{"id":8567,"date":"2019-03-05T13:26:03","date_gmt":"2019-03-05T13:26:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.medienberatungev.org\/?p=8567"},"modified":"2021-06-25T10:30:01","modified_gmt":"2021-06-25T10:30:01","slug":"dem-einen-das-bein-dem-anderen-den-wald","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.medienberatungev.org\/?p=8567","title":{"rendered":"Dem einen das Bein &#8211; dem anderen den Wald"},"content":{"rendered":"<p align=\"justify\"><strong><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Dem einen der Wald \u2013 dem anderen das Holzbein<\/span><\/span><\/strong><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Erinnerungen an einen Deserteur<\/b><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Zeichen: 18.223. <\/span><\/span><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Ich wei\u00df nicht, ob es ihnen manchmal auch so geht wie mir: Beim Aufr\u00e4umen finde ich einen alten Text wieder und denke, wieso wollte den Text damals niemand ver\u00f6ffentlichen? So ging es mir mit diesem. Damals, das war 1983. Ich war Maschinenschlosser in einer R\u00fcstungsschmiede. Genauer: Auf der Werft von Blohm &amp; Voss. Eine Karriere, die \u00fcbrigens nach zwei Jahren pl\u00f6tzlich von der Personalabteilung der Firma beendet wurde. <\/span><\/span><!--more--><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Nicht wie sie vielleicht vermuten. In der Klageschrift vor dem Arbeitsgericht schrieb der gegnerische Rechtsanwalt, da\u00df der Kl\u00e4ger \u2013 also ich \u2013 dieses Jahr \u00fcberhaupt noch nicht zur Arbeit erschienen sei, was ich besonders beleidigend fand, weil das Jahr gerade erst 20 Tage alt war. Ich erhielt eine Abfindung von 3.200 D-Mark. <\/span><\/span><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Bei Blohm &amp; Voss bauten wir Fregatten f\u00fcr alle Welt: Nigeria, T\u00fcrkei, Argentinien. <a href=\"http:\/\/www.medienberatungev.org\/?attachment_id=5645\" rel=\"attachment wp-att-5645\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-5645 alignright\" src=\"http:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Fregatte475f\u00fcrArgentinien-1024x675.jpg\" alt=\"\" width=\"433\" height=\"285\" \/><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\" align=\"justify\">(Hier ein Foto eines Modells. Fotografieren war auf der Werft von Blohm &amp; Voss\u00a0 streng verboten. Beim &gt;Erwischtwerden&lt; war der Verlust des Arbeitsplatzes garantiert) (Wegen Sabotage!).<\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Kleine, schnelle, sehr gut bewaffnete, mit Elektronik vollgestopfte Kriegsschiffe. Auf dem gleichen Gel\u00e4nde wurde auch \u201cunser Leo\u201c, wie ihn die Kollegen aus dem Panzerbau liebevoll nannten, gebaut. Diese deutsche Wertarbeit, mit der in aller Welt Kriege gewonnen werden konnten. F\u00fcr das Betreten der Panzerhalle ben\u00f6tigte man einen Sonderausweis, den sie mir jedoch nie ausstellten. <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Bei den Fregatten war man dagegen nicht so zimperlich. Nur die Jugoslawen liessen sie nicht auf die Natoschiffe. Wegen Kommunismus und so. Die Fregatte f\u00fcr Argentinien bekam zwei Antriebsmaschinen. Einen Dieselmotor und f\u00fcr den Fall, da\u00df es mal schneller gehen sollte: Eine Gasturbine. Die Herstellerfirma dieser Gasturbine war die damals staatliche Firma Rolls Royce (GB), die neben den Nobelautos auch eine Gasturbinenproduktion hatte. Wie schnell die Fregatte wirklich war, das haben wir nie erfahren, weil w\u00e4hrend der Probefahrten immer die Geschwindigkeitsanzeige im Maschinenraum mit einem Lappen verdeckt wurde. Alle Milit\u00e4rs haben immer Angst vor den Spionen. Aber 70 Std\/km d\u00fcrften es schon gewesen sein. F\u00fcr ein Schiff dieser Gr\u00f6\u00dfe ganz sch\u00f6n schnell. Ein D\u00fcsenj\u00e4gerschiff. <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">W\u00e4hrend wir also die Fundamente f\u00fcr die k\u00f6niglich-englische Rolls Royce Turbine in die argentinische Fregatte einbauten, begannen beide Staatsf\u00fchrungen einen Krieg um die Falklandinseln vor Argentinien. Pikant an der Angelegenheit war: W\u00e4hrend britische Soldaten vor Argentinien f\u00fcr den Erhalt der britischen Kolonien k\u00e4mpften, war die andere Abteilung von Frau Thatcher gerade dabei, die Waffen f\u00fcr den Gegner zu schmieden, um es mal etwas blumig auszudr\u00fccken. <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Die extra aus England angereisten Monteure der Firma Rolls Rocye machten dann, so will ich es mal nennen, eine \u201cH\u00f6flichkeitspause\u201c von zwei Wochen bei der Montage der Gasturbine. Doch dann mu\u00dften sie weiter zusammen schrauben, was da in Kisten verpackt auf der Werft stand. Schlie\u00dflich ging es um bares Geld. Verluste hatte Rolls Royce schon genug. Deshalb war der Konzern ja verstaatlicht worden. W\u00e4hrend wir also im Akkord das argentinische Kriegsschiff fertigstellten, obwohl ohnehin jedem klar war, da\u00df es f\u00fcr diesen Krieg nicht mehr rechtzeitig fertig werden w\u00fcrde, dachte ich an einen entfernten Verwandten, den ich auf dem Friedhof begegnet war. Ludwig Averdieck. Ein kleiner Stein auf einem Massengrab aus dem zweiten Weltkrieg. <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Ob er wirklich das war, was ich vermutete, das habe ich nie mit letzter Sicherheit herausbekommen. Ein Deserteur in dieser angesehenen Familie? Die Averdiecks hatten jedenfalls nie von Ludwig erz\u00e4hlt. Der Stein auf dem Bergedorfer Friedhof war ihnen geradezu peinlich. <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Noch zwanzig Jahre nach seinem vermutlichen Tode. Es war die Zeit, als mit gro\u00dfer Intensit\u00e4t und erheblichem Werbeaufwand unter der Jugend f\u00fcr die Instandsetzung der deutschen Kriegsgr\u00e4ber in aller Welt geworben wurde. Die Zeit, in der Deutsche vom Motorrad auf Kleinwagen umstiegen. Unbequeme Menschen waren lange vergessen. Nur einige Schriften auf den Grabsteinen waren noch zu lesen. Halb vergammelt, mit Moos und Schimmel bedeckt. Buchsbaumhecken und Heldengedenksteine. Auf dem Friedhof in Hamburg Bergedorf: Wilhelm Schloicka und Karl Schloicka; \u201cUnsere Ehre heisst Treue\u201c. Das Motto von Hitlers Elite M\u00f6rdern.<\/span><\/span><\/p>\n<figure id=\"attachment_2468\" aria-describedby=\"caption-attachment-2468\" style=\"width: 271px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.medienberatungev.org\/?attachment_id=2468\" rel=\"attachment wp-att-2468\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-2468\" src=\"http:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Schloicka2-720x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"271\" height=\"385\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-2468\" class=\"wp-caption-text\">Friedhof Bergedorf 1<\/figcaption><\/figure>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Zwei auf einem Stein sind billiger. Dazwischen ich, mal grad zw\u00f6lf Jahre alt. Beim Sonntagsbesuch meines Vaters zu seinem Vater. Stinkiges Blumenwasser und alte Frauen. An den Heldengedenksteinen hatte ich das Buchstabieren gelernt. Einschulung 1953. Zwei Meter hohe Feldsteine, oben den Soldatenhelm, unten das Wort \u201cgefallen\u201c. Darunter konnte ich mir als Zw\u00f6lfj\u00e4hriger gar nichts vorstellen. Zumindest nicht, warum man deswegen einen Stein mit Inschrift bekam. <\/span><\/span><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Auch ich war schon oft gefallen und hatte mir das Knie aufgeschlagen. Besonders im Sommer mit kurzen Hosen waren meine Beine w\u00fcst verschrammt. Aber ich h\u00e4tte nie gedacht, da\u00df man f\u00fcr verschrammte Knie einen Gedenkstein bekommt, das h\u00e4tte ich nicht mal im Traum gedacht. Gefallen f\u00fcr das Vaterland bei Stalingrad. Unten auf dem Stein das Motto der Massenm\u00f6rder von Treue und Ehre, das verstehe ich heute noch nicht. Niemand konnte oder wollte dem Zw\u00f6lfj\u00e4hrigen sagen, was das ist Stalingrad? Erst Jahre sp\u00e4ter erfuhr ich von General Paulus und der deutschen sechsten Armee, die dort in Ru\u00dfland krepiert war. Heute ist dieser Ort in Ru\u00dfland schon wieder umbenannt. <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Wichtige und unwichtige Tote findet der 12-j\u00e4hrige, also ich, auf dem Bergedorfer Friedhof. Schon bald interessieren mich mehr die unwichtigen Toten. Die, mit den kleinen Grabsteinen. Die, auf denen die Worte \u201cvermisst\u201c und \u201cunbekannt\u201c eingemeisselt waren. Die, auf denen kein Todestag, sondern \u201cFebruar 1945\u201c oder \u201cJuli 1943\u201c stand. Mein Onkel, angesehener Rechtsanwalt in Bergedorf, Dr. Otto Averdieck, soll ein \u201cNazi\u201c gewesen sein. Als Zw\u00f6lfj\u00e4hriger kann ich mit diesem Begriff gar nichts anfangen und bringe deshalb alles durcheinander. Nazi, was soll das sein? Schlie\u00dflich waren die Kommunisten \u00fcberall die B\u00f6sewichter, wo man auch hinh\u00f6rte. Irgendwie waren sie an allem schuld. Als die Russen das zweite Eisenbahngleis nach Berlin demontierten; als Berlin ausgehungert werden sollte und aus der Luft versorgt wurde; als man erste Bilder von halbverhungerten Kriegsgefangenen sieht, die aus russischer Kriegsgefangenschaft zur\u00fcckkehrten. <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Als Zw\u00f6lfj\u00e4hriger denke ich lange Zeit, da\u00df Adolf Hitler ein Kommunist gewesen sein muss. Schlie\u00dflich hat er den Krieg angefangen und dann auch noch verloren. Mein Vater sagt immer: \u201cAlles Sabotage\u201c. Doch in alle Welt sind sie gekommen, die V\u00e4ter, die bei der Wehrmacht waren. Die Wehrmacht, das gro\u00dfe deutsche Touristikunternehmen des \u201cF\u00fchrers\u201c, wie sie ihn manchmal noch nennen. Das CinemaScope Format hat sich 1954 so schnell im Kino durchgesetzt, weil es \u201cim Format dem Sehschlitz des deutschen Panzers so \u00e4hnlich war\u201c, lese ich in einem Text von Harun Farocki. Diese Erkenntnis mache ich ein paar Jahre sp\u00e4ter. <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Meinen Onkel \u2013 den Rechtsanwalt &#8211; kannte ich nicht als Nazi, sondern nur als Vorsitzenden des Briefmarken- und des B\u00fcrgervereins. Er ist \u2013 merkw\u00fcrdiger Weise \u2013 f\u00fcr mich damals der einzige gewesen, der bez\u00fcglich der \u201cdunklen Zeit, die f\u00fcr immer hinter uns liegt\u201c, der wenigstens ehrlich seine Meinung sagt und zugibt dabei gewesen zu sein. Mit \u00dcberzeugung dabei gewesen zu sein. Er ist auch der einzige, der \u00fcberhaupt etwas davon mitbekommen hatte, was in Deutschland zw\u00f6lf Jahre lang passiert war. <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Nicht so ein pl\u00f6tzlicher Demokrat, wie all die anderen, die Europa in Schutt und Asche gelegt hatten und selbst davon gar nichts bemerkt haben wollten. Wir Kinder spielten Kaiser, K\u00f6nig, Edelmann. Wir sangen, wir wollen unseren alten Kaiser Wilhelm wieder haben, aber nur mit Bart, aber nur mit Bart! <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Das mit dem Bart fand ich als Kind immer besonders spannend. Erst viel sp\u00e4ter habe ich dann herausgefunden, welcher Kaiser das in dem Lied gewesen sein muss. <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Heute sitzt er noch \u00fcberall rum, auf seinem Pferd. Jedenfalls nicht der, der den ersten Weltkrieg verloren hatte und dann auch noch einfach hinterher abgehauen ist. In dem Krieg, in dem mein Onkel noch selbst dabei gewesen war. Auf dem Pferd. Ludwig Averdieck war sein Bruder. Von dem erz\u00e4hlt er nie etwas.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Nur dieser kleine Stein auf dem Bergedorfer Friedhof bringt den Zw\u00f6lfj\u00e4hrigen auf Ludwigs Spur. Da steht: Ludwig Averdieck, 1.8. 1882, Juli 1943, und das Kreuz der Wehrmacht. Fu\u00dfballer sind mit vierzig zu alt, das wei\u00df ich \u00fcber Fritz Walther, dem \u201cEhrenspielf\u00fchrer der deutschen Fu\u00dfballnationalmannschaft\u201c. Auf einer Schallfolie des Kickers wirbt er f\u00fcr die Fu\u00dfballzeitschrift \u201cKicker\u201c. Er spricht: \u201cMeine Damen und Herren, liebe Fu\u00dfballfreunde. Der Spruch, wer den Ball liebt, liebt den Kicker, der ist nicht nur wahr, sondern er stimmt.\u201c <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Wie alt d\u00fcrfen Soldaten sein? Die, die die Arbeit erledigen, im Panzer sitzen und am Flak Gesch\u00fctz stehen? Nicht die Gener\u00e4le, die hinter der Front mit den Zirkeln auf Landkarten herum malen. Die werden oft ganz alt. Ein General, der an der Front stirbt, hat den Beruf verfehlt. Das kommt aus dem Kino, der Sonntagsmatinee mit dem Film \u201cFanfan, der Husar\u201c, den ich mit meiner Mutter zusammen ansehe. Sind 52 Jahre f\u00fcr den zweiten und 32 Jahre f\u00fcr den ersten Krieg zu viel f\u00fcr das Bajonett oder das Maschinengewehr? <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">In einem Massengrab in Nordfrankreich finde ich, vier Jahre sp\u00e4ter, mit 16 Jahren noch einen zweiten Verwandten. <a href=\"http:\/\/www.medienberatungev.org\/?attachment_id=5806\" rel=\"attachment wp-att-5806\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-5806 alignleft\" src=\"http:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/StQuentin3-1024x742.jpg\" alt=\"\" width=\"301\" height=\"218\" \/><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Oder besser gesagt: Ich finde seinen Namen in einer Liste. Es ist ein Friedhof aus dem ersten Weltkrieg. Zweiundzwanzig Jahre alt ist er alt, als er \u201cf\u00e4llt\u201c. <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Aber der Kaiser, der ihn in diesen Grabenkrieg geschickt hatte, schickt auch eine Urkunde an meine Tante Buddi. Wahrscheinlich nicht selbst. Daf\u00fcr waren es zu viele Urkunden, die da zu verschicken waren. Ein Schmuckblatt. So wie sp\u00e4ter die Schmuckblatt Telegramme der Bundespost. <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Eine Germania ist drauf mit Fl\u00fcgeln, die den deutschen Krieger nach oben tr\u00e4gt. Wahrscheinlich in den Himmel. Aber der Kaiser hat die Urkunde selbst unterschrieben. Sie kam mit der Feldpost. An die damals sch\u00f6ne, junge Ehefrau, die sich dann \u201cnach dem Tode im Feld\u201c ins Bett gelegt und offensichtlich beschlossen hatte, dieses Bett nie wieder zu verlassen. Das muss ihr auch gegl\u00fcckt sein. <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Die wohlhabende Familie hat ihr eine kleine Kammer im Dachgeschoss freiger\u00e4umt. Essen wird gebracht. Wir Kinder haben den Eindruck, sie w\u00e4scht sich nie. Wir merken es an dem strengen Geruch in der Kammer. Manchmal \u00fcbergie\u00dft sie sich mit K\u00f6lnisch Wasser 4711. Das Paradies. Wir Kinder lernen sie kennen, da liegt sie schon seit 37 Jahren im Bett und f\u00fcllt es ganz aus. <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Eigentlich ist es verboten zu Tante Buddi zu gehen. Aber wir sitzen fast jeden Tag hier. Die einquartierten Fl\u00fcchtlingskinder und ich. Erst sp\u00e4ter stellt sich heraus, die Fl\u00fcchtlingskinder sind gar keine. Es sind Verwandte. Die Familien sind ausgebombt. <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Was das ist \u201causgebombt\u201c, wu\u00dfte ich als Kind nicht. In Hammerbrook, wo die englischen Bomberpiloten, oder waren es amerikanische Bomberpiloten? Wo sie mit ihren Phosphorst\u00e4ben 1943 diese Grillfeste veranstaltet haben. <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Das hatte mir ein Vetter erz\u00e4hlt, der mit 17 Jahren aus einer Autoschlosserlehre herausgenommen und nach Ru\u00dfland geschickt worden war; dem dort die F\u00fcsse erfroren sind, w\u00e4hrend seine Mutter zur selben Zeit in der Wohnung in der Eiffestrasse \u201cgegrillt\u201c wurde, wie er sich ausdr\u00fcckte. <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">1949 hat er deshalb dieses Land fluchtartig in Richtung Australien verlassen. <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Es waren keine einquartierten Fl\u00fcchtlingskinder. Nur ein ungeliebter Zweig der Familie. Besonders angezogen sind wir Kinder von Tante Buddis anz\u00fcglichen Zeitschriften und ihren S\u00fc\u00dfigkeiten, die sie den ganzen Tag in sich hineinstopft hatte und uns davon welche abgibt. W\u00f6chentlich einmal besorgt sie sich, und uns, die Zeitschrift Praline. Ein sch\u00f6nes Leben, denke ich. Halbnackte Frauen und Pralinen. <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Tante Buddi erz\u00e4hlt auch von Ludwig und von ihrem Verlobten. In St. Quentin in Frankreich verscharrt. Die Kriegsgr\u00e4berf\u00fcrsorge f\u00fchrt mich ein paar Jahre sp\u00e4ter dort hin. Eine erschwingliche Ferienreise f\u00fcr meine Eltern. Ein halber Tag Arbeit auf dem Soldatenfriedhof, die andere H\u00e4lfte des Tages mit franz\u00f6sischem Rotwein hinter Grabsteinen versteckt, die Kontakte zu dem weiblichen Teil des franz\u00f6sischen Erbfeindes aufzunehmen. Vers\u00f6hnung \u00fcber den Gr\u00e4bern, lautet die Losung f\u00fcr das Jugend Ferien Lager. <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Wir nehmen die Losung ernst und werden prompt erwischt. Das Absingen \u00f6bsz\u00f6ner Lieder hinter dem Ehrenmal der deutschen Soldaten f\u00fchrt zu einem schweren Verweis der Lagerleitung. <a href=\"http:\/\/www.medienberatungev.org\/?attachment_id=5805\" rel=\"attachment wp-att-5805\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-5805 alignleft\" src=\"http:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/st2Quentin193-1024x748.jpg\" alt=\"\" width=\"345\" height=\"252\" \/><\/a>Geschlechtliche Verfehlungen konnte man uns nicht vorwerfen. Daf\u00fcr hatten wir viel zu viel Angst vor M\u00e4dchen. Aber das Trinken von Alkohol in Anwesenheit von toten deutschen Helden f\u00fchrt zu der Androhung der Lagerleitung, uns auf Kosten der Eltern vorzeitig nach hause zu schicken. Dabei hatten wir nur Rotwein getrunken und gesungen. <\/span><\/span><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Die da im Kalkstein lagen, hatten sich damit nicht zufrieden gegeben. Wir tranken in Zukunft wo anders. <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Sp\u00e4ter habe ich dann folgende Geschichte \u00fcber Ludwig immer wieder gedacht: Der ist abgehauen. Die Familie hat ihn, obwohl sie nicht seiner Meinung waren, sondern im Gegenteil der Meinung waren, da\u00df man seine \u201cPflicht f\u00fcr sein Vaterland tun muss\u201c, versteckt. Schlie\u00dflich waren sie verwandt. <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">In den letzten Kriegstagen ist er dann aufgegriffen und erschossen worden. In den drei N\u00e4chten im Juli 1943 sind in Hamburg so viele Menschen verbrannt, da fiel es weiter gar nicht auf, wenn auf dem Stein von Ludwig ein falsches Datum stand. Im November, an das Jahr kann ich mich nicht mehr erinnern, war ich noch mal bei seinem Stein und habe dort gelbe Blumen abgelegt. So was tue ich sonst nicht. Vielleicht hat der Nebel mir das eingeben. Gelbe Blumen passen gut zum Nebel. <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Das Interesse bei mir an Ludwig Averdieck kommt vor allem durch das eisige Schweigen zustande, das mir bei Fragen nach Ludwig von den Verwandten entgegen schl\u00e4gt. Vielleicht stimmt auch das Geburtsdatum nicht, das da auf dem Stein steht. In Ludwig suche ich mich selbst. Als ich im wehrpflichtigen Alter war und die Musterung erfolglos sabotiert hatte: Stanniolkugeln, R\u00fcckratverkr\u00fcmmung, Alkohol, Schwulsein; damit war meine Palette ersch\u00f6pft: tauglich, Ersatzreserve eins, meinte das Kreiswehrersatzamt. <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Wof\u00fcr Ersatz? Meine Einberufung war nur eine Frage der Zeit. Verweigern? Ersatzdienst? Kein Gedanke. Das war mir zu politisch, zu anstrengend. Ludwig war kein Widerstandsk\u00e4mpfer, ich wollte auch keiner sein. Ich hatte nur keine Lust. Drei Einberufungsbefehle habe ich bekommen. Das erste Mal wars einfach. Eine Best\u00e4tigung der Howaldtswerke, das ich im zweiten Lehrjahr sei und erst in 1,5 Jahren auslernen w\u00fcrde, das gen\u00fcgte f\u00fcr das Kreiswehrersatzamt Sophienterasse. <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Das zweite Mal wars schon schwieriger. Aber Schiffsingenieursassistenten wurden bei den deutschen Reedereien gebraucht. Mit einem Heuerschein und einer Bescheinigung der Ing. Schule war die \u201cUK\u201c Stellung so gut wie sicher. Doppelte Sicherheit verschaffte die beim deutschen Konsulat von Casablanca erfolgte Einklarierung. Erst dort wurde ich in die Besatzungliste eingeschrieben. So lang ich als Assi auf diesem Schiff blieb, konnte mir vorerst nichts mehr passieren. <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Dann das Studium. Durch einen Bewu\u00dftseinswandel, hervorgerufen durch die Reederei OPDR \u201cOhne Proviant durch Russland\u201c wie die Besatzung sie nannte, die korrekte Bezeichnung der Reederei war \u201cOldenburg-Portugiesische-Dampfschiffs-Rehderei\u201c traf die Sache aber viel weniger, verabschiedete ich mich von der geplanten Laufbahn zum Schiffsingenieur. <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\">\u201c<span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Zut\u00f6rnen\u201c hie\u00df das beliebte Wort bei der Reederei. Das bedeutete bei einem Vier-Wachen-Schiff, t\u00e4glich zwei Schichten von jeweils vier Stunden, einmal von mittags um 12 bis nachmittags um vier, einmal von nachts um 12 bis morgens um vier und davor und danach zut\u00f6rnen. Daf\u00fcr gabs im Monat eine \u00dcberstundenpauschale von 100 Mark (DM). <a href=\"http:\/\/www.medienberatungev.org\/?attachment_id=5113\" rel=\"attachment wp-att-5113\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-5113 alignleft\" src=\"http:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/CeutaAchterdeck.jpg\" alt=\"\" width=\"291\" height=\"203\" srcset=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/CeutaAchterdeck.jpg 739w, https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/CeutaAchterdeck-300x209.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 291px) 85vw, 291px\" \/><\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Das hatte mit Turnen nichts zu tun. Das Wort hatten uns die Engl\u00e4nder geschenkt von to turn = drehen und bedeutete f\u00fcr die Offiziersanw\u00e4rter, so lange sich irgend was auf dem Schiff dreht, musst du arbeiten. Je mehr, desto besser, denn es spart der Reederei die teuren Werftarbeiten und die langen Liegezeiten im Hafen. <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Das Wort \u201ct\u00f6rnen\u201c benutzten wir f\u00fcr alle m\u00f6glichen Sachen. Kam z. B. der Smutje \u2013 auch Schiffskoch genannt \u2013 aus dem Hafen mal wieder mit einem Tripper an Bord, dann war er wieder mal ohne Pr\u00e4ser \u201ceinget\u00f6rnt\u201c. Es gab die obligate Penicillin Spritze vom zweiten Offizier und den guten Rat f\u00fcr zuk\u00fcnftige H\u00e4fen.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Als der zweite Einberufungsbefehl kam, war ich bereits im zweiten Semester an der Ingenieurschule und lernte alles \u00fcber Dampfmaschinen.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Mein Vater stiefelte selbst mit meiner Studienbescheinigung zur Sophienterrasse und traf dort \u2013 oh gl\u00fcckliche F\u00fcgung \u2013 einen \u201calten Kriegskameraden\u201c, wie er es nannte, mit dem zusammen er die franz\u00f6sischen Weinkeller, lange vor meiner Zeit auf dem Heldenfriedhof, leer gesoffen hatte. <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Sie wurden sich handelseinig, obwohl es nicht schaden k\u00f6nne, wenn man mir mal \u201cdie Hammelbeine lang ziehen w\u00fcrde.\u201c<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Ich wurde zur\u00fcckgestellt. <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Die dritte Einberufung kam, da war ich bereits verheiratet. Ich schrieb der Bundeswehr, ich w\u00fcrde gerne kommen, aber leider m\u00fcsste ich schlie\u00dflich f\u00fcr meine Frau sorgen. Das w\u00e4re f\u00fcr 80,00 Mark (DM) Wehrsold im Monat nicht zu machen. Wieder wurde ich zur\u00fcck gestellt, die Angelegenheit war \u201cVater Staat\u201c offensichtlich zu teuer geworden. <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Als es dann wieder mal knapp an Rekruten war, schickte ich meinen Wehrpass zur\u00fcck und meldete mich nach Berlin West ab. <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Damals eine von der Bundeswehr freie Stadt. Hier waren viele Bundeswehr Fl\u00fcchtlinge. Ich befand mich unter Gleichgesinnten und schraubte bei einer Gleisbaufirma \u201cMax von Knoblauch GmbH\u201c. Auch die Arbeitskollegen hatten alle nicht verweigern wollen. <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Art, wie die zust\u00e4ndige Kommission das Gewissen der Verweigerer pr\u00fcfte, war auch oberd\u00e4mlich. Noch zwanzig Jahre sp\u00e4ter h\u00f6rte ich die gleiche Geschichte von meinem Neffen. Von dem bewaffneten Iwan, manchmal auch Ami, der sich an meiner Freundin vergreifen will und was ich dann t\u00e4te, wenn ich eine MP dabei h\u00e4tte. <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Die richtige Antwort lautete damals und auch noch zwanzig Jahre sp\u00e4ter: \u201cIch werfe meine Waffe weg und bitte den Iwan, mit der Vergewaltigung aufzuh\u00f6ren\u201c. <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">In der \u201cGewissenskommission\u201c sa\u00dfen Leute, die selber keines hatten, die aber alle auf ihre eigene Vergangenheit in den fernen L\u00e4ndern so stolz waren, die immer nur auf Befehl gehandelt hatten und die sich auch gar nicht erkl\u00e4ren konnten, wie es zu diesen \u201cAusw\u00fcchsen\u201c gekommen sei und wenn ihnen dann doch mal die Sache peinlich wurde, dann gab es den Standardsatz \u201cschlie\u00dflich war doch Krieg\u201c. <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Das h\u00f6rte sich immer so an, als wenn sie so gar nichts damit zu tun gehabt h\u00e4tten. Schicksal eben. Ganz Deutschland lauscht dem F\u00fchrer am Volksempf\u00e4nger. <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Die Nazis, eine Bande von durchgeknallten Irren, die alle Gespr\u00e4che belauschten und jeden ins KZ brachten, der nicht von Anfang an ihrer Meinung war. <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Aber von den KZs hatten sie ja gar nichts gewu\u00dft. Wie ging das zusammen? Gar nicht. Doch wenn einer wie Ludwig abgehauen war, nicht mitmachen wollte bei ihren Mordgesch\u00e4ften, dann ist er ein Verr\u00e4ter, wie sie sich ausdr\u00fcckten. Schade, dass es so wenig Verr\u00e4ter gegeben hat bei uns , denke ich.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Immerhin werden Deserteure heute bei uns nicht mehr erschossen, sondern landen nur f\u00fcr f\u00fcnf Jahre im Knast. Fahnenflucht nennen sie das. Und wer damals vor der Hakenkreuzfahne floh, ist heute ein Verbrecher, meint unser demokratisch gew\u00e4hltes Parlament. <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Das tut man einfach nicht. Auf der Fregatte haben wir mit einer Luftbohrmaschine gearbeitet \u2013 Konus 4 \u2013 wenn ihnen das was sagt &#8211; , die war so schwer, dass sie nur mit zwei Mann zu tragen war. Und die war so alt \u201cmit der haben sie schon das Schlachtschiff Bismarck gebaut\u201c, bemerkte mein Kollege bei Blohm &amp; Voss..<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Hitlers unverwundbares Vorzeigeschiff, das dem Feind nicht in die Hand fallen sollte und deshalb mit Mann und Maus versenkt wurde, als es die Rudermaschine getroffen hatte. Wars nicht so? <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Gebaut bei Blohm &amp; Voss in Hamburg. Ich befand mich also in \u201cguter\u201c deutscher Tradition. Schon zu Beginn meiner Lehrzeit auf der Werft war ich von den \u00e4lteren Kollegen ermahnt worden, nicht so schnell zu laufen, wenn ich beauftragt wurde, etwas aus dem Lager zu holen. Ihr Hinweis: \u201cWer l\u00e4uft, wird erschossen\u201c. <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Auf der Werft versuchte ich mich zu wehren, so gut ich konnte. <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">(Hier bricht das Manuskript ab. Es fehlen zwei Seiten. Vermutlich wollte ich lieber nichts dar\u00fcber schreiben)<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><em><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Dann der Schluss: <\/span><\/span><\/em><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Das Arbeitsamt bezahlte dem angeworbenen Maschinenschlosser mit der Lohnsteuererm\u00e4\u00dfigung. Einmal im Vierteljahr einen Flug von Berlin nach Hamburg. Damit man, weil man der \u201cWehr\u00fcberwachung\u201c unterlag, nicht mit dem Zug durch die \u201cOstzone\u201c fahren musste, sondern mit der BEA oder Pan Am \u00fcber die DDR hinweg fliegen konnte. <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Mit dem Zug dauerte die Fahrt von Hamburg nach Berlin, die Russen hatten das zweite Gleis nicht wieder zur\u00fcckgebracht und an den beiden Kontrollpunkten wurde lange gehalten, sieben Stunden. F\u00fcr eine Strecke von 289 km. <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Einmal sa\u00df in meinem Abteil ein \u00e4lterer, schweigsamer Mann. Als der Zug im Sachsenwald den Bahnhof Friedrichsruh passierte, schaute er aus dem Fenster und bemerkte trocken: \u201cSo hat jeder sein Holz vom Kaiser bekommen: Der eine den Wald, der andere das Bein.\u201c Das war was dran. Er war im ersten Weltkrieg gewesen und der, das Holzbein vom Kaiser bekommen hatte. Dem anderen hatte man in Hamburg ein gro\u00dfes und viele kleine Denkm\u00e4ler gebaut.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Lange, nach dem dieser Text geschrieben wurde, haben Kletterer dem Bismarck Denkmal einen Ziegenbock verpasst. Auch nicht schlecht. Jens Meyer 1983 leicht korrigiert 2019, <\/span><\/span><span style=\"font-family: Ubuntu;\"><span style=\"font-size: large;\">Fotos Rudolf Heinrich Meyer1904 &#8211; 1979, Werner Hensel 1893 &#8211; 1986,\u00a0 Jens Meyer 1946 &#8211; noch unbekannt.<a href=\"http:\/\/www.medienberatungev.org\/?attachment_id=8608\" rel=\"attachment wp-att-8608\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-8608 alignleft\" src=\"http:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/IMG_0974-e1551900145831-768x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"217\" height=\"289\" srcset=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/IMG_0974-e1551900145831-768x1024.jpg 768w, https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/IMG_0974-e1551900145831-225x300.jpg 225w, https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/IMG_0974-e1551900145831.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 217px) 85vw, 217px\" \/><\/a> <a href=\"http:\/\/www.medienberatungev.org\/?attachment_id=8610\" rel=\"attachment wp-att-8610\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-8610 alignright\" src=\"http:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/ZiegeaufBismarckklein-768x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"276\" height=\"368\" \/><\/a> <\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><a href=\"http:\/\/www.medienberatungev.org\/?attachment_id=7682\" rel=\"attachment wp-att-7682\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-7682 alignnone\" src=\"http:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/By-nc-sa_color.png\" alt=\"\" width=\"153\" height=\"103\" srcset=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/By-nc-sa_color.png 720w, https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/By-nc-sa_color-300x203.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 153px) 85vw, 153px\" \/><\/a><a href=\"http:\/\/www.medienberatungev.org\/?attachment_id=7689\" rel=\"attachment wp-att-7689\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-7689 alignright\" src=\"http:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/IMG_3013-1024x681-1024x681.jpg\" alt=\"\" width=\"353\" height=\"235\" \/><\/a><a href=\"http:\/\/www.medienberatungev.org\/?attachment_id=8622\" rel=\"attachment wp-att-8622\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-8622 alignnone\" src=\"http:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/kindermitFotograf.jpg\" alt=\"\" width=\"235\" height=\"253\" srcset=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/kindermitFotograf.jpg 326w, https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/kindermitFotograf-279x300.jpg 279w\" sizes=\"auto, (max-width: 235px) 85vw, 235px\" \/><\/a><a href=\"http:\/\/www.medienberatungev.org\/?attachment_id=8653\" rel=\"attachment wp-att-8653\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-8653 alignleft\" src=\"http:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/FregattekleinIMG_0751.jpg\" alt=\"\" width=\"322\" height=\"242\" \/><\/a><a href=\"http:\/\/www.medienberatungev.org\/?attachment_id=2470\" rel=\"attachment wp-att-2470\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-2470 alignright\" src=\"http:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/schloicka1-657x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"82\" height=\"128\" \/><\/a><a href=\"http:\/\/www.medienberatungev.org\/?attachment_id=8660\" rel=\"attachment wp-att-8660\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-8660 alignnone\" src=\"http:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/meyer-hafen-19-740x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"289\" height=\"400\" \/><\/a><a href=\"http:\/\/www.medienberatungev.org\/?attachment_id=8662\" rel=\"attachment wp-att-8662\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-8662 alignright\" src=\"http:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/RudolfHeinrichMeyerSelbstportr\u00e4tklein-1-751x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"70\" height=\"96\" \/><\/a><a href=\"http:\/\/www.medienberatungev.org\/?attachment_id=8642\" rel=\"attachment wp-att-8642\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-8642 alignright\" src=\"http:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/milpferd_einauge-1024x686.jpg\" alt=\"\" width=\"152\" height=\"102\" srcset=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/milpferd_einauge-1024x686.jpg 1024w, https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/milpferd_einauge-300x201.jpg 300w, https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/milpferd_einauge-768x515.jpg 768w, https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/milpferd_einauge.jpg 1070w\" sizes=\"auto, (max-width: 152px) 85vw, 152px\" \/><\/a> <a href=\"http:\/\/www.medienberatungev.org\/?attachment_id=8666\" rel=\"attachment wp-att-8666\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-8666 alignleft\" src=\"http:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/BismarckleinNachtIMG_1151.jpg\" alt=\"\" width=\"341\" height=\"512\" srcset=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/BismarckleinNachtIMG_1151.jpg 300w, https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/BismarckleinNachtIMG_1151-200x300.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 341px) 85vw, 341px\" \/><\/a><a href=\"http:\/\/www.medienberatungev.org\/?attachment_id=8657\" rel=\"attachment wp-att-8657\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-8657 alignright\" src=\"http:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/BismarckkleiNachtIMG_1155.jpg\" alt=\"\" width=\"250\" height=\"167\" \/><\/a><a href=\"http:\/\/www.medienberatungev.org\/?attachment_id=8640\" rel=\"attachment wp-att-8640\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-8640 alignright\" src=\"http:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/By-nc-sa_color.png\" alt=\"\" width=\"149\" height=\"101\" srcset=\"https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/By-nc-sa_color.png 720w, https:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/By-nc-sa_color-300x203.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 149px) 85vw, 149px\" \/><\/a><a href=\"http:\/\/www.medienberatungev.org\/?attachment_id=5645\" rel=\"attachment wp-att-5645\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-5645 alignright\" src=\"http:\/\/www.medienberatungev.org\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Fregatte475f\u00fcrArgentinien-1024x675.jpg\" alt=\"\" width=\"174\" height=\"115\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dem einen der Wald \u2013 dem anderen das Holzbein Erinnerungen an einen Deserteur Zeichen: 18.223. Ich wei\u00df nicht, ob es ihnen manchmal auch so geht wie mir: Beim Aufr\u00e4umen finde ich einen alten Text wieder und denke, wieso wollte den Text damals niemand ver\u00f6ffentlichen? So ging es mir mit diesem. Damals, das war 1983. 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