{"id":8144,"date":"2018-11-22T23:00:59","date_gmt":"2018-11-22T23:00:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.medienberatungev.org\/?p=8144"},"modified":"2018-11-24T16:45:30","modified_gmt":"2018-11-24T16:45:30","slug":"fuer-berthold-podlasly-1999","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.medienberatungev.org\/?p=8144","title":{"rendered":"F\u00fcr Berthold Podlasly (1999)"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\"><a href=\"http:\/\/www.medienberatungev.org\/?attachment_id=8146\" rel=\"attachment wp-att-8146\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-8146 alignleft\" src=\"http:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/IMG_6844Podlaslyklein.jpg\" alt=\"\" width=\"179\" height=\"179\" srcset=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/IMG_6844Podlaslyklein.jpg 200w, https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/IMG_6844Podlaslyklein-150x150.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 179px) 85vw, 179px\" \/><\/a><strong>F\u00dcR BERTHOLD, den ich in der dffb kennenlernte. <\/strong>Berthold Podlasy war Mitautor und Schauspieler in unserem dffb Film von 1971: \u00bbDeine Freizeit geh\u00f6rt dir noch nicht\u00ab. Eine Gruppenarbeit von Michael Mosolff (kein dffb Student, Gasth\u00f6rer), Martin Streit, Berthold Podlasly und mir. Ein Still aus einer Filmkopie, wie man das heute nennt. Wir haben einfach Foto gesagt. Denn wenns nicht still gewesen w\u00e4r, w\u00e4rs ja verwischt worden.<\/p>\n<p align=\"justify\"><!--more--><\/p>\n<p align=\"justify\">In dieser Szene (Nicht formatgerecht fotografiert, die 16 mm Kopie ist im Normalfomat 1:1,37 kopiert) demonstriert er, wie die IKEA Generation ihre Freizeit gestaltet. In dem sie die M\u00f6bel, die ihnen fr\u00fcher fertig ins Haus getragen wurden,\u00a0 selbst nach Hause tr\u00e4gt, auspackt, die Bauanleitung liest und dann selbst zusammenbaut. Was damals als gro\u00dfer Fortschritt galt und vermutlich immer noch gilt. Die Erinnerung an Berthold ist ein wenig verblasst, aber nicht verschwunden. Es war unsere erste Gruppenarbeit (Vier Personen). Hinterher wusste jeder von uns, wie schwierig eine solche gleichberechtigte Arbeit am Drehbuch (Schreibmaschine, mechanisch), an der Kamera (Arri 16 BL), an der Nagra\u00a0 (ein hochwertiges und teures Tonbandger\u00e4t aus jener Zeit) und am 16 mm Schneidetisch (Firma Steenbeck, die es heute leider nicht mehr gibt) ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Von Berthold habe ich kein Foto. Diese Aufnahme habe ich am Steenbeck Schneidetisch abfotografiert. Still nennen das die Filmstudenten von heute. Zwanzig Jahre (2018) nach seinem Tod aufgenommen. Er war sehr sch\u00fcchtern und sehr fotoscheu. Er wohnte im Studentendorf Siegmundshof. Oft warteten wir vergeblich auf ihn. Haben ihn dann aber immer dort aufgesucht und ihn dazu bewegt, wieder weiter mitzumachen. Dahinter stand ein gewisser \u00f6konomischer Zwang. Jeder Student hatte eine bestimmte Summe f\u00fcr diesen Grundkursfilm zur Verf\u00fcgung. Den konnte er allein oder mit anderen zusammen verbrauchen. Das ist wie mit Greta Garbo und den vier Eiern in dem Lubitsch Film <strong>\u00bbNinotschka\u00ab<\/strong>. Einer allein hat nur ein Ei. Aber tun sich vier zusammen, dann wird daraus ein \u00bbOmelette\u00ab. Gemeinsam liebten wir die Kursb\u00fccher, nicht die von der Bundesbahn, sondern die, die von Hans Magnus Enzensberger herausgegeben wurden. <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Besonders oft benutzt die Kursb\u00fccher 20 und 21. Noch heute in meinem Besitz. Nr. 20 war im M\u00e4rz 1970 erschienen.<strong> <i>\u00bb\u00dcber \u00e4sthetische Fragen\u00ab<\/i><\/strong>. Unterstrichen habe ich den Satz auf Seite 151: <strong><i>\u00bbDer Verwertung<\/i><i>s<\/i><i>standpunkt des Kapitals steht gegen die sinnlich-triebhafte Wirklichkeit des Menschen\u00ab<\/i>.<\/strong> Im Kursbuch 21, im September 1970 erschienen, ist nichts unterstrichen. Vermutlich hatte ich mir diese schlechte Angewohnheit damals schon abgew\u00f6hnt. Besonders <strong>\u00bbverschlungen\u00ab<\/strong> in diesem Kursbuch 21 haben wir einen wieder entdeckten Text von Alfred Sohn-Rethel, den er in den \u00bbDeutschen F\u00fchrerbriefen\u00ab vom 16. und 20. September 1932 unter dem relativ langweiligen Titel <strong>\u00bbDie soziale Rekonsolidierung des Kapitalismus\u00ab<\/strong> ver\u00f6ffentlicht hatte. Der zum Wiederabdruck gelangte Artikel <strong>\u00bbhat zur Zeit seines Erscheinens eine eigenartige Sensation ausgel\u00f6st\u00ab. <\/strong>Das war 38 Jahre sp\u00e4ter, 1970, bei uns auch so. <\/span><\/span><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Der erste Abschnitt tr\u00e4gt die \u00dcberschrift <strong><i>\u00bbVon der Sozialdemokratie zum Nationalsozialismus\u00ab<\/i>.<\/strong> Auch Harun Farocki hat in einigen seiner Filme auf diesen Artikel von Alfred Sohn-Rethel hingewiesen. Ein Intellektueller sieht voraus, wie sich das alles entwickeln wird und beh\u00e4lt (leider) recht. <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Bei mir ist die Freude an den Texten von Hans Magnus Enzensberger \u00fcbrig geblieben. \u00bb99 \u00dcberlebensk\u00fcnstler\u00ab ist so ein Buch. Enzensberger schreibt \u00fcber 99 Schriftsteller <i>\u00bb<\/i><i>im <\/i><i>Jahrhundert der Gewalt\u00ab<\/i>, und wie sie dieser Gewalt zu entkommen suchen. Dieses Buch h\u00e4tte Berthold sicher gefallen. \u00dcber Joseph Roth schreibt Enzensberger: <i>\u00bbJoseph Roth sagte, wenige Tage vor seinem Tod, er sei dem Selbstmord nahe. Aber das w\u00e4re eine S\u00fcnde gewesen; deshalb zog er es vor, sich totzusaufen<\/i><i>\u00ab<\/i>. Auch Berthold hat sich auf diese Weise umgebracht. Manchmal denke ich an diesen leicht zerbrechlichen, sch\u00fcchternen Menschen, bin traurig, und wei\u00df doch nicht, wie ich das h\u00e4tte verhindern k\u00f6nnen.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Jens Meyer <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\">22. November 2018<a href=\"http:\/\/www.medienberatungev.org\/?attachment_id=7996\" rel=\"attachment wp-att-7996\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-7996 alignright\" src=\"http:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Tieresehendichan1klein.jpg\" alt=\"\" width=\"234\" height=\"166\" \/><\/a><a href=\"http:\/\/www.medienberatungev.org\/?attachment_id=7682\" rel=\"attachment wp-att-7682\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-7682 alignleft\" src=\"http:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/By-nc-sa_color.png\" alt=\"\" width=\"163\" height=\"110\" srcset=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/By-nc-sa_color.png 720w, https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/By-nc-sa_color-300x203.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 163px) 85vw, 163px\" \/><\/a><a href=\"http:\/\/www.medienberatungev.org\/?attachment_id=1218\" rel=\"attachment wp-att-1218\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-1218 alignleft\" src=\"http:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/Ikeaklein1-768x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"114\" height=\"152\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00dcR BERTHOLD, den ich in der dffb kennenlernte. 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