{"id":6830,"date":"2018-06-10T12:05:06","date_gmt":"2018-06-10T12:05:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.medienberatungev.org\/?p=6830"},"modified":"2022-08-05T20:41:52","modified_gmt":"2022-08-05T20:41:52","slug":"parteiwirtschaft-tucholsky","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.medienberatungev.org\/?p=6830","title":{"rendered":"Kurt Tucholsky Parteiwirtschaft"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Parteiwirtschaft <\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\"><b><a href=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/PDF-Kurt-Tucholsky-Parteiwirtschaft.pdf\">PDF Kurt Tucholsky Parteiwirtschaft<\/a><\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">\u00a0\u00a0 Wie w\u00e4re es, wenn man nun einmal einen d\u00e4mlichen kleinen Trick aus unsrer Politik entfernte, der darin besteht, jeder grade an der Macht befindlichen Partei vorzuwerfen, sie betreibe Parteiwirtschaft \u2013? Ja, was soll sie denn eigentlich sonst betreiben \u2013?<\/span><\/span><!--more--><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">\u00a0\u00a0\u00a0 Das Wohl der Allgemeinheit . . . , ich wei\u00df schon. Aber ich m\u00f6chte nur einmal wissen, wozu denn Wahlen und Propaganda und Parteikampf da sein sollen, wenn nicht zu dem alleinigen Zweck, eine Partei an die Macht zu bringen. Und wenn sie dort angekommen ist, was hat sie zu tun? Nat\u00fcrlich ihre Macht zu gebrauchen. Das haben alle Parteien begriffen, mit Ausnahme der SPD, der man sehr zu Unrecht den Vorwurf macht, sie mi\u00dfbrauche ihre Machtstellung. Sie hat gar keine. Es mag ja sein, dass die P\u00f6stchenverteilung f\u00fcr ihre Mitglieder angenehm ist \u2013 ihre Macht hat sie nie richtig benutzt: sie hat stets nur Kompromisse gemacht, und die zu ihrem Schaden. Sind die Rechten an der Macht, so benutzen sie ihre Macht, und sie tun recht daran. Und das Zentrum &#8230; aber das ist ja in Deutschland immer an der Macht. Die Zeitungen kreischen gegen Moskau, und das Land wird von Rom regiert.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">\u00a0\u00a0\u00a0 Doch sollte man mit jener tiefen Unehrlichkeit aufh\u00f6ren, jeder Regierung vorzuwerfen, sie sei eine Parteiregierung. Nat\u00fcrlich ist sie das, und das soll sie auch sein. Da\u00df aber in Deutschland der Begriff \u00bbPartei\u00ab bis auf das Rinnstein-Niveau gesunken ist, das ist eine andre Sache, und hier sollte man zupacken. Der Rest ist Heuchelei.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">\u00a0\u00a0\u00a0 Das Niveau, auf dem sich die meisten deutschen politischen Debatten bewegen, ist kaum noch zu unterbieten. Sieht man von einigen Jugendb\u00fcnden ab, die sich, besonders sehr weit rechts und sehr weit links, ernsthaft um einen gesunden Kampf bem\u00fchen, das hei\u00dft, die den Gegner nicht bagatellisieren und ihn nicht fortdisputieren, sondern die wirklich antreten \u2013 dann bleibt ein Meer von L\u00fcgen. Man sehe sich etwa, wenn man die Geduld dazu aufbringt, diese uns\u00e4gliche Hitlerpresse an: wie das der Regierung vorwirft, das Land nach Prinzipien zu regieren, also genau das zu tun, was jene tun wollen. Es ist mehr als j\u00e4mmerlich, was da getrieben wird.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">\u00a0\u00a0\u00a0 Zu bek\u00e4mpfen ist allein die Parteiwirtschaft, die sich nicht offen als solche bekennt, sondern die vorgibt, f\u00fcr das gro\u00dfe Ganze zu arbeiten, so, wie die katholische Kirche gern \u203adie Natur\u2039 vorschiebt, wenn sie ihr Dogma meint. Sagt, was ihr wollt, und sagt, was ihr tut, wenn ihr an der Macht seid. Euch dann noch Parteiwirtschaft vorzuwerfen, ist die Negierung jeder Politik. I.W. <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">(Ignaz Wrobel) zuerst ver\u00f6ffentlicht in W.B. (Die Weltb\u00fchne) vom 6. Oktober 1931. Zitiert nach Gesamtausgabe Kurt Tucholsky. Drei B\u00e4nde. D\u00fcnndruck. Band III. 1929 -1932. Seite 957 \u2013 958.<a href=\"http:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Nilpferd7.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-5638 alignleft\" src=\"http:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Nilpferd7-1024x717.jpg\" alt=\"Nilpferd7\" width=\"92\" height=\"64\" \/><\/a><\/span><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Parteiwirtschaft PDF Kurt Tucholsky Parteiwirtschaft \u00a0\u00a0 Wie w\u00e4re es, wenn man nun einmal einen d\u00e4mlichen kleinen Trick aus unsrer Politik entfernte, der darin besteht, jeder grade an der Macht befindlichen Partei vorzuwerfen, sie betreibe Parteiwirtschaft \u2013? 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