{"id":31747,"date":"2026-05-14T11:20:27","date_gmt":"2026-05-14T11:20:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.medienberatungev.org\/?p=31747"},"modified":"2026-05-14T13:08:08","modified_gmt":"2026-05-14T13:08:08","slug":"die-lebendigen-bilder-von-friderike-und-james","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.medienberatungev.org\/?p=31747","title":{"rendered":"Die lebendigen Bilder von Friderike und James"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Die lebendigen Bilder von Friderike und Jeremias<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>V<\/strong>on Friderike Blumenthal und Jeremias Henschel wissen wir nicht viel. Nicht einmal die richtige Schreibweise ihrer Namen. Und das, was andere und ich herausgefunden haben, das haben wir zuf\u00e4llig herausgefunden. So wie ein Bauer beim Pfl\u00fcgen auch Steine an die Oberfl\u00e4che bringt, die lange in der Erde verborgen waren. Eine systematische Suche sieht anders aus. Wo waren eigentlich die ganzen studierten Historiker die letzten neunzig Jahre-frage ich mich. Warum mu\u00df die Arbeit von Laien, wie wir es sind, erledigt werden?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>D<\/strong>as Ehepaar Henschel war sehr reich. Million\u00e4re w\u00fcrde man heute sagen. Am Ende hatte man ihnen in Hamburg alles weggenommen. Zwei Beh\u00f6rden in der Hamburger Innenstadt, nicht weit entfernt vom Rathaus und voneinander, hatten bei dieser Enteignung zusammengearbeitet. Am Gro\u00dfen Burstah 31-Hindenburghaus (das heisst heute noch so) die eine, an der Stadthausbr\u00fccke 8 (GeStapo\/das heisst heute nicht mehr so) die andere. Zu Fuss braucht man ungef\u00e4hr f\u00fcnf Minuten, wenn man von dem einen zum anderen Geb\u00e4ude gelangen will. Und sie haben gut zusammengearbeitet. Die Beamten beider Beh\u00f6rden. Wer die Beweise f\u00fcr ihre T\u00e4tigkeit findet, der hat schon viel Zeit verbracht. Die Beweise sind gut versteckt. Das hat viele Varianten. Manchmal nennen sie es Datenschutz. Manchmal heisst es schlicht Geb\u00fchrenordnung. Als ich anfing zu suchen, wu\u00dfte ich von allem nichts.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>B<\/strong>ei mir hat es begonnen mit meinem Studium an der dffb Berlin. Ich hatte &#8222;auf der Arbeiterwelle&#8220; einen dieser begehrten 15 Studienpl\u00e4tze erhalten, um drei Jahre lang das &#8222;Filmemachen&#8220; zu lernen. Das war 1969. Ich war 23 Jahre alt, hatte eine 3\u00bd j\u00e4hrige Ausbildung zum Maschinenschlosser hinter mir, war zur See gefahren und hatte mich drei Semester lang auf einer Ingenieurschule gequ\u00e4lt. Die Perspektive, mein Leben lang Getriebe f\u00fcr VW Motoren zeichnen zu m\u00fcssen, trieb mich aus Hamburg nach Berlin. Arbeitskr\u00e4fte waren in Berlin gesucht und ich lie\u00df mich als Schlosser anwerben. Es gab eine Lohnsteuererm\u00e4\u00dfigung &#8211; Berlin Zuschlag- genannt. Auf diese Weise konnte ich gleich noch der l\u00e4stigen Bundeswehr eine Nase machen, w\u00e4hrend ich mich heimlich bei dieser Schule bewarb. Filmemachen, das schien mir viel besser als Getriebe zu zeichnen. Jedes Jahr bewarben sich \u00fcber 200 Menschen, um einen der f\u00fcnfzehn Studienpl\u00e4tze zu erlangen. Da mu\u00dfte man (so wie ich) schon viel Gl\u00fcck haben, wenn man zur Aufnahme-pr\u00fcfung eingeladen wurde. Die dauerte mehrere Tage und es fast 60 Kandidaten, die sich um die Studienpl\u00e4tze bewarben. Die Kommission war mir gesonnen: Mit dem Proletenbonus &#8211; so habe ich es sp\u00e4ter genannt-schwappte ich in die Filmakademie.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>A<\/strong>m 25.08.1970 unterzeichnete ich meinen Vertrag f\u00fcr das erste Studienjahr. Und war recht schnell in Konfrontation. Ich wollte weg vom Proletariat und die anderen StudentInnen (diese Schreibweise benutzte man damals noch nicht) wollten dahin. Und dann wollten sie mir auch noch erz\u00e4hlen, wie das Proletariat so ist und wie man es auf den rechten linken Weg bringen k\u00f6nne. Ich dagegen wollte alle M\u00f6glichkeiten dieser Akademie so schnell wie m\u00f6glich nutzen. Die hatten Schneidetische, Kameras, eine gro\u00dfe Film-bibliothek und jede Menge Menschen mit Ahnung. Ich wollte viel und schnell lernen. Regelm\u00e4\u00dfig hielt ich mich auch in der Bibliothek auf. Eine freundliche Bibliothekarin f\u00fchrte mich in die unbekannten Sch\u00e4tze der gesammelten Texte ein. Renate Wilhelmi sei Dank.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>D<\/strong>arunter waren auch so banale Sachen wie alte Adressb\u00fccher, Reichs-kinoadressb\u00fccher. Darin gesammelt die Anschriften und Inhaberangaben aller Kinos aus ganz Deutschland, als es gro\u00df war, was immer das auch meint. Das war mein erster Kontakt. Doch zun\u00e4chst sollten mal Filme entstehen. Neue Filme, die das Bewusstsein ver\u00e4ndern sollten. Die Verbesserung der Welt war von uns vorgesehen. Dazu mu\u00dfte der Zustand der Welt genau untersucht werden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>G<\/strong>ier nach Neuem steckte bei mir dahinter. Erst 1985 habe ich mich dann in meiner Heimatstadt Hamburg wieder an die alten Reichskinoadressb\u00fccher von 1930 erinnert. Und habe begonnen zu suchen. Lebende Zeugen. Dokumente. Die Ergebnisse mit den noch lebenden Zeugen waren wie immer:<\/p>\n\n\n\n<p><strong>D<\/strong>amit meine ich: Ich, genauer: wir waren es gewohnt, da\u00df niemand dabei gewesen war, niemand etwas bemerkt hatte und niemand schuldig an irgendwas war. Alles war passiert irgendwie. Goebbels, G\u00f6ring und Hitler hatten fast alles alleine gemacht. Ich traf niemanden, der dabei gewesen war. Eine ganze Generation hatte diese und \u00e4hnliche Erfahrungen gemacht. Wir haben dann nur noch zum Schein gefragt, weil wir wussten, wir werden sowieso angeschwiegen oder angelogen. Ein Gef\u00fchl wie bei der Mafia in Sizilien. Irgend wann hat dann eine ganze Generation aufgeh\u00f6rt zu fragen. So kam es mir jedenfalls damals vor.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>A<\/strong>us den Reichskinoadressb\u00fcchern ging hervor: Es gab in Hamburg zwischen 1926 und 1940 eine Firma mit Namen &#8222;Henschel Film- &amp;  Theaterkonzern&#8220;. So begann meine Suche nach dem Verschwinden der Kinobesitzerfamilie Friderika und Jeremias Henschel, von denen ich damals noch nicht einmal die Namen kannte. F\u00fcr eine systematische Suche gab es keine M\u00f6glichkeit. Es gab niemand, der eine solche Suche mit ungewissem Ergebnis \u00fcber l\u00e4ngere Zeit finanziert h\u00e4tte.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>A<\/strong>uf dieser Grundlage sind alle Ergebnisse zuf\u00e4llig entstanden. In Hamburg gab es die entscheidenden Zeitungen, in denen man etwas h\u00e4tte finden k\u00f6nnen, 1984 nicht. Weder als Papierversion noch als Mikro Film. Also kehrte ich zur\u00fcck in die Bibliothek der Filmakademie in Berlin. Dort gab es damals nur ein Mikrofilmleseger\u00e4t. Aber im Gegensatz zu der Zeit als ich dort war, schien der Wissensdurst der Studenten in andere Richtung organisiert zu sein, als zu meiner Zeit. Man gew\u00e4hrte mir Zugang zum Mikrofilmleseger\u00e4t. Ich begann mit meiner Suche bei der &#8222;Licht Bild B\u00fchne&#8220;. Eine &#8222;Tageszeitung des Films&#8220;. Der &#8222;Kinematograph&#8220; war mir wegen des Eigent\u00fcmers Alfred Hugenberg, der mit Hitler in einer gro\u00dfen Koalition war, suspekt. Die Licht Bild B\u00fchne kam mit sechs Ausgaben in der Woche.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Z<\/strong>eitung lesen ist ja an sich keine Arbeit. Aber wenn man etwas bestimmtes sucht und nicht weiss, was es sein k\u00f6nnte und wann es passiert sein k\u00f6nnte, dann ist es doch anstrengende Arbeit. Nach einigen Tagen war ich immer noch erfolglos, ohne Mut und wu\u00dfte nicht mehr, wo ich noch suchen sollte. Der Zufall mu\u00dfte mir helfen. Mein Versuch begann mit Jahrestagen von der Qualit\u00e4t: Kaisers Geburtstag, F\u00fchrers Geburtstag, Bismarcks Ernennung, Bismarcks Abl\u00f6sung, der &#8222;Ausbruch des Krieges&#8220;, Kaiserabdankung und Flucht nach Holland, Ausrufung der Republik, Beginn des zweiten Weltkrieges, Beginn der Weltwirtschaftskrise, der Hamburger Aufstand und was die deutsche Geschichte sonst noch so an Katastrophen zu bieten hat.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>I<\/strong>ch wollte die Suche schon aufgeben, da kam ich auf jenen Montag, an dem der Reichspr\u00e4sident Paul von Hindenburg um 12.40 Uhr bekannt gegeben hatte:<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;Der Reichspr\u00e4sident hat Herrn Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt und auf dessen Vorschlag die Reichsregierung wie folgt gebildet: Adolf Hitler Reichskanzler, Stellvertreter des Reichskanzlers v. Papen, Freiherr v. Neurath Reichsau\u00dfenminister, Dr. Frick Reichsinnenminister, General von Blomberg Reichswehrminister, Graf Schwerin von Krosigk Reichsfinanzminister, Dr. Hugenberg Reichswirtschaftsminister, Franz Seldte Reichsarbeitsminister, Freiherr von Eltz=R\u00fcbenach Reichspost und Reichsverkehrsminister, Reichstagspr\u00e4sident G\u00f6ring, Reichskommissar f\u00fcr Luftverkehr und Preu\u00dfischer Innenminister. Reichskommissar f\u00fcr Arbeitsbeschaffung Dr. Gereke wird in seinem Amte best\u00e4tigt. Die Besetzung des Reichsjustizministeriums bleibt vorbehalten&#8230;.<\/em>&#8220; (Zitat aus: Deutsche Allgemeine Zeitung vom 31. Januar 1933)<\/p>\n\n\n\n<p><strong>I<\/strong>n der &#8222;Licht Bild B\u00fchne&#8220; fand ich in der Ausgabe vom Sonnabend, d. 28. Januar 1933 diese Meldung von dreizehn Zeilen: <em>&#8222;Nach Redaktionsschlu\u00df erreicht uns die furchtbare Nachricht, die wir wenigstens noch dem gr\u00f6\u00dferen Teil unserer heutigen Auflage beif\u00fcgen m\u00f6chten, da\u00df gestern gegen Abend in Hamburg Hermann Urich-Sa\u00df, einer der f\u00fchrenden K\u00f6pfe des deutschen Lichtspielgewerbes und leitende Pers\u00f6nlichkeit im Henschel Konzern, an einem Herzschlag im fr\u00fchen Alter von 45 Jahren gestorben ist. Seit kurzer Zeit hatte sich bei ihm ein Herzleiden bemerkbar gemacht. Man steht tief ersch\u00fcttert vor diesem tragischen Fall.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>I<\/strong>n der Ausgabe vom Montag, d. 30. Januar 1933 folgten Einzelheiten:<\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;Hermann Urich-Sa\u00df zum Gedenken. Wie im gr\u00f6\u00dften Teil unserer Sonnabend Ausgabe mitgeteilt, ist Hermann Urich-Sass am Freitag abend im bl\u00fchenden Alter von 45 Jahren einem Herzschlag erlegen. Seine Beerdigung findet heute, Montag, den 30. Januar, 3 Uhr nachmittags, in Hamburg Ohlsdorf auf dem Israelitischen Friedhof statt.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>E<\/strong>ndlich wu\u00dfte ich, wonach ich die ganze Zeit gesucht hatte. Ohne diesen &#8222;geschichtlichen Zeitpunkt&#8220; und den Hinweis auf die Beerdigungsst\u00e4tte h\u00e4tte ich niemals die Spur nach dem Verschwinden des Henschel Konzerns aufnehmen k\u00f6nnen. Schlie\u00dflich sind nicht alle Betriebe, die w\u00e4hrend der Nazizeit verschwunden sind, Opfer der rassistischen Enteignungen geworden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>E<\/strong>rst zwanzig Jahre sp\u00e4ter erlange ich Kenntnisse, da\u00df die Macht\u00fcbergabe an Adolf Hitler und der Todeszeitpunkt von Hermann Urich-Sass durchaus einen logischen Zusammenhang haben, den ich damals aber noch nicht ahnte.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>F<\/strong>\u00fcr meine Recherche stellt sich heraus: Die j\u00fcdischen Beerdigungsriten sind f\u00fcr mich besser als die Beerdigungsriten der Christen, die nach 25 Jahren ihre Gr\u00e4ber einebnen lassen. Bei den Juden -so lernte ich-ist das anders, die werden f\u00fcr die Ewigkeit beerdigt. So verlangt es der Brauch. Auf dem Israelitischen Teil des Hamburger Friedhofs Ohlsdorf (der streng getrennt von dem christlichen Teil des Friedhofs ist) beginne ich meine Suche und finde mit Hilfe von Friedhofsw\u00e4rter Horst Deggert den Grabstein von:<\/p>\n\n\n\n<p><strong>H<\/strong>ermann Urich-Sa\u00df. Geb. 18. JUNI 1887-5647, Gest. 27. JAN. 1933-5693<\/p>\n\n\n\n<p>Als Horst Deggert das Datum der Beerdigung liest, kommentiert er nur trocken: <em>\u201eDann mu\u00dfte er ja die ganze Scheisse nicht mehr mit erleben&#8220;<\/em>. Ich fand, der Mann hat recht. Der Stein war gut erhalten. Das Grab war gepflegt. Nach deutschem Brauch mu\u00df f\u00fcr Grabpflege bezahlt werden. Es gab also Jemanden, der f\u00fcr die Pflege dieses Grabes bezahlt. Das war meine Vermutung.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>E<\/strong>inen Entwurf f\u00fcr einen Dokumentarfilm unter dem Titel &#8222;Auf der Suche nach Henschel&#8220; der meine Vermutungen \u00fcber das Verschwinden der Henschel Kinos zusammenfasst und ein Anschreiben an die Angeh\u00f6rigen von Hermann Urich-Sa\u00df \u00fcbergebe ich der j\u00fcdischen Gemeinde und bitte sie, beides an die Angeh\u00f6rigen weiter zu reichen, deren Namen und Aufenthaltsorte ich damals nicht kannte.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>S<\/strong>o wie diese Menschen in Deutschland von unseren Eltern und Gro\u00dfeltern behandelt wurden, w\u00fcrde es mich nicht wundern, wenn sie keinen Kontakte mit jemandem aus Deutschland haben wollen. Damit w\u00e4re dann die Suche nach den Henschels mit ihren Kinos zu Ende gewesen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>A<\/strong>ber einige Wochen sp\u00e4ter kommt erst ein Telegramm dann Post aus Mexiko und Brasilien. Im August 1989. Verwunderung auf der anderen Seite des gro\u00dfen Teiches. Seit sechzig Jahren hat niemand nach dem Verschwinden des Henschel Film und Theater Konzerns gefragt. Warum jetzt?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>E<\/strong>s schreiben die S\u00f6hne der damaligen Besitzer. Horst Urich-Sa\u00df ist die Flucht nach Mexiko gelungen. Er ist am 1. Februar 1914 in Hamburg geboren. Als sein Vater starb und Hitler an die Macht gebracht wurde, war er 18 Jahre alt. Als er 22 Jahre alt ist, mu\u00df er aus Deutschland fliehen. Die Gestapo sucht ihn.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>I<\/strong>n seinem Brief schreibt er: <em>\u201cGestern kam ich aus den USA und fand ihren Brief vom 17. Mai, den ich sofort beantworte. James Henschel war mein Gro\u00dfvater, Hugo Streit mein Onkel. Hermann Urich-Sass mein Vater. . . . Ich habe keine Absichten nach Europa zu kommen: Ich habe keine Beziehung zu Deutschland. Dass sie einen Dokumentarfilm \u201cAuf der Suche nach Henschel\u201c beabsichtigen, erscheint mir unverst\u00e4ndlich. Wer interessiert sich heute noch f\u00fcr das Schicksal von Menschen, die vor 56 Jahren derart gedem\u00fctigt wurden, dennoch verspreche ich Ihnen, sicherlich auch im Namen meiner Verwandten, volle Mitarbeit. Wir verloren das Vaterland, etwas, was schmerzhaft ist und materielle Dinge, solche kann man und haben wir in reichlichem Mass in unseren neuen Heimaten errungen ohne Antisemitismus, den ich schon lange vor der Hitlerzeit erleben musste und habe meine Zweifel, wenn man behauptet diese negative Gef\u00fchlsstimmung sei pl\u00f6tzlich verschwunden.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>D<\/strong>er Brief von Horst Urich Sass ist auf Firmenpapier geschrieben.&#8220;BACO. S.A.&#8220; Links oben sind zwei Geb\u00e4ude abgebildet, die aussehen wie Fabrikgeb\u00e4ude. Der Luftpostumschlag ist mit Namen und der Anschrift des Absenders bedruckt und hat, wenn man dem Stempel glauben kann, eine Reise von Mexico 10, D. F. \u00fcber die USA ( L.A. Beverly Hills) nach Hamburg 50 gemacht. <strong>D<\/strong>ie Vermutung, da\u00df es sich bei Horst Urich-Sass um den Besitzer dieser Fabrik handelt, l\u00f6st bei mir gemischte Gef\u00fchle aus, war mein Leben bisher immer von der Erkenntnis gepr\u00e4gt, da\u00df die Guten immer unten und die B\u00f6sen immer oben sind. Und das, obwohl ich auch unten schon viele B\u00f6se getroffen hatte. Aber einen deutschen Emigranten, der in Mexiko eine Fabrik und einen zweiten Wohnsitz in Beverly Hills, Los Angeles, hat, das brachte mich damals ins Gr\u00fcbeln.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>D<\/strong>en S\u00f6hnen von Hugo Streit, Rolf Arno Streit und Carl-Heinz Streit ist die Flucht nach Brasilien gelungen. Sie waren dort auch im Filmgesch\u00e4ft t\u00e4tig und schreiben aus Belo Horizonte am 17. August 1989. Rolf Arno Streit erg\u00e4nzt meine Recherchen zur Geschichte des Henschel Film und Theaterkonzerns, den sein Vater und sein Onkel in Hamburg betrieben haben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>F<\/strong>alls ich diesen Film \u00fcber das Verschwinden der Henschel Kinos tats\u00e4chlich machen wollte, dann mu\u00dfte zun\u00e4chst einmal Geld f\u00fcr die Produktion und f\u00fcr die Reise besorgt werden. Einzige M\u00f6glichkeit: Ein Antrag bei der Hamburger Filmf\u00f6rderung: Das Hamburger Filmb\u00fcro e. V.. Frisch gegr\u00fcndet und selbstverwaltet.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>L<\/strong>eider ist Jens Meyer dort schon mehrfach als obstinat aufgefallen. Mein Filmemacherkollege Wolfgang Morell (Gr\u00fcndungsmitglied des Filmb\u00fcros) stellte dort jedes Jahr Antr\u00e4ge und hatte noch nie eine m\u00fcde Mark f\u00fcr die Produktion eines Filmes von ihnen bekommen. Auch er konnte seine Schnauze immer nicht halten und hatte wiederholt offen seine Meinung \u00fcber die sich entwickelnde Filmb\u00fcrokratie vorgetragen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>A<\/strong>lso, dachte ich mir, m\u00fcssen mir meine Eltern helfen. Geld konnten sie mir leider nicht mehr geben. Daf\u00fcr war es zu sp\u00e4t. Aber schlie\u00dflich haben sie mir drei Vornamen gegeben und das mu\u00df ja irgendwie von Nutzen sein. Der Antrag auf F\u00f6rderung wird nicht von Jens sondern von der Otto Meyer Filmproduktion gestellt. Und Otto Meyer hat Gl\u00fcck. Bekommt ein Darlehen von 75.000,&#8211; DM auszahlbar in drei Raten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>W<\/strong>ir (Dietmar Bruns und ich) fahren nach Beverly Hills und nach Belo Horizonte. Und weil wir kein Geld haben f\u00fcr eine U-Matic Kamera (fragen sich jetzt alle, was war das noch mal?) zu leihen, kaufen wir einfach eine S-VHS Kamera von JVC f\u00fcr 5.000,00 DM. Damals das beste, was es im semi-professionellen Bereich gab.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>H<\/strong>orst Urich-Sass, der Sohn von Hermann Urich-Sass, den wir am 20. Juli 1990 in Beverly Hills in Los Angeles befragen, ist am 1. Februar 1914 in Hamburg geboren. Er ist 76 Jahre alt und ein reicher Mann. Geld konnte er bei seiner Flucht nach Mexiko keins mitnehmen und in Mexiko hat er sich mit dem Handel von Stoffen \u00fcber Wasser gehalten, denn Spanisch konnte er nicht. Aber die, mit denen er gehandelt hat, sprachen Jiddisch und so konnte er sich verst\u00e4ndlich machen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>W<\/strong>enn er von Hamburg spricht, dann spricht er von der Angst, die er immer gehabt hat. Zur Recht wie sich herausstellt. Er wird denunziert. Wegen &#8222;Rassenschande&#8220;. Seine Schwester Vera ist schon vor ihm nach Mexiko gefl\u00fcchtet. \u00dcber die Besitzer, die die Kinos \u201e\u00fcbernommen haben&#8220; wie er sich ausdr\u00fcckt mag er nichts schlechtes sagen. Die haben ja durch den Krieg auch alles verloren. Die waren nach dem Krieg besiegt und lagen am Boden. Und man tritt nicht auf den, der am Boden liegt. Ich denke bei mir, vielleicht w\u00e4re es doch mal ganz gut gewesen, wenn nach dem Kriege mal getreten worden w\u00e4re. Aber wer bin ich denn, da\u00df ich sowas sagen kann?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>I<\/strong>n Belo Horizonte treffen wir die S\u00f6hne des Kinobesitzers Hugo Streit: Rolf Arno Streit ist am 9. August 1912 Hamburg geboren, sein Bruder Carl Heinz ist ein Jahr \u00e4lter. Er ist am 26. 08. 1911 in Hamburg geboren. Als wir mit ihnen sprechen am 30. und 31. Juli 1990 sind sie 78 und 79 Jahre alt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>A<\/strong>ls sie 1936 aus Deutschland gefl\u00fcchtet sind, um ihr Leben zu retten, waren sie 24 und 25 Jahre alt. Jetzt sind sie seit 54 Jahren in Brasilien. Sie haben die deutsche Sprache wenig benutzt. Aber langsam kommen doch viele vergessene Worte zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>D<\/strong>ie Nazis haben sie ausgeb\u00fcrgert aus Deutschland, doch nach dem Krieg haben Rolf und seine Frau Hilde Streit wieder die deutsche Staatsangeh\u00f6rigkeit beantragt und bekommen. Sogar seine Tochter Anja hat einen deutschen Pass. Sein Bruder Carl Heinz Streit wollte keinen deutschen Pass mehr haben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>B<\/strong>ei der Er\u00f6ffnung unseres Kinos (3001-Kino) am 1. Mai 1991 bringe ich im Foyer ein Messingschild an. Dort ist zu lesen:<\/p>\n\n\n\n<p>ZUM ANDENKEN AN DIE HAMBURGER KINO-PIONIERE JEREMIAS (genannt James) HENSCHEL HERMANN URICH-SASS HUGO STREIT GR\u00dcNDER DER ERSTEN HAMBURGER GROSS-KINOS BESITZER DER LEGEND\u00c4REN &#8222;SCHAUBURG&#8220; KINOS VON HAMBURGER B\u00dcRGERN W\u00c4HREND DER NAZI-ZEIT VERFOLGT, ENTEIGNET UND AUS DEUTSCHLAND VERTRIEBEN Hamburg, d. 1. Mai 1991<\/p>\n\n\n\n<p><strong>I<\/strong>m Oktober 1994 ist der Film fertig. F\u00fcr ein Fernsehfeature ist er zu lang (Die Norml\u00e4nge ist zu dieser Zeit 45 Min.), f\u00fcr einen Kinofilm zu kurz. Der Arbeitstitel &#8222;Auf der Suche nach Henschel&#8220; wird dem Film nicht gerecht. <strong>D<\/strong>ie Anfangszeile eines Werbeliedes, das damals f\u00fcr die Schauburg Kinos komponiert wurde, wird mein Filmtitel: &#8222;Leute seid vern\u00fcnftig, lasst die Frau durch, denn sie will noch schnell mal in die Schauburg&#8220;. Ich versuche eine Kinoauswertung und einen Fernsehverkauf. Aber das Interesse bei den Sendern ist gering. Der Tenor lautet: das Thema Juden und Kino, das hatten wir schon mal. Er l\u00e4uft ein paar mal bei uns im Kino in Hamburg und ich verschicke mehrere Jahre lang Ansichtskassetten an Fernsehstationen. Erfolglos.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Vi<\/strong>elleicht ist es einfach nur ein schlechter Film geworden, denke ich manchmal. Andrerseits gibt es nat\u00fcrlich Gr\u00fcnde, warum sechzig Jahre lang niemand gefragt hat, wo die ehemaligen Besitzer der Schauburg Kinos geblieben sind.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>M<\/strong>ein Freund Reinhold S\u00f6gtrop stellt einen Antrag bei den Gr\u00fcnen, um Gelder f\u00fcr eine Fotoausstellung zusammen zu bringen. Ich hatte viele Fotos aus Brasilien und einige aus den USA mitgebracht. Wir durften auch Blicke in die Fotoalben der &#8222;neuen Kinobesitzer&#8220; in Hamburg, so nenne ich mal die S\u00f6hne und T\u00f6chter derer, die nach 1933 Kinobesitzer wurden, tun und einige sogar abfotografieren f\u00fcr unsere Ausstellung &#8222;Auf der Suche nach Henschel&#8220;. Da\u00df wir in Hamburg angelogen wurden, das waren wir schlie\u00dflich gew\u00f6hnt und so war ich auch nicht traurig, da\u00df einer der S\u00f6hne, der damals noch lebte (Tim Sch\u00fcmann) uns kein Interview geben wollte.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>A<\/strong>ber wie das manchmal so ist, wenn man mit einer Videokamera Fotos aufnimmt. Da stellt man beim Umbl\u00e4ttern der Seiten des Fotoalbums manchmal Fragen und erh\u00e4lt Antworten und vergi\u00dft dabei schnell, da\u00df die Kamera ja auch ein Mikrophon hat. Einige Jahre sp\u00e4ter habe ich mir dann den Ton noch einmal angeh\u00f6rt und dar\u00fcber gestaunt, was S\u00f6hne so manchmal veranstalten, um die braunen und die Blutflecken von der Jacken ihrer V\u00e4ter zu entfernen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>D<\/strong>a entstehen sonderbare Mischungen. Noch Jahre nach dem Tod, werden so aus \u00fcberzeugten SA M\u00e4nnern, die freudig Zeitungsanzeigen aufgeben, da\u00df das Kino jetzt endlich in \u00bbarischem\u00ab Besitz sei, M\u00e4nner des inneren Widerstands. Mit der Fotoausstellung bei uns im Kino wollten wir eine gr\u00f6\u00dfere \u00d6ffentlichkeit ansprechen und neue Informationen bekommen. Fehlanzeige. Wenn man mal von der Magisterarbeit von Gerti Keller und der Hausarbeit der Studentin Stephanie Baecker absieht.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>V<\/strong>iele Fragen waren damals ungekl\u00e4rt und so liess mich das Thema nicht mehr los. Wem geh\u00f6rten die Kinogrundst\u00fccke? Warum wurden die zerst\u00f6rten Kinos nicht wieder aufgebaut? Warum wurden so hervorragende Grundst\u00fccke, wie das vorne an der Reeperbahn, Ecke Zirkusweg nicht wieder bebaut oder verkauft?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>W<\/strong>arum wurde das Grundst\u00fcck am G\u00e4nsemarkt, sp\u00e4ter mit einem sog.&#8220;Ufa Palast&#8220; bebaut nicht zur\u00fcckerstattet? Das waren nur einige dieser offenen Fragen. Und viele Ausk\u00fcnfte bekommt man nur, wenn man ein sog.&#8220;berechtigtes Interesse&#8220; nachweisen kann. Geschichtsaufarbeitung geh\u00f6rt meist nicht dazu. Anschlie\u00dfend habe ich meine Hobbyforschung Heimatkunde genannt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>I<\/strong>m Laufe der Jahre entwickelt sich so eine Sammelleidenschaft. So wie andere Briefmarken sammeln, sammle ich seit 1988 Naziverbrecher und Naziopfer. So kommt es mir jedenfalls vor. In meiner Sammelleidenschaft traf ich auf den Kameramann Sven J. Der schaute sich das Material an und ermunterte mich-la\u00df uns ein Buch aus diesem zus\u00e4tzlichen Material machen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>M<\/strong>anchmal nimmt man eben doch den Mund zu voll, jedenfalls war meine damalige an Antwort, das sei \u00fcberhaupt kein Problem, das sei ja alles da und m\u00fcsse nur noch kurz zusammengef\u00fcgt werden. Pustekuchen. Sven J. brachte mich dann mit dem Geschichtsstudenten Jan J. zusammen, der sowieso noch ein Thema f\u00fcr seine Diplomarbeit suchte und sich gleichzeitig noch als Fotograf bet\u00e4tigte. Ein wunderbare Kombination f\u00fcr die bevorstehenden Sucharbeiten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>V<\/strong>on Rolf Arno Streit hatte ich erfahren, da\u00df ein ma\u00dfgeblicher Mann in Hamburg bei der Enteignung der Kinobesitzer, ein Obernazi namens Adam gewesen sei. Leider wu\u00dften die Streit Br\u00fcder nicht viel von diesem Mann. Nicht einmal den Vornamen. Sie vermuteten, da\u00df dieser Mann zusammen mit den beiden Nazis, die den Henschel Konzern &#8222;\u00fcbernommen hatten&#8220; ein Kino in Kiel hatte. Einen ganzen Tag habe ich damals in Kiel im Stadtarchiv verbracht, aber nichts herausgebracht.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>U<\/strong>nd die Zeugen waren wie immer sprachlos oder ausgestorben. Erst 1993 brachte die Studentin Gerti Keller, der ich meine Unterlagen zur Verf\u00fcgung stellte, den Vornamen und eine Kurzbiografie dieses Obernazis heraus.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>D<\/strong>er Mann hiess Richard Adam und war Leiter der Landesfilmstelle in Hamburg. Im Laufe der weiteren Suche stellte sich heraus: Der Mann war Goebbels direkt unterstellt. Wieder begann die Suche. Ich schrieb \u00fcber mehrere Jahre immer wieder an das Hamburger Landgericht, die sog. Wiedergutmachungskammer. Und irgendwann im Jahre 2005 rief mich dann Richter Lothar Weyhe vom Landgericht Hamburg an, und teilte mir mit, wenn ich von einem Beteiligten eine Vollmacht zur Akteneinsicht beibringen k\u00f6nne, dann h\u00e4tte er noch so verschiedene interessante Akten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>W<\/strong>ieder schrieb ich nach Brasilien, in der Hoffnung, da\u00df die Kinder des Kinobesitzers vom Waterloo Kino in der Dammtorstrasse mir antworten w\u00fcrden. Und tats\u00e4chlich kam Post aus Sao Paulo von G\u00fcnther Hirschel, dem Sohn des Kinobesitzers Manfred Hirschel (Waterloo Theater). Er stellte eine Vollmacht aus. Und so konnten wir (Jan Johannsen und ich) das erste Mal die Prozessakten aus dem Prozess Hirschel gegen Esslen ansehen und fotografieren). Die Entwicklung der Fototechnik war inzwischen vorangegangen. <strong>W<\/strong>\u00e4hrend Reinhold S\u00f6gtrop und ich noch umst\u00e4ndlich mit einer Kleinbildkamera im Staatsarchiv waren, konnten wir (Jan Johannsen und ich) mit seiner Digitalkamera alle Akten, von denen wir Kenntnis erhielten, fotografieren. Mit der vorgelegten Vollmacht von G\u00fcnther Hirschel durften wir die Akten des \u201eWiedergutmachungsproze\u00df&#8220; (schon diese Wortsch\u00f6pfung stellt eine Verh\u00f6hnung der Opfer dar) um das Waterloo Theater in der Dammtorstrasse fotografieren. Die Prozessakte Hirschel gegen Esslen hat 246 MB und passt auf eine CD Rom. Zum Lesen vor Ort hatten wir keine Zeit.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>D<\/strong>as war das Gef\u00fchl, das Touristen aus Asien bei Europareisen haben. Alles wird auf Speicherchips gebracht. Erst zuhause werden die Objekte angesehen. Und dort fielen mir dann fast die Augen aus dem Kopf. Der Obernazi Richard Adam, der die Enteignung der j\u00fcdischen Kinobesitzer ma\u00dfgeblich im Sinne der NSDAP vorangetrieben hatte, tritt in dem R\u00fcckerstattungsproze\u00df Waterloo Theater als Zeuge der &#8222;Arisierer&#8220;  (Esslen und Heisig)  auf und wird nicht (nat\u00fcrlich nicht) im Gerichtssaal sofort festgenommen. <strong>E<\/strong>r darf dagegen vor Gericht ausf\u00fchren, da\u00df der j\u00fcdische Kinobesitzer Manfred Hirschel schon vor der Enteignung durch Klara Esslen und Heinz B. Heisig (der nach dem Kriege damit punkten konnte, der einzige Hamburger Kinobetreiber gewesen zu sein, der nicht Mitglied der NSDAP war) pleite gewesen sei und dass die Partei keinerlei Einflu\u00df genommen habe. Doch zur\u00fcck an den Anfang der Hamburger Kinogeschichte. <strong>D<\/strong>ie eigentliche Kinogeschichte der Henschels beginnt schon viel fr\u00fcher mit der Er\u00f6ffnung des &#8222;Helios Theaters&#8220; von Friderika und Jeremias Henschel im Dezember 1905.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>D<\/strong>er Enkel Rolf Arno Streit, der seine Gro\u00dfeltern noch kennengelernt hat, beschreibt, wie seine Gro\u00dfeltern darauf gekommen sind, Kinos zu machen.:           \u201e<em>In Paris, so hat er (Jeremias) geh\u00f6rt, gibt es einen Grammophon Laden, dass hei\u00dft die Leute konnten in den Laden gehen sich Telefone an die Ohren legen und konnten dann eine Musik w\u00e4hlen. Das wollte er in Hamburg auch machen. Auf dem Weg dorthin sind sie (Friderika und Jeremias) stehengeblieben vor einer riesigen Schlange von Menschen, die alle in ein sogenanntes Cine gehen wollten. Das war eine Neuigkeit f\u00fcr meine Gro\u00dfeltern. Da wurden die ersten Filme vorgef\u00fchrt. Nachher sind sie ins Hotel gegangen und meine Gro\u00dfmutter Frida Henschel hat zu meinem Gro\u00dfvater gesagt, James ich habe es mir \u00fcberlegt. Wir machen nicht Grammophon. Wir machen Kinos.&#8220;<\/em> <strong>W<\/strong>ann Friderika und Jeremias diese Reise nach Paris gemacht, wei\u00df ich nicht. Vielleicht waren sie in Paris, als dort die Weltausstellung stattfand. Dort f\u00fchrten die Br\u00fcder Lumiere zum ersten Mal ihren &#8222;Cinematographe Geant&#8220; vom 15. April bis 31. Oktober 1900 vor. Das war ein Breitwandverfahren f\u00fcr eine Leinwand von 25 x 15 Metern.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>F<\/strong>\u00fcnf Jahre sp\u00e4ter jedoch (Im Dezember 1905) er\u00f6ffnen Friderika und James Henschel ihr erstes Kino in Hamburg Altona. Es ist das &#8222;Helios Theater&#8220; in der Bergstrasse 11. Das Kino hat 500 Pl\u00e4tze. James  ist zu diesem Zeitpunkt 42 Jahre alt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>A<\/strong>us einem Zeitungsbericht erfahre ich, dass Anfang 1906 das Ehepaar Henschel ihr zweites Kino, das &#8222;Belle-Alliance-Theater&#8220; in der Eimsb\u00fctteler Strasse 2 er\u00f6ffnen. <em>&#8222;Es fasste 1.400 Personen, f\u00fcr die damalige Zeit eine unerh\u00f6rte Zahl, und hat Zeit seines Bestehens nur einen \u201eschwarzen Tag&#8220; erlebt: den Tag, an dem die Michaelis Kirche niederbrannte und die gesamte Tageskasse-bei 1.400 Pl\u00e4tzen-nur 56 Mark aufwies&#8220;.<\/em> steht in der Licht Bild B\u00fchne vom 16. August 1930.                 (Der Tag an dem der Michel brannte war der 3. Juli 1906)<\/p>\n\n\n\n<p><strong>V<\/strong>ergleicht man die Gr\u00f6\u00dfe des &#8222;Belle Alliance&#8220; mit heutigen Kinos, dann schneidet die Gegenwart schlecht ab. Das gr\u00f6\u00dfte Kino Deutschlands steht heute in Essen. Die Lichtburg: Die hat 200 Sitzpl\u00e4tze weniger (1.200 Sitzpl\u00e4tze). Hamburgs gr\u00f6\u00dftes Kino im Cinemaxx hat mal grade 1.001 Sitzpl\u00e4tze.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>E<\/strong>s scheint mir dringend an der Zeit, eine Art Biografie dieser ersten Kinounternehmer zu versuchen. Eigentlich w\u00e4re das Aufgabe jener gewesen, die sich Historiker nennen. Warum m\u00fcssen das Amateure und  Diletanten  machen, so wie ich einer bin? Auf jeden Fall, finde ich, ist es h\u00f6chste Zeit diese L\u00fccke endlich zu schlie\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>D<\/strong>ie Frau, die Jeremias Henschel dazu brachte, Cine zu machen war: Friderike (Friderika) Blumenthal, geb. am 17. Oktober 1865 in L\u00fcbeck. Sie fl\u00fcchtete 1939 aus Deutschland nach Mexiko und starb am 16. April 1945 in Manhattan, New York im Alter von 79 Jahren. Sie hatte f\u00fcnf Kinder. Rolf Arno Streit berichtet von seiner Gro\u00dfmutter Friderika, dass diese eine sehr religi\u00f6se J\u00fcdin gewesen sei. Sie habe einen koscheren Haushalt gef\u00fchrt. Der Opa James habe es dagegen nicht so genau genommen. Einmal im Jahr, wenn Friderika in der Synagoge zum Beten gewesen sei, dann sei er heimlich Schweinefleisch essen gegangen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>M<\/strong>ark (Hermann) Lissauer (der kleine Junge auf dem Balkon des Fotos vom Thalia Kinos in der Grindelallee 116) berichtet in einer E  Mail vom 22. Dezember 2005: <em>&#8222;Von meiner Mutter h\u00f6rte ich, da\u00df Oma Frida an der Kasse sa\u00df und sie und James mit einer Waschbalje voll mit 10 Pfennigst\u00fccken per Droschke nach Hause fuhren.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>D<\/strong>ie biografischen Angaben \u00fcber James Henschel sind auch nicht grade \u00fcppig: Geboren wurde er am 5. Februar 1863 in Hamburg. Er erlangte am 18. Dezember 1901 das Hamburger B\u00fcrgerrecht. Als Berufsangabe wird genannt: Kaufmann und Agent. Am 22. April 1897 wird seine Firma James Henschel ins Handelsregister eingetragen. Nach einem Zeitungsbericht kam er von der &#8222;Konfektion&#8220;, was vermutlich heissen soll, da\u00df er sich mit dem&#8220; Handel von Fertigkleidung&#8220; (Duden Fremdw\u00f6rterbuch) besch\u00e4ftigte.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>E<\/strong>r war Mitglied der Hugenberg Partei (DNVP). Was immer man davon h\u00e4lt. F\u00fcr den Enkel von James Henschel war diese Parteimitgliedschaft lebensrettend. James erhielt von einem Parteifreund Nachricht, das sein Enkel Horst Urich-Sass von der Gestapo gesucht werde. Aus gleicher Quelle konnte er auch seinen Schwiegersohn Hugo Streit vor der Verhaftung durch die Gestapo warnen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>H<\/strong>ermann Lobbes von der Licht Bild B\u00fchne schreibt in dem einzigen Bericht, den ich gefunden habe, \u00fcber die Arbeit von James Henschel: <em>&#8222;Die Sommersaison 1907 bedeutete dann den einzigen gr\u00f6\u00dferen R\u00fcckschlag f\u00fcr die junge Firma, wenn man von den beiden ersten Kriegsjahren absieht, deren \u00dcberwindung nur durch fortgesetzte und betr\u00e4chtliche Zusch\u00fcsse aus den Reserven m\u00f6glich war.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Aber als James Henschel im Herbst 1907 mit dem \u201eHauptmann von K\u00f6penick&#8220; (Buderus, Hannover) herauskam und diesem Sensationsfilm wenig sp\u00e4ter die nicht minder spannende und aufregende Trag\u00f6die vom \u201eUntergang Messinas&#8220; (Ambrosio) folgen lie\u00df, war die Situation mit einem Schlage gerettet. Beide Filme schlugen wie eine Bombe ein. Hunderte warteten t\u00e4glich in langen Ketten vor der Kasse.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Hunderte fanden keinen Einlass. In Altona gab es damals kaum irgendwelche regulierenden Polizeivorschriften, und so spielte man ununterbrochen von 3 Uhr nachmittags bis 1 Uhr nachts. An manchen Sonntagen wurde das Theater von mehr als 8.000 Personen besucht! Diese erfreuliche Konjunktur lie\u00df die Kasse anschwellen und schaffte die M\u00f6glichkeit ein weiteres Theater in Betrieb zu nehmen. Ein g\u00fcnstiger Bauplatz fand sich an der Wandsbeker Chaussee und hier errichte Henschel nun, nach einer kurzen Entreprise in L\u00fcbeck, das erste Theater der Welt, das ausschlie\u00dflich f\u00fcr Kinozwecke bestimmt war. Aufgef\u00fchrt mit einem Kostenaufwand von 550.000 Mark wurde das Palast-Theater, heute gleich den \u00fcbrigen Gro\u00dftheatern Henschels im Besitz der Ufa, einer der gewaltigsten Saalbauten seiner Zeit.&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>A<\/strong>ls James Henschel 55 Jahre alt ist, macht die neugegr\u00fcndete UFA (gegr\u00fcndet am 18. Dezember 1917) ihm ein Angebot f\u00fcr den Kauf seiner Kinos. James Henschel verkauft an die UFA. Da die UFA offenbar daran interessiert ist, nicht mit eigenem Namen in Hamburg als Kinobesitzerin aufzutreten, wird eine &#8222;J. Henschel GmbH&#8220; gegr\u00fcndet. Viele fallen darauf herein. Ich auch. Bis mein Sohn Hannes  eines Tages im Bundesarchiv in Berlin zwei Ordner mit den Bilanzen der J. Henschel GmbH findet. Es stellt heraus, da\u00df die Firma zu 100 % der UFA geh\u00f6rt. James Henschel hat mit Gr\u00fcndung dieser Firma alle seine Anteile und auch die ihm geh\u00f6renden Grundst\u00fccke an die UFA verkauft.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>M<\/strong>it dem Erl\u00f6s aus den verkauften Kinos kauft er sich 1919 &#8211; 14 Wohnh\u00e4usern mit \u00fcber hundert Wohnungen und \u00fcbersteht dadurch die Inflation von 1923 und die Weltwirtschaftskrise von 1929.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>D<\/strong>as Ehepaar Henschel fl\u00fcchtet 1938 aus Deutschland zun\u00e4chst zur Tochter Bianca nach Holland. Bianca Henschel hatte dort den portugiesischen Konsul Isidor Kahn geheiratet. James Henschel stirbt am 26. August 1939 im Alter von 76 Jahren in Den Haag. Nach seinem Tode gab der Reichsminister am 16.09.1939 im Reichsanzeiger bekannt, da\u00df James und Friderika Henschel &#8222;ausgeb\u00fcrgert&#8220; wurden. Sie waren keine Deutschen mehr. Gleichzeitig wurde bekannt gegeben, das das gesamte inl\u00e4ndische Verm\u00f6gen von James und Friderika Henschel beschlagnahmt sei. Das darf als Hinweis darauf gelten, da\u00df die Nazis auch gerne das ausl\u00e4ndische Verm\u00f6gen gehabt h\u00e4tten. Friderika ist zu diesem Zeitpunkt 74 Jahre alt, als sie mit falschen Papieren \u00fcber Portugal nach Mexiko entkommt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>J<\/strong>ames Henschel hat mit seinem Tode den Nazi Juristen noch eine Nase gemacht. Zwischen Gestapo, Oberfinanzpr\u00e4sident und anderen deutschen Nazibeh\u00f6rden gibt es einen l\u00e4ngeren Schriftwechsel in den Unterlagen, ob sie nicht den richtigen Zeitpunkt der Enteignung, bzw. der Ausb\u00fcrgerung verpasst h\u00e4tten. Auch die Grundst\u00fccke der J. Henschel GmbH konnten nicht mehr enteignet werden. Denn die hatte er bereits 1918 an \u201eseine&#8220; GmbH verkauft.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>D<\/strong>er Enkel Horst Urich-Sass berichtete von seinem Vater Hermann Urich-Sa\u00df, der gro\u00dfe Lust hatte, Kinos zu bauen. Immer wenn sein Vater mal zu aggressiv gebaut hatte und das Geld ausging, dann sind sie (Hugo Streit und Hermann Urich-Sass) nach Monte Carlo gefahren und James mu\u00dfte mit Geld aushelfen, was er auch getan hat. <strong>D<\/strong>as Ehepaar Henschel hatte f\u00fcnf Kinder: <strong>Hanns <\/strong>Henschel ist der \u00c4lteste. Ich finde sein Grab auf dem j\u00fcdischen Friedhof in Ohlsdorf. Dort steht bei den Toten aus dem ersten Weltkrieg ein Stein: Unteroffizier Hanns Henschel geb. am 21. September 1893 \u2013 5654. Gef. 31. Oktober 1916- 5677. Der Stein vermerkt: Inhaber des eisernen Kreuzes und des hanseatischen Kreuzes. Er ist 23 Jahre alt, als sein Vaterland ihm das Leben nimmt. <strong>Hedwig <\/strong>Henschel wird am 4. Juni 1888 in Hamburg geboren. Mutter Friderika ist damals 22 Jahre alt. Vater Jeremias 25 Jahre alt. Sie heiratet Hermann Urich-Sa\u00df. (Henschel Film und Theaterkonzern) und stirbt am 24. Januar 1960 im Alter von 71 Jahren in Mexiko. <strong>Sophie<\/strong> Henschel wird am 07.04. 1889 in Hamburg geboren. Mutter Friderika ist 23 Jahre alt, der Vater Jeremias 26 Jahre alt. Sie heiratet Hugo Streit. (Henschel Film und Theaterkonzern), fl\u00fcchtet im Dezember 1938 aus Deutschland und stirbt am 14. November 1968 im Alter von 79 Jahren in Belo Horizonte, Brasilien. <strong>Bianca <\/strong>Henschel wird am 8. M\u00e4rz 1890 in Hamburg geboren. Mutter Friderika ist 24 Jahre alt, Vater Jeremias ist 27 Jahre alt. Bianca heiratet am 5. Mai 1931 den portugiesischen Konsul Dr. Isidor Kahn in Den Haag und zieht nach Holland. Sie stirbt nach Kriegsende in Manhattan, New York. <strong>Grethe<\/strong> (Gretl) Henschel. Ich finde ihr Geburtsdatum auf dem j\u00fcdischen Friedhof in Ohlsdorf. Geb. am 8. April 1895 in Hamburg. Gestorben am 4. August 1921. (5655-5681 steht auf dem Grabstein). Mutter Friderika ist 29 Jahre alt. Gretl (wie sie auf dem Grabstein genannt wird) ist verheiratet mit Hermann Lissauer. geb. am 5. November 1893 in Hamburg. Gestorben am 29. August 1922. (5654-5682). Sie hat einen Sohn: Hans Adolf Lissauer, der am 08.01. 1920 in Hamburg geboren wird, in die USA fl\u00fcchtet und sich dort Henry Anthony Lissauer nennt. <strong>D<\/strong>ie Suche in den Akten des Staatsarchives ist zeitaufwendig. Eigentlich nur Menschen m\u00f6glich, die jede Menge Zeit und viel Geduld haben. In den Bestandsverzeichnissen des Oberfinanzpr\u00e4sidenten (so nennt sich die Auspl\u00fcnderungsbeh\u00f6rde in dieser Zeit) sind die Akten aufgelistet, die im Archiv vorhanden sind. In den ersten Jahren nach Namen sortiert, sp\u00e4ter nicht mehr. Die Nummern der Akten werden in Bestelllisten eingetragen, die bis 11.30 Uhr abgegeben werden m\u00fcssen. Ab 13.30 Uhr werden diese dann im Lesesaal bereit gestellt. Um 16.00 Uhr wird der Lesesaal geschlossen. 150 Minuten sind nicht viel Zeit, um dem Flei\u00df der nationalsozialistischen deutschen Beamten gerecht zu werden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>U<\/strong>nd langsam, beim Sammeln der vielen neuen Informationen stellt sich heraus, da\u00df der Film von 1994 nur die halbe Wahrheit war. Damals ging ich davon aus, da\u00df von den 50.000 Sitzpl\u00e4tzen in Hamburger Kinos ungef\u00e4hr 30 % im Besitz von Menschen waren, die von den Nazis als Juden bezeichnet wurden und die sich selbst doch nur als Deutsche- als Hamburger- bezeichneten. (Zum Vergleich hatte Hamburg 1990 ca. 12.000 Sitzpl\u00e4tze in Kinos zur Verf\u00fcgung).<\/p>\n\n\n\n<p><strong>D<\/strong>ie neuen Tatsachen zeigen: Wenn jemand zwischen 1933 und 1945 in Hamburg Kinobesitzer geworden ist, dann nur durch die Enteignung, die die deutschen Nazis durchgef\u00fchrt haben. Von den 50.000 Sitzpl\u00e4tzen, die 1930 in Hamburg vorhanden waren, wechselten 30.000 den Besitzer, wenn man es denn so ausdr\u00fccken will. Der Tarnausdruck der Nazis heisst &#8222;arisieren&#8220;. Sie hatten auch noch andere Tarnausdr\u00fccke, die viele Menschen heute nicht mehr kennen: F\u00fcr Mord hatten sie den Tarnausdruck &#8222;Sonderbehandlung&#8220;, um nur ein Beispiel zu nennen. Geld ist bei dieser Enteignung keins geflossen, jedenfalls nicht an die, denen es zugestanden h\u00e4tte. <strong>U<\/strong>nd noch in dritter Generation halten die Enkel die Legenden von damals aufrecht: Die Sch\u00fcmanns, die Romahns, die Adams, die Meiningers, die Esslens, die Heisigs und wie die neuen Kinobesitzer von F\u00fchrers Gnaden in Hamburg alle hie\u00dfen. Und noch eine Information ist wichtig zum Verst\u00e4ndnis. <strong>W<\/strong>\u00fcrde ich heute meine Suche nach den &#8222;Verschwundenen Kinobesitzern&#8220; von damals beginnen, dann w\u00fcrden 75.000 DM nicht einmal ausreichen, die Fotokopierkosten zu bezahlen, die laut Geb\u00fchrenordnung des Hamburger Senats und anderer Bundesbeh\u00f6rden (Bundesarchiv) daf\u00fcr f\u00e4llig w\u00fcrden. Die Archive sind inzwischen zu uneinnehmbaren Endlagern geworden. Das bettet sich nahtlos in die Schweigepolitik der Bundesrepublik ein. Nach heutigem Kurs sind meine zehn mit Dokumenten gef\u00fcllten Aktenordner inzwischen ein kleines Verm\u00f6gen wert. Jede Din A 4 Kopie w\u00fcrde mit 0,60 \u20ac laut Geb\u00fchrenordnung berechnet werden (inkl. Mehrwertsteuer). Mehrwertsteuer f\u00fcr die Auspl\u00fcnderungsakten der deutschen Verwaltung? <strong>F<\/strong>\u00fcr jede Melderegisterauskunft werden in Hamburg 22,00 \u20ac f\u00e4llig. Wer den Wohnsitz des Mannes herausfinden will, der in Hamburg die Kinobesitzer enteignet hat, dem kann es passieren (ich kenne das), dass sowohl die Gemeinde Blankenese, als auch die Gemeinde Kampen auf Sylt sich \u00fcber mehrere Jahre weigern, eine Melderegisterauskunft zu geben und das obwohl Kampen auf Sylt am 31.12. 2008 nur insgesamt 601 Einwohner hatte.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>D<\/strong>ort hat sich Richard Franz Wilhem Adam, geb. am 30.09. 1893 in Hamburg Altona bis zu seinem Todestag am 26. November 1967 aufgehalten. Gegen ihn wurde niemals ermittelt. Seinen letzten Wohnsitz erfahre 2005 bei Einsicht in eine sog. &#8222;Wiedergutmachungsakte&#8220;. Darin ist ein Brief enthalten, den er aus Kampen (Sylt) an das Hamburger Landgericht schreibt. Gerne tritt er als Zeuge auf, aber die Fahrt nach Hamburg kostet 54,20 DM. Das Geld m\u00f6ge man ihm bitte vorher schicken. <strong>N<\/strong>ur vier Personen aus dieser Kinobesitzerfamilie konnten in Deutschland bleiben. Sie liegen auf dem J\u00fcdischen Friedhof in Hamburg Ohlsdorf. Sie starben vor der Zeit. Und einer von Ihnen hat sich das Leben genommen, als Hitler die Macht \u00fcbergeben wurde. Nur dieser Stein konnte die Br\u00fccken zu den \u00dcberlebenden im Ausland finden. Und das ist das eigentlich Erschreckende.<\/p>\n\n\n\n<p>Jens Meyer Hamburg, d. 14. Mai 2026<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die lebendigen Bilder von Friderike und Jeremias Von Friderike Blumenthal und Jeremias Henschel wissen wir nicht viel. Nicht einmal die richtige Schreibweise ihrer Namen. Und das, was andere und ich herausgefunden haben, das haben wir zuf\u00e4llig herausgefunden. So wie ein Bauer beim Pfl\u00fcgen auch Steine an die Oberfl\u00e4che bringt, die lange in der Erde verborgen &hellip; <a href=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/?p=31747\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eDie lebendigen Bilder von Friderike und James\u201c<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,7742,2701,2702],"tags":[78,946,3603,3540],"class_list":["post-31747","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized","category-zufallsfund","category-zusammensprudelln","category-zusammensprudeln","tag-dffb","tag-friderike-blumenthal","tag-james-henschel","tag-jeremias-henschel"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.medienberatungev.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/31747","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.medienberatungev.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.medienberatungev.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.medienberatungev.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.medienberatungev.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=31747"}],"version-history":[{"count":39,"href":"https:\/\/www.medienberatungev.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/31747\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":31789,"href":"https:\/\/www.medienberatungev.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/31747\/revisions\/31789"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.medienberatungev.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=31747"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.medienberatungev.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=31747"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.medienberatungev.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=31747"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}