{"id":6614,"date":"2018-05-31T10:29:15","date_gmt":"2018-05-31T10:29:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.medienberatungev.org\/?p=6614"},"modified":"2026-03-07T08:43:36","modified_gmt":"2026-03-07T08:43:36","slug":"lesen-hilft-einige-tucholsky-zitate","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.medienberatungev.org\/?p=6614","title":{"rendered":"Lesen hilft &#8211; Einige Tucholsky Zitate"},"content":{"rendered":"<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Und noch ein Text, der es wert ist, das man ihn zitiert. (1)<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\"><strong>Aus: Wo waren sie im Kriege Herr -?<\/strong>.<em>&#8230;.\u201cIch habe mich dreieinhalb Jahre im Kriege gedr\u00fcckt, wo ich nur konnte \u2013 und ich bedaure, <\/em><\/span><\/span><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\"><em>dass ich nicht, wie der gro\u00dfe Karl Liebknecht, den Mut aufgebracht habe, Nein zu sagen und den Heeresdienst zu verweigern. Dessen sch\u00e4me ich mich. So tat ich, was ziemlich allgemein getan wurde: ich wandte viele Mittel an, um nicht erschossen zu werden, und um nicht zu schie\u00dfen \u2013 nicht einmal die schlimmsten Mittel. Aber ich h\u00e4tte alle, ohne jede Ausnahme alle, angewandt, wenn man mich gezwungen h\u00e4tte; keine Bestechung, keine andre strafbare Handlung h\u00e4tte ich verschm\u00e4ht. Viele taten ebenso. Und das nicht, weil wir etwa, im Gegensatz zu den Feldpredigern, Feldpastoren, Feldrabbinern, die Lehren der Bibel besser verstehen als sie, die sie f\u00e4lschten \u2013 nicht, weil wir den Kollektivmord in jeder Form verwerfen, sondern weil Zweck und Ziel dieses Krieges uns nichts angehen. Wir haben diesen Staat nicht gewollt, der seine Arbeiter verkommen l\u00e4\u00dft, wenn sie alt sind, und der sie peinigt, solange sie arbeiten k\u00f6nnen; wir haben diesen Krieg nicht gewollt, der eine l\u00e4cherliche Mischung von Wirtschaftsinteressen und Beamtenstank war, im wahren Sinne des Wortes deckte die Flagge die Warenladung. Wir hatten auch nicht den k\u00fcmmerlichsten Einflu\u00df auf die Gestaltung der Politik, und Sieg und Niederlage ber\u00fchren uns nicht. Was h\u00e4tten wir davon gehabt, wenn Nancy, Antwerpen und Warschau deutsch geworden w\u00e4ren? Wir h\u00e4tten uns das Brot genauso verdienen m\u00fcssen wie vorher \u2013 genauso so schwer, denn Beamte in neueroberten Gebiet haben wir nicht werden wollen. So, wie einem Calvinisten wohl verst\u00e4ndlich gewesen ist, dass man gegen ihn war, aber nicht, dass man sich um den Streit der Sekten \u00fcberhaupt nicht k\u00fcmmerte, so k\u00fcmmert uns der Nationalismus, dieser Nachfolger der Religion, nur insofern, als es gilt, ihn zu bek\u00e4mpfen. Er l\u00e4\u00dft uns<\/em> kalt . . . <\/span><\/span>&#8222;<\/p>\n<p align=\"justify\"><strong><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">(Aus Gesamtausgabe Kurt Tucholsky, Band II, Seite 391-392, von 1926)<\/span><\/span><\/strong><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Und noch ein Text, der es wert ist, das man ihn zitiert. (2) <\/b>Man k\u00f6nnte meinen, das w\u00e4re gestern geschrieben worden, als sie die gro\u00dfe Koalition beschlossen hatten. Dabei hat Tucholsky diesen Text <strong>1926<\/strong> geschrieben: (Aus dem Text: DIE ERSTAUNTEN)<br \/><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><em>\u201c &#8230;<span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Aber das Verbrechen der Sozialdemokraten und leider auch vieler Pazifisten besteht darin, da\u00df sie ihre Grunds\u00e4tze willenlos hingegeben haben. Ich kann mir denken, da\u00df einer nach Hause kommt und spricht: &gt;Ich habe alle meine Prinzipien geopfert, ich habe Verrat begangen, ich bin um viele Ellen zur\u00fcckgewichen \u2013 der tote Bebel w\u00fcrde sich im Grabe herumdrehen. Aber: ich habe daf\u00fcr eingehandelt: den Achtstundentag, die Abschaffung der Wehrpflicht, eine Justizreform. Hier sind meine Erfolge. Es war nicht sehr sch\u00f6n, wie ich sie errungen habe. Aber hier sind meine Erfolge.&lt; <\/span><\/span><\/em><\/p>\n<p align=\"justify\"><em><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Doch seine Prinzipien alle, alle bis zum letzten Opfer, kein Haar am eigenen Programm unzerrissen lassen, kein Satz, den man nicht abgeschworen, keine Gelegenheit, wo man nicht gekniffen, keine Erniedrigung, die man nicht heruntergeschluckt h\u00e4tte \u2013 alles, alles, alles hinzugeben und dann nichts daf\u00fcr nach Hause zu bringen: das ist nicht Realpolitik, wie uns die ge\u00f6lten Herren erz\u00e4hlen wollen \u2013 das ist dumm und feige zugleich. Und unehrlich. <\/span><\/span><\/em><\/p>\n<p align=\"justify\"><em><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Denn letzten Endes ist ja dieser Mangel an Mut nicht so sehr parlamentarische Geschicklichkeit, wie uns diese Nicht-Politiker und Publizisten vormachen wollen \u2013 es ist ja nur das sichere Symptom daf\u00fcr, da\u00df sich in diesen Kreisen eben nichts ge\u00e4ndert hat, da\u00df diese Leute insgesamt auch heute noch Kriegskreditbewilliger sind; da\u00df ihnen angst und bange wird, wenn ihnen jemand vorwirft, sie seien nicht &gt;national&lt; ; da\u00df sie nicht den inneren, den geistigen Mut finden zu antworten: &gt;Nein. Wir sind selbstverst\u00e4ndlich nicht national und wollen es auch gar nicht sein&lt;. <\/span><\/span><\/em><\/p>\n<p align=\"justify\"><em><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Sie sind es, und sind es immer gewesen. Und sie sind unbelehrbar. Von hundert parlamentarischen und journalistischen Niederlagen nach Hause geschickt, verpr\u00fcgelt, mit ausgefransten Hosen und verbeulten H\u00fcten, geh\u00f6hnt, mit Bier begossen und von oben bis unten mit Spott bekleckert: so stehen sie da und sind Taktiker, Strategen, voll von subtilsten Kniffen, die ihnen nicht \u00fcber den kleinsten Rinnstein helfen. Da wollen wie sie stehen lassen . . .\u201c<\/span><\/span><\/em><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Aus: \u201cDie Erstaunten\u201c (Kurt Tucholsky, Gesammelte Werke, Band II, Seite 119, <strong>(<\/strong><\/span><\/span><strong><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">1926)<\/span><\/span><\/strong><\/p>\n<p>\u201c<span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Der SPD ist es vorbehalten geblieben, einen neuen Verr\u00e4tertypus in die politische Geschichte eingef\u00fchrt zu haben: den Judas ohne Silberlinge.\u201c\u00a0 <\/i>(Kurt Tucholsky in Dreib\u00e4ndige Gesamtausgabe, Band II, Seite 1329)<\/span><\/span> \u201c<span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Sicherungsverwahrung\u201c <strong>(1928)<\/strong><\/span><\/span><\/p>\n<p>\u201c<span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Wenn die Sozialdemokratie wiederum \u2013 <\/i><i>z<\/i><i>um wievielten Male! &#8211; ihre Anh\u00e4nger verraten will, so ist das deren Sache. Wenn diese Partei aber glaubt, h\u00f6chst listig gehandelt zu haben, so mu\u00df ihr gesagt werden, da\u00df sie, wie immer, h\u00f6chst d\u00e4mlich handelt \u2013 sie hat bisher bei allen Koalitionen kein Kompromi\u00df, sondern <\/i><i>immer nur <\/i><i>Kompromittierungen erreicht &#8211; und was <\/i><i>sie <\/i><i>dieses <\/i><i>M<\/i><i>al vor hat, ist schlimmer als das.\u201c <\/i>(Kurt Tucholsky in Dreib\u00e4ndige Gesamtausgabe. D\u00fcnndruck. Band II. Seite 1331). Titel: \u201cDie Sicherungsverwahrung\u201c. <strong>(1928)<a href=\"http:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/Tieresehendichan3.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-6877 alignright\" src=\"http:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/Tieresehendichan3-1024x780.jpg\" alt=\"Tieresehendichan3\" width=\"154\" height=\"117\" \/><\/a><\/strong><\/span><\/span><\/p>\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/IMG_2357kleinDer-Reisende.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"800\" height=\"800\" src=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/IMG_2357kleinDer-Reisende.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-31448\" style=\"width:195px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/IMG_2357kleinDer-Reisende.jpg 800w, https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/IMG_2357kleinDer-Reisende-300x300.jpg 300w, https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/IMG_2357kleinDer-Reisende-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/IMG_2357kleinDer-Reisende-768x768.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 984px) 61vw, (max-width: 1362px) 45vw, 600px\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Foto Jens Meyer<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/By-nc-sa_color.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"720\" height=\"486\" src=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/By-nc-sa_color.png\" alt=\"Creative commons.org\" class=\"wp-image-1755\" style=\"width:216px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/By-nc-sa_color.png 720w, https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2016\/08\/By-nc-sa_color-300x202.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 984px) 61vw, (max-width: 1362px) 45vw, 600px\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">cc<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Und noch ein Text, der es wert ist, das man ihn zitiert. 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