{"id":7451,"date":"2018-06-23T23:39:59","date_gmt":"2018-06-23T23:39:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.medienberatungev.org\/?p=7451"},"modified":"2018-10-24T19:43:00","modified_gmt":"2018-10-24T19:43:00","slug":"vom-nachttisch-getraeumt-von-stinky-miller","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.medienberatungev.org\/?p=7451","title":{"rendered":"VOM NACHTTISCH GETR\u00c4UMT von Stinky Miller (In Zweifelsf\u00e4llen entscheidet die Wahrheit)"},"content":{"rendered":"<p align=\"justify\"><strong><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Vom Nachttisch getr\u00e4umt<\/span><\/span><\/strong><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\">Heute Nacht habe ich von einem Buch getr\u00e4umt, das ich sehr liebe. Zuletzt habe ich den Tr\u00f6dler, den ich auch sehr liebe, in der Marktstrasse vor dem Laden im Sonnenlicht getroffen, der sich mit einem anderen Buch, das ich auch sehr liebe, sehr abm\u00fchte, und,\u00a0 obwohl er schon auf der letzten Seite war, mir zu verstehen gab, da\u00df er wenig verstanden h\u00e4tte.<\/span><\/span><!--more--><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\">Ich habe ihm gesagt, da\u00df ich glaube, da\u00df man nicht alles verstehen mu\u00df und manches versteht man eben erst sp\u00e4ter. Ich habe ihm dann das andere Buch genannt, das ich auch erst viel sp\u00e4ter gefunden habe.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"> &gt;Gefunden habe&lt;, ist vermutlich der falsche Ausdruck. Meine Freundin hat es gefunden und mir zum Geburtstag geschenkt. Eigentlich hasse ich dicke B\u00fccher. Dieses hat immerhin 991 Seiten. (Aber im D\u00fcnndruck ist es gar kein dickes Buch mehr). Tats\u00e4chlich ist es nur 38 mm dick, was die Angst des Lesers &#8211; also meine &#8211; etwas lindert. Meine Freundin hatte das Buch, ohne es vorher zu Lesen, von einem \u201cAltlinken\u201c (was immer das auch ist) empfohlen bekommen. <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\">Es handelt sich um das Buch von Albert Vigoleis Thelen &gt;Die Insel des zweiten Gesichts &#8211; Aus den angewandten Erinnerungen des Vigoleis&lt;. <\/span><span style=\"font-family: Ubuntu;\">Der Tr\u00f6dler, der mir die alte &gt;Ideal&lt;\u00a0 Schreibmaschine verkaufte, hatte allerdings ein anderes, das von Michael Bulgakow &gt;Meister und Margarita&lt; gerade bis zur letzten Seite gelesen. Und gab zu, wenig verstanden zu haben. Dennoch war der Reiz des Buches auf ihn \u00fcbergesprungen. <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\">Und da ist mir die &gt;Insel des zweiten Gesichts&lt; wieder eingefallen. Immer wenn mir eine D\u00fcnndruck, oder Dickdruckausgabe in die H\u00e4nde gefallen ist, habe ich es gekauft und verschenkt. Manchmal konnten sich die Beschenkten erw\u00e4rmen. Manchmal waren sie hinterher einfach sprachlos. <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\">Und wenn eine Frau sprachlos ist, dann redet sie auch nichts. Das Buch ist erstmalig in Deutschland im Eugen Diederichs Verlag erschienen. 1953. Da war ich mal grade sieben Jahre alt. Als ich davon Kenntnis nahm, war ich 40 Jahre alt. Ich habe es nicht bereut und nehme es immer wieder in die Hand. Im ersten Buch <\/span><span style=\"font-family: Ubuntu;\">gibt es einen Vorspruch von Don Quijote de la Mancha.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><strong><em>\u201c<\/em><span style=\"font-size: large;\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><em>Gepriesen sei der Himmel nebst allen Heiligen, der uns endlich ein Abenteuer beschert hat, das etwas eintr\u00e4gt!\u201c<\/em><\/span><\/span><\/strong><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"> Vor dem Abenteuer kommt noch eine &gt;EINE WEISUNG AN DEN LESER&lt; <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><em>&gt;Alle Gestalten dieses Buches leben oder haben gelebt. Hier treten sie jedoch nur im Doppelbewu\u00dftsein auf, der Verfasser einbegriffen, weshalb sie weder f\u00fcr ihre Handlungen noch auch f\u00fcr die im Leser sich erzeugenden Vorstellungen haftbar gemacht werden k\u00f6nnen. Im gleichen Ma\u00dfe, wie die Spaltung der ich-verlorenen Gestalten gr\u00f6\u00dfer oder kleiner zu werden scheint, unterliegt auch der chronologische Ablauf der Geschehnisse einer Umschichtung, die bis in die Aufhebung des Zeitgef\u00fchls gehen kann. <\/em><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><em><strong>&gt;In Zweifelsf\u00e4llen entscheidet die Wahrheit<\/strong>&lt; <\/em>Damit die Enkelkinder aus der Daumenwischgeneration es auch so finden k\u00f6nnen und dar\u00fcber hinaus um einen Grund zu finden, es nach meinem Ableben nicht einfach wegzuschmeissen, was schade w\u00e4re. Obwohl es mir ja eigentlich egal sein k\u00f6nnte. <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\">Zun\u00e4chst einmal ist es die Biografie zweier Menschen, die aus Deutschland vor dem dritten Reich eine Kurve kratzen. Zusammen mit seiner Frau Beatrice, wird er auf die Insel &gt;Mallorca&lt; gelockt. Dort hat ein Bruder von Beatrice signalisiert, dass er dem Tode nahe sei. <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\">Was gar nicht stimmt. Sie finden ihn wohlbehalten, mit langen Fingern\u00e4geln in Mallorca. Dort leitet er ein Hotel. Mit diesen langen Fingern\u00e4geln. Im Laufe der Zeit kommen immer mehr Nazis auf die Insel. Und im Laufe der Zeit verlieren die beiden immer mehr von ihren Ersparnissen.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Seite 573 aus &gt;Die Insel des zweiten Gesichts&lt;. <\/b>&#8222;<i>1933. In einem s\u00fcdlichen Lande lebt der am besten, dem es gelingt, den Sinn f\u00fcr die Zeit ganz und den f\u00fcr das R\u00e4umliche nach M\u00f6glichkeit auszuschalten. <\/i><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Manchmal ist es schon der<\/i> <i>morgige Tag, und man meint, es sei immer noch gestern oder vorgestern oder, in gl\u00fccklichen F\u00e4llen v\u00f6lliger Zeitverwahrlosung: \u00fcberhaupt nicht. Das Heute scheidet immer aus; es ist nur eine philosophische Abstraktion. Der iberische Mensch, und um den geht es hier, steht aber mit beiden F\u00fc\u00dfen auf seiner Wolkenerde . . . &#8220;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 (. . .)\u00a0<\/i><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\"><i> &#8222;. . . Es war also soweit, wir hatten es nur nicht gemerkt. W\u00e4hrend wir unseren Inselschlaf gehalten mit der sich so laut geb\u00e4rdenden Tagtraumwelt der Mam\u00fas, Patucos und Ululas, der streunenden Suredas und des immer besser malenden Pedro; mit Porras und Putas Pilar; Toten, die nicht tot, Lebendigen, die ums Verrecken nicht tot sein wollten &#8211; da war Deutschland erwacht. Und da zu einem erwachenden Deutschland ein verreckendes Juda geh\u00f6rte \u2013 es gibt kein Heldentum ohne Opfer &#8211; scharte sich das Volk der Dichter und Denker, das auch Hagens Volk ist, um den F\u00fchrer. <\/i><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\"><i>Wieviele mochten das wohl sein, die da mit starr von sich gestreckten Gliedma\u00dfen sterben sollten? Es ginge gewi\u00df in die Millionen. Zwei konnten von vornherein von der Liste gestrichen werden, um die brauchte sich der F\u00fchrer nicht mehr zu k\u00fcmmern: Adele Gerstenberg und ihr Sohn ruhten vom eigenen Tode auf dem Cementerio in Alicante. Millionen weniger zwei, macht das denn etwas aus? Wo eine Million verrecken, spielen da zwei noch eine Rolle? Wenn alle t\u00fcchtig mitmachen, schafft es das Volk im Handumdrehen. Sie m\u00fcssen eben alle mitmachen. Alle! Keiner darf sich ums Morden herumdr\u00fccken, sonst wird er selber abgemurkst. So wollen es Hitler und die Geschichte. Und da behauptet Vigoleis noch, nicht an die Geschichte zu glauben. Nur nicht die Toten z\u00e4hlen. Don Patuco und H\u00f6lderlin sagen es auch. Nach Jahren der vaterl\u00e4ndischen Schmach, der v\u00f6lkischen Erniedrigung, der nationalen Umdunkelung: endlich die Morgenr\u00f6te, die G\u00f6tterd\u00e4mmerung, der Aufbruch mit Kind und Kegel und Mann und Maus. O, da konnte man sich wieder geschlossen freuen, in Reih und Glied zum Jux angetreten; und je mehr man mordete, je freudiger wurde einem ums Herz. Und da aus Freude Kraft erw\u00e4chst, nannte man die so gewonnene Kraft die Kraft durch Freude; und mit dieser Kraft durch Freude bestieg man Kraft\/durch\/Freude\/Schiffe und segelte in die Welt hinaus, denn war man nicht ein Volk ohne Raum? So kamen die Erwachten auch nach Mallorca, das Ende der Welt, die Hinterwelt, die Unterwelt, aber immerhin noch Welt. Das wollte man sich einmal ansehen, Freude sch\u00f6pfen aus dem Anblick des Niedrigen, gegen den das eigene Hohe um so ragender steht: Bei uns ist alles viel besser! Aber das wird nat\u00fcrlich bald ganz anders werden. So eine totale Schweinerei, nicht mal Bier hat dieses Volk &#8211; &gt;Herr F\u00fchrer, im Namen des F\u00fchrers, sagen sie mal, wo kann man hier anst\u00e4ndig . . . &lt; Doch ehe ich als Herr F\u00fchrer dieser Volksgenossen den Protest annehmen und an den F\u00fchrer weiterleiten kann, mu\u00df ich selbst erst wissen, woran wir sind . . . &#8222;<\/i> <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">(Aus: Albert Vigoleis Thelen: Die Insel des zweiten Gesichts &#8211; Aus den angewandten Erinnerungen des Vogoleis, Seite 573 &#8211; 574. Copyright 1953. G. A. VAN OORSCHOT, AMSTERDAM, Dritte Auflage\/Eugen Diederichs Verlag)<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\">Sie verarmen. Aber sie verlieren bei keinem ihrer Umz\u00fcge in ein schlechteres Quartier ihren Humor. Erleben manche Abenteuer und sind auch am Ende noch Menschen. <\/span><span style=\"font-family: Ubuntu;\">Sie widerstehen. Und das macht die Sache lesenswert. Das sch\u00f6nste an dem Roman ist eigentlich, da\u00df der Autor immer wieder abschweift, soda\u00df man Ende gar nicht weiss, wo er jetzt eigentlich ist.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\">Stinky Miller<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-size: large;\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><a href=\"http:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/Tieresehendichan31.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-7184 alignright\" src=\"http:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/Tieresehendichan31-1024x780.jpg\" alt=\"Tieresehendichan3\" width=\"127\" height=\"97\" \/><\/a><\/span><\/span><a href=\"http:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/WilhelmGustlof.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-5284 alignleft\" src=\"http:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2014\/07\/WilhelmGustlof-1024x716.jpg\" alt=\"WilhelmGustlof\" width=\"344\" height=\"241\" \/><\/a><\/p>\n<p align=\"justify\">(Ps: Ich war eben auf der Seite von Antiquartiat.de, dort gibt es Angebote von &gt;Die Insel des zweiten Gesichts&lt; im Preisbereich von 8,00 &#8211; 190,00 \u20ac f\u00fcr dieses Buch. Und B\u00fccher sind ja zum Lesen und nicht zum Sammeln da)<a href=\"http:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/By-nc-sa_color.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-5796 alignright\" src=\"http:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/By-nc-sa_color.png\" alt=\"By-nc-sa_color\" width=\"110\" height=\"74\" srcset=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/By-nc-sa_color.png 720w, https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/By-nc-sa_color-300x202.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 110px) 85vw, 110px\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vom Nachttisch getr\u00e4umt Heute Nacht habe ich von einem Buch getr\u00e4umt, das ich sehr liebe. 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