{"id":22081,"date":"2023-04-02T18:49:15","date_gmt":"2023-04-02T18:49:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.medienberatungev.org\/?p=22081"},"modified":"2025-05-02T19:35:00","modified_gmt":"2025-05-02T19:35:00","slug":"apropos-waterloo-theater-v","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.medienberatungev.org\/?p=22081","title":{"rendered":"Apropos Waterloo Theater (V) (Zeugenvernehmung Richard Adam)"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/PDF-Zeugenvernehmung-Richard-Adam.pdf\">PDF Zeugenvernehmung Richard Adam<\/a><\/p>\n\n\n<p>(Zeichen: 5.188) Abschrift. Zeugenvernehmung Richard Adam. Das Amtsgericht. Westerland, den 15. August 1951. Seite 98 der Akte. (IMG_5042. jpg und IMG_5043) (Handschriftlich vermerkt: 2 x ab Protokollabschriften an den Anw\u00e4lten 22. 8. 52) Warmbrunn 22.08.52                                                                                                                          Gegenw\u00e4rtig: Amtsgerichtsrat Dr. Petersen als Richter, Justizangestellte Unruh als Urkundsbeamter der Gesch\u00e4ftsstelle. In Sachen Hirschel gegen Esslen erschienen bei Aufruf                                                                                                                                                               1.) f.d. Antragsteller \u2015 niemand \u2015                                                                                                                     2.) f\u00fcr die Antragsgegnerin \u2015 RA. Dr. Juul aus Hamburg                                                                         3.) Nachbenannter Zeuge Adam.                                                                                                 <\/p>\n\n\n\n<p><strong>z.P.:<\/strong> Richard Adam, 57 Jahre alt. Filmtheaterbesitzer. Wohnhaft z.Zt. Kampen \/ Sylt.<\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem der Zeuge auf die Bedeutung des Eides sowie die Strafbarkeit einer falschen uneidlichen Aussage hingewiesen worden war, wurde er, wie folgt, zvernommen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>z.S.:<\/strong> Ich bin vom 1932 bis 1934 xxxxxxx Landesfilmstellenleiter der NSDAP. in Hamburg gewesen. Vorher war ich privater Filmverleiher. Ich trat an die NSDAP. heran, um deren Filme verleihen zu k\u00f6nnen. Zun\u00e4chst kaufte ich die Filme der NSDAP. und verlieh sie auf eigene Rechnung.<\/p>\n\n\n\n<p>Vom Jahre 1933 ab wollte die Partei den Verdienst jedoch selbst einziehen. Von dieser Zeit an konnte ich die Filme nicht mehr selbst\u00e4ndig verleihen. Deshalb gab ich im Jahre 1934 die T\u00e4tigkeit auf. Zu der Zeit wurden die Landesfilmstellen aufgel\u00f6st. Es wurden Gaufilmstellen errichtet, die dem Gauleiter unterstanden.<\/p>\n\n\n\n<p>Von 1934 an bin dann Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Reichsverbandes Deutscher Filmtheater, Abt. Norddeutschland, gewesen. Zu der Zeit handelte es sich noch um eine Organisation der Privatwirtschaft, die die Interessen der. Filmtheater zu vertreten hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Gauleiter mu\u00dfte allerdings schon damals mit der Besetzung des Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerpostens einverstanden sein. Die Partei hielt sich jedoch bis zu meinem Ausscheiden aus dieser T\u00e4tigkeit im Jahre 1936 jeder Eingriffe.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich hatte keine Befugnis dazu, in die Verh\u00e4ltnisse einzelner Filmtheater einzugreifen. Ich habe das auch nie getan. Insbesondere habe ich nie erkl\u00e4rt oder gar darauf gedr\u00e4ngt, da\u00df der Antragsteller seine Beteiligung an der damaligen Waterloo Theater GmbH. aufzugeben habe. Mir ist auch nicht bekannt, da\u00df von irgendeiner Seite darauf gedr\u00e4ngt worden ist, da\u00df der Antragsteller seinen Posten als Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Gesellschaft aufzugeben habe. (IMG_5043) (Seite 99 der Akte).<\/p>\n\n\n\n<p>Auf Befragen des Vertreters der Antragsgegnerin:<\/p>\n\n\n\n<p>Im Jahre 1933 bestanden ausser der Landesfilmstelle der NSDAP. und des Reichsverbandes Deutscher Filmtheater keine weiteren Institute, die sich mit den Belangen der Filmwirtschaft befa\u00dften.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich halte es f\u00fcr ausgeschlossen, da\u00df einer meiner damaligen Angestellten nach der Macht\u00fcbernahme bei der Waterloo-GmbH. angerufen und erkl\u00e4rt hat, da\u00df der Antragsteller seinen Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerposten niederzulegen habe.<\/p>\n\n\n\n<p>Dienststellenleiter hatte ich nicht. Ich halte es auch f\u00fcr ausgeschlossen, da\u00df eine Parteidienststelle einen solchen Anruf gemacht hat. Wenn ein solcher Anruf von irgend einer Seite erfolgt w\u00e4re, so h\u00e4tte Herr Heisig mich sicher dar\u00fcber dar\u00fcber unterrichtet.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf die personelle Besetzung hat die NSDAP. erst xx vom Jahre 1936 ab Einflu\u00df genommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf die Programmgestaltung der Filmtheater ist kein Einflu\u00df genommen worden. Sobald die Filme von der Zensur freigegeben worden waren, konnte jeder Theaterbesitzer die Filme auff\u00fchren, die er zeigen wollte.                                                 [Offenbar ist der Widerspruch, der in dieser \u00c4usserung steckt, bis heute nicht weiter aufgefallen]<\/p>\n\n\n\n<p>Frau Esslen und Herr Heisig haben niemals bei mir darauf hinzuwirken versucht, da\u00df etwas gegen den Antragssteller als Juden unternommen werden sollte. Es war mir damals bereits bekannt da\u00df Herr Heisig anti-nationalsozialistisch eingestellt war und zwar sogar sehr stark.<\/p>\n\n\n\n<p>In der ganzen Filmbranche war bekannt, da\u00df der Antragsteller sehr stark verschuldet war. Ich bin der festen \u00dcberzeugung, da\u00df er wegen dieser Verschuldung aus der Waterloo-G.m.b.H. auch ausgeschieden w\u00e4re, wenn die Macht\u00fcbernahme durch die NSDAP. im Jahre 1933 nicht gekommen w\u00e4re.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach Diktat genehmigt. geschl.<\/p>\n\n\n\n<p>Unruh<\/p>\n\n\n\n<p>Dr. Petersen<\/p>\n\n\n\n<p>Urschriftlich mit Akten dem Landgericht, 1. Wiedergutmachungskammer in Hamburg in Hamburg 36 Sievekingsplatz, Ziviljustizgeb\u00e4ude zu 1 Wik. 2\/50<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kein Zeugengeld<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>IMG_50 46, Seite 1003 AR. 178\/51 \u2013 Beschlu\u00df Der Antrag des Kaufmanns Richard Adam aus Kampen\/ Sylt, ihm als Zeugen eine Entsch\u00e4digung von 7,&#8211; DM f\u00fcr die Benutzung eines eigenen Kraftwagens zu gew\u00e4hren, wird abgelehnt.<\/p>\n\n\n\n<p>Gr\u00fcnde:<\/p>\n\n\n\n<p>Der Zeuge ist am 15. August 1951 in der Wiedergutmachungssache Hirschel gegen Esslen (LG. Hamburg Wik. 2\/50) vernommen worden. Er hat f\u00fcr die Fahrt von seinem Wohnort Kampen nach Westerland und zur\u00fcck seinen eigenen Wagen benutzt und beantragt, ihm hierf\u00fcr eine Verg\u00fctung von 7,&#8211; DM festzusetzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie ein Zeuge zu entsch\u00e4digen ist, ist in der Geb\u00fchrenordnung f\u00fcr Zeugen und Sachverst\u00e4ndige geregelt. Als Reiseentsch\u00e4digung <s>wird<\/s> sind nach \u00a7 8 der Geb. O. die nach billigen Ermessen in dem einzelnen Falle erforderliche Kosten zu gew\u00e4hren.<\/p>\n\n\n\n<p>Daraus folgt, da\u00df regelm\u00e4\u00dfig das billigste Bef\u00f6rderungsmittel zu benutzen ist. Das w\u00e4re in diesem Falle die Kleinbahn oder der Omnibus gewesen. Richtig ist es, da\u00df der Zeuge dann, um den Termin wahrnehmen zu k\u00f6nnen, \u00fcber 5 Stunden von seinem Wohnort entfernt gewesen w\u00e4re.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn der Zeuge eine Entsch\u00e4digung f\u00fcr Zeitvers\u00e4umnis verlangen w\u00fcrde (\u00a7 6 Geb. O.) und dann die Gesamtentsch\u00e4digung h\u00f6her sein w\u00fcrde als der f\u00fcr die Benutzung eines eigenen Kraftwagens zu verg\u00fctende Betrag, so k\u00f6nnte er die Summe verlangen, die \u00fcblicherweise bei Inanspruchname eines Kraftwagens erstattet wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Da der Zeuge aber eine Entsch\u00e4digung f\u00fcr Zeitvers\u00e4umnis nicht beansprucht, kann er nur eine Entsch\u00e4digung in H\u00f6he der Omnibus- oder Bahnfahrkosten, die sonst entstanden w\u00e4ren, &#8211; das sind 1,&#8211; DM erstattet bekommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Westerland, d. 18. August 1951  Das Amtsgericht. Dr. Petersen. (Amtsgerichtsrat) (Richter)<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Inselbahnsylt.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"539\" height=\"367\" src=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Inselbahnsylt.jpg\" alt=\"Westerland Bahnhof\" class=\"wp-image-4361\" srcset=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Inselbahnsylt.jpg 539w, https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Inselbahnsylt-300x204.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 539px) 85vw, 539px\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Kleinbahn Sylt Bahnhof Westerland 1960 Foto Jens Meyer <\/figcaption><\/figure>\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-resized\">\n<figure class=\"alignright size-full\"><a href=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Nilpferdzwinkert-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"993\" height=\"756\" src=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Nilpferdzwinkert-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-17883\" style=\"width:227px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Nilpferdzwinkert-1.jpg 993w, https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Nilpferdzwinkert-1-300x228.jpg 300w, https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Nilpferdzwinkert-1-768x585.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 1362px) 62vw, 840px\" \/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n<div class=\"wp-block-image is-resized\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/By-nc-sa_color.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"720\" height=\"486\" src=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/By-nc-sa_color.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-17924\" style=\"width:200px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/By-nc-sa_color.png 720w, https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/By-nc-sa_color-300x203.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 984px) 61vw, (max-width: 1362px) 45vw, 600px\" \/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/RIMG0103adamkeitum-e1572987279183.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"574\" src=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/RIMG0103adamkeitum-1024x574.jpg\" alt=\"Richard Adam\" class=\"wp-image-1251\"\/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Zehn Jahre haben wir nach einem Foto des T\u00e4ters gesucht, der damals die Enteignung der j\u00fcdischen Kinobesitzer in Hamburg (Henschel Film und Theaterkonzern) massgeblich organisert hat. Dann haben wir seinen Wohnort gefunden. Elbchaussee 454 in Hamburg und in Kampen auf Sylt. Beerdigt ist er in Keitum auf Sylt. Ein h\u00fcbsches Grab mit Blick auf die Nordsee. Einfach ein wenig zu sp\u00e4t zum Suchen. Aber vorher hatte keiner gesucht. <strong>Anmerkung 2017.<\/strong> Auf dem gleichen Friedhof liegt auch Heinz Friedrich Reinefarth. Todestag 7. Mai 1979. Letzte Wohnanschrift  Stadumstrasse 43, 2280 Westerland<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/VillainKampenParadieschen-e1671810634873.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"710\" src=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/VillainKampenParadieschen-1024x710.jpg\" alt=\"Paradieschen\" class=\"wp-image-2431\"\/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Alte Postkarte Lerchenweg 5 Kampen auf Sylt, Ein Wohnsitz von Richard Adam bis zu seinem Tode (Villa Paradieschen) <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/Elbchaussee454-e1573061974225.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/Elbchaussee454-1024x768.jpeg\" alt=\"Villa\" class=\"wp-image-7951\"\/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Elbchaussee 99 ab 1952 Elbchaussee 454. Ein Wohnsitz von Richard Adam von 1937 &#8211; 1967 <\/figcaption><\/figure>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/nilpferd_tumb.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1042\" height=\"830\" src=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/nilpferd_tumb.png\" alt=\"Nilpferd\" class=\"wp-image-15\" style=\"width:191px;height:auto\"\/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Zeichnung Helga Bachmann<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>PDF Zeugenvernehmung Richard Adam (Zeichen: 5.188) Abschrift. Zeugenvernehmung Richard Adam. Das Amtsgericht. Westerland, den 15. August 1951. Seite 98 der Akte. 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