{"id":7939,"date":"2018-09-19T22:26:44","date_gmt":"2018-09-19T22:26:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.medienberatungev.org\/?p=7939"},"modified":"2022-12-01T13:41:41","modified_gmt":"2022-12-01T13:41:41","slug":"volksmund-sich-etwas-unter-den-nagel-reissen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.medienberatungev.org\/?p=7939","title":{"rendered":"Sich etwas unter den Nagel reissen! Firmenarchiv verbrannt ?"},"content":{"rendered":"<h4 class=\"western\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Taz Artikel vom 6. Februar 2015 von Henning Bleyl und ein Foto das wir gefunden haben im Anhang:<\/span><\/span><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">K\u00fchne+Nagel mauert <\/span><\/span><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Verwertung ohne \u201eRelevanz\u201c<\/span><\/span><\/h4>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">K\u00fchne+Nagel profitierte im \u201eDritten Reich\u201c nicht nur von der Judenverfolgung, es \u201earisierte\u201c sich auch selbst. Von alldem will das Unternehmen nach wie vor nichts wissen &#8211; sondern h\u00e4lt einen \u201ekulturpolitischen Zusammenhang\u201c f\u00fcr m\u00f6glich. <\/span><\/span><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">BREMEN <\/span><\/span><em><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">taz<\/span><\/span><\/em><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\"> | Die gro\u00dfe Sause, mit der der Logistik-Konzern K\u00fchne\u2009+\u2009Nagel auf dem Bremer Marktplatz sein 125-j\u00e4hriges Firmenjubil\u00e4um feierte, zieht zunehmend Kritik nach sich. Als \u201egrenzwertig\u201c bezeichnete B\u00fcrgerschaftspr\u00e4sident Christian Weber die weitr\u00e4umige Absperrung auf dem Platz zugunsten eines von Sicherheitskr\u00e4ften bewachten Glaspavillons und Riesen-Trucks.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Dort stellte das Unternehmen eine opulent bebilderte Firmengeschichte dar \u2013 doch seri\u00f6ses History Marketing ist etwas anderes: Dort hat sich als Standard herauskristallisiert, NS-Verstrickungen deutlich anzusprechen, um glaubw\u00fcrdig am Markt kommunizieren zu k\u00f6nnen.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Das Unternehmen des Logistik-Milliard\u00e4rs Klaus-Michael K\u00fchne, als \u201eRetter\u201c von HSV und Hapag-Lloyd gefeiert und f\u00fcr sein Sponsoring der Elbphilharmonie vom Hamburger Senat zum Professor ernannt, beharrt jedoch darauf, den Wachstumsschub von K\u00fchne\u2009+\u2009Nagel im \u201eDritten Reich\u201c auszublenden: \u201eFirmenintern gibt es keinerlei Dokumente zu der entsprechenden Zeitperiode\u201c, schreibt das Unternehmen auf Anfrage der taz. Das gesamte Firmenarchiv sei 1944 verbrannt.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Um das zu widerlegen, gen\u00fcgt ein Blick in das Verzeichnis der Deutschen Wirtschaftsarchive: Der Best\u00e4nde der K\u00fchne\u2009+\u2009Nagel AG &amp; Co werden dort ab 1902 mit zehn laufenden Metern angegeben: Urkunden, Akten, Protokolle, Gesch\u00e4ftsb\u00fccher \u2013 versehen mit dem Hinweis: \u201eBenutzung nur mit Genehmigung der Gesch\u00e4ftsleitung\u201c.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">L\u00e4ge die vor, erf\u00fchre man genauer, unter welchen Umst\u00e4nden Mitinhaber Adolf Maass die Firma verlie\u00df. Deren Chronik von 1965, \u201eStreiflichter einer bewegten Zeit\u201c, berichtet nur, dass Maass im April 1933 ausschied, \u201eum als Teilhaber in eine Gro\u00dfhandelsfirma seiner Verwandtschaft einzutreten\u201c. Die Erw\u00e4hnung der \u201eVerwandtschaft\u201c verweist immerhin indirekt auf den Hintergrund: Maass war Jude.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">K\u00fchne\u2009+\u2009Nagel profitierte im \u201eDritten Reich\u201c also nicht nur durch Gro\u00dfauftr\u00e4ge im, Rahmen der \u201eVerwertung\u201c j\u00fcdischen Eigentums, sondern auch durch \u201eArisierung\u201c im eigenen Haus. Maass war seit 1910 Teilhaber und baute unter anderem die Niederlassung Hamburg auf. Nach seinem Ausscheiden wurden die Br\u00fcder Alfred und Werner K\u00fchne Alleininhaber.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Als 2006 in Hamburg-Winterhude ein Stolperstein f\u00fcr das Ehepaar Maass verlegt wurde, hat Ulrike Sparr in diversen Archiven nach Unterlagen gesucht. Dabei stie\u00df sie auf die Aussagen von Adolfs Sohn Gerhard, der die K\u00fchne-Br\u00fcder als \u201eeinflussreiche Nazis\u201c charakterisierte, die seinen Vater aus der Firma gedr\u00e4ngt h\u00e4tten. Nachweisbar ist, dass Werner K\u00fchne direkt nach Maass\u2019 Ausscheiden in die NSDAP eintrat \u2013 mit einem j\u00fcdischen Mitinhaber w\u00e4re ihm das nicht m\u00f6glich gewesen. Das Ehepaar Maass starb in Auschwitz.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Im NS-Staat lie\u00df K\u00fchne\u2009+\u2009Nagel seine Konkurrenten hinter sich, wobei ein direkter Draht zum Reichsfinanzminister half. F\u00fcr Westeuropa erk\u00e4mpfte sich die Firma ein Monopol: Fast 70.000 Wohnungseinrichtungen deportierter Familien aus Frankreich, Belgien und den Niederlanden transportierte sie nach Deutschland zu den \u201eJudenauktionen\u201c.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Es muss als wahrscheinlich gelten, dass K\u00fchne\u2009+\u2009Nagel nicht \u201enur\u201c an der Verwertung von M\u00f6beln und Alltagsgegenst\u00e4nden jeder Art beteiligt war, sondern auch an den Aktionen des \u201eEinsatzstabs Reichsleiter Rosenberg\u201c: Dieser hatte die Aufgabe, in den besetzten L\u00e4ndern nach Kunstgegenst\u00e4nden und kostbaren Bibliotheken zu fahnden. Allein aus Paris gab es zwischen 1941 und 1944 29 Kunsttransporte, als Hauptdepot in Deutschland diente Schloss Neuschwanstein.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Dieser Kontext wird von der Firma wohl eher unfreiwillig angedeutet, in dem sie der taz erkl\u00e4rt: \u201eDass K\u00fchne\u2009+\u2009Nagel in M\u00f6beltransporte involviert war, ist unbestritten. Unklar ist jedoch, wer die Spedition beauftragt hatte, ob dies in einem kulturpolitischen Zusammenhang erfolgte und falls ja, ob die Durchf\u00fchrung wissentlich und willentlich geschah.\u201c Auf Nachfrage nach dem ins Spiel gebrachten \u201ekulturpolitischen Zusammenhang\u201c hei\u00dft es, dieser bez\u00f6ge sich auf die M\u00f6bel.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Nicht aufgearbeitet sind auch die Aktivit\u00e4ten in Osteuropa. Ein Verzeichnis des \u201eGeneralbevollm\u00e4chtigten f\u00fcr die Wirtschaft in Serbien\u201c aus den Jahren 1943\/44, das im Bundesarchiv Berlin liegt, listet K\u00fchne\u2009+\u2009Nagel als \u201eLieferanten\u201c. Was da an wen geliefert wurde, k\u00f6nnte in der Chronik zum 125-j\u00e4hrigen Firmenjubil\u00e4um berichtet werden, an der das Unternehmen eigenem Bekunden zufolge derzeit arbeitet. Dem entgegen steht allerdings die Selbsteinsch\u00e4tzung, dass es \u201eder Rolle von K\u00fchne\u2009+\u2009Nagel in diesen Zeitperioden\u201c \u2013 gemeint sind der Erste und Zweite Weltkrieg \u2013 \u201ean Relevanz mangelt\u201c<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: medium;\">Bildunterschrift: <\/span><\/span><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: medium;\">Kamen im KZ um: Der K\u00fchne+Nagel-Mitinhaber Adolf Maass und seine Frau K\u00e4the. <\/span><\/span><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: small;\">Bild: Sammlung Elsbach\/Maas<a href=\"http:\/\/www.medienberatungev.org\/?attachment_id=7947\" rel=\"attachment wp-att-7947\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-7947 alignleft\" src=\"http:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Hochzeit_Kaethe_und_Adolf_Maass_bb.jpg\" alt=\"\" width=\"236\" height=\"229\"><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">. . .&nbsp; Adolf Maass, der j\u00fcdische Teilhaber, hatte seit 1902 das Hamburger Gesch\u00e4ft aufgebaut und war sp\u00e4ter \u2013 bis 1933 \u2013 sogar gr\u00f6\u00dfter Einzeleigner der Gesamtfirma. Zusammen mit seiner Frau wurde er, vermutlich 1944, in Auschwitz ermordet. Im selben Jahr bekamen seine fr\u00fcheren Kompagnons, die Br\u00fcder K\u00fchne, zum wiederholten Mal ein Gau-Diplom als \u201eNS- Musterbetrieb\u201c \u00fcberreicht. . . . (Henning Bleyl, taz 25. 7. 2015)<\/span><\/span><a href=\"http:\/\/www.medienberatungev.org\/?attachment_id=7941\" rel=\"attachment wp-att-7941\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-large wp-image-7941\" src=\"http:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/AlbertundKlausMichaelK\u00fchneklein-832x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"788\"><\/a><a href=\"http:\/\/www.medienberatungev.org\/?attachment_id=7681\" rel=\"attachment wp-att-7681\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-7681 alignright\" src=\"http:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/nilpferd_tumb-1024x816.png\" alt=\"\" width=\"89\" height=\"71\"><\/a><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-file\"><a id=\"wp-block-file--media-f90d0cbb-d6ca-47e1-a39f-104b0a30a764\" href=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/HenningBleyl25072015taz.pdf\">HenningBleyl25072015taz<\/a><a href=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/HenningBleyl25072015taz.pdf\" class=\"wp-block-file__button\" download aria-describedby=\"wp-block-file--media-f90d0cbb-d6ca-47e1-a39f-104b0a30a764\">Herunterladen<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Taz Artikel vom 6. 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