Abschrift des Artikels aus der Lichtbildbühne (LBB)vom Montag, d. 30. Januar 1933:
“Hermann Urich-Saß zum Gedenken
Wie im größten Teil unserer Sonnabend-Ausgabe mitgeteilt, ist Hermann Urich-Saß am Freitag abend im blühenden Alter von 45 Jahren einem Herzschlag erlegen. Seine Beerdigung findet heute Montag, d. 30. Januar, 3 Uhr nachmittags, in Hamburg Ohlsdorf auf dem Israelitischen Friedhof statt. Tief erschüttert steht die Fachwelt des Films vor dieser furchtbaren Kunde. Einer der an Schaffensdrang und an Erfolg reichsten Pioniere ist mitten aus der Blüte der Jahre und der Arbeit aus dem Sein gerissen worden. Hermann Urich-Saß – ein Name, der nicht nur mit dem stolzen Henschel-Film- und Theaterkonzern in Hamburg, sondern mit dem deutschen Lichtspielwesen überhaupt untrennbar verbunden war und bleibt. Sein Lebenswerk: Hamburgs Schauburgen. Neun Theater. Außerdem drei andere Kinos, die zum Konzern gehören. Ein rundes Dutzend maßgebender Filmstätten, das betreut und verwaltet sein mußte. . . . Und Hermann Urich-Saß, unterstützt von einer Reihe tatkräftiger Mitarbeiter wie seinem Schwager und Sozius Hugo Streit und den Brüdern Traugott, verwaltete seinen Besitz mit Umsicht, gesellschaftlichem Weitblick, Klugheit und Wagemut. Wie hätte sich sonst der Henschel-Konzern zu einem der größten und führendsten Deutschlands entwickeln können! Das konnte nur durch einen Menschen geschehen, der seinem Unternehmen auch den Stempel seiner Persönlichkeit aufzuprägen verstand. Wie als Unternehmer so war Hermann Urich-Saß eine Persönlichkeit auch als Mensch. Seinem bescheidenen Charakter lag es nicht, hervorzutreten und nach außen hin eine Rolle zu spielen. Um so mehr trat sein Können in den Auswirkungen seiner Arbeit in Erscheinung. Streng in der Pflichterfüllung gegen andere und vor allem gegen sich selbst. Der korrekte Hamburger Kaufmann. Voll Ausdauer und Ehrgeiz und voller Vitalität, der er die Verwirklichung seiner Pläne verdankte. Ein Charakter voll Zuverlässigkeit. Ein Mann von untadeliger Gesinnung. Einer, dem Hochschätzung und Sympathien bis über das Grab hinaus bei allen sicher ist, die ihm, wie wir, in langen Jahren näher treten durften. Hätte er diese Eigenschaften nicht besessen, er wäre niemals Konzern-Beherrscher geworden. So aber erntete er bald die Erfolge seiner Arbeit; es dauerte nicht lange und er landet seinen ersten großen Schlag: Auf dem Trichtergelände am Millerntor will er ein Großkino bauen lassen. Das war, in Anbetracht der damaligen Zeit ein beinahe phantastisches Projekt. Er verwirklichte es: im Februar 1927 wurde die Schauburg Millerntor eröffnet. Und nun folgen rasch aufeinander jene großen Bauprojekte, die Hamburg aufhorchen ließen, und die den Namen des Henschel Film- und Theaterkonzerns so bekannt machten. Nachdem das ehemalige Astoria-Theater in den Besitz von Saß übergegangen und den Namen Schauburg Barmbeck erhalten hatte, folgte der Neubau Schauburg Nord. Später (das ehemalige Alhambra-Theater war inzwischen zur Schauburg Uhlenhorst geworden) wurden innerhalb von 3 Jahren die Schauburgen Hammerbrook, Wandsbeck und Hamm erbaut. Auch Altona bekam eine Schauburg. In Harburg erwarb der Henschel-Konzern zwei Theater, den Gloria Palast und das Union-Theater. Die beiden Innenstadtkinos, Schauburg Hauptbahnhof und City Theater vervollständigen die Reihe der Henschelbesitzungen. In dem Zeitraum von wenigen Jahren also hatte sich Hermann Urich-Saß vom kleinen Kinobesitzer zum Inhaber des größten Hamburger Lichtspieltheater-Konzern emporgearbeitet. Der 45jährige hatte damit ein Werk vollendet, auf das er nicht nur mit Stolz blicken durfte, sondern das er weiter mit seinem Geiste hätte erfüllen und ausbauen können. Ein vergängliches Menschenleben ist nicht mehr, – aber sein Werk lebt!“ (Aus Lichtbildbühne (LBB) vom 30.01. 1933)
Foyer Schauburg Millerntor
von links Hugo Streit Hermann Urich Saß
Cópia do LichtBildBühne em 30 de janeiro de 1933Hermann Urich-Saß em memória
Conforme
comunicado na maioria de nossa edição de sábado, Hermann
Urich-Sass sucumbiu a um batimento cardíaco na noite de sexta-feira,
aos 45 anos de idade. Seu funeral acontecerá hoje segunda-feira, 30
de janeiro, 15h, em Hamburgo Ohlsdorf, no Cemitério Israelita. O
mundo profissional do filme está profundamente abalado por esse
cliente terrível. Um dos pioneiros mais ricos em desejo e sucesso
criativos foi arrancado de ser no meio da florada de anos e trabalho.
Hermann Urich-Saß – um nome que estava e permanece inextricavelmente
ligado não apenas ao orgulhoso grupo de cinema e teatro Henschel em
Hamburgo, mas também à indústria cinematográfica alemã. O
trabalho de sua vida: os castelos de espetáculos de Hamburgo. Nove
teatros. Além disso, outros três cinemas pertencentes ao grupo. Uma
dúzia de locais de filmes relevantes que precisavam ser
supervisionados e gerenciados. . . . E Hermann Urich-Sass, apoiado
por vários funcionários ativos, como seu cunhado e sócio Hugo
Streit e os irmãos Traugott, administrava sua propriedade com
cuidado, previsão social, prudência e ousadia. De que outra forma o
Grupo Henschel poderia se tornar um dos maiores e líderes da
Alemanha! Isso só poderia ser feito por uma pessoa que sabia como
estragar sua empresa em sua personalidade. Como empresário, Hermann
Urich-Saß era uma personalidade como pessoa. Não era seu caráter
humilde se destacar e desempenhar um papel externamente. Além disso,
suas habilidades se tornaram evidentes nos efeitos de seu trabalho.
Rigoroso no desempenho de tarefas para com os outros e, acima de
tudo, contra si mesmo: o comerciante correto de Hamburgo. Cheio de
perseverança e ambição e cheio de vitalidade, a que devia a
realização de seus planos. Um personagem cheio de confiabilidade.
Um homem de disposição impecável. Alguém que tem certeza de
apreço e simpatia além da sepultura por todos que, como nós,
conseguem se aproximar dele há muitos anos. Se ele não tivesse
essas qualidades, nunca teria se tornado um governante corporativo.
Mas assim ele logo colheu o sucesso de seu trabalho; Não demorou
muito para que ele desse seu primeiro grande golpe: ele queria ter um
grande cinema construído no local do funil no Millerntor. Em vista
do tempo, esse foi um projeto quase fantástico. Ele percebeu: o
Schauburg Millerntor foi inaugurado em fevereiro de 1927. E agora
esses grandes projetos de construção, que fizeram Hamburgo prestar
atenção e que tornaram tão conhecido o nome do grupo de cinema e
teatro Henschel, se sucedem rapidamente. Depois que o antigo Astoria
Theatre se tornou propriedade de Sass e recebeu o nome Schauburg
Barmbeck, o novo edifício Schauburg Nord se seguiu. Mais tarde (o
antigo Alhambra Theatre tornou-se Schauburg Uhlenhorst), os castelos
Hammerbrook, Wandsbeck e Hamm foram construídos em três anos.
Altona também ganhou um castelo de espetáculos. Em Harburg, o Grupo
Henschel adquiriu dois teatros, o Gloria Palast e o Union Theatre. Os
dois cinemas da cidade, Schauburg Hauptbahnhof e City Theatre,
completam a série de propriedades de Henschel. No espaço de alguns
anos, Hermann Urich-Sass passou de um pequeno dono de cinema para o
dono da maior companhia de teatro de Hamburgo. Assim, o jogador de 45
anos completou um trabalho que ele não apenas se orgulhava de ver,
mas que poderia ter continuado a realizar e expandir com seu
espírito. Uma vida humana efêmera não existe mais, mas seu
trabalho vive! ”(De Lichtbildbühne (LBB) de 30 de janeiro de 1933)
Gänsemarkt 1940 Rechte Seite Lessing Theater und Tanzdiele Faun
Carl Heinz Streit (Sohn des Kinobesitzers Hugo Streit) Belo Horizonte (Brasilien) Juli 1990Rolf Arno Streit. Sohn des Kinobesitzers Hugo Streit. Belo Horizonte (Brasilien) Juli 1990.
SRolf Arno Streit: ”Mein Großvater Jeremias genannt James Henschel war der Erste in Hamburg, der Kinos gemacht hat. Er ist auf folgende Weise auf diese Idee gekommen.In Paris, so hat er gehört, gibt es einen Grammophon-Laden, dass heisst Leute konnten in den Laden gehen, sich . . . wie heisst das? . . . Telefone an die Ohren legen und konnten dann eine Musik wählen, die sie bekommen haben durch die . . . durch das Grammophon. Übertragenen. Das wollte er in Hamburg auch machen und deshalb sind sie dann in Paris gewesen, wo dieser . . . wo dieses Grammophongeschäft existierte und sich mit dem Inhaber darüber zu unterhalten . . . Auf dem Wege dorthin sind . . . stehengeblieben an vor einer riesigen Schlange von Menschen, die alle in ein sogenanntes Cine gehen wollte. Das war eine Neuigkeit für meine Großeltern und . . . da wurden eben die ersten Filme vorgeführt. Dann sind sie zu dem Grammophonmann gegangen und sind nachher in ihr Hotel gegangen und haben geschlafen.
Meine Großmutter-Frida Henschel – hat zu Madam . . . zu meinem Großvater gesagt, weißt du James ich hab es mir überlegt, wir machen nicht Grammophon, wir machen Kinos. Und das war die Idee, das mein Großvater der Erste in Hamburg war, der Kinos eröffnete. So ist auch der Henschel Film und Theaterkonzern nach ihm benannt worden.“
Frage:
Das erste Kino war das Belle Alliance Kino? Das war ein sehr
großes Kino?
Rolf
Arno Streit: „Das kann ich nicht genau sagen, wie groß es war.
Auf jeden Fall war das das erste Kino – richtige Kino – in
Hamburg . . . Hamburg Altona . . . wenn ich mich nicht irre.
Frage:
Der Großvater hat dann mit Ende des Krieges alle Kinos verkauft, sie
haben erzählt an die Ufa. Können sie mal sagen, warum er die Kinos
verkauft hat?
Rolf
Arno Streit: “Die Ufa ist an meinen Großvater herangetreten .
(LkW Geräusch) . . . Die Ufa ist an meinen Großvater herangegangen
und hat ihm gesagt, entweder verkaufen sie uns ihre ganzen Kinos,
oder wir machen ihnen Konkurrenz . . . das war der . . . da hat mein
Großvater sich entschlossen, seine Kinos an die Ufa zu verkaufen . .
. hat sich für das Geld, das er bekommen hat, sofort Häuser gekauft
. . . Immobilien . . . und ist dadurch . . . durch die Inflation
schadlos herausgekommen. Zu dem Entschluß von meinem Großvater, die
Kinos zu verkaufen mußte die Ufa damit einverstanden sein, daß
seine Schwiegersöhne -nämlich unser Vater Hugo Streit und unser
Onkel Hermann Urich-Saß . . . also seine Schwiegersöhne Direktoren
der Ufa wurden für Norddeutschland, was geschah“.
Frage:
Bis wann waren Hugo Streit und Hermann Urich Sass Direktoren der Ufa?
Rolf
Arno Streit: “Die waren Direktoren bis . . . ungefähr 1926 .
Ein ganz genaues Datum kann ich nicht sagen, aber . . . Mitte der
20iger Jahre ist es wohl gewesen.“
Carl
Heinz Streit:
Das
ist aber richtig. Ich mein, ich erinnere das auch nicht mehr so
genau.
Hilde
Streit:
(zu
ihrem Mann): Du weisst es noch besser.
Rolf Arno Streit: “Ja, durch die ganze Wiedergutmachungsgeschichte . . . bin ich wieder da . . . irgendwie erinnert worden. Das ist ja auch nun schon viele Jahre her.“Hilde Streit:. Jetzt ist leise . . . Carl Heinz Streit: Das kommt aber immer wenn der Omnibus kommt. Hilde Streit: Ja überall, kommt immer . . . bei uns viel mehr noch.Frage: 1918 wurde die Ufa gegründet und die Ufa trat an ihren Vater heran und er hat seine Kinos verkauft. Können sie das noch mal erzählen?Rolf Arno Streit: ”Ja . . . nachdem . . . ist schon . . . Carl Heinz Streit: ”Nein, wenn das Licht angeht.“ Rolf Arno Streit: „Also . . . nach dem Kriege 14/18 ist die Ufa an meinen Großvater herangetreten und hat ihm gesagt, wir bauen hier Kinos, oder sie verkaufen uns ihre Kinos, und da ist mein . . . hat mein Großvater den Entschluss gefasst, seine Kinos zu verkaufen . . . mit der Bestimmung, dass mein Vater und mein Onkel . . . Hugo . . . Hermann Urich Sass Direktoren der Ufa werden von Norddeutschland, was geschah, außerdem war mein Großvater mit 5 % über viele Jahre an allen Ufa Einnahmen beteiligt . . . und späterhin . . . auch mit 2,5 % für alle . . . von allen Kinos, die noch erbaut worden sind später von der Ufa . . . Mein Großvater selbst hat seine . . . hat die Inflation überstanden durch Ankauf von Immobilien . . . das Geld, was er damals von der Ufa bekommen hatte, hat er sofort angelegt in Immobilien und dadurch ist er aus der Inflation schadlos herausgegangen:“ Frage: Wissen sie noch welche Kinos das waren, die ihr Großvater dort verkauft hat? Rolf Arno Streit: “Ich kenn einige . . . weiß ich . . . das . . . zum Beispiel das Lessingtheater, das Passage Theater, das Harvestehuder Lichtspiele und einige andere . . . ich entsinne die Namen nicht mehr genau. Auf jeden Fall . . . vielleicht sechs Kinos, die mein Großvater der Ufa verkauft hat“. Frage: Das Waterloo Theater gehörte das auch dazu? Rolf Arno Streit: ”Das Waterloo Theater gehörte dazu, ja. Das hat mein Großvater erbaut. Das war damals das vornehmste Kino in Hamburg.“ Frage: Und dann hat ihr Vater Hugo Streit und Hermann Urich Sass . . . haben sich selbstständig gemacht und haben neue Kinos aufgemacht. Wann war das?
Rolf Arno Streit: ”Sie waren, wie gesagt, Direktoren der Ufa bis 1925 oder 1926 . . . und haben sich dann selbstständig gemacht und haben die erste . . . das erste Kino . . . gekauft, die Schauburg Hauptbahnhof . . . die damals anders hieß . . . der Name ist mir entfallen . . . das ist die spätere Barke gewesen. Am Hauptbahnhof. Dadurch . . . Nach und nach haben sie andere Kinos gebaut . . . im ganzen waren . . . bestand der Henschel Film und Theaterkonzern . . . wie er sich nannte . . . aus 12 Kinos. Schauburg Hamm, Schauburg Hammerbrook, Schauburg Wandsbek, Schauburg Harburg und diverse andere . . . die mir im Moment nicht einfallen. Auf jeden Fall waren es zwölf Großkinos und der Konzern war dadurch . . . der größte Konzern in Hamburg . . . was die Theaterbranche . . . die Kinobranche anbelangt“. Frage: Sie hatten mir erzählt, sie haben auch mal eine Eröffnung miterlebt . . . von der Schauburg am Millerntor (1927) . . . das war ja ein sehr großes Kino und zur Eröffnung ist Henny Porten gekommen . . . können sie da noch mal was erzählen? Rolf Arno Streit: ”Ja ich kann darüber erzählen, aber ich weiß, ob es die Schauburg Haupt . . . Schauburg Millerntor war . . . es kann irgend eine andere Schauburg gewesen sein. Alle Schauburgen wurden eröffnet mit irgendeiner Sensation, so auch eine . . . (LKW Lärm) . . . so auch eine Schauburg mit der Henny Porten. Die Henny Porten kam in Hamburg an . . . am Hauptbahnhof. Es waren viel mehr Menschen dort . . . als seiner Zeit der Reichspräsident Ebert ankam, das schrieben die Zeitungen . . . später. Andere Schauburgen wurden eröffnet mit anderen Filmschauspielern unter anderem auch einmal durch einen Ball bei . . . Sarasa . . . bei . . . in . . . dem Saal . . . ich komm nicht auf den Namen . . . (vermutlich Sagebiel) . . . auf dem größten Saal in Hamburg. Da wurden dann die Leute gefilmt, entweder die getanzt haben oder selbst gesprochen haben und dieser Film wurde vorgeführt in den Schauburgen und die ganzen Leute die gefilmt wurden, haben sich natürlich die Filme angeguckt. Das war ein gutes Geschäft. Nicht nur eine gut Idee, sondern auch ein gutes Geschäft . . . Es wurden auch andere eröffnet mit Emil Jannings, soweit ich erinnere und durch andere Sensationen . . . ich kann nicht auf die ganzen Sachen eingehen, weil die Erinnerung mir nicht die . . . Carl Heinz Streit: (der ältere Bruder) ”Lucie Englisch war auch einmal da.” Rolf Arno Streit: ”Lucie Englisch ja . . . sprich du mal weiter. Carl Heinz Streit: ”Ja ich weiß ja nicht so viel wie du. Du hast doch die ganze Wiedergutmachung betrieben. Dadurch bist du mehr im laufenden.” Frage(an Carl Heinz Streit): Sie haben doch auch mal im Henschel Film und Theaterkonzern gearbeitet? Ein Jahr lang . . . ? Carl Heinz Streit: “Ja in der . . . in dem Booking Department . . . wie heisst das auf Deutsch? Programmation gearbeitet . . . Aber ganz kurze Zeit nur. Frage: Was gab es da für Filme . . . wissen sie das noch? Carl Heinz Streit: “Boh ! . . . an die Filme kann ich mich nicht mehr erinnern. (lacht) Rolf Arno Streit: “Es gab zum Beispiel . . . es wurde in den Schauburgen gezeigt. Der erste Tonfilm mit Harry Liedtke und Marlene Dietrich, der hiess „Ich küsse ihre Hand Madam“. Es waren aber nur einige Minuten, die der Ton herausgekommen ist, nämlich das Lied, ich küsse ihre Hand Madam wurde gesungen von Marlene Dietrich mit dem Harry Liedtke zusammen . . . (Richard Tauber war der Sänger – Länge: 2 Minuten 38 Sekunden). Das war eine Sensation. So fing der Tonfilm in Hamburg an. Später natürlich kamen andere Filme wie zum Beispiel: „Der letzte Mann“ mit Emil Jannings. Das war ein . . . erfolgreicher Film und auch der „Blaue Engel mit Marlene Dietrich . . . Carl Heinz Streit : “ . . . und Emil Jannings“. Rolf Arno Streit: “Ja und Emil Jannings. So nun erzähl du mal wieder was (zu seinem Bruder).“ Carl Heinz Streit: “Dann wurde aufgeführt der Film . . . ich weiß nicht mehr den Namen . . . aber es war dieser Schwarze . . . , der sich als Schwarzer verkleidet hat . . . Al Jolson . . . der Jazzsinger“. Frage: Das war der erste Tonfilm denn auch . . . der erste richtige Tonfilm.
Carl Heinz Streit: “Das war der Tonfilm, der nicht mehr über Grammophon ging. Die ersten . . . die ersten Tonfilme wurden mit Platten bedient. Nachher kam der optische Film. Das war der erste mit Al Jolson“. Frage: Die Schauburgen – also die Schauburg Hamm und die Schauburg Millerntor . . . das waren ja alles Neubauten . . . das muss ja ne enorme Stange Geld gekostet haben. Wissen sie da irgendwie . . . wieviel das gekostet haben mag? Carl Heinz Streit: “Nein“. Rolf Arno Streit: “Das waren einige Millionen. Ich glaube, mein Großvater – James Henschel- hat das Anfangskapital zur Verfügung gestellt. Vielleicht wurden nachher auch Bankkredite aufgenommen. Ich kann das nicht genau sagen. Aber auf jeden Fall war das ein Großunternehmen und die meisten Kinos sind erbaut worden durch den Verdienst, der schon bestehenden Kinos (Moped im Hintergrund) . . . Die meisten Kinos sind erbaut worden, durch den Verdienst der schon bestehenden Kinos. Die ganzen Schauburgen, bis auf einigen . . . bis auf einigen . . . wurden vom Henschel Film und Theaterkonzern selbst erbaut. Also es waren eigene Grundstücke.“ Frage: Dann waren es . . . wenn ich das so richtig recherchiere . . . dann waren es imgrunde nur zwei . . . zwei große Filmtheaterbetriebe in Hamburg . . . das war der Henschel und die Ufa. Die müssen doch in starker Konkurrenz auch gestanden haben? Rolf Arno Streit: “Ja, solange sie nicht den Ufa Palast gebaut hatten, war das . . . gab es keine große Konkurrenz . . . aber nachdem der Ufa Palast . . . ich glaube es war im Jahre 19 und . . . Ende 1920 . . . vielleicht 1929 . . . oder 28 . . . ich weiß nicht genau . . . da wurde es natürlich eine Konkurrenz. Aber die hat dem Henschel Film und Theater Konzern auch nichts ausgemacht . . . er ist . . . er ist sehr solide geblieben . . . bis zum Ende . . . bis zum Anfang der Nazizeit . . . Da wurde der Henschel Film und Theater Konzern sehr stark betroffen . . . und . . . es wurde ein . . . ein . . . ein Programm gegen die Theater ausgeübt“. Frage: Wann hat das begonnen . . . das man gegen den Henschel Film und Theater Konzern . . . Rolf Arno Streit: “Mit Anfang der Nazizeit . . . 1933 . . . Da wurde der . . . Henschel Film und Theaterkonzern gestempelt als jüdisches Unternehmen . . . und dadurch sind die . . . Besucher ziemlich heruntergegangen . . . .1936 . . . ich glaube mich nicht zu irren . . . (gemeint ist vermutlich der reichsweite Pogrom in der Nacht vom 9/10 November 1938) . . . in der Kristallnacht wurden die Kinos geschändet . . . und zerstört . . . zum Teil, dann haben sie . . . dann haben sich die Nazis davorgestellt und haben keine Juden mehr . . . keine Ar . . . keine Besucher mehr hereingelassen. Dadurch hat der Konzern natürlich sehr stark gelitten.” Frage: Der Henschel Konzern war eine OHG zwischen Hermann Urich – Sass und Hugo Streit und das gab es eine Phase wo . . . ihre . . . ihre Väter das wohl schon voraus gesehen haben . . . sie hatten mir erzählt, er wär . . . der Hugo Streit wär zusammen mit dem einen Geschäftsführer nach Berlin gefahren und wollte das verkaufen . . . das Kino. Können sie darüber was sagen? Rolf Arno Streit: “Ja mein Vater . . . Hugo Streit ist mit Romahn . . . der damals . . . Prokurist gewesen ist, von den Schauburgen nach Berlin gefahren, um mit der Ufa zu verhandeln . . . k . . . önnen wir mal einen Augenblick Schluß machen? ..zu Carl Heinz:. Weshalb ist Papa nach Berlin gefahren? Achso ja . . . kann ich weitermachen . . . Mein Vater ist mit Romahn nach Berlin gefahren, um mit der Ufa . . . (lauter LKW) um mit der Ufa zwecks Verkauf zu verhandeln, die Ufa war interessiert daran, die Kinos zu übernehmen . . . in dieser . . . selben Zeit . . . in diesem selben Zeitabschnitt starb Hermann Urich Sass . . . und Romahn wurde benachrichtigt von dem Tode von Hermann Urich Sass . . . aber sollte nicht stören . . . störend auf die Verhandlungen meines Vaters mit der Ufa wirken . . . Das geschah aber doch aus irgendeinem Grunde, der mir entfallen ist . . . ich glaube durch die Zeitung . . . ich weiß es nicht genau . . . und mein Vater hat die Verhandlungen abbrechen müssen . . . daraus ist nichts . . . leider nichts geworden“. Frage: Das ist ein historisches Datum in zweierlei Hinsicht. Am 27. Januar starb Hermann Urich Sass und am 30. Januar . . . wurde er beerdigt . . . Rolf Arno Streit: „Am 30 . . . wurde Hermann Urich Sass beerdigt, das war an dem Tag als Hitler zum Reichkanzler ausgerufen wurde . . . von Hindenburg . . . später wurde er der sogenannte Fü . . . Führer im möchte lieber sagen Verführer, denn er hat die ganze Welt verführt und sechs Millionen Juden ermordet . . . aber das gehört nicht zu . . . (LKW Geräusch) . . . Soll ich wiederholen. Anfangen mit Hermann Urich Sass, das er starb?“ Frager: Ja Rolf Arno Streit: Mein Vater war mit Romahn dem Prokuristen des Henschel Konzerns in Berlin um mit der Ufa zwecks Verkauf der Kinos zu verhandeln. Während der Verhandlungen ist Hermann Urich Sass gestorben. Das sollte meinem Vater aber nicht mitgeteilt werden, um die Verhandlungen nicht . . . mit der Ufa nicht zu stören . . . und Romahn wurde benachrichtigt, aber er konnte es leider nicht verschweigen, wahrscheinlich hat mein Vater es aus der Zeitung erfahren . . . und ist dann zurückgekommen und die Verhandlungen wurden abgebrochen . . . inzwischen ist der Nazismus weiter gegangen, die Theater wurden weiter geschädigt und die Ufa war nicht mehr interessiert an einem Kauf der Kinos . . . . Später wurde mein Vater gezwungen die . . . nein später wurde eine Kommanditgesellschaft gegründet . . . in dem mein Vater der alleinige Gesellschafter war und die Kommanditisten die Erben des verstorbenen Hermann Urich Sass . . . Später wurde mein Vater gezwungen, die Sachen zu verkaufen . . . oder zu realisiseren, damit . . . die Kinos . . . wie heisst das auf gut deutsch? (An Carl Heinz Streit ) Carl Heinz: “arisiert“. Rolf Arno Streit: “Arisiert worden sind . . . arisiert wurden“. Carl Heinz Streit: “Gleichschalter wurden eingesetzt“ Rolf Arno Streit: “Gleichschalter wurden eingesetzt, das waren Romahn und Schümann . . . die nachher als die Inhaber des Henschel Film und Theaterkonzerns fungierten. Gezahlt haben sie nichts dafür. Dafür hat schon die Partei gesorgt, daß den Juden kein Geld zugefügt worden ist. Und wenn . . . das entsinne ich nicht . . . .ein ganz kleiner . . . Betrag . . . der überhaupt nicht . . . dem Unternehmen entsprach . . . ” Frage: Die Schauburg Lichtspieltheatergesellschaft Romahn und Schümann GmbH . . . wurde ja 1933 schon gegründet mit 20.000,– RM. Nun hab ich mich so gefragt, wie kann man denn mit 20.000,– RM ein Gebäude übernehmen das schon allein 500.000,–RM gekostet hat? Rolf Arno Streit: „Ich glaube sie irren, das war nicht 1930, sondern . . . 1934 oder 1935 . . . Das war nicht 1930. 1930 gehörte doch der Henschel Film und Theater Konzern . . . Frage: Nee 1933 . . . Rolf Arno Streit: Ja 1933 . . . gehörte der Henschel Film und Theater Konzern . . . wurde der Henschel Film und Theater Konzern . . . nach dem Tode von Hermann Urich Sass . . . in eine Kommanditgesellschaft umgewandelt . . . wie ich bereits beschrieben hatte . . . gesagt hatte . . . Aber ich glaube . . . die Gesellschaft Romahn und Schümann wurde gegründet . . . 1935 . . . oder 1936 . . . das war nicht 1930. Frage: Also ich hab nur die Handelsregister Eintragung und danach ist es schon 1933 passiert. Die Gründung selber und die Eintragung ins Handelsregister. Der Widerspruch ist nur der, das man mit so wenig Grundkapital . . . sag ich mal . . . mit 20.000,– RM so teure Kinos dann später übernehmen kann . . . Rolf Arno Streit: “Ja das weiß ich nicht ganz genau, wie die Sachen gewesen sind, ich weiß nur, daß Romahn und Schümann, die ja kein Geld hatten . . . die erste Zeit meinem Vater Zuwendungen gemacht hatten. Das wurde auch von den Nazis so vorgeschrieben, daß die Juden . . . eben die Geschäfte übergeben mußten, das war ein Zwang . . . es lag ein Zwang dahinter . . . ich glaube nicht . . . daß man . . . das Romahn und Schümann . . . ich weiß das Romahn und Schümann kein Geld hatten um das Unternehmen zu kaufen . . . Deshalb ist vielleicht die Eintragung gewesen . . . 20.000 Mark . . . das war eine Schein . . . eine Schein . . . wie nennt man das auf Deutsch? . . . .Eine Schein . . . Sache.“ Frage(An Carl Heinz Streit) Sie haben ja noch in Berlin lange im Filmverleih gearbeitet? Können sie darüber noch was sagen? Carl Heinz Streit: „Ja ich hab bei der Universal Films gearbeitet . . . wo ich nachher . . . in Brasilien auch angestellt wurde.“ Frage: Universal ist ja eine amerikanische Firma, hat die auch . . . Juden entlassen schon . . . zu der Zeit oder . . . Carl Heinz Streit: Es war eine vollkommen amerikanische Firma und der Präsident seinerzeit, als ich anfing bei der Universal war Carl Laemmle . . . das war ja auch ein Jude . . . die waren in ganz Südamerika . . . in ganz Südamerika vertreten durch den Direktor . . . der vorher in Deutschland . . . Direktor für ganz Europa war . . . Al Szeckler * . . . und als ich in Rio de Janeiro ankam, hat der mich sofort angestellt . . . bei der Universal Films . . . da hab ich gearbeitet als . . . zuerst als Buchhalter, nachher wurde ich versetzt nach Belo Horizonte . . . wo ich die Filiale geleitet habe . . . als Direktor für den Staat Minas Gerais und da hab ich lange gearbeitet . . . zweiunddreissig Jahre . . . in der Universal Films“. Frage: Kommen wir noch mal zurück zu der Zeit . . . sie sind ja aus Deutschland . . . mußten aus Deutschland flüchten . . . das sie mal erzählen, wann das war und wie das so im Einzelnen vor sich gegangen ist. Carl Heinz Streit: “Wir sind 1936 ausgewandert. Sind zuerst in Rio de Janeiro angekommen und von da aus nach Buenos Aires gegangen . . . aber uns gefiel Rio de Janeiro viel besser als Buenos Aires . . . (Lkw Geräusche) . . . willst du nichts erzählen von Sass . . . Hilde Streit: “ . . . das der gestohlen hat . . . Carl Heinz Streit: ” . . brauchst ja keinen Namen zu nennen . . . sind einem Betrüger in die Hände gefallen“ . . . Carl Heinz Streit: “Das gehört nicht dazu“. LKW Geräusche . . . Frage: Können wir gerne haben. Können ja von irgend einem Mann erzählen . . .Hilde Streit: “Der lebt vielleicht gar nicht mehr” Carl Heinz Streit: “Wo sind wir nun?” Frage: Wir sind noch gar nicht ausgewandert. Sie sind immer schon in Argentinien, aber wir sind eigentlich noch in Deutschland. Carl Heinz Streit: “Naja denn wollen wir noch mal. Also wir sind 1933 ausgewandert . . . mit der . .wir sind nach Brasilien gekommen mit der Monte Pascia (?Schreibweise). Rolf Arno Streit: “Wir sind nicht 1933 ausgewandert.“ Carl Heinz Streit Hilde Streit: “1936 . . . 1936 sind wir ausgewandert . . . sind in Brasilien angekommen . . . sind ungefähr einen Monat in Rio de Janeiro geblieben . . . von da aus nach Argentinien Buenos Aires . . . aber uns gefiel Rio de Janeiro bedeutend besser. Sind wir also . . . nach Brasilien zurückgekommen und . . . da wurde ich sofort angestellt bei der Universal . . . wo der der Direktor der vorjährige Direktor für Europa war . . . Al Seckler . . . da hab ich . . . hab ich ca 40 Jahre gearbeitet bei der Universal.“ Frage: Wie war das.? Das war ja nicht ganz einfach ein Einreisevisum für diese Länder zu bekommen: Rolf Arno Streit: “Ja die Sache war die . . . man hat sich immer den Kopf zerbrochen wohin . . . denn wir wollten und konnten nicht in Deutschland bleiben . . . unter der Naziherrschaft und da kam dann ein Mann zu uns und sagte, er könnte uns Geld rüberbringen nach (lacht) Brasilien und . . . ich will diese ganze Geschichte nicht genau auslegen . . . denn die ist vergessen . . . relativ . . . und auf jeden Fall haben wir das Geld . . . was unser Vater uns gegeben hat . . . nicht ausgezahlt bekommen . . . in Brasilien . . . und der Mann hat dann gesagt . . . das ist versehentlich nach Argentinien überwiesen worden . . . dann sind wir dann alle zusammen nach Argentinien gefahren, wo er dann auch immer wieder die Ausrede hatte . . . es ist noch nicht angekommen. Wir waren vielleicht zwei drei Wochen . . . vier Wochen in Argentinien . . . und da bis dahin das Geld nicht überwiesen wurde . . . wußten wir dass wir einem Betrüger in die Hände gefallen sind. Uns gefiel Rio . . . wie eben schon beschrieben von meinem Bruder . . . uns gefiel Rio besser . . . und deshalb sind wir nach Rio abgefahren und von Rio aus haben wir dann dem Man geschrieben . . . wie das nun ist mit dem Geld . . . daraufhin antwortete er . . . wenn ihr noch mal über die Geschichte fragt oder überhaupt schreibt . . . dann wißt ihr ja, daß ihr noch Eltern in Deutschland habt . . . an die ich mich rächen könnte.” Frage: Sie waren ja schon in Holland, wenn ich das so richtig entsonnen habe und haben ihr Frau nachgeholt nach Holland zum heiraten und haben dadurch das Visum bekommen. Können sie das noch mal erzählen?“ Rolf Arno Streit: “Ja die Sache war folgende. Ich habe meiner Frau die Ehe versprochen, bevor ich Deutschland verließ und wir sind damals nur als . . . als Touristen . . . mit einem Touristenvisum in Brasilien angekommen für die Zeit von einigen Wochen, wir blieben da ungefähr ein halbes Jahr und es war nicht möglich eine Legalisation zu erwirken aus verschiedenen Gründen . . . die mir entfallen sind . . . auf jeden Fall . . . habe ich dann meinem Onkel (Anmerkung 2014: Dr. Isidor Kahn, verheiratet mit Bianca Kahn geb. Henschel, einer Tochter von Jeremias Henschel, Wohnort Den Haag), der Konsul von Portugal war und in Holland lebte geschrieben, ob er mir helfen kann. Er sagte mir ja . . . er schrieb mir ja, das kann ich machen . . . aber du musst selbst hier herüberkommen, dann wird alles erledigt. Naja ich will nicht weiter darüber reden . . . dass nichts erledigt wurde. (lacht) aber es kam ein Freund meiner Eltern nach Holland um zu hören . . . wie es in Brasilien aussieht, denn er hatte ein Einreisevisum von Brasilien bekommen in Antwerpen von dem Generalkonsul von Brasilien . . . und da hab ich ihn gefragt . . . wie haben sie das gemacht . . . da sagt er einen ganz kleinen Betrag hat er eingezahlt was er in Brasilien wiederbekommen würde und dadurch hat er das sogenannte Kapitalistenvisum bekommen und . . . ist reingekommen . . . und ich hab mir sehr bedankt bei diesem Mann, denn ich bin zwei Tage später nach Antwerpen gefahren und hab dort den Vizekonsul nach dem . . . nach diesem Kapitalistenvisum gefragt und der hat mir dann den Rat gegeben zu heiraten wieder hinzukommen und er würde mir dann das Kapitalistenvisum geben.
Also meine Frau ist dann nach Holland gekommen zusammen mit meinen Eltern und ihren Eltern und da wurde geheiratet in Holland . . . in Haag . . . übrigens wo auch die Prinzessin Juliana geheiratet hat . . . aber das nur nebenbei . . . auf jeden Fall sind wir dann zwei drei Tage später nach Antwerpen gefahren um das Visum zu erhalten aber der Vizekonsul sagt mir . . . es tut mir furchtbar Leid . . . ich kann ihnen das Visum nicht mehr geben, denn es kommt kein Mensch mehr nach Brasilien rein . . . kein Deutscher . . . oder kein Jude ich weiß das nicht mehr genau . . . Hilde Streit: kein Deutscher. . . auf jeden Fall . . . ein Deutscher nicht wahr . . . es war gesperrt . . . vom Außenministerium . . . da hab ich zu dem Vizekonsul gesagt . . . hören sie mal zu ich bin da in einer fürchterlichen Lage, ich kann in Holland nicht bleiben, ich kann nicht nach Deutschland rein, wo ich sofort ins Konzentrationslager gekommen wäre, also was soll ich machen . . . er sagte, ich kann ihnen leider nicht helfen . . . da sagte ich dann . . . kam ich auf die gute Idee und bat ihn mich vorzustellen dem Generalkonsul . . . was geschah . . . dem Generalkonsul habe ich meine Geschichte erzählt . . . und dieser gute Mann hat uns glücklicherweise das Kapitalistenvisum gegeben zusammen mit einem Brief ans Aussenministerium und mir eine Kopie übergeben von diesem Brief . . . in dem unsere Geschichte beschrieben wurde . . . das er keine andere Möglichkeit hatte, als mir das Visum gegen die Anordnung des Ida Maraties (Schreibweise ?) . . . also des Aussenministeriums zu erteilen . . . Aber die brauchte ich nicht, denn wir sind glatt in Rio angekommen . . . Somit fing unsere Geschichte in Brasilien an. Frage: Sie hatten mir gesagt . . . es hätte auch so die Möglichkeit gegeben, daß sie mit einer Ausnahmegenehmigung nach Deutschland für drei Tage fahren und hatten dafür einen bestimmten Ausdruck genannt. Können sie das noch mal erzählen? Rolf Arno Streit: ”Das ist ein . . . ich weiß nicht mehr genau wie das hieß . . . auf jeden Fall war das . . . wurde das Leuten . . . auch Juden erteilt . . . (lautes LKW Geräusch) . . . Frage: Einfach noch mal von vorne . . . diese Ausnahmegenehmigung . . . Rolf Arno Streit: “Diese Einreisegenehmigung für zweidreivier Tagen wurde Juden auch gegeben, um zum Beispiel die Eltern zu beerdigen oder irgend welche . . . aus irgendwelchen Anlässen und diese hab ich mir auch erhofft zu erhalten . . . aber hab sie nicht erhalten . . . bin von dem Konsul in Amsterdam (Hilde flüstert vor: gewarnt worden . . . gewarnt worden) . . . nicht gewarnt worden . . . erstmal rübergerufen worden . . . da hat er mir dann gesagt . . . das es leider nicht möglich ist . . . ich soll . . . die Einreisegenehmigung ist nicht bewilligt worden . . . und da hab ich gesagt zu ihm . . . das könnten sie mir doch auch am Telefon gesagt haben . . . und darauf hin gab er mir keine Antwort . . . also ich bin wech gegangen . . . verärgert . . . und er ist mir nachgelaufen . . . der Konsul . . . Hilde: das war ja deutscher Boden, nech . . . das Konsulat . . . Rolf Arno Streit: „Konsulat war Deutscher Boden . . . da kam der . . . da kam mir der Konsul nachgelaufen ich soll um gotteswillen nicht nach Deutschland einwandern ohne diese Genehmigung, denn ich käme sofort ins Konzentrationslager . . . na daraufhin haben wir dann in Holland geheiratet . . . wie ich schon gesagt habe . . . ” Frage: Hätte man denn mit dieser Genehmigung den Nazis eigentlich trauen können? Rolf Arno Streit: “Das kann ich ihnen nicht sagen (lacht), weil ich das nicht erlebt habe . . . aber ich weiß von Leuten, die rübergegangen sind und wieder rausgekommen sind . . . zwei drei Tage um Eltern zu beerdigen . . . oder irgendwas, aber ich hätte es gewagt, wenn ich das bekommen hätte. In Deutschland geheiratet zu haben . . . wäre für mich einfacher gewesen . . . als in Holland . . . bei meiner Tante, bei der ich gelebt habe. Frage: Sie sind dann zu dritt aufm Dampfer von Amsterdam ? oder von Antwerpen . . . Hilde Streit: zu zweit zu zweit . . . Rolf Arno Streit: “Zu zweit sind wir gefahren . . . denn mein Bruder war ja schon hier. Carl Heinz Streit: ”Ich war ja drüben geblieben.“ Rolf Arno Streit: “Wir sind gefahren mit einem deutschen Dampfer . . . mein Vater hat uns eine Passage geschenkt mit der Monte . . . sie cerra campus (Schreibweise ?) Rolf Arno Streit: „ si cerra campus war das auch nicht . . . Hilde Streit: Nee das war ein sehr schönes Schiff . . . das war das schönste an der ganzen Reise . . . Rolf Arno Streit: „Cap Norte . . . das war die Cap . . . Cap Norte . . . das war die Cap . . . wir sind mit der Cap Norte wieder nach Brasilien gefahren.“ Frage: Nen Hamburg Süd Schiff ne?Rolf Arno Streit: “Hamburg Süd Schiff“ Hilde Streit: „Das schönste von der ganzen Reise .“
Rolf
Arno Streit: “Das war ein
Schwesternschiff der Cap Polonio . . . und dann sind wir drüben
abgekommen . . . wieder hier in Rio . . . und dann ging die Arbeit
los . . . das war nicht einfach . . . ich persönlich habe Klavier
gespielt abends für eine . . . für einen Club . . . nicht jeden
Abend aber Sonnabend und Sonntag auf jeden Fall . . . und einmal die
Woche und dann hab ich eine Anstellung bekommen als Aufseher in einer
Eimerfabrik . . . da waren Ratten . . . die Eimer wurden teilweise
gemacht aus . . . Hilde Streit: Marmeladen . . . Marmeladendosen . .
. also großen Marmeladengefässen und die Ratten, die haben sich
dabei . . . davon . . . dadurch ernährt . . . aber wenn die
Maschinen zur Mittagszeit abgestellt wurden . . . dann liefen
mir die Ratten über die Füsse . . . (lacht) . . . das entspricht
der Wirklichkeit . . . aber ich bin dort geblieben . . . einige
Monate, bis ich dann den Entschluß gefasst habe, wieder
rüberzufahren . . . nach Europa . . . also nach Holland, um zu
heiraten . . . weil ich immer meine Versprechungen im Leben gehalten
habe und so auch diese . . . nun sind wir sehr glücklich verheiratet
schon über 50 Jahre . . .
Rolf
Arno Streit: “Wir haben schon unsere goldene Hochzeit hinter
uns und sind schon dreiundfünfzig Jahre verheiratet. Gottseidank
geht es uns heute gut . . . wir sind glücklich . . . wir haben zwei
Kinder . . . leider ist eine gestorben . . . ..
Pause
Kassettenwechsel
Rolf Arno Streit: “Mein Vater und mein Onkel betrieben auch die Scala am Schulterblatt, das war ein Tanzlokal . . . das größte Tanzlokal von Hamburg . . . dazu gehörten auch die . . . das eine Ballhaus Filmzauber und ein Ballhaus Uhu und noch andere, die mir entfallen sind . . . auf jeden Fall war das ein Zweigunternehmen von den Schauburgen . . . Frage: Sind sie da mit ihrer Frau auch Tanzen gewesen? Hilde Streit: “Ne wir waren . . . da waren wir noch gar nicht verheiratet.”Frage: Man kann ja auch tanzen, ohne verheiratet zu sein. Rolf Arno Streit: “Wir haben uns da sehr gut amüsiert . . . als junge Leute . . . aber mit meiner Frau war ich nie da, denn da . . . damals war das schon nicht mehr möglich . . . ich glaube, die sind auch später abgestossen worden . . . das entsinne ich aber nicht mehr genau. Auf jeden Fall haben wir jungen Leute uns sehr gut da in der Scala amüsiert. Obwohl wir noch nicht achtzehn Jahre alt waren . . . und eines Tages . . . fällt mir grade ein sind wir . . . bin ich mit verschiedenen Freunden dahin gegangen und da sagte ein Mann von der Kapelle, es kommt Jung-Jerusalem . . . und das hat der Freund mir wiedererzählt . . . ich sag, was hat er gesagt? Jung-Jerusalem . . . also Antisemitismus . . . das war vor der Nazi Zeit . . . da kam dann mein Onkel Hermann Urich-Sass hinein und dem hab ich das erzählt . . . der ist dann raufgegangen zur Kapelle hat gesagt wer hat gesagt ist Jung Jerusalem . . . .da wollte sich erst keiner melden und da hat er gesagt, ich entlasse die ganze Kapelle, wenn ich nicht sofort weiß, wer das gesagt hat. Da hat er sich gemeldet. Und den hat er sofort rausgeschmissen. Der ist dann zu Gericht gegangen und wollte sein Gehalt haben . . . das nicht bezahlt worden ist . . . da musste ich als Zeuge . . . vor Gericht treten um zu beweisen . . . also um zu . . . auszusagen . . . um auszusagen, daß er das gesagt hatte und er hat es auch zugegeben . . . aber er wollte sein Gehalt haben . . . da hat der Richter gesagt . . . er entschuldigte sich damit . . . er wollte einen Spaß machen , . . . da hat der Richter gesagt . . . wenn sie einen Spaß machen wollten . . . dann müssen sie auch die Konsequenzen dafür bezahlen . . . und wir haben den Prozess gewonnen. Hilde Streit: ”Aber denn hat er gesagt, wie alt du bist“ . . . Rolf Arno Streit: „Dann fragte er mich noch, wie alt ich bin, da hab ich mein Alter gesagt, sechzehn Jahre oder fünfzehn Jahre . . . sechzehn Jahre war ich wohl und da sagt er . . . ja dagegen ist doch die Oberschulbehörde wahrscheinlich angegangen, dass sie mit sechzehn (lacht) Jahren sich schon in solchen Lokalen aufhalten. Dann habe ich zu ihm gesagt, ich bin geschickt worden von meinem Vater . . . (lacht) der der Inhaber der Scala war, um nachzusehen, ob da alles in Ordnung ist. Hilde Streit: ” . . . der hat davon gar nicht gewußt” Rolf Arno Streit:” . . . mein Vater aber wußte gar nichts davon, denn er war sehr strenge . . . im Gegensatz zu Hermann, der viel mehr Verständnis für solche Angelegenheiten hatte (lacht)..und..ich weiß nicht mehr genau, wie das ausgelaufen ist . . . auf jeden Fall mein Vater hat mich nicht bestraft, weil wir ja den Prozess gewonnen haben . . . Ja das war alles, was ich über die Tanzlokale berichten kann . . . da war glaub ich noch ein Lokal Filmzauber und auch der Faun . . . der hatte den selben Eingang . . . also Nebeneingang . . . vom Lessing Theater . . . da waren sie auch . . . der war auch . . . der gehörte auch zu den sogenannten Freudenhäusern . . . Frage: (an Carl Heinz Streit) Wissen sie noch was aus ihrer Jugend, was da so berichtenswert wäre? Carl Heinz Streit: “Mit der Scala möchte ich noch bemerken, daß . . . und abends in die Scala war das Wort, das sie gebraucht haben als Propaganda . . . das ist . . . die Scala bestand auch in Berlin . . . die Berliner . . . sind dagegen an gegangen und da haben sie es umbenannt. Anstatt und abends in die Scala und wieder in die Scala . . . .aber sonst aus Berlin wüßte ich nichts mehr zu berichten”. Frage: Mußten sie nun auf den jüngeren Bruder immer aufpassen? Carl Heinz Streit: “Nein (lacht) ich war in Berlin und er hat in Hamburg gelebt . . . ne ganze Zeit lang.”Frage: Ja aber vorher doch Carl Heinz Streit: “Vorher? nein wir haben uns immer sehr gut verstanden” Rolf Arno Streit: “Ich hätte mir auch nicht reinreden lassen von meinem älteren Bruder . . . aber wie mein Bruder eben gesagt hat . . . betont hat . . . wir waren immer nicht nur Brüder sondern auch Freunde und haben alles gemeinsam erlebt und . . . ” Frage: Sie hatten mir erzählt, sie waren dann später bei zwei Konkurrenzfirmen ja eigentlich eingestellt als . . . Rolf Arno Streit: “Also ich war bei der Columbia angestellt als Direktor für . . . für den Staat Minas Gerais und hab dort gearbeitet etwa 14 Jahre . . . da wurde mir ein Angebot gemacht von der United Artists mit höherem Gehalt . . . zu United Artists gegangen “(lauter LKW) . . . Frage: Ich glaub, das müssen wir ganz nochmal haben . . . das müssen wir noch mal von vorn haben. Rolf Arno Streit: “Also ich war circa 14 Jahre Direktor bei der Columbia . . . Columbia Pictures of Brazil . . . für Minas Gerais . . . später war ich Direktor bei der United Artists . . . auch für Minas Gerais . . . weil sie mir ein größeres Gehalt geboten hatten . . . und daraufhin bin ich dann . . . in eine Firma . . . zu einer Firma gegangen, die brasilianische Filme vertrieben hat . . . Sie sind zu mir gekommen und haben mich gebeten, die Sache zu übernehmen, was ich auch getan hab . . . weil ich dort etwas mehr verdient habe . . . ich bin immer nach . . . ich war immer ein guter Rechner . . . so ist es mir auch diesmal passiert. . . Frage: (an Carl Heinz Streit) Sie waren in der gleichen Zeit auch bei der Konkurrenzfirma . . . sie haben sich doch wahrscheinlich mit ihrem Bruder immer um die Kinotermine streiten müssen, wer nun die besten Kinotermine bekommen hat . . . Carl Heinz Streit: Nein . . . der Hauptkunde hier in Belo Horizonte . . . Hilde Streit (über den LKW Lärm . . . Jetzt gehts los, jetzt kommen die alle zurück. Dies ist hier an sich ruhiger, denn dahinten wohnen die armen Leute, die haben alle keine Autos . . . ” Carl Heinz Streit: ”Nein wir haben uns immer sehr gut verstanden und der Hauptkunde hier in Belo Horizonte war die Cineteatro Minas Gerais, der Hauptinhaber ist ein gewisser Luciano . . . gewesen, der vor kurzem . . . vor vier Wochen gestorben ist . . . ist der . . . einer der reichsten Männer der Welt . . . der Welt nicht, von Brasilien. . . man schätzt ihn auf über drei Billionen Dollar . . . die er hinterlassen hat . . . aber er hat auch . . . man sagt ihm nach . . . er hätte noch dreissig uneheliche Kinder . . . Hilde Streit: ”Die streiten sich nun alle mit den ehelichen”. Carl Heinz Streit: ”Ja ja . . . ehelichen sind zwei Kinder und eine . . . ein angenommenes Kind . . . also drei haben das Hauptrecht, die kriegen schon den . . . die . . . Departe . . . ” Hilde Streit: “Teil den Teil der Mutter, die vor drei Jahren ungefähr gestorben ist . . . ” Frage: (zu Carl Heinz Streit) Können sie noch mal sagen, bei welcher Firma sie im Verleih tätig waren. Carl Heinz Streit: “Bei der Universal Pictures . . . die hat hier gehiessen Universal Film SA . . . da war der Konzern von Carl Laemmle. Carl Laemmle war . . . die Universal Pictures in den Staaten die ausserdem das größte Atelier in Los Angeles haben . . . ich glaub, sie haben das selbst gesehen, das Atelier . . . es war das größte der ganzen Welt . . . ” Rolf Arno Streit: “Also bei den Filmfirmen war das so das jedes Jahr eine neue Produktion herauskam. Bei der Columbia waren es meistens so etwa fünfzig Filme, die die Filmtheaterbesitzer . . . haben abnehmen müssen. Es wurde dann zur Hauptsache mit Festpreisen gemacht und immer zweidrei Filme prozentual vermietet. Das heisst die Filmfirma war beteiligt an dem Umsatz der Theater mit fünfzig . . . sogar sechzig Prozent . . . oder ein Film wie zum Beispiel ich komm nicht mehr auf den Namen . . . auf jeden Fall Großfilme (Hundegebell) wurden auch vermietet bis zu siebzig Prozent. Das war natürlich Wucherei, aber die Leute konnten nicht anders, sie mußten es machen . . . da hat da . . . zu diesem Zweck haben wir Fiskale geschickt . . . Fiskale . . . die Übersetzung sind . . . Schrecker ? Hilde Streit: Fiskale ist auf der ganzen Welt . . . ist das richtig . . . nein Kontrolleure . . . Kontrolleure das ist es . . . die haben mit einer Zahluhr die Zahl der Besucher feststellen . . . und das war immer ne sehr unangenehme Sache, denn die . . . naja ich will darüber lieber nicht sprechen . . . es hat keinen Zweck . . . auf jeden Fall haben die Kompanien sehr gut verdient, sowohl an den Filmen, die zu Festpreisen vermietet wurden oder eben prozentual . . . das war unser Hauptberuf . . . die Festpreise festzusetzen . . . denn es gab Kinos . . . die hatten fünfhundert Plätze und wenig Einwohner und im Gegensatz zu anderen großen . . . die hatten eben viel mehr Besucher . . . und da wurden die Festpreise natürlich viel höher . . . gemacht . . . Haben sie sonst noch irgendwelche Fragen zu stellen? Frage: Ja, wie viele Kinos im Bereich waren. Rolf Arno Streit: “Es waren wohl . . . nicht Kinos . . . Plätze meinen sie . . . also Städte . . . Städte ja . . . das waren so annähernd hundert Städte, die wir von Minas Gerais . . . bearbeiten mußten . Carl Heinz Streit: “Ich glaub es waren mehr sogar”. Hilde Streit: ”Hunderzwei.” Carl Heinz Streit: “Es waren so hundertundsechzig meiner Ansicht nach“. Frage: Und wieviel Kinos gab es so in jeder Stadt? Kann man das so . . . Carl Heinz Streit: In den kleinen Städten ein Kino. Rolf Arno Streit: “Wenn es zwei gab, dann wurde uns . . . viel . . . das sehr erleichtert . . . denn wenn der eine nicht zahlen wollte, dann ist man zum anderen gegangen und der hat dann überboten und der hat dann die Filme bekommen. Frage: Kann man sagen, daß es ungefähr zwei bis dreihundert Kinos . . . Carl Heinz Streit:” . . . In Minas Gerais? viel mehr . . . ”Rolf Arno Streit: “Sogar in . . . nur in Belo Horizonte gab es so annähernd . . . Carl Heinz Streit: “zwanzig . . . ”Rolf Arno Streit:” . . . zwanzig bis fünfundzwanzig Kinos . . . das ist Minas Gerais der zweitgrößte Staat von Brasilien . . . ich möchte sagen . . . das es so groß war . . . so groß ist wie Deutschland . . . Hilde Streit: “Größer . . . ” Carl Heinz Streit: “Ich glaube noch größer”. Frage: Die Bundesrepublik hat heute noch . . . ich glaube noch 3100 Kinos . . . wieviel? dreitausendeinhundert . . . in Deutschland? . . . Ja jetzt . . . in der Bundesrepublik. Rolf Arno Streit: ”Ja also ich kann es nicht genau sagen, wieviel es hier gibt, aber sicherlich nicht dreitausend . . . aber vielleicht sogar dreivierhundert . . . ich weiß es nicht genau, die wir zu bearbeiten hatten, ich sprech nicht von Brasilien sondern von nur vom Staate Minas Gerais . . . ” Frage: Sie sind nach dem Kriege 1952 wieder nach Deutschland gekommen um die Wiedergutmachung durchzusetzen. Können sie da mal nen bißchen was erzählen, wie das so passiert ist alles . .
Rolf Arno Streit: “Nein ich bin das erste Mal nach Deutschland gefahren . . . geflogen . . . 1949 . . . um die Wiedergutmachung zu regulieren . . . und hab mit Romahn und Schümann ein Abkommen getroffen, das Sass . . . Urich-Sass, also die Erben Urich-Sass . . . ein Drittel von allem was vorhanden war . . . auch was sie nachher an . . . an Wohnungen gekauft haben oder . . . gebaut haben . . . und ein Drittel Hugo Streit . . . die Familie und ein Drittel Romahn und Schümann zusammen. Das war eine aussergerichtliche Einigung . . . wenn sie das nicht gemacht hätten, dann wäre ich natürlich zu Gerichtsjustiz gegangen und hätte vielleicht mehr vielleicht weniger erfahren . . . aber es war ein günstiges Abkommen für beide Teile. Denn die Romahn und Schümann haben sich meinem Vater gegenüber bei der Ausreise . . . bei seiner Auswanderung anständig gezeigt . . . sie haben ihm Zuwendungen gemacht . . . die sie nicht nötig gehabt hätten . . . und da hat mein Vater zu mir gesagt . . . wenn du rüber fährst und die Sache in Ordnung bringst . . . berücksichtige dass . . . dass sie anständig gewesen sind . . . was ich auch getan habe . . . wir hätten natürlich alles haben können . . . übernehmen können . . . aber es war schon richtig so . . . (LKW Geräusch) . . . hinzukam, daß niemand von unseren Familien wieder nach Deutschland zurück gehen wollte, um die . . . um das Unternehmen zu führen . . . deshalb hab ich das so gemacht und das war auch im Einverständnis mit meinem Vater und meinen . . . den Urich-Saß Erben geschehen. Frage. Sie haben dann auch für den Manfred Hirschel noch ein Telefongespräch mit der Klara Esslen geführt über das Waterloo Theater . . . Können sie darüber noch mal was erzählen? Rolf Arno Streit: “Ja das Waterloo Theater gehörte irgendwie Manfred Hirschel . . . der ist verheiratet gewesen mit meiner Tante . . . der Schwester meines Vaters . . . und der bat mich als ich rüberging auch mal mit der Frau Esslen, die das Kino irgendwie bekommen hatte, wie weiss ich heute nicht mehr und mich mit der zu unterhalten zwecks Wiedergutmachung und diese Frau ist mir unverschämt gekommen und da hab ich das dann meinem Onkel geschrieben, dass ich leider für ihn nichts tun kann, denn ich hab genug mit meinen Sachen zu tun und außerdem ist sie unverschämt gewesen . . . hat mir gesagt . . . vorgelogen . . . Sachen, die ich nicht glaubte und mein Onkel, der hat später selbst die Sache durchgeführt und hat auch eine Entschädigung bekommen . . . Wie die gewesen ist, weiß ich nicht . . . ” Frage: Wenn sie heute beide an Deutschland denken . . . was . . . welche Gefühle haben sie da? Rolf Arno Streit: “Es war einmal sehr schön . . . sehr schön . . . wir sind in Deutschland geboren worden, waren Deutsche und obwohl schon in früheren Zeiten . . . ein Antis . . . ein gewisser Antisemitismus herrschte . . . aber als dann die Nazis kamen . . . nicht wahr..und dann der Durchbruch des Antisemitismus gewesen ist . . . da war . . . da waren wir froh als wir draußen waren. Carl Heinz Streit: „Das was geschehen ist, das kann man nicht mehr vergessen. War zuviel und deswegen sind die meisten auch nicht wieder zurückgegangen nach Deutschland. Hilde Streit: „Nein, ich glaub, sehr wenige zurück gegangen nach Deutschland.“ Carl Heinz Streit: “Sehr wenige” Rolf Arno Streit: “Sehr wenig Leute . . . Juden sind zurückgegangen nach Deutschland. Einige, die nichts hier werden konnten sind zurückgegangen um dort Stellung zu bekommen . . . was vielleicht auch möglich gewesen war, aber die meisten sind hier geblieben, weil sie hier ihre zweite Heimat gefunden haben . . . . Hilde Streit: ”Wir sind zum Beispiel eine der wenigen, die überhaupt noch Deutsche geblieben sind, die anderen sind alle keine Deutschen mehr. Fast alle. Von unseren Bekannten bist du wir und Einsturz aus . . . ” Rolf Arno Streit: “ . . . naja aber es gibt natürlich diverse Deutsche, die wir nicht kennen, die auch Deutsche geblieben sind . . . also deutsche Juden . . . sind Deutsche geblieben. Aber wenig. Wir haben das Recht, das brasilianische Recht erworben durch unsere Anwesenheit von über fünfzig Jahren hier und wir haben ausserdem noch die Möglichkeit nach Deutschland zu reisen . . . ohne Visum und so weiter . . . Carl Heinz Streit: “Wir haben ausserdem brasilianische Kinder . . . ich persönlich bin mit einer Brasilianerin verheiratet . . . wir haben so gut wie die selben Rechte (lauter LKW) eines Brasilianers Frager: Bitte noch mal ohne LKW Carl Heinz Streit: ”Wo wo soll ich anfangen?” Hilde Streit: ”Das du ne brasilianische Frau hast . . . ne Carl Heinz Streit: ”Außerdem haben wir brasilianische Kinder und ich persönlich bin mit einer Brasilianerin verheiratet und dadurch haben wir die selben Rechte wie ein Brasilianer. Nur das wir nicht Präsident der Republica werden können . . . Präsident von Brasilien . . . Hilde Streit: “Man kann auch kein Briefträger werden. Irgend etwas kann man nicht werden, was sehr wichtig ist. Rolf Arno Streit: ”Auf jeden Fall haben wir sehr viel mit durchgemacht, besonders deswegen . . . besonders in den Jahren als meine Eltern noch nicht hier waren. Es wurde ja immer schlimmer und schlimmer und mein Vater wurde gehetzt von der Gestapo und hat sich geflüchtet auf Landstrassen und auch auf Böden von Freunden . . . Boden heisst das da oben . . . ganz oben . . . da hat er geschlafen . . . er hatte einen Bekannten bei der Gestapo war, der ihm gut gesonnen war und der hat ihm immer berichtet, wenn er weggehen müßte, denn es kam eine . . . Nazi . . . Nazi Razzia und die wollten ihn abholen . . . da ist er gottseidank . . . dem ist er gottseidank entgangen eben durch diesen Bekannten bei der Gestapo . . . wenn ich den Namen wüßte würde ich ihn sagen, um ihm nochmal zu danken für alles . . . das was er für meinen Vater getan hat . . . er wird aber gar nicht mehr leben . . . und dadurch hat mein Vater sich gerettet vor dem Konzentrationslager. Ja “(Autogeräusche) Hilde Streit: “Sonst ist es eigentlich leiser hier”. Frage: Sonst hört man es vielleicht nicht so, wenn man nicht darauf achtet. Hilde Streit: “Dann finde ich es immer leiser als bei uns”. Carl Heinz Streit: “Bei uns hinten hört man überhaupt nichts “ (Warum sind wir da damals nicht hingegangen?) Frage. Wie oft waren sie jetzt nach dem Kriege in Deutschland? Rolf Arno Streit: “Ich war nach dem Kriege sieben oder achtmal in Deutschland, fünfmal wegen der Wiedergutmachungsgeschichten und Hilde Streit: Wie oft waren wir da . . . Rolf Arno Streit: Das darfst du ja nicht sagen. Hilde Streit: „Warum nicht?“ Rolf Arno Streit: “ . . . (lacht) und flüstert . . . weil wir noch eine Einreise haben wollen.“Hilde Streit Achso.(lacht) Rolf Arno Streit: „Bringen sie das bitte nicht mit rein.(lacht)“ Hilde Streit: „Achja wir wollen ne Einreise haben“ Frage: Es gibt doch so Einladungen auch . . . Hilde Streit: „Ne Einladung vom Senat.“ Frage: Die haben gerade dieses Jahr wieder so ein Programm aufgelegt. Hilde Streit: „Ja eben, denn fahren wir wieder hin.“ Rolf Arno Streit: „Ja ich persönlich hab geschrieben, ich war schon in Deutschland . . . und deshalb würde mir das nicht . . . beschieden . . . aber meine Frau . . . die noch nicht in Deutschland war. (Hilde Streit lacht) wird . . . da meine Frau noch nicht in Deutschland war . . . “ Hilde Streit: „Das ist doch gar nicht mehr drauf.“ Rolf Arno Streit: „Natürlich ist das drauf“ Hilde Streit: „Achja.“ Frage: Wir legen das da nicht vor. Hilde Streit: „Das wird abgeschnitten.“ Rolf Arno Streit: „Da meine Frau noch nicht in Deutschland war, hoffe ich vielleicht durch sie meine neue Einreise zu bekommen.. (lacht) ich persönlich würde so gerne meine Spesen übernehmen, wenn der Senat sie für meine Frau übernimmt“ (LKW Geräusche) Frage. Über den Spesen war der LKW drüber . . . Ich sag . . . über den Spesen war der LKW drüber . . . Rolf Arno Streit: LKW ? Frage: Lastkraftwagen . . . ich weiß nicht wie sie das Dietmar Bruns: Camioao Hilde Streit: Camiao Er spricht ja perfekt Portugisiesch. Rolf Arno Streit: „Soll ich das wiederholen?“ Hilde Streit: „Lieber nicht.“ Rolf Arno Streit: „Ist schon drauf? Ajah Haben sie sonst irgendwelche Fragen zu stelle?“ Frage: Was wir vorhin ja nicht hatten, war den Eisenstein . . . das wir darüber vielleicht noch mal reden, das der Eisenstein ja mit dem Potemkin . . . in den Schauburgen gezeigt hat und das es ja bei der Ufa mehr sone . . . nationale Ausrichtung gab . . . das man so bestimmte Filme nicht mehr gezeigt hat . . . später . . . es gab später “Im Westen nichts neues” der durfte ja bei der Ufa nicht gezeigt werden und der lief dann in den Schauburgen, wissen sie darüber irgendwas noch? Rolf Arno Streit: “Im Westen nichts neues“ war wohl einer der größten Filme, der je hergestellt wurde und ich glaube, er wurde in den Schauburgen gezeigt, aber ich kann das nicht mit Bestimmtheit behaupten . . . ich entsinne, das wir den Film gesehen haben in London . . . wir sind . . . mein Vater hatte eine Einladung bekommen nach London zur Eröffnung eines . . . des größten Theaters von London . . . ich glaub es hieß Empire Palace . . . da wurde der Film “Im Westen nichts neues” “Gone with the wind” aufgeführt Hilde Streit/ Carl Heinz Streit: „Das ist “Vom Winde verweht” Rolf Arno Streit: „Ach das ist Vom Winde verweht. Wie hieß denn der im Westen nichts neues auf Englisch?“ Frage: “All quiet at.” Carl Heinz Streit: “All quiet at the on the eastern front” . . . Hilde Streit: “Und warum durfte das nicht aufgeführt werden? Frage: Das war . . . nicht national gesonnen . . . die haben behauptet das war Gegenpropaganda. Carl Heinz Streit: Remarque Remarque. Rolf Arno Streit: “Ich glaub es war der Film, vielleicht war es auch Gone with the wind . . . ich weiss es nicht. Carl Heinz Streit: „Der kam später, den haben wir in Brasilien gesehen. Hilde Streit: „Ja den haben wir in Brasilien gesehen“ Rolf Arno Streit: „Ja also es war der Film im Westen nichts neues mit dem der . . . mit dem das neue Kino in London eröffnet wurde, da sind wir rübergefahren . . . das entsinnst du noch . . . ” Frage: Ich hab noch eine ein bißchen schwierige Frage. Wie das mit dem Antisemitismus in Deutschland los ging . . . wie ist das bei ihnen gewesen . . . ich mein mehr so das religiöse . . . war das jüdische ne Religion oder war das ne bestimmte Weltanschauung oder waren sie mehr Deutsche oder . . . Rolf Arno Streit: “Wir waren mehr Deutsche als Juden. Wir sind sehr . . . frei . . . liberal erzogen worden, aber wir waren bewußte Juden . . . wir waren wie man sagt Zweitagjuden . . . wir sind nur zweimal im Jahr in die Synagoge gegangen . . . das war zum Neujahrsfest und zum Versöhnungsfest . . . Roshoshone (Schreibweise?) war das Jahresfest und Jomkippur (Schreibweise?) war das Versöhnungsfest . . . oder ist das Versöhnungsfest das auch hier gehalten wird in Brasilien. Aber wir hatten natürlich Unannehmlichkeiten . . . in Deutschland . . . ich hatte eine ziemliche Affäre wegen eines christlichen Mädchens und . . . hatte dadurch sehr große Unannehmlichkeiten . . . (LKW Geräusche) über die ich mit nicht auslassen möchte. Auf jeden Fall . . . die Nazis waren hinter mir her und ich konnte nur durch Selbstverteidigung dem Schlimmsten entziehen . . . Frage: Wie war das in der Familie ihres Großvaters . . . War das stärker oder weniger stark? Rolf Arno Streit: “Sie sprechen jetzt von der Religion, von der Religiösität? Meine Großmutter war eine sehr religöse Jüdin, mein Großvater nicht. Aber meine Großmutter hatte auch einen jüdischen Haushalt, es wurde dort nur koscher gegessen . . .Hilde Streit: „Haben sie erzählt mit dem Schweinefleisch? . . . “ Rolf Arno Streit: ” . . . ja und mein Großvater, der war sehr . . . sehr wenig religiös . . . und aß sehr gerne Schweinefleisch . . . das kam zweimal im Jahre vor . . . das meine Großmutter von Morgends bis Abends . . . eben an den gehobenen Feiertagen in der Synagoge gewesen ist . . . dann ist er schnell ins Restaurant gegangen und hat dort wunderbares Schweinefleisch gegessen . . . (lacht) Ja . . . Was wollen sie sonst wissen?” Wollt ihr ein bisschen stehen . . . Pause 31. 07. 1990
Rolf Arno Streit am Klavier: Aus Werbezwecken hat man einen Schlager gemacht, den Schauburg Schlager, der den Zuschauern . . . ne ich hab falsch gemacht, können wir noch mal machen? Ich werde ihnen jetzt den Schauburg Schlager vorspielen, der aus Werbezwecken gemacht worden ist Klavier Rolf Arno Streit singt: Kinder seid vernünftig lasst die Frau durch denn sie will noch schnell mal in die Schauburg. Klavier Ende Wiederholung Ich werde ihnen jetzt den Schauburg Schlager vorspielen, der aus Werbezwecken gemacht worden ist. Kinder seid vernünftig lasst die Frau durch, denn sie will noch schnell mal in die Schauburg Wiederholung Ich werde ihnen jetzt den Schauburg Schlager vorspielen, der aus Propagandazwecken gemacht worden ist. Kinder seid vernünftig lasst die Frau durch, denn sie will noch schnell mal in die Schauburg. Frage: Herr Streit sie hatten erzählt, als im Februar 1927 die Schauburg Millerntor eröffnet wurde da kam Henny Porten nach Hamburg, können sie das noch mal erzählen wie das war? Rolf Arno Streit: „Ja Henny Porten kam nach Hamburg um die Schauburg Millerntor zu eröffnen. Da haben wir sie abgeholt am Hauptbahnhof. Das war eine Menschenmenge unvorstellbar . . . nachher schrieben die Zeitungen, dass der Bahnhof mehr besetzt war von Menschen als bei der Ankunft von dem Reichspräsidenten Ebert. Ja und dann ist die Henny Porten . . . hat da ein paar Worte gesprochen in der Millerntor Schauburg und das war der Anfang der Schauburg.“ Frage: Wissen sie noch, wie der Film hiess in dem sie da gespielt hat? Rolf Arno Streit: Nein, das weiss ich nicht. Das weiss ich nicht. Frage: Dann sind ja auch in den Schauburgen die Filme von dem Eisenstein gezeigt worden. Können sie das noch mal erzählen? Rolf Arno Streit: „Von Eisenstein ist gezeigt worden . . . wie ich erinnere . . . der Film . . . der Film Potemkin . . . sonst wüßte ich nicht, welche Filme dort aufgeführt worden sind.“ Frage: Wollt ich noch mal nachfragen . . . es lief ja (Flugzeug) . . . es lief ja in den Schauburgen auch der erste Tonfilm . . . dieser Ton war ja nicht sehr lang. Können sie mal sagen wie das ausgehen hat? Rolf Arno Streit: “Der Film hiess “Ich küsse ihre Hand Madam” mit Harry Liedtke und Marlene Dietrich. Innerhalb des Films wurde dann das Lied gesungen . . . vom Blauen Engel ne . . . ich weiß nicht mehr genau . . . es wurde ein Lied gesungen . . . der nicht nachher wie die allgemeinen Tonfilme gespielt ist sondern durch Grammophonübertragung.“ Carl Heinz Streit: „Plattensystem Plattensystem . . . nachher kam das Optik System auf Das war der Jazzsinger mit Al Jolson.“ Frage: Wann war das? Carl Heinz Streit: „Das war gleich danach . . . ich weiss nicht mehr welches Jahr es war.“ Frage: Das war denn schon der richtige Tonfilm. Carl Heinz Streit: „Das war der richtige Tonfilm . . . der optische Tonfilm ja . . . der erste optische Tonfilm“. Frage: Das hat ja bestimmt damals auch ne Menge Geld gekostet. Wissen sie was sowas kostete . . . son Tonfilmapparatur? Carl Heinz Streit: „Die Tonfilmapparatur . . . nein das weiß ich nicht.“ Rolf Arno Streit: „Ja die waren irrsinnig teuer. Wenn . . . das war die erste Schauburg, die damit ausgerüstet . . . die . . . die Tonfilmübertragung gehabt hat.“ Carl Heinz Streit: „ Die optische.“Rolf Arno Streit: „Und dann hintereinander wurden die anderen Schauburgen auch damit . . . versehen . . . Aber wie teuer das war . . . das war ein ungeheurer . . . ungeheuer teuer . . . aber wie teuer kann ich leider nicht mehr sagen. Frage: Es gab ja lange auch einen Streit zwischen den Stummfilmleuten und den Tonfilmleuten und die Stummfilmleute haben ja immer gesagt, das wär gar keine Kunst, das wär irgendwie nur . . . irgendwas anderes. Rolf Arno Streit: „Nun naja . . . die sind mit ihrer Meinung ja nicht durch gekommen denn jetzt gibt es ja nur noch Tonfilme . . . Also das glaub ich nicht, das die damit durch gekommen sind . . . Das so etwas existiert hat, das erinner ich auch . . . aber wird naürlich sofort abgeblasen
Frage: Es gab dann noch . . . den Film ”Im Westen nichts neues” über den ersten Weltkrieg . . . ein amerikanischer Film, der in den Ufa Kinos weder synchronisiert noch gezeigt werden durfte oder sollte. Und der ist ja in den Schauburgen gelaufen . . . Können sie darüber noch mal was sagen: Rolf Arno Streit: „Ja das war ein großer Erfolg . . . aber . . . viel mehr kann ich auch nicht darüber sagen. Er wurde in den Schauburgen gespielt und das weiss ich, das erinner ich, daß mein Vater uns sagte . . . es war ein ganz großer Erfolg . . . “ Frage: Zur Premiere waren sie . . . waren sie . . . zur Premiere des Films . . . Rolf Arno Streit: „Sicher waren wir zur Premiere des Films . . . aber Einzelheiten kann ich nicht sagen . . . denn das liegt ja schon viele . . . viele Jahre zurück“. Frage: Herr Streit . . . können sie noch mal erzählen, wie sie von Rio nach Belo Horizonte gekommen . . . wann das war.Rolf Arno Streit: „Wir sind angekommen . . . das sagte ich schon im Jahre 1936 . . . mein Bruder und ich . . . Später sind meine Eltern gekommen . . . im Jahre 1938 . . . und wie bekannt ist Rio eine der heißesten Städte der Welt . . . wir haben hier im Sommer . . . Hitze . . . bis zu über 40 Grad im Schatten . . . das konnten meine Eltern nicht vertragen . . . deshalb sind wir nach Belo Horizonte übersiedelt, welches ungefähr achthundert Meter hoch liegt und dadurch . . . einen Filter . . . ein besseres Klima hat. Ich will ihnen jetzt mal kurz mal Belo Horizonte zeigen, was wir von oben hier sehen können.Hier das ist Belo Horizonte (Die sagen immer bello).“ Frage: So sah es doch 1941 bestimmt noch nicht aus . . . das war . . . Rolf Arno Streit: Das möchte ich noch mal sagen. Belo Horizonte, als wir hierher kamen 1941 . . . hat circa hundertfünfzigtausend Einwohner . . . jetzt . . . hat Belo Horizonte etwa drei Millionen Einwohner . . . also ist größer als Hamburg . . . . . . . . . . . . Pause . . . . . . Fotoansichten Carl Heinz Streit: „Dieses Foto ist aufgenommen bei dem Fotografen Bieber, der einstmals der größte Fotograf in Hamburg war. Dies ist mein Vater, dies ist mein Bruder Rolf und dies bin ich. Wie sie sehen habe ich vergessen, das Taschentuch in die Tasche zu stecken und hab dadurch von meinem Vater eine große Tadelung bekommen . . . (Wiederholung) Das hab ich ihnen dann zugedacht. Carl Heinz Streit: „Dieses hier ist die Familie Urich-Saß . . . Mein Onkel Hermann Urich-Saß, meine Tante Hedwig Urich-Saß, meine Cousine Vera . . . schon verstorben . . . mein Vetter Horst Urich-Saß und mein Vetter Jürgen Urich-Saß . . . auch schon verstorben . . . „Wiederholung Carl Heinz Streit: „Dies ist die Familie Urich-Sass . . . Das ist meine Tante Hedwig Urich-Saß . . . schon verstorben, das ist die Tochter Vera . . . auch schon verstorben . . . mein Onkel Hermann Urich-Saß verstorben . . . Jürgen Urich-Saß . . . auch verstorben . . . der einzige überlebende der Familie ist mein Vetter Horst Urich-Saß, der in Mexiko und in den Staaten lebt.“Jetzt kommt das nächste Foto Carl Heinz Streit: „Dieses sind meine Eltern, mein Vater und meine Mutter. Beide auch schon verstorben.“ Dies sind meine Großeltern Frida Henschel und Jeremias -genannt James Henschel . . .Eins ist da noch zwischen . . . ein Kinderfoto „Dies ist mein Bruder Rolf Arno Streit und dies bin ich Carl Heinz Streit . . . das ist aufgenommen vor circa . . . 70 Jahren . . . aufgenommen vor circa 70 Jahren . . . (1990) Rolf Arno Streit und Carl Heinz Streit (ca. 1920)Da war ich sieben . . . und mein Bruder 6 Jahre alt“. Etwas älter. Rolf Arno Streit: Mein Bruder ist ja ein Jahr älter als ich . . . Der Bruder oder selbst. Rolf Arno Streit: „Jein . . . mein Bruder ist ja ein Jahr älter als ich . . . der kann ja nie jünger werden . . . Gut ja . . . „Das Bild mit dem Motorrad.Aber das ist aber so klein. Geht los. Hilde Streit: „Also ich bin einmal . . . einmal in meinem Leben Motorrad gefahren hab keine Ahnung gehabt und der hinter mir gesessen hat hat immer gesagt bremsen und dann hab ich nicht gewußt, wie zu bremsen und hab immer mehr Gas gegeben . . . Frage: Das Foto ist in Hamburg aufgenommen?. Hilde Streit: „Ja ist in Hamburg aufgenommen worden . . . aber wo kann ich nicht mehr sagen —„Rolf Arno Streit: „Bebelallee ? Wie lange muß das her sein, Hansa Strasse?“ Rolf Arno Streit: Dieses Bild ist aufgenommen auf der Hochzeitsfeier von meiner Tante Grete und von dem Onkel Hermann . . . der ist vielleicht fünfundzwanzigsechsundzwanzig Jahre alt gewesen und meine Tante war ja in den zwanziger . . . Anfang zwanzig . . . sie war die Schwester meiner Mutter . . . ist leider beim ersten Kind verstorben . . . bei der Geburt des ersten Kindes . . . Dies hier ist mein Großvater James und meine Großmutter Frida . . . Dies hier ist mein Vater Hugo Streit . . . und meine Mutter Sophie Streit . . . Hier ist ein Familienbild der Familie Streit . . . das wurde aufgenommen in . . . soweit ich erinnere in den Schauburg Studien . . . es war ein Freund meines Vaters . . . der in den Schauburgen . . . in den Läden der Schauburgen Fotoateliers betrieb . . . Auf diesem Bild sehen sie die ganzen Brüder meines Vaters . . . hier mein Vater . . . hier ein Bruder Max ein Bruder Richard , Bruder Albert . . . ein Bruder John . . . das war der älteste . . . Frauen und die Kinder . . . hier ist die Schwester Grete Hirschel mit ihrem Mann . . . und hier ist noch Franz Traugott, der Prokurist meines Vater geworden ist . . . mit seiner Frau Bianca . . . die vor einigen Jahren mit neunundneunzig . . . Jahren gestorben ist . . . . Hier sind lauter . . . Frage: Den Manfred . . . ist der auch da drauf zu sehen . . . Manfred Hirschel . . . Ist der Manfred Hirschel auch da drauf zu sehen? Rolf Arno Streit: „Hier ist Manfred Hirschel . . . Dies hier ist ein Familienbild der Familie Streit.Und zwar wurde das aufgenommen . . . wenn ich mich nicht irre . . . zum siebzigsten Geburtstag meines Großvaters Jakob Streit . . . Hier sehen sie meine Eltern . . . mein Vater Hugo Streit und meine Mutter . . . hier bin ich . . . schlecht getroffen . . . hier ist Max . . . Richard . . . Albert . . . John . . . Bianca . . . und Grete . . . alles geborene Streits mit ihren Männern . . . hier sitzen die ganzen Kinder . . . also meine Cousinen und meine Cousins . . . hier ist mein Bruder noch zu sehen. ,, . . . Dies hier ist auf dem Eiffelturm . . . hier sitzt meine Mutter . . . mein Vater . . . mein Bruder Carl Heinz und ich . . . das sind die ersten langen Hosen . . . die wir in Paris von meinen Eltern geschenkt bekommen haben . . . das erinner ich noch . . . hier auf diesem Bild sehen sie meine Großeltern Frida Henschel und James Henschel . . . mit ihrer Tochter Bianca Henschel . . . aufgenommen in Wiesbaden . . . Die ist ein Familien . . . dies ist ein Bild meiner Eltern mit meiner Großmutter . . . “ LKW nochmal alles ? Frage: nur das letzte.Bild Rolf Arno Streit: „Dies ist das Bild meiner Eltern, mein Vater . . . meine Mutter . . . meine Großmutter Frida Henschel . . . und weitläufige Verwandte . . . im Hintergrund sehen sie unseren Cadillac Wagen . . . das war der erste Cadillac von Hamburg . . . und hatte Aufsehen erregt . . . hier ist noch zu sehen unser Chauffeur . . . .Ja das ist mein Vater . . . Auf diesem Bild sehen sie meinen Vater im Hintergrund ein Flugzeug . . . wo das gewesen ist, kann ich ihnen leider nicht mehr sagen .. . . dies sind meine Eltern Hugo Streit und Sophie Streit mit der Schauburg Zeitung . . . Jedes Kino . . . jedes Kino . . . also jede Schauburg hatte eine . . . hat eine . . . hat eine Zeitung bekommen . . . die gleichzeitig ein Programm von dem jeweiligen . . . Film . . . enthalten hat . . . Hier sehen sie mein Vater Hugo Streit . . . und Hermann Urich-Saß . . . sein Kompagnon . . . die beiden haben die Schauburgen und den ganzen Konzern gemeinsam aufgebaut . . . Auf diesem Bild sehen sie meine Großeltern Frida und James Henschel . . . mein Vater . . . Hugo Streit und meine Mutter Sophie Streit . . . am Europäischen . . . vor dem Europäischen Hof in Baden Baden . . . Auf diesem Bild sehen sie unser Haus in der Rothenbaumchaussee . . . im Vordergrund stehen . . . steht die Familie . . . und hier ist der Cadillac . . . noch einmal richtig zu sehen . . . .Dies ist ein Bild aufgenommen in Rio de Janeiro . . . da sind wir soweit erinnerlich nach Petropolis raufgefahren . . . dies ist meine Frau und dies bin ich . . . Rolf . . . auf diesem Bild sehen sie mein Hochzeitsbild mit meiner Frau . . . die in Holland in Haag . . . gefeiert wurde . . . weil ich seinerzeit nicht mehr nach Deutschland zurückkehren konnte . . . ohne Gefahr zu laufen ins Konzentrationslager zu . . . zu kommen. Da haben wir bei meiner Tante, die damals in Holland lebte . . . Bianca . . . unsere Hochzeit gefeiert . . . Zu der Hochzeit sind die ganzen Verwandten . . . auch meine Großeltern . . . James und Frida . . . auch meine Eltern und die Eltern meiner Frau herübergekommen . . . Tja . . . dies ist ein kleines Bild in Monte Carlo aufgenommen . . . ich ersehe daraus nur . . . mein Großvater James und meine Großmutter Frida . . . ein Moment . . . Alte Postkarte Cap Norte Dies ist ein Bild von der Cap Norte . . . das Schwesternschiff von der Cap Polonio . . . mit dem wir . . . meine Frau und ich nach der Hochzeit wieder zurückgefahren sind nach Rio . . . zurück bin nur ich gefahren . . . meine Frau habe ich aber mitgenommen . . . Hilde Streit: Dankeschön (lacht) . . . . . . Dies war auch ein Bild . . . hier ist der Betrüger drauf . . . das will ich gar nicht zeigen . . . Frage: Das ist auch von der Überfahrt. Rolf Arno Streit:“ . . . das ist auch der Betrüger drauf.“ Frage: Dann machen wir die Zwischenstation in Portugal noch. Rolf Arno Streit: Was ist das denn . . . Frage: Portugal. Rolf Arno Streit: „In Lissabon Sierra Campus . . . 1937 . . . Auf diesem Bild . . . soll ich anfangen . . . Auf diesem Bild sehen sie meine Großeltern Streit Jakob und Trude . . . .(Strassenbahngeräusche) . . . Auf diesem Bild sehen sie meine Eltern auf der Cap Polonio . . . sie besuchten uns zu jener Zeit in Rio . . . sie besuchten uns im Jahre 1937 . . . nein das kann nicht sein . . . sie sind damals aus Amerika zurück gekommen . . . ich entsinne das nicht mehr ganz genau. . . Hier sehen sie meine Eltern Hugo und Sophie Streit mit den Eltern meines Vaters Trude und Jakob Streit . . . mein Bruder Carl Heinz und ich als der jüngere . . . auf dem Bild erscheine ich der Höhe wegen als der ältere . . . aber in Wirklichkeit bin in der jüngere . . . hier auf diesem Bild sehen sie meinen Bruder mit seiner Amme . . . das bin ich . . . da . . . da arische Musiker nicht mehr für Juden spielen durften . . . spielen durften haben wir eine jüdische Kapelle gegründet . . . . den Namen Catus . . . ich war der Kapellmeister . . . dies sind alles jüdische Musiker . . . wir spielten sehr viel auf jüdischen Festen . . . privater Natur und auch . . . entsinne ich ein Henry Jones Logenball . . . Henry Jones Logenball . . . Hernry Jones Loge war eine jüddische Loge und die hat dann jedes Jahr ein großes Fest gegeben auf dem wir gespielt haben . . . Frage: Buenos Aires steht da hinten drauf. Rolf Arno Streit: Buenos Aires . . . die haben gar nichts mit uns zu tun . . . : Ja dann sind wir durch. Frage. Das ist auch schon Buenos Aires Rolf Arno Streit: „Nein das ist Travemünde. Travemünde . . . Ah ja . . . (Hundegebell im Hintergrund) Rolf Arno Streit: „Auf diesem Bild sehen sie wie die Menschen früher am Strand angezogen waren. Dieses Bild zeigt den Strand von Travemünde. Mein Vater im Badeanzug meine Mutter in der Badeho . . . anzug. Mein Onkel . . . alle gut gekleidet . . . hier bin ich und hier ist mein Bruder Carl Heinz Das ist 19 . . . und etwa 1913 gewesen . . . so ging man an den Strand . . . ne eben nicht . . . ich hab mich geirrt . . . es waren keine Badeanzüge . . . es waren Anzüge mit steifen Kragen . . . Eckenkragen . . . meine Mutter in einem eleganten Sommerkleid . . . mit Hut und die Amme hier mit dicken Brüsten zu sehen. Frage: Und das andere Foto . . . können wir das noch sehen?Rolf Arno Streit: „Hier sehen sie wiederum am Strand von Travemünde die ganze Familie in ihren besten Kleidungsstücken . . . „Frage. Da waren laute Kinder, wollen wir das noch mal haben ja einmal Rolf Arno Streit: „Auf diesem Bild sehen sie die ganze Familie wie sie damals vor circa achtzig Jahren am Strand von Travemünde . . . erschienen.“ Hilde Streit: „Jetzt wenn sie in Rio sehen . . . wie die Leute da schwimmen . . . „Frage: Ich glaube, das genügt auch. Ist es alles schön Herr Kameramann? Brasilianisch wird jetzt geredet. Die Fragen stellte Jens Meyer, Kamera hat Dietmar Bruns gemacht
Das
Interview mit Rolf Arno Streit, Hilde Streit und Carl Heinz Streit
fand am 30. und 31. Juli 1990 in Belo Horizonte, Brasilien statt.
Rolf Arno und Carl Heinz Streit sind die beiden Söhne des
Kinobesitzerehepaars Sophie (geb. Henschel) und Hugo
Streit, der zusammen mit seinem Kompagnon Hermann Urich Sass den
Henschel Film und Theaterkonzern leitete und besaß. Das Unternehmen
wurde in der Nazizeit enteignet (arisiert nannten die deutschen
Nazis das Verfahren). Die Nutzniesser hießen Paul Romahn und Gustav
Schümann, ehemalige Angestellte des Henschel Film und
Theaterkonzerns.
Interview Jens Meyer
Anmerkung 2017. Der Mann, der Carl Heinz Streit in Brasilien sofort angestellt hat, war Al Szekler (in dieser Schreibweise). *Al Szeklerwar Direktor der Firma Universal Film SA Brasilien. Jens Meyer 2020
Belo Horizonte 31. Juli 1990. Von links nach rechts: Carl Heinz Streit, Rolf Arno Streit und seine Ehefrau Hildegard Käthe Streit, geb. Sochaczewer, geb. am 9. August 1913, gest. 1993. Foto Jens Meyer
Belo Horizonte Brasilien 1990
Hildegard Käthe Streit, geb. Sochaczewer. geb. 9. August 1913 in Hamburg. Gest. 1993 in Belo Horizonte (Brasilien). Rolf Arno Streit. geb. 26. August 1911 in Hamburg. gest.15. Februar 1993. In Belo Horizonte. (Brasilien)
Interview
mit Rolf Arno Streit, Carl Heinz Streit, Hilde Streit am 30. Juli
1990 31 Juli 1990 in Belo Horizonte Brasilien
Protokoll
der Tonaufzeichnung
Rolf
Arno Streit: ”Mein Großvater Jeremias genannt James Henschel
war der Erste in Hamburg, der Kinos gemacht hat.
Er
ist auf folgende Weise auf diese Idee gekommen. In Paris, so hat er
gehört, gibt es einen Grammophon-Laden, dass heisst Leute konnten in
den Laden gehen , sich…….wie heisst das?… Telefone an die Ohren
legen und konnten dann eine Musik wählen, die sie bekommen haben
durch die…..durch das Grammophon. Übertragenen. Das wollte er in
Hamburg auch machen und deshalb sind sie dann in Paris gewesen, wo
dieser
….wo
dieses Grammophongeschäft existierte und sich mit dem Inhaber
darüber zu unterhalten…..Auf dem Wege dorthin sind
…….stehengeblieben an vor einer riesigen Schlange von Menschen,
die alle in ein sogenanntes Cine gehen wollte. Das war eine Neuigkeit
für meine Großeltern und…..da wurden eben die ersten Filme
vorgeführt. Dann sind sie zu dem Grammophonmann gegangen und sind
nachher in ihr Hotel gegangen und haben geschlafen. Meine
Großmutter-Frida Henschel -hat zu Madam…..zu meinem Großvater
gesagt, weißt du James ich hab es mir überlegt, wir machen nicht
Grammophon, wir machen Kinos. Und das war die Idee, das mein
Großvater der Erste in Hamburg war, der Kinos eröffnete. So ist
auch der Henschel Film und Theaterkonzern nach ihm benannt worden.“
Frage:
Das erste Kino war das Belle Alliance Kino? Das war ein sehr
großes Kino?
Rolf
Arno Streit:“Das kann ich nicht genau sagen, wie groß es war.
Auf jeden Fall war das das erste Kino -richtige Kino- in
Hamburg…..Hamburg Altona….wenn ich mich nicht irre.“
Frage:
Der Großvater hat dann mit Ende des Krieges alle Kinos verkauft, sie
haben erzählt an die Ufa. Können sie mal sagen, warum er die Kinos
verkauft hat?
Rolf
Arno Streit:“Die Ufa ist an meinen Großvater herangetreten .
(LkW Geräusch)……….Die Ufa ist an meinen Großvater
herangegangen und hat ihm gesagt, entweder verkaufen sie uns ihre
ganzen Kinos, oder wir machen ihnen Konkurrenz….das war der…da
hat mein Großvater sich entschlossen, seine Kinos an die Ufa zu
verkaufen… hat sich für das Geld, das er bekommen hat, sofort
Häuser gekauft….Immobilien…..und ist dadurch… durch die
Inflation schadlos herausgekommen.
Zu
dem Entschluß von meinem Großvater, die Kinos zu verkaufen mußte
die Ufa damit einverstanden sein, daß seine Schwiegersöhne -nämlich
unser Vater Hugo Streit und unser Onkel Hermann Urich-Saß ….also
seine Schwiegersöhne Direktoren der Ufa wurden für Norddeutschland,
was geschah“.
Frage:
Bis wann waren Hugo Streit und Hermann Urich-Saß Direktoren der Ufa?
Rolf
Arno Streit:“Die waren Direktoren bis …..ungefähr 1926 . Ein
ganz genaues Datum kann ich nicht sagen, aber …..Mitte der 20iger
Jahre ist es wohl gewesen.“
Carl
Heinz Streit: Das ist aber richtig. Ich mein, ich erinnere das auch
nicht mehr so genau.
Hilde
Streit: (zu ihrem Mann): Du weisst es noch besser.
Rolf
Arno Streit:
“Ja,
durch die ganze Wiedergutmachungsgeschichte….bin ich wieder
da……… irgendwie erinnert worden. Das ist ja auch nun schon
viele Jahre her.“
Hilde
Streit:. Jetzt ist leise…
Carl
Heinz Streit: Das kommt aber immer wenn der Omnibus kommt.
Hilde
Streit: Ja überall, kommt immer…..bei uns viel mehr noch.
Frage:
1918 wurde die Ufa gegründetund die Ufa trat an ihren Vater heran
und er hat seine Kinos verkauft. Können sie das noch mal erzählen?
Rolf
Arno Streit:”Ja….nachdem …ist schon …..
Carl
Heinz Streit:”Nein, wenn das Licht angeht.
Rolf
Arno Streit: Also…. nach dem
Kriege 14/18 ist die Ufa an meinen Großvater herangetreten und hat
ihm gesagt, wir bauen hier Kinos, oder sie verkaufen uns ihre Kinos..
und da ist mein…….hat mein Großvater den Entschluß gefasst,
seine Kinos zu verkaufen…..mit der Bestimmung, daß mein Vater und
mein Onkel …Hugo…Hermann Urich Sass Direktoren der Ufa werden von
Norddeutschland, was geschah, ausserdem war mein Großvater mit 5 %
über viele Jahre an allen Ufa Einnahmen beteiligt
……..und
späterhin…auch mit 2,5 % für alle…von allen Kinos, die noch
erbaut worden sind später von der Ufa…Mein Großvater selbst hat
seine …hat die Inflation überstanden durch Ankauf von Immobilien
….das Geld, was er damals von der Ufa bekommen hatte, hat er sofort
angelegt in Immobilien und dadurch ist er aus der Inflation schadlos
herausgegangen:“
Frage:
Wissen sie noch welche Kinos das waren, die ihr Großvater dort
verkauft hat?
Rolf
Arno Streit :“Ich kenn
einige……weiß ich …..das….zum Beispiel das Lessingtheater ,
das Passagetheater , das Harvestehuder Lichtspiele und einige
andere…….ich entsinne die Namen nicht mehr genau. Auf jeden
Fall….vielleicht sechs Kinos, die mein Großvater der Ufa verkauft
hat“.
Frage:
Das Waterloo Theater gehörte das auch dazu?
Rolf
Arno Streit:”Das Waterloo Theater gehörte dazu, ja. Das hat
mein Großvater erbaut.Das war damals das vornehmste Kino in
Hamburg.“
Frage:
Und dann hat ihr Vater Hugo Streit und Hermann Urich-Sass …..haben
sich selbstständig gemacht und haben neue Kinos aufgemacht. Wann war
das?
Rolf
Arno Streit:”Sie waren, wie gesagt, Direktoren der Ufa bis 1925
oder 1926….und haben sich dann selbstständig gemacht und haben die
erste….das erste Kino ….gekauft, die Schauburg
Hauptbahnhof…..die damals anders hieß……der Name ist mir
entfallen……das ist die spätere Barke gewesen.
Am
Hauptbahnhof. Dadurch…..Nach und nach haben sie andere Kinos gebaut
…..im ganzen waren….bestand der Henschel Film und Theaterkonzern
…wie er sich nannte… aus 12 Kinos .Schauburg Hamm, Schauburg
Hammerbrook, Schauburg Wandsbek,Schauburg Harburg und diverse
andere…..die mir im Moment nicht einfallen. Auf jeden Falll waren
es zwölf Großkinos und der Konzern war dadurch ….der größte
Konzern in Hamburg ….was die Theaterbranche…. die Kinobranche
anbelangt“.
Frage:
Sie hatten mir erzählt , sie haben auch mal eine Eröffnung
miterlebt…von der Schauburg am Millerntor….das war ja ein sehr
großes Kino und zur Eröffnung ist Henny Porten gekommen…können
sie da noch mal was erzählen?
Rolf
Arno Streit: ”Ja ich kann darüber erzählen, aber ich weiß,
ob es die Schauburg Haupt……Schauburg Millerntor war…. es kann
irgend eine andere Schauburg gewesen sein. Alle Schauburgen wurden
eröffnet mit irgendeiner Sensation, so auch eine
……………….(LKW Lärm)….so auch eine Schauburg mit der
Henny Porten. Die Henny Porten kam in Hamburg an ….am Hauptbahnhof.
Es waren viel mehr Menschen dort….. als seiner Zeit der
Reichspräsident Ebert ankam, das schrieben die Zeitungen…..später.
Andere
Schauburgen wurden eröffnet mit anderen Filmschauspielern unter
anderem auch einmal durch einen Ball bei
…….Sarasa….bei….in… dem Saal …ich komm nicht auf den
Namen……….. (vermutlich Sagebiel)……… auf dem größten
Saal in Hamburg. Da wurden dann die Leute gefilmt, entweder die
getanzt haben oder selbst gesprochen haben und dieser Film wurde
vorgeführt in den Schauburgen und die ganzen Leute die gefilmt
wurden, haben sich natürlich die Filme angeguckt.Das war ein gutes
Geschäft. Nicht nur eine gut Idee, sondern auch ein gutes
Geschäft………..Es wurden auch andere eröffnet mit Emil Jannigs,
soweit ich erinnere und durch andere Sensationen…..ich kann nicht
auf die ganzen Sachen eingehen, weil die Erinnerung mir nicht die
………..
Carl
Heinz Streit: (der ältere Bruder)”Lucie Englisch war auch
einmal da.”
Rolf
Arno Streit : ”Lucie Englisch ja…..sprich du mal weiter
Carl
Heinz Streit:”Ja ich weiß ja nicht so viel wie du. Du hast
doch die ganze Wiedergutmachung betrieben. Dadurch bist du mehr im
laufenden.”
Frage(an Carl Heinz Streit): Sie haben doch auch mal im Henschel
Film und Theaterkonzern gearbeitet? Ein Jahr lang…?
Carl
Heinz Streit: “Ja in der …. in dem Booking Department
……wie heisst das auf Deutsch? Programmation
gearbeitet……….Aber ganz kurze Zeit nur.
Frage:
Was gab es da für Filme…..wissen sie das noch?
Carl
Heinz Streit: “!Boh……an die Filme kann ich mich nicht mehr
erinnern. (lacht)
Rolf
Arno Streit: “Es gab zum Beispiel ….es wurde in den
Schauburgen gezeigt. Der erste Tonfilm mit Harry Liedtke und Marlene
Dietrich, der hiess > Ich küsse ihre Hand Madam<.Es waren aber
nur einige Minuten, die der Ton herausgekommen ist, nämlich das
Lied, ich küsse ihre Hand Madam wurde gesungen von Marlene Dietrich
mit dem Harry Liedtke zusammen……..(Richard Tauber war der
Sänger-Länge: 2 Minuten 38 Sekunden).
Das
war eine Sensation. So fing der Tonfilm in Hamburg an. Später
natürlich kamen andere Filme wie zum Beispiel:> Der letzte Mann<
mit Emil Jannings. Das war ein….erfolgreicher Film und auch der
>Blaue Engel< mit Marlene Dietrich ……
Carl
Heinz Streit : „und Emil Jannings“.
Rolf
Arno Streit: “Ja und Emil Jannings.So nun erzähl du mal wieder
was (zu seinem Bruder).“
Carl
Heinz Streit: “Dann wurde aufgeführt der Film ….ich weiß
nicht mehr den Namen… aber es war dieser Schwarze…., der sich als
Schwarzer verkleidet hat….Al Jolson…..der Jazzsinger“.
Frage:
Das war der erste Tonfilm denn auch… der erste richtige Tonfilm.
Carl
Heinz Streit: “Das war der Tonfilm, der nicht mehr über
Grammophon ging. Die ersten …..die ersten Tonfilme wurden mit
Platten bedient. Nachher kam der optische Film.Das war der erste mit
Al Jolson“.
Frage:
Die Schauburgen -also die Schauburg Hamm und die Schauburg Millerntor
…das waren ja alles Neubauten ….das muss ja ne enorme Stange Geld
gekostet haben. Wissen sie da irgendwie….wieviel das gekostet haben
mag?
Carl
Heinz Streit: “Nein“ .
Rolf
Arno Streit: “Das waren einige Millionen. Ich glaube, mein
Großvater -James Henschel- hat das Anfangskapital zur Verfügung
gestellt. Vielleicht wurden nachher auch Bankkredite aufgenommen. Ich
kann das nicht genau sagen. Aber auf jeden Fall war das ein
Großunternehmen und die meisten Kinos sind erbaut worden durch den
Verdienst, der schon bestehenden Kinos (Moped im Hintergrund)…..Die
meisten Kinos sind erbaut worden, durch den Verdienst der schon
bestehenden Kinos. Die ganzen Schauburgen, bis auf einigen……bis
auf einigen…… wurden vom Henschel Film und Theaterkonzern selbst
erbaut. Also es waren eigene Grundstücke.“
Frage:
Dann waren es ……wenn ich das so richtig recherchiere…..dann
waren es imgrunde nur zwei ….zwei große Filmtheaterbetriebe in
Hamburg….das war der Henschel und die Ufa. Die müssen doch in
starker Konkurrenz auch gestanden haben?
Rolf
Arno Streit: “Ja, solange sie nicht den Ufa Palast gebaut
hatten, war das …….gab es keine große Konkurrenz….aber nachdem
der Ufa Palast…ich glaube es war im Jahre 19und…..Ende 1920
…….vielleicht 1929 ……oder 28 …..ich weiß nicht genau….
da wurde es natürlich eine Konkurrenz. Aber die hat dem Henschel
Film und Theater Konzern auch nichts ausgemacht….er ist …..er ist
sehr solide geblieben ……bis zum Ende…..bis zum Anfang der
Nazizeit………….. Da wurde der Henschel Film und Theater Konzern
sehr stark betroffen…und ….es wurde ein ….ein ……ein
Programm gegen die Theater ausgeübt“.
Frage:
Wann hat das begonnen….das man gegen den Henschel Film und Theater
Konzern …….
Rolf
Arno Streit: “Mit Anfang der Nazizeit…….1933…… Da wurde
der………. Henschel Film und Theaterkonzern gestempelt als
jüdisches Unternehmen…..und dadurch sind die …Besucher ziemlich
heruntergegangen. ……1936…..ich glaube mich nicht zu
irren….(gemeint ist vermutlich der reichsweite Pogrom in der Nacht
vom 9/10 November 1938)……in der Kristallnacht wurden die Kinos
geschändet…….und zerstört …zum Teil, dann haben sie……dann
haben sich die Nazis davorgestellt und haben keine Juden
mehr….keine Ar…..keine Besucher mehr hereingelassen. Dadurch hat
der Konzern natürlich sehr stark gelitten.”
Frage:
Der Henschel Konzern war eine OHG zwischen Hermann Urich-Saß und
Hugo Streit und das gab es eine Phase wo….ihre…ihre Väter das
wohl schon voraus gesehen haben ….sie hatten mir erzählt , er
wär…der Hugo Streit wär zusammen mit dem einen Geschäftsführer
nach Berlin gefahren und wollte das verkaufen…….das Kino. Können
sie darüber was sagen?
Rolf
Arno Streit: “Ja mein Vater ……….Hugo Streit ist mit
Romahn……der damals……..Prokurist gewesen ist von den
Schauburgen nach Berlin gefahren, um mit der Ufa zu verhandeln……
k….önnen wir mal einen Augenblick Schluß machen?
..zu
Carl Heinz:. Weshalb ist Pappa nach Berlin gefahren? Achso
ja….kann ich weitermachen…..Mein Vater ist mit Romahn nach Berlin
gefahren, um mit der Ufa …………(lauter LKW) um mit der Ufa
zwecks Verkauf zu verhandeln, die Ufa war interessiert daran, die
Kinos zu übernehmen ………in dieser……selben Zeit…in diesem
selben Zeitabschnitt starb Hermann Urich-Sass…..und Romahn wurde
benachrichtigt von dem Tode von Hermann Urich-Sass….
aber
sollte nicht stören …..störend auf die Verhandlungen meines
Vaters mit der Ufa wirken…Das geschah aber doch aus irgendeinem
Grunde..der mir entfallen ist…..ich glaube durch die
Zeitung……ich weiß es nicht genau…und mein Vater hat die
Verhandlungen abbrechen müssen…daraus ist nichts…leider nichts
geworden“.
Frage:
Das ist ein historisches Datum in zweierlei Hinsicht. Am 27. Januar
starb Hermann Urich-Sass und am 30. Januar …..wurde er
beerdigt……
Rolf
Arno Streit: Am 30…wurde Hermann Urich Sass beerdigt , das war
an dem Tag als Hitler zum Reichkanzler ausgerufen wurde……..von
Hindenburg……später wurde er der sogenannte Fü…Führer im
möchte lieber sagen Verführer, denn er hat die ganze Welt verführt
und sechs Millionen Juden ermordet……..aber das gehört nicht zu
………(LKW Geräusch)…..Soll ich wiederholen.
Anfangen
mit Hermann Urich-Saß, das er starb?“
Frager:
Ja
Rolf
Arno Streit: Mein Vater war mit Romahn dem Prokuristen des
Henschel Konzerns in Berlin um mit der Ufa zwecks Verkauf der Kinos
zu verhandeln. Während der Verhandlungen ist Hermann Urich-Saß
gestorben. Das sollte meinem Vater aber nicht mitgeteilt werden, um
die Verhandlungen nicht …..mit der Ufa nicht zu stören……..und
Romahn wurde benachrichtigt, aber er konnte es leider nicht
verschweigen, wahrscheinlich hat mein Vater es aus der Zeitung
erfahren…..und ist dann zurückgekommen und die Verhandlungen
wurden abgebrochen
….inzwischen
ist der Nazismus weiter gegangen, die Theater wurden weiter
geschädigt und die Ufa war nicht mehr interessiert an einem Kauf der
Kinos. …………Später wurde mein Vater gezwungen die……nein
später wurde eine Kommanditgesellschaft gegründet …in dem mein
Vater der alleinige Gesellschafter war und die Kommanditisten die
Erben des verstorbenen Hermann Urich-Saß……..Später wurde mein
Vater gezwungen, die Sachen zu verkaufen …..oder zu realisiseren,
damit …..die Kinos…….wie heisst das auf gut deutsch? (An
Carl Heinz Streit ) Carl Heinz: “Arisiert“. Rolf Arno
Streit: “Arisiert worden sind…….arisiert wurden“.
Carl
Heinz Streit: “Gleichschalter wurden eingesetzt“
Rolf
Arno Streit: “Gleichschalter wurden eingesetzt, das waren
Romahn und Schümann….die nachher als die Inhaber des Henschel Film
und Theaterkonzerns fungierten. Gezahlt haben sie nichts dafür.
Dafür hat schon die Partei gesorgt, daß den Juden kein Geld
zugefügt worden ist. Und wenn…das entsinne ich nicht… .ein ganz
kleiner …..Betrag….der überhaupt nicht ….dem Unternehmen
entsprach…..”
Frage:
Die Schauburg Lichtspieltheatertgesellschaft Romahn und Schümann
Gmbh….wurde ja 1933 schon gegründet mit 20.000,– RM. Nun hab ich
mich so gefragt, wie kann man denn mit 20.000,– RM ein Gebäude
übernehmen das schon allein 500.000,–RM gekostet hat?
Rolf
Arno Streit: „Ich glaube sie irren, das war nicht 1930, sondern
……1934 oder 1935 …Das war nicht 1930. 1930 gehörte doch der
Henschel Film und Theater Konzern ……Frage: Nee 1933…
Rolf
Arno Streit: Ja 1933…..gehörte der Henschel Film und Theater
Konzern….wurde der Henschel Film und Theater Konzern ….nach dem
Tode von Hermann Urich-Saß ….in eine Kommanditgesellschaft
umgewandelt
…..wie
ich bereits beschrieben hatte.. gesagt hatte…..Aber ich
glaube….die Gesellschaft Romahn und Schümann wurde
gegründet…..1935…oder 1936……das war nicht 1930.
Frage:
Also ich hab nur die Handelsregister Eintragung und danach ist es
schon 1933 passiert. Die Gründung selber und die Eintragung ins
Handelsregister. Der Widerspruch ist nur der das man mit so wenig
Grundkapital …..sag ich mal……..mit 20.000,– RM so teure Kinos
dann später übernehmen kann. ……
Rolf
Arno Streit: “Ja das weiß ich nicht ganz genau, wie die Sachen
gewesen sind, ich weiß nur, daß Romahn und Schümann, die ja kein
Geld hatten…..die erste Zeit meinem Vater Zuwendungen gemacht
hatten. Das wurde auch von den Nazis so vorgeschrieben, daß die
Juden …..eben die Geschäfte übergeben mußten, das war ein
Zwang…es lag ein Zwang dahinter…..ich glaube nicht…daß man
……das Romahn und Schümann….ich weiß das Romahn und Schümann
kein Geld hatten um das Unternehmen zu kaufen……Deshalb ist
vielleicht die Eintragung gewesen….20.000 Mark ….das war eine
Schein …….eine Schein…….wie nennt man das auf Deutsch?
………….Eine Schein………Sache.“
Frage(An Carl Heinz Streit)
Sie
haben ja noch in Berlin lange im Filmverleih gearbeitet? Können sie
darüber noch was sagen?
Carl
Heinz Streit: „Ja ich hab bei der Universal Films gearbeitet…..wo
ich nachher …..in Brasilien auch angestellt wurde.“
Frage:
Universal ist ja eine amerikanische Firma, hat die auch …..Juden
entlassen schon…zu der Zeit oder ……
Carl
Heinz Streit: Es war eine vollkommen amerikanische Firma und der
Präsident seinerzeit als ich anfing bei der Universal war Carl
Laemmle…..das war ja auch ein Jude…..die waren in ganz
Südamerika…..in ganz Südamerika vertreten durch den Direktor
…der vorher in Deutschland …Direktor für ganz Europa war….Al
Seckler (?)…..und als ich in Rio de Janeiro ankam, hat der mich
sofort angestellt….bei der Universal Films
….
da hab ich gearbeitet als….zuerst als Buchhalter, nachher wurde ich
versetzt nach Belo Horizonte …….wo ich die Filiale geleitet
habe….. als Direktor für den Staat Minas Gerais und da hab ich
lange gearbeitet ……zweiunddreissig Jahre …..in der Universal
Films“.
Frage:
Kommen wir noch mal zurück zu der Zeit……sie sind ja aus
Deutschland…mußten aus Deutschland flüchten….das sie mal
erzählen, wann das war und wie das so im Einzelnen vor sich gegangen
ist.
Carl
Heinz Streit: “Wir sind 1936 ausgewandert. Sind zuerst in Rio
de Janeiro angekommen und von da aus nach Buenos Aires gegangen
……aber uns gefiel Rio de Janeiro viel besser als Buenos Aires
…………(Lkw Geräusche) ………willst du nichts erzählen von
Sass ….
Hilde
Streit: “….das der gestohlen hat…….
Carl
Heinz Streit:”…brauchst ja keinen Namen zu nennen. ….sind
einem Betrüger in die Hände gefallen“..
Carl
Heinz Streit: “Das gehört nicht dazu“. LKW Geräusche…..
Frage:
Können wir gerne haben. Können ja von irgend einem Mann erzählen
……
Hilde
Streit: “Der lebt vielleicht gar nicht mehr”
Carl
Heinz Streit: “Wo sind wir nun?”
Frage:
Wir sind noch gar nicht ausgewandert. Sie sind immer schon in
Argentinien, aber wir sind eigentlich noch in Deutschland.
Carl
Heinz Streit: “Naja denn wollen wir noch mal. Also wir sind
1933 ausgewandert…mit der ….wir sind nach Brasilien gekommen mit
der Monte Pascia (?Schreibweise).
Rolf
Arno Streit: “Wir sind nicht 1933 ausgewandert.
Carl
Heinz Streit Hilde Streit: “1936….. 1936 sind wir
ausgewandert……..sind in Brasilien angekommen ….sind ungefähr
einen Monat in Rio de Janeiro geblieben ….von da aus nach
Argentinien Buenos Aires …..aber uns gefiel Rio de Janeiro
bedeutend besser.
Sind
wir also …nach Brasilien zurückgekommen und …. da wurde ich
sofort angestellt bei der Universal ….wo der der Direktor der
vorjährige Direktor für Europa war….Al Seckler
(Schreibweise)…..da hab ich ……hab ich ca 40 Jahre gearbeitet
bei der Universal.“
Frage:
Wie war das.? Das war ja nicht ganz einfach ein Einreisevisum für
diese Länder zu bekommen:
Rolf
Arno Streit: “Ja die Sache war die…man hat sich immer den
Kopf zerbrochen wohin….denn wir wollten und konnten nicht in
Deutschland bleiben…. unter der Naziherrschaft und da kam dann ein
Mann zu uns und sagte er könnte uns Geld rüberbringen nach (lacht)
Brasilien und …ich will diese ganze Geschichte nicht genau
auslegen….denn die ist vergessen….relativ…. und auf jeden Fall
haben wir das Geld….was unser Vater uns gegeben hat ……nicht
ausgezahlt bekommen …in Brasilien ….. und der Mann hat dann
gesagt…das ist versehentlich nach Argentinien überwiesen worden
….dann
sind wir dann alle zusammen nach Argentinien gefahren, wo er dann
auch immer wieder die Ausrede hatte….es ist noch nicht angekommen.
Wir waren vielleicht zwei drei Wochen ….vier Wochen in Argentinien
…….und da bis dahin das Geld nicht überwiesen wurde
……wußten
wir dass wir einem Betrüger in die Hände gefallen sind. Uns gefiel
Rio …….wie eben schon beschrieben von meinem Bruder …… uns
gefiel Rio besser… und deshalb sind wir nach Rio abgefahren und von
Rio aus haben wir dann dem Man geschrieben…wie das nun ist mit dem
Geld…daraufhin antwortete er ……wenn ihr noch mal über die
Geschichte fragt oder überhaupt schreibt….dann wißt ihr ja, daß
ihr noch Eltern in Deutschland habt…..an die ich mich rächen
könnte.”
Frage:Sie
waren ja schon in Holland, wenn ich das so richtig entsonnen habe und
haben ihr Frau nachgeholt nach Holland zum heiraten und haben dadurch
das Visum bekommen. Können sie das noch mal erzählen?“
Rolf
Arno Streit: “Ja die Sache war folgende´. Ich habe meiner Frau
die Ehe versprochen, bevor ich Deutschland verließ und wir sind
damals nur als……als Touristen…..mit einem Touristenvisum in
Brasilien angekommen für die Zeit von einigen Wochen, wir blieben da
ungefähr ein halbes Jahr und es war nicht möglich eine Legasisation
zu erwirken aus verschiedenen Gründen
…..die
mir entfallen sind… auf jeden Fall….habe ich dann meinem Onkel,
der Konsul von Portugal war und in Holland lebte geschrieben, ob er
mir helfen kann. Er sagte mir ja……er schrieb mir ja , das kann
ich machen….aber du mußt selbst hier herüberkommen, dann wird
alles erledigt. Naja ich will nicht weiter darüber reden…dass
nichts erledigt wurde. (lacht) aber es kam ein Freund meiner Eltern
nach Holland um zu hören
….wie
es in Brasilien aussieht, denn er hatte ein Einreisevisum von
Brasilien bekommen in Antwerpen von dem Generalkonsul von
Brasilien….. und da hab ich ihn gefragt….. wie haben sie das
gemacht…..da sagt er einen ganz kleinen Betrag hat er eingezahlt
was er in Brasilien wiederbekommen würde und dadurch hat er das
sogenannte Kapitalistenvisum bekommen und
……..ist
reingekommen ……und ich hab mir sehr bedankt bei diesem Mann, denn
ich bin zwei Tage später nach Antwerpen gefahren und hab dort den
Vizekonsul nach dem…nach diesem Kapitalistenvisum gefragt und der
hat mir dann den Rat gegeben zu heiraten wiederhinzukommen und er
würde mir dann das Kapitalistenvisum geben.
Also
meine Frau ist dann nach Holland gekommen zusammen mit meinen Eltern
und ihren Eltern und da wurde geheiratet in Holland….in
Haag……..übrigens wo auch die Prinzessin Juliana geheiratet hat
……aber das nur nebenbei… auf jeden Fall sind wir dann zwei drei
Tage später nach Antwerpen gefahren um das Visum zu erhalten aber
der Vizekonsul sagt mir …..es tut mir furchtbar leid..ich kann
ihnen das Visum nicht mehr geben, denn es kommt kein Mensch mehr
nach Brasilien rein……kein Deutscher……oder kein Jude ich weiß
das nicht mehr genau……..
(Hilde:kein
Deutscher ) auf jeden Fall…ein Deutscher nicht wahr….es war
gesperrt…..vom Außenministerium….da hab ich zu dem Vizekonsul
gesagt…hören sie mal zu ich bin da in einer fürchterlichen Lage
ich kann in Holland nicht bleiben, ich kann nicht nach Deutschland
rein, wo ich sofort ins Konzentrationslager gekommen wäre, also was
soll ich machen
……er
sagte , ich kann ihnen leider nicht helfen….da sagte ich
dann…..kam ich auf die gute Idee und bat ihn mich vorzustellen dem
Generalkonsul ……..was geschah…….. dem Generalkonsul habe ich
meine Geschichte erzählt ……und dieser gute Mann hat uns
glücklicherweise das Kapitalistenvisum gegeben zusammen mit einem
Brief ans Aussenministerium und mir eine Kopie übergeben von diesem
Brief
…….in
dem unsere Geschichte beschrieben wurde….das er keine andere
Möglichkeit hatte, als mir das Visum gegen die Anordnung des Ida
Maraties (Schreibweise ?)…….also des Aussenministeriums zu
erteilen……Aber die brauchte ich nicht, denn wir sind glatt in Rio
angekommen …………..Somit fing unsere Geschichte in Brasilien
an..
Frage:
Sie hatten mir gesagt…es hätte auch so die Möglichkeit gegeben,
daß sie mit einer Ausnahmegenehmigung nach Deutschland für drei
Tage fahren und hatten dafür einen bestimmten Ausdruck genannt.
Können sie das noch mal erzählen?
Rolf
Arno Streit:”Das ist ein …..ich weiß nicht mehr genau wie
das hieß…auf jeden Fall war das…..wurde das Leuten ….auch
Juden erteilt…(lautes LKW Geräusch)…………
Frage:
Einfach noch mal von vorne….diese Ausnahmegenehmigung…
Rolf
Arno Streit: “Diese Einreisegenehmigung für zweidreivier Tagen
wurde Juden auch gegeben, um zum Beispiel die Eltern zu beerdigen
oder irgend welche …..aus irgendwelchen Anlässen und diese hab ich
mir auch erhofft zu erhalten…aber hab sie nicht erhalten…bin von
dem Konsul in Amsterdam (Hilde flüstert vor: gewarnt
worden……gewarnt worden) …..nicht gewarnt worden. ….erstmal
rübergerufen worden……da hat er mir dann gesagt
…..das
es leider nicht möglich ist….ich soll…..die Einreisegenehmigung
ist nicht bewilligt worden …….und da hab ich gesagt zu
ihm……das könnten sie mir doch auch am Telefon gesagt haben
……und darauf hin gab er mir keine Antwort…..also ich bin wech
gegangen…….verärgert……und er ist mir nachgelaufen…..der
Konsul……Hilde: das war ja deutscher Boden, nech…das
Konsulat…Rolf Arno
Streit:
„Konsulat war Deutscher Boden…da kam der…..da kam mir der
Konsul nachgelaufen ich soll um gotteswillen nicht nach Deutschland
einwandern ohne diese Genehmigung, denn ich käme sofort ins
Konzentrationslager……na daraufhin haben wir dann in Holland
geheiratet ….wie ich schon gesagt habe……”
Frage:
Hätte man den mit dieser Genehmigung den Nazis eigentlich trauen
können?
Rolf
Arno Streit: “Das kann ich ihnen nicht sagen (lacht), weil ich
das nicht erlebt habe…aber ich weiß von Leuten, die rübergegangen
sind und wieder rausgekommen sind…..zweidrei Tage um Eltern zu
beerdigen ……oder irgendwas, aber ich hätte es gewagt, wenn ich
das bekommen hätte. In Deutschland geheiratet zu haben…wäre für
mich einfacher gewesen…..als in Holland….bei meiner Tante, bei
der ich gelebt habe.
Frage:
Sie sind dann zu dritt aufm Dampfer von Amsterdam ? oder.von
Antwerpen….Hilde:zu zweit zu zweit ………
Rolf
Arno Streit: “Zu zweit sind wir gefahren….denn mein Bruder
war ja schon hier.
Carl
Heinz Streit:”Ich war ja drüben geblieben..
Rolf
Arno Streit: “Wir sind gefahren mit einem deutschen
Dampfer……mein Vater hat uns eine Passage geschenkt mit der Monte
……sie cerra campus (Schreibweise ?)Rolf Arno Streit: „ si
cerra campus war das auch nicht ……Hilde Streit:Nee das war ein
sehr schönes Schiff….das war das schönste an der ganzen
Reise…..Rolf Arno Streit: „ Cap Norte…..das war die
Cap……Cap Norte…..das war die Cap….wir sind mit der Cap Norte
wieder nach Brasilien gefahren.
Frage:
Nen Hamburg Süd Schiff ne?
Rolf
Arno Streit: “Hamburg Süd Schiff.
Hilde
Streit: Das schönste von der ganzen Reise .
Rolf
Arno Streit: “Das war ein Schwesternschiff der Cap Polonio
…….und dann sind wir drüben abgekommen…..wieder hier in
Rio………und dann ging die Arbeit los……das war nicht einfach
…..ich persönlich habe Klavier gespielt abends für eine ….für
einen Club……nicht jeden abend aber Sonnabend und Sonntag auf
jeden Fall
……und
einmal die Woche und dann hab ich eine Anstellung bekommen als
Aufseher in einer Eimerfabrik ……..da waren Ratten….die Eimer
wurden teilweise gemacht aus ….Hilde Streit:
Marmeladen…..Marmeladendosen….also großen Marmeladengefäßen
und die Ratten, die haben sich dabei…..davon…..dadurch
ernährt…aber wenn die Maschinen zur Mittagszeit abgestellt wurden
…..dann
liefen mir die Ratten über die Füsse…….(lacht)…….das
entspricht der Wirklichkeit ………aber ich bin dort
geblieben……einige Monate bis ich dann den Entschluß gefasst
habe, wieder rüberzufahren…..nach Europa….also nach Holland.. um
zu heiraten …weil ich immer meine Versprechungen im Leben gehalten
habe und so auch diese….. nun sind wir sehr glücklich verheiratet
schon über 50 Jahre …..
Hilde
Streit: “Dreiundfünfzig“ ……….(lauter LKW).
Frage:.
Die fünfzig Jahre sind nicht mehr drauf.
Rolf
Arno Streit: “Wir haben schon unsere goldene Hochzeit hinter
uns und sind schon dreiundfünfzig Jahre verheiratet. Gottseidank
geht es uns heute gut…….wir sind glücklich…wir haben zwei
Kinder…leider ist eine gestorben …………….
Pause
Kassettenwechsel
Rolf
Arno Streit: “Mein Vater und mein Onkel betrieben auch die
Scala am Schulterblatt, das war ein Tanzlokal …..das größte
Tanzlokal von Hamburg……dazu gehörten auch die ………das eine
Ballhaus Filmzauber und ein Ballhaus Uhu und noch andere, die mir
entfallen sind …..auf jeden Fall war das ein Zweigunternehmen von
den Schauburgen….
Frager.
Sind sie da mit ihrer Frau auch Tanzen gewesen?
Hilde
Streit: “Ne wir waren…..da waren wir noch gar nicht
verheiratet.”
Frage:
Man kann ja auch tanzen, ohne verheiratet zu sein. Rolf Arno
Streit: “Wir haben uns da sehr gut amüsiert…..als junge
Leute…..aber mit meiner Frau war ich nie da, denn da ….damals war
das schon nicht mehr möglich ….ich glaube, die sind auch später
abgestossen worden…..das entsinne ich aber nicht mehr genau. Auf
jeden Fall haben wir jungen Leute uns sehr gut da in der Scala
amüsiert.
Obwohl
wir noch nicht achtzehn Jahre alt waren……und eines
Tages…..fällt mir grade ein sind wir ….bin ich mit verschiedenen
Freunden dahin gegangen und da sagte ein Mann von der Kapelle, es
kommt Jung-Jerusalem…….und das hat der Freund mir wiedererzählt
…..ich sag, was hat er gesagt? Jung-Jerusalem ……also
Antisemitismus…..das war vor der Nazi Zeit….da kam dann mein
Onkel Hermann Urich-Sass hinein und dem hab ich das erzählt….der
ist dann raufgegangen zur Kapelle hat gesagt wer hat gesagt ist Jung
Jerusalem
……………da
wollte sich erst keiner melden und da hat er gesagt, ich entlasse die
ganze Kapelle, wenn ich nicht sofort weiß, wer das gesagt hat. Da
hat er sich gemeldet. Und den hat er sofort rausgeschmissen. Der ist
dann zu Gericht gegangen und wollte sein Gehalt haben ….das nicht
bezahlt worden ist ….. da mußte ich als Zeuge ………vor Gericht
treten um zu beweisen …..also um zu
…..auszusagen…um
auszusagen, daß er das gesagt hatte und er hat es auch zugegeben….
aber er wollte sein Gehalt haben ….da hat der Richter gesagt…..er
entschuldigte sich damit…er wollte einen Spass machen ,……da hat
der Richter gesagt….wenn sie einen Spaß machen wollten …..dann
müssen sie auch die Konsequenzen dafür bezahlen …..und wir haben
den Prozeß gewonnen.
Hilde
Streit:”Aber denn hat er gesagt, wie alt du bist……
Rolf
Arno Streit: „ Dann fragte er mich noch, wie alt ich bin, da
hab ich mein Alter gesagt, sechzehn Jahre oder fünfzehn Jahre
….sechzehn Jahre war ich wohl und da sagt er….ja dagegen ist doch
die Oberschulbehörde wahrscheinlich angegangen, dass sie mit
sechzehn (lacht) Jahren sich schon in solchen Lokalen aufhalten. Dann
habe ich zu ihm gesagt, ich bin geschickt worden von meinem
Vater…..(lacht) der der Inhaber der Scala war, um nachzusehen, ob
da alles in Ordnung ist.
Hilde
Streit:” …der hat davon gar nicht gewußt”
Rolf
Arno Streit:”……mein Vater aber wußte garnichts davon, denn er
war sehr strenge……im Gegensatz zu Hermann, der viel mehr
Verständnis für solche Angelegenheiten hatte (lacht)..und..ich
weiß nicht mehr genau, wie das ausgelaufen ist…..auf jeden Fall
mein Vater hat mich nicht bestraft, weil wir ja den Prozess gewonnen
haben…………
Ja
das war alles , was ich über die Tanzlokale berichten kann….da war
glaub ich noch ein Lokal Filmzauber und auch der Faun …..der hatte
den selben Eingang ….also Nebeneingang ….vom Lessing Theater
…….da waren sie auch…..der war auch ……der gehörte auch zu
den sogenannten Freudenhäusern………………
Frage:
(an Carl Heinz Streit) Wissen sie noch was aus ihrer Jugend,
was da so berichtenswert wäre?
Carl
Heinz Streit: “Mit der Scala möchte ich noch bemerken,
daß…….und abends in die Scala war das Wort, das sie gebraucht
haben als Propaganda……das ist ….die Scala bestand auch in
Berlin ….die Berliner ……sind dagegen an gegangen und da haben
sie es umbenannt. Anstatt und abends in die Scala und wieder in die
Scala………….aber sonst aus Berlin wüßte ich nichts mehr zu
berichten”.
Frage:
Mußten sie nun auf den jüngeren Bruder immer aufpassen?
Carl
Heinz Streit: “Nein (lacht) ich war in Berlin und er hat in
Hamburg gelebt…ne ganze Zeit lang.”
Frage:
Ja aber vorher doch
Carl
Heinz Streit: “Voher? nein wir haben uns immer sehr gut
verstanden”
Rolf
Arno Streit: “Ich hätte mir auch nicht reinreden lassen von
meinem älteren Bruder….aber wie mein Bruder eben gesagt
hat…betont hat…..wir waren immer nicht nur Brüder sondern auch
Freunde und haben alles gemeinsam erlebt und……..”
Frage:
Sie hatten mir erzählt, sie waren dann später bei zwei
Konkurrenzfirmen ja eigentlich eingestellt als ……..
Rolf
Arno Streit: “Also ich war bei der Columbia angestellt als
Direktor für ….für den Staat Minas Gerais und hab dort
gearbeitet etwa 14 Jahre ……da wurde mir ein Angebot gemacht von
der United Artists mit höherem Gehalt …..zu United Artists
gegangen “(lauter LKW)……………..
Frage:
Ich glaub, das müssen wir ganz nochmal haben…..das müssen wir
noch mal von vorn haben.
Rolf
Arno Streit: “Also ich war circa 14 Jahre Direktor bei der
Columbia….Columbia Pictures of Brazil ….für Minas Gerais…
später war ich Direktor bei der United Artists…..auch für Minas
Gerais
……..weil
sie mir ein größeres Gehalt geboten hatten …….und daraufhin bin
ich dann …in eine Firma ……zu einer Firma gegangen, die
brasilisanische Filme vertrieben hat
……Sie
sind zu mir gekommen und haben mich gebeten, die Sache zu übernehmen,
was ich auch getan hab…..weil ich dort etwas mehr verdient
habe….ich bin immer nach ….ich war immer ein guter Rechner…..so
ist es mir auch diesmal passiert..
Frage:
(an Carl Heinz Streit) Sie waren in der gleichen Zeit auch bei
der Konkurrenzfirma….sie haben sich doch wahrscheinlich mit ihrem
Bruder immer um die Kinotermine streiten müssen, wer nun die besten
Kinotermine bekommen hat…….
Carl
Heinz Streit: Nein….der Hauptkunde hier in Belo Horizonte
…………….
Hilde
Streit (über den LKW Lärm…Jetzt gehts los, jetzt kommen die
alle zurück. Dies ist hier an sich ruhiger, denn dahinten wohnen die
armen Leute, die haben alle keine Autos……..”
Carl
Heinz Streit:”Nein wir haben uns immer sehr gut verstanden und
der Hauptkunde hier in Belo Horizonte war die Cineteatro Minas
Gerais, der Hauptinhaber ist ein gewisser Luciano ….gewesen, der
vor kurzem ……vor vier Wochen gestorben ist…..ist der….einer
der reichsten Männer der Welt …..der Welt nicht, von Brasilien
……
man schätzt ihn auf über drei Billionen Dollar…..die er
hinterlassen hat …..aber er hat auch …..man sagt ihm nach …er
hätte noch dreissig uneheliche Kinder…..
Hilde
Streit:”Die streiten sich nun alle mit den ehelichen”. Carl
Heinz Streit:”Ja ja …..ehelichen sind zwei Kinder und eine
….ein angenommenes Kind ……also drei haben das Hauptrecht, die
kriegen schon den ….die……Departe……”
Hilde
Streit: “Teil den Teil der Mutter, die vor drei Jahren
ungefähr gestorben ist ………..”
Frage:
(zu Carl Heinz Streit) Könnnen sie noch mal sagen, bei
welcher Firma sie im Verleih tätig waren.
Carl
Heinz Streit: “Bei der Universal Pictures …..die hat hier
gehiessen Universal Film SA ….da war der Konzern von Carl Laemmle.
Carl Laemmle war……die Universal Pictures in den Staaten die
ausserdem das größte Atelier in Los Angeles haben….ich glaub, sie
haben das sebst gesehen, das Atelier…….es war das größte der
ganzen Welt. ….”
Rolf
Arno Streit: “Also bei den Filmfirmen war das so das jedes Jahr
eine neue Produktion herauskam. Bei der Columbia waren es meistens so
etwa fünfzig Filme, die die Filmtheaterbesitzer …..haben abnehmen
müssen. Es wurde dann zur Hauptsache mit Festpreisen gemacht und
immer zweidrei Filme prozentual vermietet.
Das
heisst die Filmfirma war beteiligt an dem Umsatz der Theater mit
fünfzig…….sogar sechzig Prozent ……..oder ein Film wie zum
Beispiel ich komm nicht mehr auf den Namen ……auf jeden Fall
Großfilme (Hundegebell) wurden auch vermietet bis zu siebzig
Prozent. Das war natürlich Wucherei, aber die Leute konnten nicht
anders, sie mußten es machen…..da hat da …zu diesem Zweck haben
wir Fiskale geschickt …..Fiskale…die Übersetzung
sind….Schrecker ? Hilde Streit: Fiskale ist auf der ganzen
Welt…..ist das richtig …nein
Kontrolleure
….. Kontrolleure das ist es ……die haben mit einer Zahluhr die
Zahl der Besucher feststellen……und das war immer ne sehr
unangenehme Sache, denn die …..naja ich will darüber lieber nicht
sprechen …… es hat keinen Zweck….auf jeden Fall haben die
Kompanien sehr gut verdient, sowohl an den Filmen, die zu
Festpreisen vermietet wurden oder eben prozentual …das war unser
Hauptberuf…die Festpreise festzusetzen…denn es gab Kinos….die
hatten fünfhundert Plätze und wenig Einwohner und im Gegensatz zu
anderen großen ……die hatten eben viel mehr Besucher …….und
da wurden die Festpreise natürlich viel höher …..gemacht….Haben
sie sonst noch irgendwelche Fragen zu stellen?
Frage:
Ja wieviele Kinos im Bereich waren.
Rolf
Arno Streit: “Es waren wohl …..nicht Kinos ….Plätze meinen
sie …also Städte …Städte ja ……das waren so annähernd
hundert Städte, die wir von Minas Gerais……. bearbeiten mußten .
Carl
Heinz Streit: “Ich glaub es waren mehr sogar”.
Hilde
Streit:”Hunderzwei.”
Carl
Heinz Streit: “Es waren so hundertundsechzig meiner Ansicht
nach.
Frage:
Und wieviel Kinos gab es so in jeder Stadt? Kann man das so….
Carl
Heinz Streit:”In den kleinen Städten ein Kino.
Rolf
Arno Streit: “Wenn es zwei gab, dann wurde uns……viel…..
das sehr erleichtert….denn wenn der eine nicht zahlen wollte, dann
ist man zum anderen gegangen und der hat dann überboten und der hat
dann die Filme bekommen.
Frage:
Kann man sagen, daß es ungefähr zwei bis dreihundert Kinos …….
Carl
Heinz Streit:” …In Minas Gerais.? viel mehr…….”
Rolf
Arno Streit: “Sogar in……nur in Belo Horizonte gab es so
annähernd………..
Carl
Heinz Streit: “zwanzig …….”
Rolf
Arno Streit:”….zwanzig bis
fünfundzwanzig Kinos ………das ist Minas Gerais der zweitgrößte
Staat von Brasilien …ich möchte sagen….das es so groß war….so
groß ist wie Deutschland …..
Hilde
Streit: “Größer …..”
Carl
Heinz Streit: “Ich glaube noch größer”.
Frage:
Die Bundesrepublik hat heute noch …..ich glaube noch 3100 Kinos
….wieviel? dreitausendeinhundert ….in Deutschland? ……Ja
jetzt….in der Bundesrepublik.
Rolf
Arno Streit: ”Ja also ich kann es nicht genau sagen, wieviel es
hier gibt, aber sicherlich nicht dreitausend…..aber vielleicht
sogar dreivierhundert ….ich weiß es nicht genau, die wir zu
bearbeiten hatten, ich sprech nicht von Brasilien sondern von nur vom
Staate Minas Gerais …..”
Frage:
Sie sind nach dem Kriege 1952 wieder nach Deutschland gekommen um
die Wiedergutmachung durchzusetzen. Können sie da mal nen bißchen
was erzählen, wie das so passiert ist alles..
Rolf
Arno Streit: “Nein ich bin das erste Mal nach Deutschland
gefahren…..geflogen….1949 …..um die Wiedergutmachung zu
regulieren ……und hab mit Romahn und Schümann ein Abkommen
getroffen, das Sass ….Urich-Sass,
also
die Erben Urich-Sass….ein Drittel von allem was vorhanden war…
auch was sie nachher an …an Wohnungen gekauft haben oder…. gebaut
haben …und ein Drittel Hugo Streit…….die Familie und ein
Drittel Romahn und Schümann zusammen. Das war eine
aussergerichtliche Einigung……wenn sie das nicht gemacht hätten,
dann wäre ich natürlich zu Gerichtsjustiz gegangen und hätte
vielleicht mehr vielleicht weniger erfahren…..aber es war ein
günstiges Abkommen für beide Teile.
Denn
die Romahn und Schümann haben sich meinem Vater gegenüber bei der
Ausreise ….bei seiner Auswanderung anständig gezeigt….sie haben
ihm Zuwendungen gemacht…..die sie nicht nötig gehabt
hätten…..und da hat mein Vater zu mir gesagt…wenn du rüber
fährst und die Sache in Ordnung bringst….. berücksichtige
dass….dass sie anständig gewesen sind…..was ich auch getan
habe…..wir hätten natürlich alles haben können …übernehmen
können ….aber es war schon richtig so…..(LKW Geräusch)……..
hinzukam,
daß niemand von unseren Familien wieder nach Deutschland zurück
gehen wollte, um die …..um das Unternehmen zu führen …..deshalb
hab ich das so gemacht und das war auch im Einverständnis mit meinem
Vater und meinen…..den Urich-Saß Erben geschehen.
Frage.
Sie haben dann auch für den Manfred Hirschel noch ein
Telefongespräch mit der Klara Esslen geführt über das Waterloo
Theater….Können sie darüber noch mal was erzählen?
Rolf
Arno Streit: “Ja das
Waterloo Theater gehörte irgendwie Manfred Hirschel…..der ist
verheiratet gewesen mit meiner Tante …der Schwester meines
Vaters…..und der bat mich als ich rüberging auch mal mit der Frau
Esslen, die das Kino irgendwie bekommen hatte, wie weiss ich heute
nicht mehr und mich mit der zu unterhalten zwecks Wiedergutmachung
und diese Frau ist mir unverschämt gekommen und da hab ich das dann
meinem Onkel geschrieben, dass ich leider für ihn nichts tun kann,
denn ich hab genug mit meinen Sachen zu tun und außerdem ist sie
unverschämt gewesen…hat mir gesagt…vorgelogen…. Sachen, die
ich nicht glaubte und mein Onkel, der hat später selbst die Sache
durchgeführt und hat auch eine Entschädigung bekommen….Wie die
gewesen ist, weiß ich nicht………”
Frage:
Wenn sie heute beide an Deutschland denken….was…..welche Gefühle
haben sie da?
Rolf
Arno Streit: “Es war einmal sehr schön…..sehr schön…..wir
sind in Deutschland geboren worden, waren Deutsche und obwohl schon
in früheren Zeiten…..ein Antis…ein gewisser Antisemitisdmus
herrschte
….aber
als dann die Nazis kamen…nicht wahr..und dannn der Durchbruch des
Antisemitismus gewesen ist…..da war…….da waren wir froh als wir
draußen waren..Carl Heinz Streit: „Das was geschehen ist, das
kann man nicht mehr vergessen. War zuviel und deswegen sind die
meisten auch nicht wieder zurückgegangen nach Deutschland. Hilde
Streit: Nein ich glaub sehr wenige zurück gegangen nach Deutschland.
Carl
Heinz Streit: “Sehr wenige”
Rolf
Arno Streit: “Sehr wenig Leute…… Juden sind zurückgegangen
nach Deutschland. Einige, die nichts hier werden konnten sind
zurückgegangen um dort Stellung zu bekommen…was vielleicht auch
möglich gewesen war, aber die meisten sind hier geblieben, weil sie
hier ihre zweite Heimat gefunden haben. ………………..
Hilde
Streit:”Wir sind zum Beispiel eine der wenigen, die überhaupt
noch Deutsche geblieben sind, die anderen sind alle keine Deutschen
mehr.Fast alle. Von unseren Bekannten bist du wir und Einsturz
aus….”
Rolf
Arno Streit: “….naja aber es gibt natürlich diverse
Deutsche, die wir nicht kennen, die auch Deutsche geblieben
sind…also deutsche Juden.sind Deutsche geblieben. Aber wenig. Wir
haben das Recht, das brasilianische Recht erworben durch unsere
Anwesenheit von über fünfzig Jahren hier und wir haben ausserdem
noch die Möglichkeit nach Deutschland zu reisen…ohne Visum und so
weiter ……
Carl
Heinz Streit: “Wir haben ausserdem brasilianische Kinder
….ich persönlich bin mit einer Brasilianerin verheiratet ……wir
haben so gut wie die selben Rechte (lauter LKW) eines Brasilianers
Frager: Bitte noch mal ohne LKW
Carl
Heinz Streit:”Wo wo soll ich anfangen?”
Hilde
Streit:”Das du ne brasilianische Frau hast…ne
Carl
Heinz Streit:”Außerdem haben wir brasilianische Kinder und ich
persönlich bin mit einer Brasilianerin verheiratet und dadurch haben
wir die selben Rechte wie ein Brasilianer. Nur das wir nicht
Präsident der Republica werden können…..Präsident von Brasilien
….
Hilde
Streit: “Man kann auch kein Briefträger werden. Irgend etwas
kann man nicht werden, was sehr wichtig ist.
Rolf
Arno Streit: ”Auf jeden Fall haben wir sehr viel mit
durchgemacht, besonders deswegen …..besonders in den Jahren als
meine Eltern noch nicht hier waren. Es wurde ja immer schlimmer und
schlimmer und mein Vater wurde gehetzt von der Gestapo und hat sich
geflüchtet auf Landstrassen und auch auf Böden von Freunden
…..Boden
heisst das da oben…ganz oben….da hat er geschlafen…er hatte
einen Bekannten bei der Gestapo war, der ihm gut gesonnen war und der
hat ihm immer berichtet, wenn er weggehen müßte, denn es kam
eine….Nazi… Nazi Razzia und die wollten ihn abholen…da ist er
gottseidank …dem ist er gottseidank entgangen eben durch diesen
Bekannten bei der Gestapo……wenn ich den Namen wüßte würde ich
ihn sagen, um ihm nochmal zu danken für alles…das was er für
meinen Vater getan hat ..er wird aber gar nicht mehr leben ….und
dadurch hat mein Vater sich gerettet vor dem Konzentrationslager.Ja “
(Autogeräusche)
Hilde
Streit: “Sonst ist es eigentlich leiser hier”.
Frage:
Sonst hört man es vielleicht nicht so, wenn man nicht darauf achtet.
Hilde
Streit : “Dann finde ich es immer leiser als bei uns”.
Carl
Heinz Streit: “Bei uns hinten hört man überhaupt nichts “
(Warum sind wir da damals nicht hingegangen?)
Frage.
Wie oft waren sie jetzt nach dem Kriege in Deutschland?
Rolf
Arno Streit: “Ich war
nach dem Kriege sieben oder achtmal in Deutschland, fünfmal wegen
der Wiedergutmachungsgeschichten und
Hilde
Streit: Wie oft waren wir da….
Rolf
Arno Streit: Das darfst du ja nicht sagen.
Hilde
Streit Warum nicht.
Rolf
Arno Streit (lacht) und flüstert…weil wir noch eine Einreise
haben wollen.
Hilde
Streit Achso.
(lacht)
Rolf
Arno Streit: Bringen sie das bitte nicht mit rein.(lacht)
Hilde
Streit: Achja wir wollen ne Einreise haben
Frage:
Es gibt doch so Einladungen auch……
Hilde
Streit Ne Einladung vom Senat.
Frage:
Die haben gerade dieses Jahr wieder so ein Programm aufgelegt.
Hilde
Streit: Ja eben, denn fahren wir wieder hin.
Rolf
Arno Streit: Ja ich persönlich hab geschrieben, ich war schon in
Deutschland……und deshalb würde mir das nicht
….beschieden….aber meine Frau…die noch nicht in Deutschland
war. (Hilde Streit lacht) wird … da meine Frau noch nicht in
Deutschland war….
Hilde
Streit :Das ist doch gar nicht mehr drauf
Rolf
Arno Streit. Natürlich ist das drauf.
Hilde
Streit: Achja.
Frage:
Wir legen das da nicht vor.
Hilde
Streit: Das wird abgeschnitten.
Rolf
Arnos Streit: Da meine Frau noch nicht in Deutschland war, hoffe
ich vielleicht durch sie meine neue Einreise zu bekommen.. (lacht)
ich persönlich würde so gerne meine Spesen übernehmen, wenn der
Senat sie für meine Frau übernimmt.
(LKW
Geräusche)
Frage.
Über den Spesen war der LKW drüber……Ich sag…über den Spesen
war der LKW drüber….
Rolf
Arno Streit: LKW ?
Frage:
Lastkraftwagen….ich weiß nicht wie sie das
Dietmar
Bruns: Camioao
Hilde
Streit: Camiao
Er
spricht ja perfekt Portugisiesch.
Rolf
Arno Streit: Soll ich das wiederholen?
Hilde
Streit. Lieber nicht.
Rolf
Arno Streit: Ist schon drauf? Ajah Haben sie sonst irgendwelche
Fragen zu stellen.
Frage:
Was wir vorhin ja nicht hatten, war den Eisenstein….das wir darüber
vielleicht noch mal reden, das der Eisenstein ja mit dem
Potemkin………in den Schauburgen gezeigt hat und das es ja bei der
Ufa mehr sone …..nationale Ausrichtung gab….das man so bestimmte
Filme nicht mehr gezeigt hat…später….es gab später
“Im
Westen nichts neues” der durfte ja bei der Ufa nicht gezeigt werden
und
der lief dann in den Schauburgen, wissen sie darüber irgendwas noch?
Rolf
Arno Streit: “Im
Westen nichts neues war wohl einer der größten Filme, der je
hergestellt wurde und ich glaube, er wurde in den Schauburgen
gezeigt, aber ich kann das nicht mit Bestimmtheit behaupten
………ich entsinne, das wir den Film gesehen haben in
London….wir sind …..mein Vater hatte eine Einladung bekommen nach
London zur Eröffnung eines …des größten Theaters von London
…..ich glaub es hieß Empire Palace…..da wurde der Film “Im
Westen nichts neues” “Gone with the wind” aufgeführt
Hilde
Streit/ Carl Heinz Streit: Das ist “Vom Winde verweht” Rolf
Arno Streit: Ach das ist Vom Winde verweht. Wie hieß denn der im
Westen nichts neues auf Englisch?
Frage:
“All quiet at.”
Carl
Heinz Streit: “All quiet at the on the eastern front” ….
Hilde
Streit: “Und warum durfte das nicht aufgeführt werden?
Frage:Das
war…..nicht national gesonnen….die haben behauptet das war
Gegenpropaganda.
Carl
Heinz Streit: Remarque Remarque.
Rolf
Arno Streit: “Ich glaub es war der Film, vielleicht war es auch
Gone with the wind…ich weiss es nicht. Carl Heinz Streit: Der kam
später, den haben wir in Brasilien gesehen. Hilde Streit:Ja den
haben wir in Brasilien gesehen. Rolf Arno Streit: Ja also es war der
Film im Westen nichts neues mit dem der ……… mit dem das neue
Kino in London eröffnet wurde, da sind wir rübergefahren…das
entsinnst du noch…”
Frage:
ich hab noch eine ein bißchen schwierige Frage. Wie das mit dem
Antisemitismus in Deutschland los ging…. wie ist das bei ihnen
gewesen…….ich mein mehr so das religiöse….war das jüdische ne
Religion oder war das ne bestimmte Weltanschauung oder waren sie mehr
Deutsche oder …..
Rolf
Arno Streit: “Wir waren mehr Deutsche als Juden. Wir sind sehr
….frei…liberal erzogen worden, aber wir waren bewußte Juden
…..wir waren wie man sagt Zweitagjuden….wir sind nur zweimal im
Jahr in die Synagoge gegangen… das war zum Neujahrsfest und zum
Versöhnungsfest…Roshoshone (Schreibweise?) war das Jahresfest
und Jomkippur (Schreibweise?) war das Versöhnungsfest……oder ist
das Versöhnungsfest das auch hier gehalten wird in Brasilien.
Aber
wir hatten natürlich Unannehmlichkeiten …in Deutschland …..ich
hatte eine ziemliche Affäre wegen eines christlichen Mädchens
und….. hatte dadurch sehr große Unannehmlichkeiten …….(LKW
Geräusche) über die ich mit nicht auslassen möchte. Auf jeden
Fall….die Nazis waren hinter mir her und ich konnte nur durch
Selbstverteidigung dem Schlimmsten entziehen. ……
Frage:
Wie war das in der Familie ihres Großvaters…War das stärker oder
weniger stark?
Rolf
Arno Streit: “Sie sprechen jetzt von der Religion, von der
Religiösität?
Meine
Großmutter war eine sehr religöse Jüdin, mein Großvater nicht.
Aber meine Großmutter hatte auch einen jüdischen Haushalt, es wurde
dort nur koscher gegessen..
Hilde
Streit: Haben sie erzählt mit dem Schweinefleisch?…………
Rolf
Arno Streit: ” …ja
und mein Großvater der war sehr….sehr wenig religiös …..und aß
sehr gerne Schweinefleisch…das kam zweimal im Jahre vor….das
meine Großmutter von Morgends bis abends …eben an den gehobenen
Feiertagen in der Synagoge gewesen ist …..dann ist er schnell ins
Restaurant gegangen und hat dort wunderbares Schweinefleisch
gegessen…..(lacht) Ja …….
Was
wollen sie sonst wissen?”
Wollt
ihr ein bisschen stehen……………..
Pause
31.
07. 1990
Rolf
Arno Streit am Klavier:
Aus
Werbezwecken hat man einen Schlager gemacht, den Schauburg Schlager,
der den Zuschauern…ne ich hab falsch gemacht, können wir noch mal
machen?
Ich
werde ihnen jetzt den Schauburg Schlager vorspielen, der aus
Werbezwecken gemacht worden ist
Klavier
Rolf
Arno Streit singt:
Kinder
seid vernünftig lasst die Frau durch denn sie will noch schnell mal
in die Schauburg
Klavier
Ende
Wiederholung
Ich
werde ihnen jetzt den Schauburg Schlager vorspielen, der aus
Werbezwecken gemacht worden ist.
Kinder
seid vernünftig lasst die Frau durch, denn sie will noch schnell mal
in die Schauburg
Wiederholung
Ich
werde ihnen jetzt den Schauburg Schlager vorspielen, der aus
Propagandazwecken gemacht worden ist.
Kinder
seid vernünftig lasst die Frau durch, denn sie will noch schnell mal
in die Schauburg.
Frage:
Herr Streit sie hatten erzählt, als im Februar 1927 die Schauburg
Millerntor eröffnet wurde da kam Henny Porten nach Hamburg, können
sie das noch mal erzählen wie das war?
Rolf
Arno Streit: Ja Henny Porten kam nach Hamburg um die Schauburg
Millerntor zu eröffnen. Da haben wir sie abgeholt am Hauptbahnhof.
Das war eine Menschenmenge unvorstellbar …..nachher schrieben die
Zeitungen,dass der Bahnhof mehr besetzt war von Menschen als bei der
Ankunft von dem Reichspräsidenten Ebert. Ja und dann ist die Henny
Porten …..hat da ein paar Worte gesprochen in der Millerntor
Schauburg und das war der Anfang der Schauburg
Frage:
Wissen sie noch wie der Film hiess in dem sie da gespielt hat?
Rolf
Arno Streit: Nein, das weiss ich nicht.
Das
weiss ich nicht.
Frage:
Dann sind ja auch in den Schauburgen die Filme von dem Eisenstein
gezeigt worden. Können sie das noch mal erzählen?
Von
Eisenstein ist gezeigt worden…wie ich erinnere ….der Film
…..der Film Potemkin ….sonst wüßte ich nicht, welche Filme dort
aufgeführt worden sind.
Frage:
Wollt ich noch mal nachfragen ….es lief ja (Flugzeug) ………es
lief ja in den Schauburgen auch der erste Tonfilm……. dieser Ton
war ja nicht sehr lang. Können sie mal sagen wie das ausgehen hat?
Rolf
Arno Streit: “Der Film
hiess “Ich küsse ihre Hand Madam” mit Harry Liedtke und Marlene
Dietrich . Innerhalb des Films wurde dann das Lied gesungen…. vom
Blauen Engel ne….ich weiß nicht mehr genau…. es wurde ein Lied
gesungen…der nicht nachher wie die allgemeinen Tonfilme gespielt
ist sondern durch Grammophonübertragung
Carl
Heinz Streit: Plattensystem Plattensystem…nachher kam das Optik
System auf Das war der Jazzsinger mit Al Jolson.
Frage:
Wann war das?
Carl
Heinz Streit: Das war gleich danach…ich weiss nicht mehr
welches Jahr es war.
Frage:
Das war denn schon der richtige Tonfilm.
Carl
Heinz Streit: Das war der richtige Tonfilm…der optische Tonfilm
ja…der erste optische Tonfilm.
Frage:
Das hat ja bestimmt damals auch ne Menge Geld gekostet. Wissen sie
was sowas kostete…son Tonfilmapparatur?
Carl
Heinz Streit: Die Tonfilmapparatur….nein das weiß ich nicht.
Rolf
Arno Streit: Ja die waren irrsinnig teuer. Wenn….das war die
erste Schauburg, die damit ausgerüstet ….die ………die
Tonfilmübertragung gehabt hat.
Carl
Heinz Streit: Die optische.
Rolf
Arno Streit: Und dann hintereinander wurden die anderen
Schauburgen auch damit ………..versehen………Aber wie teuer das
war…….das war ein ungeheurer …ungeheuer teuer…aber wie teuer
kann ich leider nicht mehr sagen.
Frage:
Es gab ja lange auch einen Streit zwischen den Stummfilmleuten und
den Tonfilmleuten und die Stummfilmleute haben ja immer gesagt, das
wär gar keine Kunst, das wär irgendwie nur …irgendwas anderes .
Rolf
Arno Streit: Nun naja …die sind mit ihrer Meinung ja nicht
durch gekommen denn jetzt gibt es ja nur noch Tonfilme………Also
das glaub ich nicht, das die damit durch gekommen sind…Das so etwas
existiert hat, das erinner ich auch …..aber wird naürlich sofort
abgeblasen…..
Frage:
Es gab dann noch….den Film ”Im Westen nichts neues” über den
ersten Weltkrieg ….ein amerikanischer Film, der in den Ufa Kinos
weder synchronisiert noch gezeigt werden durfte oder sollte. Und der
ist ja in den Schauburgen gelaufen…..Können sie darüber noch mal
was sagen:
Rolf
Arno Streit: Ja das war ein großer Erfolg…aber ……viel mehr
kann ich auch nicht darüber sagen. Er wurde in den Schauburgen
gespielt und das weiss ich, das erinner ich, daß mein Vater uns
sagte ….es war ein ganz großer Erfolg ………………..
Frage:
Zur Premiere waren sie………..waren sie …..zur Premiere des
Films ….
Rolf
Arno Streit: Sicher waren wir zur Premiere des Films…aber
Einzelheiten kann ich nicht sagen….denn das liegt ja schon viele
…viele Jahre zurück.
Frage:
Herr Streit …können sie noch mal erzählen, wie sie von Rio nach
Belo Horizonte gekommen…………wann das war.
Rolf
Arno Streit: Wir sind angekommen……das sagte ich schon im
Jahre 1936 …….mein Bruder und ich…..Später sind meine Eltern
gekommen…im Jahre 1938
……und
wie bekannt ist Rio eine der heißesten Städte der Welt …..wir
haben hier im Sommer ……Hitze….. bis zu über 40 Grad im
Schatten ……..das konnten meine Eltern nicht
vertragen……deshalb sind wir nach Belo Horizonte übersiedelt,
welches ungefähr achthundert Meter hoch liegt und dadurch
……einen Filter….ein besseres Klima hat. Ich will ihnen jetzt
mal kurz mal Belo Horizonte zeigen, was wir von oben hier sehen
können.Hier das ist Belo Horizonte (Die sagen immer bello)
Frage:
So sah es doch 1941 bestimmt noch nicht aus….das war…
Rolf
Arno Streit: Das möchte ich noch mal sagen. Belo Horizonte, als
wir hierher kamen 1941…..hat circa hundertfünfzigtausend
Einwohner….jetzt …..hat Belo Horizonte etwa drei Millionen
Einwohner….also ist größer als Hamburg……..
………………………………Pause………………….
Fotoansichten
Carl
Heinz Streit:
Dieses
Foto ist aufgenommen bei dem Fotografen Bieber, der einstmals der
größte Fotograf in Hamburg war.Dies ist mein Vater, dies ist mein
Bruder Rolf und dies bin ich.Wie sie sehen habe ich vergessen, das
Taschentuch in die Tasche zu stecken und hab dadurch von meinem Vater
eine große Tadelung bekommen……(Wiederholung)
Das
habich ihnen dann zugedacht.
Carl
Heinz Streit: Dieses hier ist die Familie Urich-Saß. …..Mein
Onkel Hermann Urich-Saß, meine Tante Hedwig Urich-Saß, meine
Cousine Vera ……schon verstorben….mein Vetter Horst Urich-Saß
und mein Vetter Jürgen Urich-Saß…auch schon verstorben ………
Wiederholung
Carl
Heinz Streit: Dies ist die Familie Urich-Sass….Das ist meine
Tante Hedwig Urich-Saß….schon verstorben, das ist die Tochter
Vera….auch schon verstorben……mein Onkel Hermann Urich-Saß
verstorben……Jürgen Urich-Saß….auch verstorben….der einzige
überlebende der Familie ist mein Vetter Horst Urich-Saß, der in
Mexiko und in den Staaten lebt.
Jetzt
kommt das nächste Foto
Carl
Heinz Streit. Dieses sind meine Eltern, mein Vater und meine
Mutter. Beide auch schon verstorben.
Dies
sind meine Großeltern Frida Henschel und Jeremias -genannt James
Henschel… …..
Eins
ist da noch zwischen…ein Kinderfoto
Dies
ist mein Bruder Rolf Arno Streit und dies bin ich Carl Heinz
Streit…..das ist aufgenommen vor circa ….70 Jahren….
augenommen
vor circa 70 Jahren……….(1990)
Da
war ich sieben….und mein Bruder 6 Jahre alt.
Etwas
älter.
Rolf
Arno Streit: Mein Bruder ist ja ein Jahr älter als ich ………
Der
Bruder oder selbst.
Rolf
Arno Streit:Jein…mein Bruder ist ja ein Jahr älter als
ich….der kann ja nie jünger werden…
Gut
ja……
Das
Bild mit dem Motorrad.Aber das ist aber so klein.
Geht
los.
Hilde
Streit. Also ich bin einmal …..einmal in meinem Leben Motorrad
gefahren hab keine Ahnung gehabt und der hinter mir gesessen hat hat
immer gesagt bremsen und dann hab ich nicht gewußt, wie zu bremsen
und hab immer mehr Gas gegeben…….Frager:..Das Foto ist in Hamburg
aufgenommen?. Hilde Streit : Ja ist in Hamburg aufgenommen
worden…aber wo kann ich nicht mehr sagen —
…………….Rolf:
Bebelallee ? Wie lange muß das her sein, Hansa Strasse?
Rolf
Arno Streit:Dieses Bild ist aufgenommen auf der Hochzeitsfeier
von meiner Tante Grete und von dem Onkel Hermann…….der ist
vielleicht fünfundzwanzigsechsundzwanzig Jahre alt gewesen und meine
Tante war ja in den zwanziger ….Anfang zwanzig ……sie war die
Schwester meiner Mutter ….ist leider beim ersten Kind verstorben
…bei der Geburt des ersten Kindes …. Dies hier ist mein Großvater
James und meine Großmutter Frida…Dies hier ist mein Vater Hugo
Streit…und meine Mutter Sophie Streit…..
…Hier
ist ein Familienbild der Familie Streit ……das wurde aufgenommen
in….soweit ich erinnere in den Schauburg Studien ……es war ein
Freund meines Vaters …..der in den Schauburgen ….in den Läden
der Schauburgen Fotoateliers betrieb ………..Auf diesem Bild sehen
sie die ganzen Brüder meines Vaters ….hier mein Vater……..hier
ein Bruder Max ein Bruder Richard , Bruder Albert ….ein Bruder John
…das war der älteste …..Frauen und die Kinder …hier ist die
Schwester Grete Hirschel mit ihrem Mann ……..und hier ist noch
Franz Traugott, der Prokurist meines Vater geworden ist….mit seiner
Frau Bianca….die vor einigen Jahren mit neunundneunzig…. Jahren
gestorben ist. ………..Hier sind lauter ………..
.Frage:
Den Manfred ….ist der auch da drauf zu sehen…. Manfred
Hirschel……Ist der Manfred Hirschel auch da drauf zu sehen?
Rolf
Arno Streit: Hier ist Manfred Hirschel ……Dies hier ist ein
Familienbild der Familie Streit.Und zwar wurde das aufgenommen
….wenn ich mich nicht irre….zum siebzigsten Geburtstag meines
Großvaters Jakob Streit…..Hier sehen sie meine Eltern….mein
Vater Hugo Streit und meine Mutter …hier bin ich …schlecht
getroffen…hier ist Max….Richard…Albert…. John…Bianca…und
Grete….alles geborene Streits mit ihren Männern …hier sitzen die
ganzen Kinder ….also meine Cousinen und meine Cousins …hier ist
mein Bruder noch zu sehen.
,,…………Dies
hier ist auf dem Eiffelturm…..hier sitzt meine Mutter …..mein
Vater….mein Bruder Carl Heinz und ich …..das sind die ersten
langen Hosen….die wir in Paris von meinen Eltern geschenkt bekommen
haben ……..das erinner ich noch…hier auf diesem Bild sehen sie
meine Großeltern Frida Henschel und James Henschel …..mit ihrer
Tochter Bianca Henschel…….. aufgenommen in Wiesbaden ……..
Die
ist ein Familien……dies ist ein Bild meiner Eltern mit meiner
Großmutter …………..LKW
nochmal
alles ?Frage: nur das letzte.Bild
Rolf
Arno Streit.: Dies ist das Bild meiner Eltern, mein Vater
…meine Mutter… meine Großmutter Frida Henschel …..und
weitläufige Verwandte …………im Hintergrund sehen sie unseren
Cadillac Wagen ….das war der erste Cadillac von Hamburg……und
hatte Aufsehen erregt…hier ist noch zu sehen unser Chauffeur
………….Ja das ist mein Vater ….Auf diesem Bild sehen sie
meinen Vater im Hintergrund ein Flugzeug ….wo das gewesen ist, kann
ich ihnen leider nicht mehr sagen .
…………dies
sind meine Eltern Hugo Streit und Sophie Streit mit der Schauburg
Zeitung….Jedes Kino ….jedes Kino….also jede Schauburg hatte
eine ……..hat eine…..hat eine Zeitung bekommen….die
gleichzeitig ein Programm von dem jeweiligen …..Film …enthalten
hat …….
……………..Hier
sehen sie mein Vater Hugo Streit…und Hermann Urich-Saß….sein
Kompagnon …die beiden haben die Schauburgen und den ganzen Konzern
gemeinsam aufgebaut…………Auf diesem Bild sehen sie meine
Großeltern Frida und James Henschel ……..mein Vater ….Hugo
Streit und meine Mutter Sophie Streit …….am Europäischen
…..vor dem Europäischen Hof in Baden Baden
…………Auf
diesem Bild sehen sie unser Haus in der Rothenbaumchaussee …… im
Vordergrund stehen …steht die Familie…. und hier ist der Cadillac
….noch einmal richtig zu sehen
……………Dies
ist ein Bild aufgenommen in Rio de Janeiro ….da sind wir soweit
erinnerlich nach Petropolis raufgefahren….dies ist meine Frau und
dies bin ich ….Rolf …….auf diesem Bild sehen sie mein
Hochzeitsbild mit meiner Frau ………die in Holland in Haag
….gefeiert wurde…..weil ich seinerzeit nicht mehr nach
Deutschland zurückkehren konnte …ohne Gefahr zu laufen ins
Konzentrationslager zu
…..zu
kommen. Da haben wir bei meiner Tante, die damals in Holland
lebte…Bianca…..unsere Hochzeit gefeiert…. Zu der Hochzeit sind
die ganzen Verwandten …auch meine Großeltern…. James und Frida
….auch meine Eltern und die Eltern meiner Frau herübergekommen
……….Tja………..dies ist ein kleines Bild in Monte Carlo
aufgenommen …..ich ersehe daraus nur….mein Großvater James und
meine Großmutter Frida… …..ein Moment….
Dies
ist ein Bild von der Cap Norte……das Schwesternschiff von der Cap
Polonio ….mit dem wir …meine Frau und ich nach der Hochzeit
wieder zurückgefahren sind nach Rio…. zurück bin nur ich gefahren
…..meine Frau habe ich aber mitgenommen ……..Hilde Streit:
Dankeschön (lacht)………………..Dies war auch ein Bild
…..hier ist der Betrüger drauf…das will ich gar nicht zeigen.
…
Frage:
Das ist auch von der Überfahrt.
Rolf
Arno Streit:…das ist auch der Betrüger drauf
Frage:
Dann machen wir die Zwischenstation in Portugal noch. Rolf Arno
Streit: Was ist das denn…..Frager: Portugal.
Rolf
Arno Streit: In Lissabon Sierra Campus …… 1937
…….Auf
diesem Bild ….soll ich anfangen…Auf diesem Bild sehen sie meine
Großeltern Streit Jakob und
Trude……………(Strassenbahn?geräusche)…….Auf diesem Bild
sehen sie meine Eltern auf der Cap Polonio …… sie besuchten uns
zu jener Zeit in Rio ………..sie besuchten uns im Jahre 1937
…nein das kann nicht sein…sie sind damals aus Amerika zurück
gekommen……ich entsinne das nicht mehr ganz genau
….
Hier sehen sie meine Eltern Hugo und Sophie Streit mit den Eltern
meines Vaters Trude und Jakob Streit …..mein Bruder Carl Heinz und
ich als der jüngere….auf dem Bild erscheine ich der Höhe wegen
als der ältere….aber in Wirklichkeit bin in der jüngere
……..hier
auf diesem Bild sehen sie meinen Bruder mit seiner Amme ……..das
bin ich….. da…
da
arische Musiker nicht mehr für Juden spielen durften…..spielen
durften haben wir eine jüdische Kapelle gegründet…………. den
Namen Catus…..ich war der Kapellmeister ….dies sind alles
jüdische Musiker …..wir spielten sehr viel auf jüdischen
Festen…privater Natur und auch …..entsinne ich ein Henry Jones
Logenball ……Henry Jones Logenball …..Hernry Jones Loge war eine
jüddische Loge und die hat dann jedes Jahr ein großes Fest gegeben
auf dem wir gespielt haben ………….
Frage:Buenos
Aires steht da hinten drauf.
Rolf
Arno Streit: Buenos Aires ……die haben gar nichts mit uns zu
tun…………: Ja dann sind wir durch.
Frage.
Das ist auch schon Buenos Aires
Rolf
Arno Streit: Nein das ist Travemünde.
Travemünde….
Ah ja…….(Hundegebell im Hintergrund)
Rolf
Arno Streit: Auf diesem Bild sehen sie wie die Menschen früher
am Strand angezogen waren. Dieses Bild zeigt den Strand von
Travemünde. Mein Vater im Badeanzug meine Mutter in der
Badeho….anzug. Mein Onkel…..alle gut gekleidet…hier bin ich und
hier ist mein Bruder Carl Heinz .
Das
ist 19…..und etwa 1913 gewesen….so ging man an den Strand….ne
eben nicht…ich hab mich geirrt….es waren keine Badeanzüge
……..es waren Anzüge mit steifen Kragen…..Eckenkragen ….meine
Mutter in einem eleganten Sommerkleid….mit Hut und die Amme hier
mit dicken Brüsten zu sehen.
Frager:
Und das andere Foto…können wir das noch sehen?
Rolf
Arno Streit: Hier sehen sie wiederum am Strand von Travemünde
die ganze Familie in ihren besten Kleidungsstücken…….
Frage.
Da waren laute Kinder, wollen wir das noch mal haben
ja
einmal
Rolf
Arno Streit: Aufg diesem Bild sehen sie die ganze Familie wie sie
damals vor circa achtzig Jahren am Strand von
Travemünde…….erschienen.
Hilde
Streit: Jetzt wenn sie in Rio sehen….wie die Leute da schwimmen
……
Frage:
Ich glaube, das genügt auch.
Ist
es alles schön Herr Kameramann?
Brasilianisch
wird jetzt geredet.
Die
Fragen stellte Jens Meyer, Kamera hat Dietmar Bruns gemacht
Neulich erhielt ich Post von meinem Freund, dem Rechtsanwalt. Er hatte mal wieder telefonischen Kontakt mit der freundlichen Dame vom Grundbuchamt. Aber, leider, leider, die entsprechenden Blätter aus dem Grundbuch sind nicht auffindbar. Zufällig handelt es sich um zwei Grundstücke, auf denen früher Kinos standen. Heute sind es die so genannten Sahnegrundstücke der Hamburger Innenstadt: Dammtorstrasse 14 und Gänsemarkt 43. Die Kinos hiessen Waterloo Theater und Lessing Theater und es wird behauptet, daß sowohl die Grundstücke, als auch die Kinos die darauf standen, den Kinobesitzern selber gehörten.
Nur beweisen kann man es nicht, solange die entsprechenden Grundbuchblätter fehlen. Dagegen sind die Grundbuchblätter ab 1938 für die entsprechenden Grundstücke vorhanden. Aber auch die sind nicht jedermann zugänglich. Der Datenschutz, versteht sich. Das war nicht immer so. Bis 1970 waren die Grundbesitzer in den Adressbüchern abgedruckt. Merkwürdig, wie sie und warum daraus verschwunden sind. Da heißt es entsprechende Vollmachten zu besorgen und wer kann sich schon Vollmachten besorgen von Menschen, die von deutschen Bürgern umgebracht wurden?
Und genau da beginnt die Sache mit der Geschichte der Hamburger Kinos schwierig zu werden. Inzwischen sind seit jener Zeit zwei Generationen vergangen. Die Opfer sind tot, die damaligen Täter, die ihren Kindern eingeredet hatten, dass Sie ein Opfer ihrer Zeit waren und keineswegs Täter, und auch die Kinder, die ihrerseits zur Legendenbildung beigetragen haben, ihre Väter hätten das enteignete Eigentum rechtmäßig erworben, sind inzwischen verstorben. So ist ein nüchterner Blick auf die Hamburger Kinogeschichte heute eher möglich, als noch vor zwanzig Jahren, als ich mit den Recherchen zur Geschichte der Hamburger Schauburg Kinos begonnen habe.
Der Eigentümer, so behaupte ich, der Grundstücke Gänsemarkt 48, Büschstrasse 1, belegen im Grundbuch Neustadt Nord, Band XVI, Blatt 776, Flurbuch Nr. 818 , Grösse 270 qm und Gänsemarkt 46 und Büschstrasse 2, belegen im Grundbuch Neustadt Nord XVII, Blatt 818, Flurbuch Nr. 861, war Jeremias genannt James Henschel, geboren in Hamburg, am 5. Februar 1863, Staatsangehögikeit: deutsch, Religion: jüdisch, verheiratet mit Friderike Henschel, geb. Blumenthal, drei Kinder. James Henschel ist von Beruf Kaufmann. Im August 1938 flüchtet das Ehepaar zu Ihrer Tochter Bianca nach Holland, die sich dort mit einem portugiesischem Konsul verheiratet hat und seit dem Bianca Kahn heisst.
Ein Jahr später – am 26. August 1939 – stirbt Jeremias Henschel im Exil in Scheveningen/Holland. (Wohnanschrift von James und Frida Henschel bei ihrer Tochter Bianca Kahn und Dr. Isidor Kahn, Scheveningen, Kapelplein 7 am 8. September 1939) Am 13. Juni 1939 beantragt der Oberfinanzpräsident Hamburg bei der GESTAPO die Ausbürgerung von Jeremias Henschel. Im Monat darauf am 7. Juli 1939 beantragt die GESTAPO Hamburg bei der GESTAPO Berlin die Ausbürgerung von Friederike Henschel, geb. Blumenthal. Am 16. September 1939 ist die Bekanntmachung der Ausbürgerung von Jeremias Henschel und Friderike Henschel durch den Reichsminister sowie sofortiger Beschlagnahmung des gesamten Vermögens. Wer sich auf die Suche nach den Kinoeigentümern macht, denen die Kinos früher – vor 1933 – gehört haben, hat es nicht leicht. Die Spuren sind gründlich verwischt, die Quellen werden gehütet. So werden die nicht auffindbaren Seiten der Grundbücher zum Hüter der verlorenen Schätze und haben damit fast Kinoqualität. Jens Meyer 9. Dezember 2004
Die Fotos entstanden am 18. Oktober 1930 vor dem Hotel >Europäischer Hof< in Baden-Baden.
Foto eins (von oben): Das jüdische Kinobesitzer Ehepaar Frida und Jeremias (genannt James) Henschel (von links nach rechts).
Foto zwei: Das jüdische Kinobesitzer Ehepaar Frida und Jeremias Henschel mit ihrer Tochter Bianca Henschel.
Foto drei: Sophie Streit (geb. Henschel. Tochter von Frida und Jeremias Henschel), Frida Henschel, Jeremias Henschel und der Kinobesitzer Hugo Streit (Henschel Film und Theaterkonzern OHG), der mit Sophie Streit verheiratet war. Alle Personen sind geborene Hamburger.
Die Ausnahme ist Frida Henschel (geb. Blumenthal), die in Lübeck geboren ist. Sie hatten alle die deutsche Staatsangehörigkeit, bis die Nazis an die Macht kamen. Jeremias und Frida Henschel flüchteten zunächst zu ihrer Tochter nach Den Haag, wo diese mit dem Rechtsanwalt und Konsul von Portugal Dr. Isidor Kahn verheiratet war.
Dort starb Jeremias Henschel. Frida Henschel flüchtete anschließend nach Mexiko und starb später in New York. Bianca Henschel heiratete und überlebte den Holocaust als Bianca Kahn.
Die Fotos stammen von Rolf Arno Streit (Enkel von Frida und Jeremias Henschel), dem die Flucht nach Belo Horizonte in Brasilien gelang.Hugo Streit (Teilhaber des >Henschel Film- & Theaterkonzerns OHG) auf dem Hamburger Flughafen (Deutsche Luft Hansa).
Er steht vor einem Flugzeug der Firma >Junkers<, die ihn nach London bringen soll. Dort besucht er im >Alhambra< Kino die Premiere der amerikanischen Originalfassung (Die Tonfassung) des Filmes von Lewis Milestone >All quiet on the western front< (Im Westen nichts Neues), der später in zwei seiner Hamburger Kinos >Schauburg< wochenlang gezeigt wird.
Die weissen Mäuse waren Herrn Goebbels offensichtlich ausgegangen. Die UFA, unter deutschnationaler Führung von Alfred Hugenberg, hatte sich geweigert, die Tonfassung dieses Filmes deutsch zu synchronisieren und in ihren Kinos zu zeigen.
Der Autor des Romanes (Im Westen nichts Neues) kam aus Osnabrück, der Vater des Produzenten des Filmes kam aus Laupheim bei Ulm. Der Film lief in London in zwei Kinos: Dem >Alhambra< und dem >Royal Cinema< im Londoner Westend.
In Deutschland wurde der Film verboten und durfte später nur noch in sog. geschlossenen Vorführungen gezeigt werden. Nach der Machtübergabe an die Nazis am 31. Januar 1933 wurde er endgültig verboten. Vermutlich, weil die Kriegsvorbereitungen nicht gestört werden sollten.
Erst am 14. März 1952 gelangte der Film, der ursprünglich eine Länge von 140 Minuten gehabt hatte, in einer gekürzten Fassung mit neuer Synchronisation in die westdeutschen Kinos.
Die erste deutsche Synchronfassung von „All Quiet on the Western Front“ (Im Westen nichts Neues) wurde von der Firma: „Rhythmographie GmbH, Alte Jacobstr. 133 “ 1930 in Berlin hergestellt.
Die Leitung der Synchronarbeiten hatte der ehemalige Ufa ChefdramaturgViktor Abel. Viktor Abel war nach Nazidefinition Jude und war am 2. Dezember 1892 in Kiev geboren, das in dieser Zeit zum Russischen Kaiserreich gehörte. Am 21.10. 1941 wurde er nach Lodz deportiert und dort ermordet. Die Filmgeschichte hat ihn vergessen.
Hamburg Altona. Belle Alliance. Vorführung Lebender Photographien und Kaiser-Café Postkarte vom Mai 1906
Rechts sieht man den Eingang des Lessing Theaters (Kino) von Jeremias (genannt James) Henschel. Das Foto vom Gänsemarkt muß vor dem 21. Dezember 1929 entstanden sein. An diesem Tag wurde der Neubau (Deutschlandhaus) der Architekten Fritz Block und Ernst Hochfeld eröffnet. Die Gebäude in der Mitte des Bildes (Apotheke u. a.) wurden für die Errichtung des Büroneubaus abgebrochen. Im Hof dieses Neubaus wurde ein Kino mit 2.600 Sitzplätzen gebaut, das an die UFA verpachtet wurde. Dem jüdischen Kinobesitzer Jeremias Henschel(Lessing Theater) und den jüdischen Architekten Fritz Block und Ernst Hochfeld(Deutschlandhaus mit Großkino) gelang 1938 die Flucht aus Deutschland.
Fotos zwei und drei von Jens Meyer
1974 und 1984
Postkarte eins und zwei: Fotografen sind unbekannt. Die zweite Aufnahme ist zwischen 1929 und 1943 entstanden. (Bombentreffer)
Friderike, Jeremias und Bianca Henschel am 18. Oktober 1930 vor dem Hotel Europäischer Hof in Baden Baden in Deutschland.
Architekt Semmy Engel
Talmud Tora Abschlussklasse von 1879. Der Photograph ist Elias Wohlgemuth (Foto von 1879). Sein Atelier befand sich in der 2. Jacobstrasse Nr. 11 in Hamburg, im IV. Stock. Leider ist keine Namensliste dieser 22 Schüler auffindbar. Es gibt die Vermutung, dass sich unter den abgebildeten Personen befinden: Der spätere Architekt Semmy Engel und der spätere Kinopionier Jeremias Henschel, die vermutlich beide 1870 in die Talmud Tora Schule Kohlhöfen 19/20 eingeschult wurden.
Alte Postkarte: BELLE =ALLIANCE VORFÜHRUNG LEBENDER PHOTOGRAPHIEN! (Das Foto entstand vermutlich Anfang 1906) PS: Die Vorführung lebender Photographien wurde im Januar 1906 eröffnet. Ulrich Mott hat das richtige Eröffnungsdatum herausgefunden. Im Staatsarchiv von Hamburg gibt es eine Feuerwehrakte über das Belle Alliance Kino. Danach ist der Eröffnungstermin, der 28. April 1906 gewesen (Ein Sonnabend). Das macht Sinn. Zwar begann der Mietvertrag am 1. Januar 1906. Aber das Kino mußte ja erst eingebaut werden: Projektoren, Bestuhlung, Leinwand. Das Foto für die Postkarte ist vermutlich Anfang 1906 (Elektrische Straßenbahn) entstanden.
Foto vom Donnerstag, d. 26. April 2018 (112 Jahre später)
Frederica, Jeremias (James) und Bianca Henschel. (Das Foto entstand am 18. Oktober 1930 vor dem Hotel Europäischer Hof, Baden Baden, Deutschland).
Versuch einer Biografie: Friederica Blumenthal ist am 17. Oktober 1865 als Tochter von Max und Pauline (geb. Ludewig) Blumenthal in Lübeck geboren. 1883 wohnen sie in der Böttcherstrasse 265 in Lübeck und ziehen 1885 in die Böttcherstrasse 17 um. Friederica ist das erste Kind der Blumenthals. Bis 1888 folgen 12 Geschwister. Am 21. April 1887 heiratet Frida Blumenthal in Hamburg den Hamburger Kaufmann Jeremias Henschel, der sich später James Henschel nennt.
Jeremias Henschel wird am 5. Februar 1863 als Sohn von Abraham Israel Henschel und seiner Frau Caroline Henschel geb. Joseph in Hamburg geboren. Vater Abraham Israel Henschel handelt mit Stoffen und Herrenkleidung.
Jeremias Henschel kommt als Schüler in die Talmud Tora Schule. Dort wird er von seinem Lehrer Daniel Wormser verprügelt und dabei so unglücklich gegen einen Schrank gestoßen, dass sein rechtes Bein später amputiert werden muss. Im Kleiderhandel ist Jeremias Henschel nicht besonders erfolgreich. 1891 wird das Konkursverfahren eröffnet. Am 6. 12. 1892 wird die Firma gelöscht.
In der Zeitschrift Liskor – Erinnern Nr. 14 auf Seite 14 schreibt Jürgen Sielemann: [„In den ersten Jahren nach der Jahrhundertwende wandte sich Jeremias Henschel einer ganz neuen Branche zu und hatte damit großen Erfolg. Das Hamburger Adressbuch von 1908 offenbart das Nähere: „James Henschel, Lebende Photographien, Hammerbrookstr. 76.“ Den Vornamen James hatte er nach dem Konkurs zum Gebrauch im Geschäftsleben als Ersatz für den unmodern klingenden Namen Jeremias angenommen.“ (Seite 14, Liskor-Erinnern).]
Ein Interview mit James Henschel über seine Tätigkeit als Kinounternehmer ist in der LBB (LichtBildBühne) vom 16. August 1930 abgedruckt: Dort berichtet James Henschel, das BELLE=ALLIANCE habe nur einen schwarzen Tag erlebt. Das war der Tag, an dem der Michel, die Michaelis Kirche, brannte. Dienstag, den3. Juli 1906. Die gesamte Tageskasse (1.400 Plätze) wies nur 56,00 Mark auf. Die LBB war eine Tageszeitung, erschien in Berlin und wurde von dem jüdischen Verleger Karl Wolffsohn herausgegeben.
Karl Wolffsohn war ebenfalls Kinobesitzer und betrieb in Berlin und Essen zwei große Kinos, die den Namen „Lichtburg“ hatten.
Die Kinos und der Verlag der LBB (Lichtbildbühne) wurden ihm geraubt. Im Nazi Sprech hieß das: „Das Kino wurde arisiert“. Er flüchtete aus Deutschland. 1949 kehrte er zurück und kämpfte vor Gericht um die Rückgabe seines Eigentums. Das Ende der Prozesse erlebte er nicht mehr. Er starb am 6. Dezember 1957 in Berlin.
Ein so großes Kino, wie das BELLE=ALLIANCE von Frida und James Henschel gibt es in Hamburg nicht mehr. Der größte Saal befindet sich im Cinemaxx Kino am Dammtor Bahnhof (2017). Der Saal 1 hat aber nur 1001 Sitzplätze. Der Baubeginn war im Dezember 1995.
Die Aufnahme ist Mai 1996 entstanden. Das Foto zeigt den Bau des Saales Nr. 1. Foto Jens Meyer, Saal 1 soll Tausendundeinen Sitzplatz bekommen.
Foto Jens MeyerBELLE=ALLIANCE. Das Foto ist vor dem 5. März 1894 entstanden. (Pferde Straßembahn). An diesem Tag wurde die Pferdebahn durch eine elektrische Straßenbahn ersetzt. Der Umbau vom Ballsaal in das Theater Lebender Photographien ist im Jahr 1905 erfolgt.
Als das Kino eröffnet wurde, am 28. April 1906, da fuhr bereits die elektrische Straßenbahn an der Altonaer Ringlinie. Standort: Schulterblatt 115, Eimsbütteler Strasse 2. Betreiber des Kinos war das Ehepaar Henschel. (oben abgebildet). Frida Henschel (geb. Blumenthal) und Jeremias (genannt James) Henschel.
James Henschel war ein jüdischer Kaufmann, der zusammen mit seiner Gattin seit Dezember 1905 ein Kino in Hamburg Altona >Helios Theater< mit 500 Sitzplätzen betrieb. Das BELLE=ALLIANCE hatte 1400 Sitzplätze und wurde am 28. April 1906 eröffnet. Das Gebäude wurde im zweiten Weltkrieg 1943 zerstört. Die Information über die Anzahl der Sitzplätze stammt aus einem Interview mit James Henschel, das in der LBB (LichtBildBühne) vom 16. August 1930 erschienen ist. Autor des Artikels ist Hermann Lobbes.
lbb_beil2ff Das Foto von Wilhelm Vogt, der Kassenräuber von Köpenick, verhaftet am 26. Oktober 1906, bezieht sich auf die beiliegende PDF der Lichtbildbühne von 1930. Dort beschreibt James Henschel den Erfolg des zweiten Films in seinem Kino Belle Alliance, als er den Film: „Der Hauptmann von Köpenick“ (produziert von Buderus aus Hannover) erfolgreich gezeigt hat. Ein Kassenschlager. Das Bild habe ich bei Wikipedia gefunden. Vermutlich ist die Aufnahme von einem Polizisten bei der Verhaftung von Wilhelm Voigt entstanden. Wenn der Mann gewußt hätte, wieviel mit seiner Geschichte verdient werden kann, dann hätte er sich vielleicht die Filmrechte gesichert, fällt mir dazu 2019 ein.
Lichtburg Essen
Lichtburg Berlin Gesundbrunnen
Alte Postkarte Belle=Alliance Vorführung lebender Photographien