{"id":22369,"date":"2023-04-14T20:17:23","date_gmt":"2023-04-14T20:17:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.medienberatungev.org\/?p=22369"},"modified":"2025-08-24T09:19:48","modified_gmt":"2025-08-24T09:19:48","slug":"briefe-an-wiebeke-xxxvi","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.medienberatungev.org\/?p=22369","title":{"rendered":"Briefe an Wiebeke (XXXVI-36) Gesinnung erkannt"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Briefe an Wiebeke (XXXVI)<\/strong> Die Gesinnung erkennt man an den Handlungen: Die falsche Schlange Clara.<\/p>\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/PDF-Briefe-an-Wiebeke-XXXVI-Die-Gesinnung-erkennt-man-an-den-Handlungen.pdf\">PDF Briefe an Wiebeke (XXXVI) Die Gesinnung erkennt man an den Handlungen<\/a><\/p>\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full\"><a href=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Roemische-Zahlen-am-Heck.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"220\" height=\"330\" src=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Roemische-Zahlen-am-Heck.jpg\" alt=\"Romische Zahlen am BUG\" class=\"wp-image-17347\" srcset=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Roemische-Zahlen-am-Heck.jpg 220w, https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Roemische-Zahlen-am-Heck-200x300.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 220px) 85vw, 220px\" \/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><strong>Die falsche Schlange Clara<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Hallo Wiebeke,<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">sicher stellst Du Dir die Frage, wie es zu dieser \u00dcberschrift kommt? Und ich stelle mir umgekehrt  die Frage, wie kommt eine Schlange in eine Kneipe? Das gibt \u00fcberhaupt keinen Sinn. Es geht ja doch nur um einen Dialog zweier Personen, die dort aufeinander treffen. Nat\u00fcrlich M\u00e4nner. Fragt der eine den anderen in der Kneipe : . . . schooohn . . . sch . . . lannge hier?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Diese Schlange ist nat\u00fcrlich nicht gemeint. Sollte eigentlich hei\u00dfen: Sind sie oder bist Du . . . schon lange hier? Meine Schlange ist nat\u00fcrlich eine andere. Aber diese Schlange aus der Kneipe wird im weiteren Verlauf des Textes nicht wieder aufgegriffen werden. Das verspreche ich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Es beginnt mit meiner Sp\u00fclmaschine. Zuerst werden die Tassen, die allerdings bei mir Becher sind, die ich nach der Reinigung als erstes in den dar\u00fcber h\u00e4ngenden K\u00fcchenschrank r\u00e4ume, nat\u00fcrlich alle, damit sp\u00e4ter keiner diesen ber\u00fchmten Satz \u00fcber mich sagen kann, den mit den Tassen im Schrank, die fehlen, den es in verschiedenen \u00bbVarianten\u00ab gibt. Manchmal werden daraus auch Latten im Zaun, oder aber die Puderung mit einem Klammerbeutel, aber meistens kommt auch ein Schrank drin vor.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Bei mir kommen die Tassen, die Becher sind, nicht in den K\u00fcchenschrank, sondern werden an Haken an einem Bord angeh\u00e4ngt. Das mit den Tassen, die bei mir Becher sind, mache ich, wie Du wei\u00dft, seit meiner Seefahrtszeit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">In der Pantry der \u00bbMS Ceuta\u00ab wurden die Tassen auch auf diese Weise angeh\u00e4ngt, damit sie beim Seegang nicht runterfallen. Ich hab das extra f\u00fcr Dich fotografiert und skaliert, damit ich es, wenn der Text fertig ist, nur noch schnell hochladen kann und nicht l\u00e4nger beschreiben mu\u00df, wie das nun genau aussieht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Nun gibt es in meiner Pantry nicht so oft hohen Wellengang. Und es geht dabei eigentlich um eine andere, aber bisher ungel\u00f6ste Frage. Wobei nicht eigentlich die Frage ungel\u00f6st ist, sondern eher doch die Antwort auf die besagte Frage.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">N\u00e4mlich warum die Tassen, die bei mir Becher sind, wenn ich sie an die Haken geh\u00e4ngt habe immer noch eine ganze Weile hin und her pendeln und erst viel sp\u00e4ter zur Ruhe kommen. Die pendeln so gef\u00fchlte zehn Minuten. Ich habe es mir bisher verkniffen, die Pendelzeit der Tassen, die ja Becher sind, zu stoppen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Eine dunkle Erinnerung fl\u00fcstert mir ein, das mir ein Assi, ein \u00bbSchiffsingenieursassistent\u00ab bei der OPDR, der \u00bbOldenburg &#8211; Portugiesischen Dampfschiffs- Rhederei\u00ab, mal erkl\u00e4rt hatte, das das und wie mit der Erdanziehung, oder war es die Erddrehung \u2015 zu tun habe.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Du siehst mich also wartend. Wartend auf eine Erkl\u00e4rung Deinerseits. Schlie\u00dflich hast du immer behauptet, Du w\u00e4rst l\u00e4nger in der Schule gewesen als ich, obwohl ich mir da heute auch nicht mehr so sicher bin, ob das wirklich stimmt. Das l\u00e4nger. Vielleicht waren es ja nur Nachsitzstunden, die ja auch die Schulzeiten verl\u00e4ngern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Also eigentlich geht es auch gar nicht um die Tassen, also die Becher, die an ihren Henkeln da eine Weile hin und her pendeln. Das war nur der kleine Umweg, damit das Folgende nicht so bedeutungsschwer wird. Es geht nat\u00fcrlich, wie fast immer bei mir, um Kino. Und nat\u00fcrlich um eine Frau. In diesem Falle um eine, der ich gottseidank nie begegnet bin.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Die ich aber doch, in den letzten f\u00fcnfzehn Jahren, genauestens studiert habe. Ihr Leben, ihre Biografie, ihren Besitz, ihre Kinder, ihr Verhalten und so weiter. Leider habe ich kein Bild von ihr. Nur von dem Mann, den sie geheiratet hatte. In Berlin. Er hatte Segelohren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Sein Vater, von Beruf Drucker, war von Trier nach Luxemburg ausgewandert und hatte dort die \u00bbObermoselzeitung\u00ab gegr\u00fcndet. Die erste Ausgabe der \u00bbObermoselzeitung\u00ab war am 2. Juli 1881 in Grevenmacher erschienen. Ein Ort dicht an der deutschen Grenze. Eine erfolgreiche Zeitung, die den Luxemburgern bald am liebsten war. Keine andere wurde sooft gekauft und abonniert, wie die \u00bbObermosel\u00ab. Der Erfolg der \u00bbObermoselzeitung\u00ab von Joseph Esslen beruhte auf seinen Berichterstattern, die er in Luxemburg \u00fcberall hatte. Jedes Ereignis, sei es auch noch so klein und unwichtig, \u00fcbermittelten die Berichterstatter, die daf\u00fcr ein Zeilenhonorar bekamen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Joseph Esslen, richtig Johann Peter Joseph Esslen, heiratete in Luxemburg Elisabeth Lanser, eine Luxemburgerin. Dadurch bekamen die Kinder die Luxemburger Staatsangeh\u00f6rigkeit. Zwei Kinder sind bekannt: Karl Friedrich und Eugen Esslen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Karl Friedrich Esslen wurde am 16. Februar 1882, sein Bruder Eugen Esslen wurde 1884 geboren. Eugen legte am 3. August 1900 sein \u00bb\u00dcbergangsexamen\u00ab im Gymnasium Grevenmacher ab. Von wo nach wo Eugen Esslen mit 16 Jahren \u00fcbergeht, habe nicht herausgefunden. 1913 kommt Bruder Eugen Esslen nach Hamburg, wohnt im Mundsburgerdamm 40 im vierten Stock und gibt als Beruf Prokurist an.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Karl Friedrich Esslen  studiert in Paris. Irgendwas mit Medizin, so berichtet Wikipedia. Nach seiner R\u00fcckkehr aus Paris arbeitete Karl Friedrich als Redakteur im v\u00e4terlichen Betrieb der \u00bbObermoselzeitung\u00ab, wie sein Vater Joseph Esslen diese Zeitung genannt hatte. Aber wie kommt einer aus Grevenmacher, der in Paris studiert hatte, nach Berlin?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Eine erste Eintragung von Karl Friedrich Esslen im Scherl Adressbuch von Berlin finde ich f\u00fcr das Jahr 1909. Berufsangabe dort: Vertreter. Vertreter und Langeweile geh\u00f6rt in meiner Wahrnehmung unmittelbar zusammen. Was f\u00fcr Karl Friedrich Esslen irgendwie nicht stimmt, so sagt mir seine Biografie.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">In Berlin ist er Generalvertreter der Firma Collan Oil, auch Collan Olja von T. Olsen aus Stockholm. Olsen hatte sich auf die Herstellung von Leder\u00f6l spezialisiert. Leder\u00f6l wurde f\u00fcr die Treibriemen aus Leder benutzt, mit denen damals Maschinen angetrieben wurden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Doch der Absatz von Leder\u00f6l f\u00fcr Treibriemen kam nicht richtig in die G\u00e4nge und entsprach nicht den Erwartungen, die man in Stockholm und Berlin hatte. Und so gr\u00fcndete Esslen, zusammen mit den Br\u00fcdern Salzenbrodt, eine Firma, die aus Leder\u00f6l und einem s\u00fcdamerikanischen Baumharz eine wasserabweisende Schuhcreme herstellen sollte. F\u00fcr ihr neues Produkt fanden sie den Namen \u00bbCollonil\u00ab, den sie im Mai 1914 registrieren liessen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Als im August 1914 Kaiser Wilhelm zur Verteidigung des Vaterlandes rief, hatte Karl Friedrich Esslen Gl\u00fcck. Sein Vater war vor Zeiten von Trier nach Luxemburg aus- bzw. eingewandert und so erhielt Karl Friedrich die Luxemburger Staatsangeh\u00f6rigkeit. Luxemburg war nicht kriegsbeteiligt und Esslen wurde daher nicht eingezogen. Ganz im Gegensatz zu den Br\u00fcder Salzenbrodt, die in der Schuhcremefabrik seine Teilhaber waren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Im Schlamm der Front bew\u00e4hrte sich \u00bbCollonil\u00ab f\u00fcr die Lederstiefel der Soldaten. \u00bbCollonil\u00ab, die wasserabweisende Schuhcreme war ein Verkaufsschlager geworden. Und im November 1918, als der Krieg zu Ende war, kehrten die Br\u00fcder Salzenbrodt unversehrt in ihre Schuhcremefabrik in Berlin Kreuzberg zur\u00fcck. Die Ums\u00e4tze waren derart in die H\u00f6he geschnellt, das die Produktionsst\u00e4tte in Berlin Kreuzberg aus allen N\u00e4hten platzte. Es fand sich n\u00f6rdlich von Berlin, in M\u00fchlenbeck, ein Platz f\u00fcr die Schuhcremefabrik von Esslen und den Br\u00fcdern Salzenbrodt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Bei Familie Esslen, die inzwischen aus Clara, Eva und Karl Friedrich Esslen bestand, kehrte der Wohlstand ein. Der Schuhcremefabrik wurde 1925 noch ein Wein- und Sprituosenhandel aus Trier angegliedert: Die <strong>\u00bbKarl Friedrich Esslen, Weinkellereien, Trier, Verkaufszentrale M\u00fchlenbeck bei Berlin, Gesellschaft mit beschr\u00e4nkter Haftung, M\u00fchlenbeck bei Berlin\u00ab<\/strong>. Merkw\u00fcrdig finde ich nur, das das Handelsregister in Berlin einen so langen GmbH Namen akzeptiert hatte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Und dann  passierte das, was immer passiert, wenn Jemand nicht wei\u00df, was man mit dem vielen Geld machen soll. Karl Friedrich Esslen kaufte Immobilien: In Berlin, in Wiesbaden, in Hamburg, wie wir heute wissen. Vielleicht auch noch anderswo.  Nun erwies es sich jedoch als Nachteil, das Karl Friedrich Esslen die Luxemburger Staatsangeh\u00f6rigkeit hatte: Ausl\u00e4ndern war der Kauf von Immobilien in einigen Landstrichen untersagt und so wurde seine Gattin Clara Esslen, die aus Berlin stammte, in die Grundb\u00fccher der Zinsh\u00e4user in Berlin als Eigent\u00fcmerin eingetragen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Zwei <strong>\u00bbZinsh\u00e4user\u00ab<\/strong> in Berlin habe ich gefunden. Zwei H\u00e4user, das eine mit 48 Mietwohnungen und das daneben mit 19 Wohnungen am Kaiserplatz (heute Bundesplatz) 11 und 12 kamen so in den Besitz von Clara Esslen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Vermutlich ist es diese Luxemburger Staatsangeh\u00f6rigkeit die Karl Friedrich Esslen daran gehindert hatte, das er das in Hamburg gekaufte Kontorhaus in der Dammtorstrasse 14  nicht unter seinem Namen als Karl Friedrich Esslen ins Grundbuch eingetragen lassen konnte, sondern f\u00fcr den Kauf extra eine Firma, gr\u00fcnden mu\u00dfte, die:                                                                                                        <strong>\u00bbHamburger Haus- &amp;  Landschaftsverwaltungsgesellschaft mbH\u00ab<\/strong> mit der Hamburger Anschrift:<strong> Plan 4 \u2013 6.<\/strong> Im Adressbuch wird von 1921-1930 der Name W. Pusch als Ansprechpartner dieser Firma genannt. Danach verschwindet der Name Pusch und als Ansprechpartner dieser Firma taucht ab 1922 auch  sein Bruder Eugen Esslen mit der Firmenanschrift M\u00f6nckebergstra\u00dfe 8  im Adressbruch auf. Vermutlich identisch mit dem Hamburger Erfinder  Eugen Esslen, der sich eine Pudermischvorrichtung und  ein doppelschneidigen Fleischwolfmesser: Patentschift Nr. 622247 und Patenschrift Nr. 504 974 patentieren lie\u00df.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Esslen.tif.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"220\" height=\"288\" src=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Esslen.tif.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-29476\" style=\"width:175px;height:auto\"\/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Eugen Esslen (Der Erfinder) ist der j\u00fcngere Bruder von Karl Friedrich Esslen.<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/pdfEugen-Esslen-Fleischwolfmesser.pdf\">pdfEugen Esslen Fleischwolfmesser<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/PatenteEugenEsslenPuder-Fleichswolf.pdf\">PDF PatenteEugenEsslenPuder <\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/PatenteEugenEsslenPuder-Fleichswolf.pdf\">PDF <\/a><a href=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/EugenEsslenmPudermischvorrichtung.pdf\">EugenEsslenUSAPudermischvorrichtung<\/a><\/p>\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"> Clara Esslen  lernte ich nur durch das Papier kennen, das sie und andere \u00fcber sie  hinterlassen haben. So habe ich erfahren, da\u00df sie, als ihr Mann, Karl Friedrich Esslen, am 16. Juli 1930 starb, ein reiche Witwe war, die in einigen St\u00e4dten Deutschlands lukrative Mietsh\u00e4user ihr Eigentum nannte. In Hamburg, Berlin und Wiesbaden habe ich solche Eintr\u00e4ge gefunden. In Hamburg war sie Eigent\u00fcmerin eines Kontorhauses geworden, das ebenfalls mit 46 solventen Gewerbemietern sehr profitabel war.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Nur ein Mieter befand sich 1931 mit RM 39.000 im Zahlungsverzug. Das Waterloo-Theater, das zwei Jahre vorher mit einem Kostenaufwand von RM 600.000,&#8211; vergr\u00f6\u00dfert worden war. Statt bisher 400 Sitzpl\u00e4tze hatte es nach dem Einbau eines Ranges knapp 900 Sitzpl\u00e4tze. Die vereinbarte Jahresmiete war mit RM 60.000,&#8211; relativ hoch.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Mithilfe einer R\u00e4umungsklage gegen die Betreiberfirma:  Die \u00bbNorddeutsche Filmtheater KG Manfred Hirschel\u00ab gelang es Clara Esslen, die Firma, die ihr zur H\u00e4lfte bereits geh\u00f6rte, zur Insolvenz zu bringen. Das hatte den Vorteil, das der nachweisbare Wert (RM 600.000,&#8211;) des Kinos ohne weitere Zahlungen in ihren Besitz gelangen w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Das war auch der Grund, warum es 1931 zu dem Vergleich kam. Manfred Hirschel hatte im sogenannten \u00bbWiedergutmachungsverfahren\u00ab zu Recht darauf hingewiesen, das kein Gericht im Deutschland 1931 ihm f\u00fcr eine Mietschuld von RM 39.000&#8211; ein Kino im Werte von 600.000,&#8211; als Pfand bewertet h\u00e4tte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Mit anderen Worten. Auch dieser Vergleich, der dazu gef\u00fchrt hatte, das die \u00bbNorddeutsche\u00ab in Konkurs ging, diente nur einem Zweck: Das Kino ganz zu \u00fcbernehmen. Manfred Hirschel wurde auf diese Weise gezwungen, Teilhaber einer GmbH zu werden, die Clara Esslen aus der Erbschaft ihres Gatten \u00fcbernommen hatte. Aus der  <strong>\u00bbKarl Friedrich Esslen, Weinkellereien, Trier, Verkaufszentrale M\u00fchlenbeck bei Berlin, Gesellschaft mit beschr\u00e4nkter Haftung, M\u00fchlenbeck bei Berlin\u00ab<\/strong> wurde die <strong>\u00bbWaterloo Theater GmbH\u00ab<\/strong> die sp\u00e4ter, mit Hilfe des deutsch-j\u00fcdisch-evangelischen Anwaltes Dr. Otto Herbert Bauer ihren Sitz nach Hamburg verlegte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Ein \u00fcbrigens v\u00f6llig wertloser GmbH Mantel, der den Vorteil hatte, das sein Stammkapital (RM 20.000,&#8211;) schon 1925 bei Gr\u00fcndung dieser Firma einbezahlt worden war und nicht, wie bei einer Neugr\u00fcndung \u00fcblich, beim Notar als vorhanden vorgezeigt werden mu\u00dfte. Vermutlich hat sie den 50 % Anteil dieser GmbH an Manfred Hirschel zum Nennwert von RM 10.000,&#8211; verkauft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">So wichtige Sachen, das habe ich schmerzhaft gelernt, m\u00fcssen immer noch mal wiederholt werden: Aus der   <strong>\u00bbKarl Friedrich Esslen, Weinkellereien, Trier, Verkaufszentrale M\u00fchlenbeck bei Berlin, Gesellschaft mit beschr\u00e4nkter Haftung, M\u00fchlenbeck bei Berlin\u00ab<\/strong> die <strong>\u00bbWaterloo Theater GmbH\u00ab<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Zeitweise war Dr. Otto Herbert Bauer auch Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer dieser Mutanten \u2015 GmbH. Vermutlich aus dem Grunde, um dem anderen Eigent\u00fcmer, Manfred Hirschel, an die  Kette  zu legen, denn in der Satzung dieser GmbH stand  jener Satz, der sich auf wundersame Weise bei seiner Mutation ver\u00e4ndert hatte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Stand dort vorher, sind zwei Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer bestellt, so ist jeder der beiden allein vertretungsberechtigt, so steht dort jetzt das genaue Gegenteil: Sind zwei Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer bestellt, so vertreten diese gemeinsam die Firma. Ohne den Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Dr. Otto Herbert Bauer kann Manfred Hirschel nichts entscheiden. Der Rechtsanwalt  ist Claras Kettenhund. Einer Person, die, das sollte man endlich mal schreiben, noch nie ein Kino gemacht hatte und Null Ahnung vom Kinomachen  hatte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Immerhin hatte Manfred Hirschel mit dieser Firma  einen Gesch\u00e4ftsf\u00fchrervertrag bis 1955. Den hebelt Clara mit Hilfe des Rechtsanwaltes Dr. Bauer und des Filmes von Franz Seitz <strong>\u00bbSA Mann Brandt\u00ab<\/strong> 1933 auf klassische Weise aus. Und das geht so: Sie vermietet das Waterloo Kino an die NSDAP, als diese sich im August 1933 an der Macht stabilisiert hatte. Der Reichstag hatte gebrannt, das Erm\u00e4chtigungsgesetz war in Kraft und viele Gegner der Nazis in Gef\u00e4ngnissen. Im M\u00e4rz 1933 kam \u00bbSA Mann Brandt\u00ab von Franz Seitz ins Kino. Keine Auftragsproduktion der NSDAP. Als der Film mehr oder weniger gefloppt war, gef\u00e4llt er auch dem gerade zum Propagandaminister Ernannten nicht mehr sonderlich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Als die Partei, wie sie sich jetzt nennt, davon erf\u00e4hrt, das ein Jude der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Waterloo Kinos ist, f\u00e4llt sie aus allen Wolken. In diesem Falle kann dieser hervorragende Film \u00fcber die hervorragende NSDAP <strong>\u00bbSA Mann Brandt\u00ab <\/strong>im Waterloo Theater nat\u00fcrlich nicht gezeigt werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Nun ist es ja nicht weiter schlimm, dann verzichtet man eben auf die Einnahmen aus der Vermietung, vor allem dann, wenn man sich sp\u00e4ter auch noch zur Widerstandsk\u00e4mpferin gegen die Nazis etablieren will, wie Clara Esslen nach dem Krieg immer wieder anhand ihrer Nichtmitgliedschaft ungefragt erkl\u00e4rt hatte. Auch der h\u00f6chste Bauherr ihres F\u00fchrers war ja nie Mitglied der NSDAP geworden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Nein, die hinterlistige Clara, die falsche Schlange, erkennt ihre einmalige Chance und ergreift sie. Sie bittet den  Rechtsanwalt Dr. Otto Herbert Bauer, Herrn Hirschel vorzuschlagen, zeitweise formell sein Gesch\u00e4ftsf\u00fchreramt niederzulegen. Hirschel telefoniert darauf hin mit dem j\u00fcdischen Anwalt Kurt Leo Eisner, den er im Schlichtungsverfahren als <strong>\u00bb<\/strong>Mitschiedsrichter\u00ab kennengelernt hatte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Dieser r\u00e4t ihm, er kenne Dr. Otto Herbert Bauer als ehrlichen Menschen, dem man vertrauen k\u00f6nne, Hirschel solle seinen Vorschlag folgen und das Amt zeitweise niederlegen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Wen er aber nicht kennt, das ist Clara Esslen, die diesen R\u00fccktritt ihres Gesch\u00e4ftsf\u00fchrers nach dem Tod von Dr. Otto Herbert Bauer, der im KZ von den Nazis umgebracht wurde, f\u00fcr sich noch Jahrzehnte sp\u00e4ter juristisch zu nutzen versteht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Ebenso der<strong> \u00bbPersilschein\u00ab<\/strong>, den ihr der Rechtsanwalt Dr. Carl Stumme im August 1945 zur Vorlage bei der Britischen Milit\u00e4rregierung gefertigt hatte, der auf andere Weise zum Einsatz kam, als es urspr\u00fcnglich vorgesehen war. Dr. Carl Stumme hatte diese Bescheinigung zur Vorlage bei der Britischen Milit\u00e4rregierung gefertigt, um eine drohende Beschlagnahme durch die Britische Milit\u00e4rregierung und dem Einsatz eines Treuh\u00e4nders zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Ein Verwandter von Manfred Hirschel hatte in Hamburg \u00fcberlebt und sich als Treuh\u00e4nder der Milit\u00e4rregierung angeboten. Das galt es zu verhindern, was gelang. Als dann einige Jahre sp\u00e4ter der Restitutionsproze\u00df<strong> \u00bbWaterloo Kino\u00ab <\/strong>begann, f\u00fcgte Clara Esslen eine Kopie dieses Persilscheins von Dr. Carl Stumme, von dem alle Beteiligten wu\u00dften, da\u00df die Angaben nicht der Wahrheit entsprachen, ihrem Brief an das Landgericht bei. Dort hat er sich bis heute erhalten. Als Stumme davon erfuhr, hatte er verlangt, das dieses Schreiben als nicht erteilt zur\u00fcckzugeben sei. Ein Kino mit 900 Sitzpl\u00e4tzen in bester Innenstadtlage zur\u00fcckgeben? Nein, auf keinen Fall.  Es wurde nichts zur\u00fcckgegeben. Auch kein Persilschein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Die Geschichte von Gier, Raub und Geiz hatte schon bei der Macht\u00fcbergabe begonnen. Und wurde so 1945 fortgesetzt. Und wie sie damit damit durchgekommen sind! In der Hauptsache Clara Esslen. Aber es standen ihr hilfreiche Personen zur Seite: Heinrich Heisig, Dr. Carl Stumme und der sp\u00e4ter ermordete Rechtsanwalt Dr. Otto Herbert Bauer. Und Dr. Otto Herbert Bauer auch noch, als er schon lange tot war.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Die Geschichte handelt in der Hauptsache von der falschen Schlange Clara Esslen, die alle beteiligten Personen geschickt f\u00fcr die eigene Bereicherung eingesetzt hatte. Die Geschicklichkeit, so kann man es auch nennen, wie sie bestimmte Menschen f\u00fcr eigene Zwecke einzusetzen verstand und wie sie es verstand, dies in einer Weise zu organisieren, das immer andere die Arbeit f\u00fcr sie erledigten und sie selbst sich die H\u00e4nde nie schmutzig machen mu\u00dfte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><strong>In dem Theaterst\u00fcck, das sie uns vorf\u00fchrt, kommen vor:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><strong>1.<\/strong>) Ein junger Mann, aus einfachen Verh\u00e4ltnissen, der sich hocharbeitet vom Filmvorf\u00fchrer zum Kinodirektor.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><strong>2.)<\/strong> Ein deutsch-j\u00fcdisch-evangelischer Rechtsanwalt, konservativ aus beg\u00fcterten Verh\u00e4ltnissen, der die Religion wechselte, aus welchen uns unbekannten Gr\u00fcnden auch immer, und ihr sowohl als j\u00fcdischer Rechtsanwalt, wie auch als christlicher Rechtsanwalt gute Dienste leistete. Einer der leider der irrigen Ansicht war, das er durch seinen Frontk\u00e4mpfereinsatz und seinem Religionswechsel ausreichend vor einer Deportation gesch\u00fctzt sei, was aber nicht der Fall war. Und der f\u00fcr Clara in beiden Religionen und als Lebender wie auch als Ermorderter n\u00fctzlich war.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><strong>3.)<\/strong> Dazu kam dann noch der Hausmeister Peter L\u00fctzow des Dammtorhauses, der als Zeuge daf\u00fcr benannt wurde, das man keine Hakenkreuzfahne gehabt habe, bis zu dem Zeitpunkt als es verboten war, mit schwarz-weiss-roten Fahnen ein Haus zu schm\u00fccken. Wann das genau war, ist sicher dem Zeugen erinnerlich. Bestimmt nicht vor 1936.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><strong>4.)<\/strong> Ihre drei Kinder, obwohl am<strong> 3.6. 1918, 1.2. 1922 und 21.8.1923<\/strong> geboren, die bei Kriegsende 1945 &#8211; <strong>27,  23 und 21  (in Worten:  siebenundzwanzig, dreiundzwanzig, einundzwanzig<\/strong>)   Jahre alt sind und immer noch minderj\u00e4hrig: (siehe 5 Vormundschaftsgericht)                                                                                                                 <strong>5.)<\/strong> Das Vormundschaftsgericht in Wiesbaden f\u00fcr ihre minderj\u00e4hrigen Kinder.                <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">6.) Der Anwalt, der ihr den Persilschein f\u00fcr die Britische Milit\u00e4rregierung in Hamburg schreibt.                                                                                                                                                                  <strong>7.)<\/strong> Der als <strong>Aris\u00f6r<\/strong> bekannte Funktion\u00e4r der NSDAP und viele andere.                                                                                                                                                 <strong>8.) <\/strong>Und der Nazi, der ersten Stunde, der schon vor der Macht\u00fcbergabe von der Sache Adolf Hitlers \u00fcberzeugt war und dies in seinem <strong>Passage Kino<\/strong> in M\u00f6nckebergstrasse in Hamburg auch zum Ausdruck brachte. Man beachte seine Zeugenaussage. Auch er hatte einem Juden das Leben gerettet, gab er Kund und zu Wissen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap has-small-font-size\"><strong>Hier die ausgew\u00e4hlten<\/strong>                                                                                                                                                                 <strong>11 Dokumente des aufgef\u00fchrten Theaterst\u00fc<\/strong>ckes:                                                                                                  <strong>Dokument 1 <\/strong>Brief aus London von K.A. Kohn                                                                                                 <strong>Dokument 2 <\/strong>Brief von Clara Esslen an das Landgericht mit Anlage<strong> <\/strong>                                                                                           <strong>Dokument 3 <\/strong>Bescheinigung von Rechtsanwalt Dr. Carl Stumme                                                                           <strong>Dokument 4<\/strong> Brief von Rechtsanwalt Dr. Kurt Eisner aus Sa\u00f5 Paulo                                                    <strong>Dokument 5<\/strong> Brief von Manfred Hirschel an seinen Anwalt                                                                      <strong>Dokument 6 <\/strong>Richard Adam schreibt an das Landgericht                                                                        <strong>Dokument 7 <\/strong>Beschlu\u00df Landgericht in Sachen Adam                                                                                   <strong>Dokument 8 <\/strong>Richard Adam der \u00bbAris\u00f6r\u00ab sagt aus und beantragt Zeugengeld                                                                                        <strong>Dokument 9 <\/strong> Gericht lehnt Zeugengeld ab                                                                                                            <strong>Dokument 10<\/strong> Hans Struckmeyer                                                                                                                          <strong>Dokument 11 <\/strong>Sie sind damit durchgekommen.                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                         <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap has-small-font-size\"><strong>Dokument 1<\/strong> Abschrift. [IMG_4869.jpg +IMG_4869.jpg + IMG_4870.jpg] <strong> Brief aus London von K. A. Kohn<\/strong>                                                                                                                                                                                   K. A. Kohn (German) [Karl Alphons Kohn]                                                                                                            23rd. Oktober 1946 Kreis: Hamburg                                                                                                                                                                     <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><strong>Anspruch gegen:<\/strong> Frau Clara Esslen d.h.  Waterloo Kino, Hamburger Dammthor Strasse                                                                  <em>In Vollmacht datiert 1 ten M\u00e4rz 1946 ausgestellt in Sa\u00f5 Paulo, Brasilien, von Herrn Manfred Hirschel an Herrn Karl Alphons Kohn, 67 Chalckhill Rd. Wembley Park, Mddx. <\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>Der Unterzeichnete K. A. Kohn m\u00f6chte Anspruch erheben an Stelle von Herrn Manfred Hirschels Eigentum und Teilhaberschaft am Waterloo Kino, Hamburg, auf Grund folgender Tatsachen. Herr Hirschel, welcher jetzt in Sa\u00f5 Paulo Brasilien lebt war Teilhaber des Waterloo Kino\u2018s, Dammthor Strasse, Hamburg. Der andere Teilhaber war eine Dame, Frau Clara Esslen und das Waterloo Kino G.m.b.H. wurde von Herrn Hirschel und Frau Esslen gegr\u00fcndet; jeder Teilhaber hatte einen Anteil von<\/em> <em>50 %.<\/em> <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>Die F\u00fchrung des Kino\u2018s war alleinig in den H\u00e4nden von Herrn Hirschel der deshalb auch einen Kontrakt hatte der ihm den Gewinn des Verkaufs von Zigaretten und S\u00fcssigkeiten zusprach. Ausser diesem hatte er einen Kontrakt mit Frau Esslen d.h. mit der G.m.b.H. als Angestellter, wonach er ein besonderes Gehalt als Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer erhielt. <\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>Alle diese Kontrakte sowie der Teilhaberkontrakt und der Mietsvertrag liefen bis zum Jahr 1955. Frau Esslen war Inhaberin des Grundst\u00fccks (Ich weiss nicht ob sie auch das Geb\u00e4ude besass) <\/em>[Grundbucheintrag 1935 K. F. Esslen u. Erben] <em>Schon im Mai 1933 \u00fcbte die Nazipartei Druck auf die G.M.B.H. aus, das Waterloo Kino zu \u201cariesieren\u201c und unter der Drohung das Kino zu schliessen zwang sie Herrn Hirschel seine Stellung als Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer aufzugeben.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>Im Februar 1934 verbot Frau Esslen Herrn Hirschel, da sie Inhaberin des Grundst\u00fcckes war, das Kino oder die B\u00fcros zu betreten. Weiterhin verweigerte sie jede Zahlung und weigerte sich ihren kontraktlichen Verpflichtungen nachzukommen mit der einzigen Begr\u00fcndung (meistens angewandt in diesen Zeiten) dass man es ihr nicht zumuten k\u00f6nne einen Kontrakt mit einem Juden zu erf\u00fcllen. <\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>Herr Hirschel war deshalb gezwungen eine gerichtliche<\/em> <em>Klage anzustrengen in Bezug auf Einhaltung und Erf\u00fcllung der bestehenden Kontrakte. Er sch\u00e4tzte seine Verluste in dieser Zeit auf \u00a3 25.000. Er wurde dann vor die N.S.D.A.P. geladen sowie vor die Gestapo und die Kriminalpolizei und man drohte ihm mit Haft im Konzentrationslager.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>Nach zwei Jahren der unfairsten Prozessf\u00fchrung von Seiten der Frau Esslen, war er gezwungen seine Rechte aufzugeben und nach Brasilien auszuwandern.<\/em> <em>Ich m\u00f6chte eine weiter n\u00f6tige Auskunft geben. Ein Schwager von Herrn Hirschel lebt noch in Hamburg. Sein Name ist John Streit, 14<\/em> Hegestieg, <em>Hamburg 14. Dieser Herr ist jetzt Teilhaber der Schauburg G.M.B.H., Hamburg. <\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>Ein weiterer Zeuge d\u00fcrfte der fr\u00fchere Anwalt von Herrn Hirschel, Dr. Stumme, Hamburg sein der vielleicht noch die Akten der Gerichtsverhandlung hat. Ohne Zweifel wird und kann Herr John Streit alle n\u00f6tigen Ausk\u00fcnfte \u00fcber die ganze Angelegenheit geben, \u00fcber Frau Esslen und auch \u00fcber einen Mann namens Heisig, welcher im Waterloo angestellt war als Herr Hirschel noch Teilhaber war und soweit ich weiss, ist dieser Heisig auch heute im Waterloo t\u00e4tig.<\/em> <em>Unterschrift K. A. Kohn<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap has-small-font-size\"><strong>Dokument 2<\/strong>                                                                                                                                                                               <strong>Brief von Clara Esslen an das Landgericht und eine Anlage<\/strong> [IMG_4929.jpg + IMG_4930.jpg, Seite 12 + 13 der Akte]  <strong>Abschrift<\/strong> des Briefes von Clara Esslen an das Landgericht vom <strong>30. Dezember 1949,<\/strong> K. Esslen, Dammtorstr. 14. Waterloohaus Ruf 35 44 30 Eingangsstempel Landgericht am 2. Januar 1950.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">[Clara Esslen schreibt am 30. Dezember 1949 an das Landgericht Hamburg. Und f\u00fcgt dem Brief eine Anlage bei, die urspr\u00fcnglich einem anderen Zwecke dienen sollte]:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">An das Wiedergutmachungsamt beim Landgericht Hamburg, Hamburg 36, Dammtorwall 41 D Zimmer 308  Aktenzeichen Z 55 Betr.: R\u00fcckerstattungssache Manfred Hirschel <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>Die Berechtigung der Anspr\u00fcche des Herrn Manfred Hirschel wird von mir zugleich auch im Namen von Herrn Heisig vollen Umfanges bestritten. Deshalb bitte ich unter Bezugnahme auf die beiliegende Erkl\u00e4rung des Herrn Rechtsanwaltes Dr. Stumme dem Wiedergutmachungsanspruch des Herrn Hirschel abzuweisen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>Wenngleich Herr Hirschel in seinem Schreiben v. 15.8.1949 die Richtigkeit der Angaben des Herrn Dr. Stumme \u00fcber Daten und Betr\u00e4<\/em><em>ge<\/em><em> anzweifelt, so werden dadurch die Erkl\u00e4rungen des Herrn Dr. Stumme, der seiner Zeit der Rechtsvertreter des Herrn Hirschel war, in ihren grunds\u00e4tzlichen Feststellungen keinesfalls betroffen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>Sollten jedoch die Feststellungen des Herrn Dr. Stumme f\u00fcr eine Abweisung des Antrages des Herrn Hirschel nicht ausreichen, bitte ich, die<\/em> <em>Akten des Prozesses heranzuziehen, der seinerzeit zu dem vor dem Landgericht abgeschlossenen Vergleich mit Herrn Hirschel f\u00fchrte.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>Diese Akten werden die Erkl\u00e4rungen des Herrn Rechtsanwaltes Dr. Stumme in ihren Grunds\u00e4tzen best\u00e4tigen und zweifellos den Wiedergutmachungsanspruch des Herrn Hirschel als v\u00f6llig gegenstandslos erkennen lassen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>In diesem Zusammenhang verdient erw\u00e4hnt zu werden, dass weder Herr Heisig noch auch ich selbst der NSDAP oder einer ihrer Organisationen bzw. Gliederungen angeh\u00f6rten. Auch wurd<\/em><em>e<\/em><em> zu keiner Zeit und in keiner Stellung w\u00e4hrend der gesamten Dauer des Dritten Reiches ein Mitglied der NSDAP im Waterloo-Theater besch\u00e4ftigt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>Dass letztlich, abgesehen von vielen anderen antifaschistischen Massnahmen, auf die im einzelnen vielleicht noch zur\u00fcckzukommen sein d\u00fcrfte, auch der Spielplan des Waterloo-Theaters w\u00e4hrend er 12 Jahre eine bewusst antinazistische und internationale Gestaltung erfuhr, wie sie kein zweites deutsches Filmtheater aufzuweisen hat, ist eine Tatsache, die in ganz Hamburg und weit \u00fcber seine Gre<\/em>nzen <em>hinaus bekannt ist.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>Dass dieser in politischer und weltanschaulicher Hinsicht stets klar eingenommene Standpunkt nicht ungef\u00e4hrlich war, erhellt am besten aus der Tatsache, dass Herr Heisig am 2.11.1935 von der Gestapo verhaftet wurde und in das Konzentrationslager Fuhlsb\u00fcttel eingeliefert wurde.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>Wegen seiner durch Rat und Tat erfolgten Unterst\u00fctzung antifaschistischer und j\u00fcdischer Personen und Kreise stand Herr Heisig am 27.1.1937 vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht und zwar wegen \u201cVorbereitung zum Hochverrat\u201c. Dass deshalb Herr Heisig und ich in der Folgezeit unseres Lebens nicht froh wurden und nachweislich unter Aufsicht der Gestapo standen, mag noch Erw\u00e4hnung finden.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>Dieser sowohl in politischer als auch in weltanschaulicher Hinsicht klaren Haltung verdankt es im \u00fcbrigen Herr Hirschel, dass die Streitigkeiten mit ihm, die schon Jahre vor 1933 ihren H\u00f6hepunkt erreicht hatten und die bereits Ende 1931 zu einer erfolgreichen R\u00e4umungsklage f\u00fchrten, nicht etwa durch eine nazistische Einwirkung ihre Erledigung fanden, sondern durch eine<\/em><em>n<\/em><em> ordentlichen Prozess vor dem Landgericht.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>Der Versuch des Herrn Hirschel, den Juden Herrn Rechtsanwalt Dr. Bauer sowie einen so bew\u00e4hrten Antifaschisten wie Herrn Heisig und auch mich nazistischer Handlungen zu zeihen, spricht f\u00fcr sich selbst.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>Ich will da<\/em><em>s<\/em><em> Urteil \u00fcber diese Handlungsweise getrost Ihnen \u00fcberlassen in der Erwartung, dass eine gerechte Entscheidung <\/em><em>nur eine Abweisung <\/em><em>der unberechtigten Anspr\u00fcche d<\/em><em>e<\/em><em>s Herrn Hirschel sein kann.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>Abschliessend teile ich Ihnen noch mit, dass keine weiteren Beteiligten an diesem R\u00fcckerstattungsverfahren in Frage kommen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>Hochachtungsvoll!<\/em>                                                                                                                                                           <em>Unterschrift<\/em> <em>K. Esslen<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\"><strong>Dokument 3<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">In der Anlage zu diesem Brief an das Landgericht, 1. Wiedergutmachungskammer f\u00fcgt Clara Esslen die Bescheinigung von Dr. Carl Stumme bei, die dieser zur Vorlage f\u00fcr die Britische Milit\u00e4rregierung gefertigt hatte, um eine drohende Beschlagnahme des Waterloo-Theaters zu verhindern. Heinrich Heisig, das wollte ich anmerken, hat dieses Schreiben von Clara Esslen nicht mit unterschrieben, aber sp\u00e4ter doch legitimiert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><strong>Der Persilschein. <\/strong>Ausgestellt von Dr. Carl Stumme am <strong>30. August 1945 <\/strong>f\u00fcr die Britische Milit\u00e4rregierung. [IMG_4931.jpg + IMG_4932.jpg, Seite 14 und 15 der Akte]  <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><strong>Carl Stumme,                                                                                                                                                              Rechtsanwalt <\/strong>beim Hanseatischen Oberlandesgericht,                                                                                          (24) Hamburg 36,                                                                                                                                                                 Neuer Wall 44,                                                                                                                                                                           <strong>30. August 45.<\/strong>                                                                                                                                                             <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Firma                                                                                                                                                                                    Waterloo-Theater                                                                                                                                                                       Frau Esslen und Herrn Heisig.                                                                                                                                     Hamburg 36,                                                                                                                                                      Dammtorstrasse.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>Ich best\u00e4tige Ihnen hierdurch, dass das Waterloo-Theater keineswegs im Wege einer sogenannten Arisierung in den Besitz von Frau Esslen gekommen ist. <\/em>[Falschinformation]<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>Vielmehr waren der inzwischen verstorbene Herr Esslen und Frau Esslen bereits im Jahre 1928 Kommanditisten der Norddeutschen Film-Theater Kommanditgesellschaft gewesen, der das Waterloo-Theater geh\u00f6rte. Im Jahre 1928 hatte Frau Esslen RM. 500.000,\u2013 hineingegeben, womit der Umbau des Waterloo-Theaters finanziert worden ist. <\/em><strong>[Falschinformation]<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>Frau Esslen hat dann im Jahre 1931, nachdem ihr Ehemann verstorben war, als Grundeigent\u00fcmer des Hauses Dammtorstrasse 14, in der sich das Waterloo-Theater befindet, eine R\u00e4umungsklage gegen die Norddeutsche Film-Theater Kommanditgesellschaft angestrengt, weil diese seit langem mit Miete in R\u00fcckstand gekommen war.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">[<strong>50 % Falschinformation<\/strong><strong>]<\/strong> \u2015 Sie war durch ihre Erbschaft 50 % Teilhaberin dieser KG geworden. Sie hatte also Klage gegen eine Firma erhoben, die ihr zur H\u00e4lfte selbst geh\u00f6rte, mit der durchsichtigen Absicht, diese komplett zu \u00fcbernehmen, bzw. das Kino komplett zu \u00fcbernehmen]<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>Die Film-Theater Kommanditgesellschaft stellte dann ihre Zahlungen ein. In der Folgezeit hat Frau Esslen eine neue Gesellschaft, die Waterloo-Theater G.m.b.H. gegr\u00fcndet, die am 4. Januar 1932 begann.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">[<strong>Falschinformation<\/strong><strong>]<\/strong>: Die GmbH war keineswegs eine Neugr\u00fcndung. Es handelte sich um einen wertlosen GmbH Mantel, mit dem ihr verstorbener Gatte Karl Friedrich Esslen einen Weinhandel in M\u00fchlenbeck bei Berlin betrieben hatte. Das Stammkapital dieser GmbH RM 20.000,\u2013 war bereits 1925 eingezahlt worden und den 50 % Anteil dieser Firma verkaufte Clara Esslen mit Hilfe des Rechtsanwaltes Dr. Otto Herbert Bauer f\u00fcr RM 10.000,\u2013 an Manfred Hirschel. Dr. Otto Herbert Bauer wurde, neben Manfred Hirschel, zum zweiten Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer dieser GmbH ernannt. Beide Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer waren nun nur gemeinsam vertretungsberechtigt. Ohne Zustimmung von Dr. Otto Herbert Bauer war keine Entscheidung m\u00f6glich]<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>An dieser Gesellschaft war Herr Hirschel formell mit einem Anteil beteiligt, sein Anteil mit Gewinnbeteiligung war aber an Frau Esslen verpf\u00e4ndet wegen der sehr grossen Schuldverpflichtungen des Herrn Hirschel gegen\u00fcber der Frau Esslen. Herr Hirschel wurde Mitgesch\u00e4ftsf\u00fchrer neben Frau Esslen bis 1933.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">[<strong>Falschinformation<\/strong>: Manfred Hirschel war nicht \u201cformell\u201c sondern mit 50 % an dieser GmbH beteiligt. Nach Umbenennung und Verlagerung waren die ersten Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Dr. Otto Herbert Bauer und Manfred Hirschel. Nach dem R\u00fccktritt von Otto Herbert Bauer ernannte sich Clara Hirschel zu Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin (Wohnsitz: Berlin Charlottenburg).]<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>Da sich gewisse Unzutr\u00e4glichkeiten ergaben, gab Herr Hirschel die Kassenf\u00fchrung und die Erledigung aller finanzieller Angelegenheiten an den j\u00fcdischen Rechtsanwalt, Herrn Dr. Bauer, ab.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><strong>[Falschinformation<\/strong>. Der j\u00fcdische Rechtsanwalt war schon vor l\u00e4ngerer Zeit zum Christentum konvertiert und wird hier in seinem \u201cJudensein\u201c instrumentalisiert.]<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full\"><a href=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Bauer-Otto-1896.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"184\" height=\"238\" src=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Bauer-Otto-1896.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-21974\"\/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Foto von Dr. Otto Herbert Bauer aus dem Buch von Dr. Heiko Morisse, J\u00fcdische Rechtsanw\u00e4lte in Hamburg, Ausgrenzung und Verfolgung im NS-Staat, S. 117<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>Etwa im Mai 1934 schied dann Herr Hirschel auch formell als Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer aus und an seine Stelle wurde Herr Rechtsanwalt Dr. Bauer Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer. Ferner gab er seine Anteile an Frau Esslen ab auf Grund eines vor dem Landgericht abgeschlossenen Vergleichs, wobei Herrn Hirschel seine Anteile entsprechend bezahlt wurden.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">[<strong>Falschinformation.<\/strong> Die Nazis hatten sich weder daran gest\u00f6rt, das Dr. Otto Herbert Bauer zum Christentum konvertiert war, noch daran, das er im ersten Weltkrieg als Freiwilliger Soldat an der Front gek\u00e4mpft hatte. Sie haben ihn ins KZ Fuhlsb\u00fcttel gebracht und sp\u00e4ter in Mauthausen ermordet. Er konnte sich also 1945 nicht mehr gegen seine Instrumentalisierung durch Esslen und Heisig wehren. Und bezahlt wurde nichts.]<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>Meiner Erinnerung nach hat die Reichsfilmkammer nicht das Ausscheiden des Herrn Hirschel begehrt. Dass hier keine Arisierung vorlag, ergibt sich im \u00fcbrigen schon daraus, dass, wie bemerkt, an die Stelle des Herrn Hirschel der j\u00fcdische Rechtsanwalt, Herr Dr. Bauer, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer wurde.                Hochachtungsvoll                                                                                                                                                                  Stumme<\/em>                                                                                                                                                       [<strong>Falschinformation<\/strong>. Herr Dr. Otto Herbert Bauer war bei Umbenennung und Verlagerung der Firma von M\u00fchlenbeck nach Hamburg behilflich und zum zweiten Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer ernannt worden. Karl Friedrich Esslen starb am 16. Juli 1930. Zu seinem Nachfolger als Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer wurde am 10. Februar 1931 der Rechtsanwalt Dr. Otto Herbert Bauer aus Hamburg im Handelsregister Berlin eingetragen. Dieses Amt \u00fcbte Bauer bis zum 10. Januar 1932 aus. In seiner Amtszeit wurde die GmbH umbenannt und ihr Sitz von Berlin M\u00fchlenbeck nach Hamburg verlegt. Seine Nachfolgerin wurde Clara Esslen, Berlin Charlottenburg.]                                                                    [Seite 14 + 15 der Akte]   [IMG_4931.jpg + IMG_4232.jpg] [Abschrift Anlage 1] <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><strong>[Anmerkung 2023:<\/strong> An diesem \u00bbPersilschein\u00ab ist so gut wie alles falsch. Kein Wunder, das Dr. Carl Stumme, als er von dem Rechtsanwalt Dr. Hans Juul (Anwalt von Klara Esslen und Heinz Heisig) dar\u00fcber informiert wurde, dass dieser Persilschein, der auf Begehren von Esslen und Heisig f\u00fcr die Britische Milit\u00e4rregierung erstellt wurde, im Wiedergutmachungsverfahren als Beweismittel verwendet wurde, alles versucht hat, um dieses Schreiben als nicht gegeben zur\u00fcck zu bekommen. Aber in der Akte hat es die Jahre \u00fcberdauert und zeigt uns auf, wie hier \u2212 mit allen Mitteln \u2212 versucht wurde, das Kino zu behalten.  <strong>Und Esslen und Heisig sind damit durchgekommen.<\/strong><strong>]<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap has-small-font-size\"><strong>Dokument 4<\/strong>                                                                                                                                                                               <strong>Brief von Rechtsanwalt Kurt Leo Eisner aus Sa\u00f5 Paulo<\/strong> <strong>Sa\u00f5 Paulo 14. September 1950<\/strong> bez\u00fcglich der R\u00fcckgabe des Waterloo Theaters. Dammtorstra\u00dfe 14. [IMG_5010.jpg]                                                   <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Rechtsanwalt<strong> Kurt Leo Eisner <\/strong>                                                                                                                                  schreibt aus Sa\u00f5 Paulo:                                                                                                                                                       Sa\u00f5 Paulo 14. September 1950<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">An Herrn                                                                                                                                                                      Rechtsanwalt                                                                                                                                                                               Dr. Hans Dehn                                                                                                                                                                  Hamburg 36<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Sehr geehrter Herr Dr. Dehn!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>H<\/em><em>err Hirschel hat mir Einsicht gegeben in seine Wiedergutmachungsakten betr. Waterloo Theater. \u00dcber dem diese<\/em><em>m<\/em><em> Verfahren zugrundeliegenden Vergleich kann ich <\/em><em>an sich <\/em><em>keine Angaben machen, da ich an diesem nicht mitgewirkt habe.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>Dagegen glaube ich Ihnen einige wichtige Tatsachen mitteilen zu k\u00f6nnen, die sich auf die Einwendungen der Frau Esslen beziehen. Sie behauptet der Vergleich sei nicht abgeschlossen worden, weil Herr Hirschel auf Grund der Rassenverfolgungen aus der Leitung des Theaters ausscheiden musste, sondern aus <\/em><em>ein<\/em><em> anderen Gr\u00fcnden resp. weil er Geld gebrauchte seine Verpflichtungen zu erf\u00fcllen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>Dieser letzte Grund kann auf keinen Fall stichhaltig sein. Herr Hirschel hat n\u00e4mlich im Jahre 1931 f\u00fcr sich oder und die Norddeutsche Filmtheater KG. ein Schiedsgerichtsverfahren gegen Frau Esslen gehabt. In diesem Verfahren, dessen Leitung Oberlandesgerichtsrat Dr. Prochnownick hatte, sass ich als Mitschiedsrichter.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>Dieses Verfahren endete mit einem Vergleich zwischen den Parteien und gleichzeitig mit einem Akkord zwischen der Gruppe Norddeutsche Filmtheater und ihren Gl\u00e4ubigern.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>Mit der Abwicklung dieses Akkordes war ich betraut. S\u00e4mtliche Verpflichtungen der Norddeutschen und etwaige pers\u00f6nliche des Herrn Hirschel wurden endg\u00fcltig getilgt. Die Norddeutsche h\u00f6rte auf zu bestehen und das Waterloo Theater wurde von der auf Grund des Vergleiches gegr\u00fcndeten GmbH. \u00fcbernommen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>Von dieser Zeit an konnte also Herr Hirschel keinerlei neue Verpflichtungen kontrahieren, die alten waren liquidiert, der Lebensunterhalt des Herrn Hirschel war auf Grund der Vertr\u00e4ge geregelt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>Auf Grund dieses Sachverhaltes halte ich die oben angegebenen Behauptungen f\u00fcr frei erfunden.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>Durch die oben erw\u00e4hnte Abwicklung der Gl\u00e4ubiger war zwar Herr Hirschel niemals mein Mandant geworden, jedoch bin ich in n\u00e4heren Kontakt mit Herrn Hirschel gekommen. Wir haben gelegentlich \u00fcber seine Gesch\u00e4ftsangelegenheiten gesprochen und er hat mich auch ab und zu um Rat gefragt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>So erinnere ich mich, dass mich Herr Hirschel 1933 anrief, und mir mitteilte, dass er in Schwierigkeiten sei; es liefe ein antisemitischer Film im Waterloo und Herr Dr. Bauer, Vertreter Frau Esslens teilte ihm mit, die Parteileitung liesse den Film nicht auff\u00fchren, wenn Herr Hirschel Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer bliebe. Herr Dr. Bauer hatte ihm im Namen von Frau Esslen vorgeschlagen, formell die Leitung niederzulegen ohne dass seine rechtliche Stellung und seine Anspr\u00fcche ge\u00e4ndert w\u00fcrden.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>Ich erinnere mich, dass ich Herrn Hirschel zugeraten habe, mit dem Hinweis, dass ich Herrn Dr. Bauer als Mann von Wort kenne. \u00dcber die weitere Entwicklung dieser Angelegenheiten kann ich . . .<\/em> (fehlt im Text) vermutlich: . . . <em>keine Angaben machen<\/em>. ( . . . ) (IMG_5010.jpg)                                                                                                                                                                                                                                                        <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap has-small-font-size\"> <strong>Dokument 5<\/strong>                                                                                                                                                                       <strong>Brief von Manfred Hirschel<\/strong> <strong>an seinen Anwalt Dr. Dehn<\/strong> [IMG_5011.jpg + IMG_5012.jpg + IMG_5013.jpg] [Abschrift. Seite 70 + 71+72 der Akte]                                                                                                                                                                                      <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">An Herrn Dr. Hans Dehn                                                                                                                                                                  Hamburg 36.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><strong>Sa\u00f5 Paulo, d. 8. Mai 1950<\/strong><em>                                                                                                                                                    <\/em><em>Sehr geehrter Herr Dr. Dehn<\/em> <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>Zum gegnerischen Schriftsatz vom 22. April habe ich folgendes zu erwidern:<\/em> <em>\u201cIch habe niemals behauptet, dass Frau Esslen oder gar Herr Heisig Mitglieder der NSDAP waren. Die Gesinnung des Herrn Heisig als Antifazist war mir bekannt, aus welchem Grunde ich ihm s. Zt. meine Interessenvertretung anvertraute und ihn von mir aus zu meinem Nachfolger vorschlug. Die Gesinnung der Frau Esslen erkannte ich nur aus ihren Handlungen.<\/em>                                                                                                                                     <em>Ihr Rechtsanwalt Dr. Otto H. Bauer war kein Jude, er war Christ, in der Petrikirche getauft worden und war der Verfasser verschiedener antisemitischer Schrifts\u00e4tze in den Prozessen von 1934-35.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>Wenn der eingereichte Spielplan des Waterloo beweisen soll, dass Frau Esslen antinazi oder etwa proj\u00fcdisch eingestellt war, so ist dies ein grosser Irrtum. Der Spielplan umfasst die Zeit vom 30. Juni bis 25. Juli 1933.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>1.) Abgeschlossen wurden diese Filme noch von mir und hatte Frau E. <\/em>[sslen]<em> wie auch ihr Vertreter \u00fcberhaupt keinen Einfluss auf die Programmgestaltung.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>2.) In den meisten Filmen, die ja bereits vor 1933 hergestellt wurden, waren j\u00fcdische Darsteller oder Regisseure t\u00e4tig.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>2.) gab es zu dieser Zeit noch keine nationalsozialistischen Filme, nur einen und der wurde im Waterloo Theater vom 16 \u2013 22. Juni 1933 gespielt. Warum beginnt der Spielplan lt. Anlage erst am 30. Juni und nicht schon am 16. Juni? Man m\u00f6ge dies nachholen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>Soviel ich mich erinnere und ich habe eine sehr gute Erinnerung wurde an diesem Tage, dem 16. Juni auch die Hakenkreuzfahne gehisst, wohl als Zeichen, dass das Theater an diesem Tage reinarisch wurde. Dies Programm war d<\/em><em>er<\/em><em> einzige und ausschliessliche Anlass, wie ich meinem Schriftsatz 15.8.49 dargestellt, der zu der Niederlegung meines Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerpostens f\u00fchrte<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>An dieser Wahrheit werden alle Versuche der Gegenseite, die Schuld mir selbst zuzuschreiben oder meiner finanziellen Verh\u00e4ltnisse <\/em><em>aus fr\u00fcheren Jahren 1930\/31 wegen, scheitern, denn wenn ich <\/em><em><u>vor der Gr\u00fcndung<\/u><\/em><em> der Waterloo. Theater G.m.b.H. verschuldet war, und dies war der<\/em> <em>Fall, so beweist die<\/em><em>s<\/em><em> nur die Schw\u00e4che meiner Position in welcher ich mich befand, als ich meinen Anteil zeitweilig verpf\u00e4nden musste und diese Schw\u00e4che hat Frau E.<\/em>[sslen]<em> auch ausgenutzt. Dass Frau E.<\/em>[sslen] <em>aber auch wiederum diese Zeit 1930\/31 in ihrer Beweisf\u00fchrung anf\u00fchrt und sich hierauf st\u00fctzt um sich der Wiedergutmachung zu entziehen, ist ein starkes St\u00fcck.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>Meine finanziellen Verh\u00e4ltnisse im Jahre 1932 und 1933 waren vollkommen geordnet durch Vertr\u00e4ge und Abmachungen sodass der Versuch, die Schwierigkeiten aus den Jahren 1930\/31 als Anlass oder Grund f\u00fcr die Niederlegung der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung anzunehmen, nicht der Wahrheit entspricht.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>Die Gegner haben auch nicht den leisesten Versuch gemacht, den klaren Tatbestand, niedergelegt in meinem Schriftsatz vom 15.8.1949, zu widerlegen, so dass man diesen Tatbestand als den <\/em><em><u>wahren<\/u><\/em><em> Tatbestand ansehen kann.<\/em> <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>Frau Esslen als Grundeigent\u00fcmerin hatte mir Anfang 1934 das Betreten des B\u00fcros und des Theaters verboten, ander<\/em><em>n<\/em><em>falls ich mich des<\/em> <em>Hausfriedensbruches schuldig machen w\u00fcrde. <\/em><em>Ferner hatte sie mir jegliche Zahlung von Gehalt oder Gewinn verweigert, wodurch sie mich zwang, die unerquicklichsten Prozesse zu f\u00fchren, die zu den bekannten Vergleichen f\u00fchrten.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>Wenn Frau E.<\/em>[sslen]<em> nur ein wenig prohumano eingestellt gewesen w\u00e4re, so h\u00e4tte sie alle<\/em><em>s<\/em><em> tun m\u00fcssen, um das Los der Juden in ihrem Ungl\u00fcck zu erleichtern und nicht, wie sie es getan hat, versucht, Vorteile hieraus zu ziehen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>Dann w\u00fcrde sie auch heute wenigstens den Versuch machen das begangene Unrecht wiedergutzumachen und nicht einen Kampf gegen das Wiedergutmachungsgesetz zu f\u00fchren, den sie bereits seit langem, siehe Schreiben Dr. Stumme aus dem Jahre 1945, vorbereitet hatte.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">[<strong>Anmerkung 2023<\/strong>: Manfred Hirschel bezieht sich hier auf ein Schriftst\u00fcck des Rechtsanwaltes Dr. Carl Stumme. Ein Art Persilschein, den dieser Klara Esslen und Heinz Heisig im August 1945 ausgestellt hatte. Die Britische Milit\u00e4rregierung hatte die Absicht, das Waterloo Kino 1945 zu beschlagnahmen und einen Treuh\u00e4nder einzusetzen. Esslen und Heisig besuchten Dr. Stumme und erbaten diesen Persilschein, der von Dr. Stumme zur Abwehr dieser Beschlagnahme ausgestellt wurde. Als diese Bescheinigung dann von Dr. Juul, dem Anwalt von Clara Esslen, in dem Restitutionsproze\u00df Verwendung fand, erfuhr Dr. Carl Stumme davon und bestand darauf, das dieser Persilschein aus der Prozessakte entfernt werden sollte, was aber nicht geschah, wie man der Akte entnehmen kann]<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>M.E. <\/em>[Mit Einschr\u00e4nkungen] <em>ist es aber gleichg\u00fcltig,<\/em> <em>wie Frau E.<\/em> [sslen] <em>eingestellt ist. Ma\u00dfgeblich ist, dass ohne den Nationalsozialismus respe. einer solchen Regierung ich niemals aus dem Waterloo, welches ich gebaut hatte, ausgeschieden w\u00e4re und noch heute drin w\u00e4re und dies ist doch gerade der Sinn des Wiedergutmachungsgesetzes, dass diejenigen wieder eingesetzt werden sollen in ihren Rechte, deren sie durch oder infolge des Nationalsozialismus beraubt worden sind. Da Frau E. <\/em>[sslen] <em>kr\u00e4ftig Beihilfe geleistet hat, weil ich ihr unsympathisch war und da es ihr pers\u00f6nlicher Vorteil war, mich herauszubekommen, so sind ihre heutigen Erkl\u00e4rungen <\/em><em>aufzufassen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>Auf die Ausf\u00fchrungen der Gegner zu Seite 7 No. 6, dass die bezahlten Betr\u00e4ge \u201cangemessen\u201c seien, m\u00f6chte ich folgende Rechnung aufstellen:<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>Im Jahre 1921 haben Sass, Streit und ich das Theater gekauft und eine verh\u00e4ltnism\u00e4ssig hohe Summe f\u00fcr das Theater bezahlt. Dann haben wir 1928 das Theater f\u00fcr 530.000,<\/em><em>\u2015<\/em><em> um-resp. neuerbaut. Es hatte also mindestens einen Wert von 600.000,<\/em><em>\u2015<\/em><em> . <\/em><em>Da Sass und Streit wegen anderer grosser Bauverpflichtungen austreten wollten, suchte ich einen Sozius und fand ihn in Herrn Esslen, dem Eigent\u00fcmer des Hauses. Derselbe bezahlte f\u00fcr den 50 % Anteil 300.000,<\/em><em>\u2015<\/em><em> . Nach dem Tode des Herrn Esslen trat Frau E.<\/em>[sslen]<em> und Kinder an seine Stelle. Von Anfang an glaubte sich Frau E.<\/em>[sslen] <em>\u00fcbervorteilt und benutzte 1932 bei Abschluss des Vergleichs die Gelegenheit meiner finanziellen Schwierigkeiten <\/em><em>\u2015<\/em><em> \u00fcbrigens verursacht durch den Bau des Waterloo <\/em><em>\u2015<\/em><em> f\u00fcr sich eine Summe, ich glaube, es waren 150.000,&#8212; vorweg zu nehmen und sich aus der Verpf\u00e4ndung bezahlt zu machen. Selbst wenn<\/em> <em>der<\/em> <em>Wert keine 600.000,&#8211; sondern nur 300.000,&#8212; gewesen w\u00e4re, so kann man aus dem Vergleich ersehen, dass ich in keiner Weise angemessen entsch\u00e4digt wurde. . . .<\/em><em>\u201c           <\/em><em> <\/em>( . . . )                                                                                                                                                <em>Hier\u00fcber m\u00fcssten evtl. Zeugen vernommen werden aus Theaterbesitzerkreisen und nicht etwa der Richter Herr Dr. Kreiss und Dr. Stumme. Dies wiederum hat nur Sinn und Zweck, wenn das Gericht anerkennt das Umst\u00e4nde aus dem Jahre 1931 mit dem Nationalsozialismus, der erst 1933 kam, nicht das mindeste zu tun haben und mich daher nicht haben veranlassen k\u00f6nnen eine gesicherte und lohnende Position aufzugeben.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>Zu III Seite 8. Erstens bin ich nicht abberufen worden, habe auch niemals meinen Posten zur Verf\u00fcgung gestellt, sondern habe unter Druck mein Amt als Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer niedergelegt, siehe wiederum mein Schreiben vom 15.8.1949. Zweitens sind alle Anspielungen auf <u>Unehrenhaftigkeit<\/u> Verleumdungen, die an meiner Person jedoch abprallen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>Ich bin fast 14 Jahre in Brasilien, habe nur grosse Vertrauensstellungen eingenommen und wen es interessiert, kann Auskunft \u00fcber mich vom Internationalen Auskunftsb\u00fcro R.G. Dun &amp; Co. erhalten, auch \u00fcber meine Firma, die einen internationalen guten Namen hat.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>Was die Gegner \u00fcber Reichsfilmkammer unter Berufung des Zeugen Adam schreiben, dass dieser keinen Druck oder Einflussnahme auf Frau E.<\/em>[sslen]<em> ausge\u00fcbt haben und das diese erst in Januar 1936 gegr\u00fcndet wurde, so darf ich wohl daran erinnern, dass die s. Zt. offizielle Politik der Regierung oder deren Instanzen nichts mit der Wirklichkeit zu tun hatten und dass seit dem Boykott April 1933 ein direkter und indirekter Druck von der Partei, die ja bereits existierte ausge\u00fcbt wurde, das alle Juden aus den Theatern Kinos und Presse verschwanden.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>Ein weiterer Beweis dieses Drucks ist der Verkauf unseres Theaters am Nobistor. Dieses, eines der besten Volkstheater Hamburgs auf der Reeperbahn war 23 Jahre im Besitz meiner Mutter und waren mein Bruder und ich ebenfalls daran beteiligt, mussten wir bis zum 1. November 1933 verkauft haben, ohne es zu m\u00fcssen oder waren meine pers\u00f6nlichen Umst\u00e4nde aus den Jahren 1930-31 auch daran Schuld?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>Wir verkauften dies Theater an Frau Erna Vogt am 18. Oktober 1933 mit Genehmigung der nationalsoz. Verbandsorganisation, Reichsfilmkammer oder wie sei sich z. Zt. genannt hat. \u00dcbrigens ist in dem Frau Esslen vor Gericht abgeschlossenen Vergleich auch schon von der Reichsfilmkammer die Rede, die erst 1936 in Funktion trat? (Vergleich vom &#8211; Anmerkung handschriftlich am Rand vom 13. Mai 1935).<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>Ehemann der Frau Erna Vogt Herr Oscar Vogt wird sicherlich gerne best\u00e4tigen, dass wir das Theater gezwungenermassen im Oktober 1933 an ihn resp. seine Ehefrau abtraten. Gegen ihn haben wir keine Anspr\u00fcche im Wiedergutmachungsverfahren gestellt, da erstens das Theater nicht mehr existiert (Ausgebombt) zweitens das Ehepaar niemals versucht hatte, aus unserem Ungl\u00fcck Sondervorteile zu ziehen und sich stets einwandfrei und korrekt benommen haben, trotzdem der gezahlte Preis weit unter Wert war.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>Wenn das Theater noch existieren w\u00fcrde, und wenn wir Anspr\u00fcche (in) gestellt h\u00e4tten, so bin ich \u00fcberzeugt, dass wir uns in kurzer Zeit aussergerichtlich verst\u00e4ndigt h\u00e4tten, genau so bin ich \u00fcberzeugt, dass wenn ich meinen Anteil am Waterloo frei h\u00e4tte verkaufen k\u00f6nnen an einen Herrn, ich heute nicht n\u00f6tig h\u00e4tte, lange Prozesse zu f\u00fchren.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>Das Gericht bitte ich feststellen zu wollen, dass meine Angaben, die nicht widerlegt wurden, als den Tatsachen entsprechend anzusehen sind und meine Anspr\u00fcche daher grunds\u00e4tzlich zu bejahen sind.         Ich habe schon in fr\u00fcheren Ausf\u00fchrungen dargelegt, dass es nicht glaubhaft w\u00e4re, Vertr\u00e4ge von sich aus aufzugeben, die einem Existenz und lohnende Position geben, wenn man nicht dazu gezwungen wird, durch \u00e4u\u00dfere Umst\u00e4nde.                                                                                                                                                                           Diese \u00e4u\u00dferen Umst\u00e4nde war das Programm des Waterloo Theaters  vom 16. bis 22. Juni 1933<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">gez. Manfred Hirschel<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap has-small-font-size\"><strong>Dokument 6<\/strong>                                                                                                                                                                                     <strong>Richard Adam schreibt ans Gericht<\/strong>                                                                                                                       Abschrift   [IMG_5037.jpg,  Seite 64 der Akte Hirschel gegen Esslen]                                                         <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Brief an das Landgericht Hamburg Wiedergutmachungskammer Hamburg 37                                          Kampen \/ Sylt, d. 25.7. 1951                                                                                                                                       Aktenzeichen 1 Wik 2\/50 In Sachen Hirschel L\/,1 Esslen<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Ihre Zeugenvorladung in obiger Angelegenheit vom 17. Juli mit dem Poststempel vom 23. Juli erreichte mich heute hier in Kampen a. Sylt, wohin ich seit einiger Zeit meinen Wohnsitz verlegt habe.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Ich bin gerne bereit, als Zeuge zu erscheinen, mache Sie jedoch darauf aufmerksam, dass mir dadurch Fahrtkosten 2. Klasse Eisenbahn DM 54.20 entstehen. Ich bitte Sie, mir diesen Betrag rechtzeitig vorher zuzusenden und zwar an die Adresse Richard Adam, Kampen a. Sylt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Ich sehe Ihrer entsprechenden Nachricht entgegen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Hochachtungsvoll                                                                                                                                                        Richard Adam<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap has-small-font-size\"><strong>Dokument 7<\/strong>                                                                                                                                                                           <strong>Beschlu\u00df Richard Adam wird verlegt.<\/strong>                                                                                                                              [Seite 95 der Akte- IMG_5038.jpg]                                                                                                                       Beschlu\u00df in der Sache Hirschel gegen Esslen, Bevollm\u00e4chtigter RA. Dr. Dehn, Hamburg, Antragsteller gegen Esslen, Bevollm\u00e4chtigter RA. Dr. Hans Juul Hamburg, Antragsgegner hat das Landgericht 1. Wiedergutmachungskammer durch folgende Richter 1. Landgerichtsdirektor Dr. Joost, als Vorsitzender 2. Landgerichtsrat Dr. Warmbrunn, 3. Landgerichtsrat Engelschall am 31. Juli 1951 beschlossen: <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Der Beweisbeschlu\u00df vom 17. Juli 1951 wird dahin abge\u00e4ndert, da\u00df der nach Kampen auf Sylt verzogene Zeuge Richard Adam durch Ersuchen des \u00f6rtlich zust\u00e4ndigen Amtsgerichtes in Westerland zu vernehmen ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Drei unleserliche Unterschriften.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Vermutlich Joost, Warmbrunn, Engelschall.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap has-small-font-size\"><strong>Dokument 8<\/strong>                                                                                                                                                                          <strong>Abschrift. Richard Adam.<\/strong> <strong>Zeugenvernehmung in Westerland<\/strong>                                                                             Das Amtsgericht. Westerland, den 15. August 1951. Seite 98 der Akte.  [IMG_5042. jpg und IMG_5043.jpg]                                                                                                                                                              Gegenw\u00e4rtig: Amtsgerichtsrat Dr. Petersen als Richter, Justizangestellte Unruh als Urkundsbeamter der Gesch\u00e4ftsstelle.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">In Sachen Hirschel gegen Esslen erschienen bei Aufruf                                                                                           1.) f.d. Antragsteller \u2015 niemand \u2015                                                                                                                                     2.) f\u00fcr die Antragsgegnerin \u2015 RA. Dr. Juul aus Hamburg                                                                                           3.) Nachbenannter Zeuge Adam.                                                                                                                             Nachdem der Zeuge auf die Bedeutung des Eides sowie die Strafbarkeit einer falschen uneidlichen Aussage hingewiesen worden war, wurde er, wie folgt, vernommen.                                                              <strong>z.P<\/strong>.:<em> Richard Adam, 57 Jahre alt. Filmtheaterbesitzer. wohnhaft z.Zt. Kampen \/Sylt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><strong>z.S.<\/strong>: <em>Ich bin vom 1932 bis 1934 xxxxxxx Landesfilmstellenleiter der NSDAP. in Hamburg gewesen. Vorher war ich privater Filmverleiher. Ich trat an die NSDAP. heran, um deren Filme verleihen zu k\u00f6nnen. Zun\u00e4chst kaufte ich die Filme der NSDAP. und verlieh sie auf eigene Rechnung. Vom Jahre 1933 ab wollte die Partei den Verdienst jedoch selbst einziehen. Von dieser Zeit an konnte ich die Filme nicht mehr selbst\u00e4ndig verleihen. Deshalb gab ich im Jahre 1934 die T\u00e4tigkeit auf. Zu der Zeit wurden die Landesfilmstellen aufgel\u00f6st. Es wurden Gaufilmstellen errichtet, die dem Gauleiter unterstanden. Von 1934 an bin dann Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Reichsverbandes Deutscher Filmtheater, Abt. Norddeutschland, gewesen. Zu der Zeit handelte es sich noch um eine Organisation der Privatwirtschaft, die die Interessen der. Filmtheater zu vertreten hatte. Der Gauleiter mu\u00dfte allerdings schon damals mit der Besetzung des Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerpostens einverstanden sein. Die Partei hielt sich jedoch bis zu meinem Ausscheiden aus dieser T\u00e4tigkeit im Jahre 1936 jeder Eingriffe.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>Ich hatte keine Befugnis dazu, in die Verh\u00e4ltnisse einzelner Filmtheater einzugreifen. Ich habe das auch nie getan. Insbesondere habe ich nie erkl\u00e4rt oder gar darauf gedr\u00e4ngt, da\u00df der Antragsteller seine Beteiligung an der damaligen Waterloo Theater GmbH aufzugeben habe. Mir ist auch nicht bekannt, da\u00df von irgendeiner Seite darauf gedr\u00e4ngt worden ist, da\u00df der Antragsteller seinen Posten als Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Gesellschaft aufzugeben habe.<\/em> [IMG_5043.jpg]  [Seite 99 der Akte] .<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Auf Befragen des Vertreters der Antragsgegnerin:                                                                                                   <em>Im Jahre 1933 bestanden ausser der Landesfilmstelle der NSDAP. und des Reichsverbandes Deutscher Filmtheater keine weiteren Institute, die sich mit den Belangen der Filmwirtschaft befa\u00dften.                                                                                                                                                                                    Ich halte es f\u00fcr ausgeschlossen, da\u00df einer meiner damaligen Angestellten nach der Macht\u00fcbernahme bei der Waterloo-GmbH angerufen und erkl\u00e4rt hat, da\u00df der Antragsteller seinen Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerposten niederzulegen habe.                                                                                                                                           Dienststellenleiter hatte ich nicht. Ich halte es auch f\u00fcr ausgeschlossen, da\u00df eine Parteidienststelle einen solchen Anruf gemacht hat. Wenn ein solcher Anruf von irgend einer Seite erfolgt w\u00e4re, so h\u00e4tte Herr Heisig mich sicher dar\u00fcber unterrichtet.  Auf die persone<\/em>lle Besetzung hat die NSDAP. erst xx vom Jahre 1936 ab Einflu\u00df genommen.                                                           <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>Auf die Programmgestaltung der Filmtheater ist kein Einflu\u00df genommen worden. Sobald die Filme von der Zensur freigegeben worden waren, konnte jeder Theaterbesitzer die Filme auff\u00fchren, die er zeigen wollte. <\/em>[Offenbar ist der Widerspruch, der in dieser \u00c4usserung steckt, bis heute nicht weiter aufgefallen]                                                                                                                                                                             <em>Frau Esslen und Herr Heisig haben niemals bei mir darauf hinzuwirken versucht, da\u00df etwas gegen den Antragssteller als Juden unternommen werden sollte. Es war mir damals bereits bekannt da\u00df Herr Heisig anti-nationalsozialistisch eingestellt war und zwar sogar sehr stark.                                                                                 <\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>In der ganzen Filmbranche war bekannt, da\u00df der Antragsteller sehr stark verschuldet war. Ich bin der festen \u00dcberzeugung, da\u00df er wegen dieser Verschuldung aus der Waterloo-G.m.b.H. auch ausgeschieden w\u00e4re, wenn die Macht\u00fcbernahme durch die NSDAP. im Jahre 1933 nicht gekommen w\u00e4r<\/em>e.                                     Nach Diktat genehmigt.  Dr. Petersen geschl. Unruh<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap has-small-font-size\"><strong>Dokument 9<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><strong>Kein Zeugengeld<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">[IMG_50 46.jpg, Seite 1003 AR. 178\/51]                                                                                                          Beschlu\u00df                                                                                                                                                                                       Der Antrag des Kaufmanns Richard Adam aus Kampen\/ Sylt, ihm als Zeugen eine Entsch\u00e4digung von 7,&#8211; DM f\u00fcr die Benutzung eines eigenen Kraftwagens zu gew\u00e4hren, wird abgelehnt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><strong>Gr\u00fcnde:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>Der Zeuge ist am 15. August 1951 in der Wiedergutmachungssache Hirschel gegen Esslen (LG. Hamburg Wik. 2\/50) vernommen worden. Er hat f\u00fcr die Fahrt von seinem Wohnort Kampen nach Westerland und zur\u00fcck seinen eigenen Wagen benutzt und beantragt, ihm hierf\u00fcr eine Verg\u00fctung von 7,&#8211; DM festzusetzen. Wie ein Zeuge zu entsch\u00e4digen ist, ist in der Geb\u00fchrenordnung f\u00fcr Zeugen und Sachverst\u00e4ndige geregelt. Als Reiseentsch\u00e4digung<s> wird <\/s>sind nach \u00a7 8 der Geb. O. die nach billigen Ermessen in dem einzelnen Falle erforderliche Kosten zu gew\u00e4hren.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>Daraus folgt, da\u00df regelm\u00e4\u00dfig das billigste Bef\u00f6rderungsmittel zu benutzen ist. Das w\u00e4re in diesem Falle die Kleinbahn oder der Omnibus gewesen. Richtig ist es, da\u00df der Zeuge dann, um den Termin wahrnehmen zu k\u00f6nnen, \u00fcber 5 Stunden von seinem Wohnort entfernt gewesen w\u00e4re.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>Wenn der Zeuge eine Entsch\u00e4digung f\u00fcr Zeitvers\u00e4umnis verlangen w\u00fcrde (\u00a7 6 Geb.O.) und dann die Gesamtentsch\u00e4digung h\u00f6her sein w\u00fcrde als der f\u00fcr die Benutzung eines eigenen Kraftwagens zu verg\u00fctende Betrag, so k\u00f6nnte er die Summe verlangen, die \u00fcblicherweise bei Inanspruchnahme eines Kraftwagens erstattet wird.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>Da der Zeuge aber eine Entsch\u00e4digung f\u00fcr Zeitvers\u00e4umnis nicht beansprucht, kann er nur eine Entsch\u00e4digung in H\u00f6he der Omnibus- oder Bahnfahrkosten, die sonst entstanden w\u00e4ren, &#8211; das sind 1,&#8211; DM erstattet bekommen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Westerland, d. 18. August 1951<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Das Amtsgericht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Dr. Petersen. [Amtsgerichtsrat] <strong>[Richter]<\/strong> Das Amtsgericht. Westerland, den 15. August 1951. [Seite 98 der Akte] [IMG_5042. jpg und IMG_5043.jpg] [Handschriftlich vermerkt: 2 x ab Protokollabschriften an den Anw\u00e4lten 22. 8. 52] Warmbrunn 22.08.52 Gegenw\u00e4rtig: Amtsgerichtsrat Dr. Petersen als Richter, Justizangestellte Unruh als Urkundsbeamter der Gesch\u00e4ft stelle.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap has-small-font-size\"><strong>Dokument 10<\/strong>                                                                                                                                                                       <strong>Zeuge Hans Struckmeyer<\/strong>                                                                                                                                                        12. November 1951. Seite 111 der Akte [IMG 5074.jpg\u2015IMG_5075.jpg]                                                \u00d6ffentliche Sitzung. Zeugenvernehmung Hans Struckmeyer im Prozess Hirschel gegen Esslen. Anwesend: RA. Dr. Dehn RA H. Juul 14.15. Uhr Frau Esslen und Herr Heisig. Dr. Warmbrunn als Einzelrichter Manfred Hirschel .\/.                                                                                                                                    1.) Waterloo Theater GmbH,                                                                                                                                               2.) Frau Klara Esslen und ihre minderj\u00e4hrigen Kinder,                                                                                                   3.) Heinrich Heisig                                                                                                                                                           Erschienen bei Aufruf f\u00fcr den Antragsteller RA. Dr. Dehn, f\u00fcr den Antragsgegner RA. Dr. H. Juul und Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Heisig sowie nachstehend benannter Zeuge.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><strong>Zeuge Struckmeyer:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><strong>Zur Person<\/strong>: <em>Ich hei\u00dfe Hans Struckmeyer, bin 62 Jahre alt, Kaufmann in der Filmtheaterbranche in Hamburg, ohne Beziehung zu den<\/em> Beteiligten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em><strong>Zur Sache:<\/strong> In der Zeit vor dem Jahr 1933 war ich Vorsitzender des Verbandes Norddeutscher Filmtheater e. V., der die Belange der Inhaber von Lichtspieltheatern wahrnahm. Herr Hirschel war f\u00fcr seine Person nicht Mi<\/em>tglied,<em> sondern sogenannter Au\u00dfenseiter.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>Ich war damals Mitinhaber eines Lichtspielhauses in der M\u00f6nckebergstrasse <\/em>[Passage Kino, M\u00f6nckebergstrasse 17 \u2015 1930 \u2015 976 Sitzpl\u00e4tze]<em> und befa\u00dfte mich au\u00dferdem mit der \u201cVerleihung\u201c von Filmen. Ich erinnere mich genau, das in den Jahren etwa 1931\/32 jedenfalls vor dem politischen Umschwung des Januar 1933 Herr Hirschel, den ich pers\u00f6nlich gut kannte, sich in erheblichen wirtschaftlichen Schwierigkeiten befand.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>Da er seinen Zahlungsverpflichtungen gegen\u00fcber Filmverleihern nicht nachgekommen war, war eine Treuhandschaft eingerichtet worden, die es sich zur Aufgabe gemacht hatte, die verf\u00fcgbaren Einnahmebetr\u00e4ge aus der Treuhandschaft des Waterloo-Theaters pro rata unter den Gl\u00e4ubigern zu ve<\/em>r<em>teilen<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>Die Grundlage der T\u00e4tigkeit war eine Vereinbarung, aufgrund deren der damalige Rechtsanwalt Dr. Eisner f\u00fcr die Belieferung des Waterloo-Theaters beteiligten Filmverleihern die Einnahmen in Empfang nehmen und anteilig der Forderungen verteilen sollte. So ist es auch eine Zeitlang geschehen. Aus welchem Anla\u00df und zu welcher Zeit Herr Hirschel seine T\u00e4tigkeit im Waterloo-<\/em>Theater <em>eingestellt hat, ist mir nicht bekannt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>Ich bin nur befa\u00dft gewesen, wie die Schulden des Herrn Hirschel an Filmverleihern beglichen wurden, nicht aber dar\u00fcber unterrichtet, wann und in welcher Weise seine sonstigen Verbindlichkeiten abgedeckt worden sind.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>Allgemein kann ich nur zu der Lage \u201cj\u00fcdischer Filmtheater\u201c in der ersten Zeit n<\/em>ach der sogenannten Macht\u00fcbernahme folgendes erw\u00e4hnen:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>Meine Position im Verband Norddeutscher Filmtheater habe ich bis zum Sommer 1934 beibehalten. Mein Nachfolger war ein Herr Roman,<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">[richtig: Paul Romahn, der Buchhalter (\u201cder Syndikus\u201c) vom Henschel Film- und Theaterkonzern]<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>nach der Umorganisation im Rahmen der Schaffung einer Reichsfilmkammer wurde es Herr Adam <\/em>[Richard Adam]<em>. Auf die Abgabe von Theatern durch j\u00fcdische Inhaber oder auf Entlassung j\u00fcdischer Angestellter wurde in der ersten Zeit nach dem politischen Umschwunge nicht hingewirkt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>Wenn mir mitgeteilt wird, da\u00df Herr Hirschel behauptet, Mitte Juni 1933 durch politischen oder rassistischen Druck aus seiner Position verdr\u00e4ngt worden zu sein, so halte ich die Richtigkeit des V<\/em>ortragens f\u00fcr unwahrscheinlich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>Vielmehr ist anzunehmen, da\u00df andere Gr\u00fcnde damals f\u00fcr sein Ausscheiden ma\u00dfgebend gewesen sind. Ich wei\u00df auch nichts davon, da\u00df damals au\u00dfer den Wirtschaftsverb\u00e4nden andere Stellen Einflu\u00df auf die personelle Besetzung der<\/em> <em>Filmtheater nahmen<\/em>.<em> Die Schauburg-Theater an denen Juden beteiligt waren, <\/em>[Man beachte die Wortwahl!]<em> haben noch lange Zeit, sicher bis in das Jahr 1934 hinein, unter Beibehaltung ihrer Leitung und ihres Personals gespielt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>Sp\u00e4ter sind \u00c4nderungen durch Verpachtung oder durch \u00e4hnliche Weise herbeigef\u00fchrt worden. Ich selbst bin in der Lage gewesen, einen j\u00fcdischen Angestellten, wenn auch schlie\u00dflich unter Tarnung, bis in den Krieg hinein (1943) zu besch\u00e4ftigen, der zur\u00fcckgekehrt ist und jetzt wieder in meinen Diensten steht. [!]<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>Herr Adam<\/em> [Richard Adam]<em> bet\u00e4tigte sich in der Zeit vor dem Jahre 1933 im Vertrieb nationalsozialistischer Propagandafilme, erzielte aber dabei, so weit mir bekannt, keine besonderen Erfolge. Sp\u00e4ter hat er sich meiner Kenntnis nach an der Arisierung eines Theaters in Kiel<\/em> [Adam, Romahn und Sch\u00fcmann] beteiligt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>Adam <\/em>[Richard Adam]<em> war zun\u00e4chst nur irgendwie in der Propaganda der NSDAP t\u00e4tig und kam in das Verbandsleben erst zu einem sp\u00e4teren Zeitpunkt hinein. Es w\u00e4re zu meiner Kenntnis gelangt, wenn aufgrund irgendwelcher h\u00f6herer Weisungen Herr Hirschel zur Aufgabe seiner T\u00e4tigkeit gezwungen worden w\u00e4re. Ich habe hiervon aber nichts erfahren.          <\/em>                                                                                Vorgelesen und genehmigt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Hierauf trat die besetzte Kammer, Landgerichtsrat Dr. Warmbrunn als Vorsitzender, Amtsgerichtsrat Ehrhard, Landgerichtsrat Engelschall zusammen. Die Anw\u00e4lte wiederholten ihre fr\u00fcheren Antr\u00e4ge und verhandelten zur Sache. Beschlossen und verk\u00fcndet: Eine Entscheidung soll den Parteien zugestellt werden. Warmbrunn Ke\u00dfler<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap has-small-font-size\"><strong>Dokument 11<\/strong>                                                                                                                                                                            <strong>Sie sind damit durchgekommen<\/strong>                                                                                                                                                    16. Juni 1952 Seite 170 der Akte [IMG _5132.jpg]                                                                                                          An das Landgericht Hamburg 1. Wiedergutmachungskammer<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>In Sachen Manfred Hirschel gegen Waterloo-Theater GmbH. (RAe. Dres. Dehn, Wiegers pp.) .\/. (RA Dr. Hans Juul) schliessen die Parteien ohne Pr\u00e4judiz f\u00fcr ihren gegenseitigen Rechtsstandpunkt und zur Erledigung aller gleich wie gearteten Anspr\u00fcche, die den Antragsteller aus seiner fr\u00fcheren T\u00e4tigkeit als Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer bei der Waterloo-Theater GmbH Hamburg bezw. heute noch zustehen sowie als Ersatz f\u00fcr die ihm zustehenden Nutzungen den nachstehend formulierten Vergleich.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em><strong>1)<\/strong> Die Waterloo-Theater GmbH zahlt dem Antragsteller eine einmalige Abfindung in H\u00f6he von DM 50.000,&#8211;.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em><strong>2)<\/strong> Die Zahlung erfolgt dergestalt, dass am Montag, d. 16 Juni 1952, DM 10.000,&#8211; in bar gezahlt werden. Der Antragsteller zeigt den Empfang dieser ersten Rate zu gerichtlichem Protokoll an.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em><strong>3)<\/strong> Die \u00fcbrigen werden die restlichen DM 40.000,&#8211; in 8 Monatsraten \u00e1 DM 5.000,&#8211; bezahlt,<\/em> <em>jeweils am 15. eines jeden Monats, beginnend am 15. Juli 1952.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em><strong>4)<\/strong> Die Restschuld wird gesichert durch Depotwechsel, welche dem Prozessbevollm\u00e4chtigten des Antragstellers in Depot gegeben werden, der jeweils Zug uKurt Leo Eisnerm Zug gegen Leistung einer F\u00e4lligkeitsrate einen<\/em> <em> dieser Depotwechsel an die Waterloo-Theater GmbH. zur\u00fcckgibt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><strong>5)<\/strong> Die Waterloo-Theater \u00fcbernimmt die Kosten des Rechtsstreits. <em>F\u00fcr Herrn Manfred Hirschel Der Rechtsanwalt Dehn F\u00fcr die Waterloo-Theater Gm<\/em>bH. <em>Der Rechtsanwalt Juul.<\/em> <style type=\"text\/css\">p { margin-bottom: 0.25cm; line-height: 120%; background: transparent }strong { font-weight: bold }a:link { color: #000080; so-language: zxx; text-decoration: underline }<\/style>                                                       <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap has-small-font-size\">\u00dcbrigens hat sich die loyale Haltung von Heinz Bernhard Heisig gegen\u00fcber der Grundbesitzerin Clara E.  nicht ausgezahlt. Das hat Heisig sp\u00e4testens gemerkt, als sie das Kino an MGM verkauft hatte und er diese Neuigkeit aus der Zeitung erfahren hatte. <\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-resized\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/40458EsslenCollonil.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"556\" height=\"700\" src=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/40458EsslenCollonil.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-21684\" style=\"width:218px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/40458EsslenCollonil.jpg 556w, https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/40458EsslenCollonil-238x300.jpg 238w\" sizes=\"auto, (max-width: 556px) 85vw, 556px\" \/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n<div class=\"wp-block-image is-resized\">\n<figure class=\"alignright size-full\"><a href=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Nilpferdzwinkert-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"993\" height=\"756\" src=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Nilpferdzwinkert-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-17883\" style=\"width:163px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Nilpferdzwinkert-1.jpg 993w, https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Nilpferdzwinkert-1-300x228.jpg 300w, https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Nilpferdzwinkert-1-768x585.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 1362px) 62vw, 840px\" \/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"has-drop-cap has-small-font-size\">Hallo J., Deinen Brief habe ich noch nicht gelesen, jedenfalls nur bis zu Deiner Becherpendelfrage. Und weil ich gerade an was ganz Langweiligem sitze, von dem ich mich mit Begeisterung ablenken lasse, habe ich doch prompt angefangen, ueber Deine Becher nachzudenken. Hier ist die Frucht meiner Ueberlegungen:                                                                                                                               Bei Deinen aufgehaengten Bechern handelt es sich um Pendel im Sinne der Physik. Ein Pendel ist \u2013 ich zitiere \u2013 \u201eein starrer Koerper beliebiger Form und Massenverteilung (trifft auf Deine Becher zu), der um eine horizontale Achse (den Haken), die nicht durch seinen Schwerpunkt geht (eindeutig nicht, der liegt tiefer), unter dem Einfluss der Schwerkraft Schwingungen um seine Ruhelage ausfuehrt\u201c. Ich zitiere weiter: \u201eBringt man ein solches Pendel aus seiner vertikalen Ruhelage (was ja beim Aufhaengen offensichtlich gegeben ist), schwingt es unter dem Einfluss der Schwerkraft zurueck und wird zwischen den beiden Umkehrpunkten um die tiefstmoegliche Position weiterschwingen.\u201c Dass diese Pendelbewegungen kleiner werden und Deine Becher schlie\u00dflich zur Ruhe kommen, liegt (behaupte ich jetzt mal) an der Reibung. Dass es so lange dauert, liegt wiederum daran (behaupte ich jetzt ebenfalls mal), dass der Reibungsverlust nicht besonders gross ist: Porzellan auf Metall, zwei glatte Oberflaechen. Insofern hat die Schwerkraft schon was damit zu tun. Die zieht sozusagen von unten am Schwerpunkt deines Bechers (spaetestens hier wuerde mein alter Physiklehrer in Traenen ausbrechen :-), der aber, einmal aus seiner Ruhelage gebracht, in beide Richtungen ueber das Ziel (den Schwerpunkt) hinausschiesst, bis die gesamte Bewegungsenergie wieder in potenzielle Energie umgewandelt ist und der Becher endlich Ruhe gibt. Klingt doch plausibel, oder? Ich bin zufrieden mit mir.           Wiebeke                                                                                   <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">Hallo Wiebeke,<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap has-small-font-size\"> j<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">a das hast Du gut erkl\u00e4rt. Was ich noch vergessen hatte: Ich hatte und habe den Verdacht, das Clara Esslen vielleicht die Tochter des Schuhmachermeisters Ferdinand Koglin war, der 1909 in der Berliner Kantstra\u00dfe Nr. 2  seinen Laden hatte. Eigentlich kam der Verdacht deshalb auf, weil Karl Friedrich Esslen als Vertreter der Schwedischen Firma Collan Olja bestimmt bei vielen Schustern und Schuhmachermeistern vorstellig geworden ist, um ihnen sein Leder\u00f6l anzubieten und sp\u00e4ter auch mit der Schuhcreme mit Namen Collonil. Und dieser Schuhmachermeister Koglin ist der einzige Schumachermeister  in dem Scherl Adressbuch von Berlin von 1909  mit Namen Koglin. Und ausserdem war er auch noch der Hausbesitzer des Hauses in Charlottenburg in der Kantstra\u00dfe 2. Wie findest Du das? J.                                                                                                                          <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap has-small-font-size\"><strong>Apropos Carl Stumme und der Persilschein:<\/strong>                                                                                                       noch ein Zitat aus einem Brief vom 11. Juni 1952 [IMG_5125.jpg + IMG_5126.jpg], Originalton Dr. Carl Stumme: <em>&#8222;Ende August  1945 erschienen bei mir Frau Esslen und Herr Heisig. Sie fragten mich, ob ich best\u00e4tigen k\u00f6nne, dass Frau Esslen die im Vergleich 1935 \u00fcbernommenen Verpflichtungen loyal erf\u00fcllt h\u00e4tte. Das habe ich nach meiner besten Erinnerung bejaht. Sie teilten  mir dann mit, dass die Milit\u00e4rregierung, wenn ich recht erinnere, die Film-Section, beabsichtige Frau Esslen das Waterloo-Theater zu nehmen und einen Treuh\u00e4nder hineinzusetzen. Das w\u00fcrde verhindert werden k\u00f6nnen, wenn ich eine Bescheinigung ausstellen w\u00fcrde.  <\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap has-small-font-size\"><em>Dazu habe ich mich bereit erkl\u00e4rt, weil ich der Ansicht war, dass zu einem Eingreifen der Milit\u00e4rregierung nach Sachlage keine Veranlassung best\u00e4nde. Das R\u00fcckerstattungsgesetz war noch nicht ergangen. Man stand damals unter dem Eindruck, dass  eine R\u00fcckerstattung nur infrage k\u00e4me, wenn  Werte unter Anwendung eines gewissen Druckes Juden entzogen worden seien. Ich bemerke ausdr\u00fccklich, dass ich die Bescheinigung nur zu dem Zweck erteilt hatte, sie der Film-Section vorzulegen. <\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap has-small-font-size\"><em>Als ich dann einige Jahre sp\u00e4ter, wenn ich recht erinnere, durch Herrn Dr. Dehn, erfuhr, dass der Prozessbevollm\u00e4chtigte von Frau Esslen und Herrn Heisig, Herr Rechtsanwalt Dr. Juul, meine damals erteilte Bescheinigung als Beweisdokument im R\u00fcckerstattungsverfahren vorgelegt hatte, habe ich Herrn Dr. Juul das vorgehalten und ihm gesagt, dass ich unter keinen Umst\u00e4nden damit einverstanden sein k\u00f6nne, dass diese nur zu einem bestimmten Zweck erteilte Bescheinigung  im Wiedergutmachungsverfahren  gegen Herrn Hirschel verwendet werde. Herr Dr. Juul sah das ein. Ich habe dann gemeinsam mit Herrn Dr. Juul und im Einverst\u00e4ndnis mit dem Vertreter des  Herrn Hirschel, Herrn Dr. Dehn, Herrn Landgerichtsdirektor Dr. Jost aufgesucht und dieser hat mir dann auf meine Bitte die Originalbescheinigung  vom 30. August 1945 mir aus der Akte zur\u00fcck gegeben, damit sie <strong>nicht<\/strong>  im Prozess verwandt wurde. Ich spreche deshalb nochmals auch bei dieser Gelegenheit die Bitte aus:<\/em> <strong>diese Bescheinigung als nicht erteilt zu betrachten.<\/strong>     Hallo Wiebeke, ja die Tasse ganz rechts ist aus dem ehemaligen Hamburger Hafenkrankenhaus entwendet worden, J.    Hallo Wiebeke, ja und immer wenn man an der Deutschen Geschichte ein wenig krazt, kommt wieder etwas hervor. Den Namen Prochnownick fand ich doch sehr ungew\u00f6hnlich. Und mein Verdacht hat mich nicht get\u00e4uscht. Ich finde ihn in dem Buch: Hamburger J\u00fcdische Opfer  des Nationalsozialismus auf 334, dort steht: <strong>Prochnownick, Wilhelm,<\/strong>   19.09. 1878  Hamburg,1943 KZ Fuhlsb\u00fcttel, 27.03. 43 Hamburg, KZ Fuhlsb\u00fcttel. Es gibt auch einen Stolpersteintext, geschrieben von Dr. Heiko Morisse aus Hamburg.                                                                                                     <\/p>\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/Zwei-oder-drei-Dinge-ueber-WProchnonick.pdf\">PDFZwei oder drei Dinge \u00fcber Wilhelm Prochnownick<\/a><\/p>\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/nilpferd_tumb.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1042\" height=\"830\" src=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/nilpferd_tumb.png\" alt=\"Nilpferd\" class=\"wp-image-15\" style=\"width:161px;height:auto\"\/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Zeichnung Helga Bachmann<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em>                         <\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><em> <\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Briefe an Wiebeke (XXXVI) Die Gesinnung erkennt man an den Handlungen: Die falsche Schlange Clara. 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