{"id":22075,"date":"2023-04-02T18:41:13","date_gmt":"2023-04-02T18:41:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.medienberatungev.org\/?p=22075"},"modified":"2025-05-02T19:36:09","modified_gmt":"2025-05-02T19:36:09","slug":"apropos-waterloo-theater-iv","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.medienberatungev.org\/?p=22075","title":{"rendered":"Apropos Waterloo Theater (IV) (Zeugenvernehmung Struckmeyer)"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/PDF-Zeugenvernehmung-Hans-Struckmeyer1.pdf\">PDF Zeugenvernehmung Hans Struckmeyer1<\/a><\/p>\n\n\n<p>(Zeichen: 4.264) Abschrift 1 WiK 2\/50 12. November 1951. Seite 111 der Akte (IMG 5074.jpg\u2015IMG_5075.jpg) \u00d6ffentliche Sitzung. Zeugenvernehmung Hans Struckmeyer im Prozess Hirschel gegen Esslen. Anwesend: RA. Dr. Dehn RA H. Juul 14.15. Uhr Frau Esslen und Herr Heisig. Dr. Warmbrunn als EinzelrichterHirschel gegen                                    1.) Waterloo Theater GmbH,                                                                                                                  2.) Frau Klara Esslen und ihre minderj\u00e4hrigen Kinder,                                                                     3.) Heinrich Heisig erschienen bei Aufruf                                                                                         f\u00fcr den Antragsteller RA. Dr. Dehn,                                                                                                  f\u00fcr den Antragsgegner RA. Dr. H. Juul und                                                                             Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Heisig                                                                                                                         sowie nachstehend benannter Zeuge.<\/p>\n\n\n\n<p>Zeuge Struckmeyer:<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zur Person: <\/strong><em>Ich hei\u00dfe Hans Struckmeyer, bin 62 Jahre alt, Kaufmann in der Filmtheaterbranche in Hamburg, ohne Beziehung zu den Beteiligten.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zur Sache:<\/strong> <em>In der Zeit vor dem Jahr 1933 war ich Vorsitzender des Verbandes Norddeutscher Filmtheater e. V., der die Belange der Inhaber von Lichtspieltheatern wahrnahm. Herr Hirschel war f\u00fcr seine Person nicht Mitglied, sondern sogenannter Au\u00dfenseiter.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Ich war damals Mitinhaber eines Lichtspielhauses in der M\u00f6nckebergstrasse [Passage Kino, M\u00f6nckebergstrasse 17 \u2015 1930 \u2015 976 Sitzpl\u00e4tze] und befa\u00dfte mich au\u00dferdem mit der \u201cVerleihung\u201c von Filmen. Ich erinnere mich genau, das in den Jahren etwa 1931\/32 jedenfalls vor dem politischen Umschwung des Januar 1933,                      <\/em> ( &#8211; 2 &#8211; )<em>              Herr Hirschel, den ich pers\u00f6nlich gut kannte, sich in erheblichen wirtschaftlichen Schwierigkeiten befand.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Da er seinen Zahlungsverpflichtungen gegen\u00fcber Filmverleihern nicht nachgekommen war, war eine Treuhandschaft eingerichtet worden, die es sich zur Aufgabe gemacht hatte, die verf\u00fcgbaren Einnahmebetr\u00e4ge aus der Treuhandschaft des Waterloo-Theaters pro rata unter den Gl\u00e4ubigern zu verteilen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Die Grundlage der T\u00e4tigkeit war eine Vereinbarung, aufgrund deren der damalige Rechtsanwalt Dr. Eisner<\/em> [Dr. Kurt Leo Eisner]<em>  f\u00fcr die Belieferung des Waterloo-Theaters beteiligten Filmverleihern die Einnahme<s>n<\/s> in Empfang nehmen und anteilweise der Forderungen verteilen sollte. So ist es auch eine Zeitlang geschehen. Aus welchem Anla\u00df und zu welcher Zeit Herr Hirschel seine T\u00e4tigkeit im Waterloo-Theat<\/em>e<em>r eingestellt hat, ist <\/em>mir nicht bekannt.<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>[Anmerkung <\/strong>2023: Zur Person von <strong>Kurt Leo Eisner <\/strong>(aus dem Buch von Heiko Morisse, <strong>J\u00fcdische Rechtsanw\u00e4lte in Hamburg<\/strong>, Christians Verlag 2003, Seite 127) <strong>Eisner, Kurt Leo<\/strong>10.12. 1892 Berlin \u2015 27.1. 1985 Wiesbaden. J\u00fcdisch. Valentinskamp 90. Rechtsanwalt seit 1922. War besonders auf dem Gebiet des Lichtspiel- und Theaterrechts t\u00e4tig. \u00dcbernahm im Juli 1935 eine Exportvertretung f\u00fcr Pr\u00e4zisionsapparate in Italien. Nach Aufgabe der Hamburger Wohnung Zulassung am 10. 12. 1936 zur\u00fcckgenommen. Im November 1939 von Italien nach Brasilien emigriert. \u00dcbernahme von Vertretungen; Ehefrau als Verk\u00e4uferin t\u00e4tig. 1941 Er\u00f6ffnung einer kleinen Werkstatt zur Anfertigung und Reparatur von Damenhandtaschen. 1950 bis 1956 Zwangsvergleichsverfahren. 1967 nach Deutschland zur\u00fcckgekehrt.<strong>]<\/strong> <\/em>                                                                                                                                                                                                                       <em>Ich bin nur damit befa\u00dft gewesen, wie die Schulden des Herrn Hirschel an Filmverleihern beglichen wurden, nicht aber dar\u00fcber unterrichtet, wann und in welcher Weise seine sonstigen Verbindlichkeiten abgedeckt worden sind.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Allgemein kann ich zu der Lage \u201cj\u00fcdischer Filmtheater\u201c in der ersten Zeit nach der sogenannten Macht\u00fcbernahme folgendes erw\u00e4hnen:<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Meine Position im Verband Norddeutscher Filmtheater habe ich bis zum Sommer 1934 beibehalten. Mein Nachfolger war ein Her<\/em>r <em>Roman,<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>[richtig: Paul Romahn, der Buchhalter (\u201cder Syndikus\u201c) vom Henschel Film- und Theaterkonzern]<\/p>\n\n\n\n<p><em>nach der Umorganisation im Rahmen der Schaffung einer Reichsfilmkammer wurde es Herr Adam [Richard Adam]. Auf die Abgabe von Theatern durch j\u00fcdische Inhaber oder auf Entlassung j\u00fcdischer Angestellter wurde in der ersten Zeit nach dem politischen Umschwunge nicht hingewirkt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Wenn mir mitgeteilt wird, da\u00df Herr Hirschel behauptet, Mitte Juni 1933 durch politischen oder rassistischen Druck aus seiner Position verdr\u00e4ngt worden zu sein, so halte ich die Richtigkeit des Vortragens f\u00fcr unwahrscheinlich.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Vielm<\/em>e<em>hr ist anzunehmen, da\u00df andere Gr\u00fcnde damals f\u00fcr sein Ausscheiden ma\u00dfgebend gewesen sind. Ich wei\u00df auch nichts davon, da\u00df damals au\u00dfer den Wirtschaftsverb\u00e4nden andere Stellen Einflu\u00df auf die personelle Besetzung der Filmtheater nahmen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>[IMG_5076.jpg]<\/p>\n\n\n\n<p><em>Die Schauburg-Theater an denen Juden beteiligt waren, <\/em><strong>[Man beachte die Wortwahl!] <\/strong><em>haben noch lange Zeit, sicher bis in das Jahr 1934 hinein, unter Beibehaltung ihrer Leitung und ihres Personals gespielt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Sp\u00e4ter sind \u00c4nderungen durch Vepachtung oder durch \u00e4hnliche Weise herbeigef\u00fchrt worden. Ich selbst bin in der Lage gewesen, einen j\u00fcdischen Angestellten, wenn auch schlie\u00dflich unter Tarnung, bis in den Krieg hinein (1943) zu besch\u00e4ftigen, der zur\u00fcckgekehrt ist und jetzt wieder in meinen Diensten steht.<\/em> [!]<\/p>\n\n\n\n<p><em>Herr Adam [Richard Adam] bet\u00e4tigte sich in der Zeit vor dem Jahre 1933 im Vertrieb nationalsozialistischer Propagandafilme, erzielte aber dabei, so weit mir bekannt, keine besonderen Erfolge. Sp\u00e4ter hat er sich meiner Kenntnis nach an der Arisierung ein<\/em>es <em>Theaters in Kiel <\/em>[Adam, Romahn und Sch\u00fcmann] <em>beteiligt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Adam [Richard Adam] war zun\u00e4chst nur irgendwie in der Propaganda der NSDAP t\u00e4tig und kam in das Verbandsleben erst zu einem sp\u00e4teren Zeitpunkt hinein. Es w\u00e4re zu meiner Kenntnis gelangt, wenn aufgrund irgendwelcher h\u00f6herer Weisungen Herr Hirschel zur Aufgabe seiner T\u00e4tigkeit gezwungen worden w\u00e4re. Ich habe hiervon aber nichts erfahren. Vorgelesen und genehmigt.<\/p>\n\n\n\n<p>Hierauf trat die besetzte Kammer, Landgerichtsrat Dr. Warmbrunn als Vorsitzender, Amtsgerichtsrat Ehrhard, Landgerichtsrat Engelschall zusammen. Die Anw\u00e4lte wiederholten ihre fr\u00fcheren Antr\u00e4ge und verhandelten zur Sache.<\/p>\n\n\n\n<p>Beschlossen und verk\u00fcndet: Eine Entscheidung soll den Parteien zugestellt werden. Warmbrunn Ke\u00dfler<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/nilpferd_tumb.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1042\" height=\"830\" src=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/nilpferd_tumb.png\" alt=\"Nilpferd\" class=\"wp-image-15\" style=\"width:208px;height:auto\"\/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Zeichnung Helga Bachmann<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>PDF Zeugenvernehmung Hans Struckmeyer1 (Zeichen: 4.264) Abschrift 1 WiK 2\/50 12. November 1951. Seite 111 der Akte (IMG 5074.jpg\u2015IMG_5075.jpg) \u00d6ffentliche Sitzung. Zeugenvernehmung Hans Struckmeyer im Prozess Hirschel gegen Esslen. Anwesend: RA. Dr. Dehn RA H. Juul 14.15. Uhr Frau Esslen und Herr Heisig. Dr. Warmbrunn als EinzelrichterHirschel gegen 1.) Waterloo Theater GmbH, 2.) Frau Klara &hellip; <a href=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/?p=22075\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eApropos Waterloo Theater (IV) (Zeugenvernehmung Struckmeyer)\u201c<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[6105,4185,2485,1886,2536,1933,4621,519,7408,69,1708,2948,650,298,2489,6535,14,2620,5648,8346,6443,536,16,1833,4665,2513,53,1736,6462,6461,4514,5,4273,36,1689,4511,2495,4661,1049,10,1729,5633,826,49,2811,54,2469,45,7997,8012,8266,488,35,642,6317,6318,5634,2472,4356,1,1725,4512,2471,2015,2703,1604,7253,7742],"tags":[3729,8365,8556,34,1029,4070,8355,8359,43,3553,55,33,3546,8366,8371],"class_list":["post-22075","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-6105","category-4185","category-2485","category-1886","category-2536","category-1933","category-4621","category-antisemitismus","category-arisiert","category-arisierung","category-clara-esslen","category-deutsche","category-deutsche-filme","category-deutscher-film","category-deutsches-reich","category-dritten-reich","category-enteignung","category-film","category-film-kurier","category-films","category-geschichte-des-films","category-goebbels","category-hamburg","category-hamburger","category-hamburger-kinos","category-hanns-henschel","category-heinz-b-heisig","category-heinz-reinefarth","category-helios-kino","category-helios-kino-in-altona","category-henschel","category-henschel-film-konzern","category-henschel-film-und-theaterkonzern-ohg","category-hermann-urich-sass","category-joseph-goebbels","category-juden","category-judenvermoegungsabgabe","category-juedische-fluechtlinge","category-kinobesitzer","category-kinogeschichte","category-lbb","category-lebende-photographien","category-licht-bild-buehne","category-lichtbildbuehne","category-luegen-ist-eine-grosse-kunst","category-manfred-hirschel","category-neues-reichstheater","category-nsdap","category-nutzloses-wissen","category-nutzl-oses-wissen","category-reichsfilmkammer","category-reichsfluchtsteuer","category-richard-adam","category-rosa-hirschel","category-schauburg-kino-millerntor","category-schauburg-kino-st-pauli","category-theater-lebender-photographien","category-theater-nobistor","category-theresienstadt","category-uncategorized","category-urich","category-urich-sass","category-waterloo-filmtheater","category-waterloo-kino","category-wichtigtuerei","category-wiedergutmachung","category-zensur","category-zufallsfund","tag-clara-esslen","tag-dr-kurt-leo-eisner","tag-dr-herbert-warmbrunn","tag-gustav-schuemann","tag-hans-struckmeyer","tag-heinrich-heisig","tag-kurt-eisner","tag-kurt-leo-eisner","tag-machtuebergabe","tag-manfred-hirschel","tag-passage-kino","tag-paul-romahn","tag-richard-adam","tag-syndikus","tag-warmbrunn"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.medienberatungev.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/22075","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.medienberatungev.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.medienberatungev.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.medienberatungev.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.medienberatungev.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=22075"}],"version-history":[{"count":23,"href":"https:\/\/www.medienberatungev.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/22075\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":29266,"href":"https:\/\/www.medienberatungev.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/22075\/revisions\/29266"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.medienberatungev.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=22075"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.medienberatungev.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=22075"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.medienberatungev.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=22075"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}