{"id":242,"date":"2014-05-23T19:31:56","date_gmt":"2014-05-23T19:31:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.medienberatungev.org\/?p=242"},"modified":"2025-08-04T07:31:01","modified_gmt":"2025-08-04T07:31:01","slug":"dimitri-rostowsky-etikettendrucker","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.medienberatungev.org\/?p=242","title":{"rendered":"Dimitry D. Rostowsky Etikettendrucker"},"content":{"rendered":"\n<p><\/p>\n\n\n<p><strong><a href=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/Dimitri-Rostowski-Etikettendrucker.pdf\">PDF Dimitry Rostowski Etikettendrucker<\/a><a href=\"http:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/oelkerscafedruckerei1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-4350 alignnone\" src=\"http:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/oelkerscafedruckerei1.jpg\" alt=\"oelkerscafedruckerei\" width=\"599\" height=\"428\" srcset=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/oelkerscafedruckerei1.jpg 742w, https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/oelkerscafedruckerei1-300x214.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 599px) 85vw, 599px\" \/><\/a>Dimitry Rostowsky<\/strong> hatte 1989 eine Etikettendruckerei in der Oelkersallee 66 (direkt neben dem Oelkers Cafe in der Oelkersallee 64 Hamburg Altona &#8211; gleichzeitig das Duckenfeld im Oelkers Cafe: Ein kleines Kino mit 22 Sitzpl\u00e4tzen). Am 12. Juli 1989 f\u00fchrte ich mit ihm ein Gespr\u00e4ch \u00fcber sein Leben. Er wurde 1942 von den Deutschen aus Kiew verschleppt.<!--more--> Damit das nicht verschwindet habe ich dieses Gespr\u00e4ch am 12. Juli 1989 protokolliert. Nach ca. einem halben Jahr mit Zwischenstationen u. a. in Warschau und Neum\u00fcnster gelangte er unter SS Bewachung nach Hamburg. Zum Zeitpunkt der Verschleppung war er 19 Jahre alt und auf einer Kunstakademie (in Kiew?).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Deutschen haben von allen Familien, in denen mehr als zwei Kinder waren, eins nach Deutschland deportiert. Seine Schwester hatte solche Angst und hat sich unter dem Sofa versteckt. Da ist er mitgenommen worden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Schwester haben sie sp\u00e4ter auch noch geholt, die hat dann in einer Eisengie\u00dferei (?) (Eisenfabrik?) in G\u00f6rlitz arbeiten m\u00fcssen. Er kam dann in ein Lager f\u00fcr &#8222;Ostarbeiter&#8220; in der Ruhrstrasse (in Hamburg Altona). Dort waren ca. 700 M\u00e4nner und Frauen vorwiegend aus der UdSSR und <a href=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/Ostarbeiter-Abzeichen-vector.svg_.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-30598 alignleft\" src=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/Ostarbeiter-Abzeichen-vector.svg_.png\" alt=\"\" width=\"131\" height=\"142\" \/><\/a>Polen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie arbeiteten f\u00fcr 15 Reichsmark im Monat in der Sperrholzfabrik von Heinz Meyer,\u00a0 &#8222;Holsatia&#8220; in der Ruhrstrasse in Altona. (Anschrift 1942: Holsatia-Werke Heinz Meyer KG, Sperrholzfabrik, Ruhrstrasse 57 &#8211; 59) (Anschrift bis 1940: Kruppstrasse 57\/59), (Privatanschrift von Heinz Meyer 1942: Heinz Meyer, Noerstrasse 11). Die Eigent\u00fcmerin (1942) des Hauses in der Noerstrasse 11 ist Frau J. Meyer, vermutlich die Ehefrau von Heinz Meyer). Die Fabrik in der Ruhrstrasse 57 &#8211; 59 wurde im Krieg zerst\u00f6rt. Einige Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter haben in der Fischfabrik (Leunastrasse\/Sch\u00fctzenstrasse) gearbeitet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Inhaber der Firma Heinz Meyer war ein schlimmer Nazi. Einmal hat er einen &#8222;Ostarbeiter&#8220;, der sich gewehrt hatte, bei lebendigem Leib in den Ofen gesteckt. Menschen, die krank wurden, wurden sofort der SS gemeldet. Sie wurden abgeholt und sind nie wieder aufgetaucht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach dem gro\u00dfen Bombenangriff mit Phosphor 1943 ist Dimitry\u00a0 R. in einen Bunker gefl\u00fcchtet, der war total \u00fcberf\u00fcllt. &#8222;Ostarbeiter&#8220; hatten normalerweise keinen Zutritt. W\u00e4hrend der Bombenangriffe sind drei Frauen gefl\u00fcchtet, sind aber von der Gestapo &#8222;geschnappt&#8220; worden. Sie gaben an, dass ein Pole ihnen gesagt h\u00e4tte, das sie zu Bauern fliehen sollten. Der Pole wurde darauf hin auf dem alten Judenfriedhof \u00f6ffentlich (alle 700 Ostarbeiter\/innen wurden zum Friedhof gef\u00fchrt) hinter der Ruhrstrasse hingerichtet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als sie dort ankamen, war bereits eine gro\u00dfe Grube ausgehoben. Die SS brachte dann den Polen, der gefesselte H\u00e4nde hatte, die schon ganz blau waren, weil sie blutleer waren. Die SS hat ihm dann eine Pistole ans Genick gelegt und ihn erschossen. Dimitry R. erinnert sich noch daran, das das Gehirn rausgespritzt ist. Danach mussten sie wieder an die Arbeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Teilweise mussten zwei Schichten hintereinander gearbeitet werden. Die Verpflegung war schlecht, aber oft haben ihnen L\u00e4den in Altona etwas zu essen geschenkt. Ein Schlachter hinter der Br\u00fccke, der hat Ihnen \u00f6fter Gr\u00fctzwurst geschenkt. Sie hatten einen Aufdruck OST, den sie immer tragen mussten. Wer ohne angetroffen wurde, bekam Schwierigkeiten mit der SS oder der Lagerleitung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach dem Krieg hat er &gt;Wiedergutmachung&lt; bekommen. Insgesamt 15.000,00 DM. Jetzt will ihm die Rentenversicherung die Jahre der Verschleppung nicht anrechnen. Die Mitarbeiter der Rentenversicherung haben behauptet, das Lager h\u00e4tte es gar nicht gegeben. Er musste in einem ersten Verfahren erst einmal beweisen, dass das Lager an der Ruhrstrasse \u00fcberhaupt existierte, obwohl er von der britischen Milit\u00e4rbeh\u00f6rde einen Ausweis als Deportierter hatte. Den wollte die Rentenversicherung nicht anerkennen, weil sie in Englisch ausgef\u00fcllt ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch die AOK Hamburg hatte behauptet von vor 1945 keine Unterlagen mehr zu haben. Jetzt hat er zwei Zeugen beibringen m\u00fcssen, die best\u00e4tigen, dass das Lager existierte und er dort interniert war. Jetzt haben sie von der Rentenversicherung nur einen Monat f\u00fcr 1942 angerechnet, obwohl er doch bereits Anfang 1942 von den Nazis verschleppt worden ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Fabrikbesitzer Heinz Meyer wollte von ihm nach 1945 einen <strong>Persilschein*<\/strong>, dass er immer gut zu den 700 &#8222;Ostarbeitern&#8220; gewesen sei. Diesen Schein hat Dimitry R. nicht unterschrieben. Heinz Meyer ist sp\u00e4ter gestorben. Hat aber seine Fabrik zur\u00fcck erhalten, die sein Sohn sp\u00e4ter \u00fcbernommen hat. Der\u00a0 hat jetzt eine teure Villa in Hamburg Othmarschen.<\/p>\n<p><strong>* Persilschein<\/strong> = Best\u00e4tigungen, die nach Kriegsende 1945 zu Unrecht von Mitmenschen unterschrieben wurden, die damit best\u00e4tigten, dass die Personen f\u00fcr ihre Verbrechen in der Nazi Zeit nicht zur Verantwortung gezogen wurden. Die ausgestellten &#8222;Zeugnisse&#8220; hatten die Funktion, dass Ihre Vergangenheit quasi\u00a0 mit dem Waschmittel &#8222;Persil&#8220; gewaschen wurde.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/Dimitri-Rostowski-Etikettendrucker.pdf\">PDF Dimitri Rostowski Etikettendrucker<\/a><\/p>\n<p><strong><a href=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/Drucker-aus-Kiew.pdf\">pdf Der Drucker-aus-Kiew<\/a><a href=\"http:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/By-nc-sa_color.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft  wp-image-1755\" src=\"http:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/By-nc-sa_color.png\" alt=\"By-nc-sa_color\" width=\"148\" height=\"99\" srcset=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/By-nc-sa_color.png 720w, https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/By-nc-sa_color-300x202.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 148px) 85vw, 148px\" \/><\/a><\/strong><\/p>\n<p><strong>Fotos Jens Meyer <\/strong><span style=\"text-decoration: underline;\"><strong><br \/><\/strong><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"800\" height=\"799\" src=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/PunkadieKatzedesDuckenfeldesklein.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-11487\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Schaufenster Oelkersallee 64 (mit Punka)<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"815\" src=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/image-1.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-10573\" style=\"width:279px;height:219px\"\/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>PDF Dimitry Rostowski EtikettendruckerDimitry Rostowsky hatte 1989 eine Etikettendruckerei in der Oelkersallee 66 (direkt neben dem Oelkers Cafe in der Oelkersallee 64 Hamburg Altona &#8211; gleichzeitig das Duckenfeld im Oelkers Cafe: Ein kleines Kino mit 22 Sitzpl\u00e4tzen). 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