Briefe an Wiebeke (XXXIV) Abteilung: Letzte Fragen Ilse K.

Briefe an Wiebeke Abteilung Letzte Fragen

Hallo Wiebeke ,

PDF Briefe an Wiebeke Letze Fragen zu Ilse K.

Romische Zahlen am BUG

mal wieder ein Spezialfall. So aehnlich wie bei der Aufnahmepruefung bei der dffb. Das letzte Wort, das der Millionaer Kane in dem Film von Orson Welles an seinem Todestag gesagt hat, war: xxxxxxxxxxx. Ich weiß es, weil ich die Aufnahmepruefung bestanden hatte und weil am Ende ein Schlitten auf dem dieses Wort steht in den Ofen geworfen und mit dem Lenkschlitten verbrannt wird.

Nun geht’s um unsere Millionaerin, die aus Berlin stammt. Da hat jemand im Auftrag der Stiftung Ilse Kubaschewski eine Biografie geschrieben, die nicht so schlecht geraten ist. Leider hat Michael Kamp, der das Buch im Auftrag geschrieben hat, nicht herausfinden koennen, in welchem Berliner Kino Ilse Kramp (Maedchenname) sozialisiert wurde. Die Legende sagt Folgendes:

Ilse Kramp ist am 18. August 1907 in Berlin geboren. Da war der Erste Weltkrieg, wie er später genannt wurde, gerade 18 Tage alt. Ilse wird meist in Berlin Rudow verortet, was aber nachweislich nicht stimmt. Geboren ist sie Luebars, wo ihre Eltern wohnten, das aber erst 13 Jahre spaeter in Reinickendorf eingemeindet wurde. Mit anderen Worten: Sie ist gar keine Berlinerin. Ihre Mutter war Klavierlehrerin, ihr Vater Postbeamter. Briefträger wie mein Opa? Wir wissen es nicht.

1910 und 1911 wurden noch zwei Geschwister 1) Gerda und 2) Erich in Lübars geboren. Als am 1. August 1914 der Kaiser zum Krieg ruft und die Spezialdemokraten seinem Darlehensanliegen zustimmen, wird ihr Vater Hermann eingezogen, verliert dadurch sein Einkommen als Postbeamter und wird besoldet, was, weil er einen so niedrigen Dienstgrad hat, dazu fuehrt, das die Familie in Berlin hungert, während sich die Offiziersfrauen die Bäuche vollgeschlagen haben. Das ist aber nur eine Vermutung. Das mit den vollgeschlagenen Bäuchen.

Was aber wiederum dazu fuehrt, das Mutter Kramp und die drei Kinder, also auch Ilse, arbeiten müssen: Knoepfe auf Stange annaehen, fuer fuenf Pfennnig fuer drei Stueck. Zur Schule geht es mit der Straßenbahn, aber das Geld reicht nur fuer den Hinweg, der Rueckweg wird gelaufen. So viel zum Elend eines Postbeamten und einer Klavierlehrerin und ihren drei Kindern im ersten Weltkrieg.

Im zweiten Weltkrieg war’s auf jeden Fall besser, weil, wie der Fischer Verlag in einer Anzeige für das Buch von Götz Aly: „Hitlers Volksstaat“ geschrieben hatte: „Den Deutschen ging es im Zweiten Weltkrieg besser als je zuvor, sie sahen im nationalen Sozialismus die Lebensform der Zukunft ― begründet auf Raub, Rassenkrieg und Mord.“ Aber so weit sind wir ja noch nicht.

Und jetzt kommt die Aufgabe: Die Mutter Maria arbeitet in einem Stummfilmkino in Berlin und spielt dort Klavier. Die kleine Ilse, 1914 gerade sieben Jahre alt geworden, hilft dabei, in dem sie die Seiten der Noten umschlaegt. Das geht eine Weile gut und dann fliegen sie irgend wann raus, weil die kleine Ilse mehr auf die Leinwand, als auf die Noten guckt. Rausgeschmissen werden sie vom Besitzer des Kinos: Ein Mann. Leider hat auch der Biograf Michael Kamp nicht herausgefunden, in welchem Kino in Berlin der Rausschmiss stattgefunden hatte und wie der Mann hieß, der diese Untat beging.

Der Biograf schreibt nur: Es ist ein Kino in der Koepenickerstr. gewesen und hat einem Mann gehoert, womit ein anderes Kino aus der Koepenickerstr. schon mal wegfaellt, das einer Frau gehoerte: Gertrud Fechner vom Kino Lichtspiele Südost aus der Koepenickerstr. 96-97. Bleiben drei. Nicht beruecksichtigt hat Michael Kamp dabei, daß es die Koepenickerstraße in Berlin mehrfach gibt (5 x). Aber seine Annahme ist glaubwuerdig, in dem die ausgesuchte Koepenicker Str. in Kreuzberg, dem Wohnort der Familie Kramp, Berlin N 65, Transvaalstr. 18 ―IV Treppen, am naechsten liegt.

Nach meinen Nachforschungen im Scherl Adressbuch bin ich nun zu der Ansicht gelangt, das Ilse und Maria Kramp 1914 – 1918 im Kino von Karl Stiller, SO 36, in der Coepenicker Str. 36 -38 gearbeitet haben. Das Kino hieß in dieser Zeit, 1914 – 1918: Pariser Lichtbildtheater. Die Informationen stammen aus dem Branchenbuch der Firma Scherl von 1914 bis 1918.

Nur zur Ueberpruefung: Die Daten dazu stehen auf Seite 191 (1914) und auf Seite 201 (1918) des Scherl Adressbuches von Berlin. (Branchenverzeichnis)

Die Adresse der Familie Kramp: Kramp, Hermann, Ob. Postschaffner, N 65, Transvaalstr. 18, IV Treppen, befindet sich im Namensverzeichnis des Scherl Adressbuches von Berlin von 1919 auf Seite 1435.

Nun kommt die Frage: Koennen wir das Raetsel loesen: In welchem Kino ist die spaetere Millionaerin Ilse Kubaschewski sozialisiert worden?

Und nun kommst Du, vielleicht kennst Du ja Jemanden, der das herausfinden kann, ob das wirklich stimmt? Natuerlich kommt fast nur eine Suche im Netz in Frage, weil, wieder mal, alle Beteiligten, die man fragen koennte, schon seit Jahren tot sind,

PS: Was mir noch einfaellt. Der Biograf Michael Kamp notiert noch, das Ilse, als sie schon ueber eine Menge Geld verfuegte, immer noch die eingegangenen Briefe auf ungestempelte Briefmarken ueberpruefte, die sie dann sorgfaeltig abloeste, um sie erneut zu benutzen. Sobald ich das gelesen hatte, hatte ich auch gedacht, ein Buch ueber ihr Leben, das 48,00 Euro also fast 96 Mark kostet, das haette sie vermutlich niemals gekauft, schon gar nicht, wenn, wie in meinem Falle, die gewuenschte Information, ich welchem Kino Ilse sozialisiert wurde, im Buch nicht vorhanden ist, was sie in dieser Zeit jedoch nicht im Buchladen haette herausfinden koennen, weil, es liegt nirgendwo rum und muß natuerlich erstmal beim Verlag bestellt werden. Und eine Bestellung zur Ansicht gibt es, so wie frueher, bestimmt nicht mehr. Lg. J.

xxxxxxxxxxx = nur damit du keine Suchmaschine anwerfen mußt = Rosebud und der Mann heißt eigentlich Charles Foster Kane und meint = William Randolph Hearst.

Spiegel 23. Januar 1957

Foto von dem Fotograf: Clemens Franz. Prierosser Strasse 32 in Berlin Rudow
Rechts daneben ist der Rest von dem Kino von Ilse Kubaschewski in Berlin Rudow zu sehen.