Brief an eine juengere Freundin

Brief an eine Freundin (zwanzig Jahre juenger als ich) betrifft: Korona Buecher . Jetzt lese ich seit vier Tagen ein Buch, dass ich einmal vor gefuehlten dreissig Jahren gekauft habe, weil es als Maengel Exemplar besonders guenstig war und weil es ausserdem auch gut aussah in meiner Sammlung edition suhrkamp. Ich habe es, aufgrund des Titels, fuer ein Werk gehalten, das besonders viel Langeweile verbreitet. Langweilig und wissenschaftlich. Ein Buch, dass man auf jeden Fall nicht gelesen haben muss. Und jetzt (nach dreissig Jahren) nehme ich es aus dem Regal und entdecke, dass es aeusserst kurzweilig ist, es ueberhaupt nicht trocken wissenschaftlich ist und gerade zu amuesant. Es handelt sich um Band 820, der Reihe Edition suhrkamp. „Wolfgang Abendroth – Ein Leben in der Arbeiterbewegung.“ Gespraeche, aufgezeichnet und herausgegeben von Barbara Dietrich und Joachim Perels (2. Auflage 1977), da warst Du ja erst zwoelf Jahre alt. Vermutlich kennst Du es, weil Deine Beruehrungsaengste mit den Intellektuellen und jenen, die als Intellektuelle so daher kommen, ja eher geringer sind als bei mir. Jedenfalls habe ich großes Vergnuegen und habe endlich verstanden, warum so manches passiert ist, was ich bisher immer nicht verstanden hatte, wie z.B. den kampflosen Uebergang der Arbeiterbewegung, als am 30. Januar der Greis die Macht uebergeben hat. Jens

T 34 Denkmal in Berlin

na warum ist der wohl hier? Ich mein nicht das Tier.

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Die Staatsanwaltschaft auf der Seite der Mörder

Abschrift: Wolfgang Abendroth Über Klassenjustiz und Arbeiterklasse in der Weimarer Zeit.(Aus Wolfgang Abendroth, Ein Leben in der Arbeiterbewegung, Edition Suhrkamp, Band 820, Gespräche mit Barbara Dietrich und Joachim Perels. Seite 96.)

„Klassenjustiz wirkte sich in mehrfacher Hinsicht gegen die Arbeiterklasse aus. In der politischen Strafjustiz insofern, als sich die äußerste Rechte an Verbrechen und Morden leisten konnte, was immer sie wollte. In den Jahren 1919 und 1920 wurden Hunderte deutscher Arbeiter von den Freikorps ermordet. (109) Es begann mit der Ermordung linker und kommunistischer Arbeiterfunktionäre, griff dann über auf Mitglieder der USPD, traf auch Pazifisten wie Paasche, schließlich auch bürgerliche Politiker wie z. B. Erzberger und Rathenau. (110) In den beiden letzten Fällen wurden zwar ernstliche Strafverfahren eingeleitet, im übrigen aber stand die Staatsanwaltschaft auf der Seite der Mörder. Kam es dennoch zu einem Strafverfahren, so wurden Scheinstrafen ausgesprochen – ich erinnere an den sehr spät durchgeführten Prozeß wegen des Mordes an Rosa Luxemburg (111) – , oder es erfolgte Freispruch. Wenn sich dagegen Arbeiter politisch etwas »zuschulden kommen ließen«, hagelte es Strafen noch und noch – so bei allen sogenannten Gewaltdelikten, dann in extensiver Auslegung dieser Gewaltdelikte wegen Landfriedensbruchs und Hausfriedensbruch bei Auseinandersetzungen in Versammlungen und schließlich bei der Teilnahme an Massenstreiks oder bei gewaltsamen Auseinandersetzungen wie nach dem Kapp-Putsch. Für die Justiz der damaligen Zeit war es selbstverständlich, daß sie Anlässe dieser Art benutzte, um hohe Strafen zu verhängen.“ (112)

(109) Freikorps waren gegenrevolutionäre militärische Verbände, die von Offizieren der alten kaiserlichen Armee gebildet und geführt wurden; vgl. Arthur Rosenberg, Geschichte Weimarer Republik, Frankfurt/Main 1961 S. 59 ff.; Emil J. Gumbel, Vom Fememord zur Reichskanzlei, Heidelberg 1962 S. 45 ff.(110) Vgl. Emil J. Gumbel, a.a.O. , S. 45 ff.(111) Vgl. Der Mord an Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, Dokumentation eines politischen Verbrechens, hrsg. von Elisabeth Hannover-Drück und Heinrich Hannover, Frankfurt/Main 1967, S. 59-126(112) Vgl. Emil J. Gumbel, a.a.O., S. 46 f. ; Heinrich Hannover und Elisabeth Hannover-Drück, Politische Justiz 1918-1933, Frankfurt /Main 1966. (Für alle, die es nicht wissen, bzw. nicht wußten (so wie ich) heisst a.a.O= am angegebenen Ort!)

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Interview mit den Streit Brüdern in Belo Horizonte

Carl Heinz Streit 1990 Belo Horizonte
Rolf Arno Streit

Rolf Arno Streit: ”Mein Großvater Jeremias genannt James Henschel war der Erste in Hamburg, der Kinos gemacht hat. Er ist auf folgende Weise auf diese Idee gekommen.In Paris, so hat er gehört, gibt es einen Grammophon-Laden, dass heisst Leute konnten in den Laden gehen, sich . . . wie heisst das? . . . Telefone an die Ohren legen und konnten dann eine Musik wählen, die sie bekommen haben durch die . . . durch das Grammophon. Übertragenen. Das wollte er in Hamburg auch machen und deshalb sind sie dann in Paris gewesen, wo dieser . . . wo dieses Grammophongeschäft existierte und sich mit dem Inhaber darüber zu unterhalten . . . Auf dem Wege dorthin sind . . . stehengeblieben an vor einer riesigen Schlange von Menschen, die alle in ein sogenanntes Cine gehen wollte. Das war eine Neuigkeit für meine Großeltern und . . . da wurden eben die ersten Filme vorgeführt. Dann sind sie zu dem Grammophonmann gegangen und sind nachher in ihr Hotel gegangen und haben geschlafen.

Meine Großmutter-Frida Henschel – hat zu Madam . . . zu meinem Großvater gesagt, weißt du James ich hab es mir überlegt, wir machen nicht Grammophon, wir machen Kinos. Und das war die Idee, das mein Großvater der Erste in Hamburg war, der Kinos eröffnete. So ist auch der Henschel Film und Theaterkonzern nach ihm benannt worden.“

Frage: Das erste Kino war das Belle Alliance Kino? Das war ein sehr großes Kino?

Rolf Arno Streit: „Das kann ich nicht genau sagen, wie groß es war. Auf jeden Fall war das das erste Kino – richtige Kino – in Hamburg . . . Hamburg Altona . . . wenn ich mich nicht irre.

Frage: Der Großvater hat dann mit Ende des Krieges alle Kinos verkauft, sie haben erzählt an die Ufa. Können sie mal sagen, warum er die Kinos verkauft hat?

Rolf Arno Streit: “Die Ufa ist an meinen Großvater herangetreten . (LkW Geräusch) . . . Die Ufa ist an meinen Großvater herangegangen und hat ihm gesagt, entweder verkaufen sie uns ihre ganzen Kinos, oder wir machen ihnen Konkurrenz . . . das war der . . . da hat mein Großvater sich entschlossen, seine Kinos an die Ufa zu verkaufen . . . hat sich für das Geld, das er bekommen hat, sofort Häuser gekauft . . . Immobilien . . . und ist dadurch . . . durch die Inflation schadlos herausgekommen. Zu dem Entschluß von meinem Großvater, die Kinos zu verkaufen mußte die Ufa damit einverstanden sein, daß seine Schwiegersöhne -nämlich unser Vater Hugo Streit und unser Onkel Hermann Urich-Saß . . . also seine Schwiegersöhne Direktoren der Ufa wurden für Norddeutschland, was geschah“.

Frage: Bis wann waren Hugo Streit und Hermann Urich Sass Direktoren der Ufa?

Rolf Arno Streit: “Die waren Direktoren bis . . . ungefähr 1926 . Ein ganz genaues Datum kann ich nicht sagen, aber . . . Mitte der 20iger Jahre ist es wohl gewesen.“

Carl Heinz Streit: Das ist aber richtig. Ich mein, ich erinnere das auch nicht mehr so genau.

Hilde Streit: (zu ihrem Mann): Du weisst es noch besser.

Rolf Arno Streit: “Ja, durch die ganze Wiedergutmachungsgeschichte . . . bin ich wieder da . . . irgendwie erinnert worden. Das ist ja auch nun schon viele Jahre her.“Hilde Streit:. Jetzt ist leise . . . Carl Heinz Streit: Das kommt aber immer wenn der Omnibus kommt. Hilde Streit: Ja überall, kommt immer . . . bei uns viel mehr noch.Frage: 1918 wurde die Ufa gegründet und die Ufa trat an ihren Vater heran und er hat seine Kinos verkauft. Können sie das noch mal erzählen?Rolf Arno Streit: ”Ja . . . nachdem . . . ist schon . . . Carl Heinz Streit: ”Nein, wenn das Licht angeht.“ Rolf Arno Streit: „Also . . . nach dem Kriege 14/18 ist die Ufa an meinen Großvater herangetreten und hat ihm gesagt, wir bauen hier Kinos, oder sie verkaufen uns ihre Kinos, und da ist mein . . . hat mein Großvater den Entschluss gefasst, seine Kinos zu verkaufen . . . mit der Bestimmung, dass mein Vater und mein Onkel . . . Hugo . . . Hermann Urich Sass Direktoren der Ufa werden von Norddeutschland, was geschah, außerdem war mein Großvater mit 5 % über viele Jahre an allen Ufa Einnahmen beteiligt . . . und späterhin . . . auch mit 2,5 % für alle . . . von allen Kinos, die noch erbaut worden sind später von der Ufa . . . Mein Großvater selbst hat seine . . . hat die Inflation überstanden durch Ankauf von Immobilien . . . das Geld, was er damals von der Ufa bekommen hatte, hat er sofort angelegt in Immobilien und dadurch ist er aus der Inflation schadlos herausgegangen:“ Frage: Wissen sie noch welche Kinos das waren, die ihr Großvater dort verkauft hat? Rolf Arno Streit: “Ich kenn einige . . . weiß ich . . . das . . . zum Beispiel das Lessingtheater, das Passage Theater, das Harvestehuder Lichtspiele und einige andere . . . ich entsinne die Namen nicht mehr genau. Auf jeden Fall . . . vielleicht sechs Kinos, die mein Großvater der Ufa verkauft hat“. Frage: Das Waterloo Theater gehörte das auch dazu? Rolf Arno Streit: ”Das Waterloo Theater gehörte dazu, ja. Das hat mein Großvater erbaut. Das war damals das vornehmste Kino in Hamburg.“ Frage: Und dann hat ihr Vater Hugo Streit und Hermann Urich Sass . . . haben sich selbstständig gemacht und haben neue Kinos aufgemacht. Wann war das?

Rolf Arno Streit: ”Sie waren, wie gesagt, Direktoren der Ufa bis 1925 oder 1926 . . . und haben sich dann selbstständig gemacht und haben die erste . . . das erste Kino . . . gekauft, die Schauburg Hauptbahnhof . . . die damals anders hieß . . . der Name ist mir entfallen . . . das ist die spätere Barke gewesen. Am Hauptbahnhof. Dadurch . . . Nach und nach haben sie andere Kinos gebaut . . . im ganzen waren . . . bestand der Henschel Film und Theaterkonzern . . . wie er sich nannte . . . aus 12 Kinos. Schauburg Hamm, Schauburg Hammerbrook, Schauburg Wandsbek, Schauburg Harburg und diverse andere . . . die mir im Moment nicht einfallen. Auf jeden Fall waren es zwölf Großkinos und der Konzern war dadurch . . . der größte Konzern in Hamburg . . . was die Theaterbranche . . . die Kinobranche anbelangt“. Frage: Sie hatten mir erzählt, sie haben auch mal eine Eröffnung miterlebt . . . von der Schauburg am Millerntor (1927) . . . das war ja ein sehr großes Kino und zur Eröffnung ist Henny Porten gekommen . . . können sie da noch mal was erzählen? Rolf Arno Streit: ”Ja ich kann darüber erzählen, aber ich weiß, ob es die Schauburg Haupt . . . Schauburg Millerntor war . . . es kann irgend eine andere Schauburg gewesen sein. Alle Schauburgen wurden eröffnet mit irgendeiner Sensation, so auch eine . . .  (LKW Lärm) . . . so auch eine Schauburg mit der Henny Porten. Die Henny Porten kam in Hamburg an . . . am Hauptbahnhof. Es waren viel mehr Menschen dort . . . als seiner Zeit der Reichspräsident Ebert ankam, das schrieben die Zeitungen . . . später. Andere Schauburgen wurden eröffnet mit anderen Filmschauspielern unter anderem auch einmal durch einen Ball bei . . . Sarasa . . . bei . . . in . . . dem Saal . . . ich komm nicht auf den Namen . . . (vermutlich Sagebiel) . . . auf dem größten Saal in Hamburg. Da wurden dann die Leute gefilmt, entweder die getanzt haben oder selbst gesprochen haben und dieser Film wurde vorgeführt in den Schauburgen und die ganzen Leute die gefilmt wurden, haben sich natürlich die Filme angeguckt. Das war ein gutes Geschäft. Nicht nur eine gut Idee, sondern auch ein gutes Geschäft . . . Es wurden auch andere eröffnet mit Emil Jannings, soweit ich erinnere und durch andere Sensationen . . . ich kann nicht auf die ganzen Sachen eingehen, weil die Erinnerung mir nicht die . . . Carl Heinz Streit: (der ältere Bruder) ”Lucie Englisch war auch einmal da.” Rolf Arno Streit: ”Lucie Englisch ja . . . sprich du mal weiter. Carl Heinz Streit: ”Ja ich weiß ja nicht so viel wie du. Du hast doch die ganze Wiedergutmachung betrieben. Dadurch bist du mehr im laufenden.” Frage (an Carl Heinz Streit): Sie haben doch auch mal im Henschel Film und Theaterkonzern gearbeitet? Ein Jahr lang . . . ? Carl Heinz Streit: “Ja in der . . . in dem Booking Department . . . wie heisst das auf Deutsch? Programmation gearbeitet . . . Aber ganz kurze Zeit nur. Frage: Was gab es da für Filme . . . wissen sie das noch? Carl Heinz Streit: “Boh ! . . . an die Filme kann ich mich nicht mehr erinnern. (lacht) Rolf Arno Streit: “Es gab zum Beispiel . . . es wurde in den Schauburgen gezeigt. Der erste Tonfilm mit Harry Liedtke und Marlene Dietrich, der hiess „Ich küsse ihre Hand Madam“. Es waren aber nur einige Minuten, die der Ton herausgekommen ist, nämlich das Lied, ich küsse ihre Hand Madam wurde gesungen von Marlene Dietrich mit dem Harry Liedtke zusammen . . . (Richard Tauber war der Sänger – Länge: 2 Minuten 38 Sekunden). Das war eine Sensation. So fing der Tonfilm in Hamburg an. Später natürlich kamen andere Filme wie zum Beispiel: „Der letzte Mann“ mit Emil Jannings. Das war ein . . . erfolgreicher Film und auch der „Blaue Engel mit Marlene Dietrich . . . Carl Heinz Streit : “ . . . und Emil Jannings“. Rolf Arno Streit: “Ja und Emil Jannings. So nun erzähl du mal wieder was (zu seinem Bruder).“ Carl Heinz Streit: “Dann wurde aufgeführt der Film . . . ich weiß nicht mehr den Namen . . . aber es war dieser Schwarze . . . , der sich als Schwarzer verkleidet hat . . . Al Jolson . . . der Jazzsinger“. Frage: Das war der erste Tonfilm denn auch . . . der erste richtige Tonfilm.

Carl Heinz Streit: “Das war der Tonfilm, der nicht mehr über Grammophon ging. Die ersten . . . die ersten Tonfilme wurden mit Platten bedient. Nachher kam der optische Film. Das war der erste mit Al Jolson“.  Frage: Die Schauburgen – also die Schauburg Hamm und die Schauburg Millerntor . . . das waren ja alles Neubauten . . . das muss ja ne enorme Stange Geld gekostet haben. Wissen sie da irgendwie . . . wieviel das gekostet haben mag? Carl Heinz Streit: “Nein“. Rolf Arno Streit: “Das waren einige Millionen. Ich glaube, mein Großvater – James Henschel- hat das Anfangskapital zur Verfügung gestellt. Vielleicht wurden nachher auch Bankkredite aufgenommen. Ich kann das nicht genau sagen. Aber auf jeden Fall war das ein Großunternehmen und die meisten Kinos sind erbaut worden durch den Verdienst, der schon bestehenden Kinos (Moped im Hintergrund) . . . Die meisten Kinos sind erbaut worden, durch den Verdienst der schon bestehenden Kinos. Die ganzen Schauburgen, bis auf einigen . . . bis auf einigen . . . wurden vom Henschel Film und Theaterkonzern selbst erbaut. Also es waren eigene Grundstücke.“ Frage: Dann waren es . . . wenn ich das so richtig recherchiere . . . dann waren es imgrunde nur zwei . . . zwei große Filmtheaterbetriebe in Hamburg . . . das war der Henschel und die Ufa. Die müssen doch in starker Konkurrenz auch gestanden haben? Rolf Arno Streit: “Ja, solange sie nicht den Ufa Palast gebaut hatten, war das . . . gab es keine große Konkurrenz . . . aber nachdem der Ufa Palast . . . ich glaube es war im Jahre 19 und . . . Ende 1920 . . . vielleicht 1929 . . . oder 28 . . . ich weiß nicht genau . . . da wurde es natürlich eine Konkurrenz. Aber die hat dem Henschel Film und Theater Konzern auch nichts ausgemacht . . . er ist . . . er ist sehr solide geblieben . . . bis zum Ende . . . bis zum Anfang der Nazizeit . . . Da wurde der Henschel Film und Theater Konzern sehr stark betroffen . . . und . . . es wurde ein . . . ein . . . ein Programm gegen die Theater ausgeübt“. Frage: Wann hat das begonnen . . . das man gegen den Henschel Film und Theater Konzern . . . Rolf Arno Streit: “Mit Anfang der Nazizeit . . . 1933 . . . Da wurde der . . . Henschel Film und Theaterkonzern gestempelt als jüdisches Unternehmen . . . und dadurch sind die . . . Besucher ziemlich heruntergegangen . . . .1936 . . . ich glaube mich nicht zu irren . . . (gemeint ist vermutlich der reichsweite Pogrom in der Nacht vom 9/10 November 1938) . . . in der Kristallnacht wurden die Kinos geschändet . . . und zerstört . . . zum Teil, dann haben sie . . . dann haben sich die Nazis davorgestellt und haben keine Juden mehr . . . keine Ar . . . keine Besucher mehr hereingelassen. Dadurch hat der Konzern natürlich sehr stark gelitten.” Frage: Der Henschel Konzern war eine OHG zwischen Hermann Urich – Sass und Hugo Streit und das gab es eine Phase wo . . . ihre . . . ihre Väter das wohl schon voraus gesehen haben . . . sie hatten mir erzählt, er wär . . . der Hugo Streit wär zusammen mit dem einen Geschäftsführer nach Berlin gefahren und wollte das verkaufen . . . das Kino. Können sie darüber was sagen? Rolf Arno Streit: “Ja mein Vater . . . Hugo Streit ist mit Romahn . . . der damals . . . Prokurist gewesen ist, von den Schauburgen nach Berlin gefahren, um mit der Ufa zu verhandeln . . . k . . . önnen wir mal einen Augenblick Schluß machen? ..zu Carl Heinz:. Weshalb ist Papa nach Berlin gefahren? Achso ja . . . kann ich weitermachen . . . Mein Vater ist mit Romahn nach Berlin gefahren, um mit der Ufa . . . (lauter LKW) um mit der Ufa zwecks Verkauf zu verhandeln, die Ufa war interessiert daran, die Kinos zu übernehmen . . . in dieser . . . selben Zeit . . . in diesem selben Zeitabschnitt starb Hermann Urich Sass . . . und Romahn wurde benachrichtigt von dem Tode von Hermann Urich Sass . . . aber sollte nicht stören . . . störend auf die Verhandlungen meines Vaters mit der Ufa wirken . . . Das geschah aber doch aus irgendeinem Grunde, der mir entfallen ist . . . ich glaube durch die Zeitung . . . ich weiß es nicht genau . . . und mein Vater hat die Verhandlungen abbrechen müssen . . . daraus ist nichts . . . leider nichts geworden“. Frage: Das ist ein historisches Datum in zweierlei Hinsicht. Am 27. Januar starb Hermann Urich Sass und am 30. Januar . . . wurde er beerdigt . . . Rolf Arno Streit: „Am 30 . . . wurde Hermann Urich Sass beerdigt, das war an dem Tag als Hitler zum Reichkanzler ausgerufen wurde . . . von Hindenburg . . . später wurde er der sogenannte Fü . . . Führer im möchte lieber sagen Verführer, denn er hat die ganze Welt verführt und sechs Millionen Juden ermordet . . . aber das gehört nicht zu . . . (LKW Geräusch) . . . Soll ich wiederholen. Anfangen mit Hermann Urich Sass, das er starb?“ Frager: Ja Rolf Arno Streit: Mein Vater war mit Romahn dem Prokuristen des Henschel Konzerns in Berlin um mit der Ufa zwecks Verkauf der Kinos zu verhandeln. Während der Verhandlungen ist Hermann Urich Sass gestorben. Das sollte meinem Vater aber nicht mitgeteilt werden, um die Verhandlungen nicht . . . mit der Ufa nicht zu stören . . . und Romahn wurde benachrichtigt, aber er konnte es leider nicht verschweigen, wahrscheinlich hat mein Vater es aus der Zeitung erfahren . . . und ist dann zurückgekommen und die Verhandlungen wurden abgebrochen . . . inzwischen ist der Nazismus weiter gegangen, die Theater wurden weiter geschädigt und die Ufa war nicht mehr interessiert an einem Kauf der Kinos . . . . Später wurde mein Vater gezwungen die . . . nein später wurde eine Kommanditgesellschaft gegründet . . . in dem mein Vater der alleinige Gesellschafter war und die Kommanditisten die Erben des verstorbenen Hermann Urich Sass . . . Später wurde mein Vater gezwungen, die Sachen zu verkaufen . . . oder zu realisiseren, damit . . . die Kinos . . . wie heisst das auf gut deutsch? (An Carl Heinz Streit ) Carl Heinz: “arisiert“. Rolf Arno Streit: “Arisiert worden sind . . . arisiert wurden“. Carl Heinz Streit: “Gleichschalter wurden eingesetzt“ Rolf Arno Streit: “Gleichschalter wurden eingesetzt, das waren Romahn und Schümann . . . die nachher als die Inhaber des Henschel Film und Theaterkonzerns fungierten. Gezahlt haben sie nichts dafür. Dafür hat schon die Partei gesorgt, daß den Juden kein Geld zugefügt worden ist. Und wenn . . . das entsinne ich nicht . . . .ein ganz kleiner . . . Betrag . . . der überhaupt nicht . . . dem Unternehmen entsprach . . . ” Frage: Die Schauburg Lichtspieltheatergesellschaft Romahn und Schümann GmbH . . . wurde ja 1933 schon gegründet mit 20.000,– RM. Nun hab ich mich so gefragt, wie kann man denn mit 20.000,– RM ein Gebäude übernehmen das schon allein 500.000,–RM gekostet hat? Rolf Arno Streit: „Ich glaube sie irren, das war nicht 1930, sondern . . . 1934 oder 1935 . . . Das war nicht 1930. 1930 gehörte doch der Henschel Film und Theater Konzern . . . Frage: Nee 1933 . . . Rolf Arno Streit: Ja 1933 . . . gehörte der Henschel Film und Theater Konzern . . . wurde der Henschel Film und Theater Konzern . . . nach dem Tode von Hermann Urich Sass . . . in eine Kommanditgesellschaft umgewandelt . . . wie ich bereits beschrieben hatte . . . gesagt hatte . . . Aber ich glaube . . . die Gesellschaft Romahn und Schümann wurde gegründet . . . 1935 . . . oder 1936 . . . das war nicht 1930. Frage: Also ich hab nur die Handelsregister Eintragung und danach ist es schon 1933 passiert. Die Gründung selber und die Eintragung ins Handelsregister. Der Widerspruch ist nur der, das man mit so wenig Grundkapital . . . sag ich mal . . . mit 20.000,– RM so teure Kinos dann später übernehmen kann . . . Rolf Arno Streit: “Ja das weiß ich nicht ganz genau, wie die Sachen gewesen sind, ich weiß nur, daß Romahn und Schümann, die ja kein Geld hatten . . . die erste Zeit meinem Vater Zuwendungen gemacht hatten. Das wurde auch von den Nazis so vorgeschrieben, daß die Juden . . . eben die Geschäfte übergeben mußten, das war ein Zwang . . . es lag ein Zwang dahinter . . . ich glaube nicht . . . daß man . . . das Romahn und Schümann . . . ich weiß das Romahn und Schümann kein Geld hatten um das Unternehmen zu kaufen . . . Deshalb ist vielleicht die Eintragung gewesen . . . 20.000 Mark . . . das war eine Schein . . . eine Schein . . . wie nennt man das auf Deutsch? . . . .Eine Schein . . . Sache.“ Frage (An Carl Heinz Streit) Sie haben ja noch in Berlin lange im Filmverleih gearbeitet? Können sie darüber noch was sagen? Carl Heinz Streit: „Ja ich hab bei der Universal Films gearbeitet . . . wo ich nachher . . . in Brasilien auch angestellt wurde.“ Frage: Universal ist ja eine amerikanische Firma, hat die auch . . . Juden entlassen schon . . . zu der Zeit oder . . . Carl Heinz Streit: Es war eine vollkommen amerikanische Firma und der Präsident seinerzeit, als ich anfing bei der Universal war Carl Laemmle . . . das war ja auch ein Jude . . . die waren in ganz Südamerika . . . in ganz Südamerika vertreten durch den Direktor . . . der vorher in Deutschland . . . Direktor für ganz Europa war . . . Al Szeckler * . . . und als ich in Rio de Janeiro ankam, hat der mich sofort angestellt . . . bei der Universal Films . . . da hab ich gearbeitet als . . . zuerst als Buchhalter, nachher wurde ich versetzt nach Belo Horizonte . . . wo ich die Filiale geleitet habe . . . als Direktor für den Staat Minas Gerais und da hab ich lange gearbeitet . . . zweiunddreissig Jahre . . . in der Universal Films“. Frage: Kommen wir noch mal zurück zu der Zeit . . . sie sind ja aus Deutschland . . . mußten aus Deutschland flüchten . . . das sie mal erzählen, wann das war und wie das so im Einzelnen vor sich gegangen ist. Carl Heinz Streit: “Wir sind 1936 ausgewandert. Sind zuerst in Rio de Janeiro angekommen und von da aus nach Buenos Aires gegangen . . . aber uns gefiel Rio de Janeiro viel besser als Buenos Aires . . . (Lkw Geräusche) . . . willst du nichts erzählen von Sass . . . Hilde Streit: “ . . . das der gestohlen hat . . . Carl Heinz Streit: . . brauchst ja keinen Namen zu nennen . . . sind einem Betrüger in die Hände gefallen“ . . . Carl Heinz Streit: “Das gehört nicht dazu“. LKW Geräusche . . . Frage: Können wir gerne haben. Können ja von irgend einem Mann erzählen . . .Hilde Streit: “Der lebt vielleicht gar nicht mehr” Carl Heinz Streit: “Wo sind wir nun?” Frage: Wir sind noch gar nicht ausgewandert. Sie sind immer schon in Argentinien, aber wir sind eigentlich noch in Deutschland. Carl Heinz Streit: “Naja denn wollen wir noch mal. Also wir sind 1933 ausgewandert . . . mit der . .wir sind nach Brasilien gekommen mit der Monte Pascia (?Schreibweise). Rolf Arno Streit: “Wir sind nicht 1933 ausgewandert.“ Carl Heinz Streit Hilde Streit: “1936 . . . 1936 sind wir ausgewandert . . . sind in Brasilien angekommen . . . sind ungefähr einen Monat in Rio de Janeiro geblieben . . . von da aus nach Argentinien Buenos Aires . . . aber uns gefiel Rio de Janeiro bedeutend besser. Sind wir also . . . nach Brasilien zurückgekommen und . . . da wurde ich sofort angestellt bei der Universal . . . wo der der Direktor der vorjährige Direktor für Europa war . . . Al Seckler . . . da hab ich . . . hab ich ca 40 Jahre gearbeitet bei der Universal.“ Frage: Wie war das.? Das war ja nicht ganz einfach ein Einreisevisum für diese Länder zu bekommen: Rolf Arno Streit: “Ja die Sache war die . . . man hat sich immer den Kopf zerbrochen wohin . . . denn wir wollten und konnten nicht in Deutschland bleiben . . . unter der Naziherrschaft und da kam dann ein Mann zu uns und sagte, er könnte uns Geld rüberbringen nach (lacht) Brasilien und . . . ich will diese ganze Geschichte nicht genau auslegen . . . denn die ist vergessen . . . relativ . . . und auf jeden Fall haben wir das Geld . . . was unser Vater uns gegeben hat . . . nicht ausgezahlt bekommen . . . in Brasilien . . . und der Mann hat dann gesagt . . . das ist versehentlich nach Argentinien überwiesen worden . . . dann sind wir dann alle zusammen nach Argentinien gefahren, wo er dann auch immer wieder die Ausrede hatte . . . es ist noch nicht angekommen. Wir waren vielleicht zwei drei Wochen . . . vier Wochen in Argentinien . . . und da bis dahin das Geld nicht überwiesen wurde . . . wußten wir dass wir einem Betrüger in die Hände gefallen sind. Uns gefiel Rio . . . wie eben schon beschrieben von meinem Bruder . . . uns gefiel Rio besser . . . und deshalb sind wir nach Rio abgefahren und von Rio aus haben wir dann dem Man geschrieben . . . wie das nun ist mit dem Geld . . . daraufhin antwortete er . . . wenn ihr noch mal über die Geschichte fragt oder überhaupt schreibt . . . dann wißt ihr ja, daß ihr noch Eltern in Deutschland habt . . . an die ich mich rächen könnte.” Frage: Sie waren ja schon in Holland, wenn ich das so richtig entsonnen habe und haben ihr Frau nachgeholt nach Holland zum heiraten und haben dadurch das Visum bekommen. Können sie das noch mal erzählen?“ Rolf Arno Streit: “Ja die Sache war folgende. Ich habe meiner Frau die Ehe versprochen, bevor ich Deutschland verließ und wir sind damals nur als . . . als Touristen . . . mit einem Touristenvisum in Brasilien angekommen für die Zeit von einigen Wochen, wir blieben da ungefähr ein halbes Jahr und es war nicht möglich eine Legalisation zu erwirken aus verschiedenen Gründen . . . die mir entfallen sind . . . auf jeden Fall . . . habe ich dann meinem Onkel (Anmerkung 2014:  Dr. Isidor Kahn, verheiratet mit Bianca Kahn geb. Henschel, einer Tochter von Jeremias Henschel, Wohnort Den Haag), der Konsul von Portugal war und in Holland lebte geschrieben, ob er mir helfen kann. Er sagte mir ja . . . er schrieb mir ja, das kann ich machen . . . aber du musst selbst hier herüberkommen, dann wird alles erledigt. Naja ich will nicht weiter darüber reden . . . dass nichts erledigt wurde. (lacht) aber es kam ein Freund meiner Eltern nach Holland um zu hören . . . wie es in Brasilien aussieht, denn er hatte ein Einreisevisum von Brasilien bekommen in Antwerpen von dem Generalkonsul von Brasilien . . . und da hab ich ihn gefragt . . . wie haben sie das gemacht . . . da sagt er einen ganz kleinen Betrag hat er eingezahlt was er in Brasilien wiederbekommen würde und dadurch hat er das sogenannte Kapitalistenvisum bekommen und . . . ist reingekommen . . . und ich hab mir sehr bedankt bei diesem Mann, denn ich bin zwei Tage später nach Antwerpen gefahren und hab dort den Vizekonsul nach dem . . . nach diesem Kapitalistenvisum gefragt und der hat mir dann den Rat gegeben zu heiraten wieder hinzukommen und er würde mir dann das Kapitalistenvisum geben.

Also meine Frau ist dann nach Holland gekommen zusammen mit meinen Eltern und ihren Eltern und da wurde geheiratet in Holland . . . in Haag . . . übrigens wo auch die Prinzessin Juliana geheiratet hat . . . aber das nur nebenbei . . . auf jeden Fall sind wir dann zwei drei Tage später nach Antwerpen gefahren um das Visum zu erhalten aber der Vizekonsul sagt mir . . . es tut mir furchtbar Leid . . . ich kann ihnen das Visum nicht mehr geben, denn es kommt kein Mensch mehr nach Brasilien rein . . . kein Deutscher . . . oder kein Jude ich weiß das nicht mehr genau . . . Hilde Streit: kein Deutscher. . . auf jeden Fall . . . ein Deutscher nicht wahr . . . es war gesperrt . . . vom Außenministerium . . . da hab ich zu dem Vizekonsul gesagt . . . hören sie mal zu ich bin da in einer fürchterlichen Lage, ich kann in Holland nicht bleiben, ich kann nicht nach Deutschland rein, wo ich sofort ins Konzentrationslager gekommen wäre, also was soll ich machen . . . er sagte, ich kann ihnen leider nicht helfen . . . da sagte ich dann . . . kam ich auf die gute Idee und bat ihn mich vorzustellen dem Generalkonsul . . . was geschah . . . dem Generalkonsul habe ich meine Geschichte erzählt . . . und dieser gute Mann hat uns glücklicherweise das Kapitalistenvisum gegeben zusammen mit einem Brief ans Aussenministerium und mir eine Kopie übergeben von diesem Brief . . . in dem unsere Geschichte beschrieben wurde . . . das er keine andere Möglichkeit hatte, als mir das Visum gegen die Anordnung des Ida Maraties (Schreibweise ?) . . . also des Aussenministeriums zu erteilen . . . Aber die brauchte ich nicht, denn wir sind glatt in Rio angekommen . . . Somit fing unsere Geschichte in Brasilien an. Frage: Sie hatten mir gesagt . . . es hätte auch so die Möglichkeit gegeben, daß sie mit einer Ausnahmegenehmigung nach Deutschland für drei Tage fahren und hatten dafür einen bestimmten Ausdruck genannt. Können sie das noch mal erzählen? Rolf Arno Streit: ”Das ist ein . . . ich weiß nicht mehr genau wie das hieß . . . auf jeden Fall war das . . . wurde das Leuten . . . auch Juden erteilt . . . (lautes LKW Geräusch) . . . Frage: Einfach noch mal von vorne . . . diese Ausnahmegenehmigung . . . Rolf Arno Streit: “Diese Einreisegenehmigung für zweidreivier Tagen wurde Juden auch gegeben, um zum Beispiel die Eltern zu beerdigen oder irgend welche . . . aus irgendwelchen Anlässen und diese hab ich mir auch erhofft zu erhalten . . . aber hab sie nicht erhalten . . . bin von dem Konsul in Amsterdam (Hilde flüstert vor: gewarnt worden . . . gewarnt worden) . . . nicht gewarnt worden . . . erstmal rübergerufen worden . . . da hat er mir dann gesagt . . . das es leider nicht möglich ist . . . ich soll . . . die Einreisegenehmigung ist nicht bewilligt worden . . . und da hab ich gesagt zu ihm . . . das könnten sie mir doch auch am Telefon gesagt haben . . . und darauf hin gab er mir keine Antwort . . . also ich bin wech gegangen . . . verärgert . . . und er ist mir nachgelaufen . . . der Konsul . . . Hilde: das war ja deutscher Boden, nech . . . das Konsulat . . . Rolf Arno Streit: „Konsulat war Deutscher Boden . . . da kam der . . . da kam mir der Konsul nachgelaufen ich soll um gotteswillen nicht nach Deutschland einwandern ohne diese Genehmigung, denn ich käme sofort ins Konzentrationslager . . . na daraufhin haben wir dann in Holland geheiratet . . . wie ich schon gesagt habe . . . ” Frage: Hätte man denn mit dieser Genehmigung den Nazis eigentlich trauen können? Rolf Arno Streit: “Das kann ich ihnen nicht sagen (lacht), weil ich das nicht erlebt habe . . . aber ich weiß von Leuten, die rübergegangen sind und wieder rausgekommen sind . . . zwei drei Tage um Eltern zu beerdigen . . . oder irgendwas, aber ich hätte es gewagt, wenn ich das bekommen hätte. In Deutschland geheiratet zu haben . . . wäre für mich einfacher gewesen . . . als in Holland . . . bei meiner Tante, bei der ich gelebt habe. Frage: Sie sind dann zu dritt aufm Dampfer von Amsterdam ? oder von Antwerpen . . . Hilde Streit: zu zweit zu zweit . . . Rolf Arno Streit: “Zu zweit sind wir gefahren . . . denn mein Bruder war ja schon hier. Carl Heinz Streit: ”Ich war ja drüben geblieben.“ Rolf Arno Streit: “Wir sind gefahren mit einem deutschen Dampfer . . . mein Vater hat uns eine Passage geschenkt mit der Monte . . . sie cerra campus (Schreibweise ?) Rolf Arno Streit: „ si cerra campus war das auch nicht . . . Hilde Streit: Nee das war ein sehr schönes Schiff . . . das war das schönste an der ganzen Reise . . . Rolf Arno Streit: „Cap Norte . . . das war die Cap . . . Cap Norte . . . das war die Cap . . . wir sind mit der Cap Norte wieder nach Brasilien gefahren.“ Frage: Nen Hamburg Süd Schiff ne?Rolf Arno Streit: “Hamburg Süd Schiff“ Hilde Streit: „Das schönste von der ganzen Reise .“

Rolf Arno Streit: “Das war ein Schwesternschiff der Cap Polonio . . . und dann sind wir drüben abgekommen . . . wieder hier in Rio . . . und dann ging die Arbeit los . . . das war nicht einfach . . . ich persönlich habe Klavier gespielt abends für eine . . . für einen Club . . . nicht jeden Abend aber Sonnabend und Sonntag auf jeden Fall . . . und einmal die Woche und dann hab ich eine Anstellung bekommen als Aufseher in einer Eimerfabrik . . . da waren Ratten . . . die Eimer wurden teilweise gemacht aus . . . Hilde Streit: Marmeladen . . . Marmeladendosen . . . also großen Marmeladengefässen und die Ratten, die haben sich dabei . . . davon . . . dadurch ernährt . . . aber wenn die Maschinen zur Mittagszeit abgestellt wurden  . . . dann liefen mir die Ratten über die Füsse . . . (lacht) . . . das entspricht der Wirklichkeit . . . aber ich bin dort geblieben . . . einige Monate, bis ich dann den Entschluß gefasst habe, wieder rüberzufahren . . . nach Europa . . . also nach Holland, um zu heiraten . . . weil ich immer meine Versprechungen im Leben gehalten habe und so auch diese . . . nun sind wir sehr glücklich verheiratet schon über 50 Jahre . . .

Hilde Streit: “Dreiundfünfzig“ . . . (lauter LKW).

Frage:. Die fünfzig Jahre sind nicht mehr drauf.

Rolf Arno Streit: “Wir haben schon unsere goldene Hochzeit hinter uns und sind schon dreiundfünfzig Jahre verheiratet. Gottseidank geht es uns heute gut . . . wir sind glücklich . . . wir haben zwei Kinder . . . leider ist eine gestorben . . . ..

Pause Kassettenwechsel

Rolf Arno Streit: “Mein Vater und mein Onkel betrieben auch die Scala am Schulterblatt, das war ein Tanzlokal . . . das größte Tanzlokal von Hamburg . . . dazu gehörten auch die . . . das eine Ballhaus Filmzauber und ein Ballhaus Uhu und noch andere, die mir entfallen sind . . . auf jeden Fall war das ein Zweigunternehmen von den Schauburgen . . . Frage: Sind sie da mit ihrer Frau auch Tanzen gewesen? Hilde Streit: “Ne wir waren . . . da waren wir noch gar nicht verheiratet.”Frage: Man kann ja auch tanzen, ohne verheiratet zu sein. Rolf Arno Streit: “Wir haben uns da sehr gut amüsiert . . . als junge Leute . . . aber mit meiner Frau war ich nie da, denn da . . . damals war das schon nicht mehr möglich . . . ich glaube, die sind auch später abgestossen worden . . . das entsinne ich aber nicht mehr genau. Auf jeden Fall haben wir jungen Leute uns sehr gut da in der Scala amüsiert. Obwohl wir noch nicht achtzehn Jahre alt waren . . . und eines Tages . . . fällt mir grade ein sind wir . . . bin ich mit verschiedenen Freunden dahin gegangen und da sagte ein Mann von der Kapelle, es kommt Jung-Jerusalem . . . und das hat der Freund mir wiedererzählt . . . ich sag, was hat er gesagt? Jung-Jerusalem . . . also Antisemitismus . . . das war vor der Nazi Zeit . . . da kam dann mein Onkel Hermann Urich-Sass hinein und dem hab ich das erzählt . . . der ist dann raufgegangen zur Kapelle hat gesagt wer hat gesagt ist Jung Jerusalem . . . .da wollte sich erst keiner melden und da hat er gesagt, ich entlasse die ganze Kapelle, wenn ich nicht sofort weiß, wer das gesagt hat. Da hat er sich gemeldet. Und den hat er sofort rausgeschmissen. Der ist dann zu Gericht gegangen und wollte sein Gehalt haben . . . das nicht bezahlt worden ist . . . da musste ich als Zeuge . . . vor Gericht treten um zu beweisen . . . also um zu  . . . auszusagen . . . um auszusagen, daß er das gesagt hatte und er hat es auch zugegeben . . . aber er wollte sein Gehalt haben . . . da hat der Richter gesagt . . . er entschuldigte sich damit . . . er wollte einen Spaß machen , . . . da hat der Richter gesagt . . . wenn sie einen Spaß machen wollten . . . dann müssen sie auch die Konsequenzen dafür bezahlen . . . und wir haben den Prozess gewonnen. Hilde Streit: ”Aber denn hat er gesagt, wie alt du bist“ . . . Rolf Arno Streit: „Dann fragte er mich noch, wie alt ich bin, da hab ich mein Alter gesagt, sechzehn Jahre oder fünfzehn Jahre . . . sechzehn Jahre war ich wohl und da sagt er . . . ja dagegen ist doch die Oberschulbehörde wahrscheinlich angegangen, dass sie mit sechzehn (lacht) Jahren sich schon in solchen Lokalen aufhalten. Dann habe ich zu ihm gesagt, ich bin geschickt worden von meinem Vater . . . (lacht) der der Inhaber der Scala war, um nachzusehen, ob da alles in Ordnung ist. Hilde Streit: ” . . . der hat davon gar nicht gewußt” Rolf Arno Streit:” . . . mein Vater aber wußte gar nichts davon, denn er war sehr strenge . . . im Gegensatz zu Hermann, der viel mehr Verständnis für solche Angelegenheiten hatte (lacht)..und..ich weiß nicht mehr genau, wie das ausgelaufen ist . . . auf jeden Fall mein Vater hat mich nicht bestraft, weil wir ja den Prozess gewonnen haben . . . Ja das war alles, was ich über die Tanzlokale berichten kann . . . da war glaub ich noch ein Lokal Filmzauber und auch der Faun . . . der hatte den selben Eingang . . . also Nebeneingang . . . vom Lessing Theater . . . da waren sie auch . . . der war auch . . . der gehörte auch zu den sogenannten Freudenhäusern . . . Frage: (an Carl Heinz Streit) Wissen sie noch was aus ihrer Jugend, was da so berichtenswert wäre? Carl Heinz Streit: “Mit der Scala möchte ich noch bemerken, daß . . . und abends in die Scala war das Wort, das sie gebraucht haben als Propaganda . . . das ist . . . die Scala bestand auch in Berlin . . . die Berliner . . . sind dagegen an gegangen und da haben sie es umbenannt. Anstatt und abends in die Scala und wieder in die Scala . . . .aber sonst aus Berlin wüßte ich nichts mehr zu berichten”. Frage: Mußten sie nun auf den jüngeren Bruder immer aufpassen? Carl Heinz Streit: “Nein (lacht) ich war in Berlin und er hat in Hamburg gelebt . . . ne ganze Zeit lang.”Frage: Ja aber vorher doch Carl Heinz Streit: “Vorher? nein wir haben uns immer sehr gut verstanden” Rolf Arno Streit: “Ich hätte mir auch nicht reinreden lassen von meinem älteren Bruder . . . aber wie mein Bruder eben gesagt hat . . . betont hat . . . wir waren immer nicht nur Brüder sondern auch Freunde und haben alles gemeinsam erlebt und . . . ” Frage: Sie hatten mir erzählt, sie waren dann später bei zwei Konkurrenzfirmen ja eigentlich eingestellt als . . . Rolf Arno Streit: “Also ich war bei der Columbia angestellt als Direktor für . . . für den Staat Minas Gerais und hab dort gearbeitet etwa 14 Jahre . . . da wurde mir ein Angebot gemacht von der United Artists mit höherem Gehalt . . . zu United Artists gegangen “(lauter LKW) . . . Frage: Ich glaub, das müssen wir ganz nochmal haben . . . das müssen wir noch mal von vorn haben. Rolf Arno Streit: “Also ich war circa 14 Jahre Direktor bei der Columbia . . . Columbia Pictures of Brazil . . . für Minas Gerais . . . später war ich Direktor bei der United Artists . . . auch für Minas Gerais . . . weil sie mir ein größeres Gehalt geboten hatten . . . und daraufhin bin ich dann . . . in eine Firma . . . zu einer Firma gegangen, die brasilianische Filme vertrieben hat . . . Sie sind zu mir gekommen und haben mich gebeten, die Sache zu übernehmen, was ich auch getan hab . . . weil ich dort etwas mehr verdient habe . . . ich bin immer nach . . . ich war immer ein guter Rechner . . . so ist es mir auch diesmal passiert. . . Frage: (an Carl Heinz Streit) Sie waren in der gleichen Zeit auch bei der Konkurrenzfirma . . . sie haben sich doch wahrscheinlich mit ihrem Bruder immer um die Kinotermine streiten müssen, wer nun die besten Kinotermine bekommen hat . . . Carl Heinz Streit: Nein . . . der Hauptkunde hier in Belo Horizonte . . . Hilde Streit (über den LKW Lärm . . . Jetzt gehts los, jetzt kommen die alle zurück. Dies ist hier an sich ruhiger, denn dahinten wohnen die armen Leute, die haben alle keine Autos . . . ” Carl Heinz Streit: ”Nein wir haben uns immer sehr gut verstanden und der Hauptkunde hier in Belo Horizonte war die Cineteatro Minas Gerais, der Hauptinhaber ist ein gewisser Luciano . . . gewesen, der vor kurzem . . . vor vier Wochen gestorben ist . . . ist der . . . einer der reichsten Männer der Welt . . . der Welt nicht, von Brasilien. . . man schätzt ihn auf über drei Billionen Dollar . . . die er hinterlassen hat . . . aber er hat auch . . . man sagt ihm nach . . . er hätte noch dreissig uneheliche Kinder . . . Hilde Streit: ”Die streiten sich nun alle mit den ehelichen”. Carl Heinz Streit: ”Ja ja . . . ehelichen sind zwei Kinder und eine . . . ein angenommenes Kind . . . also drei haben das Hauptrecht, die kriegen schon den . . . die . . . Departe . . . ” Hilde Streit: “Teil den Teil der Mutter, die vor drei Jahren ungefähr gestorben ist . . . ” Frage: (zu Carl Heinz Streit) Können sie noch mal sagen, bei welcher Firma sie im Verleih tätig waren. Carl Heinz Streit: “Bei der Universal Pictures . . . die hat hier gehiessen Universal Film SA . . . da war der Konzern von Carl Laemmle. Carl Laemmle war . . . die Universal Pictures in den Staaten die ausserdem das größte Atelier in Los Angeles haben . . . ich glaub, sie haben das selbst gesehen, das Atelier . . . es war das größte der ganzen Welt . . . ” Rolf Arno Streit: “Also bei den Filmfirmen war das so das jedes Jahr eine neue Produktion herauskam. Bei der Columbia waren es meistens so etwa fünfzig Filme, die die Filmtheaterbesitzer . . . haben abnehmen müssen. Es wurde dann zur Hauptsache mit Festpreisen gemacht und immer zweidrei Filme prozentual vermietet. Das heisst die Filmfirma war beteiligt an dem Umsatz der Theater mit fünfzig . . . sogar sechzig Prozent . . . oder ein Film wie zum Beispiel ich komm nicht mehr auf den Namen . . . auf jeden Fall Großfilme (Hundegebell) wurden auch vermietet bis zu siebzig Prozent. Das war natürlich Wucherei, aber die Leute konnten nicht anders, sie mußten es machen . . . da hat da . . . zu diesem Zweck haben wir Fiskale geschickt . . . Fiskale . . . die Übersetzung sind . . . Schrecker ? Hilde Streit: Fiskale ist auf der ganzen Welt . . . ist das richtig . . . nein Kontrolleure . . . Kontrolleure das ist es . . . die haben mit einer Zahluhr die Zahl der Besucher feststellen . . . und das war immer ne sehr unangenehme Sache, denn die . . . naja ich will darüber lieber nicht sprechen . . . es hat keinen Zweck . . . auf jeden Fall haben die Kompanien sehr gut verdient, sowohl an den Filmen, die zu Festpreisen vermietet wurden oder eben prozentual . . . das war unser Hauptberuf . . . die Festpreise festzusetzen . . . denn es gab Kinos . . . die hatten fünfhundert Plätze und wenig Einwohner und im Gegensatz zu anderen großen . . . die hatten eben viel mehr Besucher . . . und da wurden die Festpreise natürlich viel höher . . . gemacht . . . Haben sie sonst noch irgendwelche Fragen zu stellen? Frage: Ja, wie viele Kinos im Bereich waren. Rolf Arno Streit: “Es waren wohl . . . nicht Kinos . . . Plätze meinen sie . . . also Städte . . . Städte ja . . . das waren so annähernd hundert Städte, die wir von Minas Gerais . . . bearbeiten mußten . Carl Heinz Streit: “Ich glaub es waren mehr sogar”. Hilde Streit: ”Hunderzwei.” Carl Heinz Streit: “Es waren so hundertundsechzig meiner Ansicht nach“. Frage: Und wieviel Kinos gab es so in jeder Stadt? Kann man das so . . . Carl Heinz Streit: In den kleinen Städten ein Kino.  Rolf Arno Streit: “Wenn es zwei gab, dann wurde uns . . . viel . . . das sehr erleichtert . . . denn wenn der eine nicht zahlen wollte, dann ist man zum anderen gegangen und der hat dann überboten und der hat dann die Filme bekommen. Frage: Kann man sagen, daß es ungefähr zwei bis dreihundert Kinos . . . Carl Heinz Streit:” . . . In Minas Gerais? viel mehr . . . ”Rolf Arno Streit: “Sogar in . . . nur in Belo Horizonte gab es so annähernd . . . Carl Heinz Streit: “zwanzig . . . ”Rolf Arno Streit:” . . . zwanzig bis fünfundzwanzig Kinos . . . das ist Minas Gerais der zweitgrößte Staat von Brasilien . . . ich möchte sagen . . . das es so groß war . . . so groß ist wie Deutschland . . . Hilde Streit: “Größer . . . ” Carl Heinz Streit: “Ich glaube noch größer”. Frage: Die Bundesrepublik hat heute noch . . . ich glaube noch 3100 Kinos . . . wieviel? dreitausendeinhundert . . . in Deutschland? . . . Ja jetzt . . . in der Bundesrepublik. Rolf Arno Streit: ”Ja also ich kann es nicht genau sagen, wieviel es hier gibt, aber sicherlich nicht dreitausend . . . aber vielleicht sogar dreivierhundert . . . ich weiß es nicht genau, die wir zu bearbeiten hatten, ich sprech nicht von Brasilien sondern von nur vom Staate Minas Gerais . . . ” Frage: Sie sind nach dem Kriege 1952 wieder nach Deutschland gekommen um die Wiedergutmachung durchzusetzen. Können sie da mal nen bißchen was erzählen, wie das so passiert ist alles . .

Rolf Arno Streit: “Nein ich bin das erste Mal nach Deutschland gefahren . . . geflogen . . . 1949 . . . um die Wiedergutmachung zu regulieren . . . und hab mit Romahn und Schümann ein Abkommen getroffen, das Sass . . . Urich-Sass, also die Erben Urich-Sass . . . ein Drittel von allem was vorhanden war . . . auch was sie nachher an . . . an Wohnungen gekauft haben oder . . . gebaut haben . . . und ein Drittel Hugo Streit . . . die Familie und ein Drittel Romahn und Schümann zusammen. Das war eine aussergerichtliche Einigung . . . wenn sie das nicht gemacht hätten, dann wäre ich natürlich zu Gerichtsjustiz gegangen und hätte vielleicht mehr vielleicht weniger erfahren . . . aber es war ein günstiges Abkommen für beide Teile. Denn die Romahn und Schümann haben sich meinem Vater gegenüber bei der Ausreise . . . bei seiner Auswanderung anständig gezeigt . . . sie haben ihm Zuwendungen gemacht . . . die sie nicht nötig gehabt hätten . . . und da hat mein Vater zu mir gesagt . . . wenn du rüber fährst und die Sache in Ordnung bringst . . . berücksichtige dass . . . dass sie anständig gewesen sind . . . was ich auch getan habe . . . wir hätten natürlich alles haben können . . . übernehmen können . . . aber es war schon richtig so . . . (LKW Geräusch) . . . hinzukam, daß niemand von unseren Familien wieder nach Deutschland zurück gehen wollte, um die . . . um das Unternehmen zu führen . . . deshalb hab ich das so gemacht und das war auch im Einverständnis mit meinem Vater und meinen . . . den Urich-Saß Erben geschehen. Frage. Sie haben dann auch für den Manfred Hirschel noch ein Telefongespräch mit der Klara Esslen geführt über das Waterloo Theater . . . Können sie darüber noch mal was erzählen? Rolf Arno Streit: “Ja das Waterloo Theater gehörte irgendwie Manfred Hirschel . . . der ist verheiratet gewesen mit meiner Tante . . . der Schwester meines Vaters . . . und der bat mich als ich rüberging auch mal mit der Frau Esslen, die das Kino irgendwie bekommen hatte, wie weiss ich heute nicht mehr und mich mit der zu unterhalten zwecks Wiedergutmachung und diese Frau ist mir unverschämt gekommen und da hab ich das dann meinem Onkel geschrieben, dass ich leider für ihn nichts tun kann, denn ich hab genug mit meinen Sachen zu tun und außerdem ist sie unverschämt gewesen . . . hat mir gesagt . . . vorgelogen . . . Sachen, die ich nicht glaubte und mein Onkel, der hat später selbst die Sache durchgeführt und hat auch eine Entschädigung bekommen . . . Wie die gewesen ist, weiß ich nicht . . . ” Frage: Wenn sie heute beide an Deutschland denken . . . was . . . welche Gefühle haben sie da? Rolf Arno Streit: “Es war einmal sehr schön . . . sehr schön . . . wir sind in Deutschland geboren worden, waren Deutsche und obwohl schon in früheren Zeiten . . . ein Antis . . . ein gewisser Antisemitismus herrschte   . . . aber als dann die Nazis kamen . . . nicht wahr..und dann der Durchbruch des Antisemitismus gewesen ist . . . da war . . . da waren wir froh als wir draußen waren. Carl Heinz Streit: „Das was geschehen ist, das kann man nicht mehr vergessen. War zuviel und deswegen sind die meisten auch nicht wieder zurückgegangen nach Deutschland. Hilde Streit: „Nein, ich glaub, sehr wenige zurück gegangen nach Deutschland.“ Carl Heinz Streit: “Sehr wenige” Rolf Arno Streit: “Sehr wenig Leute . . . Juden sind zurückgegangen nach Deutschland. Einige, die nichts hier werden konnten sind zurückgegangen um dort Stellung zu bekommen . . . was vielleicht auch möglich gewesen war, aber die meisten sind hier geblieben, weil sie hier ihre zweite Heimat gefunden haben . . . . Hilde Streit: ”Wir sind zum Beispiel eine der wenigen, die überhaupt noch Deutsche geblieben sind, die anderen sind alle keine Deutschen mehr. Fast alle. Von unseren Bekannten bist du wir und Einsturz aus . . . ” Rolf Arno Streit: “ . . . naja aber es gibt natürlich diverse Deutsche, die wir nicht kennen, die auch Deutsche geblieben sind . . . also deutsche Juden . . . sind Deutsche geblieben. Aber wenig. Wir haben das Recht, das brasilianische Recht erworben durch unsere Anwesenheit von über fünfzig Jahren hier und wir haben ausserdem noch die Möglichkeit nach Deutschland zu reisen . . . ohne Visum und so weiter . . . Carl Heinz Streit: “Wir haben ausserdem brasilianische Kinder . . . ich persönlich bin mit einer Brasilianerin verheiratet . . . wir haben so gut wie die selben Rechte (lauter LKW) eines Brasilianers Frager: Bitte noch mal ohne LKW Carl Heinz Streit: ”Wo wo soll ich anfangen?” Hilde Streit: ”Das du ne brasilianische Frau hast . . . ne Carl Heinz Streit: ”Außerdem haben wir brasilianische Kinder und ich persönlich bin mit einer Brasilianerin verheiratet und dadurch haben wir die selben Rechte wie ein Brasilianer. Nur das wir nicht Präsident der Republica werden können . . . Präsident von Brasilien . . . Hilde Streit: “Man kann auch kein Briefträger werden. Irgend etwas kann man nicht werden, was sehr wichtig ist. Rolf Arno Streit: ”Auf jeden Fall haben wir sehr viel mit durchgemacht, besonders deswegen . . . besonders in den Jahren als meine Eltern noch nicht hier waren. Es wurde ja immer schlimmer und schlimmer und mein Vater wurde gehetzt von der Gestapo und hat sich geflüchtet auf Landstrassen und auch auf Böden von Freunden . . . Boden heisst das da oben . . . ganz oben . . . da hat er geschlafen . . . er hatte einen Bekannten bei der Gestapo war, der ihm gut gesonnen war und der hat ihm immer berichtet, wenn er weggehen müßte, denn es kam eine . . . Nazi . . . Nazi Razzia und die wollten ihn abholen . . . da ist er gottseidank . . . dem ist er gottseidank entgangen eben durch diesen Bekannten bei der Gestapo . . . wenn ich den Namen wüßte würde ich ihn sagen, um ihm nochmal zu danken für alles . . . das was er für meinen Vater getan hat . . . er wird aber gar nicht mehr leben . . . und dadurch hat mein Vater sich gerettet vor dem Konzentrationslager. Ja “(Autogeräusche) Hilde Streit: “Sonst ist es eigentlich leiser hier”. Frage: Sonst hört man es vielleicht nicht so, wenn man nicht darauf achtet. Hilde Streit: “Dann finde ich es immer leiser als bei uns”. Carl Heinz Streit: “Bei uns hinten hört man überhaupt nichts “ (Warum sind wir da damals nicht hingegangen?) Frage. Wie oft waren sie jetzt nach dem Kriege in Deutschland? Rolf Arno Streit: “Ich war nach dem Kriege sieben oder achtmal in Deutschland, fünfmal wegen der Wiedergutmachungsgeschichten und Hilde Streit: Wie oft waren wir da . . . Rolf Arno Streit: Das darfst du ja nicht sagen. Hilde Streit: „Warum nicht?“ Rolf Arno Streit: “ . . . (lacht) und flüstert . . . weil wir noch eine Einreise haben wollen.“Hilde Streit Achso.(lacht) Rolf Arno Streit: „Bringen sie das bitte nicht mit rein.(lacht)“ Hilde Streit: „Achja wir wollen ne Einreise haben“ Frage: Es gibt doch so Einladungen auch . . . Hilde Streit: „Ne Einladung vom Senat.“ Frage: Die haben gerade dieses Jahr wieder so ein Programm aufgelegt. Hilde Streit: „Ja eben, denn fahren wir wieder hin.“ Rolf Arno Streit: „Ja ich persönlich hab geschrieben, ich war schon in Deutschland . . . und deshalb würde mir das nicht . . . beschieden . . . aber meine Frau . . . die noch nicht in Deutschland war. (Hilde Streit lacht) wird . . . da meine Frau noch nicht in Deutschland war . . . “ Hilde Streit: „Das ist doch gar nicht mehr drauf.“ Rolf Arno Streit: „Natürlich ist das drauf“ Hilde Streit: „Achja.“ Frage: Wir legen das da nicht vor. Hilde Streit: „Das wird abgeschnitten.“ Rolf Arno Streit: „Da meine Frau noch nicht in Deutschland war, hoffe ich vielleicht durch sie meine neue Einreise zu bekommen.. (lacht) ich persönlich würde so gerne meine Spesen übernehmen, wenn der Senat sie für meine Frau übernimmt“ (LKW Geräusche) Frage. Über den Spesen war der LKW drüber . . . Ich sag . . . über den Spesen war der LKW drüber . . . Rolf Arno Streit: LKW ? Frage: Lastkraftwagen . . . ich weiß nicht wie sie das Dietmar Bruns: Camioao Hilde Streit: Camiao Er spricht ja perfekt Portugisiesch. Rolf Arno Streit: „Soll ich das wiederholen?“ Hilde Streit: „Lieber nicht.“ Rolf Arno Streit: „Ist schon drauf? Ajah Haben sie sonst irgendwelche Fragen zu stelle?“ Frage: Was wir vorhin ja nicht hatten, war den Eisenstein . . . das wir darüber vielleicht noch mal reden, das der Eisenstein ja mit dem Potemkin . . . in den Schauburgen gezeigt hat und das es ja bei der Ufa mehr sone . . . nationale Ausrichtung gab . . . das man so bestimmte Filme nicht mehr gezeigt hat . . . später . . . es gab später “Im Westen nichts neues” der durfte ja bei der Ufa nicht gezeigt werden und der lief dann in den Schauburgen, wissen sie darüber irgendwas noch? Rolf Arno Streit: “Im Westen nichts neues“ war wohl einer der größten Filme, der je hergestellt wurde und ich glaube, er wurde in den Schauburgen gezeigt, aber ich kann das nicht mit Bestimmtheit behaupten . . . ich entsinne, das wir den Film gesehen haben in London . . . wir sind . . . mein Vater hatte eine Einladung bekommen nach London zur Eröffnung eines . . . des größten Theaters von London . . . ich glaub es hieß Empire Palace . . . da wurde der Film “Im Westen nichts neues” “Gone with the wind” aufgeführt Hilde Streit/ Carl Heinz Streit: „Das ist “Vom Winde verweht” Rolf Arno Streit: „Ach das ist Vom Winde verweht. Wie hieß denn der im Westen nichts neues auf Englisch?“ Frage: “All quiet at.” Carl Heinz Streit: “All quiet at the on the eastern front” . . . Hilde Streit: “Und warum durfte das nicht aufgeführt werden? Frage: Das war . . . nicht national gesonnen . . . die haben behauptet das war Gegenpropaganda. Carl Heinz Streit: Remarque Remarque. Rolf Arno Streit: “Ich glaub es war der Film, vielleicht war es auch Gone with the wind . . . ich weiss es nicht. Carl Heinz Streit: „Der kam später, den haben wir in Brasilien gesehen. Hilde Streit: „Ja den haben wir in Brasilien gesehen“ Rolf Arno Streit: „Ja also es war der Film im Westen nichts neues mit dem der . . . mit dem das neue Kino in London eröffnet wurde, da sind wir rübergefahren . . . das entsinnst du noch . . . ” Frage: Ich hab noch eine ein bißchen schwierige Frage. Wie das mit dem Antisemitismus in Deutschland los ging . . . wie ist das bei ihnen gewesen . . . ich mein mehr so das religiöse . . . war das jüdische ne Religion oder war das ne bestimmte Weltanschauung oder waren sie mehr Deutsche oder . . . Rolf Arno Streit: “Wir waren mehr Deutsche als Juden. Wir sind sehr . . . frei . . . liberal erzogen worden, aber wir waren bewußte Juden . . . wir waren wie man sagt Zweitagjuden . . . wir sind nur zweimal im Jahr in die Synagoge gegangen . . . das war zum Neujahrsfest und zum Versöhnungsfest . . . Roshoshone (Schreibweise?) war das Jahresfest und Jomkippur (Schreibweise?) war das Versöhnungsfest . . . oder ist das Versöhnungsfest das auch hier gehalten wird in Brasilien. Aber wir hatten natürlich Unannehmlichkeiten . . . in Deutschland . . . ich hatte eine ziemliche Affäre wegen eines christlichen Mädchens und . . . hatte dadurch sehr große Unannehmlichkeiten . . . (LKW Geräusche) über die ich mit nicht auslassen möchte. Auf jeden Fall . . . die Nazis waren hinter mir her und ich konnte nur durch Selbstverteidigung dem Schlimmsten entziehen . . .  Frage: Wie war das in der Familie ihres Großvaters . . . War das stärker oder weniger stark? Rolf Arno Streit: “Sie sprechen jetzt von der Religion, von der Religiösität? Meine Großmutter war eine sehr religöse Jüdin, mein Großvater nicht. Aber meine Großmutter hatte auch einen jüdischen Haushalt, es wurde dort nur koscher gegessen . . .Hilde Streit: „Haben sie erzählt mit dem Schweinefleisch? . . . “ Rolf Arno Streit: ” . . . ja und mein Großvater, der war sehr . . . sehr wenig religiös . . . und aß sehr gerne Schweinefleisch . . . das kam zweimal im Jahre vor . . . das meine Großmutter von Morgends bis Abends . . . eben an den gehobenen Feiertagen in der Synagoge gewesen ist . . . dann ist er schnell ins Restaurant gegangen und hat dort wunderbares Schweinefleisch gegessen . . . (lacht) Ja . . . Was wollen sie sonst wissen?” Wollt ihr ein bisschen stehen . . . Pause 31. 07. 1990

Rolf Arno Streit am Klavier: Aus Werbezwecken hat man einen Schlager gemacht, den Schauburg Schlager, der den Zuschauern . . . ne ich hab falsch gemacht, können wir noch mal machen?  Ich werde ihnen jetzt den Schauburg Schlager vorspielen, der aus Werbezwecken gemacht worden ist Klavier Rolf Arno Streit singt: Kinder seid vernünftig lasst die Frau durch denn sie will noch schnell mal in die Schauburg.  Klavier Ende Wiederholung Ich werde ihnen jetzt den Schauburg Schlager vorspielen, der aus Werbezwecken gemacht worden ist. Kinder seid vernünftig lasst die Frau durch, denn sie will noch schnell mal in die Schauburg Wiederholung Ich werde ihnen jetzt den Schauburg Schlager vorspielen, der aus Propagandazwecken gemacht worden ist. Kinder seid vernünftig lasst die Frau durch, denn sie will noch schnell mal in die Schauburg. Frage: Herr Streit sie hatten erzählt, als im Februar 1927 die Schauburg Millerntor eröffnet wurde da kam Henny Porten nach Hamburg, können sie das noch mal erzählen wie das war? Rolf Arno Streit: „Ja Henny Porten kam nach Hamburg um die Schauburg Millerntor zu eröffnen. Da haben wir sie abgeholt am Hauptbahnhof. Das war eine Menschenmenge unvorstellbar . . . nachher schrieben die Zeitungen, dass der Bahnhof mehr besetzt war von Menschen als bei der Ankunft von dem Reichspräsidenten Ebert. Ja und dann ist die Henny Porten . . . hat da ein paar Worte gesprochen in der Millerntor Schauburg und das war der Anfang der Schauburg.“ Frage: Wissen sie noch, wie der Film hiess in dem sie da gespielt hat? Rolf Arno Streit: Nein, das weiss ich nicht. Das weiss ich nicht. Frage: Dann sind ja auch in den Schauburgen die Filme von dem Eisenstein gezeigt worden. Können sie das noch mal erzählen? Rolf Arno Streit: „Von Eisenstein ist gezeigt worden . . . wie ich erinnere . . . der Film . . . der Film Potemkin . . . sonst wüßte ich nicht, welche Filme dort aufgeführt worden sind.“ Frage: Wollt ich noch mal nachfragen . . . es lief ja (Flugzeug) . . . es lief ja in den Schauburgen auch der erste Tonfilm . . . dieser Ton war ja nicht sehr lang. Können sie mal sagen wie das ausgehen hat? Rolf Arno Streit: “Der Film hiess “Ich küsse ihre Hand Madam” mit Harry Liedtke und Marlene Dietrich. Innerhalb des Films wurde dann das Lied gesungen . . . vom Blauen Engel ne . . . ich weiß nicht mehr genau . . . es wurde ein Lied gesungen . . . der nicht nachher wie die allgemeinen Tonfilme gespielt ist sondern durch Grammophonübertragung.“ Carl Heinz Streit: „Plattensystem Plattensystem . . . nachher kam das Optik System auf Das war der Jazzsinger mit Al Jolson.“ Frage: Wann war das? Carl Heinz Streit: „Das war gleich danach . . . ich weiss nicht mehr welches Jahr es war.“ Frage: Das war denn schon der richtige Tonfilm. Carl Heinz Streit: „Das war der richtige Tonfilm . . . der optische Tonfilm ja . . . der erste optische Tonfilm“. Frage: Das hat ja bestimmt damals auch ne Menge Geld gekostet. Wissen sie was sowas kostete . . . son Tonfilmapparatur? Carl Heinz Streit: „Die Tonfilmapparatur . . . nein das weiß ich nicht.“ Rolf Arno Streit: „Ja die waren irrsinnig teuer. Wenn . . . das war die erste Schauburg, die damit ausgerüstet . . . die . . . die Tonfilmübertragung gehabt hat.“ Carl Heinz Streit: „ Die optische.“Rolf Arno Streit: „Und dann hintereinander wurden die anderen Schauburgen auch damit . . . versehen . . . Aber wie teuer das war . . . das war ein ungeheurer . . . ungeheuer teuer . . . aber wie teuer kann ich leider nicht mehr sagen. Frage: Es gab ja lange auch einen Streit zwischen den Stummfilmleuten und den Tonfilmleuten und die Stummfilmleute haben ja immer gesagt, das wär gar keine Kunst, das wär irgendwie nur . . . irgendwas anderes. Rolf Arno Streit: „Nun naja . . . die sind mit ihrer Meinung ja nicht durch gekommen denn jetzt gibt es ja nur noch Tonfilme . . . Also das glaub ich nicht, das die damit durch gekommen sind . . . Das so etwas existiert hat, das erinner ich auch . . . aber wird naürlich sofort abgeblasen

Frage: Es gab dann noch . . . den Film ”Im Westen nichts neues” über den ersten Weltkrieg . . . ein amerikanischer Film, der in den Ufa Kinos weder synchronisiert noch gezeigt werden durfte oder sollte. Und der ist ja in den Schauburgen gelaufen . . . Können sie darüber noch mal was sagen: Rolf Arno Streit: „Ja das war ein großer Erfolg . . . aber . . . viel mehr kann ich auch nicht darüber sagen. Er wurde in den Schauburgen gespielt und das weiss ich, das erinner ich, daß mein Vater uns sagte . . . es war ein ganz großer Erfolg . . .  “ Frage: Zur Premiere waren sie . . . waren sie . . . zur Premiere des Films . . . Rolf Arno Streit: „Sicher waren wir zur Premiere des Films . . . aber Einzelheiten kann ich nicht sagen . . . denn das liegt ja schon viele . . . viele Jahre zurück“. Frage: Herr Streit . . . können sie noch mal erzählen, wie sie von Rio nach Belo Horizonte gekommen . . . wann das war.Rolf Arno Streit: „Wir sind angekommen . . . das sagte ich schon im Jahre 1936 . . . mein Bruder und ich . . . Später sind meine Eltern gekommen . . . im Jahre 1938 . . . und wie bekannt ist Rio eine der heißesten Städte der Welt . . . wir haben hier im Sommer . . . Hitze . . . bis zu über 40 Grad im Schatten . . . das konnten meine Eltern nicht vertragen . . . deshalb sind wir nach Belo Horizonte übersiedelt, welches ungefähr achthundert Meter hoch liegt und dadurch . . . einen Filter . . . ein besseres Klima hat. Ich will ihnen jetzt mal kurz mal Belo Horizonte zeigen, was wir von oben hier sehen können.Hier das ist Belo Horizonte (Die sagen immer bello).“ Frage: So sah es doch 1941 bestimmt noch nicht aus . . . das war . . . Rolf Arno Streit: Das möchte ich noch mal sagen. Belo Horizonte, als wir hierher kamen 1941 . . . hat circa hundertfünfzigtausend Einwohner . . . jetzt . . . hat Belo Horizonte etwa drei Millionen Einwohner . . . also ist größer als Hamburg . . . . . . . . . . . . Pause . . . . . . Fotoansichten Carl Heinz Streit: „Dieses Foto ist aufgenommen bei dem Fotografen Bieber, der einstmals der größte Fotograf in Hamburg war. Dies ist mein Vater, dies ist mein Bruder Rolf und dies bin ich. Wie sie sehen habe ich vergessen, das Taschentuch in die Tasche zu stecken und hab dadurch von meinem Vater eine große Tadelung bekommen . . . (Wiederholung) Das hab ich ihnen dann zugedacht. Carl Heinz Streit: „Dieses hier ist die Familie Urich-Saß . . . Mein Onkel Hermann Urich-Saß, meine Tante Hedwig Urich-Saß, meine Cousine Vera . . . schon verstorben . . . mein Vetter Horst Urich-Saß und mein Vetter Jürgen Urich-Saß . . . auch schon verstorben . . . „Wiederholung Carl Heinz Streit: „Dies ist die Familie Urich-Sass . . . Das ist meine Tante Hedwig Urich-Saß . . . schon verstorben, das ist die Tochter Vera . . . auch schon verstorben . . . mein Onkel Hermann Urich-Saß verstorben . . . Jürgen Urich-Saß . . . auch verstorben . . . der einzige überlebende der Familie ist mein Vetter Horst Urich-Saß, der in Mexiko und in den Staaten lebt.“Jetzt kommt das nächste Foto Carl Heinz Streit: „Dieses sind meine Eltern, mein Vater und meine Mutter. Beide auch schon verstorben.“ Dies sind meine Großeltern Frida Henschel und Jeremias -genannt James Henschel . . .Eins ist da noch zwischen . . . ein Kinderfoto „Dies ist mein Bruder Rolf Arno Streit und dies bin ich Carl Heinz Streit . . . das ist aufgenommen vor circa . . . 70 Jahren . . . aufgenommen vor circa 70 Jahren . . . (1990) Rolf Arno Streit und Carl Heinz Streit (ca. 1920)Da war ich sieben . . . und mein Bruder 6 Jahre alt“. Etwas älter. Rolf Arno Streit: Mein Bruder ist ja ein Jahr älter als ich . . . Der Bruder oder selbst. Rolf Arno Streit: „Jein . . . mein Bruder ist ja ein Jahr älter als ich . . . der kann ja nie jünger werden . . . Gut ja . . . „Das Bild mit dem Motorrad.Aber das ist aber so klein. Geht los. Hilde Streit: „Also ich bin einmal . . . einmal in meinem Leben Motorrad gefahren hab keine Ahnung gehabt und der hinter mir gesessen hat hat immer gesagt bremsen und dann hab ich nicht gewußt, wie zu bremsen und hab immer mehr Gas gegeben . . . Frage:  Das Foto ist in Hamburg aufgenommen?. Hilde Streit: „Ja ist in Hamburg aufgenommen worden . . . aber wo kann ich nicht mehr sagen —„Rolf Arno Streit: „Bebelallee ? Wie lange muß das her sein, Hansa Strasse?“ Rolf Arno Streit: Dieses Bild ist aufgenommen auf der Hochzeitsfeier von meiner Tante Grete und von dem Onkel Hermann . . . der ist vielleicht fünfundzwanzigsechsundzwanzig Jahre alt gewesen und meine Tante war ja in den zwanziger . . . Anfang zwanzig . . . sie war die Schwester meiner Mutter . . . ist leider beim ersten Kind verstorben . . . bei der Geburt des ersten Kindes . . . Dies hier ist mein Großvater James und meine Großmutter Frida . . . Dies hier ist mein Vater Hugo Streit . . . und meine Mutter Sophie Streit . . . Hier ist ein Familienbild der Familie Streit . . . das wurde aufgenommen in . . . soweit ich erinnere in den Schauburg Studien . . . es war ein Freund meines Vaters . . . der in den Schauburgen . . . in den Läden der Schauburgen Fotoateliers betrieb . . . Auf diesem Bild sehen sie die ganzen Brüder meines Vaters . . . hier mein Vater . . . hier ein Bruder Max ein Bruder Richard , Bruder Albert . . . ein Bruder John . . . das war der älteste . . . Frauen und die Kinder . . . hier ist die Schwester Grete Hirschel mit ihrem Mann . . . und hier ist noch Franz Traugott, der Prokurist meines Vater geworden ist . . . mit seiner Frau Bianca . . . die vor einigen Jahren mit neunundneunzig . . . Jahren gestorben ist . . . . Hier sind lauter . . . Frage: Den Manfred . . . ist der auch da drauf zu sehen . . . Manfred Hirschel . . . Ist der Manfred Hirschel auch da drauf zu sehen? Rolf Arno Streit: „Hier ist Manfred Hirschel . . . Dies hier ist ein Familienbild der Familie Streit.Und zwar wurde das aufgenommen . . . wenn ich mich nicht irre . . . zum siebzigsten Geburtstag meines Großvaters Jakob Streit . . . Hier sehen sie meine Eltern . . . mein Vater Hugo Streit und meine Mutter . . . hier bin ich . . . schlecht getroffen . . . hier ist Max . . . Richard . . . Albert . . . John . . . Bianca . . . und Grete . . . alles geborene Streits mit ihren Männern . . . hier sitzen die ganzen Kinder . . . also meine Cousinen und meine Cousins . . . hier ist mein Bruder noch zu sehen. ,, . . . Dies hier ist auf dem Eiffelturm . . . hier sitzt meine Mutter . . . mein Vater . . . mein Bruder Carl Heinz und ich . . . das sind die ersten langen Hosen . . . die wir in Paris von meinen Eltern geschenkt bekommen haben . . . das erinner ich noch . . . hier auf diesem Bild sehen sie meine Großeltern Frida Henschel und James Henschel . . . mit ihrer Tochter Bianca Henschel . . . aufgenommen in Wiesbaden . . . Die ist ein Familien . . . dies ist ein Bild meiner Eltern mit meiner Großmutter . . . “ LKW nochmal alles ? Frage: nur das letzte.Bild Rolf Arno Streit: „Dies ist das Bild meiner Eltern, mein Vater . . . meine Mutter . . . meine Großmutter Frida Henschel . . . und weitläufige Verwandte . . . im Hintergrund sehen sie unseren Cadillac Wagen . . . das war der erste Cadillac von Hamburg . . . und hatte Aufsehen erregt . . . hier ist noch zu sehen unser Chauffeur . . . .Ja das ist mein Vater . . . Auf diesem Bild sehen sie meinen Vater im Hintergrund ein Flugzeug . . . wo das gewesen ist, kann ich ihnen leider nicht mehr sagen .. . . dies sind meine Eltern Hugo Streit und Sophie Streit mit der Schauburg Zeitung . . . Jedes Kino . . . jedes Kino . . . also jede Schauburg hatte eine . . . hat eine . . . hat eine Zeitung bekommen . . . die gleichzeitig ein Programm von dem jeweiligen . . . Film . . . enthalten hat . . .  Hier sehen sie mein Vater Hugo Streit . . . und Hermann Urich-Saß . . . sein Kompagnon . . . die beiden haben die Schauburgen und den ganzen Konzern gemeinsam aufgebaut . . . Auf diesem Bild sehen sie meine Großeltern Frida und James Henschel . . . mein Vater . . . Hugo Streit und meine Mutter Sophie Streit . . . am Europäischen . . . vor dem Europäischen Hof in Baden Baden . . . Auf diesem Bild sehen sie unser Haus in der Rothenbaumchaussee . . . im Vordergrund stehen . . . steht die Familie . . . und hier ist der Cadillac . . . noch einmal richtig zu sehen . . . .Dies ist ein Bild aufgenommen in Rio de Janeiro . . . da sind wir soweit erinnerlich nach Petropolis raufgefahren . . . dies ist meine Frau und dies bin ich . . . Rolf . . . auf diesem Bild sehen sie mein Hochzeitsbild mit meiner Frau . . . die in Holland in Haag . . . gefeiert wurde . . . weil ich seinerzeit nicht mehr nach Deutschland zurückkehren konnte . . . ohne Gefahr zu laufen ins Konzentrationslager zu . . . zu kommen. Da haben wir bei meiner Tante, die damals in Holland lebte . . . Bianca . . . unsere Hochzeit gefeiert . . . Zu der Hochzeit sind die ganzen Verwandten . . . auch meine Großeltern . . . James und Frida . . . auch meine Eltern und die Eltern meiner Frau herübergekommen . . . Tja . . . dies ist ein kleines Bild in Monte Carlo aufgenommen . . . ich ersehe daraus nur . . . mein Großvater James und meine Großmutter Frida . . .  ein Moment . . . Alte Postkarte Cap Norte Dies ist ein Bild von der Cap Norte . . . das Schwesternschiff von der Cap Polonio . . . mit dem wir . . . meine Frau und ich nach der Hochzeit wieder zurückgefahren sind nach Rio . . . zurück bin nur ich gefahren . . . meine Frau habe ich aber mitgenommen . . . Hilde Streit: Dankeschön (lacht) . . . . . . Dies war auch ein Bild . . . hier ist der Betrüger drauf . . . das will ich gar nicht zeigen . . . Frage: Das ist auch von der Überfahrt. Rolf Arno Streit:“ . . . das ist auch der Betrüger drauf.“ Frage: Dann machen wir die Zwischenstation in Portugal noch. Rolf Arno Streit: Was ist das denn . . . Frage: Portugal. Rolf Arno Streit: „In Lissabon Sierra Campus . . . 1937 . . . Auf diesem Bild . . . soll ich anfangen . . . Auf diesem Bild sehen sie meine Großeltern Streit Jakob und Trude . . . .(Strassenbahngeräusche) . . . Auf diesem Bild sehen sie meine Eltern auf der Cap Polonio . . . sie besuchten uns zu jener Zeit in Rio . . . sie besuchten uns im Jahre 1937 . . . nein das kann nicht sein . . . sie sind damals aus Amerika zurück gekommen . . . ich entsinne das nicht mehr ganz genau. . . Hier sehen sie meine Eltern Hugo und Sophie Streit mit den Eltern meines Vaters Trude und Jakob Streit . . . mein Bruder Carl Heinz und ich als der jüngere . . . auf dem Bild erscheine ich der Höhe wegen als der ältere . . . aber in Wirklichkeit bin in der jüngere   . . . hier auf diesem Bild sehen sie meinen Bruder mit seiner Amme . . . das bin ich . . . da . . . da arische Musiker nicht mehr für Juden spielen durften . . . spielen durften haben wir eine jüdische Kapelle gegründet . . . . den Namen Catus . . . ich war der Kapellmeister . . . dies sind alles jüdische Musiker . . . wir spielten sehr viel auf jüdischen Festen . . . privater Natur und auch . . . entsinne ich ein Henry Jones Logenball . . . Henry Jones Logenball . . . Hernry Jones Loge war eine jüddische Loge und die hat dann jedes Jahr ein großes Fest gegeben auf dem wir gespielt haben . . .  Frage: Buenos Aires steht da hinten drauf. Rolf Arno Streit: Buenos Aires . . . die haben gar nichts mit uns zu tun . . . : Ja dann sind wir durch. Frage. Das ist auch schon Buenos Aires Rolf Arno Streit: „Nein das ist Travemünde. Travemünde . . . Ah ja . . . (Hundegebell im Hintergrund)Rolf Arno Streit: „Auf diesem Bild sehen sie wie die Menschen früher am Strand angezogen waren. Dieses Bild zeigt den Strand von Travemünde. Mein Vater im Badeanzug meine Mutter in der Badeho . . . anzug. Mein Onkel . . . alle gut gekleidet . . . hier bin ich und hier ist mein Bruder Carl Heinz Das ist 19 . . . und etwa 1913 gewesen . . . so ging man an den Strand . . . ne eben nicht . . . ich hab mich geirrt . . . es waren keine Badeanzüge . . . es waren Anzüge mit steifen Kragen . . . Eckenkragen . . . meine Mutter in einem eleganten Sommerkleid . . . mit Hut und die Amme hier mit dicken Brüsten zu sehen. Frage: Und das andere Foto . . . können wir das noch sehen?Rolf Arno Streit: „Hier sehen sie wiederum am Strand von Travemünde die ganze Familie in ihren besten Kleidungsstücken . . . „Frage. Da waren laute Kinder, wollen wir das noch mal haben ja einmal Rolf Arno Streit: „Auf diesem Bild sehen sie die ganze Familie wie sie damals vor circa achtzig Jahren am Strand von Travemünde . . . erschienen.“ Hilde Streit: „Jetzt wenn sie in Rio sehen . . . wie die Leute da schwimmen . . . „Frage: Ich glaube, das genügt auch. Ist es alles schön Herr Kameramann? Brasilianisch wird jetzt geredet. Die Fragen stellte Jens Meyer, Kamera hat Dietmar Bruns gemacht

Das Interview mit Rolf Arno Streit, Hilde Streit und Carl Heinz Streit fand am 30. und 31. Juli 1990 in Belo Horizonte, Brasilien statt. Rolf Arno und Carl Heinz Streit sind die beiden Söhne des Kinobesitzerehepaars  Sophie (geb. Henschel)  und Hugo Streit, der zusammen mit seinem Kompagnon Hermann Urich Sass den Henschel Film und Theaterkonzern leitete und besaß. Das Unternehmen wurde in der Nazizeit enteignet (arisiert  nannten die deutschen Nazis das Verfahren). Die Nutzniesser hießen Paul Romahn und Gustav Schümann, ehemalige Angestellte des Henschel Film und Theaterkonzerns.

Interview Jens Meyer

Anmerkung 2017. Der Mann, der  Carl Heinz Streit in Brasilien sofort angestellt hat, war Al Szeckler (in dieser Schreibweise). *Al Szeckler war Direktor der Firma Universal Film SA Brasilien. Jens Meyer 2020

Belo Horizonte 31. Juli 1990. Von links nach rechts: Carl Heinz Streit, Rolf Arno Streit und seine Ehefrau Hildegard Käthe Streit, geb. Sochaczewer, geb. am 9. August 1913, gest. 1993. Foto Jens Meyer

Belo Horizonte Brasilien 1990

Veröffentlicht unter 1936, 1938, Al Szeckler, Alte Texte nicht veröffentlicht, Antisemitismus, Arisierer, Arisierung, Aus dem Antiquariat, Beverly Hills, Carl Laemmle, Carl Lämmle, Clara Esslen, Dammtorstrasse, David Urich Sass, Deutsche Filme, Deutscher Film, Deutsches Reich, Elbchaussee 99, Enteignung, Erich Maria Remark, Erich Maria Remarque, Film, Filmkritik, Fotoarchiv Jens Meyer, Fotos, Frida Henschel, Geschichten aus dem Leben, Gestapo, Hamburg Dammtor, Hamburger Kinos, Hanns Brodnitz, Hanns Henschel, Heimat, Heinz B. Heisig, Heinz Riech, Henschel Film Konzern, Henschel Film- und Theaterkonzern OHG, Hermann Urich Sass, Horst Urich Sass, Hotel Europäischer Hof Baden Baden, Hugo Streit, Im Kino, Im Westen nicht Neues, James Henschel, Jeremias Henschel, Joseph Goebbels, Juden, Judenfriedhof, Judenvermögungsabgabe, Jüdische Flüchtlinge, Jüdischer Friedhof, Jüdischer Friedhof Hamburg Ohlsdorf, Kampen, Kinobesitzer, Kinogeschichte, Laupheim, Lebende Photographien, Licht Bild Bühne, Lichtbildbühne, Norbert Kobler, NSDAP, Obrigkeit, Paris, Reeperbahn, Reichsfluchtsteuer, Remarque, Richard Adam, Sylt, Talmud Tor Schule, Talmud Tora Schule, Talmud Tora Schule Hamburg, UFA, Uncategorized | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , | Schreib einen Kommentar

Neue Fassung nach versehentlichem Löschen

Interview mit Rolf Arno Streit, Carl Heinz Streit, Hilde Streit am 30. Juli 1990 31 Juli 1990 in Belo Horizonte Brasilien

Protokoll der Tonaufzeichnung

Rolf Arno Streit: ”Mein Großvater Jeremias genannt James Henschel war der Erste in Hamburg, der Kinos gemacht hat.

Er ist auf folgende Weise auf diese Idee gekommen. In Paris, so hat er gehört, gibt es einen Grammophon-Laden, dass heisst Leute konnten in den Laden gehen , sich…….wie heisst das?… Telefone an die Ohren legen und konnten dann eine Musik wählen, die sie bekommen haben durch die…..durch das Grammophon. Übertragenen. Das wollte er in Hamburg auch machen und deshalb sind sie dann in Paris gewesen, wo dieser

….wo dieses Grammophongeschäft existierte und sich mit dem Inhaber darüber zu unterhalten…..Auf dem Wege dorthin sind …….stehengeblieben an vor einer riesigen Schlange von Menschen, die alle in ein sogenanntes Cine gehen wollte. Das war eine Neuigkeit für meine Großeltern und…..da wurden eben die ersten Filme vorgeführt. Dann sind sie zu dem Grammophonmann gegangen und sind nachher in ihr Hotel gegangen und haben geschlafen. Meine Großmutter-Frida Henschel -hat zu Madam…..zu meinem Großvater gesagt, weißt du James ich hab es mir überlegt, wir machen nicht Grammophon, wir machen Kinos. Und das war die Idee, das mein Großvater der Erste in Hamburg war, der Kinos eröffnete. So ist auch der Henschel Film und Theaterkonzern nach ihm benannt worden.“

Frage: Das erste Kino war das Belle Alliance Kino? Das war ein sehr großes Kino?

Rolf Arno Streit:“Das kann ich nicht genau sagen, wie groß es war. Auf jeden Fall war das das erste Kino -richtige Kino- in Hamburg…..Hamburg Altona….wenn ich mich nicht irre.“

Frage: Der Großvater hat dann mit Ende des Krieges alle Kinos verkauft, sie haben erzählt an die Ufa. Können sie mal sagen, warum er die Kinos verkauft hat?

Rolf Arno Streit:“Die Ufa ist an meinen Großvater herangetreten . (LkW Geräusch)……….Die Ufa ist an meinen Großvater herangegangen und hat ihm gesagt, entweder verkaufen sie uns ihre ganzen Kinos, oder wir machen ihnen Konkurrenz….das war der…da hat mein Großvater sich entschlossen, seine Kinos an die Ufa zu verkaufen… hat sich für das Geld, das er bekommen hat, sofort Häuser gekauft….Immobilien…..und ist dadurch… durch die Inflation schadlos herausgekommen.

Zu dem Entschluß von meinem Großvater, die Kinos zu verkaufen mußte die Ufa damit einverstanden sein, daß seine Schwiegersöhne -nämlich unser Vater Hugo Streit und unser Onkel Hermann Urich-Saß ….also seine Schwiegersöhne Direktoren der Ufa wurden für Norddeutschland, was geschah“.

Frage: Bis wann waren Hugo Streit und Hermann Urich-Saß Direktoren der Ufa?

Rolf Arno Streit:“Die waren Direktoren bis …..ungefähr 1926 . Ein ganz genaues Datum kann ich nicht sagen, aber …..Mitte der 20iger Jahre ist es wohl gewesen.“

Carl Heinz Streit: Das ist aber richtig. Ich mein, ich erinnere das auch nicht mehr so genau.

Hilde Streit: (zu ihrem Mann): Du weisst es noch besser.

Rolf Arno Streit:

“Ja, durch die ganze Wiedergutmachungsgeschichte….bin ich wieder da……… irgendwie erinnert worden. Das ist ja auch nun schon viele Jahre her.“

Hilde Streit:. Jetzt ist leise…

Carl Heinz Streit: Das kommt aber immer wenn der Omnibus kommt.

Hilde Streit: Ja überall, kommt immer…..bei uns viel mehr noch.

Frage: 1918 wurde die Ufa gegründetund die Ufa trat an ihren Vater heran und er hat seine Kinos verkauft. Können sie das noch mal erzählen?

Rolf Arno Streit:”Ja….nachdem …ist schon …..

Carl Heinz Streit:”Nein, wenn das Licht angeht.

Rolf Arno Streit: Also…. nach dem Kriege 14/18 ist die Ufa an meinen Großvater herangetreten und hat ihm gesagt, wir bauen hier Kinos, oder sie verkaufen uns ihre Kinos.. und da ist mein…….hat mein Großvater den Entschluß gefasst, seine Kinos zu verkaufen…..mit der Bestimmung, daß mein Vater und mein Onkel …Hugo…Hermann Urich Sass Direktoren der Ufa werden von Norddeutschland, was geschah, ausserdem war mein Großvater mit 5 % über viele Jahre an allen Ufa Einnahmen beteiligt

……..und späterhin…auch mit 2,5 % für alle…von allen Kinos, die noch erbaut worden sind später von der Ufa…Mein Großvater selbst hat seine …hat die Inflation überstanden durch Ankauf von Immobilien ….das Geld, was er damals von der Ufa bekommen hatte, hat er sofort angelegt in Immobilien und dadurch ist er aus der Inflation schadlos herausgegangen:“

Frage: Wissen sie noch welche Kinos das waren, die ihr Großvater dort verkauft hat?

Rolf Arno Streit :“Ich kenn einige……weiß ich …..das….zum Beispiel das Lessingtheater , das Passagetheater , das Harvestehuder Lichtspiele und einige andere…….ich entsinne die Namen nicht mehr genau. Auf jeden Fall….vielleicht sechs Kinos, die mein Großvater der Ufa verkauft hat“.

Frage: Das Waterloo Theater gehörte das auch dazu?

Rolf Arno Streit:”Das Waterloo Theater gehörte dazu, ja. Das hat mein Großvater erbaut.Das war damals das vornehmste Kino in Hamburg.“

Frage: Und dann hat ihr Vater Hugo Streit und Hermann Urich-Sass …..haben sich selbstständig gemacht und haben neue Kinos aufgemacht. Wann war das?

Rolf Arno Streit:”Sie waren, wie gesagt, Direktoren der Ufa bis 1925 oder 1926….und haben sich dann selbstständig gemacht und haben die erste….das erste Kino ….gekauft, die Schauburg Hauptbahnhof…..die damals anders hieß……der Name ist mir entfallen……das ist die spätere Barke gewesen.

Am Hauptbahnhof. Dadurch…..Nach und nach haben sie andere Kinos gebaut …..im ganzen waren….bestand der Henschel Film und Theaterkonzern …wie er sich nannte… aus 12 Kinos .Schauburg Hamm, Schauburg Hammerbrook, Schauburg Wandsbek,Schauburg Harburg und diverse andere…..die mir im Moment nicht einfallen. Auf jeden Falll waren es zwölf Großkinos und der Konzern war dadurch ….der größte Konzern in Hamburg ….was die Theaterbranche…. die Kinobranche anbelangt“.

Frage: Sie hatten mir erzählt , sie haben auch mal eine Eröffnung miterlebt…von der Schauburg am Millerntor….das war ja ein sehr großes Kino und zur Eröffnung ist Henny Porten gekommen…können sie da noch mal was erzählen?

Rolf Arno Streit: ”Ja ich kann darüber erzählen, aber ich weiß, ob es die Schauburg Haupt……Schauburg Millerntor war…. es kann irgend eine andere Schauburg gewesen sein. Alle Schauburgen wurden eröffnet mit irgendeiner Sensation, so auch eine ……………….(LKW Lärm)….so auch eine Schauburg mit der Henny Porten. Die Henny Porten kam in Hamburg an ….am Hauptbahnhof. Es waren viel mehr Menschen dort….. als seiner Zeit der Reichspräsident Ebert ankam, das schrieben die Zeitungen…..später.

Andere Schauburgen wurden eröffnet mit anderen Filmschauspielern unter anderem auch einmal durch einen Ball bei …….Sarasa….bei….in… dem Saal …ich komm nicht auf den Namen……….. (vermutlich Sagebiel)……… auf dem größten Saal in Hamburg. Da wurden dann die Leute gefilmt, entweder die getanzt haben oder selbst gesprochen haben und dieser Film wurde vorgeführt in den Schauburgen und die ganzen Leute die gefilmt wurden, haben sich natürlich die Filme angeguckt.Das war ein gutes Geschäft. Nicht nur eine gut Idee, sondern auch ein gutes Geschäft………..Es wurden auch andere eröffnet mit Emil Jannigs, soweit ich erinnere und durch andere Sensationen…..ich kann nicht auf die ganzen Sachen eingehen, weil die Erinnerung mir nicht die ………..

Carl Heinz Streit: (der ältere Bruder)”Lucie Englisch war auch einmal da.”

Rolf Arno Streit : ”Lucie Englisch ja…..sprich du mal weiter

Carl Heinz Streit:”Ja ich weiß ja nicht so viel wie du. Du hast doch die ganze Wiedergutmachung betrieben. Dadurch bist du mehr im laufenden.”

Frage (an Carl Heinz Streit): Sie haben doch auch mal im Henschel Film und Theaterkonzern gearbeitet? Ein Jahr lang…?

Carl Heinz Streit: “Ja in der …. in dem Booking Department ……wie heisst das auf Deutsch? Programmation gearbeitet……….Aber ganz kurze Zeit nur.

Frage: Was gab es da für Filme…..wissen sie das noch?

Carl Heinz Streit: “!Boh……an die Filme kann ich mich nicht mehr erinnern. (lacht)

Rolf Arno Streit: “Es gab zum Beispiel ….es wurde in den Schauburgen gezeigt. Der erste Tonfilm mit Harry Liedtke und Marlene Dietrich, der hiess > Ich küsse ihre Hand Madam<.Es waren aber nur einige Minuten, die der Ton herausgekommen ist, nämlich das Lied, ich küsse ihre Hand Madam wurde gesungen von Marlene Dietrich mit dem Harry Liedtke zusammen……..(Richard Tauber war der Sänger-Länge: 2 Minuten 38 Sekunden).

Das war eine Sensation. So fing der Tonfilm in Hamburg an. Später natürlich kamen andere Filme wie zum Beispiel:> Der letzte Mann< mit Emil Jannings. Das war ein….erfolgreicher Film und auch der >Blaue Engel< mit Marlene Dietrich ……

Carl Heinz Streit : „und Emil Jannings“.

Rolf Arno Streit: “Ja und Emil Jannings.So nun erzähl du mal wieder was (zu seinem Bruder).“

Carl Heinz Streit: “Dann wurde aufgeführt der Film ….ich weiß nicht mehr den Namen… aber es war dieser Schwarze…., der sich als Schwarzer verkleidet hat….Al Jolson…..der Jazzsinger“.

Frage: Das war der erste Tonfilm denn auch… der erste richtige Tonfilm.

Carl Heinz Streit: “Das war der Tonfilm, der nicht mehr über Grammophon ging. Die ersten …..die ersten Tonfilme wurden mit Platten bedient. Nachher kam der optische Film.Das war der erste mit Al Jolson“.

Frage: Die Schauburgen -also die Schauburg Hamm und die Schauburg Millerntor …das waren ja alles Neubauten ….das muss ja ne enorme Stange Geld gekostet haben. Wissen sie da irgendwie….wieviel das gekostet haben mag?

Carl Heinz Streit: “Nein“ .

Rolf Arno Streit: “Das waren einige Millionen. Ich glaube, mein Großvater -James Henschel- hat das Anfangskapital zur Verfügung gestellt. Vielleicht wurden nachher auch Bankkredite aufgenommen. Ich kann das nicht genau sagen. Aber auf jeden Fall war das ein Großunternehmen und die meisten Kinos sind erbaut worden durch den Verdienst, der schon bestehenden Kinos (Moped im Hintergrund)…..Die meisten Kinos sind erbaut worden, durch den Verdienst der schon bestehenden Kinos. Die ganzen Schauburgen, bis auf einigen……bis auf einigen…… wurden vom Henschel Film und Theaterkonzern selbst erbaut. Also es waren eigene Grundstücke.“

Frage: Dann waren es ……wenn ich das so richtig recherchiere…..dann waren es imgrunde nur zwei ….zwei große Filmtheaterbetriebe in Hamburg….das war der Henschel und die Ufa. Die müssen doch in starker Konkurrenz auch gestanden haben?

Rolf Arno Streit: “Ja, solange sie nicht den Ufa Palast gebaut hatten, war das …….gab es keine große Konkurrenz….aber nachdem der Ufa Palast…ich glaube es war im Jahre 19und…..Ende 1920 …….vielleicht 1929 ……oder 28 …..ich weiß nicht genau…. da wurde es natürlich eine Konkurrenz. Aber die hat dem Henschel Film und Theater Konzern auch nichts ausgemacht….er ist …..er ist sehr solide geblieben ……bis zum Ende…..bis zum Anfang der Nazizeit………….. Da wurde der Henschel Film und Theater Konzern sehr stark betroffen…und ….es wurde ein ….ein ……ein Programm gegen die Theater ausgeübt“.

Frage: Wann hat das begonnen….das man gegen den Henschel Film und Theater Konzern …….

Rolf Arno Streit: “Mit Anfang der Nazizeit…….1933…… Da wurde der………. Henschel Film und Theaterkonzern gestempelt als jüdisches Unternehmen…..und dadurch sind die …Besucher ziemlich heruntergegangen. ……1936…..ich glaube mich nicht zu irren….(gemeint ist vermutlich der reichsweite Pogrom in der Nacht vom 9/10 November 1938)……in der Kristallnacht wurden die Kinos geschändet…….und zerstört …zum Teil, dann haben sie……dann haben sich die Nazis davorgestellt und haben keine Juden mehr….keine Ar…..keine Besucher mehr hereingelassen. Dadurch hat der Konzern natürlich sehr stark gelitten.”

Frage: Der Henschel Konzern war eine OHG zwischen Hermann Urich-Saß und Hugo Streit und das gab es eine Phase wo….ihre…ihre Väter das wohl schon voraus gesehen haben ….sie hatten mir erzählt , er wär…der Hugo Streit wär zusammen mit dem einen Geschäftsführer nach Berlin gefahren und wollte das verkaufen…….das Kino. Können sie darüber was sagen?

Rolf Arno Streit: “Ja mein Vater ……….Hugo Streit ist mit Romahn……der damals……..Prokurist gewesen ist von den Schauburgen nach Berlin gefahren, um mit der Ufa zu verhandeln…… k….önnen wir mal einen Augenblick Schluß machen?

..zu Carl Heinz:. Weshalb ist Pappa nach Berlin gefahren? Achso ja….kann ich weitermachen…..Mein Vater ist mit Romahn nach Berlin gefahren, um mit der Ufa …………(lauter LKW) um mit der Ufa zwecks Verkauf zu verhandeln, die Ufa war interessiert daran, die Kinos zu übernehmen ………in dieser……selben Zeit…in diesem selben Zeitabschnitt starb Hermann Urich-Sass…..und Romahn wurde benachrichtigt von dem Tode von Hermann Urich-Sass….

aber sollte nicht stören …..störend auf die Verhandlungen meines Vaters mit der Ufa wirken…Das geschah aber doch aus irgendeinem Grunde..der mir entfallen ist…..ich glaube durch die Zeitung……ich weiß es nicht genau…und mein Vater hat die Verhandlungen abbrechen müssen…daraus ist nichts…leider nichts geworden“.

Frage: Das ist ein historisches Datum in zweierlei Hinsicht. Am 27. Januar starb Hermann Urich-Sass und am 30. Januar …..wurde er beerdigt……

Rolf Arno Streit: Am 30…wurde Hermann Urich Sass beerdigt , das war an dem Tag als Hitler zum Reichkanzler ausgerufen wurde……..von Hindenburg……später wurde er der sogenannte Fü…Führer im möchte lieber sagen Verführer, denn er hat die ganze Welt verführt und sechs Millionen Juden ermordet……..aber das gehört nicht zu ………(LKW Geräusch)…..Soll ich wiederholen.

Anfangen mit Hermann Urich-Saß, das er starb?“

Frager: Ja

Rolf Arno Streit: Mein Vater war mit Romahn dem Prokuristen des Henschel Konzerns in Berlin um mit der Ufa zwecks Verkauf der Kinos zu verhandeln. Während der Verhandlungen ist Hermann Urich-Saß gestorben. Das sollte meinem Vater aber nicht mitgeteilt werden, um die Verhandlungen nicht …..mit der Ufa nicht zu stören……..und Romahn wurde benachrichtigt, aber er konnte es leider nicht verschweigen, wahrscheinlich hat mein Vater es aus der Zeitung erfahren…..und ist dann zurückgekommen und die Verhandlungen wurden abgebrochen

….inzwischen ist der Nazismus weiter gegangen, die Theater wurden weiter geschädigt und die Ufa war nicht mehr interessiert an einem Kauf der Kinos. …………Später wurde mein Vater gezwungen die……nein später wurde eine Kommanditgesellschaft gegründet …in dem mein Vater der alleinige Gesellschafter war und die Kommanditisten die Erben des verstorbenen Hermann Urich-Saß……..Später wurde mein Vater gezwungen, die Sachen zu verkaufen …..oder zu realisiseren, damit …..die Kinos…….wie heisst das auf gut deutsch? (An Carl Heinz Streit ) Carl Heinz: “Arisiert“. Rolf Arno Streit: “Arisiert worden sind…….arisiert wurden“.

Carl Heinz Streit: “Gleichschalter wurden eingesetzt“

Rolf Arno Streit: “Gleichschalter wurden eingesetzt, das waren Romahn und Schümann….die nachher als die Inhaber des Henschel Film und Theaterkonzerns fungierten. Gezahlt haben sie nichts dafür. Dafür hat schon die Partei gesorgt, daß den Juden kein Geld zugefügt worden ist. Und wenn…das entsinne ich nicht… .ein ganz kleiner …..Betrag….der überhaupt nicht ….dem Unternehmen entsprach…..”

Frage: Die Schauburg Lichtspieltheatertgesellschaft Romahn und Schümann Gmbh….wurde ja 1933 schon gegründet mit 20.000,– RM. Nun hab ich mich so gefragt, wie kann man denn mit 20.000,– RM ein Gebäude übernehmen das schon allein 500.000,–RM gekostet hat?

Rolf Arno Streit: „Ich glaube sie irren, das war nicht 1930, sondern ……1934 oder 1935 …Das war nicht 1930. 1930 gehörte doch der Henschel Film und Theater Konzern ……Frage: Nee 1933…

Rolf Arno Streit: Ja 1933…..gehörte der Henschel Film und Theater Konzern….wurde der Henschel Film und Theater Konzern ….nach dem Tode von Hermann Urich-Saß ….in eine Kommanditgesellschaft umgewandelt

…..wie ich bereits beschrieben hatte.. gesagt hatte…..Aber ich glaube….die Gesellschaft Romahn und Schümann wurde gegründet…..1935…oder 1936……das war nicht 1930.

Frage: Also ich hab nur die Handelsregister Eintragung und danach ist es schon 1933 passiert. Die Gründung selber und die Eintragung ins Handelsregister. Der Widerspruch ist nur der das man mit so wenig Grundkapital …..sag ich mal……..mit 20.000,– RM so teure Kinos dann später übernehmen kann. ……

Rolf Arno Streit: “Ja das weiß ich nicht ganz genau, wie die Sachen gewesen sind, ich weiß nur, daß Romahn und Schümann, die ja kein Geld hatten…..die erste Zeit meinem Vater Zuwendungen gemacht hatten. Das wurde auch von den Nazis so vorgeschrieben, daß die Juden …..eben die Geschäfte übergeben mußten, das war ein Zwang…es lag ein Zwang dahinter…..ich glaube nicht…daß man ……das Romahn und Schümann….ich weiß das Romahn und Schümann kein Geld hatten um das Unternehmen zu kaufen……Deshalb ist vielleicht die Eintragung gewesen….20.000 Mark ….das war eine Schein …….eine Schein…….wie nennt man das auf Deutsch? ………….Eine Schein………Sache.“

Frage (An Carl Heinz Streit)

Sie haben ja noch in Berlin lange im Filmverleih gearbeitet? Können sie darüber noch was sagen?

Carl Heinz Streit: „Ja ich hab bei der Universal Films gearbeitet…..wo ich nachher …..in Brasilien auch angestellt wurde.“

Frage: Universal ist ja eine amerikanische Firma, hat die auch …..Juden entlassen schon…zu der Zeit oder ……

Carl Heinz Streit: Es war eine vollkommen amerikanische Firma und der Präsident seinerzeit als ich anfing bei der Universal war Carl Laemmle…..das war ja auch ein Jude…..die waren in ganz Südamerika…..in ganz Südamerika vertreten durch den Direktor …der vorher in Deutschland …Direktor für ganz Europa war….Al Seckler (?)…..und als ich in Rio de Janeiro ankam, hat der mich sofort angestellt….bei der Universal Films

…. da hab ich gearbeitet als….zuerst als Buchhalter, nachher wurde ich versetzt nach Belo Horizonte …….wo ich die Filiale geleitet habe….. als Direktor für den Staat Minas Gerais und da hab ich lange gearbeitet ……zweiunddreissig Jahre …..in der Universal Films“.

Frage: Kommen wir noch mal zurück zu der Zeit……sie sind ja aus Deutschland…mußten aus Deutschland flüchten….das sie mal erzählen, wann das war und wie das so im Einzelnen vor sich gegangen ist.

Carl Heinz Streit: “Wir sind 1936 ausgewandert. Sind zuerst in Rio de Janeiro angekommen und von da aus nach Buenos Aires gegangen ……aber uns gefiel Rio de Janeiro viel besser als Buenos Aires …………(Lkw Geräusche) ………willst du nichts erzählen von Sass ….

Hilde Streit: “….das der gestohlen hat…….

Carl Heinz Streit:”…brauchst ja keinen Namen zu nennen. ….sind einem Betrüger in die Hände gefallen“..

Carl Heinz Streit: “Das gehört nicht dazu“. LKW Geräusche…..

Frage: Können wir gerne haben. Können ja von irgend einem Mann erzählen ……

Hilde Streit: “Der lebt vielleicht gar nicht mehr”

Carl Heinz Streit: “Wo sind wir nun?”

Frage: Wir sind noch gar nicht ausgewandert. Sie sind immer schon in Argentinien, aber wir sind eigentlich noch in Deutschland.

Carl Heinz Streit: “Naja denn wollen wir noch mal. Also wir sind 1933 ausgewandert…mit der ….wir sind nach Brasilien gekommen mit der Monte Pascia (?Schreibweise).

Rolf Arno Streit: “Wir sind nicht 1933 ausgewandert.

Carl Heinz Streit Hilde Streit: “1936….. 1936 sind wir ausgewandert……..sind in Brasilien angekommen ….sind ungefähr einen Monat in Rio de Janeiro geblieben ….von da aus nach Argentinien Buenos Aires …..aber uns gefiel Rio de Janeiro bedeutend besser.

Sind wir also …nach Brasilien zurückgekommen und …. da wurde ich sofort angestellt bei der Universal ….wo der der Direktor der vorjährige Direktor für Europa war….Al Seckler (Schreibweise)…..da hab ich ……hab ich ca 40 Jahre gearbeitet bei der Universal.“

Frage: Wie war das.? Das war ja nicht ganz einfach ein Einreisevisum für diese Länder zu bekommen:

Rolf Arno Streit: “Ja die Sache war die…man hat sich immer den Kopf zerbrochen wohin….denn wir wollten und konnten nicht in Deutschland bleiben…. unter der Naziherrschaft und da kam dann ein Mann zu uns und sagte er könnte uns Geld rüberbringen nach (lacht) Brasilien und …ich will diese ganze Geschichte nicht genau auslegen….denn die ist vergessen….relativ…. und auf jeden Fall haben wir das Geld….was unser Vater uns gegeben hat ……nicht ausgezahlt bekommen …in Brasilien ….. und der Mann hat dann gesagt…das ist versehentlich nach Argentinien überwiesen worden

….dann sind wir dann alle zusammen nach Argentinien gefahren, wo er dann auch immer wieder die Ausrede hatte….es ist noch nicht angekommen. Wir waren vielleicht zwei drei Wochen ….vier Wochen in Argentinien …….und da bis dahin das Geld nicht überwiesen wurde

……wußten wir dass wir einem Betrüger in die Hände gefallen sind. Uns gefiel Rio …….wie eben schon beschrieben von meinem Bruder …… uns gefiel Rio besser… und deshalb sind wir nach Rio abgefahren und von Rio aus haben wir dann dem Man geschrieben…wie das nun ist mit dem Geld…daraufhin antwortete er ……wenn ihr noch mal über die Geschichte fragt oder überhaupt schreibt….dann wißt ihr ja, daß ihr noch Eltern in Deutschland habt…..an die ich mich rächen könnte.”

Frage:Sie waren ja schon in Holland, wenn ich das so richtig entsonnen habe und haben ihr Frau nachgeholt nach Holland zum heiraten und haben dadurch das Visum bekommen. Können sie das noch mal erzählen?“

Rolf Arno Streit: “Ja die Sache war folgende´. Ich habe meiner Frau die Ehe versprochen, bevor ich Deutschland verließ und wir sind damals nur als……als Touristen…..mit einem Touristenvisum in Brasilien angekommen für die Zeit von einigen Wochen, wir blieben da ungefähr ein halbes Jahr und es war nicht möglich eine Legasisation zu erwirken aus verschiedenen Gründen

…..die mir entfallen sind… auf jeden Fall….habe ich dann meinem Onkel, der Konsul von Portugal war und in Holland lebte geschrieben, ob er mir helfen kann. Er sagte mir ja……er schrieb mir ja , das kann ich machen….aber du mußt selbst hier herüberkommen, dann wird alles erledigt. Naja ich will nicht weiter darüber reden…dass nichts erledigt wurde. (lacht) aber es kam ein Freund meiner Eltern nach Holland um zu hören

….wie es in Brasilien aussieht, denn er hatte ein Einreisevisum von Brasilien bekommen in Antwerpen von dem Generalkonsul von Brasilien….. und da hab ich ihn gefragt….. wie haben sie das gemacht…..da sagt er einen ganz kleinen Betrag hat er eingezahlt was er in Brasilien wiederbekommen würde und dadurch hat er das sogenannte Kapitalistenvisum bekommen und

……..ist reingekommen ……und ich hab mir sehr bedankt bei diesem Mann, denn ich bin zwei Tage später nach Antwerpen gefahren und hab dort den Vizekonsul nach dem…nach diesem Kapitalistenvisum gefragt und der hat mir dann den Rat gegeben zu heiraten wiederhinzukommen und er würde mir dann das Kapitalistenvisum geben.

Also meine Frau ist dann nach Holland gekommen zusammen mit meinen Eltern und ihren Eltern und da wurde geheiratet in Holland….in Haag……..übrigens wo auch die Prinzessin Juliana geheiratet hat ……aber das nur nebenbei… auf jeden Fall sind wir dann zwei drei Tage später nach Antwerpen gefahren um das Visum zu erhalten aber der Vizekonsul sagt mir …..es tut mir furchtbar leid..ich kann ihnen das Visum nicht mehr geben, denn es kommt kein Mensch mehr nach Brasilien rein……kein Deutscher……oder kein Jude ich weiß das nicht mehr genau……..

(Hilde:kein Deutscher ) auf jeden Fall…ein Deutscher nicht wahr….es war gesperrt…..vom Außenministerium….da hab ich zu dem Vizekonsul gesagt…hören sie mal zu ich bin da in einer fürchterlichen Lage ich kann in Holland nicht bleiben, ich kann nicht nach Deutschland rein, wo ich sofort ins Konzentrationslager gekommen wäre, also was soll ich machen

……er sagte , ich kann ihnen leider nicht helfen….da sagte ich dann…..kam ich auf die gute Idee und bat ihn mich vorzustellen dem Generalkonsul ……..was geschah…….. dem Generalkonsul habe ich meine Geschichte erzählt ……und dieser gute Mann hat uns glücklicherweise das Kapitalistenvisum gegeben zusammen mit einem Brief ans Aussenministerium und mir eine Kopie übergeben von diesem Brief

…….in dem unsere Geschichte beschrieben wurde….das er keine andere Möglichkeit hatte, als mir das Visum gegen die Anordnung des Ida Maraties (Schreibweise ?)…….also des Aussenministeriums zu erteilen……Aber die brauchte ich nicht, denn wir sind glatt in Rio angekommen …………..Somit fing unsere Geschichte in Brasilien an..

Frage: Sie hatten mir gesagt…es hätte auch so die Möglichkeit gegeben, daß sie mit einer Ausnahmegenehmigung nach Deutschland für drei Tage fahren und hatten dafür einen bestimmten Ausdruck genannt. Können sie das noch mal erzählen?

Rolf Arno Streit:”Das ist ein …..ich weiß nicht mehr genau wie das hieß…auf jeden Fall war das…..wurde das Leuten ….auch Juden erteilt…(lautes LKW Geräusch)…………

Frage: Einfach noch mal von vorne….diese Ausnahmegenehmigung…

Rolf Arno Streit: “Diese Einreisegenehmigung für zweidreivier Tagen wurde Juden auch gegeben, um zum Beispiel die Eltern zu beerdigen oder irgend welche …..aus irgendwelchen Anlässen und diese hab ich mir auch erhofft zu erhalten…aber hab sie nicht erhalten…bin von dem Konsul in Amsterdam (Hilde flüstert vor: gewarnt worden……gewarnt worden) …..nicht gewarnt worden. ….erstmal rübergerufen worden……da hat er mir dann gesagt

…..das es leider nicht möglich ist….ich soll…..die Einreisegenehmigung ist nicht bewilligt worden …….und da hab ich gesagt zu ihm……das könnten sie mir doch auch am Telefon gesagt haben ……und darauf hin gab er mir keine Antwort…..also ich bin wech gegangen…….verärgert……und er ist mir nachgelaufen…..der Konsul……Hilde: das war ja deutscher Boden, nech…das Konsulat…Rolf Arno

Streit: „Konsulat war Deutscher Boden…da kam der…..da kam mir der Konsul nachgelaufen ich soll um gotteswillen nicht nach Deutschland einwandern ohne diese Genehmigung, denn ich käme sofort ins Konzentrationslager……na daraufhin haben wir dann in Holland geheiratet ….wie ich schon gesagt habe……”

Frage: Hätte man den mit dieser Genehmigung den Nazis eigentlich trauen können?

Rolf Arno Streit: “Das kann ich ihnen nicht sagen (lacht), weil ich das nicht erlebt habe…aber ich weiß von Leuten, die rübergegangen sind und wieder rausgekommen sind…..zweidrei Tage um Eltern zu beerdigen ……oder irgendwas, aber ich hätte es gewagt, wenn ich das bekommen hätte. In Deutschland geheiratet zu haben…wäre für mich einfacher gewesen…..als in Holland….bei meiner Tante, bei der ich gelebt habe.

Frage: Sie sind dann zu dritt aufm Dampfer von Amsterdam ? oder.von Antwerpen….Hilde:zu zweit zu zweit ………

Rolf Arno Streit: “Zu zweit sind wir gefahren….denn mein Bruder war ja schon hier.

Carl Heinz Streit:”Ich war ja drüben geblieben..

Rolf Arno Streit: “Wir sind gefahren mit einem deutschen Dampfer……mein Vater hat uns eine Passage geschenkt mit der Monte ……sie cerra campus (Schreibweise ?)Rolf Arno Streit: „ si cerra campus war das auch nicht ……Hilde Streit:Nee das war ein sehr schönes Schiff….das war das schönste an der ganzen Reise…..Rolf Arno Streit: „ Cap Norte…..das war die Cap……Cap Norte…..das war die Cap….wir sind mit der Cap Norte wieder nach Brasilien gefahren.

Frage: Nen Hamburg Süd Schiff ne?

Rolf Arno Streit: “Hamburg Süd Schiff.

Hilde Streit: Das schönste von der ganzen Reise .

Rolf Arno Streit: “Das war ein Schwesternschiff der Cap Polonio …….und dann sind wir drüben abgekommen…..wieder hier in Rio………und dann ging die Arbeit los……das war nicht einfach …..ich persönlich habe Klavier gespielt abends für eine ….für einen Club……nicht jeden abend aber Sonnabend und Sonntag auf jeden Fall

……und einmal die Woche und dann hab ich eine Anstellung bekommen als Aufseher in einer Eimerfabrik ……..da waren Ratten….die Eimer wurden teilweise gemacht aus ….Hilde Streit: Marmeladen…..Marmeladendosen….also großen Marmeladengefäßen und die Ratten, die haben sich dabei…..davon…..dadurch ernährt…aber wenn die Maschinen zur Mittagszeit abgestellt wurden

…..dann liefen mir die Ratten über die Füsse…….(lacht)…….das entspricht der Wirklichkeit ………aber ich bin dort geblieben……einige Monate bis ich dann den Entschluß gefasst habe, wieder rüberzufahren…..nach Europa….also nach Holland.. um zu heiraten …weil ich immer meine Versprechungen im Leben gehalten habe und so auch diese….. nun sind wir sehr glücklich verheiratet schon über 50 Jahre …..

Hilde Streit: “Dreiundfünfzig“ ……….(lauter LKW).

Frage:. Die fünfzig Jahre sind nicht mehr drauf.

Rolf Arno Streit: “Wir haben schon unsere goldene Hochzeit hinter uns und sind schon dreiundfünfzig Jahre verheiratet. Gottseidank geht es uns heute gut…….wir sind glücklich…wir haben zwei Kinder…leider ist eine gestorben …………….

Pause Kassettenwechsel

Rolf Arno Streit: “Mein Vater und mein Onkel betrieben auch die Scala am Schulterblatt, das war ein Tanzlokal …..das größte Tanzlokal von Hamburg……dazu gehörten auch die ………das eine Ballhaus Filmzauber und ein Ballhaus Uhu und noch andere, die mir entfallen sind …..auf jeden Fall war das ein Zweigunternehmen von den Schauburgen….

Frager. Sind sie da mit ihrer Frau auch Tanzen gewesen?

Hilde Streit: “Ne wir waren…..da waren wir noch gar nicht verheiratet.”

Frage: Man kann ja auch tanzen, ohne verheiratet zu sein. Rolf Arno Streit: “Wir haben uns da sehr gut amüsiert…..als junge Leute…..aber mit meiner Frau war ich nie da, denn da ….damals war das schon nicht mehr möglich ….ich glaube, die sind auch später abgestossen worden…..das entsinne ich aber nicht mehr genau. Auf jeden Fall haben wir jungen Leute uns sehr gut da in der Scala amüsiert.

Obwohl wir noch nicht achtzehn Jahre alt waren……und eines Tages…..fällt mir grade ein sind wir ….bin ich mit verschiedenen Freunden dahin gegangen und da sagte ein Mann von der Kapelle, es kommt Jung-Jerusalem…….und das hat der Freund mir wiedererzählt …..ich sag, was hat er gesagt? Jung-Jerusalem ……also Antisemitismus…..das war vor der Nazi Zeit….da kam dann mein Onkel Hermann Urich-Sass hinein und dem hab ich das erzählt….der ist dann raufgegangen zur Kapelle hat gesagt wer hat gesagt ist Jung Jerusalem

……………da wollte sich erst keiner melden und da hat er gesagt, ich entlasse die ganze Kapelle, wenn ich nicht sofort weiß, wer das gesagt hat. Da hat er sich gemeldet. Und den hat er sofort rausgeschmissen. Der ist dann zu Gericht gegangen und wollte sein Gehalt haben ….das nicht bezahlt worden ist ….. da mußte ich als Zeuge ………vor Gericht treten um zu beweisen …..also um zu

…..auszusagen…um auszusagen, daß er das gesagt hatte und er hat es auch zugegeben…. aber er wollte sein Gehalt haben ….da hat der Richter gesagt…..er entschuldigte sich damit…er wollte einen Spass machen ,……da hat der Richter gesagt….wenn sie einen Spaß machen wollten …..dann müssen sie auch die Konsequenzen dafür bezahlen …..und wir haben den Prozeß gewonnen.

Hilde Streit:”Aber denn hat er gesagt, wie alt du bist……

Rolf Arno Streit: „ Dann fragte er mich noch, wie alt ich bin, da hab ich mein Alter gesagt, sechzehn Jahre oder fünfzehn Jahre ….sechzehn Jahre war ich wohl und da sagt er….ja dagegen ist doch die Oberschulbehörde wahrscheinlich angegangen, dass sie mit sechzehn (lacht) Jahren sich schon in solchen Lokalen aufhalten. Dann habe ich zu ihm gesagt, ich bin geschickt worden von meinem Vater…..(lacht) der der Inhaber der Scala war, um nachzusehen, ob da alles in Ordnung ist.

Hilde Streit:” …der hat davon gar nicht gewußt”

Rolf Arno Streit:”……mein Vater aber wußte garnichts davon, denn er war sehr strenge……im Gegensatz zu Hermann, der viel mehr Verständnis für solche Angelegenheiten hatte (lacht)..und..ich weiß nicht mehr genau, wie das ausgelaufen ist…..auf jeden Fall mein Vater hat mich nicht bestraft, weil wir ja den Prozess gewonnen haben…………

Ja das war alles , was ich über die Tanzlokale berichten kann….da war glaub ich noch ein Lokal Filmzauber und auch der Faun …..der hatte den selben Eingang ….also Nebeneingang ….vom Lessing Theater …….da waren sie auch…..der war auch ……der gehörte auch zu den sogenannten Freudenhäusern………………

Frage: (an Carl Heinz Streit) Wissen sie noch was aus ihrer Jugend, was da so berichtenswert wäre?

Carl Heinz Streit: “Mit der Scala möchte ich noch bemerken, daß…….und abends in die Scala war das Wort, das sie gebraucht haben als Propaganda……das ist ….die Scala bestand auch in Berlin ….die Berliner ……sind dagegen an gegangen und da haben sie es umbenannt. Anstatt und abends in die Scala und wieder in die Scala………….aber sonst aus Berlin wüßte ich nichts mehr zu berichten”.

Frage: Mußten sie nun auf den jüngeren Bruder immer aufpassen?

Carl Heinz Streit: “Nein (lacht) ich war in Berlin und er hat in Hamburg gelebt…ne ganze Zeit lang.”

Frage: Ja aber vorher doch

Carl Heinz Streit: “Voher? nein wir haben uns immer sehr gut verstanden”

Rolf Arno Streit: “Ich hätte mir auch nicht reinreden lassen von meinem älteren Bruder….aber wie mein Bruder eben gesagt hat…betont hat…..wir waren immer nicht nur Brüder sondern auch Freunde und haben alles gemeinsam erlebt und……..”

Frage: Sie hatten mir erzählt, sie waren dann später bei zwei Konkurrenzfirmen ja eigentlich eingestellt als ……..

Rolf Arno Streit: “Also ich war bei der Columbia angestellt als Direktor für ….für den Staat Minas Gerais und hab dort gearbeitet etwa 14 Jahre ……da wurde mir ein Angebot gemacht von der United Artists mit höherem Gehalt …..zu United Artists gegangen “(lauter LKW)……………..

Frage: Ich glaub, das müssen wir ganz nochmal haben…..das müssen wir noch mal von vorn haben.

Rolf Arno Streit: “Also ich war circa 14 Jahre Direktor bei der Columbia….Columbia Pictures of Brazil ….für Minas Gerais… später war ich Direktor bei der United Artists…..auch für Minas Gerais

……..weil sie mir ein größeres Gehalt geboten hatten …….und daraufhin bin ich dann …in eine Firma ……zu einer Firma gegangen, die brasilisanische Filme vertrieben hat

……Sie sind zu mir gekommen und haben mich gebeten, die Sache zu übernehmen, was ich auch getan hab…..weil ich dort etwas mehr verdient habe….ich bin immer nach ….ich war immer ein guter Rechner…..so ist es mir auch diesmal passiert..

Frage: (an Carl Heinz Streit) Sie waren in der gleichen Zeit auch bei der Konkurrenzfirma….sie haben sich doch wahrscheinlich mit ihrem Bruder immer um die Kinotermine streiten müssen, wer nun die besten Kinotermine bekommen hat…….

Carl Heinz Streit: Nein….der Hauptkunde hier in Belo Horizonte …………….

Hilde Streit (über den LKW Lärm…Jetzt gehts los, jetzt kommen die alle zurück. Dies ist hier an sich ruhiger, denn dahinten wohnen die armen Leute, die haben alle keine Autos……..”

Carl Heinz Streit:”Nein wir haben uns immer sehr gut verstanden und der Hauptkunde hier in Belo Horizonte war die Cineteatro Minas Gerais, der Hauptinhaber ist ein gewisser Luciano ….gewesen, der vor kurzem ……vor vier Wochen gestorben ist…..ist der….einer der reichsten Männer der Welt …..der Welt nicht, von Brasilien

…… man schätzt ihn auf über drei Billionen Dollar…..die er hinterlassen hat …..aber er hat auch …..man sagt ihm nach …er hätte noch dreissig uneheliche Kinder…..

Hilde Streit:”Die streiten sich nun alle mit den ehelichen”. Carl Heinz Streit:”Ja ja …..ehelichen sind zwei Kinder und eine ….ein angenommenes Kind ……also drei haben das Hauptrecht, die kriegen schon den ….die……Departe……”

Hilde Streit: “Teil den Teil der Mutter, die vor drei Jahren ungefähr gestorben ist ………..”

Frage: (zu Carl Heinz Streit) Könnnen sie noch mal sagen, bei welcher Firma sie im Verleih tätig waren.

Carl Heinz Streit: “Bei der Universal Pictures …..die hat hier gehiessen Universal Film SA ….da war der Konzern von Carl Laemmle. Carl Laemmle war……die Universal Pictures in den Staaten die ausserdem das größte Atelier in Los Angeles haben….ich glaub, sie haben das sebst gesehen, das Atelier…….es war das größte der ganzen Welt. ….”

Rolf Arno Streit: “Also bei den Filmfirmen war das so das jedes Jahr eine neue Produktion herauskam. Bei der Columbia waren es meistens so etwa fünfzig Filme, die die Filmtheaterbesitzer …..haben abnehmen müssen. Es wurde dann zur Hauptsache mit Festpreisen gemacht und immer zweidrei Filme prozentual vermietet.

Das heisst die Filmfirma war beteiligt an dem Umsatz der Theater mit fünfzig…….sogar sechzig Prozent ……..oder ein Film wie zum Beispiel ich komm nicht mehr auf den Namen ……auf jeden Fall Großfilme (Hundegebell) wurden auch vermietet bis zu siebzig Prozent. Das war natürlich Wucherei, aber die Leute konnten nicht anders, sie mußten es machen…..da hat da …zu diesem Zweck haben wir Fiskale geschickt …..Fiskale…die Übersetzung sind….Schrecker ? Hilde Streit: Fiskale ist auf der ganzen Welt…..ist das richtig …nein

Kontrolleure ….. Kontrolleure das ist es ……die haben mit einer Zahluhr die Zahl der Besucher feststellen……und das war immer ne sehr unangenehme Sache, denn die …..naja ich will darüber lieber nicht sprechen …… es hat keinen Zweck….auf jeden Fall haben die Kompanien sehr gut verdient, sowohl an den Filmen, die zu Festpreisen vermietet wurden oder eben prozentual …das war unser Hauptberuf…die Festpreise festzusetzen…denn es gab Kinos….die hatten fünfhundert Plätze und wenig Einwohner und im Gegensatz zu anderen großen ……die hatten eben viel mehr Besucher …….und da wurden die Festpreise natürlich viel höher …..gemacht….Haben sie sonst noch irgendwelche Fragen zu stellen?

Frage: Ja wieviele Kinos im Bereich waren.

Rolf Arno Streit: “Es waren wohl …..nicht Kinos ….Plätze meinen sie …also Städte …Städte ja ……das waren so annähernd hundert Städte, die wir von Minas Gerais……. bearbeiten mußten .

Carl Heinz Streit: “Ich glaub es waren mehr sogar”.

Hilde Streit:”Hunderzwei.”

Carl Heinz Streit: “Es waren so hundertundsechzig meiner Ansicht nach.

Frage: Und wieviel Kinos gab es so in jeder Stadt? Kann man das so….

Carl Heinz Streit:”In den kleinen Städten ein Kino.

Rolf Arno Streit: “Wenn es zwei gab, dann wurde uns……viel….. das sehr erleichtert….denn wenn der eine nicht zahlen wollte, dann ist man zum anderen gegangen und der hat dann überboten und der hat dann die Filme bekommen.

Frage: Kann man sagen, daß es ungefähr zwei bis dreihundert Kinos …….

Carl Heinz Streit:” …In Minas Gerais.? viel mehr…….”

Rolf Arno Streit: “Sogar in……nur in Belo Horizonte gab es so annähernd………..

Carl Heinz Streit: “zwanzig …….”

Rolf Arno Streit:”….zwanzig bis fünfundzwanzig Kinos ………das ist Minas Gerais der zweitgrößte Staat von Brasilien …ich möchte sagen….das es so groß war….so groß ist wie Deutschland …..

Hilde Streit: “Größer …..”

Carl Heinz Streit: “Ich glaube noch größer”.

Frage: Die Bundesrepublik hat heute noch …..ich glaube noch 3100 Kinos ….wieviel? dreitausendeinhundert ….in Deutschland? ……Ja jetzt….in der Bundesrepublik.

Rolf Arno Streit: ”Ja also ich kann es nicht genau sagen, wieviel es hier gibt, aber sicherlich nicht dreitausend…..aber vielleicht sogar dreivierhundert ….ich weiß es nicht genau, die wir zu bearbeiten hatten, ich sprech nicht von Brasilien sondern von nur vom Staate Minas Gerais …..”

Frage: Sie sind nach dem Kriege 1952 wieder nach Deutschland gekommen um die Wiedergutmachung durchzusetzen. Können sie da mal nen bißchen was erzählen, wie das so passiert ist alles..

Rolf Arno Streit: “Nein ich bin das erste Mal nach Deutschland gefahren…..geflogen….1949 …..um die Wiedergutmachung zu regulieren ……und hab mit Romahn und Schümann ein Abkommen getroffen, das Sass ….Urich-Sass,

also die Erben Urich-Sass….ein Drittel von allem was vorhanden war… auch was sie nachher an …an Wohnungen gekauft haben oder…. gebaut haben …und ein Drittel Hugo Streit…….die Familie und ein Drittel Romahn und Schümann zusammen. Das war eine aussergerichtliche Einigung……wenn sie das nicht gemacht hätten, dann wäre ich natürlich zu Gerichtsjustiz gegangen und hätte vielleicht mehr vielleicht weniger erfahren…..aber es war ein günstiges Abkommen für beide Teile.

Denn die Romahn und Schümann haben sich meinem Vater gegenüber bei der Ausreise ….bei seiner Auswanderung anständig gezeigt….sie haben ihm Zuwendungen gemacht…..die sie nicht nötig gehabt hätten…..und da hat mein Vater zu mir gesagt…wenn du rüber fährst und die Sache in Ordnung bringst….. berücksichtige dass….dass sie anständig gewesen sind…..was ich auch getan habe…..wir hätten natürlich alles haben können …übernehmen können ….aber es war schon richtig so…..(LKW Geräusch)……..

hinzukam, daß niemand von unseren Familien wieder nach Deutschland zurück gehen wollte, um die …..um das Unternehmen zu führen …..deshalb hab ich das so gemacht und das war auch im Einverständnis mit meinem Vater und meinen…..den Urich-Saß Erben geschehen.

Frage. Sie haben dann auch für den Manfred Hirschel noch ein Telefongespräch mit der Klara Esslen geführt über das Waterloo Theater….Können sie darüber noch mal was erzählen?

Rolf Arno Streit: “Ja das Waterloo Theater gehörte irgendwie Manfred Hirschel…..der ist verheiratet gewesen mit meiner Tante …der Schwester meines Vaters…..und der bat mich als ich rüberging auch mal mit der Frau Esslen, die das Kino irgendwie bekommen hatte, wie weiss ich heute nicht mehr und mich mit der zu unterhalten zwecks Wiedergutmachung und diese Frau ist mir unverschämt gekommen und da hab ich das dann meinem Onkel geschrieben, dass ich leider für ihn nichts tun kann, denn ich hab genug mit meinen Sachen zu tun und außerdem ist sie unverschämt gewesen…hat mir gesagt…vorgelogen…. Sachen, die ich nicht glaubte und mein Onkel, der hat später selbst die Sache durchgeführt und hat auch eine Entschädigung bekommen….Wie die gewesen ist, weiß ich nicht………”

Frage: Wenn sie heute beide an Deutschland denken….was…..welche Gefühle haben sie da?

Rolf Arno Streit: “Es war einmal sehr schön…..sehr schön…..wir sind in Deutschland geboren worden, waren Deutsche und obwohl schon in früheren Zeiten…..ein Antis…ein gewisser Antisemitisdmus herrschte

….aber als dann die Nazis kamen…nicht wahr..und dannn der Durchbruch des Antisemitismus gewesen ist…..da war…….da waren wir froh als wir draußen waren..Carl Heinz Streit: „Das was geschehen ist, das kann man nicht mehr vergessen. War zuviel und deswegen sind die meisten auch nicht wieder zurückgegangen nach Deutschland. Hilde Streit: Nein ich glaub sehr wenige zurück gegangen nach Deutschland.

Carl Heinz Streit: “Sehr wenige”

Rolf Arno Streit: “Sehr wenig Leute…… Juden sind zurückgegangen nach Deutschland. Einige, die nichts hier werden konnten sind zurückgegangen um dort Stellung zu bekommen…was vielleicht auch möglich gewesen war, aber die meisten sind hier geblieben, weil sie hier ihre zweite Heimat gefunden haben. ………………..

Hilde Streit:”Wir sind zum Beispiel eine der wenigen, die überhaupt noch Deutsche geblieben sind, die anderen sind alle keine Deutschen mehr.Fast alle. Von unseren Bekannten bist du wir und Einsturz aus….”

Rolf Arno Streit: “….naja aber es gibt natürlich diverse Deutsche, die wir nicht kennen, die auch Deutsche geblieben sind…also deutsche Juden.sind Deutsche geblieben. Aber wenig. Wir haben das Recht, das brasilianische Recht erworben durch unsere Anwesenheit von über fünfzig Jahren hier und wir haben ausserdem noch die Möglichkeit nach Deutschland zu reisen…ohne Visum und so weiter ……

Carl Heinz Streit: “Wir haben ausserdem brasilianische Kinder ….ich persönlich bin mit einer Brasilianerin verheiratet ……wir haben so gut wie die selben Rechte (lauter LKW) eines Brasilianers Frager: Bitte noch mal ohne LKW

Carl Heinz Streit:”Wo wo soll ich anfangen?”

Hilde Streit:”Das du ne brasilianische Frau hast…ne

Carl Heinz Streit:”Außerdem haben wir brasilianische Kinder und ich persönlich bin mit einer Brasilianerin verheiratet und dadurch haben wir die selben Rechte wie ein Brasilianer. Nur das wir nicht Präsident der Republica werden können…..Präsident von Brasilien ….

Hilde Streit: “Man kann auch kein Briefträger werden. Irgend etwas kann man nicht werden, was sehr wichtig ist.

Rolf Arno Streit: ”Auf jeden Fall haben wir sehr viel mit durchgemacht, besonders deswegen …..besonders in den Jahren als meine Eltern noch nicht hier waren. Es wurde ja immer schlimmer und schlimmer und mein Vater wurde gehetzt von der Gestapo und hat sich geflüchtet auf Landstrassen und auch auf Böden von Freunden

…..Boden heisst das da oben…ganz oben….da hat er geschlafen…er hatte einen Bekannten bei der Gestapo war, der ihm gut gesonnen war und der hat ihm immer berichtet, wenn er weggehen müßte, denn es kam eine….Nazi… Nazi Razzia und die wollten ihn abholen…da ist er gottseidank …dem ist er gottseidank entgangen eben durch diesen Bekannten bei der Gestapo……wenn ich den Namen wüßte würde ich ihn sagen, um ihm nochmal zu danken für alles…das was er für meinen Vater getan hat ..er wird aber gar nicht mehr leben ….und dadurch hat mein Vater sich gerettet vor dem Konzentrationslager.Ja “

(Autogeräusche)

Hilde Streit: “Sonst ist es eigentlich leiser hier”.

Frage: Sonst hört man es vielleicht nicht so, wenn man nicht darauf achtet.

Hilde Streit : “Dann finde ich es immer leiser als bei uns”.

Carl Heinz Streit: “Bei uns hinten hört man überhaupt nichts “ (Warum sind wir da damals nicht hingegangen?)

Frage. Wie oft waren sie jetzt nach dem Kriege in Deutschland?

Rolf Arno Streit: “Ich war nach dem Kriege sieben oder achtmal in Deutschland, fünfmal wegen der Wiedergutmachungsgeschichten und

Hilde Streit: Wie oft waren wir da….

Rolf Arno Streit: Das darfst du ja nicht sagen.

Hilde Streit Warum nicht.

Rolf Arno Streit (lacht) und flüstert…weil wir noch eine Einreise haben wollen.

Hilde Streit Achso.

(lacht)

Rolf Arno Streit: Bringen sie das bitte nicht mit rein.(lacht)

Hilde Streit: Achja wir wollen ne Einreise haben

Frage: Es gibt doch so Einladungen auch……

Hilde Streit Ne Einladung vom Senat.

Frage: Die haben gerade dieses Jahr wieder so ein Programm aufgelegt.

Hilde Streit: Ja eben, denn fahren wir wieder hin.

Rolf Arno Streit: Ja ich persönlich hab geschrieben, ich war schon in Deutschland……und deshalb würde mir das nicht ….beschieden….aber meine Frau…die noch nicht in Deutschland war. (Hilde Streit lacht) wird … da meine Frau noch nicht in Deutschland war….

Hilde Streit :Das ist doch gar nicht mehr drauf

Rolf Arno Streit. Natürlich ist das drauf.

Hilde Streit: Achja.

Frage: Wir legen das da nicht vor.

Hilde Streit: Das wird abgeschnitten.

Rolf Arnos Streit: Da meine Frau noch nicht in Deutschland war, hoffe ich vielleicht durch sie meine neue Einreise zu bekommen.. (lacht) ich persönlich würde so gerne meine Spesen übernehmen, wenn der Senat sie für meine Frau übernimmt.

(LKW Geräusche)

Frage. Über den Spesen war der LKW drüber……Ich sag…über den Spesen war der LKW drüber….

Rolf Arno Streit: LKW ?

Frage: Lastkraftwagen….ich weiß nicht wie sie das

Dietmar Bruns: Camioao

Hilde Streit: Camiao

Er spricht ja perfekt Portugisiesch.

Rolf Arno Streit: Soll ich das wiederholen?

Hilde Streit. Lieber nicht.

Rolf Arno Streit: Ist schon drauf? Ajah Haben sie sonst irgendwelche Fragen zu stellen.

Frage: Was wir vorhin ja nicht hatten, war den Eisenstein….das wir darüber vielleicht noch mal reden, das der Eisenstein ja mit dem Potemkin………in den Schauburgen gezeigt hat und das es ja bei der Ufa mehr sone …..nationale Ausrichtung gab….das man so bestimmte Filme nicht mehr gezeigt hat…später….es gab später

“Im Westen nichts neues” der durfte ja bei der Ufa nicht gezeigt werden

und der lief dann in den Schauburgen, wissen sie darüber irgendwas noch?

Rolf Arno Streit: “Im Westen nichts neues war wohl einer der größten Filme, der je hergestellt wurde und ich glaube, er wurde in den Schauburgen gezeigt, aber ich kann das nicht mit Bestimmtheit behaupten ………ich entsinne, das wir den Film gesehen haben in London….wir sind …..mein Vater hatte eine Einladung bekommen nach London zur Eröffnung eines …des größten Theaters von London …..ich glaub es hieß Empire Palace…..da wurde der Film “Im Westen nichts neues” “Gone with the wind” aufgeführt

Hilde Streit/ Carl Heinz Streit: Das ist “Vom Winde verweht” Rolf Arno Streit: Ach das ist Vom Winde verweht. Wie hieß denn der im Westen nichts neues auf Englisch?

Frage: “All quiet at.”

Carl Heinz Streit: “All quiet at the on the eastern front” ….

Hilde Streit: “Und warum durfte das nicht aufgeführt werden?

Frage:Das war…..nicht national gesonnen….die haben behauptet das war Gegenpropaganda.

Carl Heinz Streit: Remarque Remarque.

Rolf Arno Streit: “Ich glaub es war der Film, vielleicht war es auch Gone with the wind…ich weiss es nicht. Carl Heinz Streit: Der kam später, den haben wir in Brasilien gesehen. Hilde Streit:Ja den haben wir in Brasilien gesehen. Rolf Arno Streit: Ja also es war der Film im Westen nichts neues mit dem der ……… mit dem das neue Kino in London eröffnet wurde, da sind wir rübergefahren…das entsinnst du noch…”

Frage: ich hab noch eine ein bißchen schwierige Frage. Wie das mit dem Antisemitismus in Deutschland los ging…. wie ist das bei ihnen gewesen…….ich mein mehr so das religiöse….war das jüdische ne Religion oder war das ne bestimmte Weltanschauung oder waren sie mehr Deutsche oder …..

Rolf Arno Streit: “Wir waren mehr Deutsche als Juden. Wir sind sehr ….frei…liberal erzogen worden, aber wir waren bewußte Juden …..wir waren wie man sagt Zweitagjuden….wir sind nur zweimal im Jahr in die Synagoge gegangen… das war zum Neujahrsfest und zum Versöhnungsfest…Roshoshone (Schreibweise?) war das Jahresfest und Jomkippur (Schreibweise?) war das Versöhnungsfest……oder ist das Versöhnungsfest das auch hier gehalten wird in Brasilien.

Aber wir hatten natürlich Unannehmlichkeiten …in Deutschland …..ich hatte eine ziemliche Affäre wegen eines christlichen Mädchens und….. hatte dadurch sehr große Unannehmlichkeiten …….(LKW Geräusche) über die ich mit nicht auslassen möchte. Auf jeden Fall….die Nazis waren hinter mir her und ich konnte nur durch Selbstverteidigung dem Schlimmsten entziehen. ……

Frage: Wie war das in der Familie ihres Großvaters…War das stärker oder weniger stark?

Rolf Arno Streit: “Sie sprechen jetzt von der Religion, von der Religiösität?

Meine Großmutter war eine sehr religöse Jüdin, mein Großvater nicht. Aber meine Großmutter hatte auch einen jüdischen Haushalt, es wurde dort nur koscher gegessen..

Hilde Streit: Haben sie erzählt mit dem Schweinefleisch?…………

Rolf Arno Streit: ” …ja und mein Großvater der war sehr….sehr wenig religiös …..und aß sehr gerne Schweinefleisch…das kam zweimal im Jahre vor….das meine Großmutter von Morgends bis abends …eben an den gehobenen Feiertagen in der Synagoge gewesen ist …..dann ist er schnell ins Restaurant gegangen und hat dort wunderbares Schweinefleisch gegessen…..(lacht) Ja …….

Was wollen sie sonst wissen?”

Wollt ihr ein bisschen stehen……………..

Pause

31. 07. 1990

Rolf Arno Streit am Klavier:

Aus Werbezwecken hat man einen Schlager gemacht, den Schauburg Schlager, der den Zuschauern…ne ich hab falsch gemacht, können wir noch mal machen?

Ich werde ihnen jetzt den Schauburg Schlager vorspielen, der aus Werbezwecken gemacht worden ist

Klavier

Rolf Arno Streit singt:

Kinder seid vernünftig lasst die Frau durch denn sie will noch schnell mal in die Schauburg

Klavier Ende

Wiederholung

Ich werde ihnen jetzt den Schauburg Schlager vorspielen, der aus Werbezwecken gemacht worden ist.

Kinder seid vernünftig lasst die Frau durch, denn sie will noch schnell mal in die Schauburg

Wiederholung

Ich werde ihnen jetzt den Schauburg Schlager vorspielen, der aus Propagandazwecken gemacht worden ist.

Kinder seid vernünftig lasst die Frau durch, denn sie will noch schnell mal in die Schauburg.

Frage: Herr Streit sie hatten erzählt, als im Februar 1927 die Schauburg Millerntor eröffnet wurde da kam Henny Porten nach Hamburg, können sie das noch mal erzählen wie das war?

Rolf Arno Streit: Ja Henny Porten kam nach Hamburg um die Schauburg Millerntor zu eröffnen. Da haben wir sie abgeholt am Hauptbahnhof. Das war eine Menschenmenge unvorstellbar …..nachher schrieben die Zeitungen,dass der Bahnhof mehr besetzt war von Menschen als bei der Ankunft von dem Reichspräsidenten Ebert. Ja und dann ist die Henny Porten …..hat da ein paar Worte gesprochen in der Millerntor Schauburg und das war der Anfang der Schauburg

Frage: Wissen sie noch wie der Film hiess in dem sie da gespielt hat?

Rolf Arno Streit: Nein, das weiss ich nicht.

Das weiss ich nicht.

Frage: Dann sind ja auch in den Schauburgen die Filme von dem Eisenstein gezeigt worden. Können sie das noch mal erzählen?

Von Eisenstein ist gezeigt worden…wie ich erinnere ….der Film …..der Film Potemkin ….sonst wüßte ich nicht, welche Filme dort aufgeführt worden sind.

Frage: Wollt ich noch mal nachfragen ….es lief ja (Flugzeug) ………es lief ja in den Schauburgen auch der erste Tonfilm……. dieser Ton war ja nicht sehr lang. Können sie mal sagen wie das ausgehen hat?

Rolf Arno Streit: “Der Film hiess “Ich küsse ihre Hand Madam” mit Harry Liedtke und Marlene Dietrich . Innerhalb des Films wurde dann das Lied gesungen…. vom Blauen Engel ne….ich weiß nicht mehr genau…. es wurde ein Lied gesungen…der nicht nachher wie die allgemeinen Tonfilme gespielt ist sondern durch Grammophonübertragung

Carl Heinz Streit: Plattensystem Plattensystem…nachher kam das Optik System auf Das war der Jazzsinger mit Al Jolson.

Frage: Wann war das?

Carl Heinz Streit: Das war gleich danach…ich weiss nicht mehr welches Jahr es war.

Frage: Das war denn schon der richtige Tonfilm.

Carl Heinz Streit: Das war der richtige Tonfilm…der optische Tonfilm ja…der erste optische Tonfilm.

Frage: Das hat ja bestimmt damals auch ne Menge Geld gekostet. Wissen sie was sowas kostete…son Tonfilmapparatur?

Carl Heinz Streit: Die Tonfilmapparatur….nein das weiß ich nicht.

Rolf Arno Streit: Ja die waren irrsinnig teuer. Wenn….das war die erste Schauburg, die damit ausgerüstet ….die ………die Tonfilmübertragung gehabt hat.

Carl Heinz Streit: Die optische.

Rolf Arno Streit: Und dann hintereinander wurden die anderen Schauburgen auch damit ………..versehen………Aber wie teuer das war…….das war ein ungeheurer …ungeheuer teuer…aber wie teuer kann ich leider nicht mehr sagen.

Frage: Es gab ja lange auch einen Streit zwischen den Stummfilmleuten und den Tonfilmleuten und die Stummfilmleute haben ja immer gesagt, das wär gar keine Kunst, das wär irgendwie nur …irgendwas anderes .

Rolf Arno Streit: Nun naja …die sind mit ihrer Meinung ja nicht durch gekommen denn jetzt gibt es ja nur noch Tonfilme………Also das glaub ich nicht, das die damit durch gekommen sind…Das so etwas existiert hat, das erinner ich auch …..aber wird naürlich sofort abgeblasen…..

Frage: Es gab dann noch….den Film ”Im Westen nichts neues” über den ersten Weltkrieg ….ein amerikanischer Film, der in den Ufa Kinos weder synchronisiert noch gezeigt werden durfte oder sollte. Und der ist ja in den Schauburgen gelaufen…..Können sie darüber noch mal was sagen:

Rolf Arno Streit: Ja das war ein großer Erfolg…aber ……viel mehr kann ich auch nicht darüber sagen. Er wurde in den Schauburgen gespielt und das weiss ich, das erinner ich, daß mein Vater uns sagte ….es war ein ganz großer Erfolg ………………..

Frage: Zur Premiere waren sie………..waren sie …..zur Premiere des Films ….

Rolf Arno Streit: Sicher waren wir zur Premiere des Films…aber Einzelheiten kann ich nicht sagen….denn das liegt ja schon viele …viele Jahre zurück.

Frage: Herr Streit …können sie noch mal erzählen, wie sie von Rio nach Belo Horizonte gekommen…………wann das war.

Rolf Arno Streit: Wir sind angekommen……das sagte ich schon im Jahre 1936 …….mein Bruder und ich…..Später sind meine Eltern gekommen…im Jahre 1938

……und wie bekannt ist Rio eine der heißesten Städte der Welt …..wir haben hier im Sommer ……Hitze….. bis zu über 40 Grad im Schatten ……..das konnten meine Eltern nicht vertragen……deshalb sind wir nach Belo Horizonte übersiedelt, welches ungefähr achthundert Meter hoch liegt und dadurch ……einen Filter….ein besseres Klima hat. Ich will ihnen jetzt mal kurz mal Belo Horizonte zeigen, was wir von oben hier sehen können.Hier das ist Belo Horizonte (Die sagen immer bello)

Frage: So sah es doch 1941 bestimmt noch nicht aus….das war…

Rolf Arno Streit: Das möchte ich noch mal sagen. Belo Horizonte, als wir hierher kamen 1941…..hat circa hundertfünfzigtausend Einwohner….jetzt …..hat Belo Horizonte etwa drei Millionen Einwohner….also ist größer als Hamburg……..

………………………………Pause………………….

Fotoansichten

Carl Heinz Streit:

Dieses Foto ist aufgenommen bei dem Fotografen Bieber, der einstmals der größte Fotograf in Hamburg war.Dies ist mein Vater, dies ist mein Bruder Rolf und dies bin ich.Wie sie sehen habe ich vergessen, das Taschentuch in die Tasche zu stecken und hab dadurch von meinem Vater eine große Tadelung bekommen……(Wiederholung)

Das habich ihnen dann zugedacht.

Carl Heinz Streit: Dieses hier ist die Familie Urich-Saß. …..Mein Onkel Hermann Urich-Saß, meine Tante Hedwig Urich-Saß, meine Cousine Vera ……schon verstorben….mein Vetter Horst Urich-Saß und mein Vetter Jürgen Urich-Saß…auch schon verstorben ………

Wiederholung

Carl Heinz Streit: Dies ist die Familie Urich-Sass….Das ist meine Tante Hedwig Urich-Saß….schon verstorben, das ist die Tochter Vera….auch schon verstorben……mein Onkel Hermann Urich-Saß verstorben……Jürgen Urich-Saß….auch verstorben….der einzige überlebende der Familie ist mein Vetter Horst Urich-Saß, der in Mexiko und in den Staaten lebt.

Jetzt kommt das nächste Foto

Carl Heinz Streit. Dieses sind meine Eltern, mein Vater und meine Mutter. Beide auch schon verstorben.

Dies sind meine Großeltern Frida Henschel und Jeremias -genannt James Henschel… …..

Eins ist da noch zwischen…ein Kinderfoto

Dies ist mein Bruder Rolf Arno Streit und dies bin ich Carl Heinz Streit…..das ist aufgenommen vor circa ….70 Jahren….

augenommen vor circa 70 Jahren……….(1990)

Da war ich sieben….und mein Bruder 6 Jahre alt.

Etwas älter.

Rolf Arno Streit: Mein Bruder ist ja ein Jahr älter als ich ………

Der Bruder oder selbst.

Rolf Arno Streit:Jein…mein Bruder ist ja ein Jahr älter als ich….der kann ja nie jünger werden…

Gut ja……

Das Bild mit dem Motorrad.Aber das ist aber so klein.

Geht los.

Hilde Streit. Also ich bin einmal …..einmal in meinem Leben Motorrad gefahren hab keine Ahnung gehabt und der hinter mir gesessen hat hat immer gesagt bremsen und dann hab ich nicht gewußt, wie zu bremsen und hab immer mehr Gas gegeben…….Frager:..Das Foto ist in Hamburg aufgenommen?. Hilde Streit : Ja ist in Hamburg aufgenommen worden…aber wo kann ich nicht mehr sagen —

…………….Rolf: Bebelallee ? Wie lange muß das her sein, Hansa Strasse?

Rolf Arno Streit:Dieses Bild ist aufgenommen auf der Hochzeitsfeier von meiner Tante Grete und von dem Onkel Hermann…….der ist vielleicht fünfundzwanzigsechsundzwanzig Jahre alt gewesen und meine Tante war ja in den zwanziger ….Anfang zwanzig ……sie war die Schwester meiner Mutter ….ist leider beim ersten Kind verstorben …bei der Geburt des ersten Kindes …. Dies hier ist mein Großvater James und meine Großmutter Frida…Dies hier ist mein Vater Hugo Streit…und meine Mutter Sophie Streit…..

…Hier ist ein Familienbild der Familie Streit ……das wurde aufgenommen in….soweit ich erinnere in den Schauburg Studien ……es war ein Freund meines Vaters …..der in den Schauburgen ….in den Läden der Schauburgen Fotoateliers betrieb ………..Auf diesem Bild sehen sie die ganzen Brüder meines Vaters ….hier mein Vater……..hier ein Bruder Max ein Bruder Richard , Bruder Albert ….ein Bruder John …das war der älteste …..Frauen und die Kinder …hier ist die Schwester Grete Hirschel mit ihrem Mann ……..und hier ist noch Franz Traugott, der Prokurist meines Vater geworden ist….mit seiner Frau Bianca….die vor einigen Jahren mit neunundneunzig…. Jahren gestorben ist. ………..Hier sind lauter ………..

.Frage: Den Manfred ….ist der auch da drauf zu sehen…. Manfred Hirschel……Ist der Manfred Hirschel auch da drauf zu sehen?

Rolf Arno Streit: Hier ist Manfred Hirschel ……Dies hier ist ein Familienbild der Familie Streit.Und zwar wurde das aufgenommen ….wenn ich mich nicht irre….zum siebzigsten Geburtstag meines Großvaters Jakob Streit…..Hier sehen sie meine Eltern….mein Vater Hugo Streit und meine Mutter …hier bin ich …schlecht getroffen…hier ist Max….Richard…Albert…. John…Bianca…und Grete….alles geborene Streits mit ihren Männern …hier sitzen die ganzen Kinder ….also meine Cousinen und meine Cousins …hier ist mein Bruder noch zu sehen.

,,…………Dies hier ist auf dem Eiffelturm…..hier sitzt meine Mutter …..mein Vater….mein Bruder Carl Heinz und ich …..das sind die ersten langen Hosen….die wir in Paris von meinen Eltern geschenkt bekommen haben ……..das erinner ich noch…hier auf diesem Bild sehen sie meine Großeltern Frida Henschel und James Henschel …..mit ihrer Tochter Bianca Henschel…….. aufgenommen in Wiesbaden ……..

Die ist ein Familien……dies ist ein Bild meiner Eltern mit meiner Großmutter …………..LKW

nochmal alles ?Frage: nur das letzte.Bild

Rolf Arno Streit.: Dies ist das Bild meiner Eltern, mein Vater …meine Mutter… meine Großmutter Frida Henschel …..und weitläufige Verwandte …………im Hintergrund sehen sie unseren Cadillac Wagen ….das war der erste Cadillac von Hamburg……und hatte Aufsehen erregt…hier ist noch zu sehen unser Chauffeur ………….Ja das ist mein Vater ….Auf diesem Bild sehen sie meinen Vater im Hintergrund ein Flugzeug ….wo das gewesen ist, kann ich ihnen leider nicht mehr sagen .

…………dies sind meine Eltern Hugo Streit und Sophie Streit mit der Schauburg Zeitung….Jedes Kino ….jedes Kino….also jede Schauburg hatte eine ……..hat eine…..hat eine Zeitung bekommen….die gleichzeitig ein Programm von dem jeweiligen …..Film …enthalten hat …….

……………..Hier sehen sie mein Vater Hugo Streit…und Hermann Urich-Saß….sein Kompagnon …die beiden haben die Schauburgen und den ganzen Konzern gemeinsam aufgebaut…………Auf diesem Bild sehen sie meine Großeltern Frida und James Henschel ……..mein Vater ….Hugo Streit und meine Mutter Sophie Streit …….am Europäischen …..vor dem Europäischen Hof in Baden Baden

…………Auf diesem Bild sehen sie unser Haus in der Rothenbaumchaussee …… im Vordergrund stehen …steht die Familie…. und hier ist der Cadillac ….noch einmal richtig zu sehen

……………Dies ist ein Bild aufgenommen in Rio de Janeiro ….da sind wir soweit erinnerlich nach Petropolis raufgefahren….dies ist meine Frau und dies bin ich ….Rolf …….auf diesem Bild sehen sie mein Hochzeitsbild mit meiner Frau ………die in Holland in Haag ….gefeiert wurde…..weil ich seinerzeit nicht mehr nach Deutschland zurückkehren konnte …ohne Gefahr zu laufen ins Konzentrationslager zu

…..zu kommen. Da haben wir bei meiner Tante, die damals in Holland lebte…Bianca…..unsere Hochzeit gefeiert…. Zu der Hochzeit sind die ganzen Verwandten …auch meine Großeltern…. James und Frida ….auch meine Eltern und die Eltern meiner Frau herübergekommen ……….Tja………..dies ist ein kleines Bild in Monte Carlo aufgenommen …..ich ersehe daraus nur….mein Großvater James und meine Großmutter Frida… …..ein Moment….

Dies ist ein Bild von der Cap Norte……das Schwesternschiff von der Cap Polonio ….mit dem wir …meine Frau und ich nach der Hochzeit wieder zurückgefahren sind nach Rio…. zurück bin nur ich gefahren …..meine Frau habe ich aber mitgenommen ……..Hilde Streit: Dankeschön (lacht)………………..Dies war auch ein Bild …..hier ist der Betrüger drauf…das will ich gar nicht zeigen. …

Frage: Das ist auch von der Überfahrt.

Rolf Arno Streit:…das ist auch der Betrüger drauf

Frage: Dann machen wir die Zwischenstation in Portugal noch. Rolf Arno Streit: Was ist das denn…..Frager: Portugal.

Rolf Arno Streit: In Lissabon Sierra Campus …… 1937

…….Auf diesem Bild ….soll ich anfangen…Auf diesem Bild sehen sie meine Großeltern Streit Jakob und Trude……………(Strassenbahn?geräusche)…….Auf diesem Bild sehen sie meine Eltern auf der Cap Polonio …… sie besuchten uns zu jener Zeit in Rio ………..sie besuchten uns im Jahre 1937 …nein das kann nicht sein…sie sind damals aus Amerika zurück gekommen……ich entsinne das nicht mehr ganz genau

…. Hier sehen sie meine Eltern Hugo und Sophie Streit mit den Eltern meines Vaters Trude und Jakob Streit …..mein Bruder Carl Heinz und ich als der jüngere….auf dem Bild erscheine ich der Höhe wegen als der ältere….aber in Wirklichkeit bin in der jüngere

……..hier auf diesem Bild sehen sie meinen Bruder mit seiner Amme ……..das bin ich….. da…

da arische Musiker nicht mehr für Juden spielen durften…..spielen durften haben wir eine jüdische Kapelle gegründet…………. den Namen Catus…..ich war der Kapellmeister ….dies sind alles jüdische Musiker …..wir spielten sehr viel auf jüdischen Festen…privater Natur und auch …..entsinne ich ein Henry Jones Logenball ……Henry Jones Logenball …..Hernry Jones Loge war eine jüddische Loge und die hat dann jedes Jahr ein großes Fest gegeben auf dem wir gespielt haben ………….

Frage:Buenos Aires steht da hinten drauf.

Rolf Arno Streit: Buenos Aires ……die haben gar nichts mit uns zu tun…………: Ja dann sind wir durch.

Frage. Das ist auch schon Buenos Aires

Rolf Arno Streit: Nein das ist Travemünde.

Travemünde…. Ah ja…….(Hundegebell im Hintergrund)

Rolf Arno Streit: Auf diesem Bild sehen sie wie die Menschen früher am Strand angezogen waren. Dieses Bild zeigt den Strand von Travemünde. Mein Vater im Badeanzug meine Mutter in der Badeho….anzug. Mein Onkel…..alle gut gekleidet…hier bin ich und hier ist mein Bruder Carl Heinz .

Das ist 19…..und etwa 1913 gewesen….so ging man an den Strand….ne eben nicht…ich hab mich geirrt….es waren keine Badeanzüge ……..es waren Anzüge mit steifen Kragen…..Eckenkragen ….meine Mutter in einem eleganten Sommerkleid….mit Hut und die Amme hier mit dicken Brüsten zu sehen.

Frager: Und das andere Foto…können wir das noch sehen?

Rolf Arno Streit: Hier sehen sie wiederum am Strand von Travemünde die ganze Familie in ihren besten Kleidungsstücken…….

Frage. Da waren laute Kinder, wollen wir das noch mal haben

ja einmal

Rolf Arno Streit: Aufg diesem Bild sehen sie die ganze Familie wie sie damals vor circa achtzig Jahren am Strand von Travemünde…….erschienen.

Hilde Streit: Jetzt wenn sie in Rio sehen….wie die Leute da schwimmen ……

Frage: Ich glaube, das genügt auch.

Ist es alles schön Herr Kameramann?

Brasilianisch wird jetzt geredet.

Die Fragen stellte Jens Meyer, Kamera hat Dietmar Bruns gemacht

©Jens Meyer 2014

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Nebenbei bemerkt: Bavaria Film AG Franz Seitz

Gefunden in dem Buch: Joseph Wulf, Theater und Film im Dritten Reich, Ullstein Verlag, Mai 1983, Seite 390 – 391.

«SA-Mann Brand» Bericht über den Film gleichen Titels in: Völkischer Beobachter vom 16.6.1933. SA-Mann Brand; Produktion: Bavaria AG.; Drehbuchautoren: Joseph Dalmann und Joe Stöckel; Regie: Franz Seitz; Darsteller: Heinz Klingenberg, Otto Wernicke, Elise Aulinger, Rolf Wenkhaus, Joe Stöckel, Max Weydner, Manfred Pilot, Wastl Witt, Hedda Lembach, Helma Rückert, Fritz Greiner, Magda Lena, Vera Liessem, Adolf Lallinger, Otthein Haas, Theo Kaspar, Philipp Weichand, Rudolf Frank, Rudolf Kunig; Musik: Toni Thoms; Prädikat «Künstlerisch besonders wertvoll, volksbildend».

«Freitag abend kam es anläßlich der Erstaufführung des Filmes <SA-Mann Brand> zu Beginn der Vorstellung zu einem Zwischenfall. SA-Gruppenführer Beckerle teilte dem Publikum mit, daß die Reklameplakate von einem polnischen Maler angefertigt seien. In Anbetracht der Tatsache, daß der Besitzer des Kinos (Gloria Palast) seinem Wunsche, die Plakate zu entfernen, nicht nachgekommen sei, forderte er die erschienenen SA und SS-Mitglieder auf, den Raum zu verlassen. Die Anwesenden kamen diesem Verlangen sofort nach. Daraufhin wurde die Vorstellung abgebrochen.» Frankfurter Zeitung vom 18.6.1933; über die antijüdische Betätigung desselben Adolf Beckerle während des Krieges, als er Gesandter in Bulgarien war, siehe Léon Poliakov – Joseph Wulf: Das Dritte Reich und seine Diener, Berlin 1956, S. 11, 48-49, 53 und 56-58.

Hier irrte der SA Gruppenführer Adolf Beckerle: Das Plakat stammte von dem Grafiker Julius Ussy Engelhardt, geb am 18. September 1883 in Bindjey, Sumatra. So ist das, wenn man keine Ahnung hat.

Originalton Filmportal.de: “Franz Seitz sen. wurde am 14. April 1888 in München geboren. Nach dem Schulabschluss absolvierte er zwei Jahre lang eine private Schauspielausbildung bei Franz Jacobi vom Münchner Hoftheater. Unter dem Pseudonym „Franz Felix“ stand er anschließend an diversen bayerischen Theatern auf der Bühne. Ab 1908 hatte er ein dauerhaftes Engagement am Nürnberger Volkstheater. Zu dieser Zeit begann er auch als Regisseur zu arbeiten und inszenierte Stücke unter anderem in Innsbruck und Eisenach. Bis 1918 folgten weitere Engagements, zunächst in Regensburg, wo er ebenfalls Regie führte, dann am Münchner Volkstheater. 1919 wurde er ins Ensemble des Münchner Residenz Theaters berufen. Zu dieser Zeit lernte er auch seine spätere Ehefrau kennen, die Bühnenschauspielerin Anni Terofal.“ Originalton Filmportal.de: “Franz Seitz sen. wurde am 14. April 1888 in München geboren. Nach dem Schulabschluss absolvierte er zwei Jahre lang eine private Schauspielausbildung bei Franz Jacobi vom Münchner Hoftheater. Unter dem Pseudonym „Franz Felix“ stand er anschließend an diversen bayerischen Theatern auf der Bühne. Ab 1908 hatte er ein dauerhaftes Engagement am Nürnberger Volkstheater. Zu dieser Zeit begann er auch als Regisseur zu arbeiten und inszenierte Stücke unter anderem in Innsbruck und Eisenach. Bis 1918 folgten weitere Engagements, zunächst in Regensburg, wo er ebenfalls Regie führte, dann am Münchner Volkstheater. 1919 wurde er ins Ensemble des Münchner Residenz Theaters berufen. Zu dieser Zeit lernte er auch seine spätere Ehefrau kennen, die Bühnenschauspielerin Anni Terofal.“

“Wir erleben den SA-Mann Brand in seiner Familie. Der Vater ist Sozialdemokrat, aber die Mutter heimlich auf des Sohnes Seite. Ihnen gegenüber wohnt eine Witwe, die sich kümmerlich mit ihrem Jungen durchs Leben schlägt. Hitlerjunge ist er, eine Uniform will er haben, und so näht seine Mutter nachts, um das Geld für ein Braunhemd aufzutreiben. Brand ist gut Freund mit ihm und nimmt ihn unter seinen Schutz, der in diesem Kommunistenviertel sehr nötig ist. Wir sehen das lichtscheue Gesindel, das mit allen Mitteln, mit List und Waffen versucht, die Reihen der SA zu sprengen. Aber immer werden sie rechtzeitig von einer Kommunistin gewarnt, die ihr Herz an den SA-Mann Brand verloren hat. Wir erleben die Überfälle der Kommune, sahen die Gegenwehr der SA und fühlen noch einmal diese ganze Zeit der Hetze, der Unsicherheit und des Verrates nach. Da wird nach Aufhebung des Uniformverbotes ein Propagandaumzug gemacht. Hitlerjunge Erich marschiert zum ersten Male in Uniform, da trifft ihn eine tückische Kugel. Behutsam bringt ihn Brand der gefaßten Mutter. Jede Hilfe kommt zu spät. Mit den Worten: «Ich geh jetzt zum Führer», haucht er sein junges Leben aus. – Und draußen dröhnt die Marschmusik der SA. Überraschend ist der Tag der nationalen Erhebung da. Deutschland ist frei.“

“Zu Seitz‘ regelmäßigen Darstellern gehörte der von der Bühne kommende Komiker Weiß-Ferdl, mit dem er zwischen 1928 und 1933 sechs Filme drehte. Danach wurde der ebenfalls vom bayerischen Theater kommende Volksschauspieler (und Regisseur) Joe Stöckel sein Stammschauspieler, wenn auch häufig in Nebenrollen. Die beiden arbeiteten bis 1937 bei 17 Filmen zusammen; Stöckel schrieb gemeinsam mit Joseph Dalmann meist auch die Drehbücher. So auch bei dem NS-Propagandafilm „SA-Mann Brand“ (1933), der ohne offiziellen Regierungsauftrag entstand und von Seitz in einer Art vorauseilendem Gehorsam inszeniert wurde. Stöckel schrieb sich darin die humorige Nebenrolle eines gutmütigen Hausbesitzers zu, der unter der Fuchtel seiner die Nazis ablehnenden Frau steht. Der Film war jedoch weder beim Publikum, noch bei der Kritik ein Erfolg.“ Bleibt noch anzumerken, dass Filmportal.de zwar bemerkt, dass der Film nicht im „Regierungsauftrag“ entstanden ist, aber nicht schreibt, wann die Dreharbeiten statt fanden. Aus anderer Quelle kommt die Angabe, die Dreharbeiten hätten von Mitte April bis Ende Mai 1933 stattgefunden. In der Zeit hatte die NSDAP vermutlich wichtigeres zu tun, als Franz Seitz einen Filmproduktionsauftrag zu erteilen.

Veröffentlicht unter 1932, 1933, 1934, 1936, 1937, 1938, 1939, 1940, 1941, 1942, 1943, 1944, 1945, 1961, 1962, 1963, Alfred Bauer, April 1933, Aus dem Antiquariat, Bayern, David Stewart Hull, Deutsche, Deutsche Filme, Deutscher Film, Deutsches Reich, Film, Film Redaktion, Filmkritik, Fotoarchiv Jens Meyer, Fotograf Rudolf Heinrich Meyer, Fotograf Walter Kellinghusen, Fotograf Walther Kellinhusen, Fotograf Werner Hensel, Fotografen, Fotos, Goebbels, Hans Hillmann, Im Kino, Isolde Baumgart, Kinobesitzer, Kinogeschichte, LBB, Licht Bild Bühne, Lichtbildbühne, Mars Lichtspiele Berlin Rudow, NSDAP, Richard Adam, taz, TAZ, taz hamburg, Titanic, Uncategorized, Zwangsarbeiter | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , , | Schreib einen Kommentar

Abschrift eines Textes von David Stewart Hull (1961)

Vorname Fritz!

Abschrift:

David Stewart Hull, Berkely USA, veröffentlicht in der Zeitschrift FILM Heft 3, im August/September 1963. Herausgegeben von Hans Dieter Roos und Werner Schwier. Es handelt sich dabei um eine Übersetzung des Artikels, der vom Autor David Stewart Hull durchgesehen und von der Redaktion der Zeitschrift FILM gekürzt wurde. (Umfang 3½ Seiten, größer als DIN A 4, 296 mm hoch x 240 mm breit). Der Aufsatz ist zuerst in der Zeitschrift Film Quarterly im Sommer 1961 abgedruckt worden. Film Quarterly erschien 1961 vierteljährlich in Berkeley, Kalifornien. David Stewart Hull (geb. 1938) lehrte Film am Darthmouth College in Hanover, New Hampshire. Er bereitete 1963 die Herausgabe eines Buches über den Film im Dritten Reich vor.

Von der Zeitschrift FILM sind – von April / Mai 19963 bis Oktober / November 1964 – 10 Hefte unter der Redaktion von Hans Dieter Roos und Werner Schwier in München im Filmkunst Verlag, Promenadenplatz 10 erschienen.

In Heft Nr. 3, (August/September 1963) stellte die Zeitschrift FILM auf Seite 15 – 16 und 44 – 45 den Aufsatz von Hull mit einem Vorwort zur Diskussion. Der Übersetzer wird in der Veröffentlichung nicht genannt.

In Heft Nr. 4, FILM vom Oktober/November 1963, veröffentlichte die Redaktion unter dem Titel: DISKUSSION – Korrekturen zum Nazifilm einen Artikel (zweispaltig) von Gerd Albrecht, Filmseminar an der Universität Bonn auf Seite 46-48. Gerd Albrecht hatte Fehler entdeckt: Hull soll sich verzählt haben. Es waren nicht 572, sondern 472 Spielfilme, die in Deutschland von 1939-45 hergestellt worden, behauptet Albrecht. Albrecht stellt weiter fest: Kolberg war nicht am 30. Januar 1945, sondern erst einen Monat später (im März 45) von den Russen belagert worden und besonders schlimm: Hippler hieß mit Vornamen Fritz nicht Franz! (ohne Kommentar von Gerd Albrecht blieb dagegen der Satz von David Stewart Hull, dass Dr. Fritz Hippler (verantwortlich für den „wahrscheinlich grauen-haftesten dokumentarischen Propagandafilm, der jemals hergestellt wurde: „Der ewige Jude“ (1940)“) . . . nach dem Kriege unbehelligt blieb und nach den Worten von Hull . . . „heute in Garmisch ein Reisebüro betreibt.“

In Heft Nr. 5, FILM vom Dezember 1963/Januar 1964 war unter dem Titel DISKUSSION auf Seite 40 zu lesen: Noch einmal Nazifilm. Darunter der zweispaltige Artikel von Willi Roth (später nannte er sich Wilhelm Roth), der über Harlans Film „Kolberg“ u . a. (Der Artikel von Roth ist immerhin zweispaltig) schreibt:

“Einen solchen Film als Harlans Meisterwerk zu bezeichnen ist unmöglich. Harlan hat überhaupt kein Meisterwerk geschaffen. Man könnte nur sagen, daß der Film handwerklich besser ist als die meisten anderen Harlan-Filme.“ . . . Und über das Lob von Hull über den Regisseur Herbert Selpin gibt er immerhin zu, daß er von diesem Regisseur keinen Film kennt: „Ob der vierte Superlativ, Selpin sei der beste Regisseur jener Jahre gewesen, richtig ist, kann ich nicht beurteilen. Ich habe leider keinen Film von Selpin gesehen. Es mag sein, daß diese Rehabilitierung bzw. Entdeckung Selpins der eigentliche Wert von Hulls Artikel liegt.“ Willi Roth.

Kleiner Hinweis: Als David Stewart Hull 1961 in Berkely seinen Aufsatz über das Nazi-Kino in Deutschland verfasst, ist er 23 Jahre alt. In den Kritiken, die auf die Veröffentlichung seines Aufsatzes in der Zeitschrift FILM im August 1963 zurückgehen, wird auf das Alter des Autors hingewiesen. Ein Briefschreiber (Erwin Goelz) formuliert das so: “ . . . Doch die allgemeinen Züge der deutschen Produktion hat der junge amerikanische Filmologe ausgezeichnet erfaßt. So vor allem den Überhang an biografischen Filmen und die beschränkte Zahl der politischen Tendenzfilme. Hull stellt dazu fest: „Seltsamerweise war der Prozentsatz der Filme mit direktem politischem Inhalt während der ganzen Nazizeit relativ gering.“

Redaktion der Zeitschrift FILM (eine Art Vorwort)

Wegen seiner angeblichen propagandistischen Wirkungskraft hat der Film in totalitären Staatsformen immer eine besondere Bedeutung gehabt. Wir haben viel über die Filmhersteller im stalinistischen Rußland und im faschistischen Japan aus zwei kürzlich erschienenen Büchern erfahren, aus Leydas „Kino“ und aus Richie/Andersons „The Japanese Film“. Der folgende Artikel unternimmt den Versuch, eine der verbliebenen Lücken zu schließen: Er beschäftigt sich mit dem Nazifilm. Kracauer hat in seinem Buch „Von Caligari bis Hitler“ den vornazistischen Film analysiert; einige Dokumentarfilme der Nazis sind sorgfältig untersucht worden; das Werk von Leni Riefenstahl wurde an dieser Stelle bereits behandelt. Aber alle übrigen Filme, die während der Nazizeit von der hochentwickelten deutschen Filmindustrie hergestellt wurden, die schließlich in den zwanziger Jahren weltweite Anerkennung errungen hatte, sind später selten gezeigt und niemals objektiv beurteilt worden. Einige dieser Filme waren grauenhaft, einige farblos; viele waren nicht im eigentlichen Sinn politisch. Einige Regisseure hatten Talent, andere keines; einige waren treue Anhänger des Regimes, andere nur Mitläufer. In dieser Hinsicht glich die Filmindustrie der Nazis der anderer Länder eigentlich mehr, als daß sie sich von ihr unterschied – ebenso wie der Nazismus ja kein isoliertes Phänomen war. Vieles bleibt noch zu entdecken, ehe man den Nazifilm richtig verstehen kann. Der folgende Artikel versucht mit Objektivität an diese Aufgabe heranzugehen.

Verbotene Frucht: Der Nazifilm von 1939 bis 1945.

Die Geschichte des deutschen Spielfilms zwischen 1939 und 1945 ist „ein dunkles Kapitel“ – nicht nur, weil man so wenig darüber weiß, sondern auch darum, weil das, was über ihn geschrieben wurde, im allgemeinen nicht zutreffend ist; oft wurden Tatsachen aus persönlichen Motiven absichtlich verdreht. Das Hauptproblem rührt aus der einfachen Tatsache her, daß die Filme aus jener Zeit heute zu Studienzwecken fast unerreichbar sind; ein Ausnahme machen die großen Archive, die einiges von dem bewahrt haben, was ihnen die Beschlagnahme durch die alliierten Militärregierungen nach dem Krieg noch übrig ließ. Der Forscher muß sich daher gezwungenermaßen vorerst an die mageren Bemerkungen der allgemeinen Filmgeschichten halten. Was da veröffentlicht wurde, ist wahrhaft erschreckend. Viele Chronisten ignorieren diese Zeit vollkommen; sie geben ehrlich zu, daß sie keinen dieser Filme gesehen haben. Eine viel verbreitetere Haltung besteht darin, die ganze Kriegsproduktion zu verdammen, weil sie von den Nazis gemacht wurde und daher schlecht sein muß. Deutsche Filmgeschichten verfahren außerordentlich zimperlich mit dieser Periode, sie gehen so schnell wie möglich darüber hinweg und legen den Ton auf die unpolitischen Filme. Es bleibt dem Forscher also gar nichts anderes übrig, als praktisch alles außer Acht zu lassen, was über diese Zeit geschrieben wurde, und zu den Quellen zurückzugehen, zu den Filmen selber, zu Produktionsdaten und offiziellen Äußerungen. Die Geschichte der Naziperiode im deutschen Film zerfällt genau in zwei Abschnitte. Der erste, von 1933 bis 1939, mit dem wir uns hier nicht beschäftigen wollen, wurde von Georges Sadoul gut erläutert und dokumentiert. (1).

Die zweite Phase, von 1939 bis 1946, begann (mit den Worten von H. H. Wollenbergs) erst, als Hitlers „Stellung im eigenen Land und im Ausland genügend gefestigt war, daß er seine Kriegsmaschine in Bewegung setzen konnte . . . (dann) trat der Nazifilm in sein zweites Stadium ein. Die Konzentration des Kapitals, der Produktion und des Verleihs war vollkommen durchorganisiert, der psychologische Feldzug innerhalb und außerhalb Deutschland konnte beginnen.“ (2)

Ende 1938 wurde das letzte unabhängige Filmatelier, die Bavaria in München, vom Staat verschlungen. Goebbels konnte stolz berichten, daß der Kinobesuch im Jahr 1940 um 70 Prozent gegenüber 1932 gestiegen war. Was immer die Gründe für dieses Anwachsen gewesen sein mögen, die Industrie hielt mit den Anforderungen des Publikums Schritt und produzierte trotz kriegsbedingter Beschränkungen zwischen 1939 und 1945 insgesamt 572 Spielfilme.

Seltsamerweise war der Prozentsatz der Filme mit direktem politischen Inhalt während der ganzen Nazizeit relativ gering. In dem 1951 von der Alliierten Kontrollkommission veröffentlichten Katalog verbotener Film (3) ergab eine Besichtigung von 700 „verdächtigen“ Spielfilmen nur 141 Filme, die politisch angreifbar waren, und einige davon wurden aus zugegebenermaßen dürftigen Gründen gesperrt.

(Von 1939 bis 1945 wurden 22 Filme von der Nazi-Zensur aus politischen Gründen verboten.)

Die Spielfilme mit politischem Inhalt wurden größtenteils auf Befehl des Reichspropagan-daministeriums produziert und sind auch von dort finanziert worden. Diese „Staatsauf-tragsfilme“ machen jedoch nur 96 der 1097 Spielfilme aus, die in der Zeit von 1933 bis 1945 hergestellt wurden. Die folgende Studie wird sich hauptsächlich mit diesen Filmen beschäftigen, denn sie sind die wichtigsten und auch die interessantesten aus der Kriegszeit.

Ein geheimer Produktionsplan der Ufa aus dem Jahr 1939, der zum ersten Mal bei Sadoul veröffentlicht wurde, gibt uns ein umfassendes Bild der behandelten Themen. Es lohnt sich, einen leicht gekürzten Abdruck hier zu bringen; ich habe die Filme mit einem Stern ver-sehen, die tatsächlich hergestellt wurden. (a) Es ist interessant, die thematische Gliederung mit jener aus dem Bericht der Alliierten Kontrollkommission zu vergleichen. Ich habe die Zahl der verboteten Filme in jeder Kategorie aufgeführt. (b)

Man muß sich vor Augen halten, daß die zweite Liste den gesamten Zeitraum von 1933 bis 1945 umfaßt. So erschienen zum Beispiel alle antiamerikanischen Propagandafilme vor 1941, bis die Parole ausgegeben wurde, daß die Amerikaner freundlich behandelt werden sollen und das der Nachdruck auf antisowjetische Propaganda verlegt werden soll. Die beiden Filme mit ausgesprochener Parteipropaganda entstanden 1933; und obgleich die zwei Filme recht eindrucksvoll gerieten, wurde diese Kategorie nicht wieder aufgenommen. So informatorisch diese thematische Klassifizierung auch sein mag, die bessere Methode liegt in einer rein filmischen Analyse der Arbeiten einzelner Regisseure. In der Zeit von 1939 bis 1946 arbeiteten 37 wichtigere Regisseure für die staatlich kontrollierte Filmindustrie. Davon sind 27 gegenwärtig für die westdeutsche Filmindustrie tätig, drei sind gestorben, und die restlichen sieben haben sich entweder zurückgezogen oder sind unauffindbar. Es muß betont werden, daß nur eine Handvoll jener 37 an Filmen mit politischem Inhalt arbeitete; trotzdem ist es erstaunlich, wieviele dieser Regisseure noch heute an der Arbeit sind. Leni Riefenstahl und Helmut Käutner, dessen Position eine eigene, ausführliche Studie verlangte, bleiben im folgenden außer Betracht.

Wenn der Name eines Regisseurs vor allen anderen mit der Nazipartei in Verbindung gebracht wird, so ist es der Veit Harlans. Harlan ist der Sohn eines Bühnenautors und begann seine Karriere als Schauspieler; gleichzeitig schrieb er Drehbücher für Thea von Harbou, die Frau Fritz Langs. Sein Regiedebüt gab er mit dem Film „Krach im Hinterhaus“ (1935). Er spezialisierte sich auf kitschige Lustspiele, und seine Beliebtheit beim Publikum und bei den Offiziellen wuchs schnell. Überzeugt, daß Größeres in ihm steckte, gab ihm die Regierung 1937 seinen ersten politisch bedeutsamen Film, „Der Herrscher“ mit Emil Jannings über die Verfolgung eines Hitler ähnelnden Industriellen. Als dieser Film 1937 den Volpi-Preis auf den Filmfestspielen in Venedig erhielt, war Harlans Stellung als „offizieller“Regisseur des Regimes praktisch gesichert.

Trotz dieses Erfolgs wurde Harlan auf die Herstellung von weniger aufwendigen Filmen zurückgesetzt; darunter befand sich der antifranzösische Film „Verwehte Spuren“ (1938) und das merkwürdige Remake einer Sudermann-Erzählung, die bereits zehn Jahre früher die Vorlage für Murnaus „Sunrise“ abgegeben hatte: „Die Reise nach Tilsit“ (1939). Der bedeutendste Film dieser Periode war die verschwenderische Arbeit „Das unsterbliche Herz“ (1939), ein biographischer Film über den Erfinder der Taschenuhr.

Harlans Name wäre heute wahrscheinlich vergessen, hätte er nicht als nächstes den berüchtigten „Jud Süß“ (1940) gedreht. Lion Feuchtwangers Roman (aber Harlans Film basiert weniger auf dem Buch als auf der historischen Begebenheit) war schon 1932 in England auf schwerfällige deutsche Art von Lothar Mendes verfilmt worden, mit Conrad Veidt in der Titelrolle. Obgleich Rassenhetze bis dahin schon in zahlreiche Spielfilme eingestreut worden war, wurde Harlans Film jetzt der erste großangelegte Vorstoß des Naziregimes in dieser Richtung, und es wurden keine Kosten gescheut, um diese Botschaft dem deutschen Publikum mitzuteilen. Der Film war das Ergebnis der gemeinsamen Bemühungen von Harlan, Dr. Franz Hippler (der heute in Garmisch ein Reisebüro betreibt) und Werner Krauss. Hippler war Goebbels‘ rechte Hand im Propagandaministerium und verantwortlich für den wahrscheinlich grauenhaftesten dokumentarischen Propagandafilm, der jemals hergestellt wurde: „Der ewige Jude“ (1940). Damaligen Veröffentlichungen zufolge sollen Harlan und Krauss „von Hipplers Film entscheidend beeinflußt“ worden sein. Der berühmte Krauss hatte am Drehbuch mitgearbeitet, was ihm einerseits eine Doppelrolle und andrerseits die Gelegenheit einbrachte, in der schlimmsten deutschen Tradition zu chargieren. Harlan erhielt außerdem einen der besten Photographen jener Zeit, Bruno Mondi, und den besten Komponisten, Wolfgang Zeller, der früher die Musik für Carl Dreyers „Vampyr“ geschrieben hatte – die viele für die beste Filmmusik halten, die jemals komponiert wurde. Das Resultat dieser Zusammenarbeit war eine verwirrende und ziemlich langweilige Version der eigentlichen Geschichte.

Der Film diente als Hauptpunkt der Anklage, als Harlan 1950 in Hamburg wegen „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ vor Gericht stand. Der Staatsanwalt zitierte die Vergewaltigung der Dorothea Sturm (Kristina Söderbaum) durch den Sekretär Levy (Werner Krauss) als ein besonders gemeines Beispiel des Antisemitismus und sagte, dieser Film habe unmittelbar das verabscheuungwürdigste Verbrechen der modernen Geschichte vorbereitet. Doch wenn man den Film noch einmal sorgfältig durchsieht, ist man eigentlich mehr von seiner Zurückhaltung als von seiner angeblichen Hysterie beeindruckt.

In Wirklichkeit ist „Jud Süß“ weder gute Propaganda noch selbst besonders gute Unterhaltung, und die Schuld kann man bei Harlans schwacher Regieführung suchen.

Belastet mit einem – selbst für damalige Begriffe – ungewöhnlich weitschweifigen Drehbuch, verschenkte Harlan die filmischen Möglichkeiten und benutzte statt dessen die abgedroschenen Methoden des verfilmten Theaters. Bei den Innenaufnahmen bleibt die Kamera starr, und der Schnitt ist außerordenlich phantasielos. Die Außenaufnahmen sind im allgemeinen aufregender, und die Hinrichtungssequenz im Schneetreiben hat eine düstere, unbestreitbare Kraft, wenn sie auch nicht gerade jenes „fröhliche Crescendo“ darstellt, wie zwei Kritiker (5) es formuliert haben. So abscheulich wie der Antisemitismus des Films ist seine krankhafte Neigung zum Sadismus (ein Merkmal der meisten Harlan-Filme), der in der besonders widerwärtigen Folterszene an die Oberfläche kommt. Im übrigen war Harlan offensichtlich von seinen Schauspielern eingeschüchtert, denn er erlaubte ihnen, bis zur Absurdität zu chargieren. Selten wurde soviel Aufhebens wegen so wenig gemacht, denn „Jud Süß“ ist selbst nach den Begriffen der damaligen Zeit ein unbedeutendes Werk.

Die Premiere des Films fand Ende September 1940 in Berlin anläßlich des Sieges über Frankreich statt; bis Weihnachten wurde der Film allein in Berlin in 66 Kinos aufgeführt und dann in alle besetzten Teile Europas exportiert. In Frankreich warfen Partisanen Bomben in die Lichtspieltheater, die den Film spielten. Im allgemeinen war der Film außerhalb Deutschlands wenig erfolgreich, obschon er einen Preis auf den Festspielen von Venedig im Jahre 1941 errang, die allerdings unter faschistischer Kontrolle standen.

Sogar heute noch ist der Film „Jud Süß“ ein heißes Eisen. Harlan selbst zerstörte das Negativ im April 1954, aber kurz danach hörte man, daß eine Kopie in arabischer Synchronisation nach Beirut und Kairo verkauft worden sei. Terra, die ursprüngliche Produktionsfirma des Films, erhob Ansprüche auf einen Teil der Einspielergebnisse, wobei sie sich auf ihre 50jährigen Lizenzrechte stützte. Es folgte eine ausführliche Untersuchung, und die in Verlegenheit gebrachte Bonner Regierung erklärte, der Film würde durch die Verleihfirma Sovexport auf dem Weg über Ostdeutschland offen in den arabischen Ländern vertrieben (6). Erst kürzlich, im Jahre 1959, beschlagnahmte man ein anderes Negativ bei einem Filmkaufmann im Lübeck, der im Begriff war, es für 100 000 Dollar an den Bruder von König Ibn Saud zu verkaufen. (7). Zweifellos ist immer noch nicht das letzte Wort über diesen seltsamen Film gesprochen worden.

Harlan war stark an den Möglichkeiten des Farbfilmes interessiert, und der große Erfolg des ersten Agfacolor-Films, Georg Jacobis „Frauen sind doch bessere Diplomaten“ (1941), veranlaßte ihn, den bekannten Film „Die goldene Stadt“ zu drehen. In herrlichen Farben (sogar nach heutigen Maßstäben) photographiert (in Prag), erzählt der Film die Geschichte vom „Deutschtum in Böhmen“ und zeigt die unterdrückten, guten Deutschen im Lande der bösen Tschechen. Zwei weitere Farbexperimente folgten, „Immensee“ (1943), die unbedeutende Verfilmung eines Romans von Storm, und der belanglose „Opfergang“ (1944). Nachdem Harlan das schwierige System von Agfacolor bald besser als alle anderen Regisseure vor ihm und auch nach ihm beherrschte, begab er sich an die Herstellung seines Meisterwerks „Kolberg“, das zwischen 1943 und 1944 gedreht wurde, aber erst 1945 herauskam.

Das Interessanteste an dem Film sind seine Farbaufnahmen, die ich für die besten halte, die jemals gemacht worden sind. Fleischfarben erscheinen erschreckend realistisch, und Bruno Mondis Kameraführung ist beinahe dreidimensional. Die großen Szenen auf dem Schlachtfeld mit Hunderten von Offizieren und Soldaten in malerischen Uniformen, die auf Schimmeln die Dünen entlang sprengen, bleiben ebenso im Gedächtnis haften wie die Szenen in der brennenden Stadt. Nur in dem einfallslosen Schnitt der Innenaufnahmen enttäuscht Harlan den Betrachter.

Aus irgendeinem Grund betrachtete Goebbels diesen Film als sein eigenes Projekt, und keine Ausgaben – einschließlich der Heranziehung von Tausenden von Komparsen – wurden gescheut. Die Premiere des Films fand am 30. Januar 1945 gleichzeitig in Berlin und im von der Wehrmacht besetzten La Rochelle statt. Obgleich die Stadt Kolberg zu jener Zeit schon von den Russen belagert wurde, liess Goebbels den Film durch Fallschirmjäger über der Stadt für eine Sondervorführung abwerfen. Am Ende des Krieges gelangten die Russen in den Besitz des Negativs und zeigten ihn angeblich oft in der DDR als anti-westliche Propaganda.

Nach dem Krieg wurde Harlan verhaftet, mußte aber bis zum Jahr 1950 auf seinen bereits erwähnten Prozeß warten. Nach seinem Freispruch – man hatte ihn ungerechter Weise zum Sündenbock für die ganze Industrie gestempelt – drehte er sofort wieder Filme, hatte aber keinen großen Erfolg damit. Seine letzten Filme waren „Anders als du und ich“ (1957) und „Liebe kann wie Gift sein“ (1958) – beides schnell gedrehte und recht zweifelhafte Filme über die oberflächlichsten Aspekte der Homosexualität und Prostitution. Es ist schwer zu sagen, wie man Harlan später mit mehr Abstand beurteilen wird, aber ein paar allgemeine Bemerkungen kann man heute schon riskieren.

Obgleich er zugegebenermaßen Opportunist ist, hatte er doch ein außerordentliches Talent. Das Lustspiel lag ihm zwar am meisten, doch hat er auch einige der gewichtigsten und ehrgeizigsten deutschen Filme gedreht. Selbst ein guter Schauspieler, konnte er jedoch als Regisseur selten gute schauspielerische Leistungen mit seinem Schauspielerteam erzielen. Seine äußerliche Fröhlichkeit überdeckte düstere, sadistisch-diabolische Charakterzüge, die häufig in seinen Filmen zum Ausdruck kamen. Seine Filme verraten die Hand eines geschickten Handwerkers, aber der Anflug von Genie fehlt.

Wenn auch Harlan der bekannteste Regisseur der Jahre 1939-1946 war, der beste war der unglückliche Herbert Selpin. Von seinem ersten Film im Jahr 1932 bis zu seinem zweiundzwanzigsten und letzten zwölf Jahre später, wurde bei Selpin jener geniale Moment deutlich, der so vielen seiner Zeitgenossen fehlte. Da er keine Beziehungen zur Partei hatte, bekam er nur zweitklassige Drehbücher – trotzdem gelangen seiner ausgezeichneten Regieführung und seinem Einfühlungsvermögen bei der Besetzung häufig blendende Resultate.

Selpin zog es vor, ein gefährliches Spiel zu spielen. Da er nie ein Freund der Nazis gewesen war, weigerte er sich, seine guten Filme durch politische Tendenzen verderben zu lassen. Seine offen geäußerte Verachtung und seine beißende Kritik gegenüber hohen Parteimitgliedern brachte ihn ständig in Schwierigkeiten, doch seine Filme waren so gut, daß er sozusagen durch seine eigene Kunst beschützt wurde.

Selpin hatte seinen zweiten Film in England gedreht – überhaupt liebte er englische Themen; er drehte später eine erstaunliche Version von Oscar Wildes „Ein idealer Gatte“ (1935). Nach einer langen Reihe von dramatischen Liebesfilmen und Komödien wandte er sich mit „Trenck der Pandur“ (1940) dem biographischen Film zu, wo er in ironischer Manier den berühmten Soldatenhelden der Maria-Theresia-Zeit mit Hans Albers (seinem Lieblingsstar) in der Hauptrollen porträtierte.

Der Film wurde ein großer Publikumserfolg, dem unmittelbar darauf „Carl Peters“ (1941) folgte, die Biographie jenes Kolonialisten, der im 19. Jahrhundert große Teile von Afrika in deutschen Besitz brachte, ohne dabei von seinem Land unterstützt zu werden.

Der Film zeigt Peters (Hans Albers) als gütigen Übermittler westlicher Tugenden an die ungebildeten Eingeborenen – während der historische Peters von seinem Posten als Reichskommissar wegen seiner rauhen Behandlung der Afrikaner abberufen worden war. In dem Film wird er auf Grund einer falschen Aussage eines vom britischen Geheimdienst besoldeten Negerbischhofs angeklagt. Rein vom Optischen her ist der Film bemerkenswert; Franz Kochs Kameraführung gelingen packende Landschaftsbilder und ein grausamer Aufstand mit Tausenden von Negerstatisten. Den Film, der in den Barrandow-Studios bei Prag gedreht worden war, hatte man anscheinend mit afrikanischen Originalaufnahmen ergänzt. Das Drehbuch scheint Selpin wenig interessiert zu haben: Er brachte es fertig, die Story in blitzschnelle Episoden zu pressen, die von langen, herrlich belanglosen Details unterbrochen wurden.

Es folgte der noch ehrgeizigere, aber im Endergebnis weniger überzeugende Film „Geheimakte W.B.1“ (1942); eine Biographie jenes Wilhelm Bauer, der 1834 das Unterseeboot erfand. Der Film endete mit einem Epilog, der Bilder von deutschen U-Booten mit den Worten kommentiert: „Es war noch ein langer Weg vom ersten Unterwasserschiff bis zum heutigen U-Boot; und von dem ersten Schuß, der unter Wasser abgefeuert wurde, bis zum heutigen Torpedo – doch vor 100 Jahren hat Unteroffizier Wilhelm Bauer den entscheidenden Schritt getan.“ Das Hauptproblem des Filmes „Geheimakte W.B. 1“ ist sein Drehbuch, das die ärgsten Übertreibungen auf historisch-militärischem Gebiet mit einer Vorlesung in Bildern über die Konstruktion von U-Booten verbindet. Selpins Hand ist hier weniger spürbar als in seinen anderen Filmen; nur beim großen Hofball und bei den Unterwasserszenen spürt man seine große Begabung.

Die Erfahrung auf dem Gebiet der Schiffahrt kamen Selpin bei seinem letzten Film „Titanic“ (1943) zugute – einem der besten Filme, die je in Deutschland hergestellt wurden. Das ist sicherlich die packendste Darstellung jenes Ereignisses, die für die Leinwand gemacht wurde. Der Film schien Selpin persönlich sehr am Herzen zu liegen – es kommt einem der Verdacht, daß er den tragischen Untergang des Schiffes mit dem unausweichlichen Schicksal seines Landes unter Naziherschaft identifiziert. Der Film „Titanic“ war wieder eines von Goebbels Lieblingsprojekten; warum er mit der Herstellung dieses Filmes ausgerechnet einen Regisseur beauftragt hat, der ihm besonders un-symphatisch war, wird immer ein Rätsel bleiben. Goebbels war der Meinung, daß der Film sich ideal zur antibritischen Propaganda eignen müßte, liess ihn als „Staatsauftragsfilm“ herstellen und sagt Selpin die Mitwirkung einiger prominenter Schauspieler – u. a. der beliebten Sybille Schmitz – zu. Gegen Ende der Dreharbeiten hörte man gerüchteweise aus den Studios der Tobis, daß sich dort seltsame Dinge abspielten. Selpin hatte in dem Be-mühen, die Katastrophe mit all ihren Schrecken wiederaufleben zu lassen, die Propa-gandatendenzen völlig außer Acht gelassen. Nach der ersten Vorführung des Films, aus der die Zuschauer eher merklich erschüttert als patriotisch gegen England aufgebracht zurück-kamen, geriet Goebbels in fast hysterische Wut.

Selpin wurde befohlen, Teile des Filmes neu zu drehen. Nach seiner stürmischen Weigerung wurde er von Werner Klingler als Regisseur abgelöst. Goebbels glaubte sich persönlich von Selpin beleidigt und befahl ihn – trotz seines Alters – zum Militärdienst. Bald darauf brachte ihn die Gestapo im Gefängnis um. Selpin erfuhr nichts mehr über das seltsame Schicksal seines Meisterwerks. Selbst Klingler konnte nicht viel damit anfangen und Goebbels ließ den Film in Paris am 10. November 1943 aufführen, verbot ihn aber in Deutschland. Es wurde einer der erfolgreichsten Filme, die während des Krieges gezeigt worden sind, seine Beliebtheit wurde nur noch von „Münchhausen“ übertroffen. Nach dem Krieg gab die „Freiwillige Selbstkontrolle“ den Film zur Aufführung in Deutschland frei, seine zweite Premiere fand am 7. Februar 1950 in Stuttgart statt.

Im März legten die Engländer Protest gegen die Aufführung ein, und selbst nach vielen Schnitten, um die antibritische Propaganda zu eliminieren, wurde er nicht mehr frei-gegeben. Bis heute wird er daher hauptsächlich in Ostdeutschland gespielt. Von Selpins ganzem Werk sind nur noch etwa ein Dutzend Filme in den Archiven erhalten. Diese Filme beweisen zur Genüge seine außergewöhnliche Begabung, wenn auch sein Name 18 Jahre nach seinem Tod in Vergessenheit geraten ist, seine Filme nicht mehr aufgeführt werden und sein moralischer Mut ungerühmt bleibt.

Die Filmarbeit von G. W. Pabst während des Krieges wird immer ein dunkles Kapitel bleiben. Ende der dreißiger Jahre erlebte er einen jähen Niedergang seiner Karriere, nachdem er einige enttäuschende Filme gedreht hatte; der berühmte Regisseur zog sich nach Österreich zurück und konnte das Land nach dem „Anschluß“ nicht mehr verlassen. Im Jahre 1941 überredete man ihn (oder befahl ihm?), zur Filmarbeit zurückzukehren und den wenig bekannten Film „Komödianten“ zu inszenieren, eine Biographie der Karoline Neuber (Käthe Dorsch), die im 18. Jahrhundert die erste deutsche Wanderbühne gegründet hatte.

Dann folgte der berüchtigte „Paracelsus“ (1942), die seltsam verzwickte Biographie eines berühmten Physikers und Arztes aus dem 15. Jahrhundert, mit Werner Krauss in der Titelrolle. Der Film dauerte fast zwei Stunden, weitschweifig und übertrieben erzählt er die Geschichte von einem armen Mann, der zu großem berufen war – eine Parallele, die der Drehbuchautor Kurt Heuser zu dem Leben Hitlers ziehen wollte. Obgleich der Film langweilig ist, enthält er doch eine gute Szene, die an die großen Zeiten des Regisseurs anknüpft: In dieser erstaunlichen Passage wird der Zauberkünstler Fliegenbein (Harald Kreutzberg) der wie der zum Berserker gewordene Rattenfänger von Hameln aussieht, von der Pest befallen und führt eine Handvoll Flüchtlinge in einem grotesken „Totentanz“ an, begleitet von Herbert Windts gespenstischer Musik. Allein dieser Szene wegen verdient der Film, erwähnt zu werden.

Harlan teilte die Vorteile seiner bevorzugten Stellung als „offizieller Regisseur“ mit Hans Steinhoff, der als einer der ersten Regisseure für die Filmindustrie der Nazis gearbeitet hatte. Sein erster bedeutender politischer Film war „Hitlerjunge Quex“ (1933). Eifrig arbeitet er weiter für die Partei, er drehte „Der alte und der junge König“ (1935) mit Emil Jannings, seinem Lieblingsdarsteller. Dann folgte „Robert Koch“ (1939), ein interessanter, aber historisch nicht den Tatsachen entsprechender Film, ebenfalls mit Jannings.

Steinhoffs Tour de Force war „Ohm Krüger“, einer der perfektioniertesten Nazifilme überhaupt. In herrlichen Bildern von Fritz Arno Wagner beschreibt der Film das Leben des Burenführers Ohm Krüger. Seinen Hauptzweck sah der Film aber in der Erzeugung antibritischer Gefühle, und das gelang ihm denn auch vorzüglich. Selten hat ein Film Bösewichte so schwarz wie Kitchener (Franz Schafheitlin), Cecil Rhodes (Ferdinand Marian) und sogar Chamberlain (Gustav Gründgens) gezeichnet. In einer eklatanten Verdrehung wird den Engländern die Gründung des ersten Konzentrationslagers unterschoben, in dem Frauen und Kinder durch verdorbene Lebensmittel vergiftet und von den Bajonetten der blutdürstigen Wachmannschaften aufgespießt werden.

Die Premiere von „Ohm Krüger“ fand im April 1941 statt; der Film wurde als bester ausländischer Film des Jahres auf den Festspielen in Venedig prämiiert. In Deutschland selbst wurde ihm als erstem Film das Prädikat „Film der Nation“ verliehen, und Jannings erhielt von Goebbels für seine Darstellung den „Ehrenring des deutschen Films“.

Es ist interessant, zu erfahren, daß dem Film solche Bedeutung beigemessen wurde, daß noch zwei weitere bekannte Regisseure – Herbert Maisch und Karl Anton – zur Überwachung herangezogen wurden. Wenn auch Steinhoff noch weitere Filme drehte, so endete doch seine eigentliche Karriere mit dem Film „Rembrandt“ (1942), einer ordentlichen Biographie, die weit besser als der englische Film über das gleiche Thema ausgefallen ist. Wolfgang Liebeneiner (geb. 1905) war einer der jüngeren Regisseure der Kriegszeit. Als junger Mann hatte er eine außergewöhnliche Begabung als Schauspieler an den Tag gelegt; bald wandte er sich aber dem Film zu, wo er jugendliche Liebhaber spielte.

Im Jahre 1943 – im Alter von erst 38 Jahren – wurde er Leiter der Produktionsabteilung der UFA. Auf schauspielerischem und geschäftlichem Gebiet war er erfolgreicher denn als Regisseur; sein bekanntester Film war eine Filmchronik in zwei Teilen aus der deutschen Geschichte, „Bismarck“ (1940) und „Die Entlassung“ (1942). Der zweite Film ist weitaus besser; Jannings spielt den Bismarck, Werner Krauss den Geheimrat von Holstein. Fritz Arno Wagners Kameraführung und Herbert Windts gute musikalische Untermalung konnten den Film auch nicht viel aufregender machen. Eine der seltsamsten Szenen des Filmes ist die Entlassungszene Bismarcks, in der Wilhelm II. (Werner Hinz) – als Homosexueller dargestellt – sich mehr für einen klavierspielenden Freund als für das tragische Schicksal des größten Staatsmannes seines Vater interessiert.

Zwischen den beiden Bismarck-Filmen dreht Liebeneiner den vieldiskutierten Streifen „Ich klage an“ (1941), ein zwei Stunden dauerndes Werk voller Euthanasie-Propaganda. Im Gegensatz zu der allgemeinen Annahme enthält der Film keine hysterischen Übertreibungen; es ist die bemerkenswert nüchterne Untersuchung eines schwierigen Problems, das mit viel Takt behandelt wird.

Ein anderer offizieller Partei-Regisseur jener Zeit war Max Kimmich, dessen Filme gleichwohl eine seltsame Faszination ausstrahlen. Kimmich war besonders erfolgreich mit jugendlichen Schauspielern. Aus irgendeinem unerfindlichen Grund wurde er mit der Herstellung von zwei pro-irischen, antibritischen Filmen beauftragt: mit „Der Fuchs von Glenarvon“ (1940) und dem etwas besseren „Mein Leben für Irland“. Der letztere handelt von einem 18jährigen irischen Jungen, der in einem englischen Internat für Kinder von politischen Gefangenen aufwächst. Obgleich die Schauspieler etwas zu alt für ihre Rollen (und auch zu groß für kurze Hosen) sind, gelangen die Kampfszenen am Ende des Filmes besonders gut. In dem offenkundigen Bemühen, es den sadistischen Neigungen Harlans gleich zu tun, blendet Kimmich eine Szene ein, in der Patrick von seinen Schulkameraden gefoltert wird, weil er angeblich ein Verräter ist; eine geschickt inszenierte antibritische Szene zeigt ferner, wie sich die Jungen weigern, die Nationalhymne zu singen und dabei den Union Jack unter Freudengeschrei verbrennen.

Ähnlich aufwendig und sadistisch ist der Film „Germanin“ (1943), eine Biographie Dr. Achenbachs (Peter Petersen), dem Erfinder des Serums gegen die Schlafkrankheit. Der Held geht nach Afrika, um diese gefährliche Krankheit bei den Eingeborenen zu bekämpfen, aber der englische Geheimdienst behindert ihn und stachelt schließlich die Eingeborenen an, sein Laboratorium zu zerstören. In einer unglaublichen Schlußszene sieht man den Arzt und den englischen Distriktskommissar, die beide von der gefährlichen Krankheit befallen sind. Eine einzige Flasche des Serums ist von einem zahmen Affen aus den Trümmern des Laboratoriums gerettet worden, und der edle Arzt rettet seinen Gegner und stirbt. „Germanin“ ist ein interessantes Beispiel dafür, wieviel Geld die Regierung in einen „Staatsauftragsfilm“ zu stecken gewillt war, der in diesem Fall anscheinend auf An-regung der der Bayer-Werke hergestellt wurde.

Der aufwendige Film, der bei der UFA in Babelsberg und in der Cinecittà (für die Szenen in Afrika) gedreht worden war, läßt von Kimmichs Drehbuch her einen spürbaren Mangel an Geschmack erkennen. Billige Operetten-Effekte und die schmalzige Stimme eines Sprechers wechseln mit Szenen mit Negerkomödianten und allerlei Tieren, zwischendurch erscheint altes Filmmaterial, das die UFA anscheinend vor dem Kriege in Afrika aufgenommen hat. Kimmichs Vorliebe für Sadismus zeigt sich in einer unerquicklichen Szene, in der Dr. Achenbachs Assistent (Louis Trenker) sich von Moskitos stechen läßt, die Krankheitsträger sind, wobei man die Szene durch den Glaskasten gefilmt hat, in dem sich die Tiere befinden.

Der schönste Jugendfilm der Kriegsjahre ist ohne Zweifel „Junge Adler“ (1944), inszeniert von dem hochbegabten Alfred Weidenmann. Die recht ungewöhnliche Story befaßt sich mit dem Sohn eines reichen Flugzeugfabrikanten, der durch die Kriegsdienstarbeit als Hitlerjunge in den Werken seines Vaters ein Vergehen wieder gutmachen will. Das tägliche Leben der Jungen wird geschickt dargestellt, die Photographie von Klaus von Rautenfeld ist ungewöhnlich sensibel; besonders eindrucksvoll ist die Szene, in der die Jungen am Wochenende zum Camping ans Meer fahren und man am Schluß sieht, wie der Held sein Fahrrad durch die steigende Flut nach Hause zu manövrieren versucht.

An Mitteln für diesen „Staatsauftragsfilm“ hatte man offensichtlich nicht gespart – eine große Konzession an die Jugend – , und zwei so bekannte Darsteller wie Willy Fritsch und Herbert Hübner hatten Hauptrollen in dem Film.

Im Gegensatz zu anderen Jugendfilmen jener Zeit wird nicht mit sadistischen Mitteln gearbeitet, es gibt keine Gewaltszenen und keine Übertreibungen. Obgleich „Junge Adler“ im Grunde zu spät herauskam, um viel praktischen propagandistischen Wert zu haben, muß man doch sagen, daß seine Absicht, nämlich die Jugend zur Arbeit in den Kriegsjahren anzuregen, teilweise erfolgreich war.

Während „Jud Süß“ der bekannteste der antisemitischen Filme ist, hat Erich Waschneck einen weiteren Film dieses Genres, „Die Rothschilds“ (1940), in viel eleganterer und auch überzeugender Manier inszeniert. Im Kern stark antisemitisch und auch antibritisch, ist der Film derartig widerwärtig in seiner Grundtendenz, daß er eine Klasse für sich auf diesem Gebiet darstellt. Er ist herrlich photographiert und gespielt, u. a. von Gisela Uhlen und dem berühmten Opernsänger Michael Bohnen; aber es ist einer der bösesten Filme raffinierter Propaganda aus der Nazizeit.

Man sollte auch noch den eigenartigen, doch amüsanten Film „Der unendliche Weg“ (1943) erwähnen, Hans Schweikarts herzliche Biographie von Friedrich List (Eugen Klöpfer), der im 19. Jahrhundert aus Deutschland emigrierte und am Ausbau des amerikanischen Eisenbahnnetzes entscheidenden Anteil hatte. Ein großer Teil des Films spielt in Pennsylvania und wird von Liedern wie „The Girt I left Behind me“, „Yankee Doodle“ und „Battle Hymn of the Republic“ begleitet, unbekümmert um historische Daten. Die deutlich spürbare Lektion des Films lautet, die deutsch-amerikanische Solidarität ist nötig, um England zu zerstören. Während des ganzen Filmes werden Amerika und sein Grenzer liebevoll gezeichnet, der Film verliert nur an Tempo, als eine langatmige Liebesgeschichte eingeblendet wird.

In diesem notgedrungen kurzen Überblick über die Spielfilme der Nazis blieben einige weniger wichtige, aber doch interessante Regisseure unerwähnt. Darunter zum Beispiel der beliebte Gustav Ucicky; der geschickte Gestalter von patriotischen und antirussischen Filmen, Karl Ritter; der hochbegabte Herbert Maisch, dessen pazifistischer „Friedrich Schiller“ (1940) und spektakulärer „Andreas Schlüter“ (1942) Beachtung verdienen; ferner solche Meister der reinen Unterhaltung“ wie Willi Forst, Geza von Bolvary, Carl Fröhlich und Paul Verhoeven.

Was kann man zusammenfassend über alle diese Filme sagen? Zunächst fällt die Vorherrschaft historischer Biographie auf, ferner eine Abneigung der Nazis gegen Themen der Gegenwart, außer bei harmlosen Musikfilmen oder kitschigen Lustspielen. Drittens fehlt in fast allen Filmen das Interesse für Sex oder Liebesgeschichten; die Betonung liegt auf dem rein männlichen Standpunkt. Unser Augenmerk wird ferner auf die starken sadistischen Tendenzen der Filme gelenkt, die an Stelle der leichter erkennbaren Gewalttätigkeit treten. Auf der anderen Seite muß man betonen, daß die deutsche Filmindustrie jener Zeit sich technisch durchaus sehen lassen konnte. Die Leistungen auf dem Gebiet der Photographie und der Produktion waren auf höchstmöglichem Niveau – vielleicht auf Kosten der Drehbücher und der Schauspieler. Im allgemeinen war die Propaganda weniger dick aufgetragen, als in einigen amerikanischen Filmen der gleichen Zeit.

David Stewart Hull, USA

GEGEN DIE KRIEGSMORAL VERGANGEN! In FILM Heft Nr. 6 vom Februar / März 1964 findet sich auf Seite 51, unter dem Titel DISKUSSION zur Ermordung von Herbert Selpin (Dem Regisseur von „Titanic“ u. a) eine (finde ich) ziemlich glaubwürdige Version. Sie stammt aus der Dokumentation (Buch) von Joseph Wulf „Theater und Film im dritten Reich“. Wulf zitiert aus einem Artikel, der unter der Überschrift „Der Reichsfilmintendant teilt mit“ am 7.8.1942 im Film-Kurier erschien. „Der Filmregisseur Herbert Selpin hat sich durch niederträchtige Verleumdungen und Beleidigungen deutscher Frontsoldaten und Frontoffiziere gegen die Kriegsmoral vergangen. Er wurde deshalb in Haft genommen, um dem Gericht überstellt zu werden. Die Verfehlungen Selpins waren um so verächtlicher, als er weder am Weltkrieg noch an diesem Krieg teilgenommen hat, im Gegenteil zur Durchführung von wichtigen Aufgaben im Film u. k. gestellt war. Selpin hat in der gerichtlichen Untersuchungshaft in der Nacht zum 1. August seinem Leben durch Erhängen ein Ende gemacht.“ Soweit die nazioffizielle Lesart. Wahrheit sieht anders aus. Am 30. Juli 1942 wurde Selpin zu Goebbels bestellt, um sich vor einem Ehrengericht zu verantworten. „Selpin bestätigte seine Äußerungen in Zoppot, war jedoch nicht bereit, sie zurückzunehmen. Goebbels erklärte ihm darauf hin, ihm auch nicht mehr helfen zu können und ließ ihn in seinem Vorzimmer verhaften. So geschehen am 30. Juli 1942; in der Nacht zum 1. August wurde Herbert Selpin von einem Gestapo-Kommando in seiner Zelle erwürgt. Am Morgen fand man ihn an seinem Hosenträger erhängt, aber die Würgemale am Hals waren nicht zu übersehen.“ (Joseph Wulf, Theater und Film im dritten Reich, zitiert nach FILM, Nr. 6, Februar / März 1964, Seite 51.). Der gleiche Text findet sich auch in Joseph Wulf, Theater und Film im Dritten Reich, Ullstein Verlag 1983, Seite 329, unter dem Titel: Der Mord an Herbert Selpin.

Autor Joseph Wulf Bild von Wikipedia

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Out of the past – Ich hatte das ganz vergessen- Ein Beitrag zur Abgabenordnung (AO)

Abschrift eines Briefes an das Finanzamt für Körperschaften Hamburg Ost, Abteilung Vereine, in 20045 Hamburg- und gleichzeitig an den RTL in Köln (an die Sendung “Wie bitte“) 5000 Köln mit gleicher Post. Es schreibt der bis dahin Gemeinnützige Verein: Medienberatung & Vermitlung e. V. Bartelstrasse 12, 20357 Hamburg an das Finanzamtfür Körperschaften Hamburg Ost und kündigt an, dass er selbiges Schreiben auch an den Sender RTL, Redaktion “Wie Bitte“ 5000 Köln schicken will. (Leider erinnere ich nicht mehr, ob er (der Verein) tatsaechlich geschickt hat, oder ob nur damit gedroht wurde). Inzwischen ist das Gebäude von RTL in Köln Junkersdorf abgerissen. Medienberatung & Vermittlung e. V. Steuernummer 17/434/01367

Hamburg, d. 26.08. 1994

Sehr geehrte Redaktion, Sehr geehrte Finanzbeamte,

seit dreieinhalb Jahren wird der Verein Medienberatung & Vermittlung e. V. vom Finanzamt für Körperschaften Hamburg Ost tracktiert. Das ist ja an sich nichts besonderes, daß das Finanzamt die Leute tracktiert. Davon kann eine große Anzahl von Literaturproduzenten seinen Lebensunterhalt bestreiten, wenn sie veröffentlichen, wie Finanzämter Leute schikanieren.

Aber was hier vom Finanzamt Hamburg Ost veranstaltet wird, geht dann doch über das übliche Maß hinaus. Ich will versuchen, den Fall so anschaulich wie möglich zu schildern.

1983 fanden sich zehn Kinonarren zusammen, die die Filme des amerikanischen Komikers W. C. Fields besonders liebten und bedauerten, daß diese niemals in Hamburger Kinos gezeigt wurden. Da weder Verleiher noch Kinobesitzer zu überzeugen waren, die insgesamt 20 Filme nach Deutschland zu bringen und zu veröffentlichen, beschlossen diese Kinonarren einen Verein zu gründen, der Filmkopien importieren und diese Filme öffentlich zugänglich machen sollte. Es wurde der Verein Medienberatung & Vermittlung e. V. gegründet. Die Satzung wurde so gestaltet, daß sie nach einigen Schwierigkeiten mit dem Finanzamt 1984 als gemeinnützig anerkannt wurde. In einem 40 Plätze Cafe in Hamburg Altona, das inzwischen (1991) abgerissen wurde, überliess die Besitzerin dem Verein eine nichtgenutzte Abstellkammer von ca. 15. qm, in denen der Verein tagen und sich Filme ansehen konnte.

Man hat sich diesen Abstellraum ungefähr so vorzustellen: ohne Fenster, den geliehenen 16 mm Projektor im Raum aufgestellt, eine feuchte Aussenmauer, eine Bildwand, 10 Stühle von Sperrmüll. Später wurde es dann etwas komfortabler: Eine Projektionskabine, alte Kinostühle, ein Fenster, eine Klappleinwand. Dann zweimal im Monat wurden die Kopien der Filme gezeigt, die man aus den USA importiert hatte.“My little Chikadee“, “Never give a sucker an even break“, “The big broadcast“, “The old fashioned way“. Um neue Freunde zu gewinnen, wurde einmal monatlich ein Din A 4 Zettel mit den Filmtiteln und Beschreibungen kopiert und im “Oelkers Cafe“ in 50 Exemplaren ausgelegt. Wenn man die Stühle recht eng rückte, dann konnten 19 Personen Platz finden. Da das Werk des Komikers Fields endlich ist (es gibt ungefähr 20 Filme mit ihm), begann man später auch, andere Filme bei 16 mm Verleihen in Deutschland auszuleihen und vorzuführen. Es handelte sich um Filme, die im Kino nicht, bzw. nicht mehr gezeigt wurden und die die Vereinsmitglieder gerne mal auf einer Leinwand wiedersehen wollten.

Die dafür nötigen Gelder wurden durch Spenden und Mitgliedsbeiträge aufgebracht.

Die Menge der Vorführungen und die Anzahl der importierten Kopien rich-tete sich nach den vorhandenen Geldern des Vereins. Eine Filmkopie in den USA kostet ca. 400 USD, der Ausleih einer 16 mm Kopie zwischen 150 und 300 DM für einen Tag. Die vorhandenen Vereinsmittel waren jährlich unterschiedlich – je nach Spendenaufkommen – bewegten sich aber in der Regel zwischen 5.000– und 10.000,– DM jährlich. Da keine Raummiete zu entrichten war, konnte die Vereinsarbeit damit gemacht werden. Der Mitgliedsbetrag wurde auf 5,– im Monat festgesetzt.

Die erste Prüfung durch das Finanzam Hamburg Ost nach drei Jahren Gemeinnützigkeit ergab keine Beanstandungen. Da das Kind einen Namen brauchte, nannten wir es eingedeutscht nach dem Geburtsnamen des Komikers William Claude Dukinfield das “Duckenfeld im Oelkerscafe“.

Alle drei Jahre werden die Vereine nachträglich auf ihre Gemeinnützigkeit überprüft. Diese Überprüfung macht das Finanzamt mithilfe eines 4-seitigen (vierseitigen) Fragebogens. Der Fragebogen reicht über drei Jahre. In diesem Fall von 1986/87/88. Durch eine größere Spende, war der Verein 1988 in der Lage, einen größeren Projektor und eine gute Tonanlage (zusammen ca. 15.000,– DEM) anzuschaffenund eine Mitarbeiterin auf Teilzeitbasis für die bisher nur ehrenamtliche Arbeit zu bezahlen. Insgesamt gab es 1988 Einnahmen von fast 40.000,– , denen Ausgaben von 41.000,– (für Projektor/Tonanlage und Honorare auf 590,– DM Basis gegenüberstanden, sodaß die kleineren Rücklagen aus den Vorjahren angegangen werden mußten.

Diese 40.000,– DM aus 1988 müssen im Finanzamt grelle Fantasien ausgelöst haben. Ich stelle mir das so vor, wie in Billy Wilder Wilders “Manche mögens heiß“. Die Gangsterbosse aus ganz Amerika machen in Florida eine Konferenz und ihren Verein nennen sie “Die Freunde der italienischen Oper“.

Jedenfalls begann hier der Ärger mit dem Finanzamt Hamburg Ost, der sich bis heute hinzieht:

Am 26.02. 1991 teilte ein Herr Fischer von Finanzamt zunächst mit, daß nach der Prüfung des Fragebogens für die Jahre 86/87/88 zu der Meinung gelangt sei, daß der Verein mit seinen 19 Stühlen und den Vorführungen an den Wochenenden in die Konkurrenz zu anderen gewerblichen Kinos trete.

Niemand sonst, der die Abstellkammer und das Programm einmal gesehen hatte, konnte auf eine solche Idee kommen. Kein einziger Kinobesitzer in Hamburg, schon gar nicht die drei Marktführer Riech (Ufa), Flebbe und Union mit fast 20.000 Sitzplätzen pro Tag waren jemals auf die Idee gekommen, das das “Duckenfeld im Oelkerscafe“ eine Konkurrenz für sie darstelle. Zumal sie an den gezeigten Filmen aus ökonomischen Gründen auch völlig uninteressiert waren.

Aber Finanzbeamter Fischer meinte dies und forderte einen ausführlichen Tätigkeitsbericht. Dieser wurde abgefasst und übersandt, befriedigte jedoch den Beamten nicht, sodaß kurze Zeit später mehrere Steuerbescheide, allerdings mit Nullsummen (d. h. es sollte kein Geld bezahlt werden) erfolgten und dem Verein für die vergangenen drei Jahre (86/87/88) die Gemeinnützigkeit versagt wurde.

Die Bescheide tragen das Datum vom 18.03.1992. (Körperschaftssteuer / Gewerbesteuer für 1988).

Wir fanden uns dagegen durchaus gemeinnützig und legten Widerspruch gegen die Bescheide ein. Aufgrund dieses Widerspruchs erhielt ich von der Widerspruchsstelle des Finanzamtes eine Anruf von einem Herrn Klein. Er bat mich >zur Klärung des Sachverhaltes< zu einem persönlichen Gespräch ins Finanzamt für Körperschaften.

Dort erklärte mir Finanzbeamter Klein, daß er demnächst auf eine andere Dienststelle versetzt werden würde. Dies wäre sozusagen sein letzter Fall und der mache ihm viel Arbeit. Ausserdem wäre unser Widerspruch ohne Aussicht auf Erfolg und auch ohne finanzielle Nachteile. Die Spender hätten ihr Geld bereits vom Finanzamt erstattet bekommen, Steuern müßte der Verein nicht bezahlen. Kurz: ob der Vorstand des Vereines den Widerspruch nicht zurücknehmen könne?

Der Gedanke gefiel mir (auch im Hinblick auf die Überlastung der Finanzbeamten, von denen man immer wieder in der Zeitung lesen kann) und ich versprach, mich beim Vorstand des Vereins für diese Lösung einzusetzen.

Finanzbeamter Klein hatte jedoch verschwiegen, daß das Finanzamt mit Wegfall der Gemeinnützigkeit jährliche Steuererklärungen (Körperschaft / Gewerbe u .a.) fordern würde, die dem vierseitigen Fragebogen alle drei Jahre bei weitem überstiegen und eine umfangreiche Arbeit erforderten.

Die entsprechenden Formulare wurden als Paket übersandt (Das gab es damals noch). So hatte ich mir die Arbeitsentlastung des Beamten Klein nicht vorgestellt.

Der Vorstand nahm daraufhin seinen Widerspruch auch nicht zurück. Aber das Finanzamt schickte auch keinen Bescheid, gegen den eine Klage beim Finanzgericht möglich gewesen wäre. Herr Klein war inzwischen in eine andere Dienststelle aufgestiegen und mit dem Fall nicht mehr befasst.

Zwischenzeitlich war ich in den Vorstand des Vereines gewählt worden und so schrieb ich am 16. Mai 1994 eine Mahnung (per Einschreiben) ans Finanzamt, wo der Widerspruchsbescheid bleibe? Es meldete sich Finanzbeamter Albinger, der uns aufforderte den Berg von Papier endlich auszufüllen.

Der Widerspruch würde – inzwischen seit einigen Jahren – von einer anderen Abteilung beantwortet werden. Gleichzeitig erfolgten Steuerbescheide mit Zahlungsaufforderung in einer Gesamthöhe von zusammen 20.000,– DM für die vergangenen Jahre.

Gleichzeitig erlaubte sich Finanzbeamter Albinger noch den Hinweis, daß wir uns mit dem Widerspruchsbescheid in Geduld fassen sollten. Um die Unsinnigkeit solcher Forderung (20.000,– DM bei 19 Mitgliedern, die pro Monat 5,– DM zahlen sollen) deutlich zu machen, übersandte ich Anfang 1994 dem Finanzamt die Gewinn und Verlustrechnung des Vereins für die Jahre 1991/1992/1993 (10.000,–/6.000,–/4.000,– Gesamtumsatz) als Überschuß: jeweils 276,–/330,–/3.000,–DM).

Die Zahlen machten auf Beamten Albinger keinen Eindruck, sondern führten nur zu Übersendung eines weiteren Fragebogens, mit der Frage , nach welchem Buchführungssystem wir arbeiten würden.

1991 wurde das Oelkerscafe geschlossen und 1992 abgerissen. Der Verein verlor damit auch seinen kostenlosen Abstellraum “Duckenfeld im Oelkerscafe“. Seit dieser Zeit lagern die Filmkopien bei verschiednen Vereinsmitgliedern.

Für die Anmietungen von Räumen reicht das Geld nicht und auch die Spendenbereitschaft ist sehr zurück geangen. Die Aktivitäten des Finanzamtes dagegen nahme in der Folgezeit rasant zu. Zwar warten wir bis heute noch auf einen klagefähigen Widerspruchsbescheid, aber eine Vorstandskollegin erhält jede Woche eine Mahnung vom Finanzamt an ihre Privatanschrift.

Mal Körperschaftssteuer für das erste und zweite Quartal 94 in Höhe von 800, mal Gewerbesteuer, mal dies mal das. Am Telefon vom Beamten Albinger, ist ein Anrufbeantworter, der darauf hinweist, daß er an drei Tagen in der Woche telefonisch von 8-12 zu erreichen sei und daß das Gerät anschließend abschaltet.

Nur erreichen kann man ihn nicht und wenn man doch einmal das zweifelhafte Vergnügen hat, eine menschliche Stimme am Telefon zu hören, dann bekommt man nur die immer gleich lautende Auskunft, zunächst seien die Steuerklärung volständig ausgefüllt zu übersenden. Vorher könne er gar nichts für einen tun.

Davon daß eine solche Arbeit schon aufgrund der vorgelegten Zahlen völlig unsinnig und mit Sicherheit aus diesem Verein mit seine jährlichen Überschüssen von 150,– – 300,– keine geschätzten 25.000,– rauszuholen, das möchte der Sachbearbeiter (welche Sache wird dort eigentlich bearbeitet?) nicht hören.

Dagegen vermutet der fleissige Sachbearbeiter offensichtlich eine geheime, unerschöpfliche Geldquelle des Vereins, die er angesichts der Haushalts-löcher des Hamburger Senats zu erschließen gedenkt.

In einem Schreiben fragt er an, welche Verbindungen der Verein zum 3001 Kino hat. Doch dieses Unternehmen ist – das müßte er als Finanzbeamter doch leicht herausbekommen – eine GmbH. Das steht schon an der Eingangstür des Kinos.

Vielleicht sollte man es mal mit einer Dienstaufsichtbeschwerde versuchen, die auch das Finanzamt und seine Beamten und Angestellten wieder auf den Boden der Realitäten zurückbringen könnte.

Aber vorher erscheint es mir doch sinnvoller den Fall in die Öffentlichkeit zu bringen. Wie Bitte von RTL – ist, nachdem ich die Sendung öfter gesehen habe, meiner Meinung nach, der richtige Ort dafür.

Auch im Hinblick auf eine stille Hoffnung, es gäbe möglicherweise mir unbekannte Mitarbeiter in der Finanzverwaltung, die diesem unsinnigen Treiben einiger Beamter auch ein Ende machen könnten. Man soll ja die Hoffnung nie aufgeben.

Bei unserem Vorbild wäre der Verdacht der Steuerhinterziehung angebracht gewesen, aber für das Finanzamt Hamburg Ost sicher nicht erreichbar.

Als W. C. Fields am 24.12.1946 starb, stellte man fest, daß er in 30 verschiedenen Ländern fast 200 Konten auf seinen Namen eröffnet hatte mit nicht unbeträchtlichen Beträgen. Außerdem fanden sich große Mengen Dosenbier und Konserven in seinem Haus, weil (er) beständig Angst hatte, vom Hunger oder vom Durst überrascht zu werden.

Leider sind der Medienberatung und Vermittlung e. V. von diesem Geld- und Waren-beständen keine Erlöse zugeflossen. Auf dem Postscheckkonto des Vereins sind gerade mal 39,50 DM.

Mit der Filmkopie “Never give a sucker an even break“ frei übersetzt (vornehm) – es gibt auch noch eine andere Variante, “Gib einem Trottel keine Chance“ kann das Finanzamt sicher auch nichts anfangen. Sie haben offensichtlich an sich selber genug, freundliche Grüße Jens Meyer (Anbei noch Foto des Komikers, damit wir wissen, wovon die Rede ist.)

Buchumschlag des Buches: W. C. Fields and me. Carlotta Monti. GB 1974 London Jacket design Ken Caroll
Grafik aus dem Vorspann von The Bank Dick. New York 1972. Edited by Richard J. Anobile

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Der Projektionist

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Jäger des verlorenen Schatzes oder Mein Freund der Rechtsanwalt

Neulich erhielt ich Post von meinem Freund, dem Rechtsanwalt. Er hatte mal wieder telefonischen Kontakt mit der freundlichen Dame vom Grundbuchamt. Aber, leider, leider, die entsprechenden Blätter aus dem Grundbuch sind nicht auffindbar. Zufällig handelt es sich um zwei Grundstücke, auf denen früher Kinos standen. Heute sind es die so genannten Sahnegrundstücke der Hamburger Innenstadt: Dammtorstrasse 14 und Gänsemarkt 43. Die Kinos hiessen Waterloo Theater und Lessing Theater und es wird behauptet, daß sowohl die Grundstücke, als auch die Kinos die darauf standen, den Kinobesitzern selber gehörten.

Nur beweisen kann man es nicht, solange die entsprechenden Grundbuchblätter fehlen. Dagegen sind die Grundbuchblätter ab 1938 für die entsprechenden Grundstücke vorhanden. Aber auch die sind nicht jedermann zugänglich. Der Datenschutz, versteht sich. Das war nicht immer so. Bis 1970 waren die Grundbesitzer in den Adressbüchern abgedruckt. Merkwürdig, wie sie und warum daraus verschwunden sind. Da heißt es entsprechende Vollmachten zu besorgen und wer kann sich schon Vollmachten besorgen von Menschen, die von deutschen Bürgern umgebracht wurden?

Und genau da beginnt die Sache mit der Geschichte der Hamburger Kinos schwierig zu werden. Inzwischen sind seit jener Zeit zwei Generationen vergangen. Die Opfer sind tot, die damaligen Täter, die ihren Kindern eingeredet hatten, dass Sie ein Opfer ihrer Zeit waren und keineswegs Täter, und auch die Kinder, die ihrerseits zur Legendenbildung beigetragen haben, ihre Väter hätten das enteignete Eigentum rechtmäßig erworben, sind inzwischen verstorben. So ist ein nüchterner Blick auf die Hamburger Kinogeschichte heute eher möglich, als noch vor zwanzig Jahren, als ich mit den Recherchen zur Geschichte der Hamburger Schauburg Kinos begonnen habe.

Der Eigentümer, so behaupte ich, der Grundstücke Gänsemarkt 48, Büschstrasse 1, belegen im Grundbuch Neustadt Nord, Band XVI, Blatt 776, Flurbuch Nr. 818 , Grösse 270 qm und Gänsemarkt 46 und Büschstrasse 2, belegen im Grundbuch Neustadt Nord XVII, Blatt 818, Flurbuch Nr. 861, war Jeremias genannt James Henschel, geboren in Hamburg, am 5. Februar 1863, Staatsangehögikeit: deutsch, Religion: jüdisch, verheiratet mit Friderike Henschel, geb. Blumenthal, drei Kinder. James Henschel ist von Beruf Kaufmann. Im August 1938 flüchtet das Ehepaar zu Ihrer Tochter Bianca nach Holland, die sich dort mit einem portugiesischem Konsul verheiratet hat und seit dem Bianca Kahn heisst.

Ein Jahr später – am 26. August 1939 – stirbt Jeremias Henschel im Exil in Scheveningen/Holland. (Wohnanschrift von James und Frida Henschel bei ihrer Tochter Bianca Kahn und Dr. Isidor Kahn, Scheveningen, Kapelplein 7 am 8. September 1939) Am 13. Juni 1939 beantragt der Oberfinanzpräsident Hamburg bei der GESTAPO die Ausbürgerung von Jeremias Henschel. Im Monat darauf am 7. Juli 1939 beantragt die GESTAPO Hamburg bei der GESTAPO Berlin die Ausbürgerung von Friederike Henschel, geb. Blumenthal. Am 16. September 1939 ist die Bekanntmachung der Ausbürgerung von Jeremias Henschel und Friderike Henschel durch den Reichsminister sowie sofortiger Beschlagnahmung des gesamten Vermögens. Wer sich auf die Suche nach den Kinoeigentümern macht, denen die Kinos früher – vor 1933 – gehört haben, hat es nicht leicht. Die Spuren sind gründlich verwischt, die Quellen werden gehütet. So werden die nicht auffindbaren Seiten der Grundbücher zum Hüter der verlorenen Schätze und haben damit fast Kinoqualität. Jens Meyer 9. Dezember 2004

Veröffentlicht unter 1933, 1934, 1936, 1937, 1938, 1945, 2004, Berlin, Deutsche, Deutscher Film, Deutscher Richterverein, Deutsches Reich, Film, Fotos, Frida Henschel, Gänsemarkt, Hamburg, Hamburg Dammtor, Hamburger, Hamburger Kinos, Hamburger Prominente, Heimat, Henschel, Henschel Film Konzern, Henschel Film- und Theaterkonzern OHG, Hermann Urich Sass, James Henschel, Kinobesitzer, Kinogeschichte, Licht Bild Bühne, Lichtbildbühne, Medienstadt Hamburg, Oberfinanzpräsident Hamburg, Obrigkeit, Organisieren oder organisiert werden, Reichsfluchtsteuer, Richard Adam, Spielbudenplatz, St. Pauli, Uncategorized | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , | Schreib einen Kommentar

DAVID STEWART HULL AUGUST 1963 FILM

Veröffentlicht unter 1939, 1945, 1961, 1963, 1964, 1965, Antisemitismus, Berlin, David Stewart Hull, Deutscher Film, Film, Filmkritik, Im Kino, Los Angeles, UFA, UFA Ballast, UFA Palast, Uncategorized | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , | Schreib einen Kommentar