{"id":6709,"date":"2018-06-06T11:58:49","date_gmt":"2018-06-06T11:58:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.medienberatungev.org\/?p=6709"},"modified":"2018-06-12T20:41:29","modified_gmt":"2018-06-12T20:41:29","slug":"staatswuerger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.medienberatungev.org\/?p=6709","title":{"rendered":"Laut Nein sagen Ignaz Wrobel vom 6. Oktober 1921 (Die Verteidigung des Vaterlandes)"},"content":{"rendered":"<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Das Schlimme am Internet ist, da<\/span><\/span><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">ss<\/span><\/span> <span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">von Kurt Tucholsky immer nur einzelne S\u00e4tze zitiert werden. Meist ohne den Hinweis, wo der Originaltext abgedruckt ist. <\/span><\/span><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Alle schreiben ab <\/span><\/span><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">(so wie ich)<\/span><\/span><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">. <\/span><\/span><!--more--><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Aber keiner <\/span><\/span><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">bei<\/span><\/span><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\"> Tucholsky. Sonder<\/span><\/span><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">n<\/span><\/span><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\"> nur bei den anderen Abschreibern. <\/span><\/span><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Lange habe ich nach dem Satz mit dem <\/span><\/span><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Nein sagen <\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">gesucht.<\/span><\/span><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\"> Gefunden habe ich ihn dann im ersten Band der Gesamtausgabe. 1907 &#8211; 1924 <\/span><\/span><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">(<\/span><\/span><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Seite 830<\/span><\/span><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">)<\/span><\/span><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">. Der Text <\/span><\/span><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">von Ignaz Wrobel <\/span><\/span><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">(I.W.) <\/span><\/span><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\"> Ein langer Text. Vier Seiten in der <\/span><\/span><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">gedruckten A<\/span><\/span><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">usgabe <\/span><\/span><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">und <\/span><\/span><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">hat die<\/span><\/span><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\"> \u00dcberschrift: <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><strong><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">&gt;DIE VERTEIDIGUNG DES VATERLANDES&lt;<\/span><\/span><\/strong><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">&gt;Angora, 4. August (W.T.B.) <\/span><\/span><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>(<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>*<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>)<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">. Die gro\u00dfe Nationalversammlung beschlo\u00df, da\u00df alle Mitglieder der Versammlung an der Verteidigung des Vaterlandes teilnehmen sollten. Die milit\u00e4rischen und medizinischen Mitglieder reisen an die Front ab, w\u00e4hrend die anderen mit Versorgungsangelegenheiten hinter der Front sich befassen werden.&lt; Das steht in zweihundert Provinzzeitungen, und der Prozentsatz der Leser, die von Angora nur wissen, da\u00df es solche Kater gibt, d\u00fcrfte neunundneunzig sein. Der kluge Rest r\u00e4t entweder <\/span><\/span><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">auf Jugoslawien oder einen Balkanstaat . . . Und was denken alle hundert? Was sie denken sollen: &gt;Die Verteidigung des Vaterlandes!&lt; Es ist durchaus nicht festgestellt, wer gegen wen den Katerstaat Angora zu verteidigen sich bem\u00fc\u00dfigt f\u00fchlt. Das ist dem Leser auch v\u00f6llig gleichg\u00fcltig. Wenn nur ein Vaterland verteidigt wird. Vaterl\u00e4nder lassen sich gern verteidigen, und die deutschen Zeitungslese<\/span><\/span><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">r<\/span><\/span><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\"> lieben das. Haben die Katerm\u00e4nner in Angora nun auch ihre gro\u00dfe Zeit? Das ist recht. Und des Lesers Blick schweift in die Verlobungsanzeigen. Wir aber, liebe Freunde, lasset uns ein wenig spintisieren. <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">&gt;<\/span><\/span><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Die grosse Nationalversammlung beschlo\u00df . . . &lt; Die gro\u00dfe Natinalversammlung, das gro\u00dfe Lalula Angoras &#8211; wer mag das sein? Ich bin noch nie im Vaterland Angora gewesen \u2013 aber ich sehe sie alle vor mir: die w\u00fcrdigen Vollb\u00e4rte, gewaschen in allen Wassern des Parlamentarismus, unentwegt treu irgendwelche Fahnen hochhaltend und nach guter alter Katersitte auf den jeweiligen Miezislaus den Ersten schw\u00f6rend. Die Vollb\u00e4rte zittern. Fette H\u00e4nde senken sich wohlwollend auf junge Schultern, Beruhigung klopfend, alles im Leben endet mit einem Arrangement. Und ich sehe die andern, die jungen, sportgebr\u00e4unten Schieber mit den schwarzen Lacktollen und den franz\u00f6sischen Stiefelchen. La\u00dft sie Schlachten liefern -: wir liefern Brotbeutel. Und essen Kuchen. <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">&gt;Die milit\u00e4rischen und medizinischen Mitglieder reisen an die Front ab . . . &lt; An die Front \u2013 ja. Noli me tangere \u2013 sagte die Schwangere. <strong>(*)<\/strong> <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Milit\u00e4rischen also werden nah an die Front reisen und dort von Villen und Schl\u00f6ssern aus den anderen sagen, wie sie zu sterben haben. Das ist nicht einfach. Man mu\u00df Reden zu diesem Zweck halten. &gt;Kater Angoras! Wahrt eure heiligsten G\u00fcter! Bis zum letzten Mann und Ro\u00df . . . !&lt; Ich sehe die Tausende zusammengepr\u00fcgelter Bauernjungen, die, ein wenig \u00e4ngstlich, ein wenig m\u00fcde vom langen Warten und ein wenig angeregt vom Anblick der vielen <\/span><\/span><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">gl\u00e4nzenden Uniformen, da im Karree stehen; vor ihnen eine prachtvolle Suite und dann irgendein ER. Ein g\u013aorreicher Oberbefehlshaber, ein Pr\u00e4sident, ein General, was wei\u00df ich. Knapp legt er die Hand an den blinkenden M\u00fctzenschirm. &gt;Ich danke, meine Herren!&lt; Furchtlos h\u00e4lt der tapfere Mann die orden\u00fcbers\u00e4te Brust den fotografischen Objektiven hin, die alle auf ihn gerichtet sind. Ein ff. historischer Moment &#8211; ! Danke, meine Herren! <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Medizinischen sind auch an die Front gereist. Oho! Kein wilder Negerstamm ohne einen Medizinmann. Dickb\u00e4uchige Zivil\u00e4rzte werden, schnaufend in der ungewohnten Uniform, an Grobheit es den aktiven Kollegen gleichzutun suchen &#8211; mit Erfolg, mit Erfolg.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Wer noch keine Kassenpraxis gehabt hat: hier lernt er, wie man mit Leuten umzugehen hat. &gt;Zum Sterben tauglich \u2013 raus!&lt; Und was sich vor vierzehn Tagen noch katzbuckelnd und h\u00e4ndereibend vor den Kommerzienr\u00e4ten Angoras verbeugt hat, wei\u00df sich hier nicht zu lassen vor Manneskraft.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">&gt;. . . w\u00e4hrend die andern mit Versorgungsangelegenheiten hinter der Front sich befassen werden&lt;. Beim Katzenschwanz Angoras und beim heiligen Sankt Baldrian. das werden sie! Ja, wenn wir diese andern nicht h\u00e4tten &#8211; ! W\u00e4hrend vorn, noch vor den M<\/span><\/span><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">i<\/span><\/span><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">lit\u00e4rischen und den Medizinischen, <\/span><\/span><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">M<\/span><\/span><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">enschen in Ackergr\u00e4ben verlausen und verrecken, befassen sie sich. Womit Du willst: mit Proviant und mit Leder, mit Granaten und mit Pferden, ein wenig auch mit sich selbst; auf Samtpfoten und leise schnurre<\/span><\/span><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">nd <\/span><\/span><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\"> buckel<\/span><\/span><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">n<\/span><\/span><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\"> sie zum Bezirkskommando Angoras. Miau! Wir sind alle, <\/span><\/span><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">alle <\/span><\/span><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\"> unabk\u00f6mmlich . . .<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Ich sehe Angora. Branntwein wird ausgeteilt; ein paar Narren, die nicht glauben wollen, da\u00df ihr Vaterland auch \u00fcber das Leben verf\u00fcgen d\u00fcrfe, fliegen ins Gef\u00e4ngnis; Redakteure schreiben sich die Federkiele hei\u00df &#8211; vom Sterben der andern; da Kater-Lampesche Telegrafenb\u00fcro fertigt gut sitzen<\/span><\/span><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">de<\/span><\/span><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\"> Originalsiege an, an denen alle Welt seine Freude hat; wer &gt;mies, mies, mies macht, bekommt Pr\u00fcgel; die Regierung streicht den sozialistischen <\/span><\/span><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">K<\/span><\/span><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">atzen solange \u00fcber das Fell, bis sie vor Behagen schnurren und alle auf dem Bauch liegen: in allen Schaufenstern prangt das Bild <\/span><\/span><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">jenes historischen Moment<\/span><\/span><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">s<\/span><\/span><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">, mit jenem gro\u00dfen Mann, einem Ludendorff, der einmal desertieren wird: ein wahrhaft gestiefelter Kater. Alle Generale vergessen Gicht und Gallenstein und wettern auf Kasernenh\u00f6fen daher, da\u00df es eine Lust ist; der ganze Milit\u00e4rstand wacht auf und str\u00e4ubt die Katerb\u00e4rte, bereit zum Sterben der andern und froh der eigenen so aktuell gewordenen Wichtigkeit. Ja, und die Berufssoldaten werden doppelt so froh ihren Lohn einstecken, und ihre Onkel und Neffen, die sich sch\u00e4men, nicht selbst mitzumarschier<\/span><\/span><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">e<\/span><\/span><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">n, und die sich \u00e4rge<\/span><\/span><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">r<\/span><\/span><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">n, in jeder Gesellschaft \u2013 und noch dazu vor Damen \u2013 von so einem uniformierten Kater ausgestochen zu werden, werden auch nicht hinter der Zeit zur\u00fcckbleiben wollen. Und so werden sie in ihren <\/span><\/span><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">B\u00fcchern und ihren Kollegs, in ihren Kirchen und in ihren <\/span><\/span><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Lesezirkeln davon spr<\/span><\/span><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">e<\/span><\/span><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">chen, wie heilig, wie notwendig und wie edel der Krieg ist, sie werden das Sterben der anderen loben, und wie s\u00fc\u00df es sei. . . <\/span><\/span><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Denn nichts ist schwerer und nichts erfordert mehr Charakter, als si<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>ch<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\"><b> in offenem Gegensatz zu seiner Zeit zu befinden und laut zu sagen: Nein. <\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Es ist nicht nur gef\u00e4hrlich, stirnrunzelnd wird der <\/span><\/span><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">K<\/span><\/span><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">aufherr von seinen Lieferungsvertr\u00e4gen aufblicken und <\/span><\/span><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">den <\/span><\/span><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">neben ihm stehenden milit\u00e4rischen Handlanger fragen, wer denn da toll geworden sei &#8211; winkend, man m\u00f6ge den Verr\u00e4ter einsperren. Was geschieht. Es ist nicht nur das, weshalb so viele Leute es scheuen, nein zu sagen. Es ist ja so sch\u00f6n, im gro\u00dfen Strom der Masse mitzuschwi<\/span><\/span><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">mm<\/span><\/span><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">en \u2013 Windsto\u00df und Wasserrichtung tragen das Schiff &#8211; ; und wenn es dann so stolz dahinsegelt, denken die Leute, es fahre aus eigener Kraft . . . <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Es ist auch bek\u00f6mmlicher, sich der Macht zu unterwerfen \u2013 wer sich vor ihr verbeugt hat, auf den <\/span><\/span><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">geht <\/span><\/span><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">ein Quentchen der gro\u00dfen Macht \u00fcber, und aus einem kleinen Lehrer oder Delikate\u00dfwarenverk\u00e4ufer ist \u00fcber Nacht ein pl\u00f6tzlich gewaltiger Mann ge<\/span><\/span><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">worden. Ein Tyrann macht viele. Das ist ein gro\u00dfes Geheimnis . . . <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Und die Frauen Angoras werden jubeln und schnurren und miauen und Scharpie zupfen und rosenrote Gedichtchen schreiben und \u00fcber blau gekleidet<\/span><\/span><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">e<\/span><\/span><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\"> Leichen jauchzen und \u00fcber rot gekleidete jammern und am lautesten nach dem Oberkater schreien . . . Auf den D\u00e4chern Angoras. . . <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Und in den Schulen Angoras lehrt man die Lehre von der Herrlichkeit des Krieges. Man lehrt. Du sollst nicht t\u00f6ten! und man lehr<\/span><\/span><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">t<\/span><\/span><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">: Du mu\u00dft t\u00f6ten! <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">&#8211; und weil niemand in der Geschichtsstunde an die Religion denkt, so hat beides in den jugendlichen Gehirnen sehr wohl Platz, um so mehr, als ja das staatliche T\u00f6ten mit vielen herrlichen, leuchtenden, bunten Farben verbunden ist, mit Musik und Ehren, mit Feiern und Orden und mit sehr viel Kaisern, die man ganz aus der N\u00e4he ansehen darf. Und weil der Mensch immer glaubt, alles, was er auf der Schule, als er noch klein war, gelernt hat, ohne nachzudenken, nur, weil es ihm so eingetrichtert ward, das sei als absolute Wahrheit vom Himmel gefallen, so werden die jungen Ango<\/span><\/span><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">ri<\/span><\/span><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">sten <\/span><\/span><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">sp\u00e4ter<\/span><\/span><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\"> im Leben gute Staatsw\u00fcrger abgeben. <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">So wird in Angora das Vaterland ver<\/span><\/span><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">t<\/span><\/span><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">eidigt. Der Deutsche liests, bejahts und nimmt sich vor, es bei n\u00e4chster Gelegenheit grade so zu machen. <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Und keiner steht auf \u2013 in Angora nicht und in Potsdam schon gar nicht &#8211; und sagt dem Tier Masse, dem Tier Zeitgeist, dem Tier Staat: Nein! <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Du, die blinde schwarze Kollektivit\u00e4t, bist der gro\u00dfe Krumme, der Teufel, ein w\u00fctiges Tier, bar jeder Verantwortung. Denn ist das Katzenfest vor\u00fcber, so l\u00f6st du dich in einzelne Lebewesen auf, von denen es keiner, keiner gewesen sein will. Und auch keiner war. Einzeln sind sie ganz vern\u00fcnftig.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Und nicht eh<\/span><\/span><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">e<\/span><\/span><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">r wird die Kateridee der absoluten Souver\u00e4nit\u00e4t des Staates schwinden, als bis die einzelnen, die unter ihm seufzen, sich hochrichten und klar und bestimmt sagen: <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Wir wollen nicht mehr.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">(Abgeschrieben bei Kurt Tucholsky <\/span><\/span><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">(Ignaz Wrobel)<\/span><\/span><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">, Gesamtausgabe in drei B\u00e4nden. D\u00fcnndruck. <\/span><\/span><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Band I. 1907 -1924. ( Seite 830 \u2013 833). <a href=\"http:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/Tieresehendichan3.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-6877 alignleft\" src=\"http:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/Tieresehendichan3-1024x780.jpg\" alt=\"Tieresehendichan3\" width=\"93\" height=\"71\" \/><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>(06. Oktober 1921)<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><strong><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">(*) &gt;Noli me tangere&lt; <\/span><\/span><\/strong><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">\u00fcbersetzt Wikipedia = R\u00fchre mich nicht an\/Ber\u00fchre mich nicht.<\/span><\/span><strong><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\"><br \/>\n<\/span><\/span><\/strong><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>(<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>**<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>) <\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>W.T.B.<\/b><\/span><\/span><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\"> = Wolffsches Telegraphen-B\u00fcro. Offiz\u00f6se Nachrichtenagentur.<\/span><\/span><\/p>\n<p>\u00a0<a href=\"http:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Nilpferd7.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-5638 alignright\" src=\"http:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Nilpferd7-1024x717.jpg\" alt=\"Nilpferd7\" width=\"95\" height=\"66\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Schlimme am Internet ist, dass von Kurt Tucholsky immer nur einzelne S\u00e4tze zitiert werden. Meist ohne den Hinweis, wo der Originaltext abgedruckt ist. 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