Apropos Zimmermann, Hagen, Blum.

Apropos Heinrich Zimmermann

PDF Apropos Louis Hagen Carl Robert Blum

Regierungsrat Heinrich Zimmermann war Mitglied der SPD. In dem Widerspruchsverfahren um die Aufhebung des Verbotes des Filmes: “Im Westen nicht Neues“ war er der Vorsitzende der Kammer in der die Aufhebung des Verbotes durch die Filmprüfstelle erneut verhandelt wurde. Antragsteller war die Deutsche Universal AG. Die Sitzung fand am Montag, d. 8. Juni 1930 statt. Beisitzer waren: Dr. Kahlenberg (UFA), Wagner, Zoemspiel, Zäh (Studienrat). Nach der Machtübergabe an die Nazis trat Heinrich Zimmermann aus der SPD aus. Offenbar war er ein williges Werkzeug der neuen Machthaber, weswegen aus ihrer Sicht keine Notwendigkeit bestand, das Amt des Regierungsrates bei der Filmprüfstelle Berlin anderweitig zu besetzen. Ein Geburtsdatum von Heinrich Zimmermann ist nicht einmal Wikipedia bekannt. Dort vermerkt ist nur die Vermutung, das Heinrich Zimmermann vor 1920 geboren sein muß. Er starb vor einer möglichen Entnazifizierung 1948.

Apropos Louis Hagen

Louis Hagen war Geschäftsführer der Firma: »Blum & Co«, an der auch der Erfinder und Direktor Carl Robert Blum beteiligt war. Der Eintrag im Scherl Adressbuch von 1931 von Berlin lautet: Gegruendet 1929, Sitz Berlin. Geschäftsfuehrer: Louis Hagen und Carl Robert Blum, Dr. Willi Matthias, Kapital 20.000, RM in Berlin W 8, Charlottenstr. 58 II .

Apropos Carl Robert Blum

Carl Robert Blum aus Berlin Schoeneberg, spaeter Berlin Marienfelde, hat eine Reihe von Erfindungen beim Deutschen Patentamt angemeldet. Zehn davon habe ich in der Datei des Deutschen Patentamtes gefunden. Patentschriften sind nicht einfach zu lesen. Eine Zuordnung zu den Maschinen, die zur Herstellung von deutschen Synchronfassungen notwendig waren, war mir daher nicht möglich. Leider sind Fachleute aus der fraglichen Zeit verstorben und wurden vermutlich auch nicht befragt.

Ein längerer Bericht über die Technik, die bei der Firma »Rhythmographie GmbH« angewendet wurden, ist in einem Artikel des Kinematograph vom Juli 1930 zu finden (Nr. 160 und Nr. 166, erschien 6 x in der Woche). In der Kinotechnischen Beilage (Nr. 28 und Nr. 29) dieser Zeitung berichtet der Autor Erich Palme wie und mit welchen Maschinen eine deutsche Fassung eines fremdsprachigen Filmes 1929 hergestellt wurde.

pdf Carl Robert Blum Abschrift Patent

Das Rhytmographie-Verfahren (II)

PDF Abschrift Rhytmographie Teil (II)

Abschrift aus dem Kinematograph vom 19. Juli 1930 Kinotechnische Rundschau Nr. 29 Das Rhytmographie-Verfahren Von Erich Palme (Teil II) (Schluß)

(Der Artikel enthält ein Foto mit der Bildunterschrift: Lotte Werkmeister am Rhytmonom – in der Reproduktion unansehnlich, deswegen weggelassen)

Da es nun bei dem fortlaufenden Abspiel des Filmaktes nicht möglich wäre, Fehlstellen im „Rhytmoband“ durch handschriftliche oder Diktatnotizen sofort und, was die Hauptsache ist, genauest auf Sekundenbruchteile festzustellen, bedient man sich dazu eines weiteren Apparates, des „Rhytmographen“.

Dieser kleine Apparat besteht aus zwei Teilen, dem Schreiber und der Tastatur. Mittels Kontaktstifte, die der Stromübertragung dienen, wird der „Rhytmograph“ dicht unterhalb der Mattscheibe des „Rhytmonoms“ befestigt.

Der „Schreiber“ besteht aus einem dreigepolten Elektro-Magneten, der bei Stromdurchgang je nach Erregung des einen oder anderen positiven Poles zwei verschieden hoch angebrachte Hebel gegen ein an dem „Rhytmoband“ vorbeilaufendes Farbband kurz andrückt und so auf diesem einen Markierungspunkt aufzeichnet.

Der „Ticker“ oder die Tastatur besteht aus zwei auf einem Kontaktbrett montierten Klaviertasten, rechts schwarz, links weiß. Durch Niederdrücken der rechten Taste wird der Stromkreis mit dem Elektromagneten geschlossen, der den unteren Hebel gegen das Farbband in Bewegung setzt und so eine punktartige Markierung hinterläßt.

Damit wird der Beginn einer Fehlerstelle auf dem „Rhytmoband“ angezeigt, durch Niederdrücken der linken Taste wird der obere Hebel des „Rhytmographen“ gegen das Farbband gedrückt und so das Ende der Fehlerstelle markiert.

Der Kontrolleur hat seinen Platz mit dem „Rhytmonom“ und der Tastatur vor der Bildwand. Bemerkt er beim Ablesen des deutschen Sprachtextes vom „Rhytmoband“, daß eine Stelle mit den Lippen-bewegungen des Darstellers auf der Leinwand nicht übereinstimmt, läßt er durch ein Leuchtsignal den Projektor anhalten, den Film und damit gleichzeitig das synchron gekuppelte „Rhytmoband“ bis zur ungefähren Anfangstelle der Fehlerquelle zurückdrehen und dann erneut vorführen, wobei er sich jetzt restlos auf die kommende Fehlerstelle konzentrieren kann.

Sofort bei Auftreten derselben setzt er mit einem Fingerdruck die Tastatur des „Rhytmographen“ in Bewegung und markiert auf das genaueste den Anfang und das Ende der abzuändernden Stelle im „Rhytmoband“.

Nachträglich wird dann von den Sprachtechnikern und Manuskriptverfassern die Stelle im „Rhytmoband“ entsprechend korrigiert.

So wird Szene für Szene auf rein maschinellem Wege durchgegangen, eine Arbeit, die besonders zeitraubend und anstrengend ist, aber die Gewähr für das restlose Übereinstimmen der deutschen Sprachversion mit den Mundbewegungen der Darsteller auf der Leinwand bietet. Da die Texte vorläufig auf dem „Rhytmoband“ nur mit Bleistift aufgetragen sind, lassen sich Änderungen leicht vornehmen.

Ist der gesamte Film in dieser Art auf das genaueste geprüft, was zur gewissenhaften Kontrolle mehrfach von verschiedenen Kon-trolleuren vorgenommen wird, so kann dann an die Herstellung der einzelnen „Rollen-Rhytmobänder“ gegangen werden. Auf dem ersten „Rhytmoband“ befinden sind nämlich gleichzeitig sämtliche auftretenden Sprech- oder Gesangsrollen verzeichnet.

Das endgültige „Prüfband“ mit den feststehenden deutschen Texten kommt nunmehr wieder auf das „Rhytmoskop“, den Meßtisch, wird dort wie vorher eingespannt und etwas höher auf einer weiteren Transportrolle läuft nun eine ausfixierter Blankfilm, auf dessen Gelatineschicht nunmehr die sämtlichen Texte in genauer Über-einstimmung mit den Bleistifttext auf dem Milchband sauber mit Tusche aufgeschrieben werden.

Dieses nunmehr endgültige Textband kommt in die Kopieranstalt. Hier wird von diesem handschriftlichen Textband zuerst eine Negativkopie hergestellt und von dieser, die die Schrift weiß auf schwarzem Grund zeigt, zwecks besserer Lesbarkkeit der Schrift im „Rhytmonom“ soviel Kopien mit schwarzer Schrift auf weißem Grund, wie Sprecher in der deutschen Fassung mitwirken.

Jeder Sprecher erhält also sein eigenes Textband, auf dem jedoch nur seine zu sprechenden Texte enthalten sind, die übrigen, die für ihn belanglos sind und ihn viellleicht nur irritieren könnten, werden sauber ausgekratzt. Stichworte benötigt der Sprecher nicht, da für ihn das Stichwort durch den Richtstrich ersetzt wird. Sobald der erste Buchstabe seines zu sprechenden Wortes, resp. Satzes den Richtstrich erreicht, beginnt er zu sprechen.

Wirken in einem amerikanischen Film beispielsweise 8 (acht) Solodarsteller und Darstellerinnen, die sämtliche mehr oder minder große Dialoge zu sprechen haben, mit, sowie Chor oder Komparserie, die akustisch in Tätigkeit treten, so werden für die deutschen Sprach-fassungen genau so viel Sprecher und Specherinnen, ebenso starker Chor oder Komparserie, engagiert.

Jeder einzelne Sprecher nimmt nun vor einem „Rhytmonom“ Aufstellung, in welchem sein Textband synchron mit dem Bildfilm abläuft. Jeder Sprecher liest nun unabhängig vom Bild auf der Leinwand oder seinem Dialogpartner am Nebenapparat seinen Text von kontinuierlich vorbeilaufenden Textband laut ab.

Er kann sich restlos auf seinen Text konzentrieren, das Bild auf der Leinwand ist für ihn vollkommene Nebensache, die Kontrolle der genauen Übereinstimmung der Sprecher mit den Lippenbewegungen der Darsteller nimmt der Ton-Regisseur vor, wobei es sich jetzt nur noch darum handeln kann, darauf zu achten, daß die deutschen Sprecher nicht schneller oder langsamer sprechen, als die auf dem „Rhytmoband“ aufgezeichneten Texte am Richtstrich vorbeziehen.

Selbstverständlich ist hierzu auch eine gewisse Anzahl Proben notwendig, bis sich die deutschen Sprecher mit dem ganzen Apparat vertraut gemacht haben und ihre Texte, wenn auch auch nicht vollkommen auswendig, so doch gefühlsmäßig kennen. Ein Rollenlernen kommt nicht mehr in Frage.

Die synchrone Aufnahme der deutschen Dialoge, Lieder usw. erfolgt entweder mittels Lichttonverfahrens oder auch direkt auf Schallplatten, die selbstverständlich synchron mit dem Film laufen.

Bei ausländischen Schallplatten-Tonfilmen wird es auch erforderlich, Musik, die gleichzeitig mit dem ausländischen Dialog aufgenommen worden ist, neu zu übertragen. Dies geschieht auf dem gleichen Weg wie beim Sprechtext.

Der deutsche Komponist, der die Musikübertragung vornimmt, wird sich zuerst mal die amerikanischen Schallplatten vorspielen lassen und nach dem Gehör die Grundmelodien suchen und fixieren.

Weitere akustische Abhörproben dienen der genannten Feststellung der Instrumentierung. Der Rhythmus der einzelnen Melodien wird in diesem Falle nicht takt-, sondern mittels des „Rhytmographen“ vom Komponisten zeitmäßig festgelegt.

Hat er diese Vorarbeiten erledigt, Melodie, Rhythmus und Orchesterstimmern gefunden, so wird von ihm die neue Musik komponiert und auf dieselbe Weise auf ein Notenband übertragen wie der Sprachtext. Nur hat dieses Notenband anstatt der Bild- oder bei amerikanischen Filmen Fußeinteilung ein Notenliniensystem, in das die betreffenden Noten eingeschrieben werden.

Der Prüfvorgang, bei dem in diesem Falle natürlich auch die Original-Schallplatte mit eingeschaltet ist, erfolgt in der gleichen oben geschilderten Weise wie beim Sprechtext.

An Hand des am Bildfenster des „Rhytmonoms“ vorbeilaufenden Notenbandes dirigiert der Kapellmeister dann sein Kapelle mit derselben Genauigkeit der Übereinstimmung mit der Originalmusik und dem Film, wie dies bei der deutschen Sprachfassung der Fall ist.

Einzig und allein vorkommende Geräusche aller Art werden nach wie vor von einem besonderen „Geräuschemacher“ (ein neuer Zweig der Berufsmusiker, den der Tonfilm geschaffen hat) individuell unter genauer Beobachtung des Bildes auf der Leinwand nachsynchronisiert.

Der Vorteil dieses neuen „Rhytmographie“ – Verfahrens liegt, wie klar ersichtlich, in der auf rein maschineller Weise erzielten unbedingten Übereinstimmung zwischen Bild und Wort, resp. Musik.

Ferner sind die deutschen Sprecher vollkommen unabhängig von dem Bild auf der Leinwand. Es ist für sie ohne jedes Interesse, und deshalb können sie sich voll und ganz auf den Sprechtext konzentrieren.

Sie brauchen nicht mehr ängstlich auf die Synchronität ihres Sprechens mit dem Darsteller auf der Leinwand zu achten, das besorgt ganz mechanisch die Apparatur, vorausgesetzt, daß der Sprecher sich genau nach ihr richtet.

Aber noch ein weiterer Punkt verdient außerordentliche Beachtung, der für die Kostenfrage der Tonfilmherstellung sehr wichtig ist und vielleicht in Zukunft einige Umwälzungen in der deutschen Tonfilmproduktion mit sich bringen wird.

Auf Grund des „Rhytmographie“ – Verfahrens ist es nämlich gar nicht mehr notwendig, Tonfilme im Tonfilm-Atelier mit dem großen umständlichen und Zeit und Geld kostenden Tonfilmapparat auf-zunehmen. Zumindest kann man in Zukunft das kostspielige Mehrfach-Drehen von ausländischen Versionen deutscher Tonfilme im Tonfilm-Atelier ersparen.

Denn mittels des neuen Verfahrens ist jeder stumm aufgenommene Film, dem ein Ton- und Sprechfilmmanuskript natürlich zugrunde liegen muß, in jeder Sprache nachzusynchronisieren, und zwar mit einer Genauigkeit, die in keiner Weise die Nachsynchronisation erkennen läßt. Man läßt die Darsteller (auch in der deutschen Fassung) im gewöhnlichen Atelier ihre Rollen spielen, wobei natürlich die im Manuskript vorgesehenen Dialoge genau gesprochen werden, jedoch nicht gleichzeitig aufgenommen werden müssen.

Auf diese Art können erstens die Künstler sich bei der Aufnahme des Bildfilms wieder frei entfalten, sie brauchen nicht ängstlich mehr auf Aussprache usw. zu achten, zweitens gehen die Aufnahmen bedeutend rascher vonstatten, sind nicht mehr vom Tomixer abhängig, wodurch natürlich eine Menge Zeit und Geld gespart wird, und drittens können Schauspieler und Schauspielerinnen, deren Stimme für das Mikrophon nicht geeignet ist, trotzdem die betreffende Rolle spielen und die erforderlichen Sätze sprechen (die ja nicht gleichzeitig mit aufgenommen werden), während bei der nachtäglichen Tonaufnahme an Hand des Tonfilmanuskriptes und mittels des „Rhytmographie“ -Systems geeignete Sprecher oder Sänger die Partie übernehmen.

Die Herstellung von Auslandsversionen deutscher Tonfilme erfordert nicht mehr das Engagement einer Mehrfachbesetzung und zwei- oder dreifach Tonfilmaufnahmen heraus.(?) (unleserlich)

Der deutsche Tonfilm wird einmal aufgenommen, und zwar stumm, und die Dialoge in deutscher und fremder Sprache in beliebiger Anzahl nachträglich nach den „Rhymographie“ – Verfahren mit besonders ausgewählten Sprechern in vollkommen einwandfreier Form aufgenommen.

(Abschrift aus der Österreichischen Film Zeitung Nr. 29, vom 19. Juli 1930, Seite 6) Eine neuartige Lösung des Sprachenproblems beim Tonfilm

Bekanntlich wird seit dem Beginn der Tonfilmproduktion daran gearbeitet, zu einer zweckmäßigen Lösung des wichtigsten Problems bei der Neuerung, der Sprachenfrage, zu gelangen, um dieses Hindernis, welches sich der Internationalität des Tonfilms entgegenstellt, aus dem Weg zu räumen.

Von den bisherigen Verfahren zur Uebertragung von Tonfilmen aus einer Sprache in die andere hat sich indessen keines so recht bewährt. Nun hat Viktor Abel in Berlin unter Zuhilfenahme des Systems der „Rhythmographie“ ein Verfahren zur nachträglichen Verdeutschung ausländischer Filme entdeckt, das als die derzeit beste und für die Zukunft aussichtsreichste Methode auf diesem Gebiet bezeichnet wird.

Ueber den Vorgang bei dem von Abel entdeckten Verfahren entnehmen wir der „L. B. B.“ nachstehende Einzelheiten:

Der ausländische Film wird zunächst wortgetreu übersetzt und nach einem besonderen Verfahren auf ein Blankfilmband geschrieben.

Dieses Blankfilmband läuft synchron gekoppelt mit einem Projektor mit einem Uebersetzungsverhältnis von 1: 8, d. h. bei 24 Filmbildern in der Sekunde läuft das Blankfilmband nur drei Bilder.

Es ist dadurch also möglich, die einzelnen Artikulationen der Darsteller auf dem synchron gekoppelten Schreibband zu vermerken. Auf diese Weise wird Meter für Meter nach den Mundstellungen synchron beschriftet.

Das so beschriftete Band wird in einem besonders konstruierten Apparat, das Rhythmonom, eingesetzt und die Schauspieler sprechen den nach den eingetragenen Artikulationen ausgewählten Text dazu.

Vorausetzung ist natürlich immer, daß der Text nicht nur dem Sinne nach dem ausländischen entspricht, sondern auch die Artikulationen der einzelnen Worte der fremdsprachigen Fassung entsprechen.

Damit wird auch verständlich, warum das Blankfilmband nur ein Achtel der Geschwindigkeit hat. Es wird hierdurch erreicht, daß der Schauspieler Zeit genug hat, um den Satz, der vor seinen Augen vorbeiläuft, langsam zu verfolgen.

Das korrigierte Band wird dann mit sauberer Druckschrift abgeschrieben, in einer Kopieranstalt so oft kopiert, wie es erforderlich ist. Jeder Schauspieler erhält jetzt ein Band, auf dem nur seine Rolle zu lesen ist, da alle anderen Rollen abgeschabt sind.

Jetzt erst fängt die richtige Vertonungsarbeit an. Für jeden Schauspieler wird ein Rhythmonom in einem Tonaufnahmeraum aufgestellt.

Die Rhythmonome sind synchron gekoppelt mit dem Projektor, dem Plattenspieler und dem Tonaufnahmeapparat, wobei es selbst-verständlich gleichgültig ist, ob auf Lichtton oder auf Platte aufgenommen wird.

Die Schauspieler sind also jetzt in der Lage, ohne den Film sich ansehen zu müssen, nur nach den Bändern genau synchron ihre Rolle zu sprechen, und zwar mit jeden gewünschten Ausdruck und ohne daß ein langes Auswendiglernen oder Rollenstudium notwendig wäre.

Dieses Verfahren, welches gegenwärtig die Firma Warner Bros. in Berlin für die Uebertragung des großen Farbentonfilms „Golddiggers of Broadway“ ins Deutsche verwendet wird, zeichnet sich, wie die hierbei beschäftigten Schauspieler übereinstimmend erklärten, durch über-raschende Einfachheit aus.

Das Wichtigste bei dem Abelschen Verfahren, mit dem eine vollendete Synchronität erzielt wird, dürfte indessen darin liegen, daß mit Hilfe desselben jeder Film selbst für das kleinste Lizenzgebiert mit verhältnismäßig geringen Mitteln verwertbar gemacht werden kann, während dies bisher infolge der hohen Kosten nicht möglich war. (Österreichische Film-Zeitung vom 19. Juli 1930, Nr. 29, Seite 6)

Eine neuartige Lösung des Sprachenproblems beim Tonfilm

pdf Carl Robert Blum Abschrift Patent

PDF Patent Carl Robert Blum592525

PDF Patent Otto Bothe

PDF Luedtke Rohnstein

Wie schreibt man einen Film von Viktor Abel
Carl Robert Blum (Erfinder Berlin)
Viktor Abel

Das Rhytmographie Verfahren (I)

Abschrift aus der Kinotechnischen Rundschau Nr. 28 (Beilage zum Kinematograph Nr. 160 vom 12. Juli 1930) (I)

PDF Abschrift Rhytmographie Verfahren (I)

Das Rhytmographie-Verfahren Von Erich Palme.

Der Versuch fremdsprachigen Tonfilmen einen deutschen Dialog nachzusynchronisieren, ist im letzten Jahre schon von verschiedenen Seiten gemacht worden, ohne daß das Resultat endgültig befriedigt hätte. Wenn diesen Versuchen auch der allgemeine Erfolg versagt blieb, so sind sie doch immerhin als Schrittmacherarbeit auf dem Weg zur Internationalisierung des Tonfilmes beachtenswert. Zumindest haben sie anderen, die sich mit dem gleichen Problem beschäftigen, wertvolle Anregungen gegeben.

Der ganze Vorgang gliedert sich in drei Arbeitsgruppen: 1. Die Herstellung des deutschen Dialog-Manuskriptes, 2. die Herstellung des sogenannten Rhytmobandes und 3. die Aufnahme des deutschen Sprechtextes auf den Schallträger (Lichtton und Schallplatte).

Über die Abfassung der deutschen Sprechtexte, die selbstverständlich sinngemäß mit dem Urtext der fremden Sprache übereinstimmen und Silbe für Silbe den Lippenbewegungen der Darsteller auf der Leinwand entsprechen müssen, Einzelheiten bekannt zu geben erübrigt sich. Die Arbeit wird nach einem besonderen System vorgenommen, das mit ausschlaggebend für das restlose Gelingen der Synchronisation ist.

Die erste Arbeit der Techniker besteht in der Herstellung des Textbandes. Sie wird auf einem besonders konstruierten Meßtisch, dem „Rhytmoskop“ vorgenommen, der im großen und ganzen den üblichen Filmmeßtischen gleicht.

Von einer rechts befindlichen Abwickeltrommel läuft das Filmband über eine Mattscheibe, die von unten her erleuchtet ist und die in der Mitte einen schwarzen senkrechten Strich trägt. Dieser Strich ist der sogenannte „Startstrich“.

Mittels einer Handkurbel und Zahnrades wird der Bildstreifen nunmehr in beliebiger Geschwindigkeit über die Mattscheibe geführt, während gleichzeitig ein zweites Zahnrad oberhalb des Bildbandtransportes das (vorläufig unbeschriebene) Textband, ein normales, perforiertes Filmband, dessen Emulsion entwickelt aber nicht ausfixiert ist, so daß sich eine milchig weiße Schicht ergibt, vorwärtsbewegt, und zwar ebenfalls von rechts nach links.

Die beiden Filmtransporttrommeln sind so gekuppelt, daß das milchige Textband achtmal lagsamer als das Bildband über die Mattscheibe läuft. Der Grund für diesen verlangsamten Ablauf findet später seine Erklärung.

Mit Bleistift wird nun der deutsche Sprechtext an Hand des vorliegenden deutschen Manuskriptes, das mit bestimmten Zeichen für Beginn und Ende des jeweiligen Wortes entsprechend den Lippenbewegungen der Schauspieler versehen ist, auf das Textband aufgeschrieben.

Der Startstrich über den Bild- und Textband kontinuierlich hinweglaufen, dient hier gleichzeitig als Richtmarke. An der Stelle, wo der Sprecher im Film den Mund zu Beginn eines Wortes öffnet, wird oberhalb auf dem Textband der erste Buchstabe des zu sprechenden deutschen Wortes eingetragen, dann werden beide Filmstreifen gleichzeitig weitertransportiert, bis die Stelle, wo der Sprecher die Mundstellung verändert (beim Aussprechen eines anderen Buchstabens), genau auf den Richtstrich stößt, und hier wird dann oberhalb auf dem Textband der nächste entsprechende Buchstabe eingetragen.

So entsteht nach und nach in ganz genauer Übereinstimmung mit den Mundbewegungen des fremden Sprechers der deutsche Dialog auf einem Sprechband – „Rhytmoband“ genannt, oder Akt für Akt des Films ein „lebendes Textbuch“ von dem sämtliche deutschen Texte leicht ablesbar sind. Es spielt hierbei keine Rolle, ob ein oder mehrere Sprecher oder Sprecherinnen in einer Szene mitwirken, ob es sich um Sprache oder Gesang, Schreie oder Lachen oder Weinen handelt.

Die Arbeitsmethode ist so gewissenhaft, daß sogar beim Lachen der deutsche Sprecher nicht eine Silbe „ha“ zu viel oder zu wenig lachen wird, als der fremdländische Darsteller es seinerzeit bei der Originalaufnahme getan hat.

Da nun immerhin die Möglichkeit besteht, daß bei der Abfassung des deutschen Sprechtextes, die ebenfalls halbmechanisch vorgenommen wird, hinsichtlich der Mundstellung des Originalsprechers und dem dafür eingesetzten deutschen Wort Irrtümer vorkommen können, vielleicht auch die zeitliche Länge beispielsweise eines Vokals nicht genau getroffen worden ist, erfolgt eine sogenannte Korrigierprobe des „Rhytmobandes“.

In einem „Ableseraum“ wird der Bildstreifen und das „Rhytmoband“ synchron vorgeführt. Die Vorführung geschieht mittels eines üblichen Projektors mit 24 Bilder pro Sekunde. Auf der Achse des Projektors sitzt ein Schrittgeber, der mit einem Schrittmotor gekuppelt ist, der weiterhin das „Rhytmonom“ so antreibt, daß in demselben der Textstreifen („Rhytmoband“) mit einer Übersetzung von 1 : 8 abläuft, d. h. während im Projektor 24 Bilder pro Sekunde durchlaufen, bewegt sich das „Rhytmoband“ im „Rhytmonom“ um 3 Bilder am Richtstrich, der auch hier gleichzeitig Startmarke ist, vorbei.

Das „Rhytmonom“ besteht aus einem schalldichten rechteckigen Kasten, in welchem der Transportmechanismus, sowie die Ab- und Aufwickelvorrichtung des Textbandes und eine Lichtquelle untergebracht sind. An der Stirnseite trägt dieser Kasten eine rechteckige Öffnung in horizontaler Richtung, die die Breite eines normalen Filmstreifens und eine Länge von etwa 30 Zentimeter besitzt.

Diese Öffnung ist durch eine Mattscheibe abgeschlossen, auf der sich ungefähr 10 Zentimer von links der Start- oder Richtstrich befindet. Vor dieser Mattscheibe läuft nun das „Rhytmoband“ in der oben angegebenen Geschwindigkeit von 3 Filmbildern pro Sekunde vorbei, also in einem langsamen Tempo, welches jedoch dem Ablauf des Bildstreifen im Projektor entspricht.

Beide Filmstreifen, Bildband und Textband, werden auf Startzeichen eingestellt. Während auf der Leinwand in normaler Weise das Filmbild mit den fremden Darstellern erscheint, läuft gleichzeitig synchron im Übersetzungverhältnis von 1 : 8 der Textstreifen.

Hierbei muß sich nun ergeben, daß, wenn der Darsteller im Bild den Mund zum Sprechen öffnet, der erste Buchstabe des deutschen Wortes am Richtstrich angelangt ist.

Hat der Darstelller auf der Leinwand seinen Satz beendet, was ja aus den Lippenbewegungen und Mundstellungen ersichtlich ist, muß auch gleichzeitig der deutsche Satz am Richtstrich des „Rhytmonoms“ vorbeigezogen sein.

Die verlangsamte, in Wirklichkeit jedoch genau der Geschwindigkeit der Filmvorführung entsprechende Vorführung des Textbandes, hat den Zweck, dem deutschen Sprecher, der nun den deutschen Text vom „Rhytmoband“ abzulesen und zu sprechen hat, genügend Zeit zur Vor-bereitung auf die kommenden Worte zu geben, deshalb auch die Länge der von hinten her erleuchteten Mattscheibe, die dem Sprecher gestattet, den kommenden Text, bzw. den Schluß seines Satzes schon rechtzeitig zu erkennen.

So wie die einzelnen deutschen Buchstaben unter dem Richtstrich vorbeiziehen, muß er sie aussprechen. Auf die Technik dieses Ablesens und Sprechens des deutschen Textes vom „Rhytmonom“ werde ich später noch zurückkommen.

Im „Ableseraum“ wird nun also nach oben beschriebenem Vorgang die Synchronität des deutschen Textes mit dem Bild kontrolliert und werden evtl. Fehler in der Übersetzung oder dem Zeitmaß festgestellt. Diese Arbeit ist die wichtigste an dem ganzen Verfahren. (Schluß folgt.)

Viktor Abel
Carl Robert Blum

Auf der Suche nach Viktor Abel

(Abschrift) aus dem Buch: »Wie schreibt man einen Film?«

Viktor Abel. Anleitung zur Herstellung von Filmmanuskripten. Deutschland 1937. Sensen Verlag. Wien Leipzig.

PdfLogoSensenVerlagWien

Im zehnten Kapitel seines Buches: “ Wie schreibt man einen Film?“ (Seite 54-60):

Erwartung-Spannung-Überraschung

4. Grundregel (eines Filmmanuskriptes):

Jede Grundidee soll die Möglichkeit zur Spannung in sich tragen.

Junger Mann, alter Herr oder geschätzte Dame . . . wenn dem Filmexposé, das sie in der Tasche mit sich herumtragen oder in der Schublade liegen haben, die Spannung fehlt, benützen Sie es zum Einheizen, zu mehr ist es nämlich nicht nütze!

Ganz gleich, ob Sie ein Gesellschaftsstück, einen Kriminalfilm oder ein Lustspiel schreiben – ohne Spannung wird kein Film daraus.

Spannung ist die Voraussetzung für jedes Sujet. Selbstverständlich ist die Spannung des Lustspiels eine andere als die eines Kriminalstückes oder eines Abenteuerfilmes, aber einen Stoff einzureichen, der bei seiner Verfilmung nicht die Möglichkeit zur Spannung bietet, ist völlig zwecklos!

Was heißt Spannung und wie erzielt man sie? Unter Spannung verstehen wir das Gefühl, mit dem wir einem Vorgang beiwohnen, an dessen Verlauf wir interessiert sind und dessen Ende wir nicht voraussehen können.

Spannung ist nicht zu verwechseln mit Erwartung. Erwartung ist das Gefühl mit dem wir dem Eintreffen eines Ereignisses entgegensehen, dessen Ausgang wir ahnen oder kennen. Es fehlt das Hauptmoment der Spannung, die Ungewißheit.

Spannung ist überall dort, wo man voll Ungewißheit der Wirkung einer Ursache oder der Konsequenz eines Handelns entgegen-sieht. Spannung setzt immer eine Frage voraus.

Zum Beispiel:

Wird ein gesetztes Ziel erreicht werden?

Wird eine gestellte Aufgabe gelöst werden?

Wer von zwei Wettbewerbern wird das Ziel zuerst erreichen?

Welche Folgen wird ein Ereignis nach sich ziehen?

Wird ein Geheimnis entdeckt werden?

Wird eine Voraussage eintreffen?

Wie wird sich eine Person in einem Konflikt entscheiden?

usw.

Man muß also zuerst das Geschehen finden, das die Frage enthält: „Wie wird dieser Vorgang ausgehen?“ Damit ist die Voraussetzung für die Spannung gegeben, aber in einer enoch ganz unentwickelten Form. Man muß sie also verstärken.

Das erreicht man dadurch, daß man den Zuschauer in Ungewißheit darüber hält, wie der Vorgang ausgehen und ob das Ziel erreicht werden wird.

Zu diesem Zweck schafft man Umstände, die erst dafür sprechen, daß alles gut ablaufen wird, aber kurz vor Erreichung läßt man einen neuen Umstand eintreten, der ein Hindernis, eine Beschränkung, eine Gefahr bildet, so daß die zuerst günstig erscheinende Situation sich ins Gegenteil verwandelt.

Die Aussichtslosigkeit, das Ziel zu erreichen, verwandelt man aber durch neue Momente in Hoffnung, und dieser Wechsel zwischen den Gefühlen Hoffnung und Furcht führt zu jenem Zustand des Zuschauers, den man volkstümlich als „hochgradige“ Spannung bezeichnet.

Spannung liegt also in der Entwicklung, die ein Vorgang nimmt.

Zur Entwicklung gehören zwei Punkte. Der Ausgangspunkt und das Ziel. Der Ausgangspunkt ist am besten eine klar erkennbare Ursache, die naturgemäß eine Wirkung auslösen muß.

Da jede Wirkung aber nicht von der Ursache allein, sondern von bestimmten, sich erst später, also gleichsam „unterwegs“, einstellenden Umständen abhängt, so kann man vermittels dieser Umstände verschiedene Wirkungen erzielen.

Diese immerwährende Ungewißheit „über das, was jetzt kommt“ erhält im Beschauer das Gefühl der Spannung aufrecht.

Voraussetzung ist hierbei, den Beschauer durch eine klare, logische, sinnvolle Handlungsführung die Entwicklung wirklich miterleben zu lassen und ihn nicht durch unverständliche, überspitzte Voraussetzungen und Motivierungen zu verwirren, durch unglaubhafte, konstruiert wirkende Zufälle zu verärgern.

Kann der Zuschauer den Vorgängen nicht mehr folgen, so verliert er das Interesse, ebenso wenn er von der Lösung unbefriedigt ist, weil er – falsch geführt – einen anderen Ausgang erwartet hat.

Spannung erzeugen nicht nur äußerliche Geschehnisse, sondern auch die seelischen Vorgänge in einem Menschen.

Der Ausbruch einer Leidenschaft kann wirkungsvoll sein.

Spannend hingegen im eigentlichen Sinn ist die Entwicklung zum Ausbruch, also zum Beispiel die Verhaltenheit der Erregung von der Ursache bis zur endlichen Auslösung.

Die Verhaltenheit erzeugt Spannung, weil sie den Zuschauer in Ungewißheit darüber lässt, ob die Erregung niedergekämpft oder ob es zu einem Ausbruch kommen wird.

Also nochmals: nicht ein Ereignis an und für sich ist spannend, sondern die Entwicklung, die es vom Ausgangspunkt, von der Ursache bis zu seiner Lösung, zu seiner Wirkung nimmt.

Das Tempo dieser Entwicklung und ihre Länge werden von den Umständen diktiert; sie müssen im Einklang stehen mit den Gesetzen, denen das wirkliche Leben, wie der Zuschauer es kennt, unterworfen ist. Setzt der Autor hierüber willkürlich hinweg, so empfindet der Zuschauer den Film ernüchtert als „unwahrscheinlich“.

Die Aufgabe des Autors besteht also zunächst darin, ein Anfangsmotiv zu finden, bei dem sich die Frage nach dem mutmaßlichen Ende aufdrängt.

Dieses Anfangsmotiv kann sowohl eine Aufgabe sein, deren Lösung mit Schwierigkeiten verbunden ist, oder ein seelischer Konflikt, für den die handelnde Person eine Lösung sucht.

Um Spannung zu erreichen, muß man aber auch dafür sorgen, daß der Zuschauer an der Erreichung des Ziels Anteil nimmt.

Wenn es ihm gleichgültig ist, ob der Theobald die Regine bekommt, so interessiert er sich auch nicht ernstlich für ihr Schicksal.

Man muß also zuerst das Interesse des Zuschauers wecken, aber auch wachhalten.

Das geschieht, indem man Menschen von Fleisch und Blut zeigt, die lebensnah, wahr und charakterlich interessant sind.

Ferner muß man durch das Medium dieser Personen gehaltvolle Gedanken und Ideen entwickeln, Themen gestalten oder wenigstens antönen, die, womöglich über das Einzelschicksal hinaus, universelles Interesse beanspruchen dürfen.

Eine der Hauptbedingungen für einen guten Film ist, daß der Zuschauer am Problem und an den Menschen interessiert ist. Als zweites kommt hinzu, daß ihn der Weg vom Ausgangspunkt zum Ziel in Spannung hält.

Der richtige Aufbau einer dramatischen Handlung enthält:

1. Ein Ausgangsmotiv, in dem das Streben nach einem Ziel steckt, und in dem die Frage eingeschlossen ist: wird das Ziel erreicht werden?

2. Schwierigkeiten und Hindernisse, die zu überwinden sind; diese müssen den Zuschauer im Ungewissen darüber lassen, welchen Verlauf die Handlung nehmen und ob das Ziel erreicht werden wird.

3. Durch Erreichung oder Nichterreichung des Ziels wird gleichzeitig die Spannung gelöst.

Aus dieser Übereinstimmung zwischen Handlung und Spannung läßt sich schon beim Lesen der Handlung erkennen, ob das Thema und seine Durchführung spannend ist oder nicht.

Ehe wir von dem Thema „Spannung“ Abschied nehmen, möchte ich noch ganz kurz ein Element erwähnen, das mit „Spannung“ nahe verwandt ist: die „Überraschung“.

Wenn etwas anders ausgeht, als wir erwartet haben, so ensteht in uns das Gefühl der Überraschung.

„Überraschung“ ist gleichsam das Salz der filmischen Wirkung. Eine Messerspitze davon gibt dem fertigen Produkt erst den richtigen Geschmack, ein größeres Quantum vermag die Speise völlig zu verderben.

Mit Überraschungen gehe man sparsam um, vor allen Dingen mit Überraschungen, die die Erwartung des Zuschauers enttäuschen.

Ein guter Fim muß nicht nur auf den Verstand, sondern – noch bedeutend mehr – auf das Gefühl des Beschauers wirken.

Dazu verhelfen uns außer den wesentlichen Gefühlen der Erschütterung und der Freude die drei Momente Erwartung-Spannung-Überraschung.

Und jetzt werden sie etwas hören, was Ihnen paradox vorkommen mag:

Der fertige Film muß sich mehr an das Gefühl als an den Verstand des Beschauers richten . . .

Das Exposé aber muß sich mehr an den Verstand als an das Gefühl des Lesers richten.

Sie begreifen natürlich, warum das so sein muß:

Der Film läßt den Beschauer durch sein Tempo gar nicht die Zeit, über die Vorgänge nachzudenken – sie werden nur gefühlsmäßig erfaßt.

Beim Lesen den Exposés aber hat der – besonders kritische – Leser nicht nur genug Zeit, über alle Einzelheiten und Zusammenhänge nachzudenken, sondern er würde auch auf höchste gelangweilt sein, wenn durch den Inhalt sein Geist, sein Verstand nicht angeregt würde.

Daduch kann folgenden Kuriosum entstehen:

Der Produzent lehnt ein Filmeposé ab, weil es ihm verstandesmäßig nicht genug sagt . . .

Er akzeptiert hingegen einen Stoff, der ein interessantes Problem und geistvolle Gedanken enthält.

Bei der Verfilmung jedoch, beziehungsweise bei der Ausarbeitung zum Drehbuch wird in vielen Fällen fast alles ausgemerzt, was nur den Verstand angeht, weil man weiß, daß das Publikum darfür „kein Verständnis“ hat . . .

Da das Manuskript aber jetzt seiner eigentlichen Stärke beraubt ist, erscheint es uns bei der Verfilmung leer und düftig.

Und wieder haben wir -ohne daß der Autor schuld ist- einen schlechten Film mehr!

Wir wollen nun unsere vier Grundregeln noch einmal zusammenfassen:

1. Grundregel:

Der Inhalt jedes Spielfilms soll nur durch Personen und ihre charakteristischen Handlungen dargestellt werden.

2. Grundregel:

Die Geschehnisse im Spielfilm sollen zu einer einheitlichen dramatischen Handlung zusammengefaßt werden.

3. Grundregel :

Alle Willensvorgänge, Gefühle, Gedanken sollen -mit Hilfe der Kamera– dem Beschauer sichtbar gemacht werden können.

4. Grundregel:

Jede Grundidee soll die Möglichkeit zur Spannung in sich tragen.

Außer diesen vier Grundregeln gibt es noch eine Reihe von Forderungen – Sie werden sie im 16. Kapitel kennenlernen- , die zum Vorteil eines Films erfüllt werden können, aber nicht unbedingt erfüllt werden müssen.

Ich habe bewußt nicht von „Gesetzen“, sondern von Regeln gesprochen und vorsichtshalber statt „muß“ – „soll“ gesagt,

weil unter uns gesagt- sich auch die zünftigen Autoren nicht immer streng an diese Gesetze halten.

Daß man aber gegen sie verstößt, spricht nicht gegen ihre Richtigkeit. Und es muß nachdrücklich darauf verwiesen werden, daß eine eindrucksvolle Wirkung im Grund genommen nur durch Beachtung dieser vier Gesetze erzielt werden kann.

Sie werden mir vielleicht erwidern, daß Sie Filme gesehen haben, die gar nicht oder nur zum geringen Teil den von mir angeführten Regeln entsprechen und trotzdem Erfolg hatten…

Nun, es kommt natürlich vor, daß die Vitalität der Darsteller und die überzeugende Kraft des Ausdrucks so faszinieren, daß Wirkungen auch ohne Beachtung filmdramaturgischer Grundgesetze erreicht werden.

Aber es geht hier nicht darum, die Ausnahme festzustellen. Gerade Sie als Anfänger und Außenstehender sollten sich nicht darauf verlassen, daß man Ihren Stoff vielleicht auch dann erwerben wird, wenn er sich nicht an die genannten vier Forderungen hält.

Ich möchte Sie jedenfalls vor dieser Auffassung warnen und Ihnen sogar raten, das Wörtchen „soll“ in „muß“ zu verwandeln. Sie machen es sich dadurch vielleicht schwerer, aber Sie verbessern auf diese Weise Ihr Werk und seine Erfolgsaussichten.

Aus: Viktor Abel (10. Kapitel. Seite 54-60. Abschrift aus dem Buch von Viktor Abel: Wie schreibt man einen Film? 1937)

Die erste Spur von Viktor Abel entdeckte ich bei den Nachforschungen zur Herstellung der deutschen Synchronfassung von „Im Westen nichts Neues“. Die Synchronarbeiten wurden 1929/1930 in Berlin durchgeführt.

Die Internetseite: ‚die vergessenen filme‘ nennt die Personen, die an der Herstellung der Deutschen Tonfassung beteiligt waren: Max Bing (Dialogregie), Konrad P. Rohnstein (Assistent), Werner Jacobs (Assistent), Viktor Abel (Leitung). Bei der Überprüfung der genannten Anschrift der Firma “Rhythmographie GmbH“ stellte sich heraus, dass es 1930 in Berlin keine Straße “Am Halleschen Tor“ oder “Hallesches Tor“ gab.

Auf der Seite von Filmportal.de wird Viktor Abel auch als Drehbuchautor der Filme “Hamburg hat‘s eilig“ (1925), “Das Spreewaldmädel“ (1928) und “Rivalen“ (1922) genannt.

Im Scherl Adressbuch von 1930 gibt es einen Eintrag: “Rhythmographie GmbH, Berlin SW 68, Alte Jakobstr. 133“.

Diese Firma taucht von 1932-1938 (danach habe ich nicht weiter gesucht) in den Berliner Adressbüchern auf. Wem die Firma »Rhythmographie GmbH« gehört, habe ich nicht herausgefunden. Das Verfahren nach dem die Deutsche Tonfassung von „Im Westen nichts Neues“ von der »Rhythmographie GmbH« hergestellt wurde, beruhte auf den Patenten des Erfinders Carl Robert Blum aus Berlin (Schöneberg, Mariendorf). Insgesamt habe ich in den Unterlagen des Deutschen Patentamtes zehn Patente von Blum gefunden.

Viktor Abel taucht im Scherl Adressbuch von 1929/1930 mit der Berufsangabe Filmdramaturg und einer Anschrift in Charlottenburg in der Riehlstr. 11 auf. 1931, ein Jahr später, ist Viktor Abel mit gleicher Berufsbezeichnung in Berlin Zehlendorf, in der Lindenallee 4 im Scherl Adressbuch abgedruckt.

Das Geburts- und das Todesdatum von Viktor Abel habe ich wiederum mit der Hilfe einer Suchmaschine auf einer Internetseite gefunden. Geboren ist er am 2. Dezember 1892 in Kiev. Am 21.10.1941 wurde er nach Lodz deportiert und dort ermordet. (Transport B, nr. 405 -21. 10. 1941, -> Łódź). Auf der Gedenkseite gibt es Bilder von Viktor Abel und einige Dokumente.

Auf dem Umschlag des Buches von ihm: “Wie schreibt man einen Film?“ (Anleitung zur Herstellung vom Filmmanuskripten von VIKTOR ABEL ehemal. Chef-Dramaturg der «Ufa»).

In den mir bekannten UFA Büchern habe ich in den Namen Viktor Abel in den Namensregistern nicht finden können. Aus dem UFA Buch „Das UFA Buch“ (erschienen bei 2001. 2. Auflage vom Juli 1994) habe ich erfahren, das Viktor Abel (Schreibweise »Victor Abel«) weitere Drehbücher geschrieben hat:

1928 »Vom Täter fehlt jede Spur«. Regie: Constantin J. David, Buch: Victor Abel, Alfred Zeisler. Uraufführung am 3. 8. 1928 in Berlin.

Dort (im Ufa Buch) wird der Inhalt des Filmes so beschrieben: “Für die Kriminalbeamten ist der Mord nachts im Maschinenraum des Jahrmarktes ein einziges Rätsel. Der Tote hatte zu Lebzeiten wenig Umgang, sein Kompagnon war Phlegmatiker mit unangenehmen Eigenschaften. Es gab Streit. Liegt hier ein Motiv? Oder bei Hofer, dem heimlich Verlobten seiner Nichte? Der meinte, den Hinauswurf würde der jetzt Tote noch bereuen. Entwirrt sich der Knoten?“

1928 /29 »Die Flucht vor der Liebe«. Regie: Hans Behrendt. Buch: Victor Abel. Uraufführung am 16.09.1929 in Berlin.

“Der junge Diplomat Mario verirrt sich auf einem Rummelplatz und verliebt sich in Marga, die Tochter eines Schaustellers. Natürlich kann das nicht gutgehen, denn Marios Vater hat mit seinem Sohn andere Pläne. Edelmütig verzichtet Marga, um der Karriere des Geliebten nicht zu schaden.“

1929 »Die Schmugglerbraut von Mallorca« Regie: Hans Behrendt. Buch: Victor Abel, Rudolf Katscher.“ Uraufführung am 31.07.1929 in Berlin.

“Die Fischer Pedro und Andrea machen Rosita den Hof. Der dritte Interessent ist der reiche Tolomeo, Chef einer Schmugglerbande. Bei solch einer Konstellation sind Schurkenstreiche und Verbrecherjagden der Polizei vorprogrammiert. Andrea zahlt dabei mit dem Leben, während Pedro und Rosita als glückliches Paar in die Heimat zurückkehren.“

Ich hab extra noch mal in die Besetzungsliste bei Filmportal.de gesehen. Andrea ist mit einer männlichen Person besetzt. Nicht das da irgend jemand auf falsche Gedanken kommt, wie es heute modern ist. Clifford McLaglen heisst der Schauspieler, der den Andrea spielt. Auf Filmportal sind weitere sieben Filme genannt, zu denen Victor Abel die Drehbücher geschrieben hat. Bei vier Filmen war Harry Piel Regisseur, weitere vier Filme hatten Alfred Zeisler als Regisseur.

Ein Film entstand unter der Regie von Fred Sauer. Viktor Abel war offensichtlich ein begehrter, sprich erfolgreicher Drehbuchautor. In welchen Jahren er als Chef Dramaturg für die UFA gearbeitet hatte, bleibt noch herauszufinden. Auch die Arisierungsvorgänge der Firma: „Rhythmographie GmbH“ sind, wie heute immer gerne formuliert wird: Im Dunkel.

1929 »Der Bund der Drei«. Regie: Hans Behrendt. Buch: Victor Abel, Bobby E. Lüthge. Uraufführung am 12.12.1929 in Berlin.

“Inez sucht den Mörder ihrer Mutter. Als sie sich in Henr(y)i, den Sohn des vermeintlichen Mörders, einen Minenbesitzer, verliebt, gerät sie in seelische Konflikte. Schließlich wird der Minenbesitzer Ziel eines Mordanschlages, den er aber glücklich überlebt. Am Ende löst der Inhalt einer Kassette alle Rätsel. Inez und Henri werden ein Paar.“

Ich habe die Filmproduktionen der UFA bis 1934 durchgesehen, aber keine weiteren Drehbücher von Victor (Viktor) Abel gefunden, nach denen bei der UFA ein Film gedreht wurde.

Auf der Suche nach Viktor Abel

Die erste Spur von Viktor Abel entdeckte ich bei den Nachforschungen zur Herstellung der deutschen Synchronfassung von „Im Westen nichts Neues“ (All Quiet on the Western Front) von Lewis Milestone. Der Film kam sowohl als Stumm- und als Tonfilm in die Kinos. Die Synchronarbeiten wurden 1929/1930 in Berlin durchgeführt. Die Internetseite: ‚die vergessenen filme‘ nennt die Personen, die an der Herstellung der Deutschen Tonfassung beteiligt waren: Max Bing (Dialogregie), Konrad P. Rohnstein (Assistent), Werner Jacobs (Assistent), Viktor Abel (Leitung). Bei der Überprüfung der genannten Anschrift der Firma “Rhythmographie GmbH“ stellte sich heraus, dass es 1930 in Berlin keine Straße “Am Halleschen Tor“ oder “Hallesches Tor“ gab. Auf der Seite von „Filmportal“ wird Viktor Abel auch als Drehbuchautor der Filme “Hamburg hat‘s eilig“ (1925), “Das Spreewaldmädel“ (1928) und “Rivalen“ (1922) genannt. Im Scherl Adressbuch von 1930 von Berlin gibt es einen Eintrag: “Rhythmographie GmbH, Berlin SW 68, Alte Jakobstr. 133“. Diese Firma taucht von 1932-1938 (danach habe ich nicht weiter gesucht) in den Berliner Adressbüchern auf. Wem die Firma »Rhythmographie GmbH« gehört, habe ich nicht herausgefunden. Das Verfahren nach dem die Deutsche Tonfassung von „Im Westen nichts Neues“ von der Firma »Rhythmographie GmbH« hergestellt wurde, beruhte auf den Patenten des Erfinders Carl Robert Blum aus Berlin (Schöneberg, Mariendorf). Insgesamt habe ich in den Unterlagen des Deutschen Patentamtes zehn Patente von Blum gefunden.

Viktor Abel taucht im Scherl Adressbuch von 1929/1930 mit der Berufsangabe Filmdramaturg und einer Anschrift in der Riehlstr. 11- in Berlin-Charlottenburg auf. 1931, ein Jahr später, ist Viktor Abel mit gleicher Berufsbezeichnung in Berlin-Zehlendorf, in der Lindenallee 4 im Scherl Adressbuch abgedruckt. Das Geburts- und das Todesdatum von Viktor Abel habe ich wiederum mit der Hilfe einer Suchmaschine auf einer Internetseite gefunden. Geboren ist er am 2. Dezember 1892 in Kiev. Am 21.10.1941 wurde er nach Lodz deportiert und dort ermordet. (Transport B, nr. 405 -21. 10. 1941, -> Łódź).

Auf der Gedenkseite gibt es Bilder von Viktor Abel und einige Dokumente. Auf dem Umschlag des Buches von ihm: “Wie schreibt man einen Film?“ (Anleitung zur Herstellung vom Filmmanuskripten von VIKTOR ABEL ehemal. Chef-Dramaturg der «Ufa»). In den mir bekannten UFA Büchern habe ich in den Namen Viktor Abel in den Namensregistern nicht finden können. Aus dem UFA Buch „Das UFA Buch“ (erschienen bei 2001. 2. Auflage vom Juli 1994) habe ich erfahren, das Viktor Abel (Schreibweise »Victor Abel«) weitere Drehbücher geschrieben hat:

1928 »Vom Täter fehlt jede Spur«. Regie: Constantin J. David, Buch: Victor Abel, Alfred Zeisler. Uraufführung am 3. 8. 1928 in Berlin. Dort (im Ufa Buch) wird der Inhalt des Filmes so beschrieben: “Für die Kriminalbeamten ist der Mord nachts im Maschinenraum des Jahrmarktes ein einziges Rätsel. Der Tote hatte zu Lebzeiten wenig Umgang, sein Kompagnon war Phlegmatiker mit unangenehmen Eigenschaften. Es gab Streit. Liegt hier ein Motiv? Oder bei Hofer, dem heimlich Verlobten seiner Nichte? Der meinte, den Hinauswurf würde der jetzt Tote noch bereuen. Entwirrt sich der Knoten?“

1928 /29 »Die Flucht vor der Liebe«. Regie: Hans Behrendt. Buch: Victor Abel. Uraufführung am 16.09.1929 in Berlin. “Der junge Diplomat Mario verirrt sich auf einem Rummelplatz und verliebt sich in Marga, die Tochter eines Schaustellers. Natürlich kann das nicht gutgehen, denn Marios Vater hat mit seinem Sohn andere Pläne. Edelmütig verzichtet Marga, um der Karriere des Geliebten nicht zu schaden.“

1929 »Die Schmugglerbraut von Mallorca« Regie: Hans Behrendt. Buch: Victor Abel, Rudolf Katscher.“ Uraufführung am 31.07.1929 in Berlin.“Die Fischer Pedro und Andrea machen Rosita den Hof. Der dritte Interessent ist der reiche Tolomeo, Chef einer Schmugglerbande. Bei solch einer Konstellation sind Schurkenstreiche und Verbrecherjagden der Polizei vorprogrammiert. Andrea zahlt dabei mit dem Leben, während Pedro und Rosita als glückliches Paar in die Heimat zurückkehren.“

Ich hab extra noch mal in die Besetzungsliste bei Filmportal.de gesehen. Andrea ist mit einer männlichen Person besetzt. Nicht das da irgend jemand auf falsche Gedanken kommt, wie es heute modern ist. Clifford McLaglen heisst der Schauspieler, der den Andrea spielt. Auf Filmportal sind weitere sieben Filme genannt, zu denen Victor Abel die Drehbücher geschrieben hat.

Bei vier Filmen war Harry Piel Regisseur, weitere vier Filme hatten Alfred Zeisler als Regisseur. Ein Film entstand unter der Regie von Fred Sauer. Viktor Abel war offensichtlich ein begehrter, sprich, erfolgreicher Drehbuchautor. In welchen Jahren er als Chef Dramaturg für die UFA gearbeitet hatte, bleibt noch herauszufinden. Auch die Arsierungsvorgänge der Firma: „Rhythmographie GmbH“ sind, wie heute immer gerne formuliert wird: Im Dunkel.

1929»Der Bund der Drei«. Regie: Hans Behrendt. Buch: Victor Abel, Bobby E. Lüthge. Uraufführung am 12.12.1929 in Berlin.“Inez sucht den Mörder ihrer Mutter. Als sie sich in Henr(y)i, den Sohn des vermeintlichen Mörders, einen Minenbesitzer, verliebt, gerät sie in seelische Konflikte. Schließlich wird der Minenbesitzer Ziel eines Mordanschlages , den er aber glücklich überlebt. Am Ende löst der Inhalt einer Kassette alle Rätsel. Inez und Henri werden ein Paar.“

Ich habe die Filmproduktionen der UFA bis 1934 durchgesehen, aber keine weiteren Drehbücher von Victor (Viktor) Abel gefunden, nach denen bei der UFA ein Film gedreht wurde.Das Landesarchiv Berlin verfügt über Fotos des Erfinders Carl Robert Blum. Das Deutsche Patentamt hat die Patentschriften von Carl Robert Blum ins Netz gestellt. Die Nachbearbeitung der Original Patentschriften aus der »Dunklen Vergangenheit« wurden mit schwarzen Punkten versehen. Das entbehrt nicht einer gewissen Komik.

Apropos:

Da gibt es noch ein kleines Abfallprodukt zu meinen Recherchen zur Nationalitätenfrage im Zusammenhang mit genanntem Film. Bei der Untersuchung stellte ich immer wieder fest, daß eine Herstellung dieses Filmes ohne die Beteiligung von Deutschen gar nicht möglich gewesen wäre.

Der Mann, der die Romanvorlage -heute würde man Bestseller schreiben- geschrieben hatte, kam aus Osnabrück. Der Mann, dem die Produktionsfirma gehörte, die den Film produzierte, kam aus Laupheim. Wir hätten jetzt endlich Gelegenheit, darauf ein wenig stolz zu sein, wäre da nicht jenes Zitat aus Buchers Enzyklopädie des Films: “In Deutschland gelang es den Nationalsozialisten mittels inszenierter Demonstrationen vor den Kinos in denen der Film gezeigt wurde, sein Verbot zu erreichen“. (Buchers Enzyklopädie des Films, Bucher Verlag 1977, Seite 26)

Rhythmonom

Das Landesarchiv Berlin verfügt über Fotos des Erfinders Carl Robert Blum:

http://www.landesarchiv-berlin-bilddatenbank.de/hida4web-LAB/search?keyword=carl%20blum;smode=simple

Das Deutsche Patentamt hat die Patentschriften von Carl Robert Blum ins Netz gestellt. Die Nachbearbeitung der Original Patentschriften aus der „Dunklen Vergangenheit“ wurden mit schwarzen Punkten versehen. Das entbehrt nicht einer gewissen Komik.

https://depatisnet.dpma.de/DepatisNet/depatisnet?action=basis

Von Viktor Abel gibt es Fotos auf der Holcaust Gedenkseite: https://www.holocaust.cz/de/opferdatenbank/opfer/141939-viktor-abel/

Eine neuartige Lösung des Sprachenproblems beim Tonfilm

Das Foto befindet sich auf der Seite:
https://www.holocaust.cz/de/opferdatenbank/opfer/141939-viktor-abel/

Interview mit den Streit Brüdern in Belo Horizonte

Carl Heinz Streit 1990 Belo Horizonte
Rolf Arno Streit

SRolf Arno Streit: ”Mein Großvater Jeremias genannt James Henschel war der Erste in Hamburg, der Kinos gemacht hat. Er ist auf folgende Weise auf diese Idee gekommen.In Paris, so hat er gehört, gibt es einen Grammophon-Laden, dass heisst Leute konnten in den Laden gehen, sich . . . wie heisst das? . . . Telefone an die Ohren legen und konnten dann eine Musik wählen, die sie bekommen haben durch die . . . durch das Grammophon. Übertragenen. Das wollte er in Hamburg auch machen und deshalb sind sie dann in Paris gewesen, wo dieser . . . wo dieses Grammophongeschäft existierte und sich mit dem Inhaber darüber zu unterhalten . . . Auf dem Wege dorthin sind . . . stehengeblieben an vor einer riesigen Schlange von Menschen, die alle in ein sogenanntes Cine gehen wollte. Das war eine Neuigkeit für meine Großeltern und . . . da wurden eben die ersten Filme vorgeführt. Dann sind sie zu dem Grammophonmann gegangen und sind nachher in ihr Hotel gegangen und haben geschlafen.

Meine Großmutter-Frida Henschel – hat zu Madam . . . zu meinem Großvater gesagt, weißt du James ich hab es mir überlegt, wir machen nicht Grammophon, wir machen Kinos. Und das war die Idee, das mein Großvater der Erste in Hamburg war, der Kinos eröffnete. So ist auch der Henschel Film und Theaterkonzern nach ihm benannt worden.“

Frage: Das erste Kino war das Belle Alliance Kino? Das war ein sehr großes Kino?

Rolf Arno Streit: „Das kann ich nicht genau sagen, wie groß es war. Auf jeden Fall war das das erste Kino – richtige Kino – in Hamburg . . . Hamburg Altona . . . wenn ich mich nicht irre.

Frage: Der Großvater hat dann mit Ende des Krieges alle Kinos verkauft, sie haben erzählt an die Ufa. Können sie mal sagen, warum er die Kinos verkauft hat?

Rolf Arno Streit: “Die Ufa ist an meinen Großvater herangetreten . (LkW Geräusch) . . . Die Ufa ist an meinen Großvater herangegangen und hat ihm gesagt, entweder verkaufen sie uns ihre ganzen Kinos, oder wir machen ihnen Konkurrenz . . . das war der . . . da hat mein Großvater sich entschlossen, seine Kinos an die Ufa zu verkaufen . . . hat sich für das Geld, das er bekommen hat, sofort Häuser gekauft . . . Immobilien . . . und ist dadurch . . . durch die Inflation schadlos herausgekommen. Zu dem Entschluß von meinem Großvater, die Kinos zu verkaufen mußte die Ufa damit einverstanden sein, daß seine Schwiegersöhne -nämlich unser Vater Hugo Streit und unser Onkel Hermann Urich-Saß . . . also seine Schwiegersöhne Direktoren der Ufa wurden für Norddeutschland, was geschah“.

Frage: Bis wann waren Hugo Streit und Hermann Urich Sass Direktoren der Ufa?

Rolf Arno Streit: “Die waren Direktoren bis . . . ungefähr 1926 . Ein ganz genaues Datum kann ich nicht sagen, aber . . . Mitte der 20iger Jahre ist es wohl gewesen.“

Carl Heinz Streit: Das ist aber richtig. Ich mein, ich erinnere das auch nicht mehr so genau.

Hilde Streit: (zu ihrem Mann): Du weisst es noch besser.

Rolf Arno Streit: “Ja, durch die ganze Wiedergutmachungsgeschichte . . . bin ich wieder da . . . irgendwie erinnert worden. Das ist ja auch nun schon viele Jahre her.“Hilde Streit:. Jetzt ist leise . . . Carl Heinz Streit: Das kommt aber immer wenn der Omnibus kommt. Hilde Streit: Ja überall, kommt immer . . . bei uns viel mehr noch.Frage: 1918 wurde die Ufa gegründet und die Ufa trat an ihren Vater heran und er hat seine Kinos verkauft. Können sie das noch mal erzählen?Rolf Arno Streit: ”Ja . . . nachdem . . . ist schon . . . Carl Heinz Streit: ”Nein, wenn das Licht angeht.“ Rolf Arno Streit: „Also . . . nach dem Kriege 14/18 ist die Ufa an meinen Großvater herangetreten und hat ihm gesagt, wir bauen hier Kinos, oder sie verkaufen uns ihre Kinos, und da ist mein . . . hat mein Großvater den Entschluss gefasst, seine Kinos zu verkaufen . . . mit der Bestimmung, dass mein Vater und mein Onkel . . . Hugo . . . Hermann Urich Sass Direktoren der Ufa werden von Norddeutschland, was geschah, außerdem war mein Großvater mit 5 % über viele Jahre an allen Ufa Einnahmen beteiligt . . . und späterhin . . . auch mit 2,5 % für alle . . . von allen Kinos, die noch erbaut worden sind später von der Ufa . . . Mein Großvater selbst hat seine . . . hat die Inflation überstanden durch Ankauf von Immobilien . . . das Geld, was er damals von der Ufa bekommen hatte, hat er sofort angelegt in Immobilien und dadurch ist er aus der Inflation schadlos herausgegangen:“ Frage: Wissen sie noch welche Kinos das waren, die ihr Großvater dort verkauft hat? Rolf Arno Streit: “Ich kenn einige . . . weiß ich . . . das . . . zum Beispiel das Lessingtheater, das Passage Theater, das Harvestehuder Lichtspiele und einige andere . . . ich entsinne die Namen nicht mehr genau. Auf jeden Fall . . . vielleicht sechs Kinos, die mein Großvater der Ufa verkauft hat“. Frage: Das Waterloo Theater gehörte das auch dazu? Rolf Arno Streit: ”Das Waterloo Theater gehörte dazu, ja. Das hat mein Großvater erbaut. Das war damals das vornehmste Kino in Hamburg.“ Frage: Und dann hat ihr Vater Hugo Streit und Hermann Urich Sass . . . haben sich selbstständig gemacht und haben neue Kinos aufgemacht. Wann war das?

Rolf Arno Streit: ”Sie waren, wie gesagt, Direktoren der Ufa bis 1925 oder 1926 . . . und haben sich dann selbstständig gemacht und haben die erste . . . das erste Kino . . . gekauft, die Schauburg Hauptbahnhof . . . die damals anders hieß . . . der Name ist mir entfallen . . . das ist die spätere Barke gewesen. Am Hauptbahnhof. Dadurch . . . Nach und nach haben sie andere Kinos gebaut . . . im ganzen waren . . . bestand der Henschel Film und Theaterkonzern . . . wie er sich nannte . . . aus 12 Kinos. Schauburg Hamm, Schauburg Hammerbrook, Schauburg Wandsbek, Schauburg Harburg und diverse andere . . . die mir im Moment nicht einfallen. Auf jeden Fall waren es zwölf Großkinos und der Konzern war dadurch . . . der größte Konzern in Hamburg . . . was die Theaterbranche . . . die Kinobranche anbelangt“. Frage: Sie hatten mir erzählt, sie haben auch mal eine Eröffnung miterlebt . . . von der Schauburg am Millerntor (1927) . . . das war ja ein sehr großes Kino und zur Eröffnung ist Henny Porten gekommen . . . können sie da noch mal was erzählen? Rolf Arno Streit: ”Ja ich kann darüber erzählen, aber ich weiß, ob es die Schauburg Haupt . . . Schauburg Millerntor war . . . es kann irgend eine andere Schauburg gewesen sein. Alle Schauburgen wurden eröffnet mit irgendeiner Sensation, so auch eine . . .  (LKW Lärm) . . . so auch eine Schauburg mit der Henny Porten. Die Henny Porten kam in Hamburg an . . . am Hauptbahnhof. Es waren viel mehr Menschen dort . . . als seiner Zeit der Reichspräsident Ebert ankam, das schrieben die Zeitungen . . . später. Andere Schauburgen wurden eröffnet mit anderen Filmschauspielern unter anderem auch einmal durch einen Ball bei . . . Sarasa . . . bei . . . in . . . dem Saal . . . ich komm nicht auf den Namen . . . (vermutlich Sagebiel) . . . auf dem größten Saal in Hamburg. Da wurden dann die Leute gefilmt, entweder die getanzt haben oder selbst gesprochen haben und dieser Film wurde vorgeführt in den Schauburgen und die ganzen Leute die gefilmt wurden, haben sich natürlich die Filme angeguckt. Das war ein gutes Geschäft. Nicht nur eine gut Idee, sondern auch ein gutes Geschäft . . . Es wurden auch andere eröffnet mit Emil Jannings, soweit ich erinnere und durch andere Sensationen . . . ich kann nicht auf die ganzen Sachen eingehen, weil die Erinnerung mir nicht die . . . Carl Heinz Streit: (der ältere Bruder) ”Lucie Englisch war auch einmal da.” Rolf Arno Streit: ”Lucie Englisch ja . . . sprich du mal weiter. Carl Heinz Streit: ”Ja ich weiß ja nicht so viel wie du. Du hast doch die ganze Wiedergutmachung betrieben. Dadurch bist du mehr im laufenden.” Frage (an Carl Heinz Streit): Sie haben doch auch mal im Henschel Film und Theaterkonzern gearbeitet? Ein Jahr lang . . . ? Carl Heinz Streit: “Ja in der . . . in dem Booking Department . . . wie heisst das auf Deutsch? Programmation gearbeitet . . . Aber ganz kurze Zeit nur. Frage: Was gab es da für Filme . . . wissen sie das noch? Carl Heinz Streit: “Boh ! . . . an die Filme kann ich mich nicht mehr erinnern. (lacht) Rolf Arno Streit: “Es gab zum Beispiel . . . es wurde in den Schauburgen gezeigt. Der erste Tonfilm mit Harry Liedtke und Marlene Dietrich, der hiess „Ich küsse ihre Hand Madam“. Es waren aber nur einige Minuten, die der Ton herausgekommen ist, nämlich das Lied, ich küsse ihre Hand Madam wurde gesungen von Marlene Dietrich mit dem Harry Liedtke zusammen . . . (Richard Tauber war der Sänger – Länge: 2 Minuten 38 Sekunden). Das war eine Sensation. So fing der Tonfilm in Hamburg an. Später natürlich kamen andere Filme wie zum Beispiel: „Der letzte Mann“ mit Emil Jannings. Das war ein . . . erfolgreicher Film und auch der „Blaue Engel mit Marlene Dietrich . . . Carl Heinz Streit : “ . . . und Emil Jannings“. Rolf Arno Streit: “Ja und Emil Jannings. So nun erzähl du mal wieder was (zu seinem Bruder).“ Carl Heinz Streit: “Dann wurde aufgeführt der Film . . . ich weiß nicht mehr den Namen . . . aber es war dieser Schwarze . . . , der sich als Schwarzer verkleidet hat . . . Al Jolson . . . der Jazzsinger“. Frage: Das war der erste Tonfilm denn auch . . . der erste richtige Tonfilm.

Carl Heinz Streit: “Das war der Tonfilm, der nicht mehr über Grammophon ging. Die ersten . . . die ersten Tonfilme wurden mit Platten bedient. Nachher kam der optische Film. Das war der erste mit Al Jolson“.  Frage: Die Schauburgen – also die Schauburg Hamm und die Schauburg Millerntor . . . das waren ja alles Neubauten . . . das muss ja ne enorme Stange Geld gekostet haben. Wissen sie da irgendwie . . . wieviel das gekostet haben mag? Carl Heinz Streit: “Nein“. Rolf Arno Streit: “Das waren einige Millionen. Ich glaube, mein Großvater – James Henschel- hat das Anfangskapital zur Verfügung gestellt. Vielleicht wurden nachher auch Bankkredite aufgenommen. Ich kann das nicht genau sagen. Aber auf jeden Fall war das ein Großunternehmen und die meisten Kinos sind erbaut worden durch den Verdienst, der schon bestehenden Kinos (Moped im Hintergrund) . . . Die meisten Kinos sind erbaut worden, durch den Verdienst der schon bestehenden Kinos. Die ganzen Schauburgen, bis auf einigen . . . bis auf einigen . . . wurden vom Henschel Film und Theaterkonzern selbst erbaut. Also es waren eigene Grundstücke.“ Frage: Dann waren es . . . wenn ich das so richtig recherchiere . . . dann waren es imgrunde nur zwei . . . zwei große Filmtheaterbetriebe in Hamburg . . . das war der Henschel und die Ufa. Die müssen doch in starker Konkurrenz auch gestanden haben? Rolf Arno Streit: “Ja, solange sie nicht den Ufa Palast gebaut hatten, war das . . . gab es keine große Konkurrenz . . . aber nachdem der Ufa Palast . . . ich glaube es war im Jahre 19 und . . . Ende 1920 . . . vielleicht 1929 . . . oder 28 . . . ich weiß nicht genau . . . da wurde es natürlich eine Konkurrenz. Aber die hat dem Henschel Film und Theater Konzern auch nichts ausgemacht . . . er ist . . . er ist sehr solide geblieben . . . bis zum Ende . . . bis zum Anfang der Nazizeit . . . Da wurde der Henschel Film und Theater Konzern sehr stark betroffen . . . und . . . es wurde ein . . . ein . . . ein Programm gegen die Theater ausgeübt“. Frage: Wann hat das begonnen . . . das man gegen den Henschel Film und Theater Konzern . . . Rolf Arno Streit: “Mit Anfang der Nazizeit . . . 1933 . . . Da wurde der . . . Henschel Film und Theaterkonzern gestempelt als jüdisches Unternehmen . . . und dadurch sind die . . . Besucher ziemlich heruntergegangen . . . .1936 . . . ich glaube mich nicht zu irren . . . (gemeint ist vermutlich der reichsweite Pogrom in der Nacht vom 9/10 November 1938) . . . in der Kristallnacht wurden die Kinos geschändet . . . und zerstört . . . zum Teil, dann haben sie . . . dann haben sich die Nazis davorgestellt und haben keine Juden mehr . . . keine Ar . . . keine Besucher mehr hereingelassen. Dadurch hat der Konzern natürlich sehr stark gelitten.” Frage: Der Henschel Konzern war eine OHG zwischen Hermann Urich – Sass und Hugo Streit und das gab es eine Phase wo . . . ihre . . . ihre Väter das wohl schon voraus gesehen haben . . . sie hatten mir erzählt, er wär . . . der Hugo Streit wär zusammen mit dem einen Geschäftsführer nach Berlin gefahren und wollte das verkaufen . . . das Kino. Können sie darüber was sagen? Rolf Arno Streit: “Ja mein Vater . . . Hugo Streit ist mit Romahn . . . der damals . . . Prokurist gewesen ist, von den Schauburgen nach Berlin gefahren, um mit der Ufa zu verhandeln . . . k . . . önnen wir mal einen Augenblick Schluß machen? ..zu Carl Heinz:. Weshalb ist Papa nach Berlin gefahren? Achso ja . . . kann ich weitermachen . . . Mein Vater ist mit Romahn nach Berlin gefahren, um mit der Ufa . . . (lauter LKW) um mit der Ufa zwecks Verkauf zu verhandeln, die Ufa war interessiert daran, die Kinos zu übernehmen . . . in dieser . . . selben Zeit . . . in diesem selben Zeitabschnitt starb Hermann Urich Sass . . . und Romahn wurde benachrichtigt von dem Tode von Hermann Urich Sass . . . aber sollte nicht stören . . . störend auf die Verhandlungen meines Vaters mit der Ufa wirken . . . Das geschah aber doch aus irgendeinem Grunde, der mir entfallen ist . . . ich glaube durch die Zeitung . . . ich weiß es nicht genau . . . und mein Vater hat die Verhandlungen abbrechen müssen . . . daraus ist nichts . . . leider nichts geworden“. Frage: Das ist ein historisches Datum in zweierlei Hinsicht. Am 27. Januar starb Hermann Urich Sass und am 30. Januar . . . wurde er beerdigt . . . Rolf Arno Streit: „Am 30 . . . wurde Hermann Urich Sass beerdigt, das war an dem Tag als Hitler zum Reichkanzler ausgerufen wurde . . . von Hindenburg . . . später wurde er der sogenannte Fü . . . Führer im möchte lieber sagen Verführer, denn er hat die ganze Welt verführt und sechs Millionen Juden ermordet . . . aber das gehört nicht zu . . . (LKW Geräusch) . . . Soll ich wiederholen. Anfangen mit Hermann Urich Sass, das er starb?“ Frager: Ja Rolf Arno Streit: Mein Vater war mit Romahn dem Prokuristen des Henschel Konzerns in Berlin um mit der Ufa zwecks Verkauf der Kinos zu verhandeln. Während der Verhandlungen ist Hermann Urich Sass gestorben. Das sollte meinem Vater aber nicht mitgeteilt werden, um die Verhandlungen nicht . . . mit der Ufa nicht zu stören . . . und Romahn wurde benachrichtigt, aber er konnte es leider nicht verschweigen, wahrscheinlich hat mein Vater es aus der Zeitung erfahren . . . und ist dann zurückgekommen und die Verhandlungen wurden abgebrochen . . . inzwischen ist der Nazismus weiter gegangen, die Theater wurden weiter geschädigt und die Ufa war nicht mehr interessiert an einem Kauf der Kinos . . . . Später wurde mein Vater gezwungen die . . . nein später wurde eine Kommanditgesellschaft gegründet . . . in dem mein Vater der alleinige Gesellschafter war und die Kommanditisten die Erben des verstorbenen Hermann Urich Sass . . . Später wurde mein Vater gezwungen, die Sachen zu verkaufen . . . oder zu realisiseren, damit . . . die Kinos . . . wie heisst das auf gut deutsch? (An Carl Heinz Streit ) Carl Heinz: “arisiert“. Rolf Arno Streit: “Arisiert worden sind . . . arisiert wurden“. Carl Heinz Streit: “Gleichschalter wurden eingesetzt“ Rolf Arno Streit: “Gleichschalter wurden eingesetzt, das waren Romahn und Schümann . . . die nachher als die Inhaber des Henschel Film und Theaterkonzerns fungierten. Gezahlt haben sie nichts dafür. Dafür hat schon die Partei gesorgt, daß den Juden kein Geld zugefügt worden ist. Und wenn . . . das entsinne ich nicht . . . .ein ganz kleiner . . . Betrag . . . der überhaupt nicht . . . dem Unternehmen entsprach . . . ” Frage: Die Schauburg Lichtspieltheatergesellschaft Romahn und Schümann GmbH . . . wurde ja 1933 schon gegründet mit 20.000,– RM. Nun hab ich mich so gefragt, wie kann man denn mit 20.000,– RM ein Gebäude übernehmen das schon allein 500.000,–RM gekostet hat? Rolf Arno Streit: „Ich glaube sie irren, das war nicht 1930, sondern . . . 1934 oder 1935 . . . Das war nicht 1930. 1930 gehörte doch der Henschel Film und Theater Konzern . . . Frage: Nee 1933 . . . Rolf Arno Streit: Ja 1933 . . . gehörte der Henschel Film und Theater Konzern . . . wurde der Henschel Film und Theater Konzern . . . nach dem Tode von Hermann Urich Sass . . . in eine Kommanditgesellschaft umgewandelt . . . wie ich bereits beschrieben hatte . . . gesagt hatte . . . Aber ich glaube . . . die Gesellschaft Romahn und Schümann wurde gegründet . . . 1935 . . . oder 1936 . . . das war nicht 1930. Frage: Also ich hab nur die Handelsregister Eintragung und danach ist es schon 1933 passiert. Die Gründung selber und die Eintragung ins Handelsregister. Der Widerspruch ist nur der, das man mit so wenig Grundkapital . . . sag ich mal . . . mit 20.000,– RM so teure Kinos dann später übernehmen kann . . . Rolf Arno Streit: “Ja das weiß ich nicht ganz genau, wie die Sachen gewesen sind, ich weiß nur, daß Romahn und Schümann, die ja kein Geld hatten . . . die erste Zeit meinem Vater Zuwendungen gemacht hatten. Das wurde auch von den Nazis so vorgeschrieben, daß die Juden . . . eben die Geschäfte übergeben mußten, das war ein Zwang . . . es lag ein Zwang dahinter . . . ich glaube nicht . . . daß man . . . das Romahn und Schümann . . . ich weiß das Romahn und Schümann kein Geld hatten um das Unternehmen zu kaufen . . . Deshalb ist vielleicht die Eintragung gewesen . . . 20.000 Mark . . . das war eine Schein . . . eine Schein . . . wie nennt man das auf Deutsch? . . . .Eine Schein . . . Sache.“ Frage (An Carl Heinz Streit) Sie haben ja noch in Berlin lange im Filmverleih gearbeitet? Können sie darüber noch was sagen? Carl Heinz Streit: „Ja ich hab bei der Universal Films gearbeitet . . . wo ich nachher . . . in Brasilien auch angestellt wurde.“ Frage: Universal ist ja eine amerikanische Firma, hat die auch . . . Juden entlassen schon . . . zu der Zeit oder . . . Carl Heinz Streit: Es war eine vollkommen amerikanische Firma und der Präsident seinerzeit, als ich anfing bei der Universal war Carl Laemmle . . . das war ja auch ein Jude . . . die waren in ganz Südamerika . . . in ganz Südamerika vertreten durch den Direktor . . . der vorher in Deutschland . . . Direktor für ganz Europa war . . . Al Szeckler * . . . und als ich in Rio de Janeiro ankam, hat der mich sofort angestellt . . . bei der Universal Films . . . da hab ich gearbeitet als . . . zuerst als Buchhalter, nachher wurde ich versetzt nach Belo Horizonte . . . wo ich die Filiale geleitet habe . . . als Direktor für den Staat Minas Gerais und da hab ich lange gearbeitet . . . zweiunddreissig Jahre . . . in der Universal Films“. Frage: Kommen wir noch mal zurück zu der Zeit . . . sie sind ja aus Deutschland . . . mußten aus Deutschland flüchten . . . das sie mal erzählen, wann das war und wie das so im Einzelnen vor sich gegangen ist. Carl Heinz Streit: “Wir sind 1936 ausgewandert. Sind zuerst in Rio de Janeiro angekommen und von da aus nach Buenos Aires gegangen . . . aber uns gefiel Rio de Janeiro viel besser als Buenos Aires . . . (Lkw Geräusche) . . . willst du nichts erzählen von Sass . . . Hilde Streit: “ . . . das der gestohlen hat . . . Carl Heinz Streit: . . brauchst ja keinen Namen zu nennen . . . sind einem Betrüger in die Hände gefallen“ . . . Carl Heinz Streit: “Das gehört nicht dazu“. LKW Geräusche . . . Frage: Können wir gerne haben. Können ja von irgend einem Mann erzählen . . .Hilde Streit: “Der lebt vielleicht gar nicht mehr” Carl Heinz Streit: “Wo sind wir nun?” Frage: Wir sind noch gar nicht ausgewandert. Sie sind immer schon in Argentinien, aber wir sind eigentlich noch in Deutschland. Carl Heinz Streit: “Naja denn wollen wir noch mal. Also wir sind 1933 ausgewandert . . . mit der . .wir sind nach Brasilien gekommen mit der Monte Pascia (?Schreibweise). Rolf Arno Streit: “Wir sind nicht 1933 ausgewandert.“ Carl Heinz Streit Hilde Streit: “1936 . . . 1936 sind wir ausgewandert . . . sind in Brasilien angekommen . . . sind ungefähr einen Monat in Rio de Janeiro geblieben . . . von da aus nach Argentinien Buenos Aires . . . aber uns gefiel Rio de Janeiro bedeutend besser. Sind wir also . . . nach Brasilien zurückgekommen und . . . da wurde ich sofort angestellt bei der Universal . . . wo der der Direktor der vorjährige Direktor für Europa war . . . Al Seckler . . . da hab ich . . . hab ich ca 40 Jahre gearbeitet bei der Universal.“ Frage: Wie war das.? Das war ja nicht ganz einfach ein Einreisevisum für diese Länder zu bekommen: Rolf Arno Streit: “Ja die Sache war die . . . man hat sich immer den Kopf zerbrochen wohin . . . denn wir wollten und konnten nicht in Deutschland bleiben . . . unter der Naziherrschaft und da kam dann ein Mann zu uns und sagte, er könnte uns Geld rüberbringen nach (lacht) Brasilien und . . . ich will diese ganze Geschichte nicht genau auslegen . . . denn die ist vergessen . . . relativ . . . und auf jeden Fall haben wir das Geld . . . was unser Vater uns gegeben hat . . . nicht ausgezahlt bekommen . . . in Brasilien . . . und der Mann hat dann gesagt . . . das ist versehentlich nach Argentinien überwiesen worden . . . dann sind wir dann alle zusammen nach Argentinien gefahren, wo er dann auch immer wieder die Ausrede hatte . . . es ist noch nicht angekommen. Wir waren vielleicht zwei drei Wochen . . . vier Wochen in Argentinien . . . und da bis dahin das Geld nicht überwiesen wurde . . . wußten wir dass wir einem Betrüger in die Hände gefallen sind. Uns gefiel Rio . . . wie eben schon beschrieben von meinem Bruder . . . uns gefiel Rio besser . . . und deshalb sind wir nach Rio abgefahren und von Rio aus haben wir dann dem Man geschrieben . . . wie das nun ist mit dem Geld . . . daraufhin antwortete er . . . wenn ihr noch mal über die Geschichte fragt oder überhaupt schreibt . . . dann wißt ihr ja, daß ihr noch Eltern in Deutschland habt . . . an die ich mich rächen könnte.” Frage: Sie waren ja schon in Holland, wenn ich das so richtig entsonnen habe und haben ihr Frau nachgeholt nach Holland zum heiraten und haben dadurch das Visum bekommen. Können sie das noch mal erzählen?“ Rolf Arno Streit: “Ja die Sache war folgende. Ich habe meiner Frau die Ehe versprochen, bevor ich Deutschland verließ und wir sind damals nur als . . . als Touristen . . . mit einem Touristenvisum in Brasilien angekommen für die Zeit von einigen Wochen, wir blieben da ungefähr ein halbes Jahr und es war nicht möglich eine Legalisation zu erwirken aus verschiedenen Gründen . . . die mir entfallen sind . . . auf jeden Fall . . . habe ich dann meinem Onkel (Anmerkung 2014:  Dr. Isidor Kahn, verheiratet mit Bianca Kahn geb. Henschel, einer Tochter von Jeremias Henschel, Wohnort Den Haag), der Konsul von Portugal war und in Holland lebte geschrieben, ob er mir helfen kann. Er sagte mir ja . . . er schrieb mir ja, das kann ich machen . . . aber du musst selbst hier herüberkommen, dann wird alles erledigt. Naja ich will nicht weiter darüber reden . . . dass nichts erledigt wurde. (lacht) aber es kam ein Freund meiner Eltern nach Holland um zu hören . . . wie es in Brasilien aussieht, denn er hatte ein Einreisevisum von Brasilien bekommen in Antwerpen von dem Generalkonsul von Brasilien . . . und da hab ich ihn gefragt . . . wie haben sie das gemacht . . . da sagt er einen ganz kleinen Betrag hat er eingezahlt was er in Brasilien wiederbekommen würde und dadurch hat er das sogenannte Kapitalistenvisum bekommen und . . . ist reingekommen . . . und ich hab mir sehr bedankt bei diesem Mann, denn ich bin zwei Tage später nach Antwerpen gefahren und hab dort den Vizekonsul nach dem . . . nach diesem Kapitalistenvisum gefragt und der hat mir dann den Rat gegeben zu heiraten wieder hinzukommen und er würde mir dann das Kapitalistenvisum geben.

Also meine Frau ist dann nach Holland gekommen zusammen mit meinen Eltern und ihren Eltern und da wurde geheiratet in Holland . . . in Haag . . . übrigens wo auch die Prinzessin Juliana geheiratet hat . . . aber das nur nebenbei . . . auf jeden Fall sind wir dann zwei drei Tage später nach Antwerpen gefahren um das Visum zu erhalten aber der Vizekonsul sagt mir . . . es tut mir furchtbar Leid . . . ich kann ihnen das Visum nicht mehr geben, denn es kommt kein Mensch mehr nach Brasilien rein . . . kein Deutscher . . . oder kein Jude ich weiß das nicht mehr genau . . . Hilde Streit: kein Deutscher. . . auf jeden Fall . . . ein Deutscher nicht wahr . . . es war gesperrt . . . vom Außenministerium . . . da hab ich zu dem Vizekonsul gesagt . . . hören sie mal zu ich bin da in einer fürchterlichen Lage, ich kann in Holland nicht bleiben, ich kann nicht nach Deutschland rein, wo ich sofort ins Konzentrationslager gekommen wäre, also was soll ich machen . . . er sagte, ich kann ihnen leider nicht helfen . . . da sagte ich dann . . . kam ich auf die gute Idee und bat ihn mich vorzustellen dem Generalkonsul . . . was geschah . . . dem Generalkonsul habe ich meine Geschichte erzählt . . . und dieser gute Mann hat uns glücklicherweise das Kapitalistenvisum gegeben zusammen mit einem Brief ans Aussenministerium und mir eine Kopie übergeben von diesem Brief . . . in dem unsere Geschichte beschrieben wurde . . . das er keine andere Möglichkeit hatte, als mir das Visum gegen die Anordnung des Ida Maraties (Schreibweise ?) . . . also des Aussenministeriums zu erteilen . . . Aber die brauchte ich nicht, denn wir sind glatt in Rio angekommen . . . Somit fing unsere Geschichte in Brasilien an. Frage: Sie hatten mir gesagt . . . es hätte auch so die Möglichkeit gegeben, daß sie mit einer Ausnahmegenehmigung nach Deutschland für drei Tage fahren und hatten dafür einen bestimmten Ausdruck genannt. Können sie das noch mal erzählen? Rolf Arno Streit: ”Das ist ein . . . ich weiß nicht mehr genau wie das hieß . . . auf jeden Fall war das . . . wurde das Leuten . . . auch Juden erteilt . . . (lautes LKW Geräusch) . . . Frage: Einfach noch mal von vorne . . . diese Ausnahmegenehmigung . . . Rolf Arno Streit: “Diese Einreisegenehmigung für zweidreivier Tagen wurde Juden auch gegeben, um zum Beispiel die Eltern zu beerdigen oder irgend welche . . . aus irgendwelchen Anlässen und diese hab ich mir auch erhofft zu erhalten . . . aber hab sie nicht erhalten . . . bin von dem Konsul in Amsterdam (Hilde flüstert vor: gewarnt worden . . . gewarnt worden) . . . nicht gewarnt worden . . . erstmal rübergerufen worden . . . da hat er mir dann gesagt . . . das es leider nicht möglich ist . . . ich soll . . . die Einreisegenehmigung ist nicht bewilligt worden . . . und da hab ich gesagt zu ihm . . . das könnten sie mir doch auch am Telefon gesagt haben . . . und darauf hin gab er mir keine Antwort . . . also ich bin wech gegangen . . . verärgert . . . und er ist mir nachgelaufen . . . der Konsul . . . Hilde: das war ja deutscher Boden, nech . . . das Konsulat . . . Rolf Arno Streit: „Konsulat war Deutscher Boden . . . da kam der . . . da kam mir der Konsul nachgelaufen ich soll um gotteswillen nicht nach Deutschland einwandern ohne diese Genehmigung, denn ich käme sofort ins Konzentrationslager . . . na daraufhin haben wir dann in Holland geheiratet . . . wie ich schon gesagt habe . . . ” Frage: Hätte man denn mit dieser Genehmigung den Nazis eigentlich trauen können? Rolf Arno Streit: “Das kann ich ihnen nicht sagen (lacht), weil ich das nicht erlebt habe . . . aber ich weiß von Leuten, die rübergegangen sind und wieder rausgekommen sind . . . zwei drei Tage um Eltern zu beerdigen . . . oder irgendwas, aber ich hätte es gewagt, wenn ich das bekommen hätte. In Deutschland geheiratet zu haben . . . wäre für mich einfacher gewesen . . . als in Holland . . . bei meiner Tante, bei der ich gelebt habe. Frage: Sie sind dann zu dritt aufm Dampfer von Amsterdam ? oder von Antwerpen . . . Hilde Streit: zu zweit zu zweit . . . Rolf Arno Streit: “Zu zweit sind wir gefahren . . . denn mein Bruder war ja schon hier. Carl Heinz Streit: ”Ich war ja drüben geblieben.“ Rolf Arno Streit: “Wir sind gefahren mit einem deutschen Dampfer . . . mein Vater hat uns eine Passage geschenkt mit der Monte . . . sie cerra campus (Schreibweise ?) Rolf Arno Streit: „ si cerra campus war das auch nicht . . . Hilde Streit: Nee das war ein sehr schönes Schiff . . . das war das schönste an der ganzen Reise . . . Rolf Arno Streit: „Cap Norte . . . das war die Cap . . . Cap Norte . . . das war die Cap . . . wir sind mit der Cap Norte wieder nach Brasilien gefahren.“ Frage: Nen Hamburg Süd Schiff ne?Rolf Arno Streit: “Hamburg Süd Schiff“ Hilde Streit: „Das schönste von der ganzen Reise .“

Rolf Arno Streit: “Das war ein Schwesternschiff der Cap Polonio . . . und dann sind wir drüben abgekommen . . . wieder hier in Rio . . . und dann ging die Arbeit los . . . das war nicht einfach . . . ich persönlich habe Klavier gespielt abends für eine . . . für einen Club . . . nicht jeden Abend aber Sonnabend und Sonntag auf jeden Fall . . . und einmal die Woche und dann hab ich eine Anstellung bekommen als Aufseher in einer Eimerfabrik . . . da waren Ratten . . . die Eimer wurden teilweise gemacht aus . . . Hilde Streit: Marmeladen . . . Marmeladendosen . . . also großen Marmeladengefässen und die Ratten, die haben sich dabei . . . davon . . . dadurch ernährt . . . aber wenn die Maschinen zur Mittagszeit abgestellt wurden  . . . dann liefen mir die Ratten über die Füsse . . . (lacht) . . . das entspricht der Wirklichkeit . . . aber ich bin dort geblieben . . . einige Monate, bis ich dann den Entschluß gefasst habe, wieder rüberzufahren . . . nach Europa . . . also nach Holland, um zu heiraten . . . weil ich immer meine Versprechungen im Leben gehalten habe und so auch diese . . . nun sind wir sehr glücklich verheiratet schon über 50 Jahre . . .

Hilde Streit: “Dreiundfünfzig“ . . . (lauter LKW).

Frage:. Die fünfzig Jahre sind nicht mehr drauf.

Rolf Arno Streit: “Wir haben schon unsere goldene Hochzeit hinter uns und sind schon dreiundfünfzig Jahre verheiratet. Gottseidank geht es uns heute gut . . . wir sind glücklich . . . wir haben zwei Kinder . . . leider ist eine gestorben . . . ..

Pause Kassettenwechsel

Rolf Arno Streit: “Mein Vater und mein Onkel betrieben auch die Scala am Schulterblatt, das war ein Tanzlokal . . . das größte Tanzlokal von Hamburg . . . dazu gehörten auch die . . . das eine Ballhaus Filmzauber und ein Ballhaus Uhu und noch andere, die mir entfallen sind . . . auf jeden Fall war das ein Zweigunternehmen von den Schauburgen . . . Frage: Sind sie da mit ihrer Frau auch Tanzen gewesen? Hilde Streit: “Ne wir waren . . . da waren wir noch gar nicht verheiratet.”Frage: Man kann ja auch tanzen, ohne verheiratet zu sein. Rolf Arno Streit: “Wir haben uns da sehr gut amüsiert . . . als junge Leute . . . aber mit meiner Frau war ich nie da, denn da . . . damals war das schon nicht mehr möglich . . . ich glaube, die sind auch später abgestossen worden . . . das entsinne ich aber nicht mehr genau. Auf jeden Fall haben wir jungen Leute uns sehr gut da in der Scala amüsiert. Obwohl wir noch nicht achtzehn Jahre alt waren . . . und eines Tages . . . fällt mir grade ein sind wir . . . bin ich mit verschiedenen Freunden dahin gegangen und da sagte ein Mann von der Kapelle, es kommt Jung-Jerusalem . . . und das hat der Freund mir wiedererzählt . . . ich sag, was hat er gesagt? Jung-Jerusalem . . . also Antisemitismus . . . das war vor der Nazi Zeit . . . da kam dann mein Onkel Hermann Urich-Sass hinein und dem hab ich das erzählt . . . der ist dann raufgegangen zur Kapelle hat gesagt wer hat gesagt ist Jung Jerusalem . . . .da wollte sich erst keiner melden und da hat er gesagt, ich entlasse die ganze Kapelle, wenn ich nicht sofort weiß, wer das gesagt hat. Da hat er sich gemeldet. Und den hat er sofort rausgeschmissen. Der ist dann zu Gericht gegangen und wollte sein Gehalt haben . . . das nicht bezahlt worden ist . . . da musste ich als Zeuge . . . vor Gericht treten um zu beweisen . . . also um zu  . . . auszusagen . . . um auszusagen, daß er das gesagt hatte und er hat es auch zugegeben . . . aber er wollte sein Gehalt haben . . . da hat der Richter gesagt . . . er entschuldigte sich damit . . . er wollte einen Spaß machen , . . . da hat der Richter gesagt . . . wenn sie einen Spaß machen wollten . . . dann müssen sie auch die Konsequenzen dafür bezahlen . . . und wir haben den Prozess gewonnen. Hilde Streit: ”Aber denn hat er gesagt, wie alt du bist“ . . . Rolf Arno Streit: „Dann fragte er mich noch, wie alt ich bin, da hab ich mein Alter gesagt, sechzehn Jahre oder fünfzehn Jahre . . . sechzehn Jahre war ich wohl und da sagt er . . . ja dagegen ist doch die Oberschulbehörde wahrscheinlich angegangen, dass sie mit sechzehn (lacht) Jahren sich schon in solchen Lokalen aufhalten. Dann habe ich zu ihm gesagt, ich bin geschickt worden von meinem Vater . . . (lacht) der der Inhaber der Scala war, um nachzusehen, ob da alles in Ordnung ist. Hilde Streit: ” . . . der hat davon gar nicht gewußt” Rolf Arno Streit:” . . . mein Vater aber wußte gar nichts davon, denn er war sehr strenge . . . im Gegensatz zu Hermann, der viel mehr Verständnis für solche Angelegenheiten hatte (lacht)..und..ich weiß nicht mehr genau, wie das ausgelaufen ist . . . auf jeden Fall mein Vater hat mich nicht bestraft, weil wir ja den Prozess gewonnen haben . . . Ja das war alles, was ich über die Tanzlokale berichten kann . . . da war glaub ich noch ein Lokal Filmzauber und auch der Faun . . . der hatte den selben Eingang . . . also Nebeneingang . . . vom Lessing Theater . . . da waren sie auch . . . der war auch . . . der gehörte auch zu den sogenannten Freudenhäusern . . . Frage: (an Carl Heinz Streit) Wissen sie noch was aus ihrer Jugend, was da so berichtenswert wäre? Carl Heinz Streit: “Mit der Scala möchte ich noch bemerken, daß . . . und abends in die Scala war das Wort, das sie gebraucht haben als Propaganda . . . das ist . . . die Scala bestand auch in Berlin . . . die Berliner . . . sind dagegen an gegangen und da haben sie es umbenannt. Anstatt und abends in die Scala und wieder in die Scala . . . .aber sonst aus Berlin wüßte ich nichts mehr zu berichten”. Frage: Mußten sie nun auf den jüngeren Bruder immer aufpassen? Carl Heinz Streit: “Nein (lacht) ich war in Berlin und er hat in Hamburg gelebt . . . ne ganze Zeit lang.”Frage: Ja aber vorher doch Carl Heinz Streit: “Vorher? nein wir haben uns immer sehr gut verstanden” Rolf Arno Streit: “Ich hätte mir auch nicht reinreden lassen von meinem älteren Bruder . . . aber wie mein Bruder eben gesagt hat . . . betont hat . . . wir waren immer nicht nur Brüder sondern auch Freunde und haben alles gemeinsam erlebt und . . . ” Frage: Sie hatten mir erzählt, sie waren dann später bei zwei Konkurrenzfirmen ja eigentlich eingestellt als . . . Rolf Arno Streit: “Also ich war bei der Columbia angestellt als Direktor für . . . für den Staat Minas Gerais und hab dort gearbeitet etwa 14 Jahre . . . da wurde mir ein Angebot gemacht von der United Artists mit höherem Gehalt . . . zu United Artists gegangen “(lauter LKW) . . . Frage: Ich glaub, das müssen wir ganz nochmal haben . . . das müssen wir noch mal von vorn haben. Rolf Arno Streit: “Also ich war circa 14 Jahre Direktor bei der Columbia . . . Columbia Pictures of Brazil . . . für Minas Gerais . . . später war ich Direktor bei der United Artists . . . auch für Minas Gerais . . . weil sie mir ein größeres Gehalt geboten hatten . . . und daraufhin bin ich dann . . . in eine Firma . . . zu einer Firma gegangen, die brasilianische Filme vertrieben hat . . . Sie sind zu mir gekommen und haben mich gebeten, die Sache zu übernehmen, was ich auch getan hab . . . weil ich dort etwas mehr verdient habe . . . ich bin immer nach . . . ich war immer ein guter Rechner . . . so ist es mir auch diesmal passiert. . . Frage: (an Carl Heinz Streit) Sie waren in der gleichen Zeit auch bei der Konkurrenzfirma . . . sie haben sich doch wahrscheinlich mit ihrem Bruder immer um die Kinotermine streiten müssen, wer nun die besten Kinotermine bekommen hat . . . Carl Heinz Streit: Nein . . . der Hauptkunde hier in Belo Horizonte . . . Hilde Streit (über den LKW Lärm . . . Jetzt gehts los, jetzt kommen die alle zurück. Dies ist hier an sich ruhiger, denn dahinten wohnen die armen Leute, die haben alle keine Autos . . . ” Carl Heinz Streit: ”Nein wir haben uns immer sehr gut verstanden und der Hauptkunde hier in Belo Horizonte war die Cineteatro Minas Gerais, der Hauptinhaber ist ein gewisser Luciano . . . gewesen, der vor kurzem . . . vor vier Wochen gestorben ist . . . ist der . . . einer der reichsten Männer der Welt . . . der Welt nicht, von Brasilien. . . man schätzt ihn auf über drei Billionen Dollar . . . die er hinterlassen hat . . . aber er hat auch . . . man sagt ihm nach . . . er hätte noch dreissig uneheliche Kinder . . . Hilde Streit: ”Die streiten sich nun alle mit den ehelichen”. Carl Heinz Streit: ”Ja ja . . . ehelichen sind zwei Kinder und eine . . . ein angenommenes Kind . . . also drei haben das Hauptrecht, die kriegen schon den . . . die . . . Departe . . . ” Hilde Streit: “Teil den Teil der Mutter, die vor drei Jahren ungefähr gestorben ist . . . ” Frage: (zu Carl Heinz Streit) Können sie noch mal sagen, bei welcher Firma sie im Verleih tätig waren. Carl Heinz Streit: “Bei der Universal Pictures . . . die hat hier gehiessen Universal Film SA . . . da war der Konzern von Carl Laemmle. Carl Laemmle war . . . die Universal Pictures in den Staaten die ausserdem das größte Atelier in Los Angeles haben . . . ich glaub, sie haben das selbst gesehen, das Atelier . . . es war das größte der ganzen Welt . . . ” Rolf Arno Streit: “Also bei den Filmfirmen war das so das jedes Jahr eine neue Produktion herauskam. Bei der Columbia waren es meistens so etwa fünfzig Filme, die die Filmtheaterbesitzer . . . haben abnehmen müssen. Es wurde dann zur Hauptsache mit Festpreisen gemacht und immer zweidrei Filme prozentual vermietet. Das heisst die Filmfirma war beteiligt an dem Umsatz der Theater mit fünfzig . . . sogar sechzig Prozent . . . oder ein Film wie zum Beispiel ich komm nicht mehr auf den Namen . . . auf jeden Fall Großfilme (Hundegebell) wurden auch vermietet bis zu siebzig Prozent. Das war natürlich Wucherei, aber die Leute konnten nicht anders, sie mußten es machen . . . da hat da . . . zu diesem Zweck haben wir Fiskale geschickt . . . Fiskale . . . die Übersetzung sind . . . Schrecker ? Hilde Streit: Fiskale ist auf der ganzen Welt . . . ist das richtig . . . nein Kontrolleure . . . Kontrolleure das ist es . . . die haben mit einer Zahluhr die Zahl der Besucher feststellen . . . und das war immer ne sehr unangenehme Sache, denn die . . . naja ich will darüber lieber nicht sprechen . . . es hat keinen Zweck . . . auf jeden Fall haben die Kompanien sehr gut verdient, sowohl an den Filmen, die zu Festpreisen vermietet wurden oder eben prozentual . . . das war unser Hauptberuf . . . die Festpreise festzusetzen . . . denn es gab Kinos . . . die hatten fünfhundert Plätze und wenig Einwohner und im Gegensatz zu anderen großen . . . die hatten eben viel mehr Besucher . . . und da wurden die Festpreise natürlich viel höher . . . gemacht . . . Haben sie sonst noch irgendwelche Fragen zu stellen? Frage: Ja, wie viele Kinos im Bereich waren. Rolf Arno Streit: “Es waren wohl . . . nicht Kinos . . . Plätze meinen sie . . . also Städte . . . Städte ja . . . das waren so annähernd hundert Städte, die wir von Minas Gerais . . . bearbeiten mußten . Carl Heinz Streit: “Ich glaub es waren mehr sogar”. Hilde Streit: ”Hunderzwei.” Carl Heinz Streit: “Es waren so hundertundsechzig meiner Ansicht nach“. Frage: Und wieviel Kinos gab es so in jeder Stadt? Kann man das so . . . Carl Heinz Streit: In den kleinen Städten ein Kino.  Rolf Arno Streit: “Wenn es zwei gab, dann wurde uns . . . viel . . . das sehr erleichtert . . . denn wenn der eine nicht zahlen wollte, dann ist man zum anderen gegangen und der hat dann überboten und der hat dann die Filme bekommen. Frage: Kann man sagen, daß es ungefähr zwei bis dreihundert Kinos . . . Carl Heinz Streit:” . . . In Minas Gerais? viel mehr . . . ”Rolf Arno Streit: “Sogar in . . . nur in Belo Horizonte gab es so annähernd . . . Carl Heinz Streit: “zwanzig . . . ”Rolf Arno Streit:” . . . zwanzig bis fünfundzwanzig Kinos . . . das ist Minas Gerais der zweitgrößte Staat von Brasilien . . . ich möchte sagen . . . das es so groß war . . . so groß ist wie Deutschland . . . Hilde Streit: “Größer . . . ” Carl Heinz Streit: “Ich glaube noch größer”. Frage: Die Bundesrepublik hat heute noch . . . ich glaube noch 3100 Kinos . . . wieviel? dreitausendeinhundert . . . in Deutschland? . . . Ja jetzt . . . in der Bundesrepublik. Rolf Arno Streit: ”Ja also ich kann es nicht genau sagen, wieviel es hier gibt, aber sicherlich nicht dreitausend . . . aber vielleicht sogar dreivierhundert . . . ich weiß es nicht genau, die wir zu bearbeiten hatten, ich sprech nicht von Brasilien sondern von nur vom Staate Minas Gerais . . . ” Frage: Sie sind nach dem Kriege 1952 wieder nach Deutschland gekommen um die Wiedergutmachung durchzusetzen. Können sie da mal nen bißchen was erzählen, wie das so passiert ist alles . .

Rolf Arno Streit: “Nein ich bin das erste Mal nach Deutschland gefahren . . . geflogen . . . 1949 . . . um die Wiedergutmachung zu regulieren . . . und hab mit Romahn und Schümann ein Abkommen getroffen, das Sass . . . Urich-Sass, also die Erben Urich-Sass . . . ein Drittel von allem was vorhanden war . . . auch was sie nachher an . . . an Wohnungen gekauft haben oder . . . gebaut haben . . . und ein Drittel Hugo Streit . . . die Familie und ein Drittel Romahn und Schümann zusammen. Das war eine aussergerichtliche Einigung . . . wenn sie das nicht gemacht hätten, dann wäre ich natürlich zu Gerichtsjustiz gegangen und hätte vielleicht mehr vielleicht weniger erfahren . . . aber es war ein günstiges Abkommen für beide Teile. Denn die Romahn und Schümann haben sich meinem Vater gegenüber bei der Ausreise . . . bei seiner Auswanderung anständig gezeigt . . . sie haben ihm Zuwendungen gemacht . . . die sie nicht nötig gehabt hätten . . . und da hat mein Vater zu mir gesagt . . . wenn du rüber fährst und die Sache in Ordnung bringst . . . berücksichtige dass . . . dass sie anständig gewesen sind . . . was ich auch getan habe . . . wir hätten natürlich alles haben können . . . übernehmen können . . . aber es war schon richtig so . . . (LKW Geräusch) . . . hinzukam, daß niemand von unseren Familien wieder nach Deutschland zurück gehen wollte, um die . . . um das Unternehmen zu führen . . . deshalb hab ich das so gemacht und das war auch im Einverständnis mit meinem Vater und meinen . . . den Urich-Saß Erben geschehen. Frage. Sie haben dann auch für den Manfred Hirschel noch ein Telefongespräch mit der Klara Esslen geführt über das Waterloo Theater . . . Können sie darüber noch mal was erzählen? Rolf Arno Streit: “Ja das Waterloo Theater gehörte irgendwie Manfred Hirschel . . . der ist verheiratet gewesen mit meiner Tante . . . der Schwester meines Vaters . . . und der bat mich als ich rüberging auch mal mit der Frau Esslen, die das Kino irgendwie bekommen hatte, wie weiss ich heute nicht mehr und mich mit der zu unterhalten zwecks Wiedergutmachung und diese Frau ist mir unverschämt gekommen und da hab ich das dann meinem Onkel geschrieben, dass ich leider für ihn nichts tun kann, denn ich hab genug mit meinen Sachen zu tun und außerdem ist sie unverschämt gewesen . . . hat mir gesagt . . . vorgelogen . . . Sachen, die ich nicht glaubte und mein Onkel, der hat später selbst die Sache durchgeführt und hat auch eine Entschädigung bekommen . . . Wie die gewesen ist, weiß ich nicht . . . ” Frage: Wenn sie heute beide an Deutschland denken . . . was . . . welche Gefühle haben sie da? Rolf Arno Streit: “Es war einmal sehr schön . . . sehr schön . . . wir sind in Deutschland geboren worden, waren Deutsche und obwohl schon in früheren Zeiten . . . ein Antis . . . ein gewisser Antisemitismus herrschte   . . . aber als dann die Nazis kamen . . . nicht wahr..und dann der Durchbruch des Antisemitismus gewesen ist . . . da war . . . da waren wir froh als wir draußen waren. Carl Heinz Streit: „Das was geschehen ist, das kann man nicht mehr vergessen. War zuviel und deswegen sind die meisten auch nicht wieder zurückgegangen nach Deutschland. Hilde Streit: „Nein, ich glaub, sehr wenige zurück gegangen nach Deutschland.“ Carl Heinz Streit: “Sehr wenige” Rolf Arno Streit: “Sehr wenig Leute . . . Juden sind zurückgegangen nach Deutschland. Einige, die nichts hier werden konnten sind zurückgegangen um dort Stellung zu bekommen . . . was vielleicht auch möglich gewesen war, aber die meisten sind hier geblieben, weil sie hier ihre zweite Heimat gefunden haben . . . . Hilde Streit: ”Wir sind zum Beispiel eine der wenigen, die überhaupt noch Deutsche geblieben sind, die anderen sind alle keine Deutschen mehr. Fast alle. Von unseren Bekannten bist du wir und Einsturz aus . . . ” Rolf Arno Streit: “ . . . naja aber es gibt natürlich diverse Deutsche, die wir nicht kennen, die auch Deutsche geblieben sind . . . also deutsche Juden . . . sind Deutsche geblieben. Aber wenig. Wir haben das Recht, das brasilianische Recht erworben durch unsere Anwesenheit von über fünfzig Jahren hier und wir haben ausserdem noch die Möglichkeit nach Deutschland zu reisen . . . ohne Visum und so weiter . . . Carl Heinz Streit: “Wir haben ausserdem brasilianische Kinder . . . ich persönlich bin mit einer Brasilianerin verheiratet . . . wir haben so gut wie die selben Rechte (lauter LKW) eines Brasilianers Frager: Bitte noch mal ohne LKW Carl Heinz Streit: ”Wo wo soll ich anfangen?” Hilde Streit: ”Das du ne brasilianische Frau hast . . . ne Carl Heinz Streit: ”Außerdem haben wir brasilianische Kinder und ich persönlich bin mit einer Brasilianerin verheiratet und dadurch haben wir die selben Rechte wie ein Brasilianer. Nur das wir nicht Präsident der Republica werden können . . . Präsident von Brasilien . . . Hilde Streit: “Man kann auch kein Briefträger werden. Irgend etwas kann man nicht werden, was sehr wichtig ist. Rolf Arno Streit: ”Auf jeden Fall haben wir sehr viel mit durchgemacht, besonders deswegen . . . besonders in den Jahren als meine Eltern noch nicht hier waren. Es wurde ja immer schlimmer und schlimmer und mein Vater wurde gehetzt von der Gestapo und hat sich geflüchtet auf Landstrassen und auch auf Böden von Freunden . . . Boden heisst das da oben . . . ganz oben . . . da hat er geschlafen . . . er hatte einen Bekannten bei der Gestapo war, der ihm gut gesonnen war und der hat ihm immer berichtet, wenn er weggehen müßte, denn es kam eine . . . Nazi . . . Nazi Razzia und die wollten ihn abholen . . . da ist er gottseidank . . . dem ist er gottseidank entgangen eben durch diesen Bekannten bei der Gestapo . . . wenn ich den Namen wüßte würde ich ihn sagen, um ihm nochmal zu danken für alles . . . das was er für meinen Vater getan hat . . . er wird aber gar nicht mehr leben . . . und dadurch hat mein Vater sich gerettet vor dem Konzentrationslager. Ja “(Autogeräusche) Hilde Streit: “Sonst ist es eigentlich leiser hier”. Frage: Sonst hört man es vielleicht nicht so, wenn man nicht darauf achtet. Hilde Streit: “Dann finde ich es immer leiser als bei uns”. Carl Heinz Streit: “Bei uns hinten hört man überhaupt nichts “ (Warum sind wir da damals nicht hingegangen?) Frage. Wie oft waren sie jetzt nach dem Kriege in Deutschland? Rolf Arno Streit: “Ich war nach dem Kriege sieben oder achtmal in Deutschland, fünfmal wegen der Wiedergutmachungsgeschichten und Hilde Streit: Wie oft waren wir da . . . Rolf Arno Streit: Das darfst du ja nicht sagen. Hilde Streit: „Warum nicht?“ Rolf Arno Streit: “ . . . (lacht) und flüstert . . . weil wir noch eine Einreise haben wollen.“Hilde Streit Achso.(lacht) Rolf Arno Streit: „Bringen sie das bitte nicht mit rein.(lacht)“ Hilde Streit: „Achja wir wollen ne Einreise haben“ Frage: Es gibt doch so Einladungen auch . . . Hilde Streit: „Ne Einladung vom Senat.“ Frage: Die haben gerade dieses Jahr wieder so ein Programm aufgelegt. Hilde Streit: „Ja eben, denn fahren wir wieder hin.“ Rolf Arno Streit: „Ja ich persönlich hab geschrieben, ich war schon in Deutschland . . . und deshalb würde mir das nicht . . . beschieden . . . aber meine Frau . . . die noch nicht in Deutschland war. (Hilde Streit lacht) wird . . . da meine Frau noch nicht in Deutschland war . . . “ Hilde Streit: „Das ist doch gar nicht mehr drauf.“ Rolf Arno Streit: „Natürlich ist das drauf“ Hilde Streit: „Achja.“ Frage: Wir legen das da nicht vor. Hilde Streit: „Das wird abgeschnitten.“ Rolf Arno Streit: „Da meine Frau noch nicht in Deutschland war, hoffe ich vielleicht durch sie meine neue Einreise zu bekommen.. (lacht) ich persönlich würde so gerne meine Spesen übernehmen, wenn der Senat sie für meine Frau übernimmt“ (LKW Geräusche) Frage. Über den Spesen war der LKW drüber . . . Ich sag . . . über den Spesen war der LKW drüber . . . Rolf Arno Streit: LKW ? Frage: Lastkraftwagen . . . ich weiß nicht wie sie das Dietmar Bruns: Camioao Hilde Streit: Camiao Er spricht ja perfekt Portugisiesch. Rolf Arno Streit: „Soll ich das wiederholen?“ Hilde Streit: „Lieber nicht.“ Rolf Arno Streit: „Ist schon drauf? Ajah Haben sie sonst irgendwelche Fragen zu stelle?“ Frage: Was wir vorhin ja nicht hatten, war den Eisenstein . . . das wir darüber vielleicht noch mal reden, das der Eisenstein ja mit dem Potemkin . . . in den Schauburgen gezeigt hat und das es ja bei der Ufa mehr sone . . . nationale Ausrichtung gab . . . das man so bestimmte Filme nicht mehr gezeigt hat . . . später . . . es gab später “Im Westen nichts neues” der durfte ja bei der Ufa nicht gezeigt werden und der lief dann in den Schauburgen, wissen sie darüber irgendwas noch? Rolf Arno Streit: “Im Westen nichts neues“ war wohl einer der größten Filme, der je hergestellt wurde und ich glaube, er wurde in den Schauburgen gezeigt, aber ich kann das nicht mit Bestimmtheit behaupten . . . ich entsinne, das wir den Film gesehen haben in London . . . wir sind . . . mein Vater hatte eine Einladung bekommen nach London zur Eröffnung eines . . . des größten Theaters von London . . . ich glaub es hieß Empire Palace . . . da wurde der Film “Im Westen nichts neues” “Gone with the wind” aufgeführt Hilde Streit/ Carl Heinz Streit: „Das ist “Vom Winde verweht” Rolf Arno Streit: „Ach das ist Vom Winde verweht. Wie hieß denn der im Westen nichts neues auf Englisch?“ Frage: “All quiet at.” Carl Heinz Streit: “All quiet at the on the eastern front” . . . Hilde Streit: “Und warum durfte das nicht aufgeführt werden? Frage: Das war . . . nicht national gesonnen . . . die haben behauptet das war Gegenpropaganda. Carl Heinz Streit: Remarque Remarque. Rolf Arno Streit: “Ich glaub es war der Film, vielleicht war es auch Gone with the wind . . . ich weiss es nicht. Carl Heinz Streit: „Der kam später, den haben wir in Brasilien gesehen. Hilde Streit: „Ja den haben wir in Brasilien gesehen“ Rolf Arno Streit: „Ja also es war der Film im Westen nichts neues mit dem der . . . mit dem das neue Kino in London eröffnet wurde, da sind wir rübergefahren . . . das entsinnst du noch . . . ” Frage: Ich hab noch eine ein bißchen schwierige Frage. Wie das mit dem Antisemitismus in Deutschland los ging . . . wie ist das bei ihnen gewesen . . . ich mein mehr so das religiöse . . . war das jüdische ne Religion oder war das ne bestimmte Weltanschauung oder waren sie mehr Deutsche oder . . . Rolf Arno Streit: “Wir waren mehr Deutsche als Juden. Wir sind sehr . . . frei . . . liberal erzogen worden, aber wir waren bewußte Juden . . . wir waren wie man sagt Zweitagjuden . . . wir sind nur zweimal im Jahr in die Synagoge gegangen . . . das war zum Neujahrsfest und zum Versöhnungsfest . . . Roshoshone (Schreibweise?) war das Jahresfest und Jomkippur (Schreibweise?) war das Versöhnungsfest . . . oder ist das Versöhnungsfest das auch hier gehalten wird in Brasilien. Aber wir hatten natürlich Unannehmlichkeiten . . . in Deutschland . . . ich hatte eine ziemliche Affäre wegen eines christlichen Mädchens und . . . hatte dadurch sehr große Unannehmlichkeiten . . . (LKW Geräusche) über die ich mit nicht auslassen möchte. Auf jeden Fall . . . die Nazis waren hinter mir her und ich konnte nur durch Selbstverteidigung dem Schlimmsten entziehen . . .  Frage: Wie war das in der Familie ihres Großvaters . . . War das stärker oder weniger stark? Rolf Arno Streit: “Sie sprechen jetzt von der Religion, von der Religiösität? Meine Großmutter war eine sehr religöse Jüdin, mein Großvater nicht. Aber meine Großmutter hatte auch einen jüdischen Haushalt, es wurde dort nur koscher gegessen . . .Hilde Streit: „Haben sie erzählt mit dem Schweinefleisch? . . . “ Rolf Arno Streit: ” . . . ja und mein Großvater, der war sehr . . . sehr wenig religiös . . . und aß sehr gerne Schweinefleisch . . . das kam zweimal im Jahre vor . . . das meine Großmutter von Morgends bis Abends . . . eben an den gehobenen Feiertagen in der Synagoge gewesen ist . . . dann ist er schnell ins Restaurant gegangen und hat dort wunderbares Schweinefleisch gegessen . . . (lacht) Ja . . . Was wollen sie sonst wissen?” Wollt ihr ein bisschen stehen . . . Pause 31. 07. 1990

Rolf Arno Streit am Klavier: Aus Werbezwecken hat man einen Schlager gemacht, den Schauburg Schlager, der den Zuschauern . . . ne ich hab falsch gemacht, können wir noch mal machen?  Ich werde ihnen jetzt den Schauburg Schlager vorspielen, der aus Werbezwecken gemacht worden ist Klavier Rolf Arno Streit singt: Kinder seid vernünftig lasst die Frau durch denn sie will noch schnell mal in die Schauburg.  Klavier Ende Wiederholung Ich werde ihnen jetzt den Schauburg Schlager vorspielen, der aus Werbezwecken gemacht worden ist. Kinder seid vernünftig lasst die Frau durch, denn sie will noch schnell mal in die Schauburg Wiederholung Ich werde ihnen jetzt den Schauburg Schlager vorspielen, der aus Propagandazwecken gemacht worden ist. Kinder seid vernünftig lasst die Frau durch, denn sie will noch schnell mal in die Schauburg. Frage: Herr Streit sie hatten erzählt, als im Februar 1927 die Schauburg Millerntor eröffnet wurde da kam Henny Porten nach Hamburg, können sie das noch mal erzählen wie das war? Rolf Arno Streit: „Ja Henny Porten kam nach Hamburg um die Schauburg Millerntor zu eröffnen. Da haben wir sie abgeholt am Hauptbahnhof. Das war eine Menschenmenge unvorstellbar . . . nachher schrieben die Zeitungen, dass der Bahnhof mehr besetzt war von Menschen als bei der Ankunft von dem Reichspräsidenten Ebert. Ja und dann ist die Henny Porten . . . hat da ein paar Worte gesprochen in der Millerntor Schauburg und das war der Anfang der Schauburg.“ Frage: Wissen sie noch, wie der Film hiess in dem sie da gespielt hat? Rolf Arno Streit: Nein, das weiss ich nicht. Das weiss ich nicht. Frage: Dann sind ja auch in den Schauburgen die Filme von dem Eisenstein gezeigt worden. Können sie das noch mal erzählen? Rolf Arno Streit: „Von Eisenstein ist gezeigt worden . . . wie ich erinnere . . . der Film . . . der Film Potemkin . . . sonst wüßte ich nicht, welche Filme dort aufgeführt worden sind.“ Frage: Wollt ich noch mal nachfragen . . . es lief ja (Flugzeug) . . . es lief ja in den Schauburgen auch der erste Tonfilm . . . dieser Ton war ja nicht sehr lang. Können sie mal sagen wie das ausgehen hat? Rolf Arno Streit: “Der Film hiess “Ich küsse ihre Hand Madam” mit Harry Liedtke und Marlene Dietrich. Innerhalb des Films wurde dann das Lied gesungen . . . vom Blauen Engel ne . . . ich weiß nicht mehr genau . . . es wurde ein Lied gesungen . . . der nicht nachher wie die allgemeinen Tonfilme gespielt ist sondern durch Grammophonübertragung.“ Carl Heinz Streit: „Plattensystem Plattensystem . . . nachher kam das Optik System auf Das war der Jazzsinger mit Al Jolson.“ Frage: Wann war das? Carl Heinz Streit: „Das war gleich danach . . . ich weiss nicht mehr welches Jahr es war.“ Frage: Das war denn schon der richtige Tonfilm. Carl Heinz Streit: „Das war der richtige Tonfilm . . . der optische Tonfilm ja . . . der erste optische Tonfilm“. Frage: Das hat ja bestimmt damals auch ne Menge Geld gekostet. Wissen sie was sowas kostete . . . son Tonfilmapparatur? Carl Heinz Streit: „Die Tonfilmapparatur . . . nein das weiß ich nicht.“ Rolf Arno Streit: „Ja die waren irrsinnig teuer. Wenn . . . das war die erste Schauburg, die damit ausgerüstet . . . die . . . die Tonfilmübertragung gehabt hat.“ Carl Heinz Streit: „ Die optische.“Rolf Arno Streit: „Und dann hintereinander wurden die anderen Schauburgen auch damit . . . versehen . . . Aber wie teuer das war . . . das war ein ungeheurer . . . ungeheuer teuer . . . aber wie teuer kann ich leider nicht mehr sagen. Frage: Es gab ja lange auch einen Streit zwischen den Stummfilmleuten und den Tonfilmleuten und die Stummfilmleute haben ja immer gesagt, das wär gar keine Kunst, das wär irgendwie nur . . . irgendwas anderes. Rolf Arno Streit: „Nun naja . . . die sind mit ihrer Meinung ja nicht durch gekommen denn jetzt gibt es ja nur noch Tonfilme . . . Also das glaub ich nicht, das die damit durch gekommen sind . . . Das so etwas existiert hat, das erinner ich auch . . . aber wird naürlich sofort abgeblasen

Frage: Es gab dann noch . . . den Film ”Im Westen nichts neues” über den ersten Weltkrieg . . . ein amerikanischer Film, der in den Ufa Kinos weder synchronisiert noch gezeigt werden durfte oder sollte. Und der ist ja in den Schauburgen gelaufen . . . Können sie darüber noch mal was sagen: Rolf Arno Streit: „Ja das war ein großer Erfolg . . . aber . . . viel mehr kann ich auch nicht darüber sagen. Er wurde in den Schauburgen gespielt und das weiss ich, das erinner ich, daß mein Vater uns sagte . . . es war ein ganz großer Erfolg . . .  “ Frage: Zur Premiere waren sie . . . waren sie . . . zur Premiere des Films . . . Rolf Arno Streit: „Sicher waren wir zur Premiere des Films . . . aber Einzelheiten kann ich nicht sagen . . . denn das liegt ja schon viele . . . viele Jahre zurück“. Frage: Herr Streit . . . können sie noch mal erzählen, wie sie von Rio nach Belo Horizonte gekommen . . . wann das war.Rolf Arno Streit: „Wir sind angekommen . . . das sagte ich schon im Jahre 1936 . . . mein Bruder und ich . . . Später sind meine Eltern gekommen . . . im Jahre 1938 . . . und wie bekannt ist Rio eine der heißesten Städte der Welt . . . wir haben hier im Sommer . . . Hitze . . . bis zu über 40 Grad im Schatten . . . das konnten meine Eltern nicht vertragen . . . deshalb sind wir nach Belo Horizonte übersiedelt, welches ungefähr achthundert Meter hoch liegt und dadurch . . . einen Filter . . . ein besseres Klima hat. Ich will ihnen jetzt mal kurz mal Belo Horizonte zeigen, was wir von oben hier sehen können.Hier das ist Belo Horizonte (Die sagen immer bello).“ Frage: So sah es doch 1941 bestimmt noch nicht aus . . . das war . . . Rolf Arno Streit: Das möchte ich noch mal sagen. Belo Horizonte, als wir hierher kamen 1941 . . . hat circa hundertfünfzigtausend Einwohner . . . jetzt . . . hat Belo Horizonte etwa drei Millionen Einwohner . . . also ist größer als Hamburg . . . . . . . . . . . . Pause . . . . . . Fotoansichten Carl Heinz Streit: „Dieses Foto ist aufgenommen bei dem Fotografen Bieber, der einstmals der größte Fotograf in Hamburg war. Dies ist mein Vater, dies ist mein Bruder Rolf und dies bin ich. Wie sie sehen habe ich vergessen, das Taschentuch in die Tasche zu stecken und hab dadurch von meinem Vater eine große Tadelung bekommen . . . (Wiederholung) Das hab ich ihnen dann zugedacht. Carl Heinz Streit: „Dieses hier ist die Familie Urich-Saß . . . Mein Onkel Hermann Urich-Saß, meine Tante Hedwig Urich-Saß, meine Cousine Vera . . . schon verstorben . . . mein Vetter Horst Urich-Saß und mein Vetter Jürgen Urich-Saß . . . auch schon verstorben . . . „Wiederholung Carl Heinz Streit: „Dies ist die Familie Urich-Sass . . . Das ist meine Tante Hedwig Urich-Saß . . . schon verstorben, das ist die Tochter Vera . . . auch schon verstorben . . . mein Onkel Hermann Urich-Saß verstorben . . . Jürgen Urich-Saß . . . auch verstorben . . . der einzige überlebende der Familie ist mein Vetter Horst Urich-Saß, der in Mexiko und in den Staaten lebt.“Jetzt kommt das nächste Foto Carl Heinz Streit: „Dieses sind meine Eltern, mein Vater und meine Mutter. Beide auch schon verstorben.“ Dies sind meine Großeltern Frida Henschel und Jeremias -genannt James Henschel . . .Eins ist da noch zwischen . . . ein Kinderfoto „Dies ist mein Bruder Rolf Arno Streit und dies bin ich Carl Heinz Streit . . . das ist aufgenommen vor circa . . . 70 Jahren . . . aufgenommen vor circa 70 Jahren . . . (1990) Rolf Arno Streit und Carl Heinz Streit (ca. 1920)Da war ich sieben . . . und mein Bruder 6 Jahre alt“. Etwas älter. Rolf Arno Streit: Mein Bruder ist ja ein Jahr älter als ich . . . Der Bruder oder selbst. Rolf Arno Streit: „Jein . . . mein Bruder ist ja ein Jahr älter als ich . . . der kann ja nie jünger werden . . . Gut ja . . . „Das Bild mit dem Motorrad.Aber das ist aber so klein. Geht los. Hilde Streit: „Also ich bin einmal . . . einmal in meinem Leben Motorrad gefahren hab keine Ahnung gehabt und der hinter mir gesessen hat hat immer gesagt bremsen und dann hab ich nicht gewußt, wie zu bremsen und hab immer mehr Gas gegeben . . . Frage:  Das Foto ist in Hamburg aufgenommen?. Hilde Streit: „Ja ist in Hamburg aufgenommen worden . . . aber wo kann ich nicht mehr sagen —„Rolf Arno Streit: „Bebelallee ? Wie lange muß das her sein, Hansa Strasse?“ Rolf Arno Streit: Dieses Bild ist aufgenommen auf der Hochzeitsfeier von meiner Tante Grete und von dem Onkel Hermann . . . der ist vielleicht fünfundzwanzigsechsundzwanzig Jahre alt gewesen und meine Tante war ja in den zwanziger . . . Anfang zwanzig . . . sie war die Schwester meiner Mutter . . . ist leider beim ersten Kind verstorben . . . bei der Geburt des ersten Kindes . . . Dies hier ist mein Großvater James und meine Großmutter Frida . . . Dies hier ist mein Vater Hugo Streit . . . und meine Mutter Sophie Streit . . . Hier ist ein Familienbild der Familie Streit . . . das wurde aufgenommen in . . . soweit ich erinnere in den Schauburg Studien . . . es war ein Freund meines Vaters . . . der in den Schauburgen . . . in den Läden der Schauburgen Fotoateliers betrieb . . . Auf diesem Bild sehen sie die ganzen Brüder meines Vaters . . . hier mein Vater . . . hier ein Bruder Max ein Bruder Richard , Bruder Albert . . . ein Bruder John . . . das war der älteste . . . Frauen und die Kinder . . . hier ist die Schwester Grete Hirschel mit ihrem Mann . . . und hier ist noch Franz Traugott, der Prokurist meines Vater geworden ist . . . mit seiner Frau Bianca . . . die vor einigen Jahren mit neunundneunzig . . . Jahren gestorben ist . . . . Hier sind lauter . . . Frage: Den Manfred . . . ist der auch da drauf zu sehen . . . Manfred Hirschel . . . Ist der Manfred Hirschel auch da drauf zu sehen? Rolf Arno Streit: „Hier ist Manfred Hirschel . . . Dies hier ist ein Familienbild der Familie Streit.Und zwar wurde das aufgenommen . . . wenn ich mich nicht irre . . . zum siebzigsten Geburtstag meines Großvaters Jakob Streit . . . Hier sehen sie meine Eltern . . . mein Vater Hugo Streit und meine Mutter . . . hier bin ich . . . schlecht getroffen . . . hier ist Max . . . Richard . . . Albert . . . John . . . Bianca . . . und Grete . . . alles geborene Streits mit ihren Männern . . . hier sitzen die ganzen Kinder . . . also meine Cousinen und meine Cousins . . . hier ist mein Bruder noch zu sehen. ,, . . . Dies hier ist auf dem Eiffelturm . . . hier sitzt meine Mutter . . . mein Vater . . . mein Bruder Carl Heinz und ich . . . das sind die ersten langen Hosen . . . die wir in Paris von meinen Eltern geschenkt bekommen haben . . . das erinner ich noch . . . hier auf diesem Bild sehen sie meine Großeltern Frida Henschel und James Henschel . . . mit ihrer Tochter Bianca Henschel . . . aufgenommen in Wiesbaden . . . Die ist ein Familien . . . dies ist ein Bild meiner Eltern mit meiner Großmutter . . . “ LKW nochmal alles ? Frage: nur das letzte.Bild Rolf Arno Streit: „Dies ist das Bild meiner Eltern, mein Vater . . . meine Mutter . . . meine Großmutter Frida Henschel . . . und weitläufige Verwandte . . . im Hintergrund sehen sie unseren Cadillac Wagen . . . das war der erste Cadillac von Hamburg . . . und hatte Aufsehen erregt . . . hier ist noch zu sehen unser Chauffeur . . . .Ja das ist mein Vater . . . Auf diesem Bild sehen sie meinen Vater im Hintergrund ein Flugzeug . . . wo das gewesen ist, kann ich ihnen leider nicht mehr sagen .. . . dies sind meine Eltern Hugo Streit und Sophie Streit mit der Schauburg Zeitung . . . Jedes Kino . . . jedes Kino . . . also jede Schauburg hatte eine . . . hat eine . . . hat eine Zeitung bekommen . . . die gleichzeitig ein Programm von dem jeweiligen . . . Film . . . enthalten hat . . .  Hier sehen sie mein Vater Hugo Streit . . . und Hermann Urich-Saß . . . sein Kompagnon . . . die beiden haben die Schauburgen und den ganzen Konzern gemeinsam aufgebaut . . . Auf diesem Bild sehen sie meine Großeltern Frida und James Henschel . . . mein Vater . . . Hugo Streit und meine Mutter Sophie Streit . . . am Europäischen . . . vor dem Europäischen Hof in Baden Baden . . . Auf diesem Bild sehen sie unser Haus in der Rothenbaumchaussee . . . im Vordergrund stehen . . . steht die Familie . . . und hier ist der Cadillac . . . noch einmal richtig zu sehen . . . .Dies ist ein Bild aufgenommen in Rio de Janeiro . . . da sind wir soweit erinnerlich nach Petropolis raufgefahren . . . dies ist meine Frau und dies bin ich . . . Rolf . . . auf diesem Bild sehen sie mein Hochzeitsbild mit meiner Frau . . . die in Holland in Haag . . . gefeiert wurde . . . weil ich seinerzeit nicht mehr nach Deutschland zurückkehren konnte . . . ohne Gefahr zu laufen ins Konzentrationslager zu . . . zu kommen. Da haben wir bei meiner Tante, die damals in Holland lebte . . . Bianca . . . unsere Hochzeit gefeiert . . . Zu der Hochzeit sind die ganzen Verwandten . . . auch meine Großeltern . . . James und Frida . . . auch meine Eltern und die Eltern meiner Frau herübergekommen . . . Tja . . . dies ist ein kleines Bild in Monte Carlo aufgenommen . . . ich ersehe daraus nur . . . mein Großvater James und meine Großmutter Frida . . .  ein Moment . . . Alte Postkarte Cap Norte Dies ist ein Bild von der Cap Norte . . . das Schwesternschiff von der Cap Polonio . . . mit dem wir . . . meine Frau und ich nach der Hochzeit wieder zurückgefahren sind nach Rio . . . zurück bin nur ich gefahren . . . meine Frau habe ich aber mitgenommen . . . Hilde Streit: Dankeschön (lacht) . . . . . . Dies war auch ein Bild . . . hier ist der Betrüger drauf . . . das will ich gar nicht zeigen . . . Frage: Das ist auch von der Überfahrt. Rolf Arno Streit:“ . . . das ist auch der Betrüger drauf.“ Frage: Dann machen wir die Zwischenstation in Portugal noch. Rolf Arno Streit: Was ist das denn . . . Frage: Portugal. Rolf Arno Streit: „In Lissabon Sierra Campus . . . 1937 . . . Auf diesem Bild . . . soll ich anfangen . . . Auf diesem Bild sehen sie meine Großeltern Streit Jakob und Trude . . . .(Strassenbahngeräusche) . . . Auf diesem Bild sehen sie meine Eltern auf der Cap Polonio . . . sie besuchten uns zu jener Zeit in Rio . . . sie besuchten uns im Jahre 1937 . . . nein das kann nicht sein . . . sie sind damals aus Amerika zurück gekommen . . . ich entsinne das nicht mehr ganz genau. . . Hier sehen sie meine Eltern Hugo und Sophie Streit mit den Eltern meines Vaters Trude und Jakob Streit . . . mein Bruder Carl Heinz und ich als der jüngere . . . auf dem Bild erscheine ich der Höhe wegen als der ältere . . . aber in Wirklichkeit bin in der jüngere   . . . hier auf diesem Bild sehen sie meinen Bruder mit seiner Amme . . . das bin ich . . . da . . . da arische Musiker nicht mehr für Juden spielen durften . . . spielen durften haben wir eine jüdische Kapelle gegründet . . . . den Namen Catus . . . ich war der Kapellmeister . . . dies sind alles jüdische Musiker . . . wir spielten sehr viel auf jüdischen Festen . . . privater Natur und auch . . . entsinne ich ein Henry Jones Logenball . . . Henry Jones Logenball . . . Hernry Jones Loge war eine jüddische Loge und die hat dann jedes Jahr ein großes Fest gegeben auf dem wir gespielt haben . . .  Frage: Buenos Aires steht da hinten drauf. Rolf Arno Streit: Buenos Aires . . . die haben gar nichts mit uns zu tun . . . : Ja dann sind wir durch. Frage. Das ist auch schon Buenos Aires Rolf Arno Streit: „Nein das ist Travemünde. Travemünde . . . Ah ja . . . (Hundegebell im Hintergrund) Rolf Arno Streit: „Auf diesem Bild sehen sie wie die Menschen früher am Strand angezogen waren. Dieses Bild zeigt den Strand von Travemünde. Mein Vater im Badeanzug meine Mutter in der Badeho . . . anzug. Mein Onkel . . . alle gut gekleidet . . . hier bin ich und hier ist mein Bruder Carl Heinz Das ist 19 . . . und etwa 1913 gewesen . . . so ging man an den Strand . . . ne eben nicht . . . ich hab mich geirrt . . . es waren keine Badeanzüge . . . es waren Anzüge mit steifen Kragen . . . Eckenkragen . . . meine Mutter in einem eleganten Sommerkleid . . . mit Hut und die Amme hier mit dicken Brüsten zu sehen. Frage: Und das andere Foto . . . können wir das noch sehen?Rolf Arno Streit: „Hier sehen sie wiederum am Strand von Travemünde die ganze Familie in ihren besten Kleidungsstücken . . . „Frage. Da waren laute Kinder, wollen wir das noch mal haben ja einmal Rolf Arno Streit: „Auf diesem Bild sehen sie die ganze Familie wie sie damals vor circa achtzig Jahren am Strand von Travemünde . . . erschienen.“ Hilde Streit: „Jetzt wenn sie in Rio sehen . . . wie die Leute da schwimmen . . . „Frage: Ich glaube, das genügt auch. Ist es alles schön Herr Kameramann? Brasilianisch wird jetzt geredet. Die Fragen stellte Jens Meyer, Kamera hat Dietmar Bruns gemacht

Das Interview mit Rolf Arno Streit, Hilde Streit und Carl Heinz Streit fand am 30. und 31. Juli 1990 in Belo Horizonte, Brasilien statt. Rolf Arno und Carl Heinz Streit sind die beiden Söhne des Kinobesitzerehepaars  Sophie (geb. Henschel)  und Hugo Streit, der zusammen mit seinem Kompagnon Hermann Urich Sass den Henschel Film und Theaterkonzern leitete und besaß. Das Unternehmen wurde in der Nazizeit enteignet (arisiert  nannten die deutschen Nazis das Verfahren). Die Nutzniesser hießen Paul Romahn und Gustav Schümann, ehemalige Angestellte des Henschel Film und Theaterkonzerns.

Interview Jens Meyer

Anmerkung 2017. Der Mann, der  Carl Heinz Streit in Brasilien sofort angestellt hat, war Al Szeckler (in dieser Schreibweise). *Al Szeckler war Direktor der Firma Universal Film SA Brasilien. Jens Meyer 2020

Belo Horizonte 31. Juli 1990. Von links nach rechts: Carl Heinz Streit, Rolf Arno Streit und seine Ehefrau Hildegard Käthe Streit, geb. Sochaczewer, geb. am 9. August 1913, gest. 1993. Foto Jens Meyer

Belo Horizonte Brasilien 1990

ENDLICH DIE WAHRHEIT ÜBER REMARQUE von Kaspar Hauser

ENDLICH DIE WAHRHEIT ÜBER REMARQUE von Kaspar Hauser

Seit Monaten heult die berliner Asphaltpresse Reklame für ein widerliches Machwerk von Erich Maria Remarque, dessen Titel >Im Westen nichts Neues< übrigens der Obersten Heeresleitung entlehnt ist (Herr Staatsanwalt?) – und das den Krieg so schildert, wie er sich eben nur in den Köpfen typischer Drückeberger malt. In der nächsten Nummer der >Süddeutschen Monatshefte< wird über diesen Landesverräter endgültig die Wahrheit enthüllt; die Angaben sind von Herrn Professor Cossmann überprüft, daher fast zuverlässig. Durch die besondere Freundlichkeit des Verlages der Monatshefte sind wir in der Lage, unsern Lesern schon heute mit Aufklärung dienen zu können.

Erich Salomon Markus – so ist der Name dieses Judenknäbleins – war lange Zeit hindurch kleiner Synagogendiener der jüdischen Synagoge in der Oranienstraße zu Berlin (sog. >Salatschammes<). Geboren ist dieser Sproß Judas in Zinnentzitz in Schlesien, wo sein Vater, Abraham Markus, eine – koschere Schlächterei hatte. (Merkst du was?) Die Jahre, in denen Tateleben Markus dort sein edles Gewerbe ausübte, sind dadurch gekennzeichnet, dass während dieser Zeit auffallend viel Christenkinder in der Umgegend verschwanden; sie wurden zwar bald nach ihrem Verschwinden immer wieder aufgefunden, aber es ist niemals (! die Red.) festgestellt, ob es auch dieselben Kinder waren!

Eine Mutter hat Erich Salomon Markus nie gehabt; es werden, wie das bei jüdischen Familien üblich ist, auf seinem Taufschein zwei Mütter vermerkt, eine gewisse Sarah Bienstock und eine unverehelichte (!!) Rosalie Himmelstoß (wir werden auf diesen Namen noch zurückkommen).

Im Alter von neun Jahren trat der kleine Markus seinen >Dienst< in der oben erwähnten Synagoge an; er hatte dort die Lichter anzuzünden, die Bibeln abzustauben und, was sehr wichtig für die Beurteilung seiner spätem Entwicklung ist, die Judenknäblein bei der Beschneidung festzuhalten. Bei dieser Gelegenheit soll durch seine Unachtsamkeit der Sohn eines bekannten berliner Warenhausbesitzers doppelt beschnitten worden sein, weswegen der Markus aus dem Synagogendienst entfernt wurde.

Salomon Markus trieb sich zunächst stellungslos in Berlin umher; er versuchte beim Theater unterzukommen und soll auch bei seinem Rassegenossen Reinhardt mehrere Male alle Titelrollen in den Brechtschen >Verbrechern< gespielt haben. Ferner war der junge Markus in Berlin als Bonbonhändler, Zuhälter, Hundehaarschneider und Redakteur tätig. Markus ist Freimaurer und Jesuit.

Es kam der Krieg.

Markus zog ins Feld; das heißt, er war der berittenen Armierungstruppe zugeteilt, konnte aber wegen einer Krankheit, die wir hier nicht näher bezeichnen wollen, keinen Dienst tun und wurde daher im Hinterland verwendet. Durch eine unbegreifliche Unachtsamkeit der Militärbehörden ist Markus als Schreiber im Hauptquartier Seiner Majestät des Kronprinzen beschäftigt worden; er hat also den Feind niemals auch nur von weitem gesehen.

Nach dem Kriege hat er sich in Osnabrück als Damenschneider niedergelassen, dann war er Hilfsbremser am jüdischen Leichenwagen in Breslau und ist später nach Hannover gegangen; Professor Cossmann läßt die Frage offen, ob Markus etwa Haarmann gekannt und vielleicht auch unterstützt hat . . .

Und dieser miese Baldower wagt es, für die Asphaltpresse einen Bericht zu verfassen, dem die Lüge an der Stirn geschrieben steht! Nicht nur, dass er den Namen seiner eigenen Mutter (Himmelstoß) in seinem Buch verwendet, um einen Vorgesetzten verächtlich zu machen (Herr Staatsanwalt?) – sondern er beschuldigt auch die deutschen Soldaten grausamer Handlungen, deren sie niemals fähig gewesen sind; denn der deutsche Soldat war bekannt für schmerzlosen Nahkampf und humanes Trommelfeuer. Davon weiß natürlich der Salomon Markus nichts; während vorn seine Kameraden mit dem Gesang >Deutschland, Deutschland über alles!< gen Paris zogen, um es zu besetzen, es aber leider schon besetzt fanden, hat der Jude Markus hinten geschlemmt und gepraßt; in der Umgebung des kronprinzlichen Hauptquartiers fanden sich bei Abmarsch der deutschen Truppen allein vierundachtzig uneheliche Kinder – und wer anders kann die gemacht haben als Markus –!

Gott sei Dank hat das Buch durchaus keinen ungeteilten Beifall gefunden.

Es sind insbesondere die deutschen Frauen, die wissen, was sich ziemt. Ihnen haben wir zu danken, dass sie die heldischen Deutschen von den unheldischen Undeutschen zu unterscheiden wissen; sie sind es, die zu Siegfried Hagen & Co. aufsehen und den andern Helden unsrer echt deutschen Sagen. Die deutsche Frau will – das haben wir erst neulich in Berlin auf einem Klubabend mit Freude und Begeisterung festgestellt – zu einem Helden aufblicken.

Es kommt der deutschen Frau, wie an jenem Abend ersichtlich war, nicht so sehr darauf an, dass ihr Mann lebt, sondern dass er als Held stirbt, und ist sie bereit, mit dem Ruf >Ich sterbe!< jedesmal mitzusterben, und wenn sie zehnmal heiraten müßte! An der Länge des Säbels ernennt man u. a. den Charakter des Mannes, und die deutsche Frau will, dass ihrem Mann der Sinn stehe für und für, sein Vaterland zu verteidigen, und wenn es nicht angegriffen wird, dann werden wir dafür sorgen, dass es angegriffen wird! (Ein deutsches Wort! Die Schriftleitung.) >Für mich<, sagte uns neulich eine edle deutsche Frau, die Gattin eines höheren Beamten, >gibt es keinen schönem Augenblick in unsrer Ehe, als wenn ich Männi die Uniform zuknöpfen sowie auch aufknöpfen kann. Dies Gefühl ist unbeschreiblich.<

Salomon Markus aber ist gerichtet. Sein Werk ist durch die unvergängliche Veröffentlichung der >Süddeutschen Monatshefte< als das gekennzeichnet, was es ist: als eine vom Feindbund und den Marxisten bezahlte Pechfackel, die dem blanken Panzer der deutschen Wehrhaftigkeit nicht das Wasser lassen kann –!

K. H. (Kaspar Hauser). Erstveröffentlichung in W.B. (Die Weltbühne) vom 11. Juni 1929. Ausserdem in der Buchveröffentlichung Dt. Dt. (Deutschland, Deutschland über alles). Zitiert nach der Gesamtausgabe Kurt Tucholsky. Drei Bände. Dünndruckausgabe. Band III. 1929 – 1932. Seite 91- 93.Tieresehendichan3

UFA in Hamburg wird abgerissen

Gast Störzeile: Deutsche Tradition

Ich weiß gar nicht, was diese jungen Leute haben, die Sonntag morgen vor der Ufa demonstrieren wollen. Da regen sie sich auf, daß der neonazistische Freundeskreis Filmkunst bei der Ufa Filme zeigt (siehe taz von gestern). In den 80ern im Passage Kino (als es noch der Ufa gehörte), dann im Ufa-Palast (als sie noch nicht abgerissen war) und dieses Jahr mehrmals im City Kino. Die jungen Leute(sie nennen sich Antifaschistische Aktion) sind empört. Dabei ist das die lange Tradition der Ufa: National, konservativ, rechtsradikal und eben auch faschistisch. Seit ihrer Gründung am 18. Dezember 1917, übrigens ein Dienstag. Wenn sie 1997 achtzig Jahre alt wird, dann hat sie eine ganze Reihe deutscher Persönlichkeiten in ihrer Ahnengalerie:

Angefangen von General Ludendorff, über den deutsch-nationalen Medienzar Alfred Hugenberg, weiter zu Dr. Joseph Goebbels. Schon lange vor der Nazizeit (1929) lehnte die Ufa es ab, einen amerikanischen Hetzfilm wie Im Westen nichts Neues bei sich synchronisieren zu lassen. Stattdessen wurde der Reinertrag des Filmes Der Weltkrieg 1927 an die Hindenburg-Stiftung überwiesen. Auch Bertelsmann hatte nicht viel Glück mit der Ufa und den deutschen Kommunisten war die Geschichte der Ufa immerhin so peinlich, daß sie den neuen Namen DEFA fanden.

Im Westen jedoch fand niemand die Sache peinlich. Im Gegenteil. Der Name und die Firma waren eine Menge Geld wert. Die Aktiengesellschaft Ufa war sehr wertvoll. 1972 zahlte der selbsternannte „Kino-König“ Heinz Riech für das Aktienpaket mit einem Nominalwert von 12,5 Millionen immerhin fast 40 Millionen. Das war ihm die Sache wert: der „gute“ Name, die „deutsche“ Tradition der Firma. Andere verlieren viel Geld, wenn sie sich von ihrem Namen befreien wollen (ich denke da an die PDS) und werden trotzdem beim alten Namen gerufen. Und wieder andere sind eben stolz auf diese Ahnengalerie. Also, was wollen die jungen Leute? Schließlich hat die Ufa die Filme, die jetzt im City Theater laufen, Jud Süss und Triumph des Willens, vor (leider gar nicht) langer Zeit selber hergestellt. Und es muß doch einem ehemaligen Nazikonzern erlaubt sein, an seine eigene Tradition zu erinnern!“ (Leserbrief von Jens Meyer, erschienen am 3. November 1995, in der Taz Hamburg)

UFAAbbruch2UFAAbbruch3By-nc-sa_colorNilpferd7Fotos Jens Meyer

Filmportal.de

Filmportal.de schreibt über Unsichtbare Feinde: Die Übernahme durch die Cautio:

Filmportal.de schreibt über Unsichtbare Feinde: Die Übernahme durch die Cautio:

1937 wurde er zum „Reichsbeauftragten für die Deutsche Filmwirtschaft“ ernannt. Mit der Tobis, dem zweitgrößten Filmkonzern nach der Ufa, gelang der erste Coup des verdeckten Aufkaufs. Aufgrund der komplizierten Besitzstruktur bei der Tobis und der um jeden Preis zu verheimlichenden Schlüsselrolle der Regierung war dies die Nagelprobe: eine, so Daniel Otto, „feindliche Übernahme ohne bekannten Feind“. Der Plan bestand darin, jene Anteile an der Muttergesellschaft Intertobis, die sich in Besitz dreier holländischer Banken befanden, durch schrittweisen Aufkauf in „deutsche Hand“ zu bringen. Zur Tarnung bediente sich Winkler des holländischen Finanzinstituts Hollandsche Buitenbank, und sukzessive wurde von 1934 bis 1939 die Intertobis über die Hollandsche Buitenbank in den Reichsbesitz überführt. So wurde diese verschleierte Verstaatlichung Mitte der 1930er Jahre zur gelungenen Generalprobe – zur Ouvertüre für die Gleichschaltung der gesamten deutschen Filmindustrie.“ . . . “

In den Jahren 1936-39 steuerte Goebbels Ministerium erst 65 Mio. Reichsmark zum Aufkauf der Firmenanteile bei, dann von 1940-44 noch einmal 120 Mio. Reichsmark. Die Investitionen sollten sich lohnen. Dank dieser enormen Summen und der geschickten Vorgehensweise Winklers hatte die Cautio zum Ende des Geschäftsjahres 1940/41 vierzehn Filmgesellschaften unter Kontrolle: Tobis Tonbild Syndikat, Ufa, Film-Finanz GmbH, Terra Filmkunst, Tobis Filmkunst, Wien-Film, Bavaria, Ostmärkische Filmtheater Betriebe, Deutsche Lichtspielbau, Tobis Sascha Filmverleih, AB-Film AG Prag, Elektafilm Prag, Continental Paris, N.V. Internationale Tobiscinema Amsterdam.

Die Nazis hatten ihr Ziel erreicht, und am 10. Januar 1942 folgte schließlich die Vereinigung aller mittelbaren und unmittelbaren staatlichen Filmfirmen zu einer Holding: der Ufa-Film GmbH, genannt UFI. Die UFI, so Daniel Otto, bildete die Krönung und gleichzeitig den Abschluss von Winklers Neuorganisation der Filmwirtschaft für den NS-Staat: „Bewähren konnte sich Winklers UFI allerdings nicht mehr: Nach Fertigstellung verblieben bis zum Untergang des ‚Dritten Reiches‘ kaum mehr als drei Jahre.

Nach 1945 begann die Zerschlagung* der UFI durch Abbau und Ausverkauf. Und wer bot sich zur Entflechtung des komplizierten Machwerks Besseres an als ihr Konstrukteur, der Bürgermeister a.D. Dr. h.c. Max Winkler? So wurde die junge Bundesrepublik die einundzwanzigste Regierung, der er getreu seinem Beamtenkodex seine Dienste offerierte.“ Filmportal.de (Abgerufen am 3. Oktober 2021).

(*) Kleine Anmerkung: Eine Zerschlagung war das mit Sicherheit nicht. Sondern das genaue Gegenteil, wie an anderer Stelle ausgeführt.

Stolpersteine für den Kinounternehmer Hermann Urich Sass

Stolpersteine

Hier werden heute (24.10.2017) zwei Stolpersteine für den jüdischen Kinounternehmer Hermann Urich Sass verlegt. „Stolpersteine für den Kinounternehmer Hermann Urich Sass“ weiterlesen

Hitler wurde nie exkommuniziert ( in der Taz am Donnerstag 16.1.1986)

Jens Meyer (Taz vom 16. Januar 1986)

Hitler wurde nie exkommuniziert.

Allzeit zum Konkordat mit den Mächtigen bereit: Die Katholische Kirche.

Jens Meyer vertreibt den Film “Geschichtsbuch” des Dänen Jannik Hastrup. Die Erfahrungen, die er dabei mit klerikalen Widerständen hat machen können, sind ein Anlaß für ihn, sich ein wenig umzusehen in der politischen Geschichte des 1.500-jährigen Papsttums. “Das Geschichtsbuch“ ist ein siebenteiliger, 136 Minuten langer Film, deren Abschnitte auch einzeln bestellt werden können, beim Zentral Film Verleih, Friedensallee 7,

2 Hamburg 50, Tel: 040/391316.

(Anmerkung 2018: Bitte nicht mehr anrufen. Das Unternehmen gibt es nicht mehr)

Als Adam grub und Eva spann, wo war denn da der reiche Mann?” (Dieter Forte in: Martin Luther und Thomas Münzer oder die Einführung der Buchhaltung)

Eine Einladung. Von der Katholischen Akademie des Erzbistums Paderborn. Unterschrieben vom Studienleiter. Eine Trickfilmtagung will er machen. Ein Referat über die Auswertungserfahrungen mit dem Film “Das Geschichtsbuch”. Und bezahlen will er auch. Nicht richtig. Mehr ein Anerkennungshonorar für Film und Vortrag.

Mich reizt die Geschichte. Das Wort “Erzbistum Paderborn” löst diese Reize aus. Dabei fallen mir die Inquisitionskeller ein. Ich nehme jedenfalls an. Könnte sein, dass der Auftraggeber vielleicht nicht mit dem Ergebnis einverstanden sein wird. Der Verleih hat Angst vor Umsatzeinbußen durch eine “negative Werbeveranstaltung”. Doch in dem Bereich werden kaum Filme von Zentral Film Verleih eingesetzt. Dort ziehen mehr die Filme über die Schönheit von Kirchenfenstern. Also keine Gefahr.

Ich fange an und lese eine Menge. Ein Freund, früher Theologiestudent, jetzt Postbeamter im Ruhestand, kramt seinen Boden durch und versorgt mich mit Kirchengeschichten.

Später, als alles fertig ist, schicke ich das Manuskript zu Alf Mayer von “Medium”, der Medienzeitschrift der Evangelen. Alf ist begeistert, aber Abdrucken kann er nicht, erst in der “allerletzten Nummer von >Medium<” und die nächste Nummer soll noch nicht die “allerletzte” sein. Das kann ich verstehen. (Anmerkung 2018. Leider haben Alf Mayer und ich die letzte Nummer von Medium verpasst Das muß sehr lange her sein.)

Nicht verstehen kann ich den Studienleiter des Erzbistums Paderborn. Wieso bestellt er diese Trickfilmreihe? Erstens kommt die Kirche des “christlichen Abendlandes” kaum darin vor und zweitens, wenn sie denn dargestellt wird dann eher negativ. Die “Pfaffen” und Bischöfe, das sind im “Geschichtsbuch” immer jene Leute, die sich auf Kosten des Volkes an der Seite der Mächtigen durchfressen und volllaufen lassen. Arbeit ist für sie ein Fremdwort. Die Pfaffen stopfen sich keineswegs mit minderwertigen Lebensmitteln voll. Auch vom Wein trinken sie nur den besten. Ansonsten predigen sie dem Volk, daß Armut von Gott gewollt sei. Wer sich gegen die Herrschaft auflehne, verstoße gegen die Gebote Gottes. Auch die Palette der Strafmöglichkeiten wird gezeigt.

Auf der Erde: Vierteilen, Augen ausstechen, Gliedmaße abhacken, aufhängen, bei lebendigem Leib verbrennen. Im Jenseits: Das Fegefeuer, die ewige Verdammnis, die Hölle mit ihren Kochtöpfen und was die christlichen Kirchen sonst noch zur Verfügung haben, um den Leuten Angst einzujagen. Ich komme nicht drauf, was will das Erzbistum mit einer solchen Filmreihe?

Oder ist es so, dass die Kirchen sich so sicher fühlen, dass eine solche Kritik ihnen gar nichts anhaben kann? Im Gegenteil, dass solche Filme zu Schulungszwecken gut benutzt werden können? Ich vertraue auf die Überzeugungskraft der Bilder und fahre hin. Es ist alles vom Feinsten. Das Essen ist gut. Schöne Tagungsstätte. Nichts mit Jugendherberge. In jedem Zimmer eine Bibel.

Eine große Bibliothek mit Marx und Engels. Kunst am Bau. Ein Studienleiter und ein Akademiedirektor, mit denen man über alles reden kann. Auf mein Manuskript ist man gespannt. Sie würden es gerne einmal sehen. Sie haben eine Schriftenreihe, da würden sie das gerne veröffentlichen. Mein Rat, dass sie doch bitte erst den Vortrag abwarten sollen, wird angenommen. Später wollen sie es dann doch nicht abdrucken. Das beruhigt mich dann doch. Ich hatte schon Angst um mein Weltbild.

Klingelbeutel und Gottversunkenheit

Eine alte Regel lautet: Die Geschichte wird von Siegern geschrieben, es gibt immer Leute, die am Krieg gewinnen. Die christlichen Kirchen waren jedenfalls nie bei den Verlierern. Das heißt leider nicht, daß die Mitglieder der beiden Großkirchen auch zu den Gewinnern gehörten. Ich selber bin auch einmal Mitglied gewesen. Nicht bei der katholischen sondern bei der anderen Großkirche. Jetzt bin ich fast 40 Jahre alt. Einige Sachen vergisst man nicht so leicht. Da ist zunächst eine “Konfirmation” und eine “Taufe” mit 14 Jahren. Dann eine Klassenreise nach Köln mit einer Besichtigung des “Kölner Doms”. Dann eine kirchliche Trauung in “weiß” mit 23 Jahren und ein Kirchenaustritt mit 27 Jahren. Bei der Klassenreise nach Köln fiel mir – außer den Massen von amerikanischen Touristen – eine Frau in der typisch ”katholischen Tracht” auf: Diese schwarze Kutte – ich nenn sie mal Nonne.

Diese “Nonne” stand neben einer Tragsäule der Kirche und war – mit geschlossenen Augen – still ins Gebet versunken. Nicht einfach. Diese Innigkeit in diesem Kirchenbahnhof. Ich dachte: das muss es sein: Die Gottgläubigkeit. In einigem Abstand neben ihr ein Kupfergefäß, in dem die Touristen Geld für irgendeinen “mildtätigen” Zweck werfen sollten. Die Augen der Nonne immer noch geschlossen im Gebet zu Gott. Ich beobachtete sie. Sie hielt die Augen auch dann geschlossen, wenn es im Kupfertopf schepperte. Doch kaum fühlte sie sich unbeobachtet, öffnete sie für einen Augenblick die Augen, zählte blitzschnell das Geld und versank augenblicklich wieder ins Gebet.

Ein Vorgang nicht länger als eine halbe Sekunde. Dieses Bild hat sich bis heute bei mir im Gedächtnis eingegraben. Immer wenn jemand heute zu mir “Kirche” sagt, dann ist augenblicklich dieses Bild von der betenden, geldzählenden Nonne da. Ein oberflächlicher Eindruck. Verglichen mit den Bildern aus dem Film “Das Geschichtsbuch” nur Nebenschauplatz. Da zählen nur die Kaufleute, die Handwerker, der Adel, die Bauern. Die Kirche als Kapitalgesellschaft?

Das Geschichtsbuch” ist eine Geschichte, von denen, die unten sind. Die Verlierer schreiben über die Sieger. Da wird gefragt, warum es in unseren Gesellschaften Arme und Reiche gibt, welchen Ursprung das hat und wer daran beteiligt ist, dass sich daran nichts ändert. Jedenfalls anders, als ich die Geschichte in der Schule kennengelernt habe.

Schon die Schulsprache ist anders. Da “brechen” Kriege aus wie Vulkane. Da brechen Nationen zusammen. Da wird ein “Mächtiger” gereizt, bis er “militärisch” zurückschlägt. Da wird ein Prinz erschossen, und deshalb kommt es zu einem Weltkrieg. Wir kennen das und haben uns daran gewöhnt, falsch bleibt es dennoch. Da fragt jemand nach den wirklichen Ursachen und schon hat das Erzbistum das Wort “Kritik” im Seminarprogramm stehen. So einfach ist das.

Ich wälze dicke Ordner: Einsatzstatistiken des Films, Ausleihzahlen durch Kirchengruppen, Absagen von Medieninstitutionen und Kirchengeschichten von Kirchenprofessoren. Ich werde dadurch nicht “bibelfest” und auch kein Kirchenexperte. Ich denke, mein Vortrag soll anfangen mit dem Satz: ”Adolf Hitler war katholisch, ist von der Kirche niemals exkommuniziert worden, sein Buch “Mein Kampf” ist niemals auf dem Katholischen Index gelandet”. Auch sein Vorgänger und sein Nachfolger waren katholisch. Nach diesem Satz kann ich dann zur Kasse gehen und nach Hause fahren.

Der Erzbischof wird seinen Studienleiter ermahnen, dass er in Zukunft seine Referenten sorgfältiger aussucht. Ärmer wird er durch meinen Auftritt nicht. Also reden wir nicht von Religion und christlichen Ideologien, sondern von dem “Macht und Geldapparat Kirche” in der Funktion, dass er seinen “Schafen” sagt, wohin die Reise zu gehen hat. Und der sie, falls sie uneinsichtig sind, notfalls auf den rechten Weg zwingt.

Viele Menschen in der BRD haben es – aus welchen Gründen auch immer – gerne, wenn man ihnen sagt, was sie tun und lassen sollen. Da treffen sich die Kirchen mit Parteien und Interessengruppen bei einem offensichtlichen Bedürfnis. Ob nun die ehemaligen Studentenkadergruppen der 70er Jahre ihre Nachfolgeorganisationen in den roten Holzketten aus Oregon haben, das wage ich nicht zu beurteilen.

Merkwürdig jedoch, dass viele, die mir damals die >Roten Fahnen<, die >Morgen< usw. verkaufen wollten, jetzt mit diesen roten Holzketten rumlaufen. Von der Roten Fahne zur roten Kette. Ich denke, dass sich die Holzketten in ihrer Funktion kaum unterscheiden vom Rosenkranz, der Petersplatz kaum vom Leninmausoleum.

Ich war leider weder in Rom, noch in Peking, noch im Kreml oder den anderen Wallfahrtsorten. Auch den Obersalzberg soll es ja noch geben. Festzuhalten bleibt jedenfalls, dass viele Menschen eine solche Organisation für ihr Leben benötigen. Eine notwendige Voraussetzung für die Macht der Kirchen in diesem “ihrem” Lande.

Im Zentral Film Verleih haben wir darüber schon oft Witze gemacht. Auf der Suche nach der geeigneten Rechtsform für den Verein “politischer Filmverleih” haben wir die Vor- und Nachteile von Genossenschaft, GmbH, KG, oder Kapitalgesellschaft gegeneinander abgewogen. Regelmäßig sind wir drauf gekommen, dass eine Kirchengründung immer noch die günstigste Rechtsform ist. Sie wirft das meiste Geld ab, kann billig Arbeitskräfte kaufen. Insofern sie sich auf “Gott” beruft, ist sie auch besser als eine sog. weltliche Ideologieorganisation wie z. B. eine Partei.

Die BRD und die Filmreihe “Das Geschichtsbuch”

Der Studienleiter des Erzbistums möchte etwas über die “Einsatzerfahrungen” mit der Filmreihe wissen. Die Erfahrungen also des Filmvorführers, wenn er die Leute zählt, die im Dunkeln den Saal zu verlassen suchen. Die Serie wurde 1971 in Dänemark nach einem schwedischen Bilderbuch produziert. Der Film war im Ausland äußerst erfolgreich. Es gibt amerikanische, englische, italienische, holländische, französische und nicht zuletzt spanische Fassungen. (Franco starb erst viel später).

Überall in Europa und den USA stehen die Filme in den staatlichen Bildstellen für den Schulunterricht zu Verfügung. Auch in der BRD müssten sie eigentlich dort zur Verfügung gehalten werden und nicht in einem kleinen Filmverleih. Doch die BRD scheint eine eigene Geschichte zu haben, und die Mächtigen dieses Landes legen viel Wert darauf, dass das Geschichtsbild der Schulkinder nicht erschüttert wird.

Bis 1977 hat sich jedenfalls niemand um diese dänischen Filme gekümmert. Dänemark ist einfach zu weit weg. Jedenfalls für das Institut für Film und Bild (FWU), für ARD und ZDF. Dallas ist da allemal dichter. Oder der “Landeszentrale für politische Bildung” in Nordrhein-Westfalen. Da ist Lateinamerika dichter als Dänemark. 1978 begann dann der Zentral Film Verleih e. V. (Jahresumsatz 120.000,00 DM, ungefähr so viel wie die Portokasse des ZDF – vermute ich mal) die Filme in der BRD anzubieten, um eine deutsche Sprachfassung für die Filmreihe herstellen zu können. Normalerweise kostet eine solche Sprachfassung für so einen Spielfilm so um 100.000,00 DM. Kein Problem für eine “öffentlich rechtliche” Sendeanstalt. Für den Ankauf von Rechten alleine werden schon die doppelten Summen gezahlt. Am Geld fehlt es nicht, schließlich ist die BRD eine der reichsten Industrienationen der Welt.

Auch die Finanzgewaltigen der FWU hätten genügend Geld gehabt, die Filmserie anzukaufen und zu verbreiten. Landesbildstellen und die reiche Landeszentrale in NRW wurden gefragt. Im Kinder- und Jugendfilmzentrum in Remscheid hat es mindestens acht Vorführungen der Gesamtfolge vor immer wieder anderen “Staatsdienern” gegeben. Das Ergebnis war immer das gleiche – kein Bedarf. Einzelpersonen dieser Institutionen wie Reiner Keller, Theda Kluth vom KJF (Kinder und Jugendfilmzentrum) und Dr. Joachim Paschen von der FWU haben immer wieder versucht, der Filmreihe zur nötigen Verbreitung durch öffentliche Bildstellen zu verhelfen. Doch schon

Wolfgang Staudte soll gesagt haben: ”Es ist nicht einfach, Filme für eine Veränderung der Gesellschaft zu machen, mit dem Geld der Leute, die die Welt in Ordnung finden.”

Ihm passt die ganze Richtung nicht

Als alle Versuche mehr oder weniger gescheitert waren, ist der Verleih dazu übergegangen, Expertengutachten und Kritiken von anerkannten Kritikern anzuregen und zu verbreiten. Die Gutachten kamen, die Kritiker schrieben lange Artikel. Die Lehrergewerkschaft (GEW) in Berlin machte Unterschriftenaktionen, Vorführungen, schrieb Briefe an Politiker und Landesbildstellen. Die Landesbildstelle Berlin kaufte schließlich eine Kopie der Filme 1 – 3. Das wars dann auch. Ein Referent der FWU fand die Filme toll und spendete Geld für die Anschaffung. Das war rein privat, denn auch er wollte schließlich seinen Job behalten.

Herr Bungter – obwohl CDU Mitglied – von der Landeszentrale für politische Bildung in NRW – ist als fortschrittlicher Mann in Filmkreisen bekannt. Sein guter Ruf gründet sich darauf, dass ihm mehr finanzielle Mittel als anderen Landeszentralen für den Ankauf von Filmrechten zur Verfügung stehen. Er nutzt daher die Möglichkeit, über die sog. ideologische Einheitsware hinaus, weitere Filme anzuschaffen, die dem “herrschenden Bildungsideal” dieses Staates zuwiderlaufen.

In Düsseldorf gibt es so eine ganze Reihe von kritischen Filmen. Eine kleine Einschränkung gibt es aber doch. Weit weg ist immer besser als dicht dran. Zu deutsch: Besser Folter, Ausbeutung und Unterdrückung in Lateinamerika als kritische Filme über die BRD und Europa. Ein ungeschriebenes Gesetz.

Aber auch Herr Bungter lehnt ab. ”Zu einer Übernahme von Auswertungsrechten kann ich mich nicht entschließen. Es gibt eine Reihe bedenkenswerter formaler und inhaltlicher Aspekte, die nicht kurzerhand ausgeräumt werden können. Überdies bedarf der Film auch der Synchronisation, ein Aufwand, der im Hinblick auf die vermutete begrenzte Nutzbarkeit der Filmreihe sich vermutlich nicht auszahlen wird. (. . . ) Serienfilme schaffen überdies zusätzliche Probleme. (. . . ) Die Unterrichtsplanung schafft einfach nicht genügend Raum.”

Zwischen den Zeilen, da spüre ich, ihm passt die ganze Richtung nicht. Schreiben tut man so was nicht. Wir sind ja eine Demokratie, und da kann jeder machen was er will. Nur nicht mit “ihren” Steuergeldern. Dann entstehen solche Sätze . . .  „Die Unterrichtsplanung schafft nicht genügend Raum“. Das lasse ich mir auf der Zunge zergehen. Der Sachzwang wird ja von Menschen gemacht. Hundertsechsunddreissig Minuten sollen nicht in sechs Jahre Geschichtsunterricht passen?

Ein wichtiger Mann in der “Nach Kaiser – vor Nazizeit” war der Herr von

Papen. Er war katholisch, mächtig und einer wichtigsten Männer, die Hitlers “Machtübernahme” ermöglicht haben. Auch der Mann, der den Nazis kurz nach der “Machtübergabe” zu einem Vertrag mit dem Vatikan verhalf. In der kurzen Zeit von sechs Monaten erreichte er die Auflösung der katholischen Partei “Zentrum”, und drei Tage später hatten die Nazis ein Konkordat mit dem Vatikan.

Konkordatsunterzeichnung in Rom. – Am 20. Juli 1933 wurde zwischen dem Deutschen Reich und dem Heiligen Stuhl in Rom das Reichskonkordat unterzeichnet. Von links nach rechts: Vizekanzler Franz von Papen, (2.v.l.) Kardinal Staatssekretär Eugenio Pacelli und Ministerialdirektor Dr. Buttmann während des Unterzeichnungsaktes. 25935-33 Foto aus dem Bundesarchiv.

Dieser Papen, der für die Nazis so viel erreicht hatte, nannte die Nazis die “Regierung der nationalen Erhebung”. In der BRD nennen wir es “Machtergreifung”, und Professor Heussi aus Jena nennt es 1957 die “ . . . nationalsozialistische Revolution.

Unter einer Revolution habe ich mir immer was ganz anderes vorgestellt, aber ich bin ja schließlich kein Kirchenprofessor. In seinem Kapitel “Die Kirche in der jüngsten Vergangenheit“ schreibt Heussi (Heussi, Seite 525):

In Deutschland traten im Ersten Weltkrieg die Katholiken, wie anderwärts , rückhaltlos für ihr Staatswesen ein . . . nach der Revolution von 1918 stellte sich der deutsche Katholizismus sehr rasch auf den Boden der neuen Tatsachen, also der Demokratie . . . in der neuen deutschen Republik hatte das “Zentrum” (die Partei der Katholiken) wichtige Ämter inne, von den Reichskanzlern gehörten Fehrenbach, Wirth, Marx und Brüning der Zentrumspartei an . . . Als voller Erfolg der katholischen Kirche konnten auch die verschiedenen Konkordate gebucht werden, das Konkordat mit Bayern 1924, der Abschluß des Vertrags mit Preußen 1929 (jährlich staatliche Dotation von 2,8 Mill. Reichsmark) . . . und die Erhebung der Bistümer Paderborn und Breslau zu Erzbistümern” . . .

Geld scheint also reichlich geflossen zu sein. Immerhin hat der “Heilige Stuhl” stark von der Inflation profitiert. Zwischen 1919 und 1930 errichtete man jährlich 12 bis 13 Klöster. “Ein voller Erfolg”. Die Anpassungsfähigkeit, “sich rasch auf den Boden der neuen Tatsachen (zu) stellen”, bewies die Kirche auch in Frankreich.

Professor Heussi: “In Frankreich nahm die Religion 1914 wie überall einen Aufschwung. Religion und Katholizismus flossen weithin zusammen. Das Verhältnis zum Staat gestaltete sich sofort freundlicher . . . ”. Der Weltkrieg begann, und der Katholizismus nahm seinen Aufschwung. Und nicht nur das, sondern . . . ”auch die finanzielle Lage der katholischen Kirche besserte sich (Stiftung zahlreicher Messen für lebende und tote Soldaten). Die siegreiche Beendigung des Krieges 1918 war zugleich ein Triumph der Religion des Marschall Foch . . . ” (Seite 525 Heussi).

In dem Film “Im Westen nichts Neues” wird dieser Krieg gezeigt. Deutsche und französische Soldaten haben sich in einem Stellungskrieg gegenseitig abgeschlachtet, sind vergast und zerstückelt worden. Während die Generäle an der Heimatfront feierten, verhungerten die Völker auf beiden Seiten der Front. Die Vertreter Gottes auf Erden segneten die Waffen und die . . . ”Religion und der Katholizismus” nehmen einen “Aufschwung wie überall”. Als es endlich vorbei ist, da ist es auch ein “Triumph der Religion des Marschall Foch . . . ”. Na bitte.

Wo es sich so leicht gewinnt, warum sollten die Kirchen ernstlich gegen den Krieg sein? Im Fußvolk der Kirchen gibt es natürlich immer wieder welche, denen diese Haltung – diese Anpassungsfähigkeit – an jede politische Macht – nicht gefällt, die Kritik üben und gegen Kriegsvorbereitungen handeln, die die “Sinnlosigkeit” des Krieges anprangern. Aber die verstehen eben nichts vom Geschäft. Manchmal allerdings, wenn alles vorbei ist und auch eine neuer Anfang versucht wird, dann sind diese Kritiker doch zu etwas nütze. Wenn etwa – wie nach dem Zweiten Weltkrieg – das Ansehen der Kirche in der Öffentlichkeit gar zu schlecht ist, dann kramt der “Heilige Stuhl” sie hervor und zeigt sie herum. Dann sind diese Männer und Frauen, die Widerstand geleistet haben und dafür in den KZs der Nazis ermordet wurden, die Kirche “an sich”.

Heilige Bücher überall

Die hohe Geistlichkeit schließt Verträge und schweigt zwölf Jahre lang zu den Konzentrationslagern, zur Massenvernichtung, zum Überfall auf Polen usw.: Inzwischen steht es sogar im “Spiegel”, dass der Papst den hohen Nazis nach 1945 zur Flucht verholfen hat. (Spiegel vom 6. Februar 1984).

Im gut sortierten Autorenverzeichnis der Bibliothek der Katholischen Akademie suche ich vergeblich das Buch von Karl Heinz Deschner . . . ”Abermals krähte der Hahn”. Das freut mich. Ich brauche es auch nicht. Einige Monate zuvor habe ich es schon gelesen und, mir sind bei Lesen fast die Augen aus dem Kopf gefallen. Der Mann ist ein notorischer Kirchenhasser. Seine Lebensgeschichte gibt einen Hinweis darauf, daß er vielleicht alles ein wenig zu wörtlich genommen hat und jetzt enttäuscht ist. Wenn der Umschlagtext des Buches stimmt, dann ist er von Karmelitern und Franziskanern erzogen worden. Das sind keine Biersorten, sondern Mönchsorden. Anschließend hat er Theologie auf katholischen Hochschulen studiert.

Den Christen wirft er in seinem Buch vor, sie hätten das Neue Testament nie verwirklicht. In einer Einleitung bestreitet er den Absolutheitsanspruch des Heiligen Buches der christlichen Kirchen mit dem Hinweis darauf, daß alle nichtchristlichen Religionen ebenfalls mit diesem Anspruch auftreten. ”Schon der Israelit hört von Jesaja: Außer mir ist kein Gott. Der Mhanha-Buddhist bekennt von Buddha: Außer mir ist kein Heilsgang sicher. Das neue Testament fordert: Jede Zunge bekenne, dass Jesus Christus der Herr ist, und der Koran droht: Wenn jemand eine andre Religion sucht als den Islam, wird er in der jenseitigen Existenz zu den Verlorenen gehören”. Heilige Bücher überall. Insofern müsste die Bibel ein Buch sein wie jedes andre auch.

Doch nicht in der Bundesrepublik. Die 3 Tornados

Günter Thews. In einer Pause bei den Dreharbeiten zu dem Film: „Mit uns nicht mehr“. (dffb 1974). Günter war der Mann für den Ton. Foto Martin Streit.

(Günter Thews, Arnulf Rating, Holger Klotzbach) haben sich vor einigen Jahren über die “unbefleckte Empfängnis” der Jungfrau Maria lustig gemacht. CD Hülle erschienen bei Trikont. München. DIE DREI TORNADOS 1977 – 1988. (Vier CDs)

Pressefreiheit hin, Pressefreiheit her. Über Christen lacht man in der BRD nicht ungestraft. Die Jugendgewerkschaftszeitung >ran< veröffentlichte diese Veralberung. Die Christen im Lande waren beleidigt. Besonders beleidigt Frau Maria Weber aus dem Bundesvorstand des damaligen DGB. Chefredakteur (Dieter) Schmidt mußte gehen. (am 13. Dezember 1979)

Maria Weber blieb katholisch. Die Radiothek im WDR strahlte den Sketch aus. Kurz darauf wurde diese Jugendsendung eingestellt. Auch einen Prozeß hat es gegeben.

Horst Manfred Adloff und Franz Josef Spieker haben mit einem Kurzfilm “Die Wechsler im Tempel” ebenfalls die christlichen Kirchen angegriffen. Einer der wenigen Kurzfilme, die in der BRD verboten und unterdrückt wurden. In einem Kirchenverleih gibt es diesen Film nicht. Nur Leo Schönecker hat in seinem Filmkundlichen Archiv noch eine Kopie. Und das als “praktizierender Katholik”, wie mir stolz der Akademiedirektor Krems über soviel Liberalität berichtet. (Anmerkung 2018: Ob es das Filmarchiv von Leo Schönecker noch gibt, entzieht sich meiner Kenntnis)

Heilige Zahlen

Keine 40 Jahre ist es her, seit die Gaskammern der IG Farben und der Nazis für Juden geschlossen wurden. Doch in der Geschichte der Kirchen, in der die Judenverfolgung eine zentrale Rolle spielt, möchte niemand wahrhaben, dass es gerade christliche Bischöfe und Heilige waren, die im vierten Jahrhundert die ersten Synagogen anzündeten und den Besitz der Juden beschlagnahmten. 1391 unter der Führung des Erzbischofs von Martinez in Spanien wurden 4.000 Juden ermordet und mehr als 25.000 als Sklaven verkauft. Der Rest, der sich nicht zu Christus bekennen wollte, wurde auf Befehl des Erzbischofs erschlagen. Der Erzbischof wird die “Erlöse” kaum an die Armen verteilt haben.

Es ist eben Gottes Wille, dass es Arme und Reiche gibt, denen, die wenig haben, soll auch noch das genommen werden, denen, die viel haben, soll noch mehr gegeben werden”, lässt Jannik Hastrup seinen “Geschichtsbuch” Bischof reden. Für die Gegenwart ist festzustellen, dass Kirchen an einem Bild von sich interessiert sind, in denen die Armut gepriesen wird und die >Beutelschneider< angeprangert werden.

Der Stadtjugenddiakon von Hannover, Kurt Brylla und sein katholischer Kollege, der Probst Rumold Küchenmeister aus Kiel regen sich 1983 darüber auf, dass in den “Far out “ – Discos der Sanyassin den Jugendlichen das Geld aus der Tasche gezogen wird, “damit”, vermutet der Probst aus Kiel, “Bhagwan sich einen weiteren Roll’s Royce zulegen kann”. Da witzelt die Zeitschrift >Titanic<: ”Und der Papst muss immer noch auf den Knien über die Landebahn rutschen. Die Ungerechtigkeit schreit zum Himmel. Wir schreien nicht mit. Titanic”.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts bezifferte man das päpstliche Kapitalvermögen auf zwei Milliarden 120 Millionen Lire. Es war damals ungefähr sechsmal größer als das größte deutsche Vermögen, das von Krupp. (Deschner, Seite 428) .

Das Unternehmen trägt den Namen “Peterspfennig”. Das Unternehmen Peterspfennig ist in den USA recht einträglich. Sind es im Jahre 1924 noch 700.000 Dollar, so sind es Jahre 1957 schon 120 Millionen Dollar “Peterspfennige”, die in den Vatikan überwiesen werden. Ein Tauschbeleg aus Lissabon. Die Bank heißt “Banco Spirito y Comercio”! Etwa “Heiliger Geist und Handel”. Der Heilige Stuhl ist mit Aktien beteiligt. Wer Heiligen Geist und Handel für einen Widerspruch hält, der ist Opfer der Kirchenpropaganda geworden. In den USA gibt es einen Stahlkonzern mit dem beziehungsreichen Namen “Bethlehem Steel”. Der Vatikan und die Jesuiten besitzen große Mengen Aktien dieser Bethlehem Steel.

Vor über 25 Jahren wurde der Gesamtaktienbesitz (1958) auf etwa 50 Milliarden Mark geschätzt. Weniger wird es kaum geworden sein. In der BRD ist der Vatikan an Bayer, BASF, BMW, BBC, VDM, Mannesmann, Siemens u.a. beteiligt. Der Börsenbericht sollte eigentlich ergänzt werden.

Etwa so Welt vom 28. Februar 1984:

Bethlehem Steel 66, General Motors 184, BMW 415, BASF 166, VW 210, Vatikan AG 690

Wen wundert es noch, dass die Päpste für die Erhaltung “dieser Ordnung” sind. Pius der zwölfte schreibt am 1. November 1939 an die Bischöfe der USA, aus denen der Vatikan in dieser Zeit seine höchsten Einnahmen bezieht: ”Die Erinnerung an jedes Zeitalter bezeugt, dass es immer Arme und Reiche gegeben hat; und dass dies auch immer so sein wird, lässt die unabänderliche Beschaffenheit der menschlichen Dinge voraussehen . . . Gott, der in höchster Güte für alles sorgt, hat bestimmt, dass es zur Ausübung der Tugend und der Erprobung der menschlichen Verdienste in der Welt Arme und Reiche geben soll . . . ”.

Aber die “Theologie der Befreiung” in Lateinamerika? Viele katholische Bischöfe und Geistliche unterstützen aktiv Befreiungsbewegungen und bekämpfen Militärregierungen. Leider ist nicht zu übersehen, dass die “Mutterorganisationen” in Europa gar nicht auf der Seite stehen, die sich Mord, Ausbeutung und Unterdrückung nicht länger gefallen lassen wollen. Papst Paul der sechste zeichnete den Botschafter Pinochets mit einer hohen Auszeichnung nach dem gelungenen Militärputsch aus.

Im Mittelalter war das alles anders. Da zogen die Päpste selbst auf Sklavenfang aus, verteilten für den Sklavenfang Erlaubnisscheine an die Herrscher von Spanien und Portugal. In dem Erlaubnisschein, genannt “Romanus Pontifex” schrieb Papst Nikolaus der fünfte 1454 an Königin Isabella von Spanien, dass alle unterworfenen Völker versklavt werden können. Königin Isabella bedankte sich bei Papst Innozenz dem achten mit einer großen Anzahl von Sklaven.

Paul der dritte erlaubte nun auch den eigenen Angestellten den Fang von “beseelten Werkzeugen”. Unter Theologen wurde ernsthaft das Problem diskutiert, ob ein Taschenspiegel ein gerechter Preis für einen Schwarzen sei. Die Jesuiten hatten um 1670 im Kongo noch 12.000 Sklaven, die Päpste im Vatikan hatten noch bis zum Ende des 18. Jahrhundert Sklaven. Die Benediktiner – sie haben diesen hervorragenden Likör erfunden >Benediktin DOM< – hatten in Brasilien noch 1864 Sklaven.

Die christlichen Kirchen hätten alle Gründe für eine Art von Wiedergutmachung. Es wäre doch zu überlegen, ob sie die Wiedergutmachung aus den Schätzen finanzieren sollten, die sie sich im Laufe der Geschichte gerade in den Ländern der Dritten Welt zusammengeräubert haben, anstatt die Wiedergutmachung dem Kirchenfußvolk zu überlassen.

Kehren wir zurück in die Bundesrepublik – ins Erzbistum Paderborn mit seiner hervorragenden Akademie.

Im deutschen Reich gab es den KDF- Wagen. Leider konnten nur wenige zivile Fahrzeuge das Fließband verlassen, und für zivile Zwecke war er ja auch nicht gedacht. Als Militärfahrzeug sollte er über die neuen Autobahnen rollen. Nach dem Krieg gab es dann den Käfer in seinem Siegeszug um die ganze Welt. VW gründete Zweigwerke in befreundeten Staaten: VW do Brasil, VW of South Africa. 1957 hatten sich die Kirchen wieder erholt. Orden wurden wieder verteilt. Einer der Ordensverteiler: Der Erzbischof von Paderborn. Er zeichnete aus:

DIE RITTER VOM HEILIGEN GRAB.

Ein Ritter: der damalige Generaldirektor von VW. Nichts besonderes an sich. Schon der Kaiser und Hitler hatten die >Industriekapitäne< mit Orden behängt. Doch der Erzbischof erinnerte in seiner Rede an die alten Traditionen und führte aus . . . ”dass dem Orden die Ideale der Kreuzzüge zugrunde liegen, die in neuzeitlicher Form erfüllt werden müssten . . . ” (Die Welt vom 3. Mai 1957).

Ein gutes Beispiel für die Anpassungsfähigkeit der Kirchen in >neuzeitlicher Form< ist auch der Kardinal Faulhaber aus München.

1939 ein Dankgottesdienst nach dem mißglückten Atttentat auf Hitler.

1941 (nach dem Überfall auf die UdSSR) ein Glückwunschtelegramm an den Führer. ”Mit Genugtuung verfolgen wird den Kampf gegen die Macht des Bolschewismus.”

1944 (nach dem ebenfalls missglückten Attentat auf Hitler) eine persönliche Gratulation zu Hitlers >Errettung< und ein

TE DEUM in der Münchner Frauenkirche und am:

12. Mai 1945 der erste Katholik, der gegenüber einer amerikanischen Journalistin als erster aussprechen durfte, was schon immer seine Meinung war. Er griff in heftigster Weise das Hitlerregime an und meinte:

Der Nazismus darf nicht wieder aufleben.” Eben.

In Dieter Fortes Theaterstück: Martin Luther, Thomas Münzer oder die Einführung der Buchhaltung gibt es am Ende einen Witz. Ein Berater jüdischen Glaubens des Papstes erzählt ihn.

Bibbiena: Moischele steht vor a Kirche

Tate, was is dos fü a Haus mit dem hohen Turm?

Moischele, das ist a Kirche.

Was is a Kirche?

Nun, die goim sagen, da wohnt der liebe Gott

Aber Tate, der liebe Gott wohnt doch im Himmel.

Sollst recht haben, wohnen tut er im Himmel, aber do drinnen hat er sein Geschäft.”

Der Literaturanhang ist leider abhanden gekommen. Auch das Original Schreibmaschinen Skript ist im Laufe der vielen Umzüge verloren gegangen.

So ist nur die Taz Druck Version übrig geblieben. Leider hat die Taz mit der Digitalisierung der Drucktexte erst später begonnen (September 1986). Deswegen hat es ein wenig gedauert mit der erneuten Erfassung meines Artikels. Auch sind einige Kürzungen im Text vorgenommen worden, die ich mit dem damaligen Redakteur vereinbart hatte. Erschienen ist der Artikel in der Ausgabe der:

Taz vom Donnerstag, d. 16. Januar 1986.

Ich glaube der damalige taz Redakteur, der den Artikel vorsichtig überarbeitet und bebildert hat, war Arno Widmann. Vielleicht erinnert er sich ja.

Alf Mayer, der den  Artikel in der letzten Ausgabe von Medium  veröffentlichen wollte, hatte sich leider 1996 nicht bei mir gemeldet. Ich weiss auch nicht, ob er 1996 noch bei dem Unternehmen gearbeitet hat.

In der Druckversion sind noch drei Fotos abgedruckt. Auf Seite 10 oben: Die Unterzeichnung des Reichskonkordats am 20. Juli 1933 in Berlin durch Vizekanzler Papen (zweiter von links) und den Apostolischen Nuntius in Deutschland, Pacelli, den späteren Papst Pius XII.

Ein zweites Foto im Hochformat zeigt 77 liegende junge Männer, die sich der Kirche ergeben und sich am Himmelfahrtstag 1984 von Papst Paul II im Petersdom zu Priestern weihen lassen.

Auf der zweiten Seite (Seite 11) ein Foto von dem 87. Deutschen Katholikentag in Düsseldorf vom 1. – 5. September 1982. Es singen von links nach rechts: Oberbürgermeister Küsten, Kardinal Höffner, Primas Glemp aus Polen und der bayrische Kultusminister Hans Meier.

Auszüge dieses Textes sind erschienen in der Zeitschrift Transatlantik

Die meisten Zitate sind aus den Büchern:

von Karl Heinz Deschner . . . ”Abermals krähte der Hahn”.

und Prof. Heussi: Kirchengeschichte (Ausgabe von 1957)

Dieter Forte: Martin Luther, Thomas Münzer und die Erfindung der Buchhaltung, Wagenbach Verlag. Berlin 1971

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