{"id":8354,"date":"2019-01-21T13:11:29","date_gmt":"2019-01-21T13:11:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.medienberatungev.org\/?p=8354"},"modified":"2024-02-11T05:44:50","modified_gmt":"2024-02-11T05:44:50","slug":"apropos-ernst-henning-strasse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.medienberatungev.org\/?p=8354","title":{"rendered":"Apropos Ernst Henning Strasse"},"content":{"rendered":"<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">apropos = Nebenbei bemerkt. <\/span><\/span><strong><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Mein Schulweg, der durch die Ernst Henning Strasse f\u00fchrte. Eine Wegbeschreibung.<br \/><\/span><\/span><\/strong><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Neun Jahre lang\u00a0 (von 1953 &#8211; 1957 und von 1960 &#8211; 1963) bin in die Schule Spieringstra\u00dfe in Bergedorf gegangen. <\/span><\/span><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Internet Suchmaschinen schlagen f\u00fcr den Schulweg zwei M\u00f6glichkeiten vor. Der eine f\u00fchrt durch die Ernst Henning Stra\u00dfe, \u00fcber die August Bebel Stra\u00dfe in die Spieringstra\u00dfe, der andere Weg f\u00fchrt \u00fcber den Schulenbrooksweg, die Ernst Henning Stra\u00dfe und die August Bebelstra\u00dfe zum Eingang der Schule in der Spieringstra\u00dfe. Sechshundert und Sechshundertf\u00fcnfzig Meter lang. Als Laufzeit zu Fu\u00df werden sieben bzw. acht Minuten angegeben. Der Schulbau hat die Form eines U. Der Eingang der M\u00e4dchenschule war in der Parallel Stra\u00dfe, in der Ernst Henning Stra\u00dfe. Den Namen hatte die Stra\u00dfe erst 1946 bekommen. Zwischen den beiden Schulen war eine Turnhalle, die auch als Aula genutzt wurde. Mein Weg, erst Glindersweg, dann links in die Ernst Henningstra\u00dfe, dann rechts in die August Bebel Stra\u00dfe und links in die Spieringstra\u00dfe. In der August Bebel Stra\u00dfe wohnte meine Oma, die ich oft besucht habe. Ihr Mann war Postbeamter gewesen und 1930 gestorben. \u00dcber August Bebel hat sie viel erz\u00e4hlt und seine T\u00e4tigkeit sehr gelobt. \u00dcber Ernst Henning hat nie ein Erwachsener oder Lehrer mit uns gesprochen. Das erweckte viel sp\u00e4ter meine Neugier. Es kam eine Mordgeschichte zum Vorschein. Der Mord fand in einem Omnibus statt. In einer Buslinie, die es heute noch gibt. Ernst Henning war Mitglied der KPD und wohnte in Hamburg Bergedorf. Als Politiker war er sehr erfolgreich. Gew\u00e4hltes Mitglied der Hamburger B\u00fcrgerschaft und der Bezirksversammlung in Bergedorf. W\u00e4hrend der Inflation, als mein Vater kurzfristig Million\u00e4r geworden war, nahm er 1923 am Hamburger Aufstand teil. Betrachtet man die damalige Lage aus heutiger Sicht, so gibt es viele gute Gr\u00fcnde f\u00fcr einen Aufstand. Aber, der Aufstand blieb isoliert und hatte keinen Erfolg. Ernst Henning fl\u00fcchtete. Ein Jahr sp\u00e4ter stellte er sich und wurde wegen seiner Teilnahme am Aufstand zu vier Jahren Gef\u00e4ngnis verurteilt. Aufgrund einer allgemeinen Amnestie kam er 1925 frei. 1928 wurde er als Abgeordneter in die Hamburger B\u00fcrgerschaft gew\u00e4hlt und widmete sich vor allem der Unterst\u00fctzung der Bev\u00f6lkerung im Hamburger Landgebiet, den Vierlanden. Am Sonnabend, d. 14. M\u00e4rz 1931 um 20.00 Uhr fand eine Veranstaltung der KPD im Lokal Albers in Zollenspieker statt. Referenten waren Ernst Henning und Louis Cahnbley. Viele Kleinbauern und Landarbeiter waren in das Clubzimmer der Gastst\u00e4tte gekommen. Nach dem Ende der Veranstaltung stiegen Ernst Henning und sein Kollege Louis Cahnbley, kurz nach Mitternacht, in den Nachtbus von Zollenspieker \u00fcber Kirchwerder nach Hamburg ein. In F\u00fcnfhausen stiegen, zw\u00f6lf Minuten sp\u00e4ter, neue Fahrg\u00e4ste ein. Es handelte sich dabei um den SA Sturm 14 aus Hammerbrook. F\u00fcnf M\u00e4nner. Einer in SA Uniform. Mit dabei Albert Jansen; dreiundzwanzig Jahre alt. Ehemaliger Polizist. Wegen Unterst\u00fctzung einer staatsfeindlichen Partei, der NSDAP, wurde er nach acht Monaten 1928 aus dem Polizeidienst entlassen. Otto Bammel, SA Scharf\u00fchrer, Hans H\u00f6ckmair, SA Scharf\u00fchrer; siebenundzwanzig Jahre alt. Sie erschie\u00dfen Ernst Henning. Louis Cahnbley und die Berufsschullehrerin He\u00dfberg werden ebenfalls von ihren Pistolenkugeln getroffen. Dieser Mord an einem beliebten B\u00fcrgerschaftsabgeordneten in aller \u00d6ffentlichkeit passte nicht in das Konzept der NSDAP, zu mal in dem sp\u00e4teren Prozess deutlich wurde, dass die SA M\u00e4nner urspr\u00fcnglich vor gehabt hatten, einen anderen Kommunisten ermorden zu wollen: Etkar Andre, der urspr\u00fcnglich als Redner f\u00fcr die Versammlung vorgesehen war. Schon Sonntag Nacht stellten sich zwei der SA Leute der Polizei, ein dritter wurde am Montag verhaftet. Der NSDAP war die Sache so wichtig, dass sie Hans Frank, Staranwalt der NSDAP, mit der Verteidigung der SA Leute beauftragte. Der Gerichtsprozess vor dem Schwurgericht in Hamburg begann am 3. November 1931 und endete elf Tage sp\u00e4ter am 14. November 1931 mit der Verk\u00fcndung des Urteils. Verurteilt wurden Albert Jansen, Otto Bammel, und Hans H\u00f6ckmair. Die Urteile lauteten sieben Jahre f\u00fcr Hans H\u00f6ckmair und Albert Jansen und sechs Jahre f\u00fcr SA Scharf\u00fchrer Otto Bammel. Sie waren nicht lange im Gef\u00e4ngnis. Am 9. M\u00e4rz 1933 wurden alle drei amnestiert. Anschlie\u00dfend wurden die Prozessakten vernichtet. Aber es gab eine Besonderheit. Als es am 4. Mai 1945 mit dem dritten Reich vorbei war, mussten die M\u00f6rder, die wegen Totschlags verurteilt worden waren, sie wollten ja urspr\u00fcnglich einen anderen Kommunisten, Etkar Andre, ermorden, ihre Reststrafe im Gef\u00e4ngnis verb\u00fc\u00dfen. H\u00e4tten wir Sch\u00fcler der Schule Spieringstrasse fr\u00fcher von diesem Mord erfahren, dann w\u00e4re folgender Dialog denkbar gewesen. Sch\u00fcler eins: &gt;Glaubst Du, das so etwas heute wieder passieren k\u00f6nnte? Sch\u00fcler zwei: &gt;Nein&lt;. Sch\u00fcler eins: &gt;Warum nicht?&lt; Sch\u00fcler zwei &gt;Es f\u00e4hrt auf der Linie kein Nachtbus mehr. Der letzte Bus kommt um 23.43 Uhr&lt;. Jens Meyer<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\">Die Informationen habe ich mir zusammengesucht. Besonders hilfreich das Buch von Martina Scheffler: &#8222;Mord \u00fcber Deutschland&#8220; (Die Hamburger KPD und der Mord an Ernst Henning) 1931. Erschienen im LIT Verlag Hamburg 2006. http:\/\/lit-verlag.de<a href=\"http:\/\/www.medienberatungev.org\/?attachment_id=6129\" rel=\"attachment wp-att-6129\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-large wp-image-6129\" src=\"http:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/IMG_6050-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"480\" \/><\/a><a href=\"http:\/\/www.medienberatungev.org\/?attachment_id=5796\" rel=\"attachment wp-att-5796\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-5796 alignleft\" src=\"http:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/By-nc-sa_color.png\" alt=\"\" width=\"156\" height=\"105\" srcset=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/By-nc-sa_color.png 720w, https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2018\/03\/By-nc-sa_color-300x202.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 156px) 85vw, 156px\" \/><\/a><a href=\"http:\/\/www.medienberatungev.org\/?attachment_id=5638\" rel=\"attachment wp-att-5638\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-5638 alignright\" src=\"http:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Nilpferd7-1024x717.jpg\" alt=\"\" width=\"172\" height=\"120\" \/><\/a>Foto Jens Meyer<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-full is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/IMG_6068klein.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/IMG_6068klein.jpg\" alt=\"Oortkatenweg\" class=\"wp-image-25441\" width=\"610\" height=\"458\"\/><\/a><figcaption>Oortkatenweg  Foto Jens Meyer<\/figcaption><\/figure><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>apropos = Nebenbei bemerkt. 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