{"id":23611,"date":"2023-08-07T06:39:45","date_gmt":"2023-08-07T06:39:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.medienberatungev.org\/?p=23611"},"modified":"2025-05-07T16:11:38","modified_gmt":"2025-05-07T16:11:38","slug":"apropos-hans-bernd-gisevius-iii","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.medienberatungev.org\/?p=23611","title":{"rendered":"Apropos Hans Bernd Gisevius  (III)"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>(Zeichen 2.973)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Apropos Hans Bernd Gisevius (III)<\/strong><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full\"><a href=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Gisevius-Nuernberg.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"210\" height=\"156\" src=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Gisevius-Nuernberg.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-23478\"\/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Hans Bernd Gisevius als Zeuge in N\u00fcrnberg<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/PDF-Apropos-Hans-Bernd-Gisevius-III.pdf\">PDF Apropos Hans Bernd Gisevius (III)<\/a><\/p>\n\n\n<p>Auf Seite 86 seines Buches <strong>\u00bb<\/strong><strong>Bis zum bittern Ende<\/strong><strong>\u00ab<\/strong> [1946] schreibt Hans Bernd Gisevius:<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;In der Tat war besagter <\/em>[Adolf]<em> Rall auf Gehei\u00df der Gestapo nach Berlin beordert und eingehend verh\u00f6rt worden. Diese Vernehmungen hatten sich in <\/em>[Hubert] <em>Gei\u00dfels <\/em>[Kriminalrat] <em>Zimmer abgespielt. Nach ihrer Beendigung wurde der H\u00e4ftling eines Nachts aus dem Polizeipr\u00e4sidium geholt. Angeblich sollte es sich um eine kurze Gegen\u00fcberstellung handeln. In Wirklichkeit mu\u00dfte er sich in der Prinz-Albrecht-Stra\u00dfe bis aufs Hemd ausziehen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Dann fuhren sie zu viert, den vor K\u00e4lte und Todesangst zitternden <\/em>[Adolf] <em>Rall unten ins Auto gepfercht, zur Stadt hinaus. Dort, wo die Gelegenheit g\u00fcnstig schien, machten sie halt, und was sich dann ereignete, wu\u00dfte jener unbekannte SA-Mann, er hie\u00df <\/em>[Karl] <em>Reineking, scheu\u00dflich plastisch zu berichten.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Sie sahen an einem Waldesrande ein freies Feld liegen, und in der N\u00e4he ersp\u00e4hten sie eine Aussichtsbank. Auf diese mu\u00dfte sich <\/em>[Adolf] <em>Rall setzen, worauf sie ihn gemeinsam erw\u00fcrgten. Nach <\/em>[Karl] <em>Reinekings Schilderung soll es eine endlose Zeit gedauert haben, bis ihr Opfer tot war: zumindest scheinen den M\u00f6rdern bei diesem \u00fcblen Gesch\u00e4ft die Minuten zu Stunden geworden zu sein.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Darauf lie\u00dfen sie die Leiche auf der Bank lehnen und machten sich am nahen Acker daran, ein Grab zu schaufeln. Doch wer beschrieb ihren Schrecken, als sie pl\u00f6tzlich ein Ger\u00e4usch h\u00f6rten, sich umdrehten und von weitem die Leiche weglaufen sahen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Der Anblick des im hellen Mondschein und mit dem flatternden Hemde davonspringenden Toten war selbst f\u00fcr die abgebr\u00fchten Totschl\u00e4ger der SA grauenerregend.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Noch gr\u00f6\u00dfer war indessen die Angst der Mordbuben, alles k\u00f6nne entdeckt werden. Eilig rannten sie hinter der Leiche her, und jetzt w\u00fcrgten sie so gr\u00fcndlich, bis ihr wirklich das Atmen verging. Hastig wurde sie verscharrt. Man konnte es <\/em>[Karl] <em>Reineking glauben, da\u00df ihm und seinen Kumpanen sehr unbehaglich wurde, als sie bereits am n\u00e4chsten Mittag auf diesen peinlichen Zwischenfall angesprochen wurden.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Es gibt Jugendeindr\u00fccke, die man niemals vergi\u00dft. \u00c4hnlich geht es mir mit dieser Schilderung der Ermordung des <\/em>[Adolf] <em>Rall. Wenngleich ich sp\u00e4terhin tausenderlei schlimmere Sachen geh\u00f6rt habe, so steht dieses gespenstische Bild immer wieder vor meinen Augen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Die sausende Autofahrt, die Mondscheinnacht, der Mann im Hemd, die W\u00fcrgerei, der Tote auf der Bank, die Leiche, die fortl\u00e4uft \u2014 ich gebrauche diese Ausdrucksweise, weil sich <\/em>[Karl] <em>Reineking ihrer bediente \u2015,  nicht zu vergessen dieses hastige, unzul\u00e4ngliche Verbuddeln, so da\u00df das Verbrechen nach wenigen Stunden offenkundig ist: ich finde dieses trostlose Gem\u00e4lde in seiner Plastik so eindringlich, da\u00df ich es aus Chronistenpflicht festhalten mu\u00df, wenn ich \u00fcber die Geschichte des Reichstagsbrandes schreibe. Aber welchen Verbrechens hatte sich besagter <\/em>[Adolf]<em> Rall schuldig gemacht, da\u00df er zun\u00e4chst tagelang in der Gestapo vernommen und daran anschlie\u00dfend im Nachtdunkel ermordet werden mu\u00dfte? Und wer war dieser <\/em>[Karl] <em>Reineking, der so  pl\u00f6tzlich in unserem Blickfeld erschien? Nun,  jetzt war es nicht  mehr schwer die weiteren Ermittlungen zu t\u00e4tigen. Wir erkannten, wo wir anzusetzen hatten. <\/em> [Hubert]<em> Gei\u00dfel mochte schweigen, so viel er wollte, <\/em> [Karl] <em>Reineking war ein um so gr\u00f6\u00dferer Schw\u00e4tzer. Neuling auf gestapistischen Boden, f\u00fchlte er sich hochgeehrt, als <\/em> [Arthur] <em> Nebe sich mehrfach seiner  annahm, mit ihm eine Konferenz unter  vier Augen abzuhalten.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>(Seite 86-87)<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Anmerkung 2023:<\/strong> Der Kriminalrat Hubert Gei\u00dfel hat sich am 26. September 1938 umgebracht. Weil \u00fcber diesen &#8222;\u00f6ffentlichen&#8220; Selbstmord wenig bekannt ist, hat Jens Dobler im Dezember 2022 einen Artikel geschrieben.<\/p>\n\n\n\n<p>Dort schreibt er:<em> &#8222;Am Montag, den 26. September 1938 gegen 22.15 Uhr erschie\u00dft Hubert Gei\u00dfel zun\u00e4chst seine Frau und dann sich selbst. Die Tat findet \u00f6ffentlich, unmittelbar am Polizeipr\u00e4sidium Neuk\u00f6lln in der Wildenbruchstra\u00dfe 4 statt.&#8220;<\/em>                                                                  <\/p>\n\n\n\n<p>Ein ausf\u00fchrlicher Bericht findet sich im &#8222;Archiv f\u00fcr Polizeigeschichte Nr. 47, Heft 2\/2021&#8220;. Im Netz: file:\/\/\/home\/jens\/old\/Downloads\/Historiker-Nr78-3.pdf, abgerufen am 7. August 2023<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/milpferd_einauge1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1070\" height=\"717\" src=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/milpferd_einauge1.jpg\" alt=\"Nilpferd Auge zu\" class=\"wp-image-24\" style=\"width:203px;height:auto\"\/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Zeichnung Helga Bachmann<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(Zeichen 2.973) Apropos Hans Bernd Gisevius (III) PDF Apropos Hans Bernd Gisevius (III) Auf Seite 86 seines Buches \u00bbBis zum bittern Ende\u00ab [1946] schreibt Hans Bernd Gisevius: &#8222;In der Tat war besagter [Adolf] Rall auf Gehei\u00df der Gestapo nach Berlin beordert und eingehend verh\u00f6rt worden. Diese Vernehmungen hatten sich in [Hubert] Gei\u00dfels [Kriminalrat] Zimmer abgespielt. &hellip; <a href=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/?p=23611\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eApropos Hans Bernd Gisevius  (III)\u201c<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2698,1988,4679,5875,2449,2037,2455,5665,5750,2359,5595,8409,2810,199,6467,2948,4861,4860,4274,5395,8676,1689,7703,45,1889,8712,8012,7997,4403,1,2703,7742,2701,2702],"tags":[8692,8719,486,8670,8687,8716,8718,8717],"class_list":["post-23611","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-2698","category-1988","category-4679","category-5875","category-2449","category-2037","category-2455","category-5665","category-5750","category-2359","category-5595","category-8409","category-behufe","category-berlin","category-berlin-alexanderplatz","category-deutsche","category-dilettant","category-dilettantenhaufen","category-dilletantenhaufen","category-gestapo","category-gisevius","category-joseph-goebbels","category-nazis","category-nsdap","category-nuernberg","category-nuernberger-prozesse","category-nutzl-oses-wissen","category-nutzloses-wissen","category-obrigkeit","category-uncategorized","category-wichtigtuerei","category-zufallsfund","category-zusammensprudelln","category-zusammensprudeln","tag-adolf-rall","tag-arthur-nebe","tag-gestapo","tag-gisevius","tag-hans-bernd-gisevius","tag-hubert-geissel","tag-jens-dobler","tag-karl-reineking"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.medienberatungev.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/23611","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.medienberatungev.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.medienberatungev.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.medienberatungev.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.medienberatungev.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=23611"}],"version-history":[{"count":18,"href":"https:\/\/www.medienberatungev.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/23611\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":29763,"href":"https:\/\/www.medienberatungev.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/23611\/revisions\/29763"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.medienberatungev.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=23611"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.medienberatungev.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=23611"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.medienberatungev.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=23611"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}