{"id":18638,"date":"2022-07-30T16:23:40","date_gmt":"2022-07-30T16:23:40","guid":{"rendered":"https:\/\/www.medienberatungev.org\/?p=18638"},"modified":"2026-03-13T16:31:51","modified_gmt":"2026-03-13T16:31:51","slug":"briefe-an-wiebeke-xxiv-wir-schreiben-ab","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.medienberatungev.org\/?p=18638","title":{"rendered":"Briefe an Wiebeke (VII-7) Wir schreiben ab."},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/PDF-Briefe-an-Wiebeke-XXIV-Wir-schreiben-ab.pdf\">PDF Briefe an Wiebeke (VII) Wir schreiben ab<\/a><\/p>\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Roemische-Zahlen-am-Heck.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"220\" height=\"330\" src=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Roemische-Zahlen-am-Heck.jpg\" alt=\"Romische Zahlen am BUG\" class=\"wp-image-17347\" style=\"width:159px;height:239px\" srcset=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Roemische-Zahlen-am-Heck.jpg 220w, https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Roemische-Zahlen-am-Heck-200x300.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 220px) 85vw, 220px\" \/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Hallo Wiebeke, <\/p>\n\n\n\n<p>da ist mal wieder so ein Brief von den Besserwissern der Medienberatung \u00fcber den Film von R\u00fcdiger Suchsland. Er zeichnet sich aus durch einen v\u00f6llig unangemessenen Titel, der hier aber nicht wiederholt werden soll.<\/p>\n\n\n\n<p>Die ARD schreibt und wir schreiben ab:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201c<em>Das NS-Kino war ein staatlich gelenktes, rigider Zensur unterworfenes Kino. Zugleich wollte es &#8222;gro\u00dfes Kino&#8220; sein; eine deutsche Traumfabrik, die Hollywood in jeder Hinsicht Paroli bieten wollte. So entstand ein staatliches Studiokino, das sein eigenes Starsystem etablierte und das sich nach modernsten Mitteln vermarktete. Auch im Ausland sollte der deutsche Film ideologisch wirken und kommerziell erfolgreich sein, wie mit Blockbustern \u00e0 la &#8222;M\u00fcnchhausen&#8220;. Das nationalsozialistische Kino dachte gro\u00df und war technisch perfekt gemacht. Die Filme weckten Sehns\u00fcchte und boten Zuflucht; das Kino der NS-Zeit gab sich volkst\u00fcmlich. Breite Massen f\u00fchlten und f\u00fchlen sich weiterhin von diesen Filmen angesprochen. Nur so ist die Wirkungskraft des NS-Kinos zu erkl\u00e4ren. Wie funktionierten diese Filme im Sinne des Systems? Was verraten sie \u00fcber das Publikum und seine Tr\u00e4ume? R\u00fcdiger Suchsland nimmt sich die Spielfilmproduktion der Jahre 1933-45 vor. Von den 1.000 hergestellten Filmen waren ca. 500 Kom\u00f6dien und Musikfilme, ca. 400 Melodramen, Abenteuer- und Detektivfilme. Zum unheimlichen Erbe der NS-Kinos geh\u00f6ren auch die Propagandafilme, die heute noch unter Vorbehalt stehen.&#8220;Hitlers Hollywood&#8220; erz\u00e4hlt Geschichten von T\u00e4tern und Opfern, Rebellen und \u00dcberl\u00e4ufern. Der Film zeigt Stars wie Zarah Leander und Veit Harlan, wie auch diejenigen, die unfreiwillig zu Ikonen des NS-Kinos wurden wie Hans Albers, Gustaf Gr\u00fcndgens und Ilse Werner. Vorgestellt werden Filme, die voll auf Linie lagen, wie auch Regisseure, die untypische Filme inszenierten wie Helmut K\u00e4utner, Werner Hochbaum und Peter Pewas. R\u00fcdiger Suchsland (*1968) z\u00e4hlt zu den f\u00fchrenden Filmpublizisten in Deutschland und ist u. a. im Beirat des Verbands der deutschen Filmkritik. 2008 erschien sein Buch &#8222;Zeichen und Wunder: Das Kino von Zhang Yimou und Wong Kar-Wai&#8220;. Er begann seine filmische Besch\u00e4ftigung mit der deutschen Filmgeschichte 2014 mit seinem essayistischen Dokumentarfilm &#8222;Von Caligari zu Hitler&#8220;. Sein Blick auf Filme f\u00fchrt den filmsoziologischen Ansatz von Siegfried Kracauer (1889-1966) weiter, Filme als Seismographen ihrer Zeit zu betrachten, in denen sich das kulturelle Unbewusste einer Epoche zeigt.\u201c <\/em>(Ende Zitat)<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/IMG_1273klein.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"800\" height=\"800\" src=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/IMG_1273klein.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-31525\" style=\"width:151px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/IMG_1273klein.jpg 800w, https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/IMG_1273klein-300x300.jpg 300w, https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/IMG_1273klein-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/IMG_1273klein-768x768.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 984px) 61vw, (max-width: 1362px) 45vw, 600px\" \/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><strong>08<\/strong><strong>.09.2019 <\/strong><strong>Hitlers Hollywood. Von R\u00fcdiger Suchsland<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Alles an diesem Film ist falsch. Schon der Titel f\u00fchrt in die Irre. Er signalisiert dem potentiellen Zuschauer einen Vergleich: Aber was hat das Kino des Propagandaministers Joseph Goebbels mit Hollywood zu tun? Kenner der Materie wissen: Nichts.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Auch R\u00fcdiger Suchsland scheint das aufgefallen zu sein. Vergleiche mit Produkten aus Hollywood &#8211; mit denen der UFA &#8211; fehlen in dem Film komplett. Ich muss es geahnt haben, als der Film letztes Jahr in den Pressevorf\u00fchrungen auftauchte. Obwohl mich ein solches Thema interessiert, hatte ich diese Pressevorf\u00fchrungen vermieden. Warum? Es gab mehrere M\u00f6glichkeiten:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">1. Ein Verleih hatte sich diesen bekloppten Titel ausgedacht, weil Hitler immer noch ein guter Verkaufsartikel ist, ohne den Autor des Filmes dazu zu befragen. Solche falschen Filmtitel kommen in der Regel nur bei Importware zur Anwendung:<\/p>\n\n\n\n<p>(Beispiel: Der Film \u00fcber den Streik der englischen Arbeiterinnen bei Ford von Nigel Cole. Der Verleih hatte diesen Filmtitel, der im Original &gt;Made in Dagenham&lt; hie\u00df, eingedeutscht in: &gt;We want Sex&lt;, was zu einer mittelschweren Katastrophe f\u00fchrte, wie die Verleihfirma sp\u00e4ter selber zugab.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\"><a><\/a> 2. Der Autor R\u00fcdiger Suchsland hat sich den Titel selber ausgedacht. Warum weiss der Himmel. Vielleicht aus dem gleichen Grund, die den Verleih dazu gebracht haben k\u00f6nnte, diesen Titel zu erfinden. Hitler l\u00e4sst sich immer noch gut vermarkten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">3. Der Autor hatte urspr\u00fcnglich vor, tats\u00e4chlich einen Vergleich der Produktionen aus Hollywood mit denen von Berlin von 1933 &#8211; 1945 herzustellen. Aber die finanziellen M\u00f6glichkeiten fehlten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\"><a><\/a> 4. Dem Autor fehlen Kenntnisse \u00fcber die Filme, die deutsche Emigranten in Hollywood in der gleichen Zeit abgeliefert haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich neige zu Variante vier. Wenn die Kenntnisse f\u00fcr Vergleiche fehlen, dann lohnt sich die Besichtigung in einer Pressevorf\u00fchrung nicht. Reine Zeitverschwendung. Daf\u00fcr ist das Leben zu kurz, es in langweiligen Pressevorf\u00fchrungen zu verschwenden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Nun hat ARTE den Film mehrfach in seinem Sp\u00e4tprogramm (Beginn nach 23.45) wiederholt. Nicht ungeschickt. Auch ich bin darauf reingefallen. W\u00e4hrend das Fernsehprogramm in der sog. Hauptsendezeit von Tag zu Tagschlechter wird, wird man hin wieder nach 0.00 Uhr mit \u00dcberraschungen bedient, die nach meiner Meinung einen fr\u00fcheren Sendetermin verdient h\u00e4tten. Mit anderen Worten: H\u00e4tte ARTE diesen Film um 20.15 Uhr ins Programm genommen: Ich w\u00e4re nie auf den Gedanken gekommen, hier l\u00e4uft irgendwas, was dich interessieren k\u00f6nnte. Also vorschlafen und gucken. Reingefallen.<\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht h\u00e4tte er es mit dem Anfang des Filmes von Veit Harlan &gt;Opfergang&lt; versuchen sollen, der in der gleichen Zeit in Deutschland entstanden ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Oder das Original von &gt;It happend one night&lt; (Es geschah in einer Nacht) von 1934 mit der deutschen Neuverfilmung von 1936 &gt;Gl\u00fcckskinder&lt; verglichen, die zwei Jahre sp\u00e4ter in Deutschland hergestellt wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht ein schlechter Vergleich, weil ja bekanntlich alle Neuverfilmungen schlechter als die Originale sind, wie die Filmgeschichte immer wieder beweist.<\/p>\n\n\n\n<p>Auffallend auch, dass mehrere Filme, die Suchsland in Ausschnitten zeigt, erst in die Kinos gelangten, als Joseph Goebbels schon seine Kinder vergiftet hatte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Nein. Der Film von R\u00fcdiger Suchsland ist genauso bekloppt, wie es der Titel bereits ank\u00fcndigt. Da helfen die Hinweise auf die Texte von Siegfried Kracauer nichts. Im Film finden sie keine Umsetzung. Suchsland signalisiert damit lediglich, dass er Kracauers Texte gelesen hat. Das ist im Jahr 2017 zu wenig f\u00fcr einen Film, der sich mit dieser Materie besch\u00e4ftigt. Faszit: Wir von der Medienberatung wissen alles besser und halten damit auch nicht hinterm Berg, sondern laden es hoch.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Nilpferdzwinkert.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"993\" height=\"756\" src=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Nilpferdzwinkert.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-17341\" style=\"width:144px;height:109px\" srcset=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Nilpferdzwinkert.jpg 993w, https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Nilpferdzwinkert-300x228.jpg 300w, https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Nilpferdzwinkert-768x585.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 1362px) 62vw, 840px\" \/><\/a><\/figure>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>PDF Briefe an Wiebeke (VII) Wir schreiben ab Hallo Wiebeke, da ist mal wieder so ein Brief von den Besserwissern der Medienberatung \u00fcber den Film von R\u00fcdiger Suchsland. 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