Die lebendigen Bilder von Friderike und James

Die lebendigen Bilder von Friderike und James

Von Friderike Blumenthal und James Henschel wissen wir nicht viel. Nicht einmal die richtige Schreibweise ihrer Namen. Und das, was andere und ich herausgefunden haben, das haben wir zufällig herausgefunden. So wie ein Bauer beim Pflügen auch Steine an die Oberfläche bringt, die lange in der Erde verborgen waren. Eine systematische Suche sieht anders aus. Wo waren eigentlich die ganzen studierten Historiker die letzten neunzig Jahre-frage ich mich. Warum muß die Arbeit von Laien und Dilettanten, wie wir es sind, erledigt werden?

Hindenburghaus
Eingang Großer Burstah 31 Foto Jens Meyer
Stadthaus
Stadthaus Foto Jens Meyer

Das Ehepaar Henschel war sehr reich. Millionäre würde man heute sagen. Am Ende hatte man ihnen in Hamburg alles weggenommen. Zwei Behörden in der Hamburger Innenstadt, nicht weit entfernt vom Rathaus und voneinander, hatten bei dieser Enteignung zusammengearbeitet. Am Großen Burstah 31-Hindenburghaus (das heisst heute noch so) die eine, an der Stadthausbrücke 8 (GeStapo/das heisst heute nicht mehr so) die andere. Zu Fuss braucht man ungefähr fünf Minuten, wenn man von dem einen zum anderen Gebäude gelangen will. Und sie haben gut zusammengearbeitet. Die Beamten beider Behörden. Wer die Beweise für ihre Tätigkeit findet, der hat schon viel Zeit verbracht. Die Beweise sind gut versteckt. Das hat viele Varianten. Manchmal nennen sie es Datenschutz. Manchmal heisst es schlicht Gebührenordnung. Als ich anfing zu suchen, wußte ich von allem nichts.

Bei mir hat es begonnen mit meinem Studium an der dffb in Berlin. Ich hatte „auf der Arbeiterwelle“ einen dieser begehrten 15 Studienplätze erhalten, um drei Jahre lang das „Filmemachen“ zu lernen. Das war 1969. Ich war 23 Jahre alt, hatte eine 3½ jährige Ausbildung zum Maschinenschlosser hinter mir, war zur See gefahren und hatte mich drei Semester lang auf einer Ingenieurschule gequält. Die Perspektive, mein Leben lang Getriebe für VW Motoren zeichnen zu müssen, trieb mich aus Hamburg nach Berlin. Arbeitskräfte waren in Berlin gesucht und ich ließ mich als Schlosser anwerben. Es gab eine Lohnsteuer-ermäßigung – Berlin Zuschlag- genannt. Auf diese Weise konnte ich gleich noch der lästigen Bundeswehr eine Nase machen, während ich mich heimlich bei dieser Schule bewarb. Filmemachen, das schien mir viel besser als Getriebe zu zeichnen. Jedes Jahr bewarben sich über 200 Menschen, um einen der fünfzehn Studienplätze zu erlangen. Da mußte man (so wie ich) schon viel Glück haben, wenn man zur Aufnahmeprüfung eingeladen wurde. Die dauerte mehrere Tage und es waren 56 Kandidaten, die zur Aufnahmprüfung für einen Studienplatz eingeladen wurden. Die Kommission war mir gesonnen: Mit dem Proletenbonus – so habe ich es später genannt-schwappte ich in die Film-akademie: dffb.

Am 25. 08. 1970 unterzeichnete ich meinen Vertrag für das erste Studienjahr. Und war recht schnell in Konfrontation. Ich wollte weg vom Proletariat und die anderen StudentInnen (diese Schreibweise benutzte man damals noch nicht) wollten dahin. Und dann wollten sie mir auch noch erzählen, wie das Proletariat so ist und wie man es auf den rechten linken Weg bringen könne. Ich dagegen wollte alle Möglichkeiten dieser Akademie so schnell wie möglich nutzen. Die hatten Schneidetische, Kameras, eine große Filmbibliothek und jede Menge Menschen mit Ahnung. Ich wollte viel und schnell lernen. Regelmäßig hielt ich mich auch in der Bibliothek auf. Eine freundliche Bibliothekarin führte mich in die unbekannten Schätze der gesammelten Texte ein. Renate Wilhelmi sei Dank.

Darunter waren auch so banale Sachen wie alte Adressbücher, Reichs-kinoadressbücher. Darin gesammelt die Anschriften und Inhaberangaben aller Kinos aus ganz Deutschland, als es groß war, was immer das auch meint. Das war mein erster Kontakt. Doch zunächst sollten mal Filme entstehen. Neue Filme, die das Bewusstsein verändern sollten. Die Verbesserung der Welt war von uns vorgesehen. Dazu mußte der Zustand der Welt genau untersucht werden.

Damit meine ich: Ich, genauer: wir waren es gewohnt, daß niemand dabei gewesen war, niemand etwas bemerkt hatte und niemand schuldig an irgendwas war. Alles war passiert irgendwie. Goebbels, Göring und Hitler hatten fast alles alleine gemacht. Ich traf niemanden, der dabei gewesen war. Eine ganze Generation hatte diese und ähnliche Erfahrungen gemacht. Wir haben dann nur noch zum Schein gefragt, weil wir wussten, wir werden sowieso angeschwiegen oder angelogen. Ein Gefühl wie bei der Mafia in Sizilien. Irgend wann hat dann eine ganze Generation aufgehört zu fragen. So kam es mir jedenfalls damals vor.

Gier nach Neuem steckte bei mir dahinter. Erst 1984 habe ich mich dann in meiner Heimatstadt Hamburg wieder an die alten Reichskinoadressbücher von 1930 erinnert. Und habe begonnen zu suchen. Lebende Zeugen. Dokumente. Die Ergebnisse mit den noch lebenden Zeugen waren wie immer. Aus den Reichskinoadressbüchern ging hervor: Es gab in Hamburg zwischen 1926 und 1940 eine Firma mit Namen „Henschel Film- & Theaterkonzern“. So begann meine Suche nach der Kinobesitzerfamilie Friderika und James Henschel, von denen ich damals noch nicht einmal die Namen kannte. Für eine systematische Suche gab es keine Möglichkeit. Es gab niemand, der eine solche Suche mit ungewissem Ergebnis über längere Zeit finanziert hätte.

Auf dieser Grundlage sind alle Ergebnisse zufällig entstanden. In Hamburg gab es die entscheidenden Zeitungen, in denen man etwas hätte finden können, 1984 nicht. Weder als Papierversion noch als Mikro Film. Also kehrte ich zurück in die Bibliothek der Filmakademie in Berlin. Dort gab es damals nur ein Mikrofilmlesegerät. Aber im Gegensatz zu der Zeit als ich dort war, schien der Wissensdurst der Studenten in andere Richtung organisiert zu sein, als zu meiner Zeit. Man gewährte mir Zugang zum Mikrofilmlesegerät. Ich begann mit meiner Suche bei der „Licht Bild Bühne“. Eine „Tageszeitung des Films“. Der „Kinematograph“ war mir wegen des Eigentümers Alfred Hugenberg, der mit Hitler in einer großen Koalition war, suspekt. Die Licht Bild Bühne kam mit sechs Ausgaben in der Woche.

Zeitung lesen ist ja an sich keine Arbeit. Aber wenn man etwas bestimmtes sucht und nicht weiss, was es sein könnte und wann es passiert sein könnte, dann ist es doch anstrengende Arbeit. Nach einigen Tagen war ich immer noch erfolglos, ohne Mut und wußte nicht mehr, wo ich noch suchen sollte. Der Zufall mußte mir helfen. Mein Versuch begann mit Jahrestagen von der Qualität: Kaisers Geburtstag, Führers Geburtstag, Bismarcks Ernennung, Bismarcks Ablösung, der „Ausbruch des Krieges“, Kaiserabdankung und Flucht nach Holland, Ausrufung der Republik, Beginn des zweiten Weltkrieges, Beginn der Weltwirtschaftskrise, der Hamburger Aufstand und was die deutsche Geschichte sonst noch so an Katastrophen zu bieten hat.

Ich wollte die Suche schon aufgeben, da kam ich auf jenen Montag, an dem der Reichspräsident Paul von Hindenburg um 12.40 Uhr bekannt gegeben hatte:

„Der Reichspräsident hat Herrn Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt und auf dessen Vorschlag die Reichsregierung wie folgt gebildet: Adolf Hitler Reichskanzler, Stellvertreter des Reichskanzlers v. Papen, Freiherr v. Neurath Reichsaußenminister, Dr. Frick Reichsinnenminister, General Blomberg Reichswehrminister, Graf Schwerin von Krosigk Reichsfinanzminister, Dr. Hugenberg Reichswirtschaftsminister, Franz Seldte Reichsarbeitsminister, Freiherr von Eltz-Rübenach Reichspost und Reichsverkehrsminister, Reichstagspräsident Göring, Reichskommissar für Luftverkehr und Preußischer Innenminister. Reichskommissar für Arbeits-beschaffung Dr. Gereke wird in seinem Amte bestätigt. Die Besetzung des Reichsjustizministeriums bleibt vorbehalten….“ (Zitat aus: Deutsche Allgemeine Zeitung vom 31. Januar 1933)

In der „Licht Bild Bühne“ fand ich in der Ausgabe vom Sonnabend, d. 28. Januar 1933 diese Meldung von dreizehn Zeilen: „Nach Redaktionsschluß erreicht uns die furchtbare Nachricht, die wir wenigstens noch dem größeren Teil unserer heutigen Auflage beifügen möchten, daß gestern gegen Abend in Hamburg Hermann Urich-Saß, einer der führenden Köpfe des deutschen Lichtspielgewerbes und leitende Persönlichkeit im Henschel Konzern, an einem Herzschlag im frühen Alter von 45 Jahren gestorben ist. Seit kurzer Zeit hatte sich bei ihm ein Herzleiden bemerkbar gemacht. Man steht tief erschüttert vor diesem tragischen Fall.“

In der Ausgabe vom Montag, d. 30. Januar 1933 folgten Einzelheiten: „Hermann Urich-Saß zum Gedenken. Wie im größten Teil unserer Sonnabend Ausgabe mitgeteilt, ist Hermann Urich-Sass am Freitag abend im blühenden Alter von 45 Jahren einem Herzschlag erlegen. Seine Beerdigung findet heute, Montag, den 30. Januar, 3 Uhr nachmittags, in Hamburg Ohlsdorf auf dem Israelitischen Friedhof statt.“

Endlich wußte ich, wonach ich die ganze Zeit gesucht hatte. Ohne diesen „geschichtlichen Zeitpunkt“ und den Hinweis auf die Beerdigungsstätte hätte ich niemals die Spur nach dem Verschwinden des Henschel Konzerns aufnehmen können. Schließlich sind nicht alle Betriebe, die während der Nazizeit verschwunden sind, Opfer der rassistischen Enteignungen geworden. Erst zwanzig Jahre später erlange ich Kenntnisse, daß die Machtübergabe an Adolf Hitler und der Todeszeitpunkt von Hermann Urich-Sass durchaus einen logischen Zusammenhang haben, den ich damals aber noch nicht ahnte.

Für meine Recherche stellt sich heraus: Die jüdischen Beerdigungsriten sind für mich besser als die Beerdigungsriten der Christen, die nach 25 oder 50 Jahren ihre Gräber einebnen lassen. Bei den Juden -so lernte ich-ist das anders, die werden für die Ewigkeit beerdigt. So verlangt es der Brauch. Auf dem Israelitischen Teil des Hamburger Friedhofs Ohlsdorf (der streng getrennt von dem christlichen Teil des Friedhofs ist) beginne ich meine Suche und finde mit Hilfe von Friedhofswärter Horst Deggert den Grabstein von: Hermann Urich-Saß. Geb. 18. JUNI 1887-5647, Gest. 27. JAN. 1933-5693. Als Horst Deggert das Datum der Beerdigung liest, kommentiert er nur trocken: „Dann mußte er ja die ganze Scheisse nicht mehr mit erleben“. Ich fand, der Mann hat recht. Das Grab war gepflegt. Die Goldschrift des Grabsteines war vor kurzem erneuert worden. Nach deutschem Brauch muß für Grabpflege bezahlt werden. Es gab also Jemanden, der für die Pflege dieses Grabes bezahlt. Das war meine Vermutung.

Einen Entwurf (15 Seiten) für einen Dokumentarfilm unter dem Titel „Auf der Suche nach Henschel“ der meine Vermutungen über das Verschwinden der Henschel Kinos zusammenfasst und ein Anschreiben an die Angehörigen von Hermann Urich-Saß übergebe ich der jüdischen Gemeinde und bitte sie, beides an die Angehörigen weiter zu reichen, deren Namen und Aufenthaltsorte ich damals nicht kannte.

So wie diese Menschen in Deutschland von unseren Eltern und Großeltern behandelt wurden, würde es mich nicht wundern, wenn sie keine Kontakte mit jemandem aus Deutschland haben wollen. Damit wäre dann die Suche nach den Henschels mit ihren Kinos zu Ende gewesen.

Aber einige Wochen später kommt erst ein Telegramm und dann Post aus Mexiko und Brasilien. Im August 1989. Verwunderung auf der anderen Seite des großen Teiches. Seit sechzig Jahren hat niemand nach dem Verschwinden des Henschel Film und Theater Konzerns gefragt. Warum jetzt?

Es schreiben die Söhne der damaligen Besitzer. Horst Urich-Saß ist die Flucht nach Mexiko gelungen. Er ist am 1. Februar 1914 in Hamburg geboren. Als sein Vater starb und Hitler an die Macht gebracht wurde, war er 19 Jahre alt. Als er 22 Jahre alt ist, muß er aus Deutschland fliehen. Die Gestapo sucht ihn.

In seinem Brief schreibt er: “Gestern kam ich aus den USA und fand ihren Brief vom 17. Mai, den ich sofort beantworte. James Henschel war mein Großvater, Hugo Streit mein Onkel. Hermann Urich-Sass mein Vater. . . . Ich habe keine Absichten nach Europa zu kommen: Ich habe keine Beziehung zu Deutschland. Dass sie einen Dokumentarfilm “Auf der Suche nach Henschel“ beabsichtigen, erscheint mir unverständlich. Wer interessiert sich heute noch für das Schicksal von Menschen, die vor 56 Jahren derart gedemütigt wurden, dennoch verspreche ich Ihnen, sicherlich auch im Namen meiner Verwandten, volle Mitarbeit. Wir verloren das Vaterland, etwas, was schmerzhaft ist und materielle Dinge, solche kann man und haben wir in reichlichem Mass in unseren neuen Heimaten errungen ohne Antisemitismus, den ich schon lange vor der Hitlerzeit erleben musste und habe meine Zweifel, wenn man behauptet diese negative Gefühlsstimmung sei plötzlich verschwunden.“

Der Brief von Horst Urich Sass ist auf Firmenpapier geschrieben.“BACO. S.A.“ Links oben sind zwei Gebäude abgebildet, die aussehen wie Fabrikgebäude. Der Luftpostumschlag ist mit Namen und der Anschrift des Absenders bedruckt und hat, wenn man dem Stempel glauben kann, eine Reise von Mexico 10, D. F. über die USA (L. A. Beverly Hills) nach Hamburg 50 gemacht. Die Vermutung, daß es sich bei Horst Urich-Sass um den Besitzer dieser Fabrik handelt, löst bei mir gemischte Gefühle aus, war mein Leben bisher immer von der Erkenntnis geprägt, daß die Guten immer unten und die Bösen immer oben sind. Und das, obwohl ich auch unten schon viele Böse getroffen hatte. Aber einen deutschen Emigranten, der in Mexiko eine Fabrik und einen zweiten Wohnsitz in Beverly Hills in Los Angeles hat, das brachte mich damals ins Grübeln.

Den Söhnen von Hugo Streit, Rolf Arno Streit und Carl Heinz Streit ist die Flucht nach Brasilien gelungen. Sie waren dort auch im Filmgeschäft tätig und schreiben aus Belo Horizonte am 17. August 1989. Rolf Arno Streit ergänzt meine Recherchen zur Geschichte des Henschel Film und Theaterkonzerns, den sein Vater und sein Onkel in Hamburg betrieben haben. Er schreibt von einem Mann namens Adam, der bei der Enteignung seines Vaters eine wichtige Rolle hatte. Leider kennt er seinen Vornamen nicht.

Falls ich diesen Film über das Verschwinden der Henschel Kinos tatsächlich machen wollte, dann mußte zunächst einmal Geld für die Produktion und für die Reise besorgt werden. Einzige Möglichkeit: Ein Antrag bei der Hamburger Filmförderung: Das Hamburger Filmbüro e. V.. Frisch gegründet und selbstverwaltet. Leider ist Jens Meyer dort schon mehrfach als obstinat aufgefallen. Mein Filmemacherkollege Wolfgang Morell (Gründungsmitglied des Filmbüros) stellte dort jedes Jahr Anträge und hatte noch nie eine müde Mark für die Produktion eines Filmes von ihnen bekommen. Auch er konnte seine Schnauze immer nicht halten und hatte wiederholt offen seine Meinung über die sich entwickelnde Filmbürokratie vorgetragen.

Also, dachte ich mir, müssen mir meine Eltern helfen. Geld konnten sie mir leider nicht mehr geben. Dafür war es zu spät. Aber schließlich haben sie mir drei Vornamen gegeben und das muß ja irgendwie von Nutzen sein. Der Antrag auf Förderung wird nicht von Jens sondern von der Otto Meyer Filmproduktion gestellt. Und Otto Meyer hat Glück. Bekommt ein Darlehen von 75.000,– DM auszahlbar in drei Raten.

Wir (Der Kameramann Dietmar Bruns, Dorothea Koch und meine beiden Söhne Hannes und Fiete und ich) fahren in die USA nach Beverly Hills und nach Belo Horizonte in Brasilien. Und weil wir kein Geld hatten um eine U-Matic Kamera für diesen Zeitraum zu leihen (fragen sich jetzt alle, was war das noch mal?), kaufen wir eine S-VHS Kamera von JVC für 5.000,00 DM. Damals das beste, was es im semiprofessionellen Bereich gab. Horst Urich-Sass, der Sohn von Hermann Urich-Sass, den wir am 20. Juli 1990 in Beverly Hills in Los Angeles befragen, ist am 1. Februar 1914 in Hamburg geboren. Er ist 76 Jahre alt und ein reicher Mann. Geld konnte er bei seiner Flucht nach Mexiko keins mitnehmen und in Mexiko hat er sich mit dem Handel von Stoffen über Wasser gehalten. Und das ging so: Da er Spanisch weder sprechen, noch lesen oder schreiben konnte und nur einige Brocken Englisch kannte war das eine schwierige Veranstaltung, für Jemanden, der etwas verkaufen will. Aber die mit denen er gehandelt hat, sprachen Jiddisch und so konnte er sich mit Ihnen mit Deutsch verständlich machen. Die beiden Sprachen sind offenbar miteinander kompatibel.

Wenn Horst Urich Sass von Hamburg spricht, dann spricht er von der Angst, die er immer gehabt hat. Zu Recht, wie sich herausstellt. Er wird angezeigt, denunziert. Wegen „Rassenschande“. Seine Schwester Vera ist schon vor ihm nach Mexiko geflüchtet. Über die Besitzer, die die Kinos „übernommen haben“ wie er sich ausdrückt, mag er nichts schlechtes sagen: Die haben ja durch den Krieg auch alles verloren. Die waren nach dem Krieg besiegt und lagen am Boden. Und man tritt nicht auf den, der am Boden liegt.“

Ich denke bei mir, vielleicht wäre es doch mal ganz gut gewesen, wenn nach dem Kriege mal getreten worden wäre. Aber wer bin ich denn, daß ich sowas sagen kann?

In Belo Horizonte treffen wir (Der Kameramann und ich) die Söhne des Kinobesitzers von Hugo Streit. Rolf Arno Streit ist am 9. August 1912 Hamburg geboren, sein Bruder Carl Heinz ist ein Jahr älter. Er ist am 26. August 1911 in Hamburg geboren. Als wir mit ihnen am 30. und 31. Juli 1990 sprechen sind sie 78 und 79 Jahre alt.

Als sie 1936 aus Deutschland geflüchtet sind, um ihr Leben zu retten, waren sie 24 und 25 Jahre alt. Jetzt sind sie seit 54 Jahren in Brasilien. Sie haben die deutsche Sprache nur wenig benutzt. Aber langsam kommen doch viele vergessene Worte zurück.

Die Nazis hatten sie ausgebürgert aus Deutschland, doch nach dem Krieg haben Rolf Arno und seine Frau Hilde Streit wieder die deutsche Staatsangehörigkeit beantragt und bekommen. Sogar ihre Tochter Anja Streit-Daibert hat einen deutschen Pass. Sein Bruder Carl Heinz Streit wollte keinen deutschen Pass mehr haben.

Bei der Eröffnung unseres Kinos (3001-Kino) am 1. Mai 1991 bringe ich im Foyer ein Messingschild an. Dort ist zu lesen:

ZUM ANDENKEN AN DIE HAMBURGER KINO-PIONIERE JEREMIAS (genannt James) HENSCHEL HERMANN URICH-SASS HUGO STREIT GRÜNDER DER ERSTEN HAMBURGER GROSS-KINOS BESITZER DER LEGENDÄREN „SCHAUBURG“ KINOS VON HAMBURGER BÜRGERN WÄHREND DER NAZI-ZEIT VERFOLGT, ENTEIGNET UND AUS DEUTSCHLAND VERTRIEBEN Hamburg, d. 1. Mai 1991. (Da steht jetzt ein Kühlschrank vor)

Im Oktober 1994 ist der Film fertig. (63 Minuten). Für ein Fernsehfeature ist er zu lang (Die Normlänge ist zu dieser Zeit 45 Min.), für einen Kinofilm zu kurz. Der Arbeitstitel „Auf der Suche nach Henschel“ wird dem Film nicht gerecht.

Die Anfangszeile eines Werbeliedes, das damals für die Schauburg Kinos komponiert wurde, wird mein Filmtitel: „Leute seid vernünftig, lasst die Frau durch, denn sie will noch schnell mal in die Schauburg“. Ich versuche eine Kinoauswertung und einen Fernsehverkauf. Aber das Interesse bei den Sendern ist gering. Der Tenor lautet: das Thema Juden und Kino, das hatten wir schon mal. Er läuft ein paar mal bei uns im Kino in Hamburg und ich verschicke mehrere Jahre lang Ansichtskassetten an Fernsehstationen. Erfolglos.

Vielleicht ist es einfach nur ein schlechter Film geworden, denke ich manchmal. Andrerseits gibt es natürlich Gründe, warum sechzig Jahre lang niemand gefragt hat, wo die ehemaligen Besitzer der Schauburg Kinos geblieben sind.

Mein Freund Reinhold Sögtrop stellt einen Antrag bei den Grünen, um Gelder für eine Fotoausstellung zusammen zu bringen. Wir hatten viele Fotos aus Brasilien und einige aus den USA mitgebracht. Wir durften auch Blicke in die Fotoalben der „neuen Kinobesitzer“ in Hamburg, so nenne ich mal die Söhne und Töchter derer, die nach 1933 Kinobesitzer wurden, tun und einige sogar abfotografieren für unsere Ausstellung „Auf der Suche nach Henschel“. Das wir in Hamburg angelogen wurden, das waren wir schließlich gewöhnt und so war ich auch nicht traurig, das einer der Söhne, der damals noch lebte, Tim Schümann, uns kein Interview geben wollte.

Aber wie das manchmal so ist, wenn man mit einer Videokamera Fotos aufnimmt. Da stellt man beim Umblättern der Seiten des Fotoalbums manchmal Fragen und erhält Antworten und vergißt dabei schnell, daß die Kamera ja auch ein Mikrophon hat. Einige Jahre später habe ich mir dann den Ton noch einmal angehört und darüber gestaunt, was Söhne so manchmal veranstalten, um die braunen und die Blutflecken von der Jacken ihrer Väter zu entfernen.

Da entstehen sonderbare Mischungen. Noch Jahre nach dem Tod, werden so aus überzeugten Nazis und SA Männern, die freudig Zeitungsanzeigen aufgeben, daß das Kino jetzt endlich in »arischem« Besitz sei, Männer des (inneren) Widerstands. Mit der Fotoausstellung bei uns im Kino wollten wir eine größere Öffentlichkeit ansprechen und neue Informationen bekommen. Fehlanzeige. Wenn man mal von der Magisterarbeit von Gerti Keller und der Hausarbeit der Studentin Stephanie Baecker absieht.

Viele Fragen waren damals ungeklärt und so liess mich das Thema nicht mehr los. Wem gehörten die Kinogrundstücke? Warum wurden die zerstörten Kinos nicht wieder aufgebaut? Warum wurden so hervorragende Grundstücke, wie das vorne an der Reeperbahn, Ecke Zirkusweg nicht wieder bebaut oder verkauft?

Warum wurde das Grundstück am Gänsemarkt, später mit einem sog.“Ufa Palast“ bebaut, nicht zurückerstattet? Das waren nur einige dieser offenen Fragen. Und viele Auskünfte bekommt man nur, wenn man ein sog.“berechtigtes Interesse“ nachweisen kann. Geschichtsaufarbeitung gehört meist nicht dazu. Anschließend habe ich meine Hobbyforschung Heimatkunde genannt.

Im Laufe der Jahre entwickelt sich so eine Art Sammelleidenschaft bei mir. So wie andere Briefmarken sammeln, sammle ich seit 1984 Naziverbrecher und Naziopfer. So kommt es mir jedenfalls manchmal vor. In meiner Sammelleidenschaft traf ich auf den Kameramann Sven. Der schaute sich das Material an und ermunterte mich – laß uns ein Buch aus diesem zusätzlichen Material machen.

Manchmal nimmt man eben doch den Mund zu voll, jedenfalls war meine damalige an Antwort, das sei überhaupt kein Problem, das sei ja alles da und müsse nur noch kurz zusammengefügt werden. Pustekuchen. Sven brachte mich dann mit dem Geschichtsstudenten Jan Johannsen zusammen, der ein Thema für seine Diplomarbeit suchte und sich gleichzeitig noch als Fotograf betätigte. Ein wunderbare Kombination für die bevorstehenden Sucharbeiten.

Von Rolf Arno Streit hatte ich erfahren, daß ein maßgeblicher Mann in Hamburg bei der Enteignung der Kinobesitzer, ein Obernazi namens Adam gewesen sei. Leider wußten die Streit Brüder nicht viel von diesem Mann. Nicht einmal den Vornamen. Sie hatten erfahren, daß dieser Mann zusammen mit den beiden Nazis, die den Henschel Konzern „übernommen hatten“ ein Kino in Kiel hatte. Einen ganzen Tag habe ich damals in Kiel im Stadtarchiv verbracht, aber nichts herausgebracht.

Und die Zeugen waren wie immer sprachlos oder gestorben. Erst 1993 brachte die Studentin Gerti Keller, der ich meine Unterlagen zur Verfügung stellte, den Vornamen und eine Kurzbiografie dieses Obernazis Adam heraus.

Der Mann hiess Richard Adam und war Leiter der Landesfilmstelle in Hamburg. Im Laufe der weiteren Suche stellte sich heraus: Der Mann war Goebbels direkt unterstellt. Wieder begann die Suche. Ich schrieb über mehrere Jahre immer wieder an das Hamburger Landgericht, an die sog. Wiedergutmachungs-kammer.

Und irgendwann im Jahre 2005 rief mich dann Richter Dr. Lothar Weyhe vom Landgericht Hamburg an, und teilte mir mit, wenn ich von einem Beteiligten eine Vollmacht zur Akteneinsicht beibringen könne, dann hätte er noch so verschiedene interessante Akten.

Wieder schrieb ich nach Brasilien, in der Hoffnung, daß die Kinder des Kinobesitzers vom Waterloo Kino in der Dammtorstrasse 14 mir antworten würden. Und tatsächlich kam Post aus Sao Paulo von Günther Harald Hirschel, dem Sohn des Kinobesitzers Manfred Hirschel, dem die Flucht aus Deutschland gelungen war.

Günther Harald Hirschel stellte eine Vollmacht aus. Und so konnten wir (Jan Johannsen und ich) das erste Mal die Prozessakten aus dem Prozess Hirschel gegen Esslen ansehen und fotografieren, die vor uns noch niemand gesehen hatte. Die Entwicklung der Fototechnik war seit Beginn meiner Nach-forschungen inzwischen vorangegangen.

Während Reinhold Sögtrop und ich noch umständlich mit einer Kleinbild-kamera im Staatsarchiv waren, konnten wir (Jan Johannsen und ich) mit seiner Digitalkamera alle Akten, von denen wir Kenntnis erhielten, fotografieren. Mit der vorgelegten Vollmacht von Günther Harald Hirschel durften wir die Akten des „Wiedergutmachungsprozeß“ (schon diese Wortschöpfung stellt eine Verhöhnung der Opfer dar) um das Waterloo Theater in der Dammtorstrasse 14 fotografieren. Die Prozessakte Hirschel gegen Esslen hat 246 MB und passt auf eine CD Rom. Zum Lesen vor Ort hatten wir keine Zeit.

Das war das Gefühl, das vermutlich Touristen aus Asien bei Europareisen haben. Alles wird auf Speicherchips gebracht. Erst zuhause werden die Objekte dann angesehen. Und dort fielen mir dann fast die Augen aus dem Kopf. Der Obernazi Richard Adam, der die Enteignung der jüdischen Kinobesitzer maßgeblich im Sinne der NSDAP vorangetrieben hatte, tritt in dem Rückerstattungsprozeß Waterloo Theater als Zeuge der „Arisierer“ (Clara Esslen und Heinz Heisig) auf und wird nicht (natürlich nicht) im Gerichtssaal sofort festgenommen.

Er darf dagegen vor Gericht ausführen, daß der jüdische Kinobesitzer Manfred Hirschel schon vor der Enteignung durch Klara Esslen und Heinz B. Heisig (der nach dem Kriege damit punkten konnte, der einzige Hamburger Kinobetreiber gewesen zu sein, der nicht Mitglied der NSDAP war) pleite gewesen sei und dass er oder die Partei, der er angehörte keinerlei Einfluß auf die Enteignung des jüdischen Kinobesitzers Manfred Hirschel genommen habe. Doch zurück an den Anfang der Hamburger Kinogeschichte. Die eigentliche Kinogeschichte der Henschels beginnt schon viel früher mit der Eröffnung des „Helios Theaters“ von Friderika und James Henschel im Dezember 1905. Der Enkel Rolf Arno Streit, der seine Großeltern noch kennengelernt hatte, beschreibt, wie seine Großeltern darauf gekommen sind, Kinos zu machen.: „In Paris, so hat er (James) gehört, gibt es einen Grammophon Laden, dass heißt die Leute konnten in den Laden gehen sich Telefone an die Ohren legen und konnten dann eine Musik wählen. Das wollte er in Hamburg auch machen. Auf dem Weg dorthin sind sie (Friderika und James) stehengeblieben vor einer riesigen Schlange von Menschen, die alle in ein sogenanntes Cine gehen wollten. Das war eine Neuigkeit für meine Großeltern. Da wurden die ersten Filme vorgeführt. Nachher sind sie ins Hotel gegangen und meine Großmutter Frida Henschel hat zu meinem Großvater gesagt, James ich habe es mir überlegt. Wir machen nicht Grammophon. Wir machen Kinos.“

Wann Friderika und James diese Reise nach Paris gemacht haben, weiß ich nicht. Vielleicht waren sie in Paris, als dort die Weltausstellung stattfand. Dort führten die Brüder Lumiere zum ersten Mal ihren „Cinematographe Geant“ vom 15. April bis 31. Oktober vor. Das war ein Breitwandverfahren für eine Leinwand von 25 x 15 Metern.

Fünf Jahre später (Im Dezember 1905) eröffnen Friderika und James Henschel ihr erstes Kino in Hamburg Altona. Es ist das „Helios Theater“ in der Bergstrasse 11. Das Kino hat 500 Plätze. James ist zu diesem Zeitpunkt 42 Jahre alt. Aus einem Zeitungsbericht erfahre ich, dass Anfang 1906 das Ehepaar Henschel ihr zweites Kino, das „Belle-Alliance-Theater“ in der Eimsbütteler Strasse 2 /Ecke Schulterblatt 115 eröffnen. „Es fasste 1.400 Personen, für die damalige Zeit eine unerhörte Zahl, und hat Zeit seines Bestehens nur einen „schwarzen Tag“ erlebt: den Tag, an dem die Michaelis Kirche niederbrannte und die gesamte Tageskasse-bei 1.400 Plätzen-nur 56 Mark aufwies“. steht in der Licht Bild Bühne vom 16. August 1930. (Der Tag an dem der Michel brannte war der 3. Juli 1906). Vergleicht man die Größe des „Belle Alliance“ mit heutigen Kinos, dann schneidet die Gegenwart schlecht ab. Das größte Kino Deutschlands steht heute in Essen. Die Lichtburg: Die hat 200 Sitzplätze weniger (1.200 Sitzplätze). Hamburgs größtes Kino im Cinemaxx hat mal grade 1.001 Sitzplätze. Es scheint mir dringend an der Zeit, eine Art Biografie dieser ersten Kinounternehmer zu versuchen. Eigentlich wäre das Aufgabe jener gewesen, die sich Historiker nennen. Warum müssen das Amateure und Dilettanten machen, so wie ich einer bin? Auf jeden Fall, finde ich, ist es höchste Zeit diese Lücke endlich zu schließen.

Die Frau, die James Henschel dazu brachte, Cine zu machen war: Friderike (Friderika) Blumenthal, geb. am 17. Oktober 1865 in Lübeck. Sie flüchtete 1939 aus Deutschland nach Mexiko und starb am 16. April 1945 in Manhattan, New York im Alter von 79 Jahren. Sie hatten fünf Kinder. Rolf Arno Streit berichtet von seiner Großmutter Friderika, dass diese eine sehr religiöse Jüdin gewesen sei. Sie habe einen koscheren Haushalt geführt. Der Opa James habe es dagegen nicht so genau genommen. Einmal im Jahr, wenn Friderika in der Synagoge zum Beten gewesen sei, dann sei er heimlich Schweinefleisch essen gegangen.

Mark (Hermann) Lissauer (der kleine Junge auf dem Balkon des Fotos vom Thalia Kinos in der Grindelallee 116) berichtet in einer E Mail vom 22. Dezember 2005: „Von meiner Mutter hörte ich, daß Oma Frida an der Kasse saß und sie und James mit einer Waschbalje voll mit 10 Pfennigstücken per Droschke nach Hause fuhren.“

Die biografischen Angaben über James Henschel sind auch nicht grade üppig: Geboren wurde er am 5. Februar 1863 in Hamburg. Er erlangte am 18. Dezember 1901 das Hamburger Bürgerrecht. Als Berufsangabe wird genannt: Kaufmann und Agent. Am 22. April 1897 wird seine Firma James Henschel ins Handelsregister eingetragen. Nach einem Zeitungsbericht kam er von der „Konfektion“, was vermutlich heissen soll, daß er sich mit dem“ Handel von Fertigkleidung“ (Duden Fremdwörterbuch) beschäftigte.

Er war Mitglied der Hugenberg Partei (DNVP). Was immer man davon hält. Für den Enkel von James Henschel war diese Parteimitgliedschaft lebensrettend. James erhielt von einem Parteifreund Nachricht, das sein Enkel Horst Urich-Sass von der Gestapo gesucht werde. Aus gleicher Quelle konnte er auch seinen Schwiegersohn Hugo Streit vor der Verhaftung durch die Gestapo warnen.

Hermann Lobbes von der Licht Bild Bühne schreibt in dem einzigen Bericht, den ich gefunden habe, über die Arbeit von James Henschel: „Die Sommersaison 1907 bedeutete dann den einzigen größeren Rückschlag für die junge Firma, wenn man von den beiden ersten Kriegsjahren absieht, deren Überwindung nur durch fortgesetzte und beträchtliche Zuschüsse aus den Reserven möglich war.

Aber als James Henschel im Herbst 1907 mit dem „Hauptmann von Köpenick“ (Buderus, Hannover) herauskam und diesem Sensationsfilm wenig später die nicht minder spannende und aufregende Tragödie vom „Untergang Messinas“ (Ambrosio) folgen ließ, war die Situation mit einem Schlage gerettet. Beide Filme schlugen wie eine Bombe ein. Hunderte warteten täglich in langen Ketten vor der Kasse.

Hunderte fanden keinen Einlass. In Altona gab es damals kaum irgendwelche regulierenden Polizeivorschriften, und so spielte man ununterbrochen von 3 Uhr nachmittags bis 1 Uhr nachts. An manchen Sonntagen wurde das Theater von mehr als 8.000 Personen besucht! Diese erfreuliche Konjunktur ließ die Kasse anschwellen und schaffte die Möglichkeit ein weiteres Theater in Betrieb zu nehmen. Ein günstiger Bauplatz fand sich an der Wandsbeker Chaussee und hier errichte Henschel nun, nach einer kurzen Entreprise in Lübeck, das erste Theater der Welt, das ausschließlich für Kinozwecke bestimmt war. Aufgeführt mit einem Kostenaufwand von 550.000 Mark wurde das Palast-Theater, heute gleich den übrigen Großtheatern Henschels im Besitz der Ufa, einer der gewaltigsten Saalbauten seiner Zeit.“

Als James Henschel 55 Jahre alt ist, macht die neugegründete UFA (gegründet am 18. Dezember 1917) ihm ein Angebot für den Kauf seiner Kinos. James Henschel verkauft an die UFA. Da die UFA offenbar daran interessiert ist, nicht mit eigenem Namen in Hamburg als Kinobesitzerin aufzutreten, wird eine „J. Henschel GmbH“ gegründet. Viele fallen darauf herein. Ich auch. Bis mein Sohn Hannes eines Tages im Bundesarchiv in Berlin zwei Ordner mit den Bilanzen der J. Henschel GmbH findet, die dort nur deshalb aufbewahrt worden waren, weil die Nazis die UFA verstaatlicht hatten. Es stellte heraus, daß die Firma zu 100 % der UFA gehörte. James Henschel hatte mit der Gründung dieser Firma alle seine Anteile und auch die ihm gehörenden Grundstücke an die UFA verkauft.

Mit dem Erlös aus den verkauften Kinos kauft sich James Henschel 1919 – 14 Wohnhäuser mit über hundert Wohnungen und übersteht dadurch die Inflation von 1923 und die Weltwirtschaftskrise von 1929.

Das Ehepaar Henschel flüchtet 1938 aus Deutschland zunächst zur Tochter Bianca Kahn, geb. Henschel, nach Holland. Bianca Henschel hatte dort den portugiesischen Konsul Isidor Kahn geheiratet. James Henschel stirbt am 26. August 1939 im Alter von 76 Jahren in Den Haag. Nach seinem Tode gab der Reichsminister am 16. 09. 1939 im Reichsanzeiger bekannt, daß James und Friderika Henschel „ausgebürgert“ wurden. Sie waren nun keine Deutschen mehr.

Gleichzeitig wurde bekannt gegeben, das das gesamte inländische Vermögen von James und Friderika Henschel beschlagnahmt sei. Das darf als Hinweis darauf gelten, daß die Nazis auch gerne das ausländische Vermögen gehabt hätten. Friderika ist zu diesem Zeitpunkt 74 Jahre alt, als sie mit falschen Papieren über Portugal nach Mexiko entkommt.

James Henschel hat mit seinem Tode den Nazi Juristen noch eine Nase gemacht. Zwischen Gestapo, Oberfinanzpräsident und anderen deutschen Nazibehörden gibt es einen längeren Schriftwechsel in den Unterlagen, ob sie nicht den richtigen Zeitpunkt der Enteignung, bzw. der Ausbürgerung verpasst hätten. Auch die Grundstücke der J. Henschel GmbH konnten nicht mehr enteignet werden. Denn die hatte er bereits 1918 an „seine“ GmbH verkauft.

Der Enkel Horst Urich-Sass berichtete von seinem Vater Hermann Urich-Saß, der große Lust hatte, Kinos zu bauen. Immer wenn sein Vater mal zu aggressiv gebaut hatte und das Geld ausging, dann sind sie (Hugo Streit und Hermann Urich-Sass) nach Monte Carlo gefahren und James mußte mal mit Geld aushelfen, was er auch getan hat. Das Ehepaar Henschel hatte fünf Kinder:

Hanns Henschel ist der Älteste. Ich finde sein Grab auf dem jüdischen Friedhof in Ohlsdorf. Dort steht bei den Toten aus dem ersten Weltkrieg ein Stein: Unteroffizier Hanns Henschel geb. am 21. September 1893 – 5654. Gef. 31. Oktober 1916- 5677. Der Stein vermerkt: Inhaber des eisernen Kreuzes und des hanseatischen Kreuzes. Er ist 23 Jahre alt, als sein Vaterland ihm das Leben nimmt.

Hedwig Henschel wird am 4. Juni 1888 in Hamburg geboren. Mutter Friderika ist damals 22 Jahre alt. Vater Jeremias 25 Jahre alt. Sie heiratet Hermann Urich-Saß. (Henschel Film und Theaterkonzern) und stirbt am 24. Januar 1960 im Alter von 71 Jahren in Mexiko.

Sophie Henschel wird am 07. April 1889 in Hamburg geboren. Mutter Friderika ist 23 Jahre alt, der Vater James ist 26 Jahre alt. Sie heiratet Hugo Streit. (Henschel Film und Theaterkonzern), flüchtet im Dezember 1938 aus Deutschland und stirbt am 14. November 1968 im Alter von 79 Jahren in Belo Horizonte, Brasilien.

Bianca Henschel wird am 8. März 1890 in Hamburg geboren. Mutter Friderika ist 24 Jahre alt, Vater James ist 27 Jahre alt. Bianca heiratet am 5. Mai 1931 den portugiesischen Konsul Dr. Isidor Kahn in Den Haag und zieht nach Holland. Sie stirbt nach Kriegsende in Manhattan, New York.

Grethe (Gretl) Henschel. Ich finde ihr Geburtsdatum auf dem jüdischen Friedhof in Ohlsdorf. Geb. am 8. April 1895 in Hamburg. Gestorben am 4. August 1921. (5655-5681 steht auf dem Grabstein). Mutter Friderika ist bei ihrer Geburt 29 Jahre alt.

Gretl (wie sie auf dem Grabstein genannt wird) ist verheiratet mit Hermann Lissauer. geb. am 5. November 1893 in Hamburg. Gestorben am 29. August 1922. (5654-5682). Sie hat einen Sohn: Hans Adolf Lissauer, der am 08.01. 1920 in Hamburg geboren wird, in die USA flüchtet und sich dort Henry Anthony Lissauer nennt.

Die Suche in den Akten des Staatsarchives ist zeitaufwendig. Eigentlich nur Menschen möglich, die jede Menge Zeit und viel Geduld haben. In den Bestandsverzeichnissen des Oberfinanzpräsidenten (so nennt sich die Ausplünderungsbehörde in dieser Zeit) sind die Akten aufgelistet, die im Archiv vorhanden sind. In den ersten Jahren nach Namen sortiert, später nicht mehr.

Die Nummern der Akten werden in Bestelllisten eingetragen, die bis 11.30 Uhr abgegeben werden müssen. Ab 13.30 Uhr werden diese dann im Lesesaal bereit gestellt. Um 16.00 Uhr wird der Lesesaal geschlossen. 150 Minuten sind nicht viel Zeit, um dem Fleiß der nationalsozialistischen deutschen Beamten gerecht zu werden.

Und langsam, beim Sammeln der vielen neuen Informationen stellt sich heraus, daß der Film von 1994 nur die halbe Wahrheit war. Damals ging ich davon aus, daß von den 50.000 Sitzplätzen in Hamburger Kinos ungefähr 30 % im Besitz von Menschen waren, die von den Nazis als Juden bezeichnet wurden und die sich selbst doch nur als Deutsche- als Hamburger- bezeichneten. (Zum Vergleich hatte Hamburg 1990 ca. 12.000 Sitzplätze in Kinos zur Verfügung).

Die neuen Tatsachen zeigen: Wenn jemand zwischen 1933 und 1945 in Hamburg Kinobesitzer geworden ist, dann nur durch die Enteignung, die die deutschen Nazis durchgeführt haben. Von den 50.000 Sitzplätzen, die 1930 in Hamburg vorhanden waren, wechselten 30.000 den Besitzer, wenn man es denn so ausdrücken will.

Der Tarnausdruck der Nazis heisst „arisieren“. Sie hatten auch noch andere Tarnausdrücke, die viele Menschen heute nicht mehr kennen: Für Mord hatten sie den Tarnausdruck „Sonderbehandlung“, um nur ein Beispiel zu nennen.

Geld ist bei dieser Enteignung keins geflossen, jedenfalls nicht an die, denen es zugestanden hätte. Und noch in dritter Generation halten die Enkel die Legenden von damals aufrecht: Die Schümanns, die Romahns, die Adams, die Meiningers, die Esslens, die Heisigs und wie die neuen Kinobesitzer von Führers Gnaden in Hamburg alle hießen. Und noch eine Information ist wichtig zum Verständnis. Würde ich heute meine Suche nach den „Verschwundenen Kinobesitzern“ von damals beginnen, dann würden 75.000 DM nicht einmal ausreichen, die Fotokopierkosten zu bezahlen, die laut Gebührenordnung des Hamburger Senats und anderer Bundesbehörden (Bundesarchiv) dafür fällig würden.

Die Archive sind inzwischen zu uneinnehmbaren Endlagern geworden. Das bettet sich nahtlos in die Schweigepolitik der Bundesrepublik ein. Nach heutigem Kurs sind meine zehn mit Dokumenten gefüllten Leitz Aktenordner inzwischen ein kleines Vermögen wert. Jede Din A 4 Kopie würde mit 0,60 € laut Gebührenordnung berechnet werden (inkl. Mehrwertsteuer). Mehrwertsteuer für die Ausplünderungsakten der deutschen Verwaltung?

Für jede Melderegisterauskunft werden in Hamburg 22,00 € fällig. Wer den Wohnsitz des Mannes herausfinden will, der in Hamburg die Kinobesitzer enteignet hat, dem kann es passieren (ich kenne das), dass sowohl die Gemeinde Blankenese, als auch die Gemeinde Kampen auf Sylt sich über mehrere Jahre weigern, eine Melderegisterauskunft zu geben und das obwohl Kampen auf Sylt am 31. 12. 2008 nur insgesamt 601 Einwohner hatte.

Dort hat sich Richard Franz Wilhem Adam, geb. am 30.09. 1893 in Hamburg Altona bis zu seinem Todestag am 26. November 1967 aufgehalten. Gegen ihn wurde niemals ermittelt.

Paradieschen
Alte Postkarte Lerchenweg 5 Kampen auf Sylt, Wohnsitz von Richard Adam bis zu seinem Tode (Villa Paradieschen)

Seinen letzten Wohnsitz erfahre 2005 bei Einsicht in eine sog. „Wiedergutmachungsakte“. Darin ist ein Brief enthalten, den er aus Kampen (Sylt) an das Hamburger Landgericht schreibt. Gerne tritt er als Zeuge auf, aber die Fahrt nach Hamburg kostet 54,20 DM. Das Geld möge man ihm bitte vorher schicken. Nur vier Personen aus dieser Kinobesitzerfamilie konnten in Deutschland bleiben. Sie liegen auf dem Jüdischen Friedhof in Hamburg Ohlsdorf. Sie starben vor der Zeit. Und einer von Ihnen hat sich das Leben genommen, als Hitler die Macht übergeben wurde. Nur dieser Stein konnte die Brücken zu den Überlebenden im Ausland finden. Und das ist das eigentlich Erschreckende.

Jens Meyer Hamburg, d. 14. Mai 2026

Lehrzeit Heinz Heisig

PDF Heinz Heisig Lehrjahre (Zeichen 3.140)

(Zeichen 3.140)

In einer Broschüre der Landeszentrale für politische Bildung ist (auszugsweise) ein Schreiben an das:

„Komitee ehemaliger politischer Gefangener“ vom 15. April 1946 abgedruckt, in dem Heinz (Heinrich) Bernhard Heisig seinen »Werdegang« beschreibt:

Die äußeren Daten meines Lebensweges finden Sie in den Antworten des Fragebogens. Was sie nicht aussagen, möchte ich in dem anschließenden Lebenslauf niederlegen: Ich entstammte kleinbürgerlichen Kreisen, besuchte sieben Jahre lang die Volksschule meiner kleinen westfälischen Heimatstadt und trat mit dreizehn einhalb Jahren als Lehrling in das kaufmännische Büro unseres heimischen Amtsblattes ein. Schule und Lehrstätte lenkten mein Denken in nationale Bahnen, so dass ich, nachdem ich als Neunzehnjähriger an den letzten Schlachten der Westfront teilgenommen hatte, zum Grenzschutz »Ost« übertrat, dem ich bis zum Juli 1919 angehörte. Diese Flucht vor der drohenden Arbeitslosigkeit war aber für mich in vielerlei Hinsicht heilsam, denn ich machte als Soldat des Grenzschutzes allzu nahe Bekanntschaft mit dem Militarismus. Nicht zuletzt war es der lebendige Anschauungsunterricht über die menschenunwürdige Behandlung der Deputatarbeiter auf den adligen Großgrundbesitzen, der mich von jeder Art Nationalismus kurierte.

Während der anschließenden Lehr- und Wanderjahre in allen Teilen Deutschlands vertiefte sich meine Einsicht noch, da ich im Laufe meiner Tätigkeit in verschiedenen Berufen in enge Berührung mit dem Leben des werktätigen Volkes kam und seinen Kampf um seine Sehnsüchte aus eigener Anschauung kennenlernte. Was Wunder, dass ich mich zum Sozialismus bekannte und die großen internationalen Dichter und Polemiker mir den Weg zu einer klaren und eindeutigen Weltanschauung wiesen.
( . . . )

Als ich ( . . . ) im Jahre 1930 nach Hamburg ans Waterloo-Theater kam, brachte ich ein gutes Rüstzeug mit. Ich betrachtete es als meine Mission, dem werktätigen Volk beim Kampf um die Besserung seiner sozialen Lage mit meinen Einflussmöglich-keiten zu helfen und beizustehen. Die Spielplangestaltung des Waterloo-Theaters weist das eindeutig auf, und ich darf für mich in Anspruch nehmen, dass viele amerikanische, englische, russische und französische Filme ohne meine Initiative nie in Hamburg gezeigt worden wären. In den aufreibenden Jahren der Nazi-Herrschaft konnte ich meinem Ziel und meinen Absichten nur treu bleiben, weil ich, wie es gar nicht anders denkbar und möglich war, manches in Kauf nehmen musste, denn dass eine so polemisch festgelegte Spielplangestaltung allen nur denkbaren Anfeindungen und Angriffen ausgesetzt war, versteht sich von selbst. Trotz der wütenden Angriffe der Nazipresse zeigte ich, wie ich heute noch mit Genugtuung feststellen kann, bis zum November 1940 amerikanische Filme. Aus dem Fragebogen ersehen Sie, welche Verfolgungen mir meine Standardhaltung und Einstellung eingetragen hat.

Was der Fragebogen nicht ausweist, sind die Fülle der kleinen Tücken und Schikanen, und hierzu möchte ich nur folgende kleine Aufstellung hinzufügen: Eine Anzeige wegen öffentlicher Zerreißung eines Hitlerbildes, Anzeige wegen Verweigerung des Hitler-Grußes, Verfahren zur Aberkennung der Betriebsführer-Eigenschaft, Verlust meiner Wohnung wegen meines Aufenthaltes im KZ., Anzeige wegen nationaler Würdelosigkeit, Anschuldigung des damaligen Kultursenators Dr. [Helmuth] Becker [1902–1962], ich führe einen „Juden- und Kommunisten-Kintopp“ usw. usw.

Zitiert nach einer Broschüre der Landeszentrale für politische Bildung, Hamburg, nach einem Dokument, das sich im Staatsarchiv Hamburg befindet, unter der Nummer 622, Familie Heisig. 2.4.

Tier
Zeichnung Helga Bachmann

Apropos Waterloo Kino (III)

Römische Zahlen

PDF Abschrift Waterloo Kino GuckfensterKCF

Manfred Hirschel mit seiner Tochter Eva Hirschel (1936), verh. Blumenthal. (Foto aufgenommen in der Bebelallee / Adolf Hitler Straße) Manfred Hirschel ist am 16. August 1892 geboren. Eva Hirschel ist 1930 geboren.
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Briefe an Eugen (LIV-54) Henschel Suche

Römische Zahlen

PDF Briefe an Eugen 3 (Zeichen 9.547) Die Suche nach Henschel

Halteverbot 1
Halteverbot 2
Halteverbot 3
Wäschekeller mit Maus
Mordsache Dünner Mann

Bismarckstraße 108 Ausschnitt Adressbuch 1936
Bismarckstraße 108 Ausschnitt Adressbuch 1937
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Der Schlund der Geschichte-Die Henschel Kinos

PDF (Zeichen 11.759) Schlund der Geschichte Henschel Kinos

In einem Schlund ist die Geschichte der jüdischen Kinobesitzer in Hamburg verschwunden.

Erst den Nachgeborenen ist aufgefallen, dass große Teile der Kinogeschichte fehlen. Und das dieses Fehlen Gründe hat. Der »Henschel Film & Theaterkonzern OHG«. Eine Geschichte, die im Dezember 1895 in Paris begann und erst mit ihrer vollständigen Aufklärung endet.

Sie haben uns angelogen, als sie behaupteten, sie hätten gekauft oder geerbt. So war es nicht. Sie haben nicht gekauft und auch nicht geerbt. Sie haben geraubt und gestohlen. Sie haben die jüdischen Kinobesitzer bestohlen. Und viele haben ihnen dabei geholfen.

Vier Fotos, die uns Rolf Arno Streit aus Belo Horizonte in Brasilien 1990 zur Verfügung gestellt hat. Hamburg.

Fotoalbum Streit Hamburg
Hauptbahnhof, Gänsemarkt, Jungfernstieg, Karl Muck Platz

[Fotos aus Hamburg von links oben nach rechts unten: Hamburger Hauptbahnhof vom Glockengiesserwall mit Straßenbahnschienen, Gänsemarkt mit Lessingtheater und Hamburger Anzeiger,  Alster in Richtung Hotel Vier Jahreszeiten mit Alsterpavillon, Karl Muck Platz in Richtung Innenstadt, rechts das Hochhaus des DHV. [Deutschnationaler Handlungsgehilfen Verband] 

In der Mitte die Kaiser Wilhelm Straße. Die heißt heute noch so. Der Karl Muck Platz wurde vor einigen Jahren umbenannt in: Johannes Brahms Platz. Das Gebäude des DHV wurde auch umbenannt in »Johannes Brahms Kontor«. Vermutlich dachte man bei der Umbenennung daran, so kriegt man endlich die braune Farbe runter, die vom DHV.

Die Geschichte der jüdischen Kinobesitzer  in Hamburg begann im Jahre 1895 in Paris und endete in Brasilien, Mexiko, USA und Australien. Überall dort, wohin die geflohen waren, denen man in Deutschland ihre Kinos geraubt hatte und die auch noch nach dem Krieg ihre Stimme erheben konnten, weil sie den deutschen Mördern entkommen waren.

Eine erste Spur fand ich auf dem Jüdischen Friedhof in Hamburg Ohlsdorf. Der Grabstein von Hermann Urich Sass.

Grabstein Hermann Urich Sass, Jüdischer Friedhof Hamburg Ohlsdorf. Foto Henning Scholz

Meine Suche begann – eher zufällig – 1970 in Berlin. Während meines Studiums an der Deutschen Film- und Fernsehakademie (dffb): Ich interessierte mich auch für die Geschichte der Kinos. Hier gab es die Tageszeitungen des deutschen Films: die »Licht Bild Bühne« (LBB) und den »Kinematograph«. In Hamburg waren diese Zeitungen zu der Zeit nicht vorhanden, bzw. nicht zugänglich.

Wer einmal längere Zeit vor einem solchen Mikrofilm Lesegerät gesessen hat, kennt die Langweiligkeit dieser Arbeit. Diese vielen Nachrichten, die man alle nicht braucht. Ich hatte natürlich Vermutungen. Aber eigentlich wußte ich nicht, was ich suchte. Die Licht Bild Bühne erschien täglich, sechs mal in der Woche. Sie  hatte viele Seiten. Gezählt habe ich nicht. Aber dann half mir der Zufall. Der Zufall hieß Paul von Hindenburg.

Jener Mann, der Adolf Hitler am 30. Januar 1933 zum Reichskanzler ernannt hatte. Sehr schlecht für die deutsche Geschichte. Aber gut für mich. Ohne diesen Zufall hätte ich die Meldung vom Tode des Kinounternehmers Hermann  Urich Sass niemals gefunden. Sie steht in der selben Ausgabe, in der auch von der Machtübertragung an Adolf Hitler berichtet wird.  Ein paar Jahre später bekomme ich darüber Kenntnis, das beide Meldungen in einem Zusammenhang stehen.

Am Sonnabend, den 28. Januar 1933 erscheint eine 13 Zeilen Meldung, die mit folgenden Worten endet: . . . dass “ . . . Herr Urich Sass, eine leitende Persönlichkeit im Henschel Konzern in Hamburg, am 27. Januar im Alter von 45 Jahren, einem Herzversagen erlegen“ sei.

Wäre er an einem anderen Datum verstorben, hätte ich die Suche nach dem Henschel Film- und Theaterkonzern vermutlich abgebrochen. Die Beerdigung soll am Montag, d. 30. Januar 1933 auf dem Jüdischen Friedhof in Hamburg Ohlsdorf um 3 Uhr stattfinden, so wird es angekündigt.

Die Geschichte der Kinobesitzerfamilie Henschel begann mit Frida und James Henschel und ihrer Reise nach Paris.

Ursprünglich war Jeremias Henschel in die Fußstapfen seines Vaters getreten und hatte sich im Verkauf von Stoffen und Herrengarderobe versucht. Erfolglos. Heute nennt man es modern Insolvenz.

Mit dem selbstgewählten Vornamen James begann eine neue Episode im Leben der Familie Henschel. Eigentlich sollte es ein Laden mit Schallplatten werden. Aber dann entdeckte Frida in Paris eine lange Schlange. Dort wurden zum ersten Mal diese beweglichen Bilder gezeigt, die sie damals »Lebende Photographien« nannten. Frida erkannte als erste die ungeheuren Möglichkeiten, die ein solches Geschäft in Hamburg haben würde.

Europäischer Hof Baden Baden v. l.: Sophie Streit, Frida Henschel, James Henschel, Hugo Streit. Fotograf unbekannt.

[Das Foto entstand am 18. Oktober 1930 vor dem Hotel Europäischer Hof in Baden-Baden in Deutschland. (v. l. n. r.  Frida (Frederica) Henschel (geb. Blumenthal), James Henschel und ihre Tochter Bianca Henschel (Bianca Kahn, die am 5. Mai 1931 den portugiesischen Konsul Dr. Isidor Kahn in Den Haag heiratete und nach Holland auswanderte].

Das Foto stammt von Rolf Arno Streit (Enkel von Frida und James Henschel) aus Belo Horizonte, (Brasilien).

Wann Frida und James Henschel nach Paris gefahren waren, das konnten die Enkelkinder  (in Mexiko und Brasilien) von James Henschel nur vermuten. Es könnte am 28. Dezember 1895 gewesen sein, als die Brüder Lumiere im Grand Cafe im Boulevard des Capucines zum ersten Mal ihren Projektor vorgestellt haben.

Verbürgt ist der Besuch der Brüder Skladanowsky in Paris am 28. Dezember 1895. Ein paar Tage vorher (Im November 1895 waren sie mit ihrem Projektor in Hamburg gewesen). Sie hatten eine Einladung nach Paris, ihren Projektor im Folies Bergère vorzustellen und haben dafür ein Honorar verlangt und bekommen. (Die Angaben schwanken zwischen 2.500,00 und 4.500,00 französischen Franc). Aber zu einer Vorstellung ihres Projektors in Paris ist es nicht mehr gekommen. Frida und James Henschel haben damals erkannt, welches Potential in dieser neuen Technik der Lebenden Photographien steckt.

Sie eröffneten im Dezember 1905 in der Bergstrasse (große) Nr. 11 in Altona ihr erstes Kino: Das Helios Theater mit 500 Sitzplätzen. Einen Monat später im Januar 1906  begann der Mietvertrag des »Belle-Alliance-Theater Vorführung lebender Photographien« an der Ecke Eimsbütteler Str. 2 / Schulterblatt 115. Das Kino wurde in den ehemaligen Ballsaal des Belle Alliance eingebaut, hatte 1.400 Sitzplätze und spielte von 15.00 Uhr Nachmittags  bis 1.00 Uhr in der Nacht.

Die Eröffnung des Kinos war am 1. Mai 1906. (Aus: James Henschel erzählt Hamburgs Kino Geschichte. Artikel  von Hermann Lobbes in der Licht Bild Bühne, Beilage vom Sonnabend, d. 16. August 1930).

Theater lebender Photographien
Belle Alliance 1906

Vor dem Kino war eine Haltestelle der elektrischen Straßenbahn. Der Licht Bild Bühne berichtete James Henschel im August 1930, dass der Tag mit den geringsten Einnahmen (56,00 RM) der Tag war, an dem die Zuschauer des Kinos sich lieber den Brand der Michaelis Kirche angesehen hatten, als ins Kino zu gehen. Das war Dienstag, der 3. Juli 1906.

Frida und Jeremias hatten fünf Kinder: Hedwig, Sophie, Bianca, Hanns und Gretel, die zwischen 1888 – 1895 geboren werden. Hanns meldete sich als Freiwilliger und „fiel“ am 31. Oktober 1916 als Unteroffizier an der Front in Frankreich (?). Jürgen Sielemann, Experte in Sachen jüdischer Geschichte, gibt einen anderen Ort an.

Zitat: „Ihr Bruder  (Bianca Henschel) Hans Henschel (geb. 21. September 1893) fiel am 31. Oktober als Unteroffizier in einem Gefecht in Siebenbürgen.“

(Aus Liskor-Erinnern Heft 14, Seite 26).

Als Quelle nennt Jürgen Sielemann: 332-8 Meldewesen, A 30 Toten- und Verzogenenkartei 1892-1925, Mikrofilm K 6238, Karte Hans Henschel.

Da war Hanns Henschel 23 Jahre alt. Wie ich mir die Fotos angesehen habe, habe ich gedacht, zwischen die Bilder gehört noch unbedingt ein Text. Und da man bei Tucholsky inzwischen klauen darf, habe ich dies getan.

Auf Seite 1159 im Band 1 – (1907 – 1924 meiner dreibändigen Gesamtausgabe) gibt es zwei Texte »Wie uns aus« und »Sechzig Fotografien«. In dem zweiten Text geht es um sechzig Fotografien, über den Weltkrieg (1) die man in Paris kaufen kann.

Der Text ist von 1924. Da wurde der Weltkrieg noch nicht nummeriert. Am Ende schreibt Tucholsky: (Seite 1162 Band 1)

Du schießt drüben immer den Kamerad Werkmeister tot – niemals den einzigen Feind, den du wirklich hast. Dein Blut verströmt für Dividende. Dein bißchen Sterben, dein armseliges Verrecken wird mühsam mit einer Gloriole von Romantik umkleidet, erborgt aus den Emblemen von Jahrhunderten, entliehen aus verschollenen Zeiten. Wirf deine Flinte weg, Mensch! Es wird immer Kriege geben? Solange du willst, wird es sie geben. Nagle dir diese Bilder an die Wand, zeig deinen Kindern, was das für eine Schweinerei ist: der Krieg; was das für eine Lüge ist: der Krieg; was das für ein Wahnsinn ist: der Krieg! Und dann setze dich mit deinen Arbeitsgenossen auf der anderen Seite hin, vertraue ihnen, denn es sind dieselben armen Luder wie du – und gib ihnen die Hand. Nieder mit dem Staat! Es lebe die Heimat!“

Hanns Henschel Grabstein

Grabstein auf dem Friedhof für die “Gefallenen“ des ersten Weltkrieges in Hamburg Ohlsdorf. Die Inschrift im Grabstein ist schwer lesbar. Unteroffz. (Unteroffizier) HANNS HENSCHEL, GEB. 21. September 1893, 5654 (Geboren), GEF. 31. Oktober 1916 5677 (Gefallen/Gestorben), INHABER (Inhaber) DES EIS. KREUZES (des Eisernen Kreuzes) UND DES (und des) HANSEAT. KREUZES (Hanseatischen Kreuzes).

Hanns Henschel wurde nur 23 Jahre alt. Bei Kriegsende (am 11. 11. 1918) war James Henschel 55 Jahre alt und die neu gegründete UFA (Gründung am 18. Dezember 1917) trat an ihn heran und unterbreitete ihm ein Kaufangebot für seine acht Kinos.

Eine Reihe von Kinos hatte das Ehepaar Henschel auf eigenen Grundstücken neu bauen lassen. So das Waterloo Theater in der Dammtorstrasse 14, das Lessingtheater am Gänsemarkt 46/48, das Palast Theater in der Wandsbeker Chaussee (bei späteren Recherchen stelle ich fest, dass die Ortsangabe falsch ist – das Palast Theater war nicht in der Wandsbeker Chaussee sondern in der Hamburger Strasse 5/7/9), die Harvestehuder Lichtspiele am Eppendorfer Baum 15.

James Henschel setzte die Bedingungen für den Verkauf an die UFA. Am 21. Februar 1918 wandelte er seine Kino Firma »J. Henschel« in die »J. Henschel GmbH« um. Der Vertrag sah vor, das seine beiden Schwiegersöhne Hermann Urich Sass (verheiratet mit Hedwig Urich Sass, geb. Henschel) und Hugo Streit (verheiratet mit Sophie Streit geb. Henschel) Geschäftsführer der »J. Henschel GmbH« wurden. Der Vertrag sah weiterhin vor, das alle Angestellten von der neu gegründeten Firma »J. Henschel GmbH« übernommen wurden. Weiterhin enthielt der Vertrag einen Passus, daß Hermann Urich Sass und Hugo Streit zu Direktoren der UFA für Norddeutschland ernannt wurden. 

Ein »Organ Vertrag« wurde am 29. November 1919 zwischen James Henschel und der UFA geschlossen. Danach wurde die »J. Henschel GmbH« eine 100 %ige Tochtergesellschaft der UFA. Die »J. Henschel GmbH« blieb weiterhin Eigentümer der Grundstücke, auf denen die Kinos: »Palasttheater« (Hamburger Straße 5/7/9), »Lessingtheater« (Gänsemarkt 43), »Harvestehuder Lichtspiele« (Eppendorfer Baum 35), »Zentral Theater« (Wandsbeker Chaussee 162) standen, die an die UFA verpachtet wurden.

Das »Waterloo Theater« in der Dammtorstrasse 14 verkaufte James Henschel an Manfred Hirschel, der mit einer Schwester seines Schwiegersohnes Hugo Streit verheiratet war.

Manfred Hirschel mit seiner Tochter Eva Hirschel in der Bebelallee in Hamburg.

James Henschel erhielt aus diesem Vertrag einen Barerlös, der ausreichte, vierzehn Wohnhäuser mit über 100 Wohnungen zu kaufen.

Weiterhin sah der Vertrag eine Beteiligung auf 25 Jahre vor, in denen er mit 5 % an den Bruttoeinnahmen der verkauften Kinos und mit weiteren 2,5 % an den später erworbenen oder neu erbauten Kinos der UFA beteiligt ist.

1921 + 1926 verließen Hermann Urich Sass und Hugo Streit die UFA und gründeten die offene Handelsgesellschaft, den »Henschel Film- und Theaterkonzern«.

Acht Kinos wurden neu gebaut. Im Februar 1927 wurde an der Ecke Zirkusweg Reeperbahn 1 ein Neubau mit einem Kino mit 1556 Sitzplätzen eröffnet.

Der erste deutsche Tonfilm »Ich küsse ihre Hand Madam« mit Marlene Dietrich und Harry Liedtke wurde hier am 23. Januar 1929 gezeigt.

Architekt war Carl Winand. Die Baukosten betrugen etwa 500.000,00 RM. Hugo Streit und Hermann Urich Sass nannten das Kino »Schauburg am Millerntor«.

Hugo Streit + Sophie Streit mit der Zeitung vom Oktober 1930, zum Start der Filme: „Liebling der Götter“ mit Emil Jannings am 13. Oktober 1930 und „Das alte Lied“ mit Lil Dagover am 9. Oktober 1930. Das Foto zu Werbezwecken wurde von Louis Segall gemacht.

Die Tonpassage im Film war nur zwei Minuten und 12 Sekunden lang. Hugo Streit, Sophie Streit (geb. Henschel) mit der Schauburg Zeitung. Die Schlagzeile:  Prominente sehen dich an: Lil Dagover, Emil Jannings

In der »Schauburg Millerntor» war am 21. Oktober 1929 Sergej Eisenstein mit »zwei Akten« aus dem Film »Panzerkreuzer Potemkin«, dem »ersten Akt« aus dem Film »Generallinie« und »zwei Akten« aus dem Film »Zehn Tage, die die Welt erschütterten« zu Gast.

Der dunkle Teil der Geschichte, der von Selbstmord, Mord, Enteignung, Vertreibung und Zerstörung  handelt. Und der Verdrängung all dieser Verbrechen. Der vom Reinwaschen und der angeblichen »Wiedergutmachung« handelt. Und wie bereitwillig alle bei den Ausplünderungen geholfen hatten. Die Geschichte der Täter, Opfer und der Zuschauer. Glaubwürdige Zeitzeugen waren in Hamburg, in Deutschland, nicht zu finden. In Brasilien, Mexiko und in Los Angeles wurde ich gefragt, warum das alles so lange gedauert hatte, bis endlich jemand kam und diese Fragen stellte. Mir fehlte damals eine Antwort.

Die Täter waren schon lange tot. Inzwischen waren auch die Erben der Täter gestorben. Und dennoch gibt es immer wieder Menschen, die das Unrecht von damals verstecken wollen. Es fällt ihnen nicht einmal auf. Im Gegenteil. Das vorhandene Material ist inzwischen auf zwölf Leitz Ordner, fünfzig CDs mit kopierten Akten und einem kurzen Film von der Eröffnung der Schauburg am Millerntor, Ecke Zirkusweg, angewachsen.

Dazu gehört ein kleiner Film mit den Interviews der Söhne, (Horst Urich Sass, Rolf Arno Streit, Carl Heinz Streit) die damals aus Deutschland fliehen konnten. Aus Belo Horizonte kommt dieses Bild vom »Palast Theater« von Frida und James Henschel in der Hamburger Strasse.

Palast Theater Hamburger Straße 5/7/9

Wann dieses Foto entstanden ist, konnten mir die Enkelkinder von James Henschel (Die Brüder Rolf Arno Streit und Carl Heinz Streit) nicht mitteilen. Vermutlich ist das Foto nach der Eröffnung des Neubaus entstanden.

(Text: Jens Meyer, bearbeitet Mai 2024)

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Apropos Clara Esslen (II)

PDF Apropos Clara Esslen (II)

Apropos Clara Esslen (II)

Da gibt es Vermutungen: Clara Esslen war die Tochter des Schuhmachermeisters Ferdinand Koglin und seiner Ehefrau Louise Koglin (manchmal auch Luise), geb. Betke (auch Bethge), die in der Kantstraße 2 in Berlin wohnten. Nun brauchte es eine Weile, um herauszufinden, um welche Kantstraße in Berlin es sich handelte. Wieder einmal gibt es von den Kantstraßen gleich mehrere: Sieben (1925). Eine in Charlottenburg, eine in Lichtenberg, eine in Lichtenrade, eine in Lichterfelde, eine in Mahlsdorf, eine in Steglitz und eine Neue Kantstraße, die ebenfalls in Charlottenburg ist.

Nach langem Suchen stellte sich heraus, es war die Kantstraße in Lichtenberg. Das Haus gehörte 1908 dem Schuhmachermeister Ferdinand Koglin. Es war ein Mehrfamilienhaus. Ein Haus mit zehn Wohnungen. Die Koglins wohnten im Erdgeschoß. Der Schuhmachermeister Ferdinand Koglin starb 1909.

Im Adressbuch der Firma Scherl ist ab 1910 die Witwe, Luise Koglin, geb. Betke, mit der Abkürzung»Schuhmmstrww.« eingetragen, was vermutlich »Schuhmachermeister Witwe« bedeuten soll.

1918 heiratete die Tochter des Schuhmachermeisters, Clara Koglin, Karl Friedrich Esslen aus Luxemburg, der Teilhaber einer Schuhcremefabrik in Berlin Kreuzberg war, deren Schuhcreme unter dem Namen »Collonil« verkauft wurde. Sie wohnten: »Am Treptower Park 34«. Dort wurde auch ihre Tochter Eva am 3. Juni 1918 geboren, die außer dem Namen Eva noch vier weitere Vornamen (Brunhilde, Klara, Elisabeth, Sieglinde) bekam.

Als ihre Mutter, Luise Koglin, 1918 starb, verkaufte die Erbin, Clara Esslen, geb. Koglin, das Haus an einen Mieter, der dort schon einige Jahre gewohnt hatte: An den Postschaffner A. Rosenberg. Auf Seite 115 des Scherl Adressbuches sind alle neun Mieter von 1918 aufgeführt: Bauchtisch, Borchert, Brünn, Engel, Hartkopf, Kunze, Rosenberg und Schabelski. Ein Maurer, ein Postschaffner, ein Bahnschaffner, zwei Former, zwei Witwen und eine Frau.

»Collonil«, die wasserabweisende Schuhcreme wurde ein Verkaufsschlager und so konnte Karl Friedrich Esslen 1925 zwei Zinshäuser, so wurden sie 1925 genannt, in Berlin Wilmersdorf am Kaiserplatz 11 und Kaiserplatz 12 kaufen. So steht es 1925 im Scherl Adressbuch von Berlin auf Seite 1389. 1925 gibt es in Berlin drei Kaiserplätze. Einen in Wilmersdorf, einen in Lichterfelde und einen in Lichtenrade.

Welche Kaiser dort jeweils gemeint sind, habe ich nicht nachgesehen. Der Kriegsverlierer wird es nicht gewesen sein, so ist meine Vermutung.

Zeichnung Helga Bachmann

Apropos Dammthorhaus – Die Anwälte:

(Zeichen 4.039)

PDF Apropos Die Anwälte aus dem Dammthorhaus

Apropos Dammthorhaus Die Anwälte aus dem Dammthorhaus in der Dammthorstraße 14 in Hamburg. In dem Buch von Dr. Heiko Morisse »Jüdische Rechtsanwälte in Hamburg — Ausgrenzung und Verfolgung im NS-Staat« [erschienen im Christians Verlag Hamburg 2003] [ISBN 3-7672-1418-0] sind einige von Ihnen versammelt, die im Dammthorhaus, Dammthorstrasse 14 in Hamburg, ein Büro hatten: Dazu gehören: Bauer, Otto Herbert Dr., (IV. Etage Mieter von 1933-1936). Geboren am 10. September 1896 in Hamburg. „Auf seiner Geburtsurkunde ist die jüdische Religionszugehörigkeit der Eltern vermerkt.“ schreibt Björn Eggert in seinem Text, der zur Verlegung des Stolpersteines in der Körnerstrasse 3 in Hamburg veröffentlicht wurde. Später konvertierte Dr. Otto Herbert Bauer zum Christentum. Er ließ sich in der evangelischen Petrikirche in Hamburg taufen. Wann diese Taufe stattgefunden hatte, ist nicht überliefert.

Er war »Kriegsfreiwilliger« im Ersten Weltkrieg. Im Januar 1915 wurde er verletzt und im Dezember 1915 wegen einer Lähmung des linken Arms infolge einer Schußverletzung als »vorläufig untauglich« entlassen.

Im Januar 1917 machte Otto Herbert Bauer in Cuxhaven das Abitur. Danach studierte er in München, Heidelberg und Leipzig ― Jura. 1922 promovierte Bauer zum Dr. jur. in Leipzig. Im Juli 1928 erhielt er seine Zulassung als Rechtsanwalt in Hamburg.

Eugen Esslen. Der jüngere Bruder von Karl Friedrich Esslen.

In der Firma von Eugen Esslen, dem zwei Jahre jüngeren Bruder von Karl Friedrich Esslen, wurde ihm 1930 Prokura erteilt. In der Mönckebergstraße 8 hatten der Rechtsanwalt Dr. Otto Herbert Bauer und der Kaufmann Eugen Esslen 1930 ihre Büroräume.

Nach dem Tode von Karl Friedrich Esslen am 16. Juli 1930 wurde Dr. Otto Herbert Bauer zeitweise zum Geschäftsführer von dessen Firma: »Karl Eßlen, Weinkellerei, Trier, Verkaufszentrale Mühlenbeck bei Berlin Gesellschaft mit beschränkter Haftung« ernannt. Von der Witwe Clara Esslen, die diese GmbH geerbt hatte.

Otto Bauer
Dr. Otto Herber Bauer. Foto aus dem Buch von Heiko Morisse, Jüdische Rechtsanwälte in Hamburg, Ausgrenzung und Verfolgung im NS-Staat, S. 117

Mit der Hilfe von Rechtsanwalt Dr. Otto Herbert Bauer wurde der Sitz dieser Firma von Mühlenbeck bei Berlin nach Hamburg verlegt und in „Waterloo Filmtheater GmbH“ umbenannt. 1932 heiratete Otto Herbert Bauer Gertrud Jacob, die aus Berlin stammte.

Bis zum 10. Oktober 1933 war Dr. Otto Herbert Bauer, zusammen mit Manfred Hirschel Geschäftsführer der in „Waterloo Filmtheater GmbH“ umbenannten Weinhandelsfirma. Rechtsanwalt war er von 1928 bis zum seinem Berufsverbot am 30. November 1938. Ein Fundstück: Der Rechtsanwalt Dr. jur. Otto Herbert Bauer, geboren 1896, schrieb in einem Brief an seine Tochter in den USA:

„1000 sollen deportiert werden. Auch wir gehören dazu, obwohl wir doch Christen sind. Einige nehmen sich das Leben. Wohin man mich schicken wird, das weiß niemand. Aber ich danke dem allmächtigen Gott, daß ich die Kraft aufgebracht habe, dich geliebtes Kind, vor diesem Schicksal zu bewahren.“ (Zitiert nach: Hans Jürgen Benedict, Kein Trost, nirgends? Aus dem Artikel: »In der S-Bahn reckten die Leute die Hälse«. Europäische Verlagsanstalt 2022) (ISBN 978-3-86-130-8). Anmerkung: Aus andrer Quelle gibt es eine Tochter von Otto Herbert Bauer mit Namen Ruth Ingrid Bauer. Die ist am 27. Mai 1933 in Hamburg geboren. Die wäre also 1938 erst fünf Jahre alt gewesen. Leider liegt mir das Buch, in dem der Brief zitiert wird, nicht vor. Vermutlich gibt es in dem Buch eine Quellenangabe. Da Otto Herbert Bauer am 10. September 1896 geboren ist, wäre eine ältere Tochter durchaus möglich. Muß man noch mal herausfinden.

1942 wurde Dr. Otto Herbert Bauer verhaftet und im KZ Fuhlsbüttel eingesperrt. Am 27. August 1942 wurde er ins KZ Mauthausen deportiert und am 18. September 1942 dort ermordet.Die Räume im Dammthorhaus, Dammthorstraße 14, 4. Stock, hatte er von 1933 – 1936 gemietet. Behrens, Emil Dr., (Mieter II. Etage im Dammthorhaus) Geboren am 24. November 1859 in Teterow (Mecklenburg, 50 Km südlich von Rostock). Jüdisch. Rechtsanwalt von 1888 bis zum Berufsverbot am 30. November 1938. Am 15. Juli 1942 Deportation nach Theresienstadt. Dort wurde er ermordet. Die Räume im Dammthorhaus, Dammthorstraße 14, im 2. Stock, hatte er von 1914 – 1934 gemietet.

Beith, Eduard Dr., (Mieter II. Etage im Dammthorhaus) Geboren am 24. April 1882 in Hamburg. Jüdisch. 1935 nach England emigriert. Am 27. April 1937 in London gestorben. Die Räume im Dammthorhaus, Dammthorstraße 14, im 2. Stock, hatte er von 1914 – 1934 gemietet.

Levy, Louis Dr., (Mieter II.Etage im Dammthorhaus) Geboren am 20. September 1891 in Hamburg. Jüdisch. Rechtsanwalt seit 1920. Im Juli 1934 nach Palästina emigriert. Am 25. Juni 1971 in Nahariya (Israel) gestorben. Die Räume im Dammthorhaus, Dammthorstraße 14, im 2. Stock, hatte er von 1920 – 1934 gemietet.

Oppenheimer, Albert Bruno Dr., (Mieter II. Etage im Dammthorhaus) Geboren am 27. Dezember 1892 in Hamburg. Jüdisch. Rechtsanwalt von 1921 bis zum Berufsverbot am 30. November 1938. Im August 1941 emigriert in die USA. Gestorben am 4. April 1983 in Chicago. Die Räume im Dammthorhaus, Dammthorstraße 14, im 2. Stock, hatte er von 1921 – 1934 gemietet.

Oppenheimer, Philipp genannt Paul Dr., (Mieter II. Etage im Dammthorhaus) Vater des Rechtsanwaltes Dr. Albert Oppenheimer. Geboren am 21. April 1854 in Hamburg. Jüdisch. Gestorben am 17. November 1937 in Hamburg. Die Räume im Dammthorhaus, Dammthorstraße 14, im 2. Stock, hatte er von 1914 – 1934 gemietet.

Waterloo Theater 25.08.1989
Foto Jens Meyer Hamburg Dammtorstraße 14
Nilpferd
Zeichnung Helga Bachmann

Als die Kinos noch Paläste waren

Leider hat die Taz von diesem Artikel von Otto Meyer, der am Sonnabend, d. 10. Februar 1990 in der Taz Hamburg erschienen ist, nur die Überschrift auf ihre Seite gestellt. Der Text fehlt. Diesem Uebelstand wollte ich schon lange mal abhelfen und habe dies nun getan und zwar ohne jemanden zu fragen, worauf ich aber gar nicht stolz bin: (Seite 28 Kulturmagazin taz Hamburg Samstag, 10. Februar 1990)

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Als die Kinos noch Paläste waren

Am Freitag, den 27. Januar 1933 stirbt im Alter von 45 Jahren an Herzversagen ein Mann, der in Hamburg Kinogeschichte schrieb: Hermann Urich-Sass. Die Stadt hat ihn heute beinahe vergessen. In der Tageszeitung Licht Bild Bühne fand sich damals ein kurzer Nachruf, der mit den Worten endet: „Ein vergängliches Menschenleben ist nicht mehr – aber sein Werk lebt!“

Der Autor irrte. Dafür sorgten die neue Zeit und die neuen Herren, die am Tage der Beerdigung des Toten die Macht übernahmen. Aber noch darf die „Illustrierte Tageszeitung des Films“, wie sich das in Berlin erscheinende Blatt selbst nennt, in der Montagsausgabe vom 30. Januar 1933 über den Mann berichten, der in nur sieben Jahren Norddeutschlands größten Kinokonzern aufgebaut hatte. Mit einem Jahresumsatz von 6 Millionen Reichsmark gehörte die offene Handelsgesellschaft des Hermann Urich-Sass und seines Teilhabers Hugo Streit zu den größten Steuerzahlern der Stadt Hamburg.

„Henschel Film- und Theaterkonzern“ nannte sich das Unternehmen – ein Name mit Tradition. Denn Hermann Urich-Sass und Hugo Streit hatten sich eingeheiratet in eine Familie von Kinobesitzern. Schwiegervater James Henschel gehörte zu den Kinopionieren in Hambrug.

Seit 1908 (1906) betrieb er im Belle-Alliance-Theater (Schulterblatt 115) die „Vorführungen lebender Photographien“. Der 1.100 Quadratmeter große Saal war mit seinen 1.200 Sitzplätzen zeitweise das größte Kino beider Städte Hamburg und Altona. Ebenfalls zur Henschel-Familie gehörte das Lessing-Theater am Gänsemarkt – am selben Ort steht heute der Ufa-Schachtelpalast. Auch das Passage Theater und das –Waterloo-Theater in der Dammtorstraße 14 wurden von James Henschel betrieben.

Die neuen Familienmitglieder hatten das Gewerbe bei der Ufa gelernt. Urich-Sass und Streit waren dort bis 1926 als Direktoren in Norddeutschland angestellt, noch unter Hugenbergs Leitung. Ihr erstes eigenes Kino war die Schauburg am Hauptbahnhof (nach dem Krieg: „Die Barke“).

Der Raum war noch gemietet, doch schon kurz darauf begann der Henschel-Konzern Kinos neu zu bauen, die alle bisherigen Dimensionen weit hinter sich lassen. Im Februar 1927 wird an der Ecke Circusweg/Reeperbahn ein Haus mit 1.556 Sitzplätzen eröffnet. Architekt Carl Winand, Baukosten: etwa 500.000 Reichsmark, Bauzeit 4 Monate. „Ein geräumiger Vorraum führt zur Empfangshalle. Von hier aus ist der Zuschauerraum zu betreten. Breit angelegte Treppen führen zum Ranggeschoß. Notausgänge in genügender Anzahl nach dem Circusweg. Zu beiden Seiten der Bühnenwand ist eine Oskalyd Orgel mit Fernwerk von der Firma Furtwängler und Hammer aus Hannover eingebaut. Die Bühnenwand zeigt vor der Bildfläche einen Raum für Vorspiele“ – so ist in der Festschrift nachzulesen, die 1927 „unseren Besuchern“ überreicht wird.

Ein Jahr später folgen weitere Neubauten: die Schauburg Hammerbrook mit 1.100 Sitzplätzen, die Schauburg Wandsbek mit 1.100 Sitzplätzen, die Schauburg Nord mit 975 Sitzplätzen und die Schauburg Hamm mit 1.520 Sitzplätzen .

Neben den neuen Häusern, die Eigentum des Henschel Konzerns sind, werden weitere Kinos (City-Theater, Burg Theater, Helios Theater in Altona) angemietet und unter dem Markennamen „Schauburg“ weitergeführt. 1933 ist der Henschel-Kozern vor der UFA und der Hirschel-Gruppe mit 12 Filmtheatern, 10.731 Sitzplätzen Hamburgs größter Kinobesitzer.

Nie wieder wird es in der Geschichte der Hansestadt die etwa 50.000 Sitzplätze geben, die Hamburgs Kinos im Jahre 1933 anbieten.

Zum Vergleich: Heute (1990) verfügt die Zwei-Millionen-Stadt nur noch über knapp 20.000 Kino Plätze.

In den Henschel Schauburgen laufen nicht nur die neuen Chaplin-Filme, auch der Hochbaum-Film Brüder , der den Streik der Hafenarbeiter 1897 zeigt, wird hier uraufgeführt; von der Zensur zugelassene Filme aus der Sowjetunion („Russenfilme“) sind ebenfalls zu sehen. Der Regisseur Eisenstein hält am 21. Oktober 1929 in der überfüllten Schauburg am Millerntor einen Vortrag und zeigt zwei Akte aus Panzerkreuzer Potemkin und zwei Akte aus Zehn Tage, die Welt erschütterten .

Aber nicht nur im Programm, auch in der technischen Entwicklung sind die Schauburgen Vorbild. Am 23. Januar 1929 „nachmittags präzis 13 Uhr“ wird am Millerntor zum ersten Mal in Hamburg ein Tonfilm gezeigt: Ich küsse ihre Hand Madam mit Marlene Dietrich und Harry Liedke. Die Tonpassage des Films dauerte allerdings nur zwei Minuten und zwölf Sekunden.

Die Licht-Bild-Bühne lobt nicht nur den Kino-Unternehmer, sondern auch den Menschen Urich-Sass: „Seinem bescheidenen Charakter lag es nicht hervorzutreten und nach außen hin eine Rolle zu spielen. Um so mehr trat sein Können in den Auswirkungen seiner Arbeit in Erscheinung. Streng in der Pflichterfüllung gegen andere und vor allem gegen sich selbst. Der korrekte Hamburger Kaufmann. Voll Ausdauer und Ehrgeiz und voller Vitalität, der er die Verwirklichung seiner Pläne verdankte. Ein Charakter voll Zuverlässigkeit. Ein Mann von untadeliger Gesinnung. Einer, dem Hochschätzung und Sympathien bis über das Grab hinaus bei allen sicher ist, die ihm wie wir in langen Jahren näher treten durften.“

Nach seinem Tode gründen die Erben zusammen mit Hugo Streit die Henschel KG , die die Schauburgen weiterführt. Doch eine weitere Gesellschaft wird 1933 gegründet: die Schauburg Lichtspielbetriebsgesellschaft mit beschränkter Haftung. Sie haftet nur mit 20.000 Reichsmark, ihr Geschäftszweck ist die Pacht von Lichtspieltheatern. 1934 übernimmt diese Gesellschaft elf von zwölf Schauburgen.

In der Reichsprogromnacht werden die ehemaligen Henschel-Kinos von den Nazis demoliert, Joseph Goebbels hatte inzwischen als selbsternannter „Schirmherr des Deutschen Films“ festgelegt, was ein deutscher Film sei:

Deutsche Filme sollen künftig nur von Deutschen hergestellt werden. Deutsch aber ist, wer deutscher Abstammung, deutschen oder artverwandten Blutes ist. Seitdem können allein Filme als deutsche Filme anerkannt werden, die von einer deutschen Gesellschaft in deutschen Ateliers mit deutscher Idee, deutschem Autor, deutschen Komponisten und deutschen Filmschaffenden hergestellt sind. Durch jene Begriffsbestimmung des deutschen Films wird es möglich, in verhältnismäßig kurzer Zeit die jüdischen Einflüsse in der der Produktion, dem Verleihgeschäft wie dem Filmtheaterwesen auszumerzen.“

In diesem Sinne war die Henschel KG nicht mehr deutsch. Ein Nazi-Kinobesitzer aus Kiel treibt die Arisierung voran. (2022 wissen wir, wie der Nazi hiess: Richard Adam)

Auch das Waterloo-Theater entgeht ihr nicht: Dem Kino direkt gegenüber liegt ein Büro der geheimen Staatspolizei.

Hugo Streit und der Sohn von Urich-Sass verlassen das Deutschland der Nazis. Doch die neuen Besitzer haben nicht lange Freude an dem Geschenk des Führers: Nur ein einziges der Kinos hat den Krieg überstanden. Alle anderen fielen den Bomben zum Opfer. Aber auch die heutigen (1990) Hamburger Kinokaufleute denken nicht mehr gerne an diese Zeit zurück. An Hermann Urich-Sass erinnert nur noch ein Gedenkstein auf dem jüdischen Friedhof in Ohlsdorf – gewidmet, so die Inschrift „dem Pionier des Kinos, gestorben am 27. Januar 1933 – im Jahr 5693 der jüdischen Zeitrechnung.“ Otto Meyer

Hermann Urich Sass, geb. am 18. Juni 1887- gest. am 27. Januar 1933. Im Artikel wird das Alter mit 48 Jahren angegeben, das habe ich mal stillschweigend geändert, damit die Verwirrung nachläßt.

Quellen: Licht Bild Bühne, Illustrierte Tageszeitung des Films, Berlin. Hamburg und seine Bauten, Hamburg 1929 Festschrift des Henschel Film- und Theaterkonzerns zur Eröffnung der Schauburg am Millerntore, Februar 1927 Hans Traub: Die Ufa, Berlin 1943 Bericht von Horst Urich-Sass (Sohn von Hermann Urich-Sass, Mexiko 1989 Bericht der Brüder Streit (Söhne von Hugo Streit), Brasilien 1989.

Belle Alliance Schulterblatt 115 vor dem 5. März 1894

Das Foto vom Haus Belle Alliance, Schulterblatt 115, stammt von der Landesbildstelle Hamburg (Belle-Alliance mit Pferdebahn). Daher kommt die Annahme, daß dieses Foto vor dem 5. März 1894 entstanden sein muß. An diesem Tag wurde die Pferdebahn von einer elektrischen Straßenbahn abgelöst. Mit anderen Worten: In dem Haus Belle Alliance war zu jener Zeit noch gar kein Kino.

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Das Foto von der Aussenfassade des Barke Filmtheater mit der Filmankündigung von Theo gegen den Rest der Welt stammt von Roland Scheikowski. Es ist nach dem Start des Filmes am Freitag, den 26. September1980 entstanden. Erst am 8. August 1985 wurden die Filmstarts, die bis dahin immer Freitags stattfanden, auf den Donnerstag vorverlegt.

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PDF Magisterarbeit von Jan Pätjer Johannsen: Arisierungen von Kinos in Hamburg

PDF Magisterarbeit von Jan Pätjer Johannsen

PDF Die Fehler der Magisterarbeit

Tier
Zeichnung Helga Bachmann