(Zeichen 31.972) Falschheiten: Vorname Fritz! Abschrift: David Stewart Hull, Berkely USA, veröffentlicht in der Zeitschrift »Film« Heft 3 im August / »September 1963. Herausgegeben von Hans Dieter Roos und Werner Schwier. Es handelt sich dabei um eine Übersetzung des Artikels, der vom Autor David Stewart Hull (auch David Stuart Hull) durchgesehen und von der Redaktion der Zeitschrift »Film« gekürzt wurde. Der Aufsatz ist zuerst in der Zeitschrift „Film Quarterly“ im Sommer 1961 abgedruckt worden.„Abschrift eines Textes von David Stewart Hull (1961)“ weiterlesen
Neulich erhielt ich Post von meinem Freund, dem Rechtsanwalt. Er hatte mal wieder telefonischen Kontakt mit der freundlichen Dame vom Grundbuchamt. Aber, leider, leider, die entsprechenden Blätter aus dem Grundbuch sind nicht auffindbar. Zufällig handelt es sich um zwei Grundstücke, auf denen früher Kinos standen. Heute sind es die so genannten Sahnegrundstücke der Hamburger Innenstadt: Dammtorstrasse 14 und Gänsemarkt 43. Die Kinos hiessen Waterloo Theater und Lessing Theater und es wird behauptet, daß sowohl die Grundstücke, als auch die Kinos die darauf standen, den Kinobesitzern selber gehörten.
Nur beweisen kann man es nicht, solange die entsprechenden Grundbuchblätter fehlen. Dagegen sind die Grundbuchblätter ab 1938 für die entsprechenden Grundstücke vorhanden. Aber auch die sind nicht jedermann zugänglich. Der Datenschutz, versteht sich. Das war nicht immer so. Bis 1970 waren die Grundbesitzer in den Adressbüchern abgedruckt. Merkwürdig, wie sie und warum daraus verschwunden sind. Da heißt es entsprechende Vollmachten zu besorgen und wer kann sich schon Vollmachten besorgen von Menschen, die von deutschen Bürgern umgebracht wurden?
Und genau da beginnt die Sache mit der Geschichte der Hamburger Kinos schwierig zu werden. Inzwischen sind seit jener Zeit zwei Generationen vergangen. Die Opfer sind tot, die damaligen Täter, die ihren Kindern eingeredet hatten, dass Sie ein Opfer ihrer Zeit waren und keineswegs Täter, und auch die Kinder, die ihrerseits zur Legendenbildung beigetragen haben, ihre Väter hätten das enteignete Eigentum rechtmäßig erworben, sind inzwischen verstorben. So ist ein nüchterner Blick auf die Hamburger Kinogeschichte heute eher möglich, als noch vor zwanzig Jahren, als ich mit den Recherchen zur Geschichte der Hamburger Schauburg Kinos begonnen habe.
Der Eigentümer, so behaupte ich, der Grundstücke Gänsemarkt 48, Büschstrasse 1, belegen im Grundbuch Neustadt Nord, Band XVI, Blatt 776, Flurbuch Nr. 818 , Grösse 270 qm und Gänsemarkt 46 und Büschstrasse 2, belegen im Grundbuch Neustadt Nord XVII, Blatt 818, Flurbuch Nr. 861, war Jeremias genannt James Henschel, geboren in Hamburg, am 5. Februar 1863, Staatsangehögikeit: deutsch, Religion: jüdisch, verheiratet mit Friderike Henschel, geb. Blumenthal, drei Kinder. James Henschel ist von Beruf Kaufmann. Im August 1938 flüchtet das Ehepaar zu Ihrer Tochter Bianca nach Holland, die sich dort mit einem portugiesischem Konsul verheiratet hat und seit dem Bianca Kahn heisst.
Ein Jahr später – am 26. August 1939 – stirbt Jeremias Henschel im Exil in Scheveningen/Holland. (Wohnanschrift von James und Frida Henschel bei ihrer Tochter Bianca Kahn und Dr. Isidor Kahn, Scheveningen, Kapelplein 7 am 8. September 1939) Am 13. Juni 1939 beantragt der Oberfinanzpräsident Hamburg bei der GESTAPO die Ausbürgerung von Jeremias Henschel. Im Monat darauf am 7. Juli 1939 beantragt die GESTAPO Hamburg bei der GESTAPO Berlin die Ausbürgerung von Friederike Henschel, geb. Blumenthal. Am 16. September 1939 ist die Bekanntmachung der Ausbürgerung von Jeremias Henschel und Friderike Henschel durch den Reichsminister sowie sofortiger Beschlagnahmung des gesamten Vermögens. Wer sich auf die Suche nach den Kinoeigentümern macht, denen die Kinos früher – vor 1933 – gehört haben, hat es nicht leicht. Die Spuren sind gründlich verwischt, die Quellen werden gehütet. So werden die nicht auffindbaren Seiten der Grundbücher zum Hüter der verlorenen Schätze und haben damit fast Kinoqualität. Jens Meyer 9. Dezember 2004
John Hansen: Vor fünfundzwanzig Jahren Hamburg im August (1930)
Im Herbst 1906 wurde ich vom Militär entlassen und eröffnete am 25. Dezember 1906 mit meinem Vater Albert Hansen zusammen auf unserem Grundstück unser Hansen-Kino, Altona, Schulterblatt 49.
Das Theater wurde unter den Klängen eines elektrischen Pianos eröffnet. Es war damals natürlich schwer, einen geübten Vorführer zu bekommen, d. h. ein mir empfohlener Vorführer verstand vom Vorführen nur etwas mehr als ich – und ich selber hatte gar keine Ahnung. Wir mußten uns die Sache daher selbst ausklügeln. Es kam natürlich auch bei den ersten Vorführungen vor, daß hin und wieder mal ein Film über Kopf oder in Spiegelschrift eingesetzt wurde. Auch das Filmkleben machte zuerst große Schwierigkeiten, aber durch die Pannen wird man klug und so eignete ich mir von der Pike auf die technischen Kenntnisse an. Ich habe später auch viele wissenschaftliche oder Reisevorführungen, wie zum Beispiel Shackleton, Swen Hedin usw. in Sälen zeigen können. Mein Vater war lange Jahre erster Vorsitzender des Hamburger Kinobesitzervereins. Auch unternahm er viele Agitationsreisen, um die Kinobesitzer in ganz Deutschland zusammenzuschließen. Die Filmbeschaffung war zu Anfang sehr schwer, da es sehr wenige Filmfabrikanten gab. Zuerst kauften wir einige 1000 Meter und jeden Tag wurde das Programm etwas anders zusammengestellt; es kehrten natürlich immer dieselben Bilder wieder. Ich habe dann, um Neuheiten zu beschaffen, mit einigen anderen Kollegen meine Filme ausgetauscht. Auch das war auf die Dauer unhaltbar und so fuhren wir schließlich nach Berlin und schlossen mit der Firma Greenbaum wöchentlich ein Programm von ca. 1500 Meter, also 8 – 10 Filme ab. Zuerst ging es sehr gut, und wir waren doch die ersten, die überhaupt wöchentlich wechselten. Bald jedoch war das Lager erschöpft und wir bekamen immer wieder dieselben Filme. So gründete ich daraufhin einen Ring von norddeutschen Kinobesitzern und übernahm den Vorsitz und den Einkauf der Programme. Es wurde jede Woche ein Programm von ca. 1500 Meter gekauft, das der Reihenfolge nach von den Mitgiledern (Mitgliedern?) gespielt wurde. Hernach hatten wir noch Theater, die von uns mieteten. Da das Verlangen nach Neuheiten größer wurde, führte ich den zweimaligen Programmwechsel ein. Dieser Ring wurde später dann durch die Fabrikantenvereinigung aufgehoben, da sie nur noch an Verleiher liefern wollten. Ich habe später nochmals einen großen Teil der Hamburger Theaterbesitzer zu einem Hansen-Ring vereinigt, bei dem wir gemeinsam unsere Filme für eine bestimmte Wochenzahl abschlossen. Dieser Ring wurde während des Krieges * aufgelöst. In Hamburg haben wir übrigens einen Kegelklub “Flimmerfritzen“ gegründet, der nur aus Kinobesitzern besteht und dessen Vorsitzender ich bin.
J o h n H a n s e n, P r o g r e ß – F i l m
*Es handelt sich vermutlich um den ersten Weltkrieg.
Eintrag im Altonaer Adressbuch von 1910: Hansen, Alb., Theater lebender Photographien, Schulterblatt 49. (Aus einem späteren Eintrag geht hervor (E), dass Albert Hansen Eigentümer des Grundstücks ist. 1930 ist Willy Heidtmann als Mitbesitzer des Grundstückes eingetragen.
Norddeutschland Am 23. November 1937 findet sich in der LBB folgende Meldung:
„Nr. 45. Eintragungen im H a n d e l s r e g i s t e r A l t o n a. 12. November 1937. Erloschen : A 2721: Hansen-Kino John Hansen und Willy Heidtmann in Altona (Schulterblatt 49). Die Gesellschaft ist aufgelöst. Die Firma ist erloschen.“
Wird Wanda während der Dreharbeiten tatsächlich verspeist?
Berlinale 2020 (70) In Deutsch, und Suchmaschinenübersetzung Englisch, Portugal.
Ist der goldene Bär aus Gold und der silberne Bär aus Silber? Nein. Natürlich nicht. Nein, einen silbernen Bären gab es dieses Jahr nicht. Braune Bären gehören in den Wald und nicht in die Öffentlichkeit. Kein Alfred Bauer Preis. Es hat viel geregnet und ich habe theoretisch jeden Tag vier Filme gesehen, also 4 x 8 Filme = 32 Filme. Praktisch waren es natürlich viel weniger Filme. Manchmal habe ich im Zoo Palast (im großen Saal 1) dort gesessen, wo der Ausgang nur zwei Meter vom Sitzplatz im Kino entfernt ist (J 1). Im Zoopalast Reihe J von der Leinwand aus gesehen links, was natürlich in Fahrtrichtung rechts ist. Der beste Film der Berlinale war aus meiner Sicht „Gunda“ ein Film von einem Norweger gemacht (Victor Kossakovsky) (In der Reihe Encounters, was der Google Übersetzer mit = >Begegnungen< ins Deutsche übersetzt). Mit anderen Worten, Ihnen ist nichts eingefallen, welchen sinnvollen Namen eine neue Kategorie nun haben kann. “Gunda“ ist eine Langzeitbeobachtung eines weiblichen Schweines. (Neun Monate). Ohne Menschensprache, nur mit den Geräuschen, den die Tiere so machen (Das fühlt sich fast so an, wie eine mir fremde Menschensprache). Der Film handelt von Gunda und ihren Kindern, bis diese acht Monate alt sind und abgeholt werden und die Mutter verzweifelt den Hof nach ihnen absucht, weil sie nicht versteht, was da nun passiert ist.
Hinterher war ich allerdings Currywurst (Bei Curry 36 am Zoo Bahnhof) essen und hatte ein bisschen schlechtes Gewissen, obwohl der Macher des norwegischen Films nach dem Film hinterher immerhin erzählt hatte, dass Gunda nicht geschlachtet wurde, sondern achtunddreissig Jahre alt geworden, aber inzwischen verstorben ist.
In der gleichen Reihe (Encounters = Begegnungen) der Berlinale gab es auch eine Begegnung, die ich rückblickend doch gerne vermieden hätte. „Malmkrog“ (von Christi Puiu). Geschwätzig bis zum gehtnichtmehr, vollgestopft mit Belanglosigkeiten, unterhalten sich angeblich Adlige ueber des Leben, die Revolution und was weiss ich nicht, bis endlich die Diener, die Reissleine ziehen und nicht mehr auf ihre Glockentöne hören; die Sache zu einem Ende bringen, was ich jedoch nicht mehr erleben wollte, weil der Ausgang nur 2,00 m entfernt von meinem Sitzplatz war. Als dann der Pulverdampf der Pseudo Pistolen im Bild zu sehen war, habe ich gedacht, na endlich, das hätten sie doch gleich nach 10 Minuten machen können!
Aber so ist das, wenn man auf den Aufstand, auf die Revolution immer wartet, im Kino wartet.
Am Freitag gabs dann im Zoo Palast 1 von Charles Crichton, A FISH CALLED WANDA und das Vergnügen war ganz auf meiner Seite und dann auch mal wichtig. Das Vergnügen, auf der großen Leinwand des Zoopalastes zu überprüfen, ob der Fisch namens Wanda eigentlich im Film tatsächlich verspeist wird. Ich behaupte mal, nach neuerlicher Besichtigung dieses Filmes, dass nein. Denn die Reste des Fisches, die der Erpresser (zwei mal) im Mund hat, haben nicht die richtige Farbe.
Obwohl andrerseits Wanda (der Fisch) im Aquarium danach auch nicht mehr zu sehen ist. Das werden wir wohl nie erfahren, wenn nicht jemand aus der Filmgeschichte mal ins Quatschen kommt. Am Sonnabend dann schnell mal zu Helgard Gammert ins Bali Kino nach Zehlendorf. Das Kino ist direkt am S – Bahnhof Zehlendorf und aus vielen Gründen immer eine Reise wert. Ein Grund davon ist die lange Geschichte dieses Kinos. Dort gab es um 16.00 Uhr einen Kinderfilm, von einem, bei dem man sich nicht mehr beschweren kann, bei Joseph Vilsmaier, der am 11. Februar 2020 gestorben ist. Man müsste eigentlich, weil es Joseph Vilsmaier in der Neuverfilmung >Charly und Louise< von 1994 (es gab schon mal 1950 ein doppeltes Lottchen) gelingt, vom Hamburger Hauptbahnhof bis nach Schottland in einem Zug zu gelangen. (ohne Unterbrechung). (Nix mit Nordsee oder Fähre oder was). Nur die Lokomotive wird gewechselt. Denn die Schotten haben noch Dampflokomotiven, die sie für Filmaufnahmen gerne mal vor den Zug spannen. Den Kindern hats jedenfalls gefallen. Nur die Mädchen haben gequietscht, als auf der Leinwand das Knutschen anfing. In dieser Hinsicht ist doch vieles gleich geblieben. Jens Meyer
Ich wiederhole: „Film bedeutet nicht nur ständige Bewegung, sondern auch Weiterentwicklung, Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, Anpassung an die Gegenwart und Vorahnung einer menschlichen und technischen Entwicklung der Zukunft.“ (Hervorhebungen von mir).
Wikipedia schreibt:
“Bereits 1973 – also noch in der Amtszeit Bauers – wies der Filmhistoriker Wolfgang Becker (1943–2012) darauf hin, dass Alfred Bauer in der Reichsfilmintendanz gewirkt hat und dort einer ihrer beiden Referenten war. Auf diese enge Verstrickung mit der Reichsfilmintendanz und damit zum NS-Propagandaapparat machten auch Hans Christoph Blumenberg (1993), Felix Moeller (1998) und Tereza Dvořáková und Ivan Klimeš (2008) aufmerksam, ohne dass es zu Reaktionen der deutschen oder internationalen Presse gekommen wäre.“
Aus dem Buch: Zur politischen Ökonomie des NS-Films von Wolfgang Becker, Berlin, Verlag Volker Spiess 1973: Seite 199 “ . . . Allgemeiner Stellvertreter des Reichsfilmintendanten war Dr. Walther Müller-Goerne, Referent in der Reichsfilmkammer bis zu seiner Ernennung. Ihm war die Regelung des gesamten Geschäftsganges übertragen: Besetzungsfragen, Vertragsabschlüsse, Einsatzkontrolle, Filmgestaltung usw.. Unterstützt wurde Müller-Goerne hierbei von Dr. Alfred Bauer, der ebenfalls Filmkammer-Referent (Fachschaft Film) war. Siehe: 539)
[Anmerkung 539: Die Beurteilung der Partei-Kanzlei lautete: “Eifriger SA-Mann (BDC-PKC Akte Bauer). Bauer selbst sprach von einem nachweislich erzwungenen Partei-Eintritt“ (Vgl. die Rechtfertigungsschrift Bauers:“Wie entstand ein Film im Nazi-Deutschland“ vom August 1945, die allerdings wenig informativ ist, da sie lediglich den Leistungssteigerungserlaß wiedergibt; Ufi-Ffm 21/088)]
Is Wanda actually eaten while filming? Is the golden bear made of gold and the silver bear made of silver? No. Of course not. No, there was no silver bear this year. Brown bears belong in the forest and not in public. No Alfred Bauer price. It rained a lot and I theoretically watched four films every day, so 4 x 8 films = 32 films. In practice, of course, there were far fewer films. Sometimes I sat in the Zoo Palast (in the large hall 1) where the exit is only two meters from the seat in the cinema. In the Zoo Palace row J seen from the screen on the left, which is of course on the right in the direction of travel. The best film at the Berlinale was, in my view, „Gunda“ a film made by a Norwegian (Victor Kossakovsky) (in the Encounters series, which the Google translator translated => Encounters <into German). In other words, you couldn’t think of what meaningful name a new category can now have. „Gunda“ is a long-term observation of a female pig. (Nine months). Without human language, only with the sounds that the animals make (it almost feels like a foreign language to me). The film is about Gunda and her children until they are eight months old and are picked up and the mother desperately searches the yard for them because she does not understand what has happened there. Afterwards, however, I was eating currywurst (at Curry 36 at the Zoo Is Wanda actually eaten while filming? Bahnhof) and had a bit of a guilty conscience, although afterwards the maker of the Norwegian film had said after the film that Gunda had not been slaughtered, but had turned thirty-eight, but had since died is. In the same series (Encounters = Encounters) of the Berlinale there was also an encounter that I would have liked to have avoided in retrospect. „Malmkrog“ (by Christi Puiu). Gossiping to the point of no more, stuffed with trivialities, allegedly nobles talk about life, the revolution and what I don’t know until finally the servants pull the rip cord and no longer listen to their bells; to bring this to an end, which I didn’t want to experience anymore because the exit was only 2.00 m away from my seat. When the powder vapor of the pseudo pistols was shown in the picture, I thought, finally, they could have done it after 10 minutes! But that’s how it is when you wait for the uprising, for the revolution, in the cinema. On Friday there was Charles Fricht CALLED WANDA at Zoo Palast 1 and the pleasure was completely on my side and then important. The pleasure of checking on the big screen of the Zoo Palace whether the fish named Wanda is actually eaten in the film. I would say after a second view of this film that no. Because the remains of the fish that the blackmailer has (twice) in the mouth are not the right color. On the other hand, Wanda (the fish) is no longer visible in the aquariumIs Wanda actually eaten while filming? afterwards. We will probably never know that unless someone from film history comes to chat. On Saturday then quickly to Helgard Gammert in the Bali cinema in Zehlendorf. The cinema is right at Zehlendorf S – Bahn station and for many reasons always worth a visit. One reason is the long history of this cinema. There was a children’s film there at 4:00 p.m., by someone you couldn’t complain about, with Joseph Vilsmaier, who died on February 11, 2020. One would actually have to, because Joseph Vilsmaier in the remake >Charly and Louise< from 1994 (there was already a double Lottchen in 1950) manages to get from Hamburg Central Station to Scotland in one train. (without interruption). (Nothing with the North Sea or ferry or what). Only the locomotive is changed. Because the Scots still have steam locomotives that they like to put in front of the train for filming. The children liked it anyway. Only the girls squeaked when the smooch started on the canvas. In this regard, much has remained the same. Jens Meyer Wikipedia writes:Is Wanda actually eaten while filming?
“As early as 1973 – still during Bauer’s term in office – the film historian Wolfgang Becker (1943–2012) pointed out that Alfred Bauer had worked in the Reich Film Directorate and was one of her two speakers there. Hans Christoph Blumenberg (1993), Felix Moeller (1998) and Tereza Dvořáková and Ivan Klimeš (2008) also drew attention to this close entanglement with the Reich Film Directorate and thus to the Nazi propaganda apparatus, without reactions from the German or international press . „
From the book: On the political economy of Nazi films by Wolfgang Becker, Berlin, Volker Spiess 1973: page 199 “. , The general representative of the Reich Film Director was Dr. Walther Müller-Goerne, speaker in the Reichsfilmkammer up to s
Wanda é realmente comida durante as filmagens? O urso de ouro é feito de ouro e o urso de prata é feito de prata? Não. Claro que não. Não, não havia urso de prata este ano. Os ursos pardos pertencem à floresta e não ao público. Nenhum preço de Alfred Bauer. Choveu muito e eu teoricamente assisti quatro filmes todos os dias, então filmes de 4 x 8 = 32 filmes. Na prática, é claro, havia muito menos filmes. Às vezes, eu me sentava no Zoo Palast (no grande salão 1), onde a saída fica a apenas dois metros do assento no cinema. Na fila do Zoo Palace, J vista da tela à esquerda, que obviamente está à direita na direção da viagem. O melhor filme da Berlinale foi, na minha opinião, „Gunda“, filme de norueguês (Victor Kossakovsky) (na série Encounters, que o tradutor do Google traduziu => Encounters <para o alemão). Em outras palavras, você não conseguia pensar em que nome significativo uma nova categoria pode ter agora. „Gunda“ é uma observação de longo prazo de uma fêmea. (Nove meses). Sem linguagem humana, apenas com os sons que os animais produzem (quase me parece uma língua estrangeira). O filme é sobre Gunda e seus filhos até os oito meses de idade e são apanhados, e a mãe procura desesperadamente no quintal por eles, porque ela não entende o que aconteceu lá. Depois, no entanto, eu estava comendo currywurst (no Curry 36, no zoológico Bahnhof) e tinha um pouco de consciência culpada, embora depois o produtor do filme norueguês tenha dito depois do filme que Gunda não havia sido abatida, mas tinha trinta e oito anos, mas já havia morrido. é. Na mesma série (Encontros = Encontros) da Berlinale, houve também um encontro que eu gostaria de ter evitado em retrospecto. „Malmkrog“ (de Christi Puiu). Fofocando ao ponto de não mais, recheado de trivialidades, supostamente nobres falam sobre a vida, a revolução e o que eu não sei até que finalmente os servos puxem o cordão e não escutem mais os sinos; para terminar isso, o que eu não queria mais experimentar, porque a saída estava a apenas 2,00 m do meu assento. Quando o vapor de pó das pseudo pistolas foi mostrado na foto, pensei: finalmente, eles poderiam ter feito isso após 10 minutos! Mas é assim que se espera a revolta, a revolução, no cinema. Na sexta-feira, havia Charles Fricht CHAMADO WANDA no Zoo Palast 1 e o prazer estava completamente do meu lado e depois importante. O prazer de verificar na tela grande do Zoo Palace se o peixe chamado Wanda é realmente comido no filme. Eu diria depois de uma segunda visão deste filme que não. Porque os restos do peixe que o chantagista tem (duas vezes) na boca não são da cor certa. Por outro lado, Wanda (o peixe) não é mais visível no aquário posteriormente. Provavelmente nunca saberemos isso, a menos que alguém da história do cinema venha conversar. No sábado, em seguida, rapidamente para Helgard Gammert no cinema de Bali em Zehlendorf. O cinema fica na estação Hof Zehlendorf S – Bahn e, por muitas razões, sempre vale a pena uma visita. Uma razão é a longa história deste cinema. Havia um filme infantil lá às 16:00, de alguém que você não podia reclamar, com Joseph Vilsmaier, que morreu em 11 de fevereiro de 2020. Na Is Wanda actually eaten while filming? verdade, seria necessário, porque Joseph Vilsmaier no remake> Charly e Louise <de 1994 (já havia um Lottchen duplo em 1950) consegue ir da Estação Central de Hamburgo à Escócia em um trem. (sem interrupção). (Nada com o Mar do Norte ou balsa ou o quê). Somente a locomotiva é trocada. Porque os escoceses ainda têm locomotivas a vapor que gostam de colocar na frente do trem para filmar. As crianças gostaram de qualquer maneira. Somente as meninas chiaram quando o beijo começou na tela. Nesse sentido, muito permaneceu o mesmo. Jens Meyer A Wikipedia escreve: “Já em 1973 – ainda durante o mandato de Bauer – o historiador do cinema Wolfgang Becker (1943–2012) apontou que Alfred Bauer havia trabalhado na Diretoria de Cinema do Reich e era um de seus dois oradores lá. Hans Christoph Blumenberg (1993), Felix Moeller (1998) e Tereza Dvořáková e Ivan Klimeš (2008) também chamaram a atenção para esse envolvimento próximo com a Diretoria de Cinema do Reich e, portanto, com o aparato de propaganda nazista, sem que a imprensa alemã ou internacional reagisse. „.
Do livro: Sobre a economia política dos filmes nazistas de Wolfgang Becker, Berlim, Volker Spiess 1973: página 199 “. , O representante geral do diretor de cinema do Reich foi o Dr. Walther Müller-Goerne, orador do Reichsfilmkammer até s
Nach einer Reise durch Norwegen, Schweden und Dänemark, versuche ich mich in die Rolle eines Touristen im Heimatort Hamburg hinein zu finden. Auf der Rückfahrt von Åarhus sitze ich in einem deutschen Interregio seit Fredericia. Dänisches Zugpersonal. Die Ansagen erfolgen auf Dänisch, Deutsch und Englisch. Engländer gibt es kaum im Zug, Deutsche auch wenig, die meisten Reisenden sind Dänen.
Kurz nach der Grenze (Flensburg) meldet sich der >deutsche Zugchef<, wie er sich nennt, und seine Ansage erfolgt nur auf Deutsch. Kein Dänisch, kein Englisch, obwohl der Zug aus Fredericia kommt. In Hamburg Hbf angekommen, versuche ich das, was ich in Oslo, Bergen, Trondheim, Narvik, Kiruna, Stockholm und Åarhus versucht habe. Der Sprache unkundig, nur mit Hilfe von Hinweisschildern eine Unterkunft zu finden. Oder Touristeninformation. Überall in den Orten, die ich besucht hatte, war das ganz einfach.
Überall fand ich in den Bahnhöfen diese Hinweisschilder. Sogar in Narvik, wo täglich nur zwei Züge ankommen. Da gibt es diese Touristenhinweise. Auf dem Hamburger Hauptbahnhof nicht. Ich irre herum. Ein Schild der Information stellt sich nach langem Suchen als Fahrkartenschalteraufsteller der deutschen Bahn heraus, die zu diesem Zeitpunkt, es ist Sonntag d. 5. September (1999) kurz nach 13.00 Uhr, hoffnungslos überfüllt ist.
Nirgends kann man eine Wartenummer ziehen und die Leute stellen sich offensichtlich nach gut Glück in irgendeine Schlange. Gottseidank bin ich hier zu Hause und weiß, dass die Bahn keine Informationen über Hotelzimmer gibt. Höchstens – und auch da bin mir nicht sicher – für die Bahn eigenen Hotels in den anderen Städten. Als Einheimischer weiß ich jedoch, wo ich suchen muss: In der Wandelhalle. Und da ist sie dann auch die Touristeninformation.
Zwanzig Minuten habe ich gesucht. Es ist Sonntag 13.30 Uhr. Drei Schalter sind besetzt. Ein rotes Schild über jedem Schalter weist die Einheimischen darauf hin, dass hier “Keine HVV Informationen zu erhalten sind“. Die Schilder sind auf deutsch da. Im Ernst wird ja auch kein Tourist Ahnung davon haben können, was das denn bitte sein soll, ein HVV? Aber ich will ja eine Hotelinformation. In jeder besuchten Stadt Skandinaviens lag ein kleiner abreißbarer Sonderdruck der jeweiligen Stadt. Aber hier liegt nichts, gar nichts. Die Dame am Schalter ist freundlich. Ich äußere meinen Wunsch nach einem Einzelzimmer für eine Nacht. In jeder Stadt in Skandinavien wurde ich gefragt, was meine Wünsche seien, mit Dusche, mehr im Zentrum, mehr dies mehr das. Kleine, fotokopierte, Listen wurden mir vorgelegt, auf denen infrage kommenden Hotels mit ihrer Preiskategorie standen. In Hamburg gibts das nicht.
In Hamburg antwortet die freundliche Dame am Schalter nur, das kann ich ihnen buchen. Stolz schaut sie auf ihren Bildschirm und will jetzt buchen. Ich frage nach den Preisen. Es gibt preisgünstige Last Minute Angebote, ist ihre Antwort. Dann sieht sie ein wenig abfällig an mir herunter, nach einer dreiwöchigen Reise sieht man nicht mehr so ganz propper aus, wie am Anfang und macht schon mal ein paar Komfort Abstriche. Ob es denn mit einer Dusche sein muss? Nein, muss nicht. Das billigste, was sie hat, ohne Dusche und Klo kostet 68,00 DM die Nacht. Sie ist wild entschlossen für mich zu buchen. Ohne auch nur den Namen oder die Lage des Hotels zu nennen.
Und ich habe ja mein Bett zu Haus und murmele, vor so viel wilder Entschlossenheit, dass ich gleich wieder käme, weil ich das noch mit meinen Kollegen besprechen müsse. Und steige anschließend in die S-Bahn und freue mich, dass ich in Hamburg kein Tourist bin. Das wäre viel schwerer, als es in Oslo, Bergen, Trondheim, Narvik, Kiruna, Frederikshavn und Åarhus als Tourist war.
Ich gebe zu, die Reise liegt schon ein wenig zurück. Es war am 5. September 1999. Aber ich würde jede Wette annehmen, dass es im Hamburger Hauptbahnhof nicht besser geworden ist.
1.
Von
der Sozialdemokratie zum Nationalsozialismus
Die Aufgabe, um die es seit den letzten Monaten und auch über die augenblickliche Zuspitzung hinaus geht, ist die Rekonsolidierung des bürgerlichen Regimes in Deutschland. Die jetzige Regierung von Papen bedeutet diese Rekonsolidierung noch nicht, obwohl sie selbst es behauptet und obwohl diese Behauptung taktisch richtig und die unerläßliche Fiktion ist, um eine vollgültige Regierungstätigkeit aufrechtzuerhalten. Brächte und enthielte die jetzige Regierung wirklich schon die geforderte Rekonsolidierung, so müßte sie statt zur Neuwahl vielmehr zur völligen Suspension des Reichstags genügend mächtig sein und dürfte nicht befürchten müssen, mit einem solchen Gewaltcoup den Bogen zum Brechen zu bringen. Folglich ist die Regierung abhängig von noch nicht gebändigten, noch nicht in sie einbezogenen Kräften, und die Rekonsolidierung steht mithin in Deutschland zur Zeit noch aus.
Es
ist aber nicht die erste, die im Nachkriegsdeutschland geleistet
würde. Es ist gar kein Zweifel, daß nach den alles in Frage
stellenden Einbrüchen der Revolutions- und Inflationsjahre die
Weimarer Koalition mit der erfolgreichen Durchführung ihres
>großen Wirtschaftsprogramms<, der Stabilisierung von 1923/24,
und gemessen an der Lagerung der Kräfte, die damals gebändigt
werden mußten, durchaus eine Rekonsolidierung des bürgerlichen
Regimes darstellte. Sie hat, politisch gesehen, gehalten bis zum
neuerlichen Kriseneinbruch von 1930. Der allerdings erwies sie als
bloß scheinbare und fehlerhafte Rekonsolidierung und bewirkte im
weiteren Verlauf ihre Auflösung und Sprengung, wie aber auch der
Kriseneinbruch 1918/19, schon das kaiserliche System der Kriegszeit
eingerissen und aufgelöst hatte. Die Geschichte der deutschen
Nachkriegszeit enthält also Vorgänge, die der heutigen Problemlage
dynamisch verwandt sind und aus deren aufmerksamer
Vergleichung sich für die Gegenwartsaufgaben Schlüsse ziehen
lassen. Die Parallelität geht in der Tat erstaunlich weit.
Die
damalige Sozialdemokratie und der heutige Nationalsozialismus sind
sich darin funktionell gleich, daß sie beide die Totengräber
des (Seite 18) vorhergegangenen Systems waren und alsdann die von
ihnen geführten Massen statt zu der proklamierten Revolution zur
Neuformung der bürgerlichen Herrschaft lenkten.
Der
oft gezogene Vergleich zwischen Hitler und Ebert hat in dieser
Hinsicht Gültigkeit. Zwischen den Strömen, die sie >wach<
riefen, besteht die weitere strukturelle Verwandtschaft,
daß beides Volksbewegungen waren — man
hat dies von der Sozialdemokratischen Hochflut von 1918/19 nur
vergessen —, daß beide mit dem Appell
an antikapitalistische Befreiungssehnsüchte die Verwirklichung einer
neuen — >sozialen< bzw.
>nationalen< — Volksgemeinschaft
versprachen, daß weiter die soziale Zusammensetzung ihrer
Anhängerschaft sich in den Massen des Kleinbürgertums, ja sogar
vielfach darüber hinaus, völlig deckt, und daß endlich ihr
geistiger Charakter sich durch eine durchaus verwandte Verworrenheit
und ebenso schwärmerisch-gläubige wie kurzfristige Gefolgstreue
auszeichnet.
Die
Feststellung dieses Parallelismus ist keineDiffamierung
der nationalsozialistischen Idee, sie betrifft überhaupt nicht
Ideen, sondern gilt der rein analytischen Erkenntnis von Funktion und
Bedeutung zweier Massenbewegungen, die im gleichen sozialen Raum in
zwei geschichtlich homologen (*) Augenblicken eine analoge politische
Rolle gespielt haben bzw. noch spielen. Der Parallelismus selbst
besagt, daß der Nationalsozialismus die Sozialdemokratie in der
Aufgabe abzulösen hätte, den Massenstützpunkt für die
Herrschaft des Bürgertums in Deutschland darzubieten. Dies
enthält zugleich, zu seinem Teil, die genauere Problemstellung zur
gegenwärtig gebotenen Rekonsolidierung dieser Herrschaft. Ist der
Nationalsozialismus fähig, diese Funktion der Stütze anstelle der
Sozialdemokratie zu übernehmen, und auf welche Weise könnte dies
geschehen?
Das
Problem der Konsoliderung des bürgerlichen Regimes im
Nachkriegsdeutschland ist allgemein durch die Tatsache bestimmt, daß
das führende, nämlich über die Wirtschaft verfügende Bürgertum
zu schmal geworden ist, um seine Herrschaft allein zu
tragen. Es bedarf für diese Herrschaft, falls es sich nicht der
höchst gefährlichen Waffe der rein militärischen Gewaltausübung
anvertrauen will, der Bindung von Schichten an sich, die sozial nicht
zu ihm gehören, die ihm aber den unentbehrlichen Dienst leisten,
seine Herrschaft im Volk zu verankern und dadurch deren eigentlicher
oder letzter Träger zu sein. Dieser letzte oder >Grenzträger<
der bürgerlichen Herrschaft war in der ersten Periode der
Nachkriegskonsolidierung die Sozialdemokratie.
Sie
brachte zu dieser Aufgabe eine Eigenschaft mit, die dem
Nationalsozialismus fehlt, wenigstens bisher noch fehlt. Wohl war
auch der Novembersozialismus eine ideologische Massenflut und eine
Bewegung, aber (Seite 19)
er
war nicht nur das, denn hinter ihm stand die Macht der organisierten
Arbeiterschaft, die soziale Macht der Gewerkschaften. Jene Flut
konnte sich verlaufen, der ideologische Ansturm zerbrechen, die
Bewegung verebben, die Gewerkschaften aber blieben und mit ihnen oder
richtiger kraft ihrer auch die sozialdemokratische Partei.
Der
Nationalsozialismus aber ist vorerst noch immer nur die Bewegung,
bloßer Ansturm, Vormarsch und Ideologie. Bricht diese Wand zusammen,
so stößt man dahinter ins Leere.
Denn
indem er alle Schichten und Gruppen umfaßt, ist er mit keiner
identisch, ist er in keinem dauernden Glied des Gesellschaftsbaus
soziologisch verkörpert. In diesem bedeutsamen Umstand liegt neben
der oben festgestellten Parallelität beider Massenparteien ihr
fundamentaler Unterschied hinsichtlich ihrer Bedeutung für
die Rekonsolidierung der bürgerlichen Herrschaft.
Vermöge
ihres sozialen Charakters als originäre Arbeiterpartei brachte die
Sozialdemokratie in das System der damaligen Konsolidierung über all
ihre rein politische Stoßkraft hinaus das viel wertvollere und
dauerhaftere Gut der organisierten Arbeiterschaft ein und verkettete
diese unter Paralysierung ihrer revolutionären Energie fest mit dem
bürgerlichen Staat.
Auf
dieser Basis konnte die Sozialdemokratie sich mit einer bloßen
Teilhaberschaft an der bürgerlichen Herrschaft begnügen, ja konnte
sie sogar niemals mehr und wesensmäßig nichts anderes als bloß der
eine Teilpartner derselben sein.
Sie
hätte als Sozialdemokratie zu existieren aufgehört, wenn etwa der
Zufall ihr die ganze Macht über Staat, Wirtschaft und Gesellschaft
hingeworfen hätte, so sehr, daß sich von ihr nach einem bekannten
Worte sagen ließe, die Sozialdemokratie würde die bürgerliche
Gesellschaft, wenn es sie nicht gäbe, erfinden müssen, um zu
bestehen.
In
konträrem Gegensatz dazu bedingt der Mangel an sozialer Hausmacht
den faschistischen Charakter des Nationalsozialismus. Weil er keinen
spezifischen sozialen Grundstock hat, der auch ohne Hitler aus sich
heraus den Nationalsozialismus trüge, kann er nur entweder die
gesamte Macht erobern, um sich durch den Besitz des
Staatsapparats zu schaffen, was ihm aus sozialer Wurzel fehlt, oder
seine Kraft zerbricht an dem Sozialgefüge, das ihm politisch
widersteht und in das er keinen Eingang findet.
Weil
er primär kein Glied dieses Gefüges ist, kann er nicht ohne
grundlegende Verwandlung ein Teilpartner der bürgerlichen Herrschaft
sein, welche auf gesellschaftlicher Macht fußt und der politischen
Stütze einer >Massenbasis< nur aus der Wurzel sozialer
Gliedschaft und Verankerung bedarf.
Hier
liegt die wahre Crux der gegenwärtigen Lage. Die faschistische
Möglichkeit des Nationalsozialismus ist vorüber, seine soziale
Möglichkeit noch nicht gefunden. Davon aber, daß sie gefunden wird,
hängt ab, ob wir (Seite 20)
wirklich
jetzt zu einer neuen und produktiven Rekonsolidierung gelangen oder
ob wir in der Sackgasse der Alternative einer Militärdiktatur oder
einer Rückkehr zur Sozialdemokratie stehen. Die Frage, auf die sich
alles zusammendrängt, ist daher, ob es für den Nationalsozialismus
eine spezifische soziale Möglichkeit gibt, durch die er aus
einer faschistischen Bewegung in ein Teilorgan der bürgerlichen
Herrschaft verwandelt werden kann, so daß er für das Bürgertum die
bisherige Rolle der Sozialdemokratie ersetzen kann. Ihrer Erörterung
soll ein zweiter Aufsatz dienen.
2.
Die Eingliederung des Nationalsozialismus
Man
wird in einer Zeit, der als Lebensfrage die Rekonsolidierung der
bürgerlichen Herrschaft vorgeschrieben ist, dem Faschismus der
nationalsozialistischen Bewegung, wenn nötig, mit Gewalt ein Ende
machen müssen, aber nur, um den Nationalsozialismus selbst
gleichzeitig in ein gesellschaftliches Organ umzuwandeln, das
dieser Herrschaft zur Stütze dienen und in ihre staatliche
Ausgestaltung positiv eingegliedert werden kann.
Die
Möglichkeiten, die sich dafür bieten, können hier nur in
größtmöglicher Kürze angedeutet werden. Die notwendige
Bedingung jeder sozialen Rekonsolidierung der bürgerlichen
Herrschaft, die in Deutschland seit dem Kriege möglich ist, ist die
Spaltung der Arbeiterschaft. Jede geschlossene, von unten
hervorwachsende Arbeiterbewegung müßte revolutionär sein, und
gegen sie wäre diese Herrschaft dauernd nicht zu halten, auch nicht
mit den Mitteln der militärischen Gewalt. Auf der gemeinsamen Basis
dieser notwendigen Bedingung unterscheiden sich die verschiedenen
Systeme der bürgerlichen Konsolidierung nach den zureichenden
Bedingungen, die hinzukommen müssen, um den Staat und das Bürgertum
bis in breite Schichten der gespaltenen Arbeiterschaft hinein zu
verankern.
In
der ersten Rekonsolidierungsära des bürgerlichen Nachkriegsregimes,
in der Ära von 1923/24 bis 1929/30, war die Spaltung der
Arbeiterschaft fundiert durch die lohn- und sozialpolitischen
Errungenschaften, in die die Sozialdemokratie den revolutionären
Ansturm umgemünzt hatte.
Diese
nämlich funktionierten als eine Art Schleusenmechanismus, durch den
der beschäftigte und fest organisierte Teil der Arbeiterschaft im
Arbeitsmarktgefälle einen zwar abgestuften, aber dennoch in sich
geschlossenen erheblichen Niveauvorteil gegenüber der arbeitslosen
und fluktuierenden Masse der unteren Kategorien genoß und gegen die
volle Auswirkung der Arbeitslosigkeit und der allgemeinen Krisenlage
der Wirtschaft auf seine Lebenshaltung relativ geschützt war.
Die politische Grenze zwischen (Seite 21) Sozialdemokratie und Kommunismus verläuft fast genau auf der sozialen und wirtschaftlichen Linie dieses Schleusendamms, und die gesamten, jedoch bis jetzt vergeblich gebliebenen Anstrengungen des Kommunismus gelten dem Einbruch in dies geschützte Gebiet der Gewerkschaften. Da zudem aber die sozialdemokratische Ummünzung der Revolution in Sozialpolitik zusammenfiel mit der Verlegung des Kampfes aus den Betrieben und von der Straße in das Parlament, die Ministerien und die Kanzleien, d. h. mit der Verwandlung des Kampfes >von unten< in die Sicherung >von oben<, waren fortan Sozialdemokratie und Gewerkschaftsbürokratie, mithin aber auch der gesamte von ihnen geführte Teil der Arbeiterschaft mit Haut und Haaren an den bürgerlichen Staat und ihre Machtbeteiligung an ihm (n?) gekettet, und zwar so lange, als erstens auch nur noch das Geringste von jenen Errungenschaften auf diesem Wege zu verteidigen übrigbleibt und als zweitens die Arbeiterschaft ihrer Führung folgt.
Vier
Folgerungen aus dieser Analyse sind wichtig: 1. Die Politik des
>kleineren Übels< ist nicht eine Taktik, sie ist die
politische Substanz der Sozialdemokratie.
2.
Die Bindung der Gewerkschaftsbürokratie an den staatlichen Weg
>von oben< ist zwingender als ihre Bindung an den Marxismus,
also an die Sozialdemokratie, und gilt gegenüber jedem bürgerlichen
Staat, der sie einbeziehen will. 3. Die Bindung der
Gewerkschaftsbürokratie an die Sozialdemokratie steht und fällt
politisch mit dem Parlamentarismus. 4. Die Möglichkeit einer
liberalen Sozialverfassung des Monopolkapitalismus ist bedingt durch
das Vorhandensein eines automatischen Spaltungsmechanismus der
Arbeiterschaft. Ein bürgerliches Regime, dem an einer liberalen
Sozialverfassung gelegen ist, muß nicht nur überhaupt
parlamentarisch sein, es muß sich auf die Sozialdemokratie stützen
und der Sozialdemokratie ausreichende Errungenschaften lassen; ein
bürgerliches Regime, das diese Errungenschaften vernichtet, muß
Sozialdemokratie und Parlamentarismus opfern, muß sich für
die Sozialdemokratie einen Ersatz verschaffen und zu einer gebundenen
Sozialverfassung übergehen.
Der
Prozeß dieses Übergangs, in dem wir uns augenblicklich befinden,
weil die Wirtschaftskrise jene Errungenschaften zwangsläufig
zermalmt hat, durchläuft das akute Gefahrenstadium, daß mit
dem Fortfall jener Errungenschaften auch der auf ihnen beruhende
Spaltungsmechanismus der Arbeiterschaft zu wirken aufhört, mithin
die Arbeiterschaft in der Richtung auf den Kommunismus ins Gleiten
gerät und die bürgerliche Herrschaft sich der Grenze des Notstands
einer Militärdiktatur nähert. Der Eintritt in diesen Notstand aber
wäre der Eintritt aus einer Phase notleidender (Seite 22)
Konsolidierung in die Unheilbarkeit der bürgerlichen Herrschaft.
Die
Rettung vor diesem Abgrund ist nur möglich, wenn die Spaltung und
Bindung der Arbeiterschaft, da jener Schleusenmechanismus in
ausreichendem Maße nicht wieder aufzurichten geht, auf andere,
und zwar direkte Weise gelingt. Hier liegen die positiven
Möglichkeiten und Aufgaben des Nationalsozialismus. Das
Problem selbst weist für sie eindeutig nach zwei Richtungen.
Entweder man gliedert den in der freien Wirtschaft beschäftigten
Teil der Arbeiterschaft, d. h. die Gewerkschaften, durch eine
neuartige politische Verklammerung in eine berufsständische
Verfassung ein, oder man versucht sich umgekehrt auf den
arbeitslosen Teil zu stützen, indem man für ihn unter dem Regiment
einer Arbeitsdienstpflicht einen künstlichen Sektor der
Wirtschaft organisiert.
Durch
ihre Loslösung von der Sozialdemokratie entfällt für die
Gewerkschaften ihre bisherige politische Repräsentation, an deren
Stelle sie in einem nicht oder nur sehr bedingt parlamentarischen
Staat eine neue und neuartige politische Führung brauchen. Wenn es
dem Nationalsozialismus gelänge, diese Führung zu übernehmen und
die Gewerkschaften in eine gebundene Sozialverfassung
einzubringen, so wie die Sozialdemokratie sie früher in die liberale
eingebracht hat, so würde der Nationalsozialismus damit zum Träger
einer für die künftige bürgerliche Herrschaft unentbehrlichen
Funktion und müßte in dem Sozial- und Staatssystem dieser
Herrschaft notwendig seinen organischen Platz finden.
Die
Gefahr einer staatskapitalistischen oder gar
staatssozialistischen Entwicklung, die oft gegen eine solche
berufsständische Eingliederung der Gewerkschaften unter
nationalsozialistischer Führung eingewandt wird, wird in Wahrheit
durch sie gerade gebannt. Die vom Tatkreis propagierte >Dritte
Front< ist der Typus einer Fehlkonstruktion, wie sie in Zeiten des
sozialen Vakuums auftaucht; sie ist das Trugbild eines
Übergangszustands, in welchem die Gewerkschaften, weil aus der
bisherigen Bindung freigesetzt und noch in keine neue eingefangen,
den Schein einer Eigenexistenz vorspiegeln, die sie wesensmäßig gar
nicht haben können. Zwischen den beiden Möglichkeiten einer
Rekonsolidierung der bürgerlichen Herrschaft und der kommunistischen
Revolution gibt es keine dritte.
Wohl
aber gibt es, theoretisch wenigstens, neben der ständischen
Eingliederung der Gewerkschaften für die bürgerliche
Rekonsolidierung den zweiten Weg, das arbeitslose Volk durch
Arbeitsdienstpflicht und Siedlung zu organisieren und
an den Staat zu binden.
Dem
inneren, selbst aus keiner organischen Wurzel entwachsenen Wesen des
Nationalsozialismus scheint diese Aufgabe besonders nahe zu liegen,
wie sie dann auch von ihm am weitesten durchdacht worden ist.
Man muß sich aber klar sein, daß die (Kursbuch Seite 23)
beiden
genannten Wege zwei sehr verschiedene Entwicklungsrichtungen der
Gesamtwirtschaft involvieren. Eine nennenswerte Einordnung der
arbeitslosen Massen in die soziale Volksgemeinschaft im Wege der
Arbeitsdienstpflicht ist nur durch weitreichende staats- und
planwirtschaftliche Methoden möglich, die aus ökonomischen wie
finanziellen Gründen den freien Wirtschaftssektor schwächen
müssen.
Weil
dieser Weg nur zu Lasten der frei beschäftigten Arbeiterschaft
gegangen werden kann, müßte ein solches Regime sein soziales
Schwergewicht unvermeidlich auf den agrarischen Sektor verlegen,
würde also durch eine extreme Autarkiepolitik die
Exportindustrie und die mit ihr verknüpften Interessen um jede
Chance bringen, einen Anschluß an eine sich bessernde Weltkonjunktur
unmöglich machen, mithin den arbeitslosen Teil des Volkes wachsend
vermehren und schließlich einen überwiegenden Teil der gesamten
Wirtschaft in dem Zwangssystem einer staatlichen Elendswirtschaft
festlegen. Ob man dies noch als Rekonsolidierung bezeichnen könnte,
muß fraglich erscheinen. Nur partiell daher und in bloß subsidiärer
Bedeutung kann dieser Weg, so etwa, wie er im Wirtschaftsprogramm der
Regierung mit herangezogen ist, den Übergang zu einem System
wirklicher Rekonsolidierung der bürgerlichen Herrschaft erleichtern,
das sich nach wie vor auf den Kernbestand der Arbeiterschaft, die
Gewerkschaften unter neuer Führung, wird stützen müssen.
Alfred
Sohn-Rethel
Quelle:
Kursbuch 21, September 1970, Seite 17 – 23
Ein Wort, das mit unbekannt war habe ich im Fremdwörterbuch nachgeschlagen
(*) homolog = (gr) gleich liegend, gleich lautend
Alfred Sohn-Rethel
EIN KOMMENTAR NACH 38 JAHREN (1932/1970)
Der hier zum Wiederabdruck gelangte Artikel aus den Deutschen Führerbriefen hat zur Zeit seines Erscheinens (16. und 20. September 1932) eine eigenartige Sensation ausgelöst. Er ist seither immer wieder zitiert und erörtert worden, und bis heute hat ihm der Charakter eines ungeklärten Rätsels angehangen. Der Grund dafür liegt nicht in seinem Inhalt. Marxistische Analysen der damaligen Klassenverhältnisse und Machtverlagerungen in Deutschland waren an der Tagesordnung, ohne daß eine be-stimmte Version vor der anderen einen klaren Vorrang hätte gewinnen können. Das Sensationelle dieser besonderen Analyse hing an ihrem Erscheinungsort und an der Tatsache, daß sie vom Interessenstandpunkt des Klassenfeindes, des Großkapitals, aus vorgenommen war. Stand hier ein abtrünniger Marxist im Begriff, die Rolle des deutsche Mussolini anzutreten? (Seite 24). Den Mitgliedern des Parteivorstandes der KPD erschien es beinahe so. Das fehlte gerade noch, daß dem diktaturlüsternen deutschen Großkapital ein Marxist erwüchse, der ihm mit seinen Röntgenaugen den politischen Weg durchs Dunkel der Geschichte erleuchten könnte. Das Rätselraten nahm in der Parteileitung nahezu panische Proportionen an.
Aber als Propagandamaterial für die die kommunistische Wahlkampagne zum 6. November (1932), die gerade begonnen hatte, hätte ihr nichts gelegener kommen können als dieser anonyme Artikel. In allen Tageszeitungen der Partei — und es gab damals mehrere — wurden lange Auszüge daraus abgedruckt und Satz für Satz kommentiert. Schließlich widmete Willy Münzenberg, Leiter der Propaganda Abteilung der Partei, am Vorabend der Wahl die letzte Nummer des Roten Aufbaus dem ungekürzten Text des Artikels zur nochmaligen Einschärfung:
>Die >Deutschen Führerbriefe<, eine Privatkorrespondenz des Finanzkapitals, mitfinanziert vom Reichsverband der Deutschen Industrie, streng geheim und nur zu Information großkapitalistischer Leser bestimmt, sprechen offen aus, was die öffentlichen Zeitungen und Zeitschriften nie aussprechen können. In den Nummern 72 und 73 dieser >Deutschen Führerbriefe< wird . . . mit seltener Offenherzigkeit darüber gesprochen, wie das Finanzkapital zu Rekonsolidierung seiner Herrschaft nach neuen Stützen sucht. Die Rolle der SPD und NSDAP als Stützen der finanzkapitalistischen Herrschaft wird in bürgerlicher Ausdrucksweise, aber dennoch so klar geschildert, das gegenwärtige Hauptproblem der Bourgeoisie, die Rekonsolidierung des Kapitalismus, so klar umrissen, wie es nicht besser getan werden kann. . . . Die Alternative ist klar: Rekonsolidierung der finanzkapitalistischen Herrschaft mit Hilfe der SPD und NSDAP oder kommunistische Revolution, so wird es da formuliert. Den Kommentar kann sich jeder Leser leicht dazu machen.<
>Der Name >Deutsche Führerbriefe< erweckt natürlich Anklänge an Hitler. Zu unrecht. Die Privatkorrespondenz war von Dr. Franz Reuter und Dr. Otto Meynen Ende 1928 in Köln gegründet worden, zu einer Zeit also, als nahezu niemand — niemand mehr und noch niemand — bei dem Wort >Führer< an Hitler dachte. [ . . . ] (Seite 24, Kursbuch) >Ich war weit davon entfernt, dem diktaturlüsternen Finanzkapital als sein marxistischer Mephistopheles ein Licht über die geeignete Klassenbasis aufstecken zu wollen. Vielmehr hat mir selbst erst die Betätigung in jenem Rahmen das nötige Licht verschafft. Und zwar nicht so sehr die journalistische Betätigung und Informationsweise bei den >Führerbriefen<, sondern sehr viel mehr die ganz anders geartete Erfahrung, die die Arbeit beim MWT mit sich brachte (MWT=Mitteleuropäische Wirtschaftstag), Schöneberger Ufer (25) [ . . . ]
(Seite 32 Kursbuch) So kommen wir noch einmal auf die Frage zurück, die damals und seither so viel Erstaunen erweckt hat: Wie kam ein Artikel von so eindeutig marxistischem Inhalt zu jenem kritischen Augenblick ausgerechnet in die Deutschen Führerbriefe? Ein Artikel, dem zu diesem Zeitpunkt gar nichts anderes zuteil werden konnte, als von Ende September bis zum 6. November der kommunistischen Partei als Hauptpropagandamaterial zu dienen? Die Lösung des Rätsels ist denkbar einfach: Der Artikel war von mir einzig zum Zweck dieses Wahlkampfes für die Kommunisten verfaßt worden. Nicht daß die Kommunistische Partei ihn etwa bestellt hätte. Die Partei wußte weder von der Abfassung noch von dem Verfasser des Artikels etwas. Ich schrieb ihn aus eigener Initiative und schickte, nachdem er in den Führerbriefen erschienen war, ein Exemplar an die Rote Fahne. Mehr bedurfte es zur Zündung der Bombe nicht. Aus didaktischen Gründen nahm ich in dem Artikel den Standpunkt des Großkapitals als Blickwinkel ein, um den Arbeitern klar zu machen, daß sowohl die Sozialdemokraten wie die Nazis bloß der Kapitalherrschaft zur Stütze, zum >Grenzträger<, dienten.
Natürlich war der Arbeiterschaft und den massenhaften antikapitalistischen Wählern, die es damals gab, dasselbe viele Male vorher erklärt worden, aber noch niemals aus dem Sprachrohr des Großkapitals selbst und mit dem Anschein unumstößlicher Beweiskraft.
[ . . . ]
(Kursbuch Seite 33)>Freilich bleibt noch der zweite Teil der Frage zu beantworten, wie es nämlich gelingen konnte, die politisch doch keineswegs blöde Schriftleitung der Führerbriefe zu einer ihr so extrem widersprechenden Funktion zu benutzen. Nun, ich kann nur sagen, daß das auch wirklich unbegreiflich wäre, wenn die schlauen Füchse des Kapitals nicht eben doch sehr dumm wären, wo Erkenntnis und nicht bloß Manipulation zu Frage steht. Es muß auch betont werden, daß am Schöneberger Ufer (25) keine Seele etwas davon wußte, daß ich Marxist war, und daß zweitens auch niemand dort wußte, was Marxismus ist und wie er aussieht. Als >Marxismus< war nur die fratzenhafte Entstellung bekannt, die als Schimpfname umging. Auch wird man beim Lesen des Artikels gemerkt haben, daß ich für ein gewisses Oberflächenvokabular gesorgt hatte, das Münzenberg richtig mit >bürgerlicher Ausdrucksweise< betitelt hat und das mir in den Augen der Redaktion wenigstens ein notdürftiges Alibi verschaffen konnte.< [ . . . ]
>Jedenfalls war es fast ein rührender Anblick, die Schriftleiter der >Führerbriefe< am Tage nach der kommunistischen Explosion meines Artikels über Exemplare der Roten Fahne gebeugt zu finden, angestrengt bemüht, aus den in den Text eingesprengten Kommentaren zu verstehen, was in dem Artikel eigentlich steckte. Freilich muß ich gestehen, daß mir dieses Studium eher ominös als rührend erschienen ist. Ich war begreiflicherweise auf das Schlimmste gefaßt, zumal die ausgelöste Wirkung alle meine Erwartungen überstieg. Es ging aber alles erstaunlich gut. Zwar fühlte ich mich von forschenden Blicken verfolgt, wenn ich durchs Zimmer ging, und Redensarten wie die vom Wolf im Schafspelz trafen mein Ohr. Aber was mir die Vergebung der Redaktion und den weiteren Verbleib in ihren Sitzungen eintrug, war mehr als alles andere die Tatsache, daß ich den Führerbriefen zu einer Berühmtheit und einer Reklame verholfen hatte wie noch nie etwas zuvor. Der Kern der großkapitalistischen Macht sieht eben doch anders aus, als viele Zaungäste ihn sich vorstellen. In diesem Kern herrscht bei aller Gerissenheit vollkommene Wirrnis, und nichts kann ihm fremder sein als sein eigener Begriff.< Alfred Sohn-Rethel (1970).
Eike
Christian Hirsch: Exemplarische Beispiele Aus meinem Bücherregal:
Mein
Antiquitätenhändler an der Ecke hat offenbar in seiner Jugend
Latein gelernt und es wie alle seine Mitschüler wieder vergessen.
Eine Vorliebe für lateinische Wörter hat er behalten, pflegt sie
aber mit einem zusätzlichen Wort zu verdeutlichen, was genaugenommen
überflüssig wäre. Das ist eine besondere Spezialität von ihm.
Hat
unser Antiquitätenhändler ein kostbares Stück anzubieten, so raunt
er: >Eine seltene Rarität.< Denn, so meint er, Raritäten gibt
es ja schon genug. Erklärt er uns eine Rokoko-Kommode, so verweist
er auf die eingelegten Intarsien, die den überaus dekorativen
Schmuck bilden, wenn man noch genauer hinsieht, sogar als die
Anfangsinitialen des ersten Besitzers erkennbar sind.
Das Spielerische des Rokoko sei hier, so erfahren wir, zum äußersten Extrem gebracht. Es scheint ihm auch nicht zu viel, das gute Stück als ein exemplarisches Beispiel des norddeutschen Rokoko anzupreisen, das schon rein optisch gesehen von einzigartiger Individualität sei. Solche Anpreisungen gehören für ihn zu den vorausgehenden Präliminarien des eigentlichen Verkaufs. Wagt man an der Echtheit der Kommode zu zweifeln, so beteuert der Händler, es sei für ihn ein grundlegendes Prinzip, dem er erste Priorität einräume, daß alle Stücke, die er anbiete, echt seien.
Und überhaupt habe er für Echtheit eine ganz empfindliche Sensibilität, gehöre er doch gerade für diesen Abschnitt der Kunstgeschichte zu den versierten Experten und könne da noch manchem Geschichtshistoriker was erzählen. Sieht unser Antiquitätenhändler immer noch in ungläubige Gesichter, so fühlt er sich von dritter Seite verleumdet und warnt uns vor falschen Legenden über seine Firma. Sein Konkurrent sei ein bekannter notorischer Lügner. Aber der solle sich nur keine falschen Illusionen machen; er selbst sei für alle möglichen Eventualitäten gerüstet und werde notfalls die Eigeninitiative ergreifen, um den Gerüchten entgegenzutreten.
Sind wir nun doch in Versuchung geraten, die Kommode zu kaufen, und fragen nach dem Preis, so klagt der Experte, alles werde leider teurer, das sei ja ein chronischer Dauerzustand. Obwohl die Preissteigerungsrate sicherlich noch nicht ihr größtes Maximum erreicht habe, bleibe ihm bei seinen Geschäften im Endresultat kaum ein Gewinn, wenn er mal die Unkosten zusammenaddiere. Wir müssen ihm wirklich glauben, daß er sich, wie er klagt, bei der Preisgestaltung keine Versuchsexperimente mehr leisten könne, ohne seinen Ruf aufs Spiel zu setzen, gerade für die Sparte Kommoden der zentrale Mittelpunkt des norddeutschen Antiquitätenmarktes zu sein.
Dann läßt er aber doch durchblicken, daß man über den Preis noch reden könne. Ein gegenseitiger Kompromiß sei möglich. Aber wir können uns nicht entschließen, und auch die Aufforderung, zu einem gemeinsamen Konsens zu kommen, verfängt bei diesen Preisen nicht. Beim Hinausgehen lassen wir uns noch sagen, daß sich kein Antiquitätenfreund eine solche köstliche Delikatesse hätte entgehen lassen. Gewiß, gewiß. Unser Händler jedenfalls hat sich kaum ein exemplarisches Beispiel für deutsch-lateinische Koproduktionen entgehen lassen. Eike Christian Hirsch: Deutsch für Besserwisser, Hoffmann und Campe 4. Auflage 31 – 40. Tsd. 1979 (Seite 179 – 180)
Kleine Anmerkung von mir: Nach dem ich diesen Text aus meinem Buch (mit dem Jugendbild des Autors) abgeschrieben habe, kam mir die Idee, mich mal selber zu fragen, warum ich diese beiden Bücher von Eike Christian Hirsch (Deutsch für Besserwisser+ Folgeband) so gut gefallen, seit sie mir so um 1985 im Antiquariat begegnet sind. Warum haben gerade diese beiden Bücher alle Umzüge überstanden? Vermutlich ist es mein Bildungsneid gegenüber Menschen, die aufgrund langer Schulzeiten, ein hochnäsiges Verhalten an den Tag legen, wenn man ihnen begegnet. Über diese Art Menschen hat sich der Autor immer lustig gemacht und das finde ich in der Tat lustig. Da rufen die Enkelkinder: Wir essen jetzt, Opa. Jens
(erscheint in kürzerer Fassung im Herbst 2019 im Jahrbuch „exilforschung“)
Wilfried Weinke
Im Turnus von drei Jahren feiert sich die Medienstadt Hamburg auch als Stadt der Fotografie. Seit 1999 findet in der Hansestadt die „Triennale der Photographie“ statt, ein Festival unter Beteiligung der lokalen Museen, diverser Galerien und Veranstalter, ein sich über Wochen erstreckendes Ereignis, das mittlerweile internationale Beachtung gefunden hat. „Wilfried Weinke über Bücher“ weiterlesen
(erschien zuerst in der der „Zeitschriftfür Geschichtswissenschaft“, Berlin Heft 7/8 – 2019)
Wilfried Weinke über die Bücher:
Roland Jaeger: Foto-Auge Fritz Block. Neue Fotografie – Moderne Farbdias. Scheidegger & Spiess, Zürich 2018, 336 S.
Erika Eschebach, Helena Weber (Hg.): Fred Stein. Dresden. Paris. New York. Sandstein Verlag, Dresden 2018. 240 S.
Beide Männer waren jüdischer Herkunft. Beide konnten in die USA emigrieren. Beide wurden professionelle Fotografen, obwohl sie ursprünglich andere Berufe ausübten oder anstrebten. Die Rede ist von dem aus Hamburg stammenden Fritz Block (1889-1955) und dem in Dresden geborenen Fred Stein (1909-1967).„Wilfried Weinke Zwei Bücher“ weiterlesen