{"id":19728,"date":"2022-09-20T08:58:58","date_gmt":"2022-09-20T08:58:58","guid":{"rendered":"https:\/\/www.medienberatungev.org\/?p=19728"},"modified":"2025-05-07T18:33:39","modified_gmt":"2025-05-07T18:33:39","slug":"apropos-viktor-abel-iv-westboehmisches-tageblatt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.medienberatungev.org\/?p=19728","title":{"rendered":"Apropos Viktor Abel (IV) Westb\u00f6hmisches Tageblatt"},"content":{"rendered":"\n<p>Abschrift aus der Westb\u00f6hmische Tageszeitung, Nr. 209 , Pilsner Tageblatt vom 31. Juli 1950, Seite 3. \u00dcberschrift Frauen suchen Gold \u2014 Am laufenden Band. \u2013 K\u00f6nnen sie auf den schwarzen Strich sprechen. <\/p>\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/PDF-Abschrift-Frauen-suchen-Gold.pdf\">PDF Abschrift Frauen suchen Gold<\/a><\/p>\n\n\n<p> \u201eKinder, wi\u00dft ihr das Neueste, Walters Onkel kommt heute!&#8220;                              \u201eWie bitte?&#8220;                                                                                                                                   Kinder, wi\u00dft ihr das Neueste, Walters Onkel kommt heute!                                      Kinder, wi\u00dft ihr das Neueste, Walters Onkel kommt heute!!&#8220;                      Immerzu sagt das eine sch\u00f6ne blonde Frau und blickt dabei finster ins Ungewisse und sieht und h\u00f6rt mich nicht.                                                               \u201eKinder, wi\u00dft ihr das Neueste, Walters Onkel kommt heute!\u201c                                   <\/p>\n\n\n\n<p>Ich fliehe, in frommer Scheu vor dem Wahnsinn, und kombiniere: es wird ihr was zu Kopf gestiegen sein, vielleicht entt\u00e4uschte Liebe. Man steht das jetzt so oft: Frauen phantasierend durch die Stra\u00dfen laufen.  Da stockt mein Fu\u00df. <\/p>\n\n\n\n<p>Wieder sitzt da eine Frau und redet in einem fort: \u201eBleibt doch noch hier, zu euren M\u00e4nnern kommt ihr fr\u00fch genug, ob ihr sie fr\u00fcher oder sp\u00e4ter \u00e4rgert, bleibt einerlei!\u201c  Aha, denke ich, meine Kombination stimmt also: Die Liebe ist daran schuld. Aber der Blick dieser Frau ist eigentlich gar nicht so verst\u00f6rt. Sie schaut fast munter und keck mich an, und wie ich genauer hinsehe, entdecke ich befreit die wohlbekannten Z\u00fcge Lotte Werkmeisters.  \u201eJa aber, gn\u00e4dige Frau?\u201c \u201eAugenblick, bin gleich fertig, ich mu\u00df das erst richtig raus haben: Bleibt doch noch hier, zu euren M\u00e4nnern kommt ihr noch fr\u00fch genug. Nachher spreche ich auf den schwarzen Strich.\u201c                                                                              \u201eWie bitte?\u201c                                                                                                                                   \u201eWir sprechen auf den schwarzen Strich.&#8220;                                                                       <\/p>\n\n\n\n<p>Und dann wird Frau Werkmeister auf einmal ganz menschlich: \u201eTja, es ist oft die rrreinste Filigranarbeit, lassen Sie sich unser Rhythmonom, dieses Ding mit dem schwarzen Strich, mal zeigen.&#8220;                                                                                 <\/p>\n\n\n\n<p>Nun stehe ich mit Viktor Abel, der als Produktionsleiter der Warner Bros. Film hier unumschr\u00e4nkter Herrscher ist, und mit Dr. Rohnstein, seiner linken und rechten Hand, vor dem \u201eRhythmonom&#8220; und betrachte den senkrechten schwarzen Strich, an dem langsam auf einem hell erleuchteten Band die Worte \u201eM\u00e4uschen=mit=dem=Gr\u00fcbchenknie&#8220; Vor\u00fcberziehen.  Da stehen nun drei solcher Rhythmonome, vor jedem steht ein Sprecher, hier Gustav Wallauer, da Ilse Baerwald, dort Peter Ihle, auf jedem Rhythmenband kommt ein sch\u00f6ner Text angefahren, und jeder spricht nun sein Verslein, jedes Wort in dem Moment, da es \u00fcber den schwarzen Strich gleitet. Und es entsteht das sch\u00f6nste Dreigespr\u00e4ch.  <\/p>\n\n\n\n<p>Und ein Mikrophon nimmt getreulich alles auf und liefert es zum Tobis.  \u201eTja&#8220;, fl\u00fcstert mir Lotte Werkmeister ins Ohr,  \u201edas ist Sprechkunst am laufenden Band.&#8220; Und wissen Sie, wozu das alles? Ganz einfach. Hier wird zu einem fertigen amerikanischen Tonfilm, \u201eGoldsucher auf dem Broadway&#8220; hei\u00dft er \u2014 Frauen suchen da das Gold \u2014, der deutsche Text gesprochen.  <\/p>\n\n\n\n<p>Damit aber die deutschen Worte genau auf die Mundbewegungen der amerikanischen Darsteller im Film passen, hat man schon dementsprechend \u00fcbersetzt. Zum Beispiel ein Schlager: \u201eKeeping the wolf from the door\u201c im Deutschen: \u201eIch bin ein Wolf, sieh dich vor.&#8220; Also fast gleich in der Lautbildung.  Oder es sagt einer im Film: \u201ecan you imagine.&#8220; Im deutschen Text hei\u00dft das: \u201eDenken Sie mal an.&#8220; Da hat man genau dieselbe Lippenbewegung. Probieren Sie&#8217;s vorm Spiegel aus. Und da f\u00e4llt auch zeitlich beim deutschen \u201eSie&#8220;, und das ma von \u201eimagine&#8220; genau auf das i vom deutschen \u201eSie&#8220;, und das ma von \u201eimagine&#8220; genau auf das ma vom deutschen \u201emal&#8220;. Im Redeflu\u00df ist n\u00e4mlich die Mundstellung bei i und a ziemlich dieselbe.  Jeder kann sich da denken, da\u00df das Uebersetzen ein schweres St\u00fcck Arbeit ist, denn der deutsche Text mu\u00df au\u00dferdem noch denselben Rhythmus wie der amerikanische haben.  <\/p>\n\n\n\n<p>Der Text (oder auch die Noten f\u00fcr den Schlager) wird dann mit Hilfe eines sog. Rhythmographen auf das Rhythmenband geschrieben, genau in dem Abstand, wie es die Sprache im Film erfordert, und er wird \u2014  wie schon erw\u00e4hnt \u2014 in demselben Moment gesprochen, wo er \u00fcber den schwarzen Strich gleitet. Der Kapellmeister mu\u00df mithin genau so dirigieren, wie die Noten \u00fcber den schwarzen Strich hinweggeben. Das stellt freilich an die Kunst der Sprecher und des Orchesters ungeheure Anforderungen, aber das Ergebnis ist \u00fcberraschend. Da das Rhythmenband im Rhythmonom synchron \u2014 das  hei\u00dft gleichzeitig \u2014 mit dem Film l\u00e4uft, deckt Sprache und Musik genau mit den Bewegungen im Film. <\/p>\n\n\n\n<p> Ich habe den Film auf der Leinwand gesehen, und entfernt hinter einem Vorhang h\u00f6rte ich die Schauspieler vor dem Rhythmonom dazu sprechen und war erstaunt, auch nicht das geringste Abweichen des Tons vom Bilde feststellen au k\u00f6nnen. \u201eWieviel Prozent hat der Film?&#8220;, frage ich den Tonregisseur Zander.  \u201eEs wird alles gesprochen.&#8220; Also 100 Prozent Ton, wie man das so sch\u00f6n sagt, 100 Prozent Ger\u00e4usch, 100 Prozent Musik nat\u00fcrlich, 100 Prozent Farbe und 100 Prozent Bild, macht zusammen 500 Prozent. Moderne Mathematik! Und 100 Prozent Lotte Werkmeister. <\/p>\n\n\n\n<p>Man l\u00e4\u00dft den Wiedergabapparat laufen, um das Ergebnis einer Tagesarbeit sich anzuh\u00f6ren. Da kommen nat\u00fcrlich die Szenen in willk\u00fcrlicher Reihenfolge, dazwischen mal Schlager.  Auf einmal aber gellt eine Frauenstimme grauenhaft, ersch\u00fctternd durch den Saal: \u201eHerrgott, ist das Weib dumm!!&#8220;  Bei dumm hebt sich die herzzerrei\u00dfende Stimme und will sich vor Entsetzen fast \u00fcberschlagen. Und schmunzelnd, mit herabgezogenen Mundwinkeln, h\u00f6rt sich Lotte Werkmeister ihr k\u00f6stliches Produkt an.  Und Lotte selbst hat mir auch noch was zu sagen: \u201eNehmense das von vorhin nicht so genau: zu euern M\u00e4nnern kommt ihr fr\u00fch genug, ob ihr sie fr\u00fcher oder sp\u00e4ter \u00e4rgert, bleibt einerlei.  Wissen Sie, ich \u00e4rgere meinen Mann nicht, wir verstehen uns blendend. Was hat man denn sonst schon von dem bi\u00dfchen Leben? Nun ja, is doch wahr! Stimmt&#8217;s nicht?&#8220;  <\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/IMG_9032carlRobertBlumklein.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"800\" height=\"800\" src=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/IMG_9032carlRobertBlumklein.jpg\" alt=\"Car Robert Blum\" class=\"wp-image-17343\" style=\"width:245px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/IMG_9032carlRobertBlumklein.jpg 800w, https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/IMG_9032carlRobertBlumklein-300x300.jpg 300w, https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/IMG_9032carlRobertBlumklein-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/IMG_9032carlRobertBlumklein-768x768.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 984px) 61vw, (max-width: 1362px) 45vw, 600px\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Erfinder Carl Robert Blum<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n<div class=\"wp-block-image is-resized\">\n<figure class=\"alignright size-full\"><a href=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/ViktorAbel68789_ca_object_representations_media_57812_medium.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"387\" height=\"400\" src=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/ViktorAbel68789_ca_object_representations_media_57812_medium.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-17972\" style=\"width:249px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/ViktorAbel68789_ca_object_representations_media_57812_medium.jpg 387w, https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/ViktorAbel68789_ca_object_representations_media_57812_medium-290x300.jpg 290w\" sizes=\"auto, (max-width: 387px) 85vw, 387px\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Viktor Abel<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/rhythmografie-geraet.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"500\" height=\"224\" src=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/rhythmografie-geraet.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-17367\" srcset=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/rhythmografie-geraet.jpg 500w, https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/rhythmografie-geraet-300x134.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 85vw, 500px\" \/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Abschrift aus der Westb\u00f6hmische Tageszeitung, Nr. 209 , Pilsner Tageblatt vom 31. 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