{"id":17285,"date":"2022-06-02T15:48:37","date_gmt":"2022-06-02T15:48:37","guid":{"rendered":"https:\/\/www.medienberatungev.org\/?p=17285"},"modified":"2025-04-19T12:38:37","modified_gmt":"2025-04-19T12:38:37","slug":"briefe-an-wiebeke-xii-ossi-oswalda-im-haus-ohne-maenner","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.medienberatungev.org\/?p=17285","title":{"rendered":"Briefe an Wiebeke (XII-12) Ossi Oswalda im Haus ohne M\u00e4nner"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/A879B69E18BB424E89CE28F32B19DA6F_Oswaldax_Ossi_01.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/A879B69E18BB424E89CE28F32B19DA6F_Oswaldax_Ossi_01.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-17368\" width=\"308\" height=\"162\"\/><\/a><figcaption>Ossi Oswalda <\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright size-full is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Roemische-Zahlen-am-Heck.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Roemische-Zahlen-am-Heck.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-17347\" width=\"175\" height=\"265\"\/><\/a><figcaption>Die R\u00f6mischen Zahlen am Heck <\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/pdf-Briefe-an-Wiebeke-XII-Das-Haus-ohne-Maenner.pdf\">pdf-Briefe-an-Wiebeke-XII-Das-Haus-ohne-Maenner<\/a><\/p>\n\n\n<p><strong>Briefe an Wiebeke (XII) Ossi Oswalda im Haus ohne M\u00e4nner<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Hallo Wiebeke,<\/p>\n\n\n\n<p>wie ich auf diesen Film komme? Das ist ganz einfach: Durch den Kontakt mit Mark Lissauer aus Australien! Du erinnerst Dich an den kleinen Jungen auf dem Balkon im vierten Stock? In der Grindelalllee 116 ?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Das ist Mark Lissauer. Damals mit Vornamen Hermann. Unten war das Kino von seiner Oma. Keine richtige Oma. F\u00fcr eine Oma viel zu jung. Ihre Tochter Fanny, die neben Hermann auf dem Balkon steht, ist 11 Jahre alt und Hermann ist gerade acht Jahre alt geworden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Anhand der Plakate, die in dem Schaukasten des Kinos h\u00e4ngen und einem  Plakat von diesem Film: \u201cDas Haus ohne M\u00e4nner\u201c habe ich herausgefunden, wann das Foto entstanden ist: Im Sommer 1931. Wer es gemacht hat, wu\u00dfte Mark nicht mehr. Ist ja auch schon ne Weile her. Im Thalia Kino konnten schon Tonfilme gezeigt werden, aber dies war noch ein Stummfilm. \u00dcbrigens einer, zu dem ein ber\u00fchmter Komponist eine Musik komponiert hatte: Paul Dessau.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Oder ist der gar nicht so ber\u00fchmt? Jedenfalls hat er mal bei mir gegen\u00fcber gewohnt. Da wo er gewohnt hatte, ist jetzt eine Tiefgarage und oben drauf eine Liegewiese, die man aus bestimmten Gr\u00fcnden besser nicht benutzt. Hunde k\u00f6nnen offensichtlich nicht lesen, das Ihnen der Zutritt zur Wiese verwehrt wird. Aber das geh\u00f6rt nicht hierher.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Die Hauptrolle hatte  die damals (offensichtlich sehr ber\u00fchmte) Schauspielerin Ossi Oswalda, die eigentlich Oswalda Amalie Anna St\u00e4glich hie\u00df. Sie war in vielen Lubitsch Filmen zu sehen. Es geht die Legende, sein Drehbuchautor Hanns Kr\u00e4ly, der mit Lubitsch zusammen nach Hollywood gegangen ist, habe die Schauspielerin entdeckt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Ob es eine Kopie dieses Filmes gibt, weiss ich nicht. Leider fehlt bei Filmportal.de eine Inhaltsangabe. Und im Netz habe ich auch nichts gefunden. Eine Freudin, die ich von der dffb her  kenne, hat mir das Filmheft auf den Scanner gelegt, das damals zu diesem Film erschienen ist. Die Inhaltsangabe ist so lang wie ein Roman. So kommt es mir jedenfalls vor. Wer hat so lange Texte vor dem Kinobesuch gelesen?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Aber wie wir uns schon denken k\u00f6nnen: Es ist ein Liebesfilm. Nat\u00fcrlich einer mit Hindernissen. Im Haus ohne M\u00e4nner haben sich vier emanzipierte Frauen gefunden, denen das Haus geh\u00f6rt und die dort zusammen wohnen.  Das Wort &#8222;emanzipiert&#8220; stand 1928 noch im Fremdw\u00f6rterbuch. Nur damit keine R\u00fcckfragen von Dir kommen: Da steht es immer noch: In der  Ausgabe von 2001 der Firma Duden auf Seite 263.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\"><strong>M\u00e4nnern wird der Zutritt verwehrt<\/strong>: Eva, Elisa,Tamara und Marianne sind berufst\u00e4tig und sorgen f\u00fcr sich selbst.<\/p>\n\n\n\n<p>Eva wird von Ossi Oswalda gespielt. Sie ist selbst\u00e4ndig und gut situiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann gibt es noch Friedel. Friedel hat v\u00f6llig andere Ansichten vom Leben. Sie ist gl\u00fccklich verliebt und mit Lothar verlobt. Doch dann ger\u00e4t sie in Not. Sie wird verd\u00e4chtigt 500 Mark (RM) unterschlagen zu haben. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Und dann kommt es zu allen m\u00f6glichen Verwicklungen. Am Ende sind aber alle wieder gl\u00fccklich und zufrieden. Der letzte Satz im Programmheft zeigt es: Es ist beabsichtigt \u201eDas Haus ohne M\u00e4nner\u201c anderweitig zu vermieten\u201c. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zur Biografie von Ossi Oswsalda schreibt Filmportal.de an anderer Stelle:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u201c<em>Nach der Macht\u00fcbernahme der Nazis 1933 emigrierte Oswalda mit ihrem j\u00fcdischen Ehemann Julius Aubenberg in die Tschechoslowakei und lebte in Prag\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Das ermuntert mich nat\u00fcrlich dazu, mal weiter zu suchen und ich denke bei mir, schon wieder so eine Geschichte aus Deutschland: Irgendwo kratzt man und was kommt hervor? Genau. Das, was man schon vermutet hatte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Aus dem: &#8222;Illustrierter Film Kurier&#8220;: (Nummer 1003) m\u00fchevoll abgeschrieben. Hat sich was &#8211; mit markieren und einf\u00fcgen (!!):<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das Haus ohne M\u00e4nner:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Manuskript: Kurt J. Braun, Regie: Rolf Randolf, Photographie: Alfred Hansen, Titel: Max Ehrlich, Bauten: Heinrich Richter, Personen: Eva = Ossi Oswalda, Friedel = Iwa Wanja, Elisa = Ida Renard, Tamara = Valeria Blanka, Marianne = Jbolya Szekely, Ralf = Livio Pavanelli, Lothar = Hans Brausewetter, Der Nachtw\u00e4chter = Fitz Kampers, Der Direktor = J. v. Sz\u00f6reghy, Der Tanzmeister = Bruno Arno, Die K\u00f6chin = Trude Lehmann. Zeit und Ort der Handlung: Der Film spielt heute und morgen in einer Gro\u00dfstadt und ihrer Umgebung. Produktion: Olympia Film G.m.b.H., Berlin. Verleih: \u201eDERUSSA\u201c . Deutsch-Russsische Film-Allianz A. G., Berlin SW 348, Friedrichstr. 8.<\/p>\n\n\n\n<p>Leipzig*Hamburg*Frankfurt a. M.*D\u00fcsseldorf*K\u00f6nigsberg i. Pr.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">I<strong>nhalt:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u201cWenn eine Frau von der Liebe entt\u00e4uscht ist, so wird sie zur M\u00e4nnerfeindin &#8211; bis zu n\u00e4chsten Liebe. Da haben sich vier moderne M\u00e4dels ein Haus eingerichtet, das kein Mann betreten darf. Tags\u00fcber sind alle vier beruflich so sehr in Anspruch genommen, da\u00df sie froh sind, die Abende ganz unter sich zu verbringen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Hauptbedingung: nur m\u00f6glichst wenig mit den M\u00e4nnern zusammenkommen, mit denen man schon im Laufe des Tages genug \u00c4rger hat! &#8211; Die F\u00fchrerin dieser Vier ist Eva, gutsituiert, h\u00fcbsch und \u00fcberaus selbstst\u00e4ndig. In derselben Stadt lebt ein junges M\u00e4del, Friedel, die ganz andere Ansichten vom Leben hat, denn sie ist gl\u00fccklich verliebt und verlobt. Diese Friedel ger\u00e4t eines Tages in den Verdacht, f\u00fcnfhundert Mark unterschlagen zu haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">In ihrer Verzweiflung wendet sie sich an Lothar, ihren Verlobten, in der Hoffnung, da\u00df er ihr helfen werde. Aber als sie ihn aufsucht, erwartet sie der zweite Schlag. Sie \u00fcberrascht Lothar mit einer fremden Dame, ihn, von dessen Treue sie bis dahin fest \u00fcberzeugt war. Friedel fl\u00fcchtet, ohne da\u00df Lothar sie \u00fcber das Mi\u00dfverst\u00e4ndnis aufkl\u00e4ren und ihr sagen kann, da\u00df er mit jener Dame eben Friedels Angelegenheit in Ordnung bringen wollte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Sie fl\u00fcchtet in das \u201eHaus ohne M\u00e4nner\u201c, in das man sie schon so oft eingeladen hat. Dort nimmt man sie auf, beruhigt sie, verw\u00f6hnt sie. &#8211;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Lothar versucht vergeblich, mit Friedel in Verbindung zu treten, um ihr zu sagen,  da\u00df er selbst schlie\u00dflich bei seiner Bank f\u00fcnfhundert Mark unterschlagen hat, um Friedels Fehlbetrag zu ersetzen und sie vor polizeilichen Recherchen zu sch\u00fctzen. Er selbst hofft, das Geld bis zur n\u00e4chsten Revision l\u00e4ngst von seinem Gehalt ersetzen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Aber er kann Friedel nicht sprechen, sie wird von ihren neuen Freundinnen vor dem <strong>\u201eTreulosen\u201c<\/strong> bewahrt. &#8211; Da sie darunter mindestens ebenso leidet wie Lothar, entschlie\u00dft sich Eva als die Chefin des Hauses eines Tages, diesen omin\u00f6sen Lothar aufzusuchen und ihm beizubringen, da\u00df er seine Nachstellungen aufzugeben habe. Das geschieht &#8211; nur passiert Eva ein kleiner Irrtum. Sie verwechselt Lothar, den sie nicht kennt, mit seinem besten Freund Ralf &#8211; und sie ist \u00fcberrascht, einen charmanten Mann kennen zu lernen, der ganz anders ist, als sie erwartete. &#8211;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Das Unvermeidliche kommt. Es bleibt nicht bei dem ersten Zusammentreffen- sie sehen sich \u00f6fters \u2013 und pl\u00f6tzlich entdeckt Eva mit Schrecken, da\u00df sie sich in den vermeintlichen Br\u00e4utigam ihrer kleinen Freundin verliebt hat. &#8211;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Inzwischen hat Lothar \u00fcbrigens die Zeit nicht ungen\u00fctzt verstreichen lassen. Er hat eines Nachts seine Friedel in dem Haus ohne M\u00e4nner aufgesucht, ist unter allerlei Abenteuern zu ihr vorgedrungen, und sie haben sich wieder vers\u00f6hnt. Davon hat Eva keine Ahnung. Sie sieht nur, da\u00df dieser Flirt mit dem vermeintlichen Lothar nicht weitergehen darf. Sie will es ihm klarmachen. Statt einer Antwort lockt dieser entsetzliche Mensch sie auf ein Motorboot und entf\u00fchrt sie f\u00fcr zwei Tage. &#8211;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Inzwischen droht Friedels neues Gl\u00fcck wieder in Tr\u00fcmmer zu gehen: die Kassenrevision bei Lothars Bank findet unerwartet fr\u00fch statt. Die Freundinnen aus dem \u201eHaus ohne M\u00e4nner\u201c springen ein. Alle legen zusammen, der Fehlbetrag wird gedeckt, alles w\u00e4re in Ordnung, wenn \u2013 wenn Eva noch da w\u00e4re.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Aber die ist f\u00fcr zwei Tage verschwunden. Sie sitzt ganz allein auf einem Motorboot mit Ralf und wehrt sich energisch gegen den Gedanken, da\u00df sie diesen Mann liebt. Aber schlie\u00dflich \u2013 die Einsamkeit- und er ist so nett und sie ist doch auch nur eine Frau. Also als die zwei Tage vorbei sind, kommt Eva zur\u00fcck und erkl\u00e4rt ihrer kleinen Freundin Friedel kategorisch, da\u00df es zwar skandal\u00f6s sei, aber sie liebe den Mann und k\u00f6nne ohne ihn nicht mehr leben!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Zu ihrem Erstaunen ist Friedel gar nicht ungl\u00fccklich &#8211; im Gegenteil: Sie pr\u00e4sentiert ihren richtigen Lothar \u2013 und reichlich sp\u00e4t kommt Ralf dazu, sich seiner Eva endlich vorzustellen und den kleinen Irrtum aufzukl\u00e4ren. &#8211;<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist beabsichtigt, das \u201eHaus ohne M\u00e4nner\u201c anderweitig zu vermieten.\u201c <\/p>\n\n\n\n<p>(aus dem Film Kurier, geschrieben von Herman Weist, Berlin Charlottenburg)<\/p>\n\n\n\n<p>Filmportal.de  z\u00e4hlt 54 Filme zwischen 1916 und 1943, in denen Ossi Oswalda mitgespielt hat. Einige davon, die unter der Regie von Ernst Lubitsch entstanden sind, werden auch heute noch hin und wieder gezeigt. Ob es von dem Film \u201cHaus ohne M\u00e4nner\u201c noch eine Kopie gibt, ist unklar. Und ob sich eine Suche nach diesem Film wirklich lohnt, weiss man erst, wenn die Suche erfolgreich war. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\"><strong>Biografie aus Fil<\/strong>mportal.de: <\/p>\n\n\n\n<p>\u201cOssi Oswalda (b\u00fcrgerlich: Oswalda Amalie Anna St\u00e4glich) wurde am 2. Februar 1898 in Niedersch\u00f6nhausen geboren. Als sie vier Jahre alt war, starb der Vater, sodass sie fortan bei ihrer taubstummen Mutter aufwuchs. Bereits als Kind erhielt Oswalda Tanzunterricht und ging schlie\u00dflich nach Berlin, wo sie als Chort\u00e4nzerin bei einem Theater arbeitete.<\/p>\n\n\n\n<p>Dort erregte sie 1916 die Aufmerksamkeit des Schauspielers und Drehbuchautors Hanns Kr\u00e4ly, der sie zum Film brachte: Auf seine Empfehlung hin gab sein Freund und Weggef\u00e4hrte Ernst Lubitsch ihr eine Rolle als Lehrm\u00e4dchen in &#8222;Schuhpalast Pinkus&#8220; (1916), zu dem Kr\u00e4ly das Drehbuch mitgeschrieben hatte und in dem er selbst eine zentrale Rolle spielte. Im Jahr darauf bekam Oswalda ihre erste Hauptroller in Lubitschs &#8222;Wenn vier dasselbe tun&#8220;, der ein Publikumserfolg war.<\/p>\n\n\n\n<p>In den n\u00e4chsten Jahren avanciert Ossi Oswalda zum Star von Lubitschs fr\u00fchen Kom\u00f6dien. Sie spielte die Herzogin in &#8222;Prinz Sami&#8220; (1917), die Tanzmaus in &#8222;Das M\u00e4del vom Ballett&#8220; (1918) und die Diva in &#8222;Meine Frau, die Filmschauspielerin&#8220; (1919). Zuweilen trug sie in Lubitschs ganz auf sie zugeschnittenen Filmen nicht einmal einen Rollennamen, sondern hie\u00df schlichtweg &#8222;Ossi&#8220;, etwa in &#8222;Ossi&#8217;s Tagebuch&#8220; (1917), &#8222;Ich m\u00f6chte kein Mann sein&#8220; (1918) und in dem Klassiker &#8222;Die Austernprinzessin&#8220; (1919). Bis 1920 drehten die beiden insgesamt 13 gemeinsame Filme (oft nach Drehb\u00fcchern von Kr\u00e4ly, der auch zum Ensemble geh\u00f6rte).<\/p>\n\n\n\n<p>Die letzte Zusammenarbeit war der Film-Sketch &#8222;Die Wohnungsnot&#8220; (1920), der heute als verschollen gilt. Nur vereinzelt arbeitete Oswalda w\u00e4hrend der Lubitsch-Jahre mit anderen Regisseuren, so etwa mit Adolf G\u00e4rtner bei dem Stuart-Webbs-Krimi &#8222;Der Hilferuf&#8220; (1916) und mit Georg Jacobi bei dem Melodram &#8222;Das Schwabem\u00e4dle&#8220; (1918).<\/p>\n\n\n\n<p>Von Kritik und Publikum wurde sie w\u00e4hrend dieser Phase als eine Art Nachfolgerin der 1916 verstorbenen Dorrit Weixler wahrgenommen. So schrieb der Kritiker Georg Popper 1920: &#8222;Ossi Oswalda als Backfisch ist so entz\u00fcckend, so naiv-\u00fcberm\u00fctig und spielt ihre etwas schablonenhafte Rolle so reizend, da\u00df der Verlust, den die deutsche Filmindustrie mit dem Tode Dorrit Weixlers, der ersten und bisher un\u00fcbertroffenen Backfischdarstellerin, erlitten hat, bei weitem wieder wettgemacht wird.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Andererseits stie\u00df Oswaldas oft etwas schrilles und \u00fcberdrehtes Spiel manche Kritiker ab: &#8222;Ein Ossi-Oswalda-Film&#8220;, so B\u00e9la Bal\u00e1zs 1920, sei &#8222;an einer Reihe roher, bochesquer Geschmacklosigkeiten zu erkennen&#8220;. Unzweifelhaft ist, dass sie zusammen mit Henny Porten und Asta Nielsen eine der ersten gro\u00dfen Diven des deutschen Films war.<\/p>\n\n\n\n<p>1921 gr\u00fcndete Oswalda die Ossi Oswalda-Film GmbH, geleitet von ihrem damaligen Ehemann Baron Gustav von Kocrzian. Bis 1924 produzierte sie f\u00fcnf Filme, alle mit und unter der Regie von Victor Janson, der schon in einigen Lubitsch-Filmen ihr Partner war. Zugleich vollzog Ossi Oswalda in den 1920er Jahren einen Image-Wandel vom frechen M\u00e4dchen zum &#8222;Berliner Girl&#8220;, mit mond\u00e4nen Attit\u00fcden und verz\u00fcckten Tanzeinlagen in extravaganten Kost\u00fcmen.<\/p>\n\n\n\n<p>1925 kam sie bei der Ufa unter Vertrag, womit eine \u00fcberaus produktive und erneut sehr erfolgreiche Phase ihrer Karriere begann: Bis 1929 wirkte sie in rund 20 Filmen mit, darunter &#8222;Die Fahrt ins Abenteuer&#8220; (1926) mit Willy Fritsch, &#8222;Gr\u00e4fin Pl\u00e4ttmamsell&#8220; (1926) mit Curt Bois, Carl Boeses &#8222;Ossi hat die Hosen an&#8220; (1928) und Conrad Wienes &#8222;Die Vierte von rechts&#8220; (1929). &#8222;Der Dieb im Schlafcoup\u00e9e&#8220; (1929) war ihr letzter Stummfilm. Auf der B\u00fchne sah man sie 1929 in einer Leo-Fall-Operette, gefolgt von einem Auftritt bei den Wiener Festwochen in &#8222;Der Graf von Luxemburg&#8220;, unter musikalischer Leitung von Franz L\u00e9har.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Tonfilm konnte Ossi Oswalda jedoch nicht an ihre fr\u00fcheren Erfolge ankn\u00fcpfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nur zweimal stand sie f\u00fcr deutsche Tonfilme vor der Kamera: als Messerwerferin in &#8222;Der keusche Josef&#8220; (1930, Regie: Georg Jacoby) und als Variet\u00e9-T\u00e4nzerin in dem Kriminaldrama &#8222;Der Stern von Valencia&#8220; (1933).<\/p>\n\n\n\n<p>Nach der Macht\u00fcbernahme der Nazis 1933 emigrierte Oswalda mit ihrem j\u00fcdischen Ehemann Julius Aubenberg in die Tschechoslowakei und lebte in Prag. Dort entstand 1943 nach einer Vorlage von ihr die Gesellschaftskom\u00f6die &#8222;\u010ctrn\u00e1ct\u00fd u stolu&#8220; (&#8222;Fourteen at the Table&#8220;). Danach wurde es still um den einstigen Stummfilmstar. Verarmt und von der \u00d6ffentlichkeit abgeschieden, starb Ossi Oswalda am 17. Juli 1947 mit nur 50 Jahren in Prag.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>(Aus: filmportal.de, abgerufen am 2. Juni 2022).<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Das-Haus-ohne-Maenner-IFK-1003.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Das-Haus-ohne-Maenner-IFK-1003.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-17345\" width=\"205\" height=\"145\" srcset=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Das-Haus-ohne-Maenner-IFK-1003.jpg 800w, https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Das-Haus-ohne-Maenner-IFK-1003-300x212.jpg 300w, https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Das-Haus-ohne-Maenner-IFK-1003-768x543.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 205px) 85vw, 205px\" \/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Das-Haus-ohne-Maenner-IFK-Seite-2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Das-Haus-ohne-Maenner-IFK-Seite-2.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-17350\" width=\"255\" height=\"180\" srcset=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Das-Haus-ohne-Maenner-IFK-Seite-2.jpg 800w, https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Das-Haus-ohne-Maenner-IFK-Seite-2-300x212.jpg 300w, https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Das-Haus-ohne-Maenner-IFK-Seite-2-768x543.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 255px) 85vw, 255px\" \/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright size-full is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Nilpferdzwinkert.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Nilpferdzwinkert.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-17341\" width=\"180\" height=\"136\" srcset=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Nilpferdzwinkert.jpg 993w, https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Nilpferdzwinkert-300x228.jpg 300w, https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Nilpferdzwinkert-768x585.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 180px) 85vw, 180px\" \/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Balazs_Bela.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Balazs_Bela.jpg\" alt=\"B\u00e9la Bal\u00e1zs (HerbertBauer) ca. 1910\" class=\"wp-image-17425\" width=\"184\" height=\"244\" srcset=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Balazs_Bela.jpg 453w, https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Balazs_Bela-227x300.jpg 227w\" sizes=\"auto, (max-width: 184px) 85vw, 184px\" \/><\/a><figcaption>B\u00e9la Bal\u00e1zs (Herbert Bauer) Foto von Emil Keglovich 1856-1912 (gemeinfrei) 1910<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group\"><div class=\"wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\"><\/div><\/div>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>pdf-Briefe-an-Wiebeke-XII-Das-Haus-ohne-Maenner Briefe an Wiebeke (XII) Ossi Oswalda im Haus ohne M\u00e4nner Hallo Wiebeke, wie ich auf diesen Film komme? 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