6diantisch abgemildert mit Gerd Weiss\ndann doch noch diesen \u201eSuperstau\u201c unter reichlich viel Stress\nabgedreht. Aber schon 1990 kamen wir wieder zusammen, und ich\nbastelte dann an ein Drehbuch von einem DDR-Autor herum. Der Film\nhie\u00df sp\u00e4ter \u201eGr\u00fc\u00df Gott Genosse\u201c. Deine NDR Produzentin Doris\nHeinze war ja mit deiner Arbeit immer sehr einverstanden, und so\nbekamen wir auch den Auftrag, eine neue Polizeirufserie 110 zu\nentwerfen. Es sollte in diesen Filmen kein Mord geschehen. Wir beide\nhaben uns daran gehalten, aber andere ARD-Sender in ihren Polizeiruf\n110-Filmen nicht. \n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">\nDu hast\ndich dann richtig ins Zeug gelegt und einen Polizeiruf nach dem\nanderen abgedreht. Und alle diese Filme mit Uwe Steimle und Kurt B\u00f6we\nunter deiner Regie waren originell und voller Humor. Ich freue mich\nnoch heute, dass ich Dir als Drehbuchautor oft bei diesen Streifen\nhelfen durfte. Ich musste immer wieder \u00fcber dich staunen, mit\nwelcher kreativen und gleichzeitig produktivnaiven Art du Szenen und\nBilder in unseren Drehvorlagen gesetzt hast. \n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Ich kam mir h\u00e4ufig wie ein konservativer Bildungsb\u00fcrger vor, der sich noch immer nicht von der Dramaturgie eines Shakespeare oder Schiller zu l\u00f6sen vermochte oder traute. Aber so \u201etrauen\u201c hatte ja f\u00fcr dich seit deinem Autounfall in Berchtesgaden nur noch wenig Relevanz. Und du hattest ja auch nur sehr wenig Respekt vor diesen Fernsehgewaltigen wie Redakteuren und Produzenten.  <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">\nIch\nerinnere mich noch \u00fcber ein Bild aus den neunziger Jahren, als du zu\nmir mit einer sehr sehr kurzer Sturmfrisur kamst, auf mein Erstaunen\nhin, sagtest du nur: \u201eIch fahre morgen nach Mainz, und da brauche\nich diese Kampffrisur.\u201c Humor, ich habe mich immer wieder gefragt,\nund ich frage mich noch heute, wo du den immer wieder hergenommen\nhast \u2013 deine Kind- und Jugendzeit war doch nun wirklich mehr eine\nSchauergeschichte als ein Kom\u00f6dienstadel \u2013 stimmt&#8217;s? \n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">\nOder war\nsie doch im Umkehrsinn gerade deshalb so inspirierend, weil in deiner\nmiesen Lage sich dein Humor wie ein Schutzschild um dich bildete?\nAber Manni, du hattest, Gott sei Dank, auch viele tolle und mutige\nMitstreiter. Und einige von diesen sind sogar zum Gedenken an dich\nhier in dieser Kapelle. Viele von ihnen haben dir auch durch ihr\nhinzuf\u00fcgen ihres \u201eMutterhumors\u201c bei deinen Inszenierungen\ngeholfen, ich sage nur die \u201eM\u00fcnsterkrimis\u201c. Ich nenne mal ein\npaar von vielen hunderten von Mitarbeitern beim Namen; \n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Deine\ngenialen Kameraleute wie Michael Wiesweg, David Slama, J\u00f6rg Jeshel\nund Frido Feindt. Wunderbare Schauspielerinnen und Schauspieler wie\nTilo Pr\u00fcckner, Jan Joseph Liefers, Detlev Buck, Armin Rhode, Pierre\nBesson, G\u00fcnter Maria Halmer, Axel Prahl, Alexander Scheer, Laura\nTonke, Senta Berger, G\u00f6tz George, Katharina Thalbach, Florian Lukas,\nElke Sommer, Karl Kranzkowski, Sigi Zimmerschied, Nadeshda Brennicke,\nInga Busch und viele, viele mehr. Und nicht zu vergessen, deine\nlangj\u00e4hrige Regieassistentin Susanne Petersen. \n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">\nLieber\nManni, du warst in deinem Leben auf dieser Erde stets ein sehr\nbescheidener Mensch, ich habe dich auch nie in einer Talkshow\ngesehen, du wolltest immer nur deine Arbeit so professionell wie nur\nm\u00f6glich machen. Das Ergebnis \u2013 fast 100 tolle Filme! Aber du\nw\u00fcrdest heute ruhig zugeben, dass sich deine Energie auch aus dem\nBed\u00fcrfnis speiste, deiner Mutter zu beweisen, dass du kein Versager\nbist. \n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">\nDen Beweis\nkonntest du ihr in einer Form geben, die jeder sofort versteht \u2013\nGeld und Gold. Du hast oft gr\u00f6\u00dfere Summe nach Bad Aibling, dem\nWohnort deiner Mutter geschickt. Und sie hat ein Teil dann gro\u00dfz\u00fcgig\nan nahe und ferne Verwandte weitergeleitet, aber stets mit dem\nHinweis versehen, dass diese sch\u00f6nen Scheinchen von ihrem sehr\nerfolgreichen Sohn aus Berlin kamen. Die einen brauchten ein aktuell\nneues H\u00f6rger\u00e4t oder Gebiss, andere arbeitslose Neffen ein neues\nAuto oder auch nur einen neuen Satz Autoreifen. \n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Da\nstand ich mal mit deiner Mutter mit einem Produzenten am Filmset, und\nauf die Frage des Produzenten, was du denn eigentlich studiert hast,\nkam von ihr die prompte Antwort: \u201eMein Sohn, mein Manfred hat\nPhysiklaborant studiert\u201c, und dann von ihr die Gegenfrage: \u201eWerden\nsie meinen Sohn auch weiterhin besch\u00e4ftigen?\u201c. \n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\"> Ja, so einf\u00fchlsam und ehrlich k\u00f6nnen M\u00fctter sein. Nun noch zum Schluss: du hast ja bis in den M\u00e4rz und April hinein noch immer gearbeitet, mit mir hast du an einem Treatment f\u00fcr einen Rio Reiser Spielfilm gearbeitet, und dann an einer 8-teilige Kurzserie mit Tilo Pr\u00fcckner, die man sehr bald unter dem Titel \u201eDie Bank\u201c im Fernsehen sehen wird. Ich hatte irgendwie bei meinen Besuchen bei dir immer das Gef\u00fchl, dass du uns noch gar nicht verlassen willst, jeden Sonnenstrahl aus unserem zurzeit unglaublich stahlblauen Himmel hast du noch genossen.  <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">\nAber deine\nst\u00e4ndigen Schmerzen raubten dir dann doch leider deine letzten\nKr\u00e4fte. Liebe Bea, seit 1984 war Manni dein Weggef\u00e4hrte und deine\nLiebe, Sylvester 1996 habt ihr euch in Las Vergas das Ja-Wort\ngegeben. Dein selbstloser professioneller Einsatz, um Mannis letzten\nf\u00fcnf Jahre andauerndes Leiden zu mildern, war ein sehr, sehr gro\u00dfer\nLiebesbeweis. \n<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Alle\nhier danken dir daf\u00fcr und f\u00fchlen mit ganzem Herzen mit dir und\ndeiner tiefen Trauer. Auch dir, Alexander Richter, sei hier f\u00fcr\ndeine gute Beratung und Hilfe sehr gedankt. Lieber Manni, wir werden\ndich und dein k\u00fcnstlerisches Werk, das du uns hinterlassen hast, nie\nvergessen. Du bist nicht tot, du lebst in deinen Filmen weiter, und\nich freue mich, in Zukunft viele deiner sch\u00f6nen Filme noch einmal\nansehen zu d\u00fcrfen. Deine gesellschaftlich kritische und\nkom\u00f6diantische Sichtweise auf diese unsere Weltenkugel wird mich in\nmeiner noch verbleibenden Lebenszeit f\u00fcr immer begleiten. Ich hoffe,\nwir sehen uns eines Tages wieder! \n<\/p>\n\n\n\n<p> Dein Gert  <\/p>\n\n\n\n<p>Statt einer Biografie die Rede zur Bestattung von Manfred, die sein Freund Gert M\u00f6bius gehalten hat. (Gert M\u00f6bius war Manager der Rockband &#8222;Ton Steine Scherben&#8220; und Mitbegr\u00fcnder des Berliner Tempodroms). Nach dem Tod seines Bruders Ralf, mit K\u00fcnstlername Rio Reiser, gr\u00fcndete er das Rio-Reiser-Archiv. Heute wirkt er als Drehbuchautor und Filmproduzent. <\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/Mariannenplatz2klein.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-16501\" width=\"518\" height=\"354\"\/><figcaption>Mariannenplatz, Berlin 36<br><\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/IMG_8221klein-Kopie.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-16474\" width=\"518\" height=\"518\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/JUZHemmoorklein.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-16533\" width=\"515\" height=\"335\"\/><figcaption>Von links nach rechts: Manfred Stelzer,  Marlis Kallweit im Jugenzentrum Hemmoor (Elbabw\u00e4rts, kurz vor Cuxhaven. Backbord). Rundreise mit dem Film: Allein machen sie dich ein (Georg von Rauch Haus, Berlin) dffb<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/Tieresehendichan1klein.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-13767\" width=\"302\" height=\"212\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright size-full is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/By-nc-sa_color-e1630525890316.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/By-nc-sa_color-e1630525890316.png\" alt=\"cc\" class=\"wp-image-15670\" width=\"194\" height=\"131\"\/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lieber Manni, pdfNachruf fuer Manni von Gert ich hoffe, dass du gut da oben angekommen bist \u2013 wie sieht es denn da auf deiner Wolke so aus? Bist du ein wenig gl\u00fccklich, diesem hier unten waltenden Irrsinn endlich entkommen zu sein? Deine Bea, deine Schauspieler und ich m\u00fcssen hier noch etwas ausharren. Na gut, wir &hellip; <a href=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/?p=16469\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eF\u00fcr Manni (Manfred Stelzer)\u201c<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2072,6521,4327,4831,4832,5134,2049,5549,4995,5073,6547,2128,6595,6275,6278,7194,4328,5496,5497,199,6467,6486,1231,6485,1845,4984,4074,2948,650,298,919,135,2620,8,1245,945,4207,6443,470,1890,2328,7195,144,2158,5913,5643,4569,5552,5547,2686,1,4330,27,6977,2701,2702],"tags":[7193,7178,7179,7175,7192,4082,7183,3628,7189,7181,7170,7188,4398,7173,7172,7169,7180,7190,7191,7184,7177,7171,7185,7187,7186,7182,7176,7174],"class_list":["post-16469","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-1-mai","category-16-mm-film","category-4327","category-4831","category-4832","category-5134","category-2049","category-5549","category-4995","category-5073","category-6547","category-2128","category-6595","category-35-mm-film","category-35-mm-projektoren","category-allein-machen-sie-dich-ein","category-arri-bl","category-bali-kino-berlin","category-bali-kino-zehlendorf","category-berlin","category-berlin-alexanderplatz","category-berlin-hauptstadt-der-ddr","category-berlin-kreuzberg","category-berlin-ost","category-berlin-west","category-berliner-kinos","category-david-slama","category-deutsche","category-deutsche-filme","category-deutscher-film","category-doris-heinze","category-fernsehen","category-film","category-filmkritik","category-fotoarchiv-jens-meyer","category-fotos","category-fsk","category-geschichte-des-films","category-geschichten-aus-dem-leben","category-kreuzberg","category-martin-streit","category-monarch","category-ndr","category-ndr-koenigin","category-regisseur","category-schauspieler","category-schwarzfahrer","category-sponti","category-spontis","category-super-acht-projektor","category-uncategorized","category-westgeld","category-zdf","category-zentral-film-verleih","category-zusammensprudelln","category-zusammensprudeln","tag-100-filme","tag-berner-sennenhund","tag-bethanien","tag-cinema-action","tag-clemens-kuby","tag-david-slama","tag-diethard-wendtland","tag-doris-heinze","tag-frido-feindt","tag-georg-von-rauch-haus","tag-gert-moebius","tag-gruess-gott-genosse","tag-harun-farocki","tag-klaus-rainer-roehl","tag-konkret","tag-manfred-stelzer","tag-martha-maria-haus","tag-medienzentrum","tag-medienzentrum-kreuzberg","tag-monarch","tag-pommernallee","tag-rainer-maerz","tag-regina-ziegler","tag-richard-claus","tag-rolf-zacher","tag-suzanne-beyeler","tag-theodor-heuss-platz","tag-ulrike-meinhof"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.medienberatungev.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/16469","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.medienberatungev.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.medienberatungev.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.medienberatungev.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.medienberatungev.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=16469"}],"version-history":[{"count":33,"href":"https:\/\/www.medienberatungev.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/16469\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":19413,"href":"https:\/\/www.medienberatungev.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/16469\/revisions\/19413"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.medienberatungev.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=16469"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.medienberatungev.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=16469"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.medienberatungev.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=16469"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}