{"id":397,"date":"2014-06-10T17:20:34","date_gmt":"2014-06-10T17:20:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.medienberatungev.org\/?p=397"},"modified":"2023-06-15T19:10:56","modified_gmt":"2023-06-15T19:10:56","slug":"manfred-hirschel-guenther-hirschel-kinobesitzer-in-hamburg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.medienberatungev.org\/?p=397","title":{"rendered":"G\u00fcnther Harald Hirschel Brief aus Sao Paulo"},"content":{"rendered":"<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\"><b><a href=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/PDF-GunterHaraldHirschel08112004.pdf\">PDF G\u00fcntherHaraldHirschel08112004<\/a><\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\"><b><a href=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/PDF-MikroKassette-Guenter-Hirschel.pdf\">PDF MikroKassette G\u00fcnther Hirschel<\/a><\/b><\/span><\/span><\/p>\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-397-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/GuenterHirschel0811204Mikrokassett.mp3?_=1\" \/><a href=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/GuenterHirschel0811204Mikrokassett.mp3\">https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/GuenterHirschel0811204Mikrokassett.mp3<\/a><\/audio>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\"><b><a href=\"http:\/\/www.medienberatungev.org\/?attachment_id=7681\" rel=\"attachment wp-att-7681\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-7681 alignright\" src=\"http:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/nilpferd_tumb-1024x816.png\" alt=\"\" width=\"152\" height=\"121\" \/><\/a><\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Protokoll der Mikro Kassette von G\u00fcnther Harald Hirschel &#8211; Sohn des Kinobesitzers Manfred Hirschel &#8211; Waterloo Filmtheater Dammtorstrasse.<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Sao Paulo 8. 11. 2004<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Ich G\u00fcnther Harald Hirschel, Sohn von Manfred Hirschel und Gretchen Hirschel geb. Streit, kann leider nicht viel \u00fcber meinen Lebenslauf erl\u00e4utern. Ich bin in Hamburg am 8. November 1923 geboren in der Isestrasse und sp\u00e4ter sind meine Eltern in die Bebelallee \u2013 Adolf Hitler Strasse &#8211; umgezogen.<!--more--><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Ich erinnere mich, da\u00df meine Eltern jedes Jahr eine Reise in Europa machten und haben immer Postkarten von den St\u00e4dten mitgebracht. Da ich monatlich kein Taschengeld bekommen habe, nahm ich die Postkarten und verkaufte sie an Leute auf der Strasse. Bis ich eine Person getroffen habe, welche mich fragte, ob ich nicht der Sohn von Manfred Hirschel sei. Er kaufte die letzten zwei Postkarten und ich laufte schnell in ein Schokoladengesch\u00e4ft und kaufte mir die Schokolade, die ich gerne essen wollte.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Am Abend kam mein Vater nach hause und gab mir ein paar Ohrfeigen f\u00fcr das was ich getan habe seine Postkarten zu verkaufen. 1935 haben mich meine Eltern in das israelit(i)sche Waisenhaus in Esslingen interniert, weil ich eben ein problem(e)atisches Kind war. In dem Heim habe ich mein Barmitzwah gefeiert mit dem Besuch meiner Eltern. Am n\u00e4chsten Tag hat mein Vater mir gesagt, da\u00df er mit meiner Schwester Eva und meinem Bruder Horst nach Argentinien auswandern werden und ich nach Abschlu\u00df der Schule werde ich mit meiner Gro\u00dfmutter Rosa Hirschel nachkommen. Im September \u2013 Oktober 1938 wandere ich mit meiner Gro\u00dfmutter nach Brasilien aus. Das sind meine Erinnerungen noch aus Deutschland.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Der Anfang in Brasilien war sehr schwer, da wir kein Geld hatten. Mein Vater arbeite in einem Laboratorium und ich in einer Autowerkstatt. Dort habe ich viel gelernt. Einmal sollte ich einen Schraubenzieher holen und ich brachte einen Hammer, welche sie mir an den Kopf geschmissen haben. Aber so habe ich wenigstens portugiesisch gelernt. Sp\u00e4ter arbeitete ich in als Verk\u00e4ufer in einem Gesch\u00e4ft mit elektronischem Material.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Bis an den Tag als mein Vater meinen Schrank \u00f6ffnete und hat viel elektrisches Material gefunden, welches ich gestohlen habe um einmal sp\u00e4ter auf eigenes Gesch\u00e4ft arbeiten wollte. In einem Koffer mit meinem Vater gingen wir in die Firma und ich musste alles zur\u00fcckgeben. Der Chef schickte mich nicht weg, aber monatlich wurde mir von meinem Gehalt das Gestohlene und Zur\u00fcckgegebene abgezogen. Das war der Moment in meinem Leben, wo der Groschen bei mir gefallen ist.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">1945, gleich nach dem Krieg, habe ich mich vorgestellt in einer Firma und so begann mein Leben als Verk\u00e4ufer und Reisender im Innern von Sao Paulo. 1948 habe ich meine eigene Firma aufgemacht mit meinem Vater und meinem Bruder. Aber nur ich war immer auf Reisen und Verk\u00e4ufer.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">1953 \u2013 wie immer am Geburtstag meiner Mutter habe ich mein Auto im S\u00fcden gelassen und am Flugplatz traf ich meine zuk\u00fcnftige Frau. Als ich sie fragte, was sie hier machte, antwortete sie mir, da ich keinen anderen gefunden habe, der mit mir und zwei Kinder heirate, hat sie mich ausgesucht. Der erste Mann meiner Frau war auch aus Hamburg &#8211; Robert Haag. Er war immer ein gro\u00dfer Freund von mir und nach seinem Tod bin ich oft zur ihr ins Haus im Hause gewesen und habe mich sehr gut mit ihren Kindern verstanden. Am selben Abend, als wir auch beisammen ihrer Eltern, als wir meine Mutter gratulieren, bat ich alle auf Glas auf ihre neue Schwiegertochter zu erheben. So feierten wir offiziell unsere Verlobung.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Das Problem ihrer Kinder resolvierte meine Frau hundertprozentig. Ein paar Tage sp\u00e4ter kam ich zu ihr nach Haus und die beiden Kinder wollten mit mir sprechen. Sie fragten mich, ob ihre Mutter nicht h\u00fcbsch w\u00e4re. Und ob sie ein bi\u00dfchen \u00e4lter ist wie ich und zum Schlu\u00df fragten sie mich, ob ich nicht mit ihrer Mutter heiraten wollte.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Am 12. Januar 1954 heiratete ich Lona Haag Hirschel und bin gl\u00fccklich mit ihr. Au\u00dferdem haben wir dieses Jahr unsere Goldene Hochzeit gefeiert und Gott war gerecht und hat uns gleich bei der ersten Schwangerschaft Zwillinge zwei M\u00e4dchen gebracht.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Die ganzen Jahre weiter bin ich in ganz Brasilien gereist als Vertreter einer Firma aus Rio de Janeiro, welche ich \u00fcber 47 Jahren vertreten habe. Und auch heute noch mit 81 Jahren arbeite ich noch in den St\u00e4dten in der N\u00e4he von Sao Paulo, da ich nicht Stande bin, nichts mehr zu tun und mich zur Ruhe zu setzen. Heute habe ich vier Kinder, f\u00fcnf Enkelkinder und drei Bisenkelkinder (?) und bin gl\u00fccklich mit meinem Leben zusammen mit meiner Frau und mit meiner Familie. Das war und ist mein Leben. <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\">G\u00fcnther Harald Hirschel. Sohn des Kinobesitzers Manfred Hirschel dem das Waterlootheater in der Dammtorstrasse (bis 1938) geh\u00f6rte. Nach dem Krieg gab es vor der &#8222;Wiedergutmachungskammer&#8220; des Hamburger Landgerichts einen Proze\u00df. Die von den Nazis ausgesuchten &#8222;Nachfolger&#8220; Heinz B. Heisig und (Clara Esslen) gewannen auf ganzer Linie. Ihr Zeuge im Proze\u00df war der Obernazi Richard Adam. Dieser hatte w\u00e4hrend der Nazizeit die Enteignung (Arisierung) der j\u00fcdischen Kinobesitzer in Hamburg ma\u00dfgeblich vorangetrieben. Erst am 19. Juni 1952\u00a0 endete der Proze\u00df mit einem &#8222;Vergleich&#8220; vor dem Landgericht. Manfred Hirschel war zu diesem Zeitpunkt neunundf\u00fcnzig Jahre alt. Die Summe von 50 Tausend DM entsprach in keiner Weise dem damaligem Grundst\u00fcckswert. Die Erben von Clara Esslen haben das Grundst\u00fcck sp\u00e4ter zu einem sehr viel h\u00f6heren Preis verkauft. Manfred Hirschel starb am 19. Februar 1967 in Sao Paulo in Brasilien.<\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Sao Paulo. 8. November 2004<br \/>\n<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"JUSTIFY\"><a href=\"http:\/\/www.medienberatungev.org\/?attachment_id=7681\" rel=\"attachment wp-att-7681\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-7681 alignleft\" src=\"http:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/nilpferd_tumb-1024x816.png\" alt=\"\" width=\"155\" height=\"124\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>PDF G\u00fcntherHaraldHirschel08112004 PDF MikroKassette G\u00fcnther Hirschel Protokoll der Mikro Kassette von G\u00fcnther Harald Hirschel &#8211; Sohn des Kinobesitzers Manfred Hirschel &#8211; Waterloo Filmtheater Dammtorstrasse. Sao Paulo 8. 11. 2004 Ich G\u00fcnther Harald Hirschel, Sohn von Manfred Hirschel und Gretchen Hirschel geb. Streit, kann leider nicht viel \u00fcber meinen Lebenslauf erl\u00e4utern. 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