{"id":19269,"date":"2022-08-25T08:30:22","date_gmt":"2022-08-25T08:30:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.medienberatungev.org\/?p=19269"},"modified":"2022-09-01T07:49:42","modified_gmt":"2022-09-01T07:49:42","slug":"kino-monopoly","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.medienberatungev.org\/?p=19269","title":{"rendered":"Kino Monopoly"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Abschrift:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kino Monopoly<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>(erschienen in der Black Box, Nr. 38, vom November 1988, nachgedruckt in der Taz vom 10. November 1988, auf Seite 12 (Kultur).<\/p>\n\n\n\n<p>K\u00f6nig ist eigentlich ein irref\u00fchrender Name f\u00fcr den Konzern des Herrn Riech. Denn K\u00f6nig wird man durch Vererbung. Mit Erbe hat das Imperium jedoch wenig zu tun. Auch der st\u00e4ndige Hinweis auf die \u201eSchachtelkinos\u201c ist fehl am Platze. Denn Schachtel h\u00f6rt sich so niedlich an: wie Hutschachtel oder Konfektschachtel.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann schon eher \u201eFriede den H\u00fctten, Krieg den Pal\u00e4sten\u201c denn aus den H\u00fctten des Herrn Riech kommt das Geld f\u00fcr die Pal\u00e4ste des Herrn Riech. Keine Kinopal\u00e4ste, versteht sich. Nicht wie das \u201eRex\u201c in Paris. Mit Sternenhimmel und Wassergraben. Nein, so nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Charakteristisch f\u00fcr die Riech-Kinos ist ihr Standort, das Stadtzentrum. Nach monatelangen Verhandlungen mit etlichen Interessenten, die an die Programmkinoidee ankn\u00fcpfen wollten, hat der Grundst\u00fccksbesitzer Eberhard Erhard am 6. Oktober das Kino Deuli in Hamburg Altona an den Riech-Konzern verpachtet.<\/p>\n\n\n\n<p>Riech hat die Kinomacht in Hamburg (1988), und nicht nur hier. Der w\u00f6chentliche Plakatanschlag \u201eHamburger Kinos zeigen\u201c verspricht Vielfalt, ist es aber nicht, denn alle Kinos geh\u00f6ren einem Besitzer. Von den insgesamt 20.000 Sitzpl\u00e4tzen bietet der Riech-Konzern in Hamburg rund 11.000 Sitzpl\u00e4tze an. Das hat nat\u00fcrlich Folgen f\u00fcr die Kinokultur. Die restlichen 9.000 Pl\u00e4tze werden von 20 verschiedenen Besitzern geteilt. Unter ihnen ist Hans-Joachim Flebbe der gr\u00f6\u00dfte.<\/p>\n\n\n\n<p>Mi\u00dfbrauch wirtschaftlicher Macht durch den Gro\u00dfanbieter Riech? Nat\u00fcrlich. Alle wissen es \u2013 keiner spricht \u00f6ffentlich dar\u00fcber. Fr\u00fcher einmal hat Herr Riech schon Prozesse gef\u00fchrt gegen Redakteure, die seine Kinos beschrieben haben. Aber bei der Vermietung der Erstauff\u00fchrungsfilme braucht Herr Riech keine Gerichte, um seine Macht zu demonstrieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Da geht\u2018s ganz einfach \u00fcber Geld \u2013 und das Kino Monopoly geht so: Riech bietet dem Verleih eines erfolgversprechenden Films 50 Prozent der Einnahmen im gro\u00dfen Haus (Ufa = 620 Pl\u00e4tze zum Beispiel); macht bei 400 verkauften Karten pro Tag und einer Laufzeit von vier Wochen eine Einnahme von 144.000 DM, bleibt f\u00fcr den Verleih 72.000 DM aus den ersten vier Wochen. Bringt der Film diese 400 Zuschauer auch am Ende der vierten Woche, so wird der Film im gro\u00dfen Kino verl\u00e4ngert.<\/p>\n\n\n\n<p>Falls nicht, so bringt Riech den Film in sein n\u00e4chstkleineres Kino (zum Beispiel Ufa 5 mit 389 Pl\u00e4tzen). Dort spielt der Film in den n\u00e4chsten vier Wochen f\u00fcr den Verleih noch 54.000 DM ein. Und so schiebt Riech den Film weiter und weiter, bis er schlie\u00dflich im Kinocenter 8 am Hauptbahnhof mit 31 Pl\u00e4tzen landet und jeder, der den Film sehen wollte, ihn bei Riech gesehen hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit Kinokultur und Marktwirschaft hat das nichts mehr zu tun. Das fiel auch dem Bundeskartellamt in Berlin auf (sonst Konzernen gegen\u00fcber recht wohlgesonnen). Seit sechs Monaten, so verf\u00fcgte das Bundeskartellamt, darf jeweils einer in Hamburg \u201emitspielen\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Das hei\u00dft: Im Wechsel miteinander bekommen jeweils die kleinen Kinobesitzer ebenfalls eine Kopie. Doch \u00e4ndert sich dadurch wenig, wenn einer von 20 anderen Filmtheaterbesitzern die Erstauff\u00fchrungsfilme \u201emitspielen\u201c darf. Die Entscheidung des Verleihs ist klar. Kein Verleih verzichtet auf 126.000 DM Umsatz in zwei Monaten.<\/p>\n\n\n\n<p>Auflagen des Bundeskartellamtes lassen sich auch anders umgehen, zum Beispiel so: Ein Film wird vom Verleih angeboten. Ein anderer Kinobesitzer als Riech m\u00f6chte den Film gerne zeigen. Der Verleih fragt beim Riech-Konzern an, ob er etwas dagegen habe. Riech hat nichts dagegen, nur spielt er den Film dann nicht in seinen Kinos. Das sind bundesweit \u00fcber 300 St\u00fcck und auch noch da, wo das meiste Geld verdient wird: in Hamburg, Frankfurt, Berlin und M\u00fcnchen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ausdruck dieser Kinopolitik ist die Eint\u00f6nigkeit des Programmangebots in Hamburg. Da ist es in anderen St\u00e4dten, in denen die Marktbeherrschung nicht so eklatant ist, schon spannender.<\/p>\n\n\n\n<p>In Berlin beispielsweise konkurriert Riech mit Max Knapp, mit Kloster Steenwerth; keiner verf\u00fcgt hier \u00fcber mehr Anteil als 30 Prozent. In Frankfurt hat Riech einen Anteil von 70 Prozent. Hat Eberhard Erhard letztendlich \u201eFrankfurter Verh\u00e4ltnisse\u201c f\u00fcr Hamburg gew\u00fcnscht, als er mit Riech den Mietvertrag f\u00fcr das Deuli schlo\u00df, obgleich er doch zw\u00f6lf Monate immer wieder gesagt hat, da\u00df es ihm um die Kultur, um die Anbindung ans Viertel, um Senioren- und Kinderfilmveranstaltungen ging?<\/p>\n\n\n\n<p>Zumindest hat Erhard durch seine Verhandlungen mit den Kleinbetreibern (Lupe Filmverleih G\u00f6ttingen, Alabama Kino Hamburg und einer Gruppe um die Zentral Film GmbH) eines erreicht: Er hat die Klippen der Beh\u00f6rdenpr\u00fcfungen sauber umschifft. Dachten doch alle, Erhard will etwas f\u00fcr die Kunst tun. Und so erlie\u00df man auch aufgrund der \u201eBestandsverordnung\u201c die sonst f\u00fcr 300 Kino-Sitzpl\u00e4tze f\u00e4llig gewordenen 75 Parkpl\u00e4tze, weil auf dem Gel\u00e4nde 1954 schon mal ein Kino betrieben wurde. 75 Parkpl\u00e4tze oder die Abl\u00f6summe von 825.000 DM, die sonst an die Stadt zu zahlen gewesen w\u00e4ren.<\/p>\n\n\n\n<p>Die jetzt ausgebooteten Mitbewerber haben jedenfalls an der Redlichkeit der Verhandlungen mit Eberhard Erhard gro\u00dfe Zweifel. Kein Wunder, da\u00df sie sich verschaukelt w\u00fchlen. Was jedoch letztlich aus dem neuen Riech-Kino wird, h\u00e4ngt auch von den Bewohnern ab. Und die werden sicherlich unruhig werden, wenn ihnen Rambo IV vor der Haust\u00fcr droht.<\/p>\n\n\n\n<p>Otto Meyer<\/p>\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/PDF-Kino-Monopoly1988.pdf\">PDF Kino Monopoly1988<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/PDF-Faksimili-taz-1011988.pdf\">PDF Faksimili taz 1011988<\/a><\/p>\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Deuli1987.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Deuli1987-740x1024.jpg\" alt=\"Deuli Kino stillgelegt\" class=\"wp-image-3271\" width=\"387\" height=\"535\"\/><\/a><figcaption>Foto Henning Scholz 1987 Deuli Kino stillgelegt. Hamburg Bernstorffstra\u00dfe <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright size-full is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Nilpferdzwinkert.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Nilpferdzwinkert.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-17341\" width=\"167\" height=\"126\" srcset=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Nilpferdzwinkert.jpg 993w, https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Nilpferdzwinkert-300x228.jpg 300w, https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Nilpferdzwinkert-768x585.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 167px) 85vw, 167px\" \/><\/a><\/figure><\/div>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/By-nc-sa_color.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/By-nc-sa_color.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-17924\" width=\"206\" height=\"139\" srcset=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/By-nc-sa_color.png 720w, https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/By-nc-sa_color-300x203.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 206px) 85vw, 206px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Grand-RexKinoParis.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Grand-RexKinoParis-716x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-19292\"\/><\/a><figcaption>Grand Rex Paris <\/figcaption><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Abschrift: Kino Monopoly (erschienen in der Black Box, Nr. 38, vom November 1988, nachgedruckt in der Taz vom 10. 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