{"id":24595,"date":"2023-11-08T17:51:55","date_gmt":"2023-11-08T17:51:55","guid":{"rendered":"https:\/\/www.medienberatungev.org\/?p=24595"},"modified":"2026-03-28T19:08:16","modified_gmt":"2026-03-28T19:08:16","slug":"der-schlund-der-geschichte-die-henschel-kinos","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.medienberatungev.org\/?p=24595","title":{"rendered":"Der Schlund der Geschichte-Die Henschel Kinos"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/PDF-Zeichen-11.759-Schlund-der-Geschichte-Henschel-Kinos.pdf\">PDF (Zeichen 11.759) Schlund der Geschichte Henschel Kinos<\/a><\/p>\n\n\n<p><strong>I<\/strong><strong>n einem Schlund ist die Geschichte der j\u00fcdischen Kinobesitzer in Hamburg verschwunden.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Erst den Nachgeborenen ist aufgefallen, dass gro\u00dfe Teile der Kinogeschichte fehlen. Und das dieses Fehlen Gr\u00fcnde hat. Der \u00bb<strong>Henschel Film<\/strong><strong>\u2014<\/strong><strong> &amp; Theaterkonzern OHG<\/strong><strong>\u00ab<\/strong>. Eine Geschichte, die im Dezember 1895 in Paris begann und erst mit ihrer vollst\u00e4ndigen Aufkl\u00e4rung endet.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie haben uns angelogen, als sie behaupteten, sie h\u00e4tten gekauft oder geerbt. So war es nicht. Sie haben nicht gekauft und auch nicht geerbt. Sie haben geraubt und gestohlen. Sie haben die j\u00fcdischen Kinobesitzer bestohlen. Und viele haben ihnen dabei geholfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Vier Fotos, die uns Rolf Arno Streit aus Belo Horizonte in Brasilien 1990 zur Verf\u00fcgung gestellt hat. Hamburg.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/Ohne-Titel-13-Kopie-e1572985793689.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"743\" src=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/Ohne-Titel-13-Kopie-1024x743.jpg\" alt=\"Fotoalbum Streit Hamburg\" class=\"wp-image-591\"\/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Hauptbahnhof, G\u00e4nsemarkt, Jungfernstieg, Karl Muck Platz <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>[Fotos aus Hamburg von links oben nach rechts unten: Hamburger Hauptbahnhof vom Glockengiesserwall mit Stra\u00dfenbahnschienen, G\u00e4nsemarkt mit Lessingtheater und Hamburger Anzeiger,&nbsp; Alster in Richtung Hotel Vier Jahreszeiten mit Alsterpavillon, Karl Muck Platz in Richtung Innenstadt, rechts das Hochhaus des DHV. [Deutschnationaler Handlungsgehilfen Verband]&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>In der Mitte die Kaiser Wilhelm Stra\u00dfe. Die hei\u00dft heute noch so. Der Karl Muck Platz wurde vor einigen Jahren umbenannt in: Johannes Brahms Platz. Das Geb\u00e4ude des DHV wurde auch umbenannt in \u00bbJohannes Brahms Kontor\u00ab. Vermutlich dachte man bei der Umbenennung daran, so kriegt man endlich die braune Farbe runter, die vom DHV.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Geschichte der j\u00fcdischen Kinobesitzer&nbsp; in Hamburg begann im Jahre 1895 in Paris und endete in Brasilien, Mexiko, USA und Australien. \u00dcberall dort, wohin die geflohen waren, denen man in Deutschland ihre Kinos geraubt hatte und die auch noch nach dem Krieg ihre Stimme erheben konnten, weil sie den deutschen M\u00f6rdern entkommen waren.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine erste Spur fand ich auf dem J\u00fcdischen Friedhof in Hamburg Ohlsdorf. Der Grabstein von Hermann Urich Sass.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-resized\">\n<figure class=\"alignleft size-large\"><a href=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/GrabsteinHermannUrichSassklein.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"697\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/GrabsteinHermannUrichSassklein-697x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8127\" style=\"width:284px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/GrabsteinHermannUrichSassklein-697x1024.jpg 697w, https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/GrabsteinHermannUrichSassklein-204x300.jpg 204w, https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/GrabsteinHermannUrichSassklein-768x1129.jpg 768w, https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/GrabsteinHermannUrichSassklein.jpg 1189w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 984px) 61vw, (max-width: 1362px) 45vw, 600px\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Grabstein Hermann Urich Sass, J\u00fcdischer Friedhof Hamburg Ohlsdorf.  Foto Henning  Scholz <\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Meine Suche begann &#8211; eher zuf\u00e4llig &#8211; 1970 in Berlin. W\u00e4hrend meines Studiums an der Deutschen Film- und Fernsehakademie (dffb): Ich interessierte mich auch f\u00fcr die Geschichte der Kinos. Hier gab es die Tageszeitungen des deutschen Films: die \u00bb<strong>Licht Bild B\u00fchne<\/strong><strong>\u00ab<\/strong> (LBB) und den \u00bb<strong>Kinematograph<\/strong><strong>\u00ab<\/strong><strong>.<\/strong> In Hamburg waren diese Zeitungen zu der Zeit nicht vorhanden, bzw. nicht zug\u00e4nglich.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer einmal l\u00e4ngere Zeit vor einem solchen Mikrofilm Leseger\u00e4t gesessen hat, kennt die Langweiligkeit dieser Arbeit. Diese vielen Nachrichten, die man alle nicht braucht. Ich hatte nat\u00fcrlich Vermutungen. Aber eigentlich wu\u00dfte ich nicht, was ich suchte. Die <strong>Licht Bild B\u00fchne <\/strong>erschien t\u00e4glich, sechs mal in der Woche. Sie&nbsp; hatte viele Seiten. Gez\u00e4hlt habe ich nicht. Aber dann half mir der Zufall. Der Zufall hie\u00df  <strong>Paul von Hindenburg<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p>Jener Mann, der Adolf Hitler am 30. Januar 1933 zum Reichskanzler ernannt hatte. Sehr schlecht f\u00fcr die deutsche Geschichte. Aber gut f\u00fcr mich. Ohne diesen Zufall h\u00e4tte ich die Meldung vom Tode des Kinounternehmers <strong>Hermann&nbsp; Urich Sass<\/strong> niemals gefunden. Sie steht in der selben Ausgabe, in der auch von der Macht\u00fcbertragung an Adolf Hitler berichtet wird.&nbsp; Ein paar Jahre sp\u00e4ter bekomme ich dar\u00fcber Kenntnis, das beide Meldungen in einem Zusammenhang stehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Am <strong>Sonnabend, den 28. Januar<\/strong><strong> <\/strong><strong>1933 erscheint <\/strong>eine 13 Zeilen Meldung, die mit folgenden Worten endet: . . . dass <em>&#8220; . . . Herr Urich Sass, eine leitende Pers\u00f6nlichkeit im Henschel Konzern in Hamburg, am 27. Januar im Alter von 45 Jahren, einem Herzversagen erlegen&#8220;<\/em> sei.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4re er an einem anderen Datum verstorben, h\u00e4tte ich die Suche nach dem Henschel Film- und Theaterkonzern vermutlich abgebrochen. Die Beerdigung soll am Montag, d. 30. Januar 1933 auf dem J\u00fcdischen Friedhof in Hamburg Ohlsdorf um 3 Uhr stattfinden, so wird es angek\u00fcndigt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Geschichte der Kinobesitzerfamilie Henschel begann mit Frida und James Henschel und ihrer Reise nach Paris.<\/p>\n\n\n\n<p>Urspr\u00fcnglich war Jeremias Henschel in die Fu\u00dfstapfen seines Vaters getreten und hatte sich im Verkauf von Stoffen und Herrengarderobe versucht. Erfolglos. Heute nennt man es modern Insolvenz.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit dem selbstgew\u00e4hlten Vornamen James begann eine neue Episode im Leben der Familie Henschel. Eigentlich sollte es ein Laden mit Schallplatten werden. Aber dann entdeckte Frida in Paris eine lange Schlange. Dort wurden zum ersten Mal diese beweglichen Bilder gezeigt, die sie damals \u00bbLebende Photographien\u00ab nannten. Frida erkannte als erste die ungeheuren M\u00f6glichkeiten, die ein solches Gesch\u00e4ft in Hamburg haben w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-resized\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><a href=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/Europ\u00e4ischerHof-e1573035994435.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"543\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/Europ\u00e4ischerHof-543x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7602\"\/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Europ\u00e4ischer Hof Baden Baden v. l.: Sophie  Streit,  Frida Henschel, James Henschel,  Hugo Streit. Fotograf unbekannt.<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>[Das Foto entstand am 18. Oktober 1930 vor dem Hotel Europ\u00e4ischer Hof in Baden-Baden in Deutschland. (v. l. n. r.&nbsp; Frida (Frederica) Henschel (geb. Blumenthal),  James Henschel und ihre Tochter Bianca Henschel (Bianca Kahn, die am 5. Mai 1931 den portugiesischen Konsul Dr. Isidor Kahn in Den Haag heiratete und nach Holland auswanderte].<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das Foto stammt von Rolf Arno Streit (Enkel von Frida und James Henschel) aus Belo Horizonte, (Brasilien).<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wann Frida und James Henschel nach Paris gefahren waren, das konnten die Enkelkinder&nbsp; (in Mexiko und Brasilien) von James Henschel nur vermuten. Es k\u00f6nnte am<strong> 28. Dezember 1895<\/strong> gewesen sein, als die <strong>Br\u00fcder Lumiere<\/strong> im<strong> Grand Cafe<\/strong> im <strong>Boulevard des Capucines<\/strong> zum ersten Mal ihren Projektor vorgestellt haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Verb\u00fcrgt ist der Besuch der <strong>Br\u00fcder Skladanowsky<\/strong> in Paris am <strong>28. Dezember 1895<\/strong>. Ein paar Tage vorher (Im November 1895 waren sie mit ihrem Projektor in Hamburg gewesen). Sie hatten eine Einladung nach Paris, ihren Projektor im <strong>Folies Berg\u00e8re<\/strong> vorzustellen und haben daf\u00fcr ein Honorar verlangt und bekommen. (Die Angaben schwanken zwischen 2.500,00 und 4.500,00 franz\u00f6sischen Franc). Aber zu einer Vorstellung ihres Projektors in Paris ist es nicht mehr gekommen. Frida und James Henschel haben damals erkannt, welches Potential in dieser neuen Technik der<strong> Lebenden Photographien<\/strong> steckt.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie er\u00f6ffneten im <strong>Dezember 1905<\/strong> in der Bergstrasse (gro\u00dfe)  Nr. 11 in Altona ihr erstes Kino: Das<strong> Helios Theater <\/strong>mit 500 Sitzpl\u00e4tzen. Einen Monat sp\u00e4ter im <strong>Januar 1906<\/strong>&nbsp; begann der Mietvertrag des \u00bb<strong>Belle-Alliance-Theater Vorf\u00fchrung lebender Photographien<\/strong><strong>\u00ab <\/strong>an der Ecke Eimsb\u00fctteler Str. 2 \/ Schulterblatt 115. Das Kino wurde in den ehemaligen Ballsaal des Belle Alliance eingebaut, hatte 1.400 Sitzpl\u00e4tze und spielte von 15.00 Uhr Nachmittags&nbsp; bis 1.00 Uhr in der Nacht.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Er\u00f6ffnung des Kinos war am 1. Mai 1906. (Aus: <strong>James Henschel erz\u00e4hlt Hamburgs Kino Geschichte<\/strong>. Artikel&nbsp; von Hermann Lobbes in der Licht Bild B\u00fchne, Beilage vom <strong>Sonnabend, d. 16. August 1930<\/strong>).<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-resized\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/IMG_8530klein.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"800\" height=\"800\" src=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/IMG_8530klein.jpg\" alt=\"Theater lebender Photographien\" class=\"wp-image-24547\" srcset=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/IMG_8530klein.jpg 800w, https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/IMG_8530klein-300x300.jpg 300w, https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/IMG_8530klein-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/IMG_8530klein-768x768.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 984px) 61vw, (max-width: 1362px) 45vw, 600px\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Belle Alliance 1906 <\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Vor dem Kino war eine Haltestelle der elektrischen Stra\u00dfenbahn. Der  Licht Bild B\u00fchne berichtete James Henschel im August 1930, dass der Tag mit den geringsten Einnahmen (56,00 RM) der Tag war, an dem  die Zuschauer des Kinos sich lieber den Brand der Michaelis Kirche angesehen hatten, als ins Kino zu gehen. Das war <strong>Dienstag, der 3. Juli 1906<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p>Frida und Jeremias hatten f\u00fcnf Kinder: Hedwig, Sophie, Bianca, Hanns und Gretel, die zwischen 1888 &#8211; 1895 geboren werden. Hanns meldete sich als Freiwilliger und &#8222;fiel&#8220; am 31. Oktober 1916 als Unteroffizier an der Front in Frankreich (?). J\u00fcrgen Sielemann, Experte in Sachen j\u00fcdischer Geschichte, gibt einen anderen Ort an.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-resized\">\n<figure class=\"alignleft size-large\"><a href=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/HannsHenschel4-e1573073967649.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"670\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/HannsHenschel4-670x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6430\" style=\"width:228px;height:auto\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Zitat: <em>&#8222;Ihr Bruder&nbsp; (Bianca Henschel) Hans Henschel (geb. 21. September 1893) fiel am 31. Oktober als Unteroffizier in einem Gefecht in Siebenb\u00fcrgen.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>(Aus Liskor-Erinnern Heft 14, Seite 26).<\/p>\n\n\n\n<p>Als Quelle nennt J\u00fcrgen Sielemann: 332-8 Meldewesen, A 30 Toten- und Verzogenenkartei 1892-1925, Mikrofilm K 6238, Karte Hans Henschel.<\/p>\n\n\n\n<p>Da war Hanns Henschel 23 Jahre alt.&nbsp;Wie ich mir die Fotos angesehen habe, habe ich gedacht, zwischen die Bilder geh\u00f6rt noch unbedingt ein Text. Und da man bei Tucholsky inzwischen klauen darf, habe ich dies getan.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf Seite 1159 im Band 1 \u2013 (1907 &#8211; 1924 meiner dreib\u00e4ndigen Gesamtausgabe) gibt es zwei Texte \u00bbWie uns aus\u00ab und \u00bbSechzig Fotografien\u00ab. In dem zweiten Text geht es um sechzig Fotografien, \u00fcber den Weltkrieg (1) die man in Paris kaufen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Text ist von 1924. Da wurde der Weltkrieg noch nicht nummeriert. Am Ende schreibt Tucholsky: (Seite 1162 Band 1)<\/p>\n\n\n\n<p>\u201c<em>Du schie\u00dft dr\u00fcben immer den Kamerad Werkmeister tot \u2013 niemals den einzigen Feind, den du wirklich hast. Dein Blut verstr\u00f6mt f\u00fcr Dividende. Dein bi\u00dfchen Sterben, dein armseliges Verrecken wird m\u00fchsam mit einer Gloriole von Romantik umkleidet, erborgt aus den Emblemen von<\/em> Jahrhunderten, <em>entliehen aus verschollenen Zeiten. Wirf deine Flinte weg, Mensch! Es wird immer Kriege geben? Solange du willst, wird es sie geben. Nagle dir diese Bilder an die Wand, zeig deinen Kindern, was das f\u00fcr eine Schweinerei ist: der Krieg; was das f\u00fcr eine L\u00fcge ist: der Krieg; was das f\u00fcr ein Wahnsinn ist: der Krieg! Und dann setze dich mit deinen Arbeitsgenossen auf der anderen Seite hin, vertraue ihnen, denn es sind dieselben armen Luder wie du \u2013 und gib ihnen die Hand. Nieder mit dem Staat! Es lebe die Heimat!\u201c<\/em><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-resized\">\n<figure class=\"alignright size-large\"><a href=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/GrabsteinHannsHenschel-e1573073930190.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"726\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/GrabsteinHannsHenschel-726x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6431\" style=\"width:221px;height:auto\"\/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Hanns  Henschel Grabstein<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/220px-Georg_thiel_erster_weltkrieg_verdun_1916-Kopie.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"220\" height=\"300\" src=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/220px-Georg_thiel_erster_weltkrieg_verdun_1916-Kopie.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-29974\" style=\"width:125px;height:auto\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><strong>Grabstein auf dem Friedhof f\u00fcr die \u201cGefallenen\u201c des ersten Weltkrieges in Hamburg Ohlsdorf.<\/strong> Die Inschrift im Grabstein ist schwer lesbar. Unteroffz. (Unteroffizier) <strong>HANNS HENSCHEL<\/strong>, GEB. 21. September 1893, 5654 (Geboren), GEF. 31. Oktober 1916 5677 (Gefallen\/Gestorben), <strong>INHABER<\/strong> (Inhaber) <strong>DES<\/strong> <strong>EIS. KREUZES<\/strong> (des Eisernen Kreuzes)<strong> UND DES<\/strong> (und des) <strong>HANSEAT. KREUZES<\/strong> (Hanseatischen Kreuzes).<\/p>\n\n\n\n<p>Hanns Henschel wurde nur 23 Jahre alt. Bei Kriegsende <strong>(am 11. 11. 1918)<\/strong> war James Henschel 55 Jahre alt und die neu gegr\u00fcndete<strong> UFA<\/strong> (Gr\u00fcndung am 18. Dezember 1917) trat an ihn heran und unterbreitete ihm ein Kaufangebot f\u00fcr seine acht Kinos.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Reihe von Kinos hatte das Ehepaar Henschel auf eigenen Grundst\u00fccken neu bauen lassen. So das Waterloo Theater in der Dammtorstrasse 14, das Lessingtheater am G\u00e4nsemarkt 46\/48, das Palast Theater in der Wandsbeker Chaussee (bei sp\u00e4teren Recherchen stelle ich fest, dass die Ortsangabe falsch ist &#8211; das Palast Theater war nicht in der Wandsbeker Chaussee sondern in der Hamburger Strasse 5\/7\/9), die Harvestehuder Lichtspiele am Eppendorfer Baum 15.<\/p>\n\n\n\n<p>James Henschel setzte die Bedingungen f\u00fcr den Verkauf an die UFA. Am 21. Februar 1918 wandelte er seine Kino Firma \u00bbJ. Henschel\u00ab in die \u00bbJ. Henschel GmbH\u00ab um. Der Vertrag sah vor, das seine beiden Schwiegers\u00f6hne <strong>Hermann Urich Sass<\/strong> (verheiratet mit <strong>Hedwig Urich Sass, geb. Henschel<\/strong>) und <strong>Hugo Streit<\/strong> (verheiratet mit<strong> Sophie Streit geb. Henschel<\/strong>) Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der \u00bb<strong>J. Henschel GmbH\u00ab<\/strong> wurden. Der Vertrag sah weiterhin vor, das alle Angestellten von der neu gegr\u00fcndeten Firma \u00bb<strong>J. Henschel GmbH\u00ab<\/strong> \u00fcbernommen wurden. Weiterhin enthielt der Vertrag einen Passus, da\u00df <strong>Hermann Urich Sass<\/strong> und <strong>Hugo Streit<\/strong> zu Direktoren der <strong>UFA f\u00fcr Norddeutschland<\/strong> ernannt wurden.<a href=\"http:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/Ohne-Titel-8-Kopie.jpg\">&nbsp;<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Ein \u00bbOrgan Vertrag\u00ab wurde am <strong>29. November 1919<\/strong> zwischen James Henschel und der UFA geschlossen. Danach wurde die \u00bbJ. Henschel GmbH\u00ab eine 100 %ige Tochtergesellschaft der UFA. Die \u00bbJ. Henschel GmbH\u00ab blieb weiterhin Eigent\u00fcmer der Grundst\u00fccke, auf denen die Kinos: \u00bbPalasttheater\u00ab (Hamburger Stra\u00dfe 5\/7\/9), \u00bbLessingtheater\u00ab (G\u00e4nsemarkt 43), \u00bbHarvestehuder Lichtspiele\u00ab (Eppendorfer Baum 35), \u00bbZentral Theater\u00ab (Wandsbeker Chaussee 162) standen, die an die UFA verpachtet wurden.<\/p>\n\n\n\n<p>Das \u00bbWaterloo Theater\u00ab in der Dammtorstrasse 14 verkaufte James Henschel an Manfred Hirschel, der mit einer Schwester seines Schwiegersohnes Hugo Streit verheiratet war.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-resized\">\n<figure class=\"alignleft size-large\"><a href=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/ManfredHirschelmitEva-e1573074225126.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"821\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2018\/05\/ManfredHirschelmitEva-821x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6339\" style=\"width:281px;height:auto\"\/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Manfred Hirschel mit seiner Tochter Eva Hirschel in der Bebelallee in Hamburg.<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>James Henschel erhielt aus diesem Vertrag einen Barerl\u00f6s, der ausreichte, vierzehn Wohnh\u00e4user mit \u00fcber 100 Wohnungen zu kaufen.<\/p>\n\n\n\n<p>Weiterhin sah der Vertrag eine Beteiligung auf 25 Jahre vor, in denen er mit  5 % an den Bruttoeinnahmen der verkauften Kinos und mit weiteren 2,5 % an den sp\u00e4ter erworbenen oder neu erbauten Kinos der UFA beteiligt ist.<\/p>\n\n\n\n<p>1921 + 1926 verlie\u00dfen Hermann Urich Sass und Hugo Streit die UFA und gr\u00fcndeten die offene Handelsgesellschaft, den \u00bb<strong>Henschel Film- und Theaterkonzern<\/strong><strong>\u00ab<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p>Acht Kinos wurden neu gebaut. Im Februar 1927 wurde an der Ecke Zirkusweg Reeperbahn 1 ein Neubau mit einem Kino mit <strong>1556 Sitzpl\u00e4tzen<\/strong> er\u00f6ffnet.<\/p>\n\n\n\n<p>Der erste deutsche Tonfilm \u00bbIch k\u00fcsse ihre Hand Madam\u00ab mit Marlene Dietrich und Harry Liedtke wurde hier am 23. Januar 1929 gezeigt.<\/p>\n\n\n\n<p>Architekt war <strong>Carl Winand<\/strong>. Die Baukosten betrugen etwa 500.000,00 RM. Hugo Streit und Hermann Urich Sass nannten das Kino \u00bb<strong>Schauburg am Millerntor<\/strong><strong>\u00ab<\/strong><strong>.<\/strong><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-resized\">\n<figure class=\"alignleft size-large\"><a href=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Hugo-und-Sophie-StreitSchauburgZeitung-e1671884622734.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/Hugo-und-Sophie-StreitSchauburgZeitung-1024x659.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-19224\" style=\"aspect-ratio:1.553873510756495;width:437px;height:auto\"\/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Hugo Streit + Sophie Streit mit der Zeitung vom Oktober 1930, zum Start der Filme: &#8222;Liebling der G\u00f6tter&#8220; mit Emil Jannings am 13. Oktober 1930 und &#8222;Das alte Lied&#8220; mit Lil Dagover am 9. Oktober 1930. Das Foto zu Werbezwecken wurde von Louis Segall gemacht.<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Die Tonpassage im Film war nur zwei  Minuten und 12 Sekunden lang. Hugo Streit, Sophie Streit (geb. Henschel) mit der Schauburg Zeitung. Die Schlagzeile:&nbsp;<strong> Prominente sehen dich an: Lil Dagover, Emil Jannings<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>In der \u00bb<strong>Schauburg Millerntor<\/strong><strong>\u00bb<\/strong> war am <strong>21. Oktober 1929<\/strong> <strong>Sergej Eisenstein<\/strong> mit \u00bbzwei Akten\u00ab aus dem Film \u00bb<strong>Panzerkreuzer Potemkin<\/strong><strong>\u00ab<\/strong>, dem \u00bbersten Akt\u00ab aus dem Film \u00bb<strong>Generallinie<\/strong><strong>\u00ab<\/strong> und \u00bbzwei Akten\u00ab aus dem Film \u00bb<strong>Zehn Tage, die die Welt ersch\u00fctterten<\/strong><strong>\u00ab <\/strong>zu Gast.<\/p>\n\n\n\n<p>Der dunkle Teil der Geschichte, der von Selbstmord, Mord, Enteignung, Vertreibung und Zerst\u00f6rung&nbsp; handelt. Und der Verdr\u00e4ngung all dieser Verbrechen. Der vom Reinwaschen und der angeblichen \u00bbWiedergutmachung\u00ab handelt. Und wie bereitwillig alle bei den Auspl\u00fcnderungen geholfen hatten. Die Geschichte der T\u00e4ter, Opfer und der Zuschauer.                                                    Glaubw\u00fcrdige Zeitzeugen waren in Hamburg, in Deutschland, nicht zu finden. In Brasilien, Mexiko und in Los Angeles wurde ich gefragt, warum das alles so lange gedauert hatte, bis endlich jemand kam und diese Fragen stellte. Mir fehlte damals eine Antwort.<\/p>\n\n\n\n<p>Die T\u00e4ter waren schon lange tot. Inzwischen waren auch die Erben der T\u00e4ter gestorben. Und dennoch gibt es immer wieder Menschen, die das Unrecht von damals verstecken wollen. Es f\u00e4llt ihnen nicht einmal auf. Im Gegenteil. Das vorhandene Material ist inzwischen auf zw\u00f6lf Leitz Ordner, f\u00fcnfzig CDs mit kopierten Akten und einem kurzen Film von der Er\u00f6ffnung der Schauburg am Millerntor, Ecke Zirkusweg, angewachsen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dazu geh\u00f6rt ein kleiner Film mit den Interviews der S\u00f6hne, (Horst Urich Sass, Rolf Arno Streit, Carl Heinz Streit) die damals aus Deutschland fliehen konnten. Aus Belo Horizonte kommt dieses Bild vom \u00bbPalast Theater\u00ab von Frida und James Henschel in der Hamburger Strasse.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-resized\">\n<figure class=\"alignleft size-large\"><a href=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/Palasttheaterhamburgerstrasse-e1671898495316.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"807\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/Palasttheaterhamburgerstrasse-807x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8274\"\/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Palast Theater Hamburger Stra\u00dfe 5\/7\/9<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Wann dieses Foto entstanden ist, konnten mir die Enkelkinder von James Henschel (Die Br\u00fcder Rolf Arno Streit und Carl Heinz Streit) nicht mitteilen. Vermutlich ist das Foto nach der Er\u00f6ffnung des Neubaus entstanden.<\/p>\n\n\n\n<p>(Text: Jens Meyer, bearbeitet Mai 2024)<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/By-nc-sa_color.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"720\" height=\"486\" src=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/By-nc-sa_color.png\" alt=\"Creative commons.org\" class=\"wp-image-1755\" style=\"aspect-ratio:1.4812848540497017;width:221px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/By-nc-sa_color.png 720w, https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/By-nc-sa_color-300x202.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 984px) 61vw, (max-width: 1362px) 45vw, 600px\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">cc<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n<div class=\"wp-block-image is-resized\">\n<figure class=\"alignright size-large\"><a href=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Nilpferdzweiaugen-e1573081307586.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"759\" src=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Nilpferdzweiaugen-1024x759.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5636\" style=\"width:181px;height:auto\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>PDF (Zeichen 11.759) Schlund der Geschichte Henschel Kinos In einem Schlund ist die Geschichte der j\u00fcdischen Kinobesitzer in Hamburg verschwunden. 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Eine Geschichte, die im Dezember 1895 in Paris begann und erst mit &hellip; <a href=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/?p=24595\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eDer Schlund der Geschichte-Die Henschel Kinos\u201c<\/span> 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