{"id":6926,"date":"2018-06-10T20:11:06","date_gmt":"2018-06-10T20:11:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.medienberatungev.org\/?p=6926"},"modified":"2018-06-28T17:32:57","modified_gmt":"2018-06-28T17:32:57","slug":"es-gibt-ein-kunstgesetz-das-ewig-gilt-von-ignaz-wrobel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.medienberatungev.org\/?p=6926","title":{"rendered":"ES GIBT EIN KUNSTGESETZ DAS EWIG IST  von Ignaz Wrobel"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\"><strong>Wege der Liebe<\/strong><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Die erste Erz\u00e4hlung ist gut, &gt;<i>Die Liebe der drei Generationen<\/i><i>&lt; <\/i>hei\u00dft sie. Die Mutter der Erz\u00e4hlerin dieser Geschichte ist mit dem Regimentskommandeur verheiratet, liebt aber den Kreisarzt: <\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Krach, Schwangerschaft und Verlassen des Ehemanns \u2013 eine liberale Ehetrag\u00f6die, wie sie in der Zeitung steht. Die Erz\u00e4hlerin selbst lebt mit einem Genossen zusammen, wird aber im Strudel an einen Ingenieur getrieben, kommt wieder fort von ihm . . . vorbei. <\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Tochter lebt gleichfalls mit einem Genossen \u2013 daneben noch mit andern, sie findet nichts dabei. &gt;Aber welcher Zusammenhang ist zwischen der Partei&lt;, sagt sie, &gt;der Revolution, der wei\u00dfgardistischen Front, dem Zusammenbruch und allem, was du angef\u00fchrt hast \u2013 und dem, dass ich mich mit Andrei und noch einem andern k\u00fcsse . . . ?&lt; Sehr fein, wie in diesen drei Generationen jede Mutter immer nur ihren eignen Fall, aber keineswegs den der Tochter versteht. Jede sch\u00fcttelt den Kopf und versteht die Welt nicht mehr . . . <\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\"> Folgt noch eine Erz\u00e4hlung: &gt;<i>Schwestern&lt; <\/i>(franz\u00f6sischer Realismus aus dem Jahre 1895), und dann die Haupterz\u00e4hlung: &gt;<i>Wassilissa Maligyna&lt;. <\/i>Ja, das ist nun so eine Sache . . .<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\"> Also, ich kann mir nicht denken, dass das die neue bolschewistische Welt, die neue Liebe, die neue Generation ist. Ist sies aber wirklich: dann ist Frau Kollontai eine h\u00f6chst m\u00e4\u00dfige Schriftstellerin. \u00dcber solche Dinge, Ru\u00dfland betreffend, mu\u00df man in Deutschland ja immerzu nach zwei Fronten hin reden, und ich brauche wohl nicht zu betonen, dass zun\u00e4chst und vor allem einmal die Nationalen im Unrecht sind, bevor sie noch den Mund aufgemacht haben. Auch erwarte ich keinerlei Romantik, und ich empfinde nichts so komisch wie den Einwand, den neulich ein deutscher Romantiker gemacht hat: das politische Leben der Russen sei ohne alle &gt;Sch\u00f6nheit&lt; \u2013 in schmutzigen Redaktionsstuben debattierten sie endlos und drehten sich Zigaretten . . . M\u00f6ge jener in Sch\u00f6nheit sterben. Nein, der Mangel an Romantik ist es nicht. Es ist nur, halten zu Gnaden, belanglos.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\"> Da\u00df die Grete den Hans liebt, der aber hinwiederum es mit der Lotte hat, wird dadurch nicht interessanter, dass sich die handelnden Personen mit &gt;Genosse Diensthabender&lt; anreden. Selbst wenn man, in verst\u00e4ndlicher Mi\u00dfachtung des Westens, nicht zeigen will, wie \u00f6konomische Zust\u00e4nde Urtriebe ver\u00e4ndern oder es nicht zu tun verm\u00f6gen: <b>es gibt ein Kunstgesetz, das ewig ist: Wir wollen nicht gelangweilt werden! <\/b>Und dies ist zum G\u00e4hnen langweilig. Auch hat diese Liebesgeschichte etwas, was Fontane so sch\u00f6n &gt;sechserhaft&lt; nennt: es sind Murks-Liebesschmerzen, Murks-Ausschweifungen, murksig das Ganze.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Also ein gleichg\u00fcltiges Buch, wie es deren Hunderte gibt.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\"> Aber mitnichten m\u00f6chte ich in den Topf der snobistischen Antibolschewisten geworfen werden, die &gt;schon wieder&lt; dagegen sind, worauf es gewi\u00df nicht ankommt, und denen sich, zu meinem Schmerz, in einem uns\u00e4glich albernen Buch auch Sir Galahad angeschlossen hat. Das kommt sich gar so mutig vor, wenn es etwas gegen Dostojewski, und weil wir grade bei den Russen sind, auch gleich gegen die Bolschewisten sagt . . . So geht das wirklich nicht. Da dr\u00fcben steht eine politische Leistung, wie sie nur alle paar Jahrhunderte einmal vorkommt. M\u00e4\u00dfige Literatur ist kein Einwand gegen ein Land.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\"> Frau Kollontai ist sicherlich eine gute Politikerin. B\u00fccher schreiben kann sie nicht. Aber schlie\u00dflich haben wir ja auch von Kanzler Marx kein Lyrikb\u00e4ndchen &gt;<i>Heckenros&#8216; und Vergi\u00dfmeinnicht<\/i><i>&lt;, <\/i>und so scheint mir zun\u00e4chst wichtiger, dass die Leute in Ru\u00dfland zu essen haben und nicht ausgenutzt werden, als dass sie, den Antiquaren zu Gefallen, in Leder zu bindende sch\u00f6ne B\u00fccher verfassen. Was sie, \u00fcbrigens, dennoch tun.\u201c<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">I. W. (Ignaz Wrobel). Erstver\u00f6ffentlichung in\u00a0 die W.B. (Die Weltb\u00fchne). Am 10. August 1926. Zitiert nach der Gesamtausgabe. D\u00fcnndruck. Drei B\u00e4nde. Band II. 1925 -1928. Seite 477 \u2013 478. Merkw\u00fcrdiger Weise fehlt im Band III im Personenregister der Name dieser Frau.<\/span><\/span> <b>Alexandra Michailowna Kollontai<\/b> geb. Domontowitsch. Daf\u00fcr hier ein Bild von ihr, das ich bei Wikipedia gefunden habe. Laut Wikipedia ist der Fotograf oder die Fotografin dieses Fotos unbekannt.<a href=\"http:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/Collonthai.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-6931 alignleft\" src=\"http:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/Collonthai.jpg\" alt=\"Collonthai\" width=\"140\" height=\"195\" srcset=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/Collonthai.jpg 260w, https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/Collonthai-214x300.jpg 214w\" sizes=\"auto, (max-width: 140px) 85vw, 140px\" \/><\/a><a href=\"http:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/TucholskyParis1928.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-6930 alignright\" src=\"http:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/TucholskyParis1928.jpg\" alt=\"TucholskyParis1928\" width=\"111\" height=\"189\" \/><\/a> Daf\u00fcr hat Wikipedia dem Schreiber dieser Zeilen die F\u00fcsse abgeschnitten. Oder ist das beim Hochladen passiert?<a href=\"http:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/Tieresehendichan11.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-6876 alignnone\" src=\"http:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/Tieresehendichan11-1024x725.jpg\" alt=\"Tieresehendichan1\" width=\"154\" height=\"109\" \/><\/a>Wer das Foto von Kurt Tucholsky in Paris 1928 gemacht hat, ist offensichtlich auch unbekannt. Wikipedia hat das Foto von Frau Sonja Thomassen aus Norwegen. Aber seit wann ist es \u00fcblich die Namen der Personen zu nennen, die das Foto geerbt haben?<a href=\"http:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/Tieresehendichan3.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-6877 alignright\" src=\"http:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/Tieresehendichan3-1024x780.jpg\" alt=\"Tieresehendichan3\" width=\"108\" height=\"82\" \/><\/a><\/p>\n<p>Da f\u00e4llt mir noch ein. Billy Wilder (Billie Wilder) hat das Kunstgesetz von Tucholsky weiter entwickelt. Ich m\u00fc\u00dfte noch mal nachsehen. Aber das ging ungef\u00e4hr so. Es gibt drei Gesetze bei der Entwicklung eines Drehbuchs und der Herstellung eines Filmes. 1) Du sollst nicht langweilen! 2) Du sollst nicht langweilen! und 3) Du sollst nicht langweilen! Billy Wilder hat uns in vielen Filmen gezeigt, da\u00df er diese drei Gesetze streng beachtet hat.<a href=\"http:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/AlexandraKollontaiNK.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-large wp-image-7495\" src=\"http:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/AlexandraKollontaiNK-1024x718.jpg\" alt=\"AlexandraKollontaiNK\" width=\"640\" height=\"448\" \/><\/a>Diese Postkarte gibt es im Verlag Neue Kritik, Kettenhofweg 53. Mein Exemplar ist schon so alt, das hat noch die alte Postleitzahl <strong>D 6000 Frankfurt 1.<\/strong> (Mit anderen Worten, ich wei\u00df gar nicht, ob es die Postkarte bei dem Verlag noch gibt). Der Text auf der R\u00fcckseite der Postkarte ist:<\/p>\n<p><strong>5 Die Schriftstellerin Al\u00e9xandra Kollontai (1872 &#8211; 1952) mit obdachlosen Kindern 1918 in Petrograd.<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/Tieresehendichan21.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-7185 alignleft\" src=\"http:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/Tieresehendichan21-1024x786.jpg\" alt=\"Tieresehendichan2\" width=\"72\" height=\"55\" \/><\/a>Der Verlag Neue Kritik ist immer noch im Kettenhofweg 53, die PLZ lautet 60325 Frankfurt am Main und eine Mail Anschrift haben sie auch: <a href=\"mailto:info@neuekritik.de\">info@neuekritik.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wege der Liebe Die erste Erz\u00e4hlung ist gut, &gt;Die Liebe der drei Generationen&lt; hei\u00dft sie. Die Mutter der Erz\u00e4hlerin dieser Geschichte ist mit dem Regimentskommandeur verheiratet, liebt aber den Kreisarzt:<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2578,2846,288,199,2716,2018,9,2489,3038,1764,2655,2427,2577,2839,3509,2746],"tags":[2847,3936,2844,2843,2840,3946,3039,3041,3910,2842,3902,3935,3040,3043,3042,3044,3916,3045,3047,883,2845,2848,3046,2841],"class_list":["post-6926","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-2578","category-alexandra-michailowna-kollontai","category-aus-dem-antiquariat","category-berlin","category-billie-wilder","category-billy-wilder","category-buchkritik","category-deutsches-reich","category-es-gibt-ein-kunstgesetz-das-ewig-gilt-wir-wollen-nicht-gelangweilt-werden","category-genosse","category-ignaz-wrobel","category-kpd","category-kurt-tucholsky","category-malik-verlag","category-verlag-neue-kritik","category-weltbuehne","tag-alexandra-kollontai","tag-alexandra-michailowna-kollontai","tag-antibolschewisten","tag-dies-ist-zum-gaehnen-langweilig","tag-es-gibt-ein-kunstgesetz","tag-es-gibt-ein-kunstgesetz-das-ewig-gilt-wir-wollen-nicht-gelangweilt-werden","tag-frau-kollontai-ist-sicher-eine-gute-politikerin-buecher-schreiben-kann-sie-nicht","tag-genosse-diensthabender","tag-ignaz-wrobel","tag-kollontai","tag-kurt-tucholsky","tag-malik-verlag","tag-maessige-literatur-ist-kein-einwand-gegen-ein-land","tag-murks-ausscheifungen","tag-murks-liebesschmerzen","tag-murksig","tag-peter-panter","tag-redaktionsstuben","tag-regimentskommandeur","tag-russland","tag-snobistisch","tag-soja-thomassen","tag-wassilissa-maligyna","tag-wir-wollen-nicht-gelangweilt-werden"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.medienberatungev.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6926","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.medienberatungev.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.medienberatungev.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.medienberatungev.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.medienberatungev.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=6926"}],"version-history":[{"count":27,"href":"https:\/\/www.medienberatungev.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6926\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7504,"href":"https:\/\/www.medienberatungev.org\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6926\/revisions\/7504"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.medienberatungev.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=6926"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.medienberatungev.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=6926"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.medienberatungev.org\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=6926"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}